Sparen war gestern

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jorikke
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon jorikke » Mo 16. Sep 2019, 19:36

Atue001 hat geschrieben:(16 Sep 2019, 00:30)

Den nicht vorhandenen Sparzinsen stehen gleichzeitig 0%-Kredite im Konsumbereich gegenüber. Häuslebauer liegen bei maximal 1-2% Zinsen.
In Zeiten, in denen es Zinsen aufs Sparbuch gab, hatten wir Konsumentenkredite mit 3-4% und Häuslebauer zahlten auch 6% Zinsen - die Inflation lag schnell bei 3%.

In der Diskussion rund um Zinsen wird schnell vergessen, dass es ein Gleichgewicht zwischen Sparzinsen, Kreditzinsen und Einkommenssteigerungen gibt.
Derzeit treibt die EZB den privaten Sparer mit relevanten Anteilen in Richtung Sparen über Investitionen in Aktien oder Immobilien oder entsprechende Fonds. Das ist ein anderer Markt als noch vor 30 Jahren - nur, wer die Vorgaben der EZB auch zum Sparen umsetzt, der kann heute genauso gut mit seinem Geld auskommen, wie noch vor 30 Jahren.

Das Sparbuch war auch vor 30 Jahren nicht das beste Sparinstrument - die Zinsen lagen meist unterhalb oder allenfalls knapp an der Inflationsgrenze. Das wird nur meist in der Diskussion vergessen......

Modernes Sparen bedeutet: Investition in energetisch günstige Elektrogeräte, in ein Auto mit niedrigen Spritwerten, oder in Fonds, die zukunftsträchtige Firmen finanzieren.


Dein "modernes Sparen" ist eine ganz witzige Interpretation. Du bringst da wohl "sparen" und "einsparen" ein wenig durcheinander.
Was machst du denn mit der ganzen Kohle die du durch günstigen Einkauf eingespart hast?
Anlegen bei 0-Zins?
Da schließt sich dann der Beratungskreis.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Misterfritz » Mo 16. Sep 2019, 21:21

Das Problem ist doch eher ein anderes.
Die Leute sparen nicht mehr, egal, ob sie 40 oder 100 € im Monat sparen könnten.
Das "Hobby" shoppen hat schon Jugendliche im Griff.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Atue001 » Di 17. Sep 2019, 00:51

jorikke hat geschrieben:(16 Sep 2019, 19:36)

Dein "modernes Sparen" ist eine ganz witzige Interpretation. Du bringst da wohl "sparen" und "einsparen" ein wenig durcheinander.
Was machst du denn mit der ganzen Kohle die du durch günstigen Einkauf eingespart hast?
Anlegen bei 0-Zins?
Da schließt sich dann der Beratungskreis.


Es ist die Frage, wozu du sparen willst? Du kannst ja sehr wohl in Fonds, Bausparverträge, Immobilien oder auch in Güter des Konsums anlegen - die entsprechenden gewollten wirtschaftlichen Effekte stellen sich damit durchaus ein. Derzeit ist eher das Problem, dass zu viele einfach nur das Geld auf einem Konto bunkern - das bringt Negativzinsen oder Nullzinsen, aber eben nicht den gewollten wirtschaftlichen Effekt. Und - die Inflation springt so halt auch nicht an. Vernünftig wäre, beispielsweise in Umwelttechnologie oder Klimatechnologie zu investieren. Da aber fehlt die lenkende Hand des Staates - der versagt hier und ist oft noch kontraproduktiv unterwegs.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Skull » Di 17. Sep 2019, 10:03

Atue001 hat geschrieben:(17 Sep 2019, 00:51)

Es ist die Frage, wozu du sparen willst? Du kannst ja sehr wohl in Fonds, Bausparverträge, Immobilien oder auch in Güter des Konsums anlegen - die entsprechenden gewollten wirtschaftlichen Effekte stellen sich damit durchaus ein.

Derzeit ist eher das Problem, dass zu viele einfach nur das Geld auf einem Konto bunkern - das bringt Negativzinsen oder Nullzinsen, aber eben nicht den gewollten wirtschaftlichen Effekt. Und - die Inflation springt so halt auch nicht an. Vernünftig wäre, beispielsweise in Umwelttechnologie oder Klimatechnologie zu investieren.

Da aber fehlt die lenkende Hand des Staates - der versagt hier und ist oft noch kontraproduktiv unterwegs.

Das sehe ich anders.

Sparen ... in Güter des Konsums. Man kann ja alles umformulieren. Auch den Begriff Sparen. :D

Nicht das Sparen auf dem Konto hat den Effekt Negativzinsen.
Da bringst Du die Zusammenhänge des Bankensystem nicht vernünftig zusammen.

Und noch weniger halte ich etwas von der lenkenden Hand des Staates.
Das der auch noch die Menschen bewegen/zwingen soll, wie und wohin die Menschen sparen.
Das ist weder seine Aufgabe, noch sinnvoll.

Es sei denn, Du bist der Meinung die Menschen hätten in der Vergangenheit gedrängt werden sollen,
in Militär, Atomkraft, Strassenbau und Kohle zu investieren.
Oder irgendetwas anderes, was dem Staat (die Staaten) für wichtig erschien.

Ich...bin da ein Freund, die Menschen in erster Linie selbst zu bewerten und entscheiden zu lassen.
Ohne Lenkung.

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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Paccon » Di 17. Sep 2019, 10:20

Ist doch nur eine weitere Umverteilung nach oben. Man will normalen Menschen einreden sie müssen in Dinge investieren von denen die meisten keine Ahnung haben. Wem kommt das zu Gute?
Mit Glück ein wenig den Sparern, mit Sicherheit aber den Unternehmen. Der Kapitalismus verlangt stätig nach mehr. Mehr Wachstum, mehr Geld,... Jetzt kommt dieses Geld eben von den Sparbüchern. Man hat einen Weg gefunden den Menschen ihr erspartes Geld zu entreißen. Entweder sie investieren oder es wird von alleine weniger.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon firlefanz11 » Di 17. Sep 2019, 10:47

Misterfritz hat geschrieben:(16 Sep 2019, 21:21)

Das Problem ist doch eher ein anderes.
Die Leute sparen nicht mehr, egal, ob sie 40 oder 100 € im Monat sparen könnten.
Das "Hobby" shoppen hat schon Jugendliche im Griff.

Obs nur am shoppen hängt lass ich mal dahin gestellt aber dass man das Geld lieber ausgibt als es anzulegen bei der aktuellen Marktlage ist wohl mehr als verständlich. Wobei ausgeben gerade beim shoppen ja genau genommen anlegen in Sachenwerte ist. ;)
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon firlefanz11 » Di 17. Sep 2019, 10:58

Skull hat geschrieben:(17 Sep 2019, 10:03)

Sparen ... in Güter des Konsums. Man kann ja alles umformulieren. Auch den Begriff Sparen. :D

Man kann es auch "anlegen in Sachwerte" nennen... :D

Und noch weniger halte ich etwas von der lenkenden Hand des Staates.
Das der auch noch die Menschen bewegen/zwingen soll, wie und wohin die Menschen sparen.
Das ist weder seine Aufgabe, noch sinnvoll.

Ich...bin da ein Freund, die Menschen in erster Linie selbst zu bewerten und entscheiden zu lassen.
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mfg

100% d'accord... :thumbup:
Was zwar theoretisch eine gute Idee wäre aber viiiiiel zu spät käme, und zu unpassender Zeit wenn man bedenkt, dass die Märkte seit numehr fast zwei Jahren seitwärts laufen (wenn man mal den DAX, der schon fast FÜNF Jahre lang seitwärts läuft aussenvorlässt) wäre ein Staatsfonds nach norwegischem Vorbild, in den man investieren kann... Birgt zwar auch gewisse Risiken wär better than nix...
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Misterfritz » Di 17. Sep 2019, 12:26

firlefanz11 hat geschrieben:(17 Sep 2019, 10:47)

Obs nur am shoppen hängt lass ich mal dahin gestellt aber dass man das Geld lieber ausgibt als es anzulegen bei der aktuellen Marktlage ist wohl mehr als verständlich. Wobei ausgeben gerade beim shoppen ja genau genommen anlegen in Sachenwerte ist. ;)
Welche Sachwerte? Das neue smartphone, das schon an Wert verloren hat, wenn Du es aus dem Laden trägst? Oder die neueste Mode, die nach ein paar Monaten im Altkleidercontainer landet?
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Skull » Di 17. Sep 2019, 13:19

Und nochmal grundsätzlich...

Sparen ist der Verzicht auf den Verbrauch von Einkommen oder Gütern (Konsumverzicht)
-> zwecks späterer Verwendung.

Da ist es unerheblich, aber dieser heutige Verzicht negative oder positive Erträge beinhaltet.
In erster Linie geht es um die Transformation in die Zukunft. Um später zu ge- oder zu verbrauchen.

Da reicht es, wenn der (Gegen) Wert in der Zukunft etwa „ähnlich“ ist.

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Re: Sparen war gestern

Beitragvon H2O » Di 17. Sep 2019, 13:23

Misterfritz hat geschrieben:(17 Sep 2019, 12:26)

Welche Sachwerte? Das neue smartphone, das schon an Wert verloren hat, wenn Du es aus dem Laden trägst? Oder die neueste Mode, die nach ein paar Monaten im Altkleidercontainer landet?


Man muß das Einkaufen zum Zeitvertreib (shopping) wohl so bewerten. Davon zu unterscheiden ist das Einkaufen, um zuvor schon abgeklärten Bedarf zu decken: Gezielt angesteuerte Verkaufsstellen, um dort Ware zu erwerben. Leider ist es auch dort so, daß planvoll gekaufte Ware sehr schnell ihren Wert verliert... aus nahezu gleichen Gründen, aber immerhin mit dem erstrebten Gebrauchswert.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon jorikke » Di 17. Sep 2019, 13:59

Misterfritz hat geschrieben:(16 Sep 2019, 21:21)

Das Problem ist doch eher ein anderes.
Die Leute sparen nicht mehr, egal, ob sie 40 oder 100 € im Monat sparen könnten.
Das "Hobby" shoppen hat schon Jugendliche im Griff.


Bau doch hier keinen Popanz auf.
Die Sparquote der privaten Haushalte liegt in Deutschland so um die 10%.
1998 exakt bei 10%, stieg dann bis 2008 auf 10,5%, erreichte den Tiefststand 2013 mit 8,9% und hat sich heute bzw. 2018 wieder bei 10% eingependelt.
Alles in allem eine sehr geringe Schwankungsbreite.
Was veranlasst dich zur Märchenstunde?
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Misterfritz » Di 17. Sep 2019, 14:18

jorikke hat geschrieben:(17 Sep 2019, 13:59)

Bau doch hier keinen Popanz auf.
Die Sparquote der privaten Haushalte liegt in Deutschland so um die 10%.
1998 exakt bei 10%, stieg dann bis 2008 auf 10,5%, erreichte den Tiefststand 2013 mit 8,9% und hat sich heute bzw. 2018 wieder bei 10% eingependelt.
Alles in allem eine sehr geringe Schwankungsbreite.
Was veranlasst dich zur Märchenstunde?
Die eigentliche Sparquote sagt aber auch nicht allzuviel aus. Es gibt so viele Privatinsolvenzen, weil Leute gedankenlos Konsumkredite abschliessen, die ihnen überall angeboten werden.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Skull » Di 17. Sep 2019, 14:50

Misterfritz hat geschrieben:(17 Sep 2019, 14:18)

Die eigentliche Sparquote sagt aber auch nicht allzuviel aus.

Es gibt so viele Privatinsolvenzen, weil Leute gedankenlos Konsumkredite abschliessen, die ihnen überall angeboten werden.

Da muss ich mal widersprechen. Die Sparquote sagt schon etwas aus.
Zumal sie ja auch eine wichtige volkswirtschaftliche Grösse ist.

Natürlich ist die zunehmende Verschuldung von Privathaushalten ein Problem.
Und auch die nachfolgenden steigenden Insolvenzen.

Das ist aber allenfalls ein Beleg für die Spreizung der Gesellschaft.
Haben, wollen und sich leisten können.

Aber die Sparquote ist und bleibt in Deutschland (relativ) hoch.
So gibt es mehr Menschen, die mehr sparen und vorsorgen (können), aber ebenso auch mehr Menschen,
die dieses nicht tun oder ... nicht können.


Für mich aber gilt...sparen war gestern. :D :p

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Re: Sparen war gestern

Beitragvon BlueMonday » Di 17. Sep 2019, 14:57

Paccon hat geschrieben:(17 Sep 2019, 10:20)

Ist doch nur eine weitere Umverteilung nach oben. Man will normalen Menschen einreden sie müssen in Dinge investieren von denen die meisten keine Ahnung haben. Wem kommt das zu Gute?
Mit Glück ein wenig den Sparern, mit Sicherheit aber den Unternehmen. Der Kapitalismus verlangt stätig nach mehr. Mehr Wachstum, mehr Geld,... Jetzt kommt dieses Geld eben von den Sparbüchern. Man hat einen Weg gefunden den Menschen ihr erspartes Geld zu entreißen. Entweder sie investieren oder es wird von alleine weniger.


Wenn, dann wollen die Menschen mehr und nicht ein bloßer Begriff wie "der Kapitalismus". Im Realsozialismus ging es auch vor allem um Produktionssteigerungen, also um "mehr", um Wachstum. Und was will man mit gespartem Geld anfangen außer es irgendwann wieder auszugeben (konsumierend oder investierend). Geld als Tauschmittel ist für sich allein gesehen weitestgehend nutzlos. Der ganze Sinn des Geldes ist letztlich die zeitliche Überbrückung, dass man also den Tausch (Leistung gegen Leistung) zeitlich dehnen kann. Von daher ist auch Sparen nicht (von) gestern, sondern wohnt dem Wesen des Geldes inne.
Letztlich geht es hier darum, dass es Menschen wie den Threadersteller gibt, die nach risikolosen Möglichkeiten der Geldvermehrung suchen und freilich immer weniger welche finden und dies bedauern. Die zentrale Geldplanwirtschaft spült immer wieder frisches Geld heraus. Die Suche nach Investitionsmöglichkeiten verschärft sich, die damit einhergehende Inflation verrringert die Kaufkraft des Gesparten. Und so baut sich ein gewisser Handlungsdruck auf...
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Gruwe » Mi 18. Sep 2019, 21:43

Misterfritz hat geschrieben:(16 Sep 2019, 21:21)
Das "Hobby" shoppen hat schon Jugendliche im Griff.


Das trifft 100% den Nagel auf den Kopf!
Das Übel der heutigen Zeit ist, dass Shopping selbst zum Erlebnis für viele geworden ist, zum Selbstzweck. Ebenso der Erwerb von Konsumgütern zur Realisierung von Distinktionsgewinnen!

Ich kann jedem nur raten, sich diesen Käse abzugewöhnen - so wie ich es auch getan hab - und das Leben lebt sich deutlich leichter!
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Gruwe » Mi 18. Sep 2019, 21:46

Paccon hat geschrieben:(17 Sep 2019, 10:20)

Ist doch nur eine weitere Umverteilung nach oben. Man will normalen Menschen einreden sie müssen in Dinge investieren von denen die meisten keine Ahnung haben. Wem kommt das zu Gute?
Mit Glück ein wenig den Sparern, mit Sicherheit aber den Unternehmen. Der Kapitalismus verlangt stätig nach mehr. Mehr Wachstum, mehr Geld,... Jetzt kommt dieses Geld eben von den Sparbüchern. Man hat einen Weg gefunden den Menschen ihr erspartes Geld zu entreißen. Entweder sie investieren oder es wird von alleine weniger.


Der Kapitalismus ist zumindest eins: Eine spitzenmäßige Ausrede!

Wenn etwas in den eigenen Augen schief läuft, zack, es wird garnicht mehr hinterfragt welchen Anteil man selbst darauf hat, was man selbst tun kann, etc. Nein, es wird der externen "Größe" Kapitalismus zugeschrieben, daran kann man nix ändern, und schon ist das Thema für einen selbst gegessen.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Gruwe » Mi 18. Sep 2019, 21:48

Misterfritz hat geschrieben:(17 Sep 2019, 12:26)
Welche Sachwerte? Das neue smartphone, das schon an Wert verloren hat, wenn Du es aus dem Laden trägst? Oder die neueste Mode, die nach ein paar Monaten im Altkleidercontainer landet?


