Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

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Klopfer
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon Klopfer » Mo 26. Nov 2018, 05:38

GLÜ2010 hat geschrieben:(25 Nov 2018, 19:08)

SOZIALSTAAT




Bin leider erst jetzt dazu gekommen , den interessanten Disput zwischen `Adler`und ´Betrachter` über „ Sozialstaat zu verfolgen .
Ein Sozialstaat ist das Eingeständnis, dass es dauerhafte Armut gibt“ , trifft aus meiner Sicht nur auf einen Sozial-FLICKEN-Staat zu . D.h. wenn man ständig der Behebung der URSACHEN der Hauptprobleme ausweicht und nur ihre SYMPTOME mildert oder nur kaschiert . So entsteht mittelfristig ein sogenannter SOZIALER-FLICKENTEPICH , der mittel- bis langfristig teuer wird .

Die 1. Maßnahme des Staates nicht der Unternehmer muß es sein ,dem marktwirtschaftlich und zwar sozial-marktwirtschaftlich entgegen zu wirken , in dem er per RAHMEN-Gesetz dafür sorgt .
z.B. anstelle von ständigen Lohnaufstockungen ein Mindestlohn der bei Vollzeitbeschäftigung ohne Staatszuschuß zum leben reicht . Zeitarbeits-Mißbrauch und befristete Verträge etc. ….siehe : S 11 : http://www.politik-forum.eu/viewtopic.p ... &start=200




Selbstverpflichtung der Wirtschaft ? Selten so gelacht .
Moral gehört in die Kirche UND in die Gesetze .




Moral s.o. . Schwarze Zahlen d.h. Profit braucht jede Marktwirtschaft auch die Soziale . Die oberste Gottheit unserer Zeit die “ Profit-MAXIMIERUNG “ hat mit SOZIALER-Marktwirtschaft nichts zu tun . Der Neoliberalismus verkauft sie zwar als solche .




Der Betrieb folgt naturgemäß eigenen betriebswirtschaftlichen (Profit-) Interessen . Die o.a. ` Schäden ´ betreffen zumindest kurz- bis mittelfristig nicht den Unternehmer aber voll den Staat , wenn man von den reichlichen Parteispenden mal absieht , und den Bürger und Wähler .
Der Staat wäre also mehr als gut beraten , wenn er endlich RAHMEN-Gesetze schafft innerhalb derer sich der Unternehmer sich frei bewegen kann ohne dabei wie im Neoliberalismus der Gesamtheit zu schaden . (Seine Konkurrenten haben die gleichen Wettbewerbsbedingungen .
Leider hat die Politik (nicht die Unternehmer) in den letzten 25 Jahren auf diesem Gebiet immer stärker Versagt

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Ich stimme dir zu 100% zu, was aber nichts daran ändert dass sich nichts ändert, siehe z.B. Kandidat Merz.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon GLÜ2010 » Fr 30. Nov 2018, 12:21

Klopfer hat geschrieben:(26 Nov 2018, 05:38)

Ich stimme dir zu 100% zu, was aber nichts daran ändert dass sich nichts ändert, siehe z.B. Kandidat Merz.



Tja , so isset . Das liegt aber leider nicht NUR an UNSEREN Politikern sondern auch an UNS Wählern , z.B. 16 % FDP mitten in der Finanzkrise , TOLL . (Womöglich Merz?)

Das (Stimm)Vieh will halt zurück in den brennenden Stall . Die Macht der Gewohnheit – (konservativ?) . - Da machse nix
.

Jedes Volk hat halt die Politiker die es verdient ? Ausrede Kismet ? ? ?

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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon Maximizer » Mi 12. Dez 2018, 19:06

GLÜ2010 hat geschrieben:(30 Nov 2018, 12:21)

Tja , so isset . Das liegt aber leider nicht NUR an UNSEREN Politikern sondern auch an UNS Wählern , z.B. 16 % FDP mitten in der Finanzkrise , TOLL . (Womöglich Merz?)

Das (Stimm)Vieh will halt zurück in den brennenden Stall . Die Macht der Gewohnheit – (konservativ?) . - Da machse nix
.

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Tja, ich befürchte da muss man sich mit dem Wesen "Mensch" an sich beschäftigen. Der Mensch, zumindest sehr viele von uns, sind egoistisch eingestellt. Viele sind in Umfragen für eine zukünftige Energieversorgung aus erneuerbaren Energien. Wenn es darum geht dafür auch mehr bezahlen zu müssen, dann kommt der Atomstrom aus dem Ausland dann doch aber ganz recht. Viele profitieren nunmal auch von einer freien Marktwirtschaft und das werden die 16% FDP auch sein. Es gehört schon viel Selbstreflexion und auch Uneigennützigkeit dazu gegen ein System zu votieren, dass für sich selbst einen ungeheuren Vorteil erwirtschaftet hat. Leider...
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon Odin1506 » Mi 12. Dez 2018, 19:31

GLÜ2010 hat geschrieben:(30 Nov 2018, 12:21)

Tja , so isset . Das liegt aber leider nicht NUR an UNSEREN Politikern sondern auch an UNS Wählern , z.B. 16 % FDP mitten in der Finanzkrise , TOLL . (Womöglich Merz?)

Das (Stimm)Vieh will halt zurück in den brennenden Stall . Die Macht der Gewohnheit – (konservativ?) . - Da machse nix
.

Jedes Volk hat halt die Politiker die es verdient ? Ausrede Kismet ? ? ?

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Tja, nur wen soll man wählen? Für mich sind alle Parteien unwählbar.
Ich bin keine Signatur, ich putze hier nur!!! :p
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon Skull » Mi 12. Dez 2018, 19:39

Odin1506 hat geschrieben:(12 Dec 2018, 19:31)

Tja, nur wen soll man wählen? Für mich sind alle Parteien unwählbar.

Dann gründe eine. :)

Die wirst Du ja dann wohl wählen können.

mfg
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon GLÜ2010 » Sa 29. Dez 2018, 17:42

Maximizer hat geschrieben:(12 Dec 2018, 19:06)

Tja, ich befürchte da muss man sich mit dem Wesen "Mensch" an sich beschäftigen. Der Mensch, zumindest sehr viele von uns, sind egoistisch eingestellt. Viele sind in Umfragen für eine zukünftige Energieversorgung aus erneuerbaren Energien. Wenn es darum geht dafür auch mehr bezahlen zu müssen, dann kommt der Atomstrom aus dem Ausland dann doch aber ganz recht. Viele profitieren nunmal auch von einer freien Marktwirtschaft und das werden die 16% FDP auch sein. Es gehört schon viel Selbstreflexