DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

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franktoast
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon franktoast » Di 15. Jan 2019, 10:30

Alter Stubentiger hat geschrieben:(15 Jan 2019, 10:01)

Man fragt sich natürlich schon was deine Intention ist wenn du das Problem mit den Steuern für Online-Konzerne so kleinredest. Bei der EU sieht man das Ganze allerdings sehr kritisch:
https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... kommt.html


Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Jan 2019, 10:09)

Es gibt auch AWS Server in Deutschland. Amazons Steuersparmodell ist nun wirklich bekannt, das lässt sich nicht wegreden.


Es ist wirklich nicht klar, wer da wo besteuert. Dieses digitale Onlinezeug lässt sich nicht klar bemessen. Stellt euch vor, ich stelle ein Computerspiel in Deutschland her. Meine Webseite hoste ich über einen holländischen Anbieter(der physikalische Server könnte auf Island liegen). Ich stelle am Ende des Jahres fest, 20 000 Downloads (5$ verlange ich pro Download), 100 000$ Gewinn(ich hatte praktisch keine Ausgaben). Kein Download aus Deutschland. Ansonsten weltweit 38 unterschiedliche Länder. Lohn hast du dir keinen berechnet, aber eben eine Gewerbe eintragen lassen.

Wo müssen diese 100 000€ besteuert werden?
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 15. Jan 2019, 11:20

franktoast hat geschrieben:(15 Jan 2019, 10:30)

Es ist wirklich nicht klar, wer da wo besteuert. Dieses digitale Onlinezeug lässt sich nicht klar bemessen. Stellt euch vor, ich stelle ein Computerspiel in Deutschland her. Meine Webseite hoste ich über einen holländischen Anbieter(der physikalische Server könnte auf Island liegen). Ich stelle am Ende des Jahres fest, 20 000 Downloads (5$ verlange ich pro Download), 100 000$ Gewinn(ich hatte praktisch keine Ausgaben). Kein Download aus Deutschland. Ansonsten weltweit 38 unterschiedliche Länder. Lohn hast du dir keinen berechnet, aber eben eine Gewerbe eintragen lassen.

Wo müssen diese 100 000€ besteuert werden?

Uninteressantes Szenario. Es muß egal sein wo ich kaufe. Die Steuer muß einfach immer entrichtet werden. Egal ob der Server in Holland steht oder in Buxtehude. Egal ob ich vor Ort im Laden einkaufe oder bei Amazon. Auch dass ist Marktwirtschaft.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon Tom Bombadil » Di 15. Jan 2019, 11:35

franktoast hat geschrieben:(15 Jan 2019, 10:21)

Ich sage es nochmal: Ob die Quantds oder der hartz4ler diese 25Mrd. nicht in den Konsum steckt, ist ja erstmal egal.

Die Quandts haben aber noch x weitere Milliarden, mit denen sie ihrem Konsumrausch frönen können, das mit dem H4ler in einen Kontext zu stellen ist nach wie vor menschenverachtend.

Ich versuche es mal so:

Deine Beispiele sind und bleiben unsinnig und undurchführbar, weil dein Gedankenexperiment unsinnig und undurchführbar ist.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon Tom Bombadil » Di 15. Jan 2019, 11:42

franktoast hat geschrieben:(15 Jan 2019, 10:30)

Wo müssen diese 100 000€ besteuert werden?

In Deutschland, weil da dein Unternehmen ansässig ist, die Umsatzsteuer wird da fällig, wo der Kunde ansässig ist. Würdest du es wie Amazon machen, hättest du in Europa mehrere Niederlassungen in Steuersparländern wie Luxemburg, Niederlande und Irland und dein Hauptsitz wäre zB. in Delaware, dann würdest du sehr viel weniger Steuern zahlen.
Analog müssten die Gewinne der Amazon Deutschland GmbH in Deutschland versteuert werden, die werden aber durch "Steueroptimierung" minimiert.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon franktoast » Di 15. Jan 2019, 11:45

Alter Stubentiger hat geschrieben:(15 Jan 2019, 11:20)

Uninteressantes Szenario. Es muß egal sein wo ich kaufe. Die Steuer muß einfach immer entrichtet werden. Egal ob der Server in Holland steht oder in Buxtehude. Egal ob ich vor Ort im Laden einkaufe oder bei Amazon. Auch dass ist Marktwirtschaft.

Die frage war, wo die Steuer entrichtet wird. Amazon zahlt auf seinen Gewinn genauso Steuern wie jeder andere. Die Frage ist ja nur in welchem Land.

Das Beispiel ist natürlich interessant. Wo erzielt denn Amazon seinen Gewinn? Dort, wo man den Umsatz erzielt? Das ist doch nicht richtig. Nehmen wir an, Amazon hat ein Lager in Deutschland und pro verkauften Schuh(als Beispiel) entstehen Kosten von 50€ und ein Nettoumsatz von 70€. Nun wäre das ein operativer Gewinn 20€. Es wird jedoch nicht der operative Gewinn besteuert, denn es gibt ja ach noch andere Kosten. Die Kosten des Servers in Island, die Kosten des Managements inklusive Büros in den USA und Luxemburg.

Dann kommen noch Späße wie die Primemitgliedschaft. Diese kostet im Jahr 70€. Dazu bekommt man ne Stange an Filmen und verbesserte Versantbedingungen (=operative Mehrkosten pro Sendung für Amazon). Und nun?

Sorry, aber so ein Steuergesetz zu schreiben und durchzusetzen kostet wahrscheinlich mehr Aufwand als die erhaltenen Steuern. Amazon hat dazu nicht nur erhöhte Steuern (weniger Investitionen in zB. neue Technologien möglich), sondern auch einen erhöhten Bürokratieaufwand.
Was will man erreichen? Diese Bürokratiekosten sind Millionen von Arbeitsstunden, die man einfach für Sinnvolleres verwenden könnte. Amazon macht ja auch was. Meinst du, nur der Staat kann tolle Dinge mit Steuereinnahmen machen, während Amazon keinem Menschen einen Gefallen tut?

Meiner Ansicht nach wäre es sinnvoller, Gewinne auf Unternehmensebene gar nicht zu besteuern. Körperschaftssteuer auf 0, Gewerbesteuer auf 0. Die Abgeltungssteuer betrifft Dividenden, Zinsen, Gewinne aus Veräußerungen (zB. Aktien), die aktuell mit 25% besteurert werden.
-> Hier sollte man im Gegenzug den persönlichen Steuertarif anwenden, also bis zu 47,5% statt nur 25%. Wenn also ein Unternehmer seine Gewinne für private Zwecke verwenden würde, würde er die gleiche Höhe an Steuern bezahlen wie heute.

Problematisch ist hier aber natürlich, dass jedes Land dieses zweiteilige Steuersystem hat. Steuern auf Unternehmens- und Personenebene. Ein Alleingang eines Landes ist da etwas schwierig.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon franktoast » Di 15. Jan 2019, 11:47

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Jan 2019, 11:35)
Die Quandts haben aber noch x weitere Milliarden, mit denen sie ihrem Konsumrausch frönen können, das mit dem H4ler in einen Kontext zu stellen ist nach wie vor menschenverachtend.

Ich weiß. Du wiederholst dich. Es ist also menschenverachtend, wenn man einem Hartz4ler auf dem Blatt Vermögen zuschreibt, dass er nicht ausgeben darf. Ok, ich werde das Beispiel in Zukunft anders formulieren und stattdessen den Staat als stillen Eigentümer nehmen.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon franktoast » Di 15. Jan 2019, 12:00

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Jan 2019, 11:42)
In Deutschland, weil da dein Unternehmen ansässig ist, die Umsatzsteuer wird da fällig, wo der Kunde ansässig ist. Würdest du es wie Amazon machen, hättest du in Europa mehrere Niederlassungen in Steuersparländern wie Luxemburg, Niederlande und Irland und dein Hauptsitz wäre zB. in Delaware, dann würdest du sehr viel weniger Steuern zahlen.
Analog müssten die Gewinne der Amazon Deutschland GmbH in Deutschland versteuert werden, die werden aber durch "Steueroptimierung" minimiert.

Wie im letzten Beitrag an Stubentiger geschrieben hab, ist es eben nicht so einfach, wo Amazon ihre Gewinne erwirtschaftet. Natürlich betreibt Amazon Steueroptimierung. Das ändert allerdings nichts daran, dass es trotzdem schwer ist. Amazon Deutschland Gmbh. Können die nur das Geld ausgeben, das sie von deutschen Kunden bekommen? Wäre ja aus Konzernsicht Quatsch. Was ist mit mit Prime? Mit der Webseite? Marketing? Sowas passiert ja nicht autark in Deutschland.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon Tom Bombadil » Di 15. Jan 2019, 12:09

franktoast hat geschrieben:(15 Jan 2019, 11:47)

Es ist also menschenverachtend, wenn man einem Hartz4ler auf dem Blatt Vermögen zuschreibt, dass er nicht ausgeben darf.

Nein, es ist menschenverachtend, seine Situation mit der von milliardenschweren Erben auf ein Level zu stellen und die Erben zu loben, weil sie Riesengewinne, die sie für den Konsum nicht brauchen, reinvestieren.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon Tom Bombadil » Di 15. Jan 2019, 12:11

franktoast hat geschrieben:(15 Jan 2019, 12:00)

Wie im letzten Beitrag an Stubentiger geschrieben hab, ist es eben nicht so einfach, wo Amazon ihre Gewinne erwirtschaftet.

Als wüsste Amazon nicht, wo und wie die Gewinne erwirtschaftet werden :D

Natürlich betreibt Amazon Steueroptimierung.

Und die Politik ist nicht willens, das abzustellen und solange so eine Ungerechtigkeit herrscht, muss das angeprangert werden, solche Steuerschlupflöcher für Megakonzerne gehören geschlossen.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 15. Jan 2019, 12:12

franktoast hat geschrieben:(15 Jan 2019, 11:45)

Die frage war, wo die Steuer entrichtet wird. Amazon zahlt auf seinen Gewinn genauso Steuern wie jeder andere. Die Frage ist ja nur in welchem Land.

Das Beispiel ist natürlich interessant. Wo erzielt denn Amazon seinen Gewinn? Dort, wo man den Umsatz erzielt? Das ist doch nicht richtig. Nehmen wir an, Amazon hat ein Lager in Deutschland und pro verkauften Schuh(als Beispiel) entstehen Kosten von 50€ und ein Nettoumsatz von 70€. Nun wäre das ein operativer Gewinn 20€. Es wird jedoch nicht der operative Gewinn besteuert, denn es gibt ja ach noch andere Kosten. Die Kosten des Servers in Island, die Kosten des Managements inklusive Büros in den USA und Luxemburg.

Dann kommen noch Späße wie die Primemitgliedschaft. Diese kostet im Jahr 70€. Dazu bekommt man ne Stange an Filmen und verbesserte Versantbedingungen (=operative Mehrkosten pro Sendung für Amazon). Und nun?

Sorry, aber so ein Steuergesetz zu schreiben und durchzusetzen kostet wahrscheinlich mehr Aufwand als die erhaltenen Steuern. Amazon hat dazu nicht nur erhöhte Steuern (weniger Investitionen in zB. neue Technologien möglich), sondern auch einen erhöhten Bürokratieaufwand.
Was will man erreichen? Diese Bürokratiekosten sind Millionen von Arbeitsstunden, die man einfach für Sinnvolleres verwenden könnte. Amazon macht ja auch was. Meinst du, nur der Staat kann tolle Dinge mit Steuereinnahmen machen, während Amazon keinem Menschen einen Gefallen tut?

(gekürzt)

Der Staat hat gesamtgesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen. Das geht nun mal nur mit Steuern von denen die die hiesigen Möglichkeiten und Infrastruktur nutzen. Und da ist Amazon gefragt.

.....Die großen Tech-Konzerne beherrschen das Spiel auf der Klaviatur dieser Regeln hervorragend. Sie haben sich Konstrukte geschaffen, bei denen ihre europäischen Niederlassungen für die Nutzung des geistigen Eigentums hohe Summen an eine Holding zahlen, die physisch gar nicht existiert, weil sie keine Mitarbeiter, Büros oder Geschäftsaktivitäten hat. Denn mehr als Vertriebsgesellschaften sind die europäischen Niederlassungen meist nicht. Diese Holdings müssen als nicht ansässige Unternehmen dort auch keine Steuern zahlen. So ist Amazon in Luxemburg in den Jahren zwischen 2006 und 2014 vorgegangen. Und auch Apple hat dieses Konstrukt in Irland gewählt.......
https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... kommt.html
Weshalb Apple dazu verdonnert wurde 13 Milliarden nachzuzahlen. Es geht hier nicht um ein paar Milliönchen wie du hier gerne suggerieren möchtest. Es geht um massive Wettbewerbsvorteile für die Online-Riesen.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon franktoast » Di 15. Jan 2019, 12:31

Alter Stubentiger hat geschrieben:(15 Jan 2019, 12:12)

Der Staat hat gesamtgesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen. Das geht nun mal nur mit Steuern von denen die die hiesigen Möglichkeiten und Infrastruktur nutzen. Und da ist Amazon gefragt.

Ohne Zweifel müssen hier Steuern abgeführt werden.
Wenn Amazon etwas kauft und verkauft, fallen 19% Umsatzsteuer an. Wenn Amazon Menschen beschäftigt, fallen Einkommenssteuer und Sozialabgaben an. Für den benutzten Strom bezahlt Amazon die Stromsteuer. Die LKWs auf der Straße bezahlen Maut. und und und
Und wenn ich meine Amazonaktien mit Gewinn verkaufe, zahle ich natürlich auch Steuern an den deutschen Staat.

Amazon erzielt etwa 10% seines Umsatzes in Deutschland, also etwa 17Mrd.
- Etwa 11Mrd. sind die eingekauften Sachen wie etwa die Nike-Schuhe etc.
- 2,5Mrd. sind das Fullfillment. Darunter fallen die Lager, die Mitarbeiter im Lager etc.. Ich würde sagen, da fallen etwa 500Mio. an Einkommensteuer an und etwa 500Mio. an Sozialabgaben
- 1Mrd. an Marketing? Schwer zu sagen, was da in Deutschland gemacht wird. Sagen wir 100Mio. Steuern und 100Mio. Abgaben.
- 2,5Mrd. Technologie und Content. Damit sind wohl Webseiten und die Videoplattform + Amazon Music gemeint. Puh, keine Ahnung. Sagen wir auch 100Mio. Steuern und 100Mio. Abgaben.
- 250Mio. allgemeines Management und Verwaltung. Vernachlässigen wir.

Hier fallen also für die Geschäfte von Amazon + 19% Umsatzsteuer etwa 700Mio. Sozialabgaben + 4Mrd. Steuern an.

Anteilig wäre der Gewinn bei etwa 300Mio., den Amazon jetzt noch in Deutschland versteuern soll. Also mit welchem Gewerbesteuertarif? Was wenn die Amazon Deutschland GmbH in einer Gemeinde mit niedrigstem Gewerbesteuertarif ist? Nehmen wir den Durschnitt 15%. Also plus Kst 90Mio.

Dann würde Amazon sich endlich an den Staatsausgaben beteiligen. Es kann nicht sein, dass Amazon hier 90Mio. spart und die deutsche Infrastruktur etc. nutzt.

Achso, natürlich müsste man das Steuergesetz komplett umschreiben und deutlich komplizierter machen. Für alle! Ich rechne mit einem bürokratischem Mehraufwand deutlich oberhalb dem, was an Steuerzugewinn dazu käme. Gewonnen hat nur die Bürokratie, verloren der Aufwand. Amazon würde durch die gesparten Steuern den Supermarkt der Zukunft entwickeln. Aber das wäre ja nur für Amazon gut. Dann lieber Finanzberater durchfüttern. Davon hat ja jeder was.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon Tom Bombadil » Di 15. Jan 2019, 12:38

franktoast hat geschrieben:(15 Jan 2019, 12:31)

Anteilig wäre der Gewinn bei etwa 300Mio., den Amazon jetzt noch in Deutschland versteuern soll.

Woher stammen diese Zahlen eigentlich? Und selbst wenn es nur 30 Mio € Gewinn wären, im Sinne der Steuergerechtigkeit müssten auch die versteuert werden. Vor allen Dingen muss aber der Gewinnverschiebung aus einem Land mit hohen Steuern in ein Land mit niedrigen Steuern Einhalt geboten werden.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon franktoast » Di 15. Jan 2019, 14:43

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Jan 2019, 12:38)

Woher stammen diese Zahlen eigentlich? Und selbst wenn es nur 30 Mio € Gewinn wären, im Sinne der Steuergerechtigkeit müssten auch die versteuert werden. Vor allen Dingen muss aber der Gewinnverschiebung aus einem Land mit hohen Steuern in ein Land mit niedrigen Steuern Einhalt geboten werden.

Amazon macht etwa 3Mrd. Gewinn und 10% des Umsatzes in Deutschland. Praktisch der komplette Gewinn wird mit AWS erzielt. Wobei, das scheinen nur noch die Hälfte zu sein.
https://www.statista.com/chart/9174/ama ... ng-profit/
https://de.statista.com/statistik/daten ... -weltweit/

Ich weiß jetzt nicht, inwieweit du in dem Thema drin bist, aber ich denke, du stellst dir diese Gewinnverschiebung etwas zu einfach vor. Wenn es so simpel wäre, hätte man schon längst ein Gesetz verabschiedet. Das ist es aber nicht.

Du solltest das auch nicht überbewerten. Ich hab dir gesagt, um welche Summen es bei Amazon geht. Schau dir mal die Zentralen der DAX-Konzerne an. München, Frankfurt etc. In der Regel verschiebt man seine Zentrale nicht wegen ein paar Milliarden Euros, die man über die Zeit sparen würde. BMW wird nicht vom Hochsteuerort München wegziehen, obwohl sie in der günstigsten deutsche Gemeinde 1Mrd. pro Jahr sparen würden.

Übrigens: Google verdient sein Geld durch Werbung. Wenn ich nach "Hotel New York" google und auf den Werbeclick von Booking.de clicke, wo muss Google die Einnahme versteuern? New York? USA? Deutschland? Wenn ich das Hotel dann in New York über Booking.de buche, wo bezahlt Booking.de seine Steuern? New York? USA? In deren Zentrale? Da wo deren Server steht? In Deutschland?

Klar sollte sein: Wenn man eine steuerliche Regeln durchbringen würde, würde Deutschland natürlich auch Steuern durch die Lappen gehen, die man heute bekommt. Ob das zu Mehreinnahmen führt, weiß keiner. Eines ist auf alle Fälle sicher: Bürokratiekosten fallen auf alle Fälle an. Unterm Strich gibt es auf alle Fälle Verlierer.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon Klopfer » Di 15. Jan 2019, 15:55

Ha ha ha, hat die Zensur wieder zugeschlagen.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon Tom Bombadil » Di 15. Jan 2019, 17:03

franktoast hat geschrieben:(15 Jan 2019, 14:43)

Amazon macht etwa 3Mrd. Gewinn und 10% des Umsatzes in Deutschland.

Also einfach nur geschätzt, na gut.

Ich weiß jetzt nicht, inwieweit du in dem Thema drin bist...

Weit genug. Das Thema ist vor allen Dingen ein politisches Problem, weil natürlich die Steueroasen nicht auf die - wenn auch geringeren - Steuereinnahmen verzichten wollen.

Schau dir mal die Zentralen der DAX-Konzerne an. München, Frankfurt etc. In der Regel verschiebt man seine Zentrale nicht wegen ein paar Milliarden Euros, die man über die Zeit sparen würde.

Das brauchen sie auch nicht, dafür gibt es ja die Steueroasen.

Unterm Strich gibt es auf alle Fälle Verlierer.

Ja, die Aktionäre bekämen etwas weniger Gewinnausschüttung. Aber wie wir hier gelernt haben, brauchen die das Geld ja sowieso nicht, also können sie auch drauf verzichten.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon franktoast » Mi 16. Jan 2019, 10:28

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Jan 2019, 17:03)
Also einfach nur geschätzt, na gut.

Jep, wie sonst? Auch wenn Amazon da intern genauere Zahlen hat, können die das auch nicht 100% sagen. Denn es gibt nun mal Einmalkosten und wenn da x Kunden in Deutschland dazu kommen, dann kann man diese Einmalkosten eben auf mehr Kunden aufteilen.
Beispiel: Den Amazon Echo hat Amazon für 1Mrd. entwickelt. Die Herstellungskosten sind 50€, der Verkaufspreis liegt bei 70€. Nun verkauft Amazon 50Mio. Stück in den USA. Also genau Break Even. Nun werden auch noch 10Mio. in Deutschland verkauft. Wieviel Gewinn macht Amazon mit dem Echo in Deutschland?

Weit genug. Das Thema ist vor allen Dingen ein politisches Problem, weil natürlich die Steueroasen nicht auf die - wenn auch geringeren - Steuereinnahmen verzichten wollen.

Klar ist das auch ein politisches Problem.

Das brauchen sie auch nicht, dafür gibt es ja die Steueroasen.

BMW bezahlt auf seinen Gewinn etwa 30% Steuern. Welche Steueroasen?

Ja, die Aktionäre bekämen etwas weniger Gewinnausschüttung. Aber wie wir hier gelernt haben, brauchen die das Geld ja sowieso nicht, also können sie auch drauf verzichten.

Also diese Tec-Konzerne schütten keine Gewinne aus, aber hier unwichtig.
Du kennst ja das Beispiel. Wenn von A 100€ genommen werden und B 100€ erhält, ist das erstmal kein Wohlstandsverlust. A hat eben um das weniger, was B nun mehr hat. Das ist anders, wenn A 100€ weggenommen werden, 20€ Bearbeitungskosten anfallen und 80€ erhält. Nun könntest du argumentieren: Ist ja nicht schlimm, die 20€ Bearbeitungskosten sind ja nur wieder der Lohn von jemand anderen. Also wäre es gleich.
-> Nein. Dieser 20€ Bearbeitungsaufwand ist weg. Ohne diese Bearbeitungsgebühr hätte B um 20€ mehr Leistungen kaufen können, was auch wiederum ein Einkommen von jemand anderen gewesen wäre. Nur dass B dadurch etwas im Wert von 100€ bekommen hätte, was er will. Durch die Bearbeitungsgebühr wären nur Güter von 80€ erzeugt worden, die jemand aktiv will.

Diese Internetfirmen machen ja etwas mit dem Geld. Würde der Staat ihnen das Geld mit 0 Aufwand wegnehmen, und der Staat könnte damit ähnlich effizient arbeiten, hätten wir kein Problem. Bei einer Umsatssteuer ist der Aufwand auch relativ gering und die Steuereinnahmen hoch. Va. ein Anheben des Steuertarifs von zB. 19 auf 20% ist praktisch mit 0 Aufwand verbunden.
Irgendwie an diese Gewinne ranzukommen macht enorm viel Aufwand, die möglichen Steuereinnahmen eher gering.

Deswegen bin ich klar für möglichst einfach zu erhebende und möglichst wenige Steuerarten, damit der Staat seine Einnahmen generieren kann. Wie siehst du das?
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon Klopfer » Mi 16. Jan 2019, 12:12

Warum wusste ich schon vorher dass es auf eine Umsatzsteuererhöhung hinausläuft? Wen trifft das am meisten?
Genau, diejenigen die am meisten von ihren Einkünften verbrauchen, konsumieren, die unteren Einkunftsbereiche, die Prekären.
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 16. Jan 2019, 12:28

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Jan 2019, 11:42)

die Umsatzsteuer wird da fällig, wo der Kunde ansässig ist.


Das ist so nicht richtig. Wesentlich ist der Ort der Leistungserbringung.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon franktoast » Mi 16. Jan 2019, 15:24

Klopfer hat geschrieben:(16 Jan 2019, 12:12)

Warum wusste ich schon vorher dass es auf eine Umsatzsteuererhöhung hinausläuft? Wen trifft das am meisten?
Genau, diejenigen die am meisten von ihren Einkünften verbrauchen, konsumieren, die unteren Einkunftsbereiche, die Prekären.

Ja, die, die sich von den Geld Konsumgüter wie Autos, Schiffe oder Klamotten kaufen. Sparen und Investitionen werden belohnt, Konsum wird teurer. Was ist daran verkehrt. Bald regt man sich wieder auf, dass sich in Deutschland keiner ein Haus leisten kann oder das Pro-Kopf-Vermögen so gering ist.
Warum haben Schweden, Norwegen etc. so geringe Unternehmenssteuern, aber die höchsten Umsatzsteuern der Welt? Geht es deswegen den Menschen dort so schlecht?
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Re: DAX-Unternehmen vergesellschaften - Gedankenexperiment

Beitragvon Klopfer » Mi 16. Jan 2019, 16:00

franktoast hat geschrieben:(16 Jan 2019, 15:24)

Ja, die, die sich von den Geld Konsumgüter wie Autos, Schiffe oder Klamotten kaufen. Sparen und Investitionen werden belohnt, Konsum wird teurer. Was ist daran verkehrt. Bald regt man sich wieder auf, dass sich in Deutschland keiner ein Haus leisten kann oder das Pro-Kopf-Vermögen so gering ist.
Warum haben Schweden, Norwegen etc. so geringe Unternehmenssteuern, aber die höchsten Umsatzsteuern der Welt? Geht es deswegen den Menschen dort so schlecht?

Die die im Verhältnis am meisten Umsatzsteuer bezahlen kaufen keine Schiffe. Ausser vielleicht in deiner bizarren Phantasie.
Eine höhere Umsatzsteuer geht primär immer zu Lasten der unteren Einkommensgruppen. Genau die Gruppe die kein Geld übrig hat um zu sparen und zu investieren.
der Kollege TB hat vollkommen recht, deine Thesen sind menschenverachtend und höhnisch. Jim Carrey wird mir immer unsymphatischer.

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