Mal ehrlich: Inwiefern interessiert denn der Sachwert tatsächlich? Hast du schonmal ein Smartphone verkauft? Wenn man es 1-2 Jahre genutzt hat...das kauft einem doch keiner mehr ab!
Lieber sowas als Nutzwert ansehen. ;)
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Gruwe » Mi 18. Sep 2019, 21:52

H2O hat geschrieben:(17 Sep 2019, 13:23)
Man muß das Einkaufen zum Zeitvertreib (shopping) wohl so bewerten. Davon zu unterscheiden ist das Einkaufen, um zuvor schon abgeklärten Bedarf zu decken: Gezielt angesteuerte Verkaufsstellen, um dort Ware zu erwerben. Leider ist es auch dort so, daß planvoll gekaufte Ware sehr schnell ihren Wert verliert... aus nahezu gleichen Gründen, aber immerhin mit dem erstrebten Gebrauchswert.


Ich sehe kaum einen Grund, planvoll gekaufte Ware für mich mit ihrem Kaufpreis, o.ä. zu "bilanzieren". Ich bin jemand, der mittlerweile mehr oder weniger minimalistisch lebt. Insofern kaufe ich im Allgemeinen nix (an Konsumgütern), von dem ich bereits beim Kauf plane, es irgendwann mal wieder zu verkaufen (tut das denn tatsächlich irgendwer in relevantem Maße?). Insofern ist der Gebrauchswert doch ein vernünftiges Maß! :thumbup:
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Misterfritz » Mi 18. Sep 2019, 21:58

Gruwe hat geschrieben:(18 Sep 2019, 21:48)

Mal ehrlich: Inwiefern interessiert denn der Sachwert tatsächlich? Hast du schonmal ein Smartphone verkauft? Wenn man es 1-2 Jahre genutzt hat...das kauft einem doch keiner mehr ab!
Lieber sowas als Nutzwert ansehen. ;)
Deshalb ja meine Nachfrage.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Atue001 » Do 19. Sep 2019, 00:28

Skull hat geschrieben:(17 Sep 2019, 10:03)

Das sehe ich anders.

Sparen ... in Güter des Konsums. Man kann ja alles umformulieren. Auch den Begriff Sparen. :D

Nicht das Sparen auf dem Konto hat den Effekt Negativzinsen.
Da bringst Du die Zusammenhänge des Bankensystem nicht vernünftig zusammen.

Und noch weniger halte ich etwas von der lenkenden Hand des Staates.
Das der auch noch die Menschen bewegen/zwingen soll, wie und wohin die Menschen sparen.
Das ist weder seine Aufgabe, noch sinnvoll.

Es sei denn, Du bist der Meinung die Menschen hätten in der Vergangenheit gedrängt werden sollen,
in Militär, Atomkraft, Strassenbau und Kohle zu investieren.
Oder irgendetwas anderes, was dem Staat (die Staaten) für wichtig erschien.

Ich...bin da ein Freund, die Menschen in erster Linie selbst zu bewerten und entscheiden zu lassen.
Ohne Lenkung.

mfg


Hier haben wir eine fundamental differente Sichtweise auf grundlegende Fragestellungen des Zusammenlebens.

Ich möchte mal ein Beispiel bringen: Thema Versicherungen.

Die Grundidee einer Versicherung ist es, dass das allgemeine Risiko auf das Eintreten eines ungewollten Ereignisses finanziell dadurch abgesichert wird, dass man das Risiko auf viele Menschen aufteilt. Jeder zahlt nur einen kleinen Beitrag - aber die, die vom Schaden betroffen sind, können dann profitieren (sind so gesehen Gewinner des Marktes) und die anderen, die kein Schadensereignis haben, zahlen nur. (sind also die Verlierer.....)

Die Perversion einer Versicherung ist es, den Versicherungstarif individuell zu kalkulieren - tut man das, dann wird der individuelle Tarif genau dem Erwartungswert entsprechen, den man zu zahlen hat - allerdings inklusive dem Aufschlag für die Versicherung.

Solange man als Staat zulässt, dass der Versicherungsmarkt mehr und mehr in Richtung individueller Schadenswahrscheinlichkeit organisiert wird, stellte man gleichzeitig Sinn und Zweck der Versicherungsmarktes an und für sich mehr und mehr in Frage.

WIE genau der Markt für Versicherungen zu organisieren ist, ist sicherlich von der eigenen politischen Überzeugung abhängig. DASS er organisiert werden sollte, ist aber klar - denn unorganisiert, ist der Versicherungsmarkt reine Willkür und beliebig.
Es ist EINE Kernaufgabe des Staates, die Märkte zu organisieren - und zwar nicht so, dass die Märkte optimal funktionieren, sondern so, dass die Menschen im Staat den zugehörigen Markt subjektiv als "Richtig organisiert" erleben.


Dem Staat ausgerechnet bei seiner KErnaufgabe - also der Organisation der Märkte - zu misstrauen, ist ziemlich schräg. Gäbe es keinen organisierenden Staat, dann wären alle Märkte nach dem Recht des Stärkeren organisiert....willst du ernsthaft Faustrecht bei der Krankenversicherung?

Das bedeutet im Übrigen gerade nicht, dass ich dafür bin, dass der Staat alle Märkte sozialistisch organisiert! Märkte planwirtschaftlich zu betreiben wird der Lebenswirklichkeit im Staat wirklich nicht gerecht! GUT organisierte Märkte werden permanent beobachtet und immer wieder wird auch darüber nachgedacht, wie sich für diesen Markt die gesetzlichen Rahmenbedingungen verändern müssen, damit der Markt weiterhin zum Wohle möglichst vieler wirkt.

Die Idee, dass Märkte ohne staatliche Organisation überhaupt wirken können - die halte ich für naiv. Denn für solche Märkte gilt immer nur das Recht des Stärkeren - oder von mir aus auch das Recht dessen, der mehr bereit ist, den anderen übers Ohr zu hauen. MEINEM Gerechtigkeitsanspruch genügt das nicht.

GUT organisierte Märkte zeichen sich dadurch aus, dass es einen allgemein akzeptierten gesetzlichen Rahmen dazu gibt, der wenig Änderungsbedarf hat. Der Staat greift dann wenig ein, und der Markt entwickelt sich zum Wohle der Allgemeinheit.
Wo das nicht entsteht, ist der Markt nicht gut organisiert - und der Staat muss dann eingreifen!

Sicher will ich die Menschen selbst entscheiden lassen - aber doch nicht beliebig und immer wieder bei den Basics. Es gibt gute Gründe, warum es beispielsweise AGBs gibt - oder eine DSGVO oder oder oder.....wollen wir all das ganz grundlegend in Frage stellen für mehr ungeregelte Märkte die dann nach Faustrecht funktionieren? Wohl eher nicht!

Es ist Kernauftrag und Kernaufgabe des Staates die jeweiligen Märkte so zu organisieren, dass sie hinreichend stabil, sicher, sozial, ökologisch etc. etc. etc. wirken. Der Markt ist kein Selbstzweck - der Markt ist immer für die Menschen da! Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht der Markt. Ein optimaler Markt ohne Menschen ist genau nichts (!) wert.


Gerade aber weil Menschen differenzierte Erwartungen an Märkte haben, ist es Kernaufgabe und Kernkompetenz des Staates, hier einen angemessenen Interessensausgleich gesetzlich zu organisieren - ich bin kein gläubiger Anhänger der reinen Marktfetischisten, die der Überzeugung sind, dass man Märkte auch unorganisiert lassen soll, dann würde sich schon alles selbst optimieren.....

Ich sehe Märkte eher als das an, was genau die KErnaufgabe des Staates ist - wenn ein Markt funktioniert, sollte der Staat die Finger davon lassen - aber da, wo Märkte noch nicht funktionieren, sollte der Staat organisierend eingreifen und dafür sorgen, dass ein funktionierender Markt entsteht! Und funktionieren tut ein MArkt, wenn er in Richtung der gewollten Entwicklung wirkt.

Meine Sichtweise!

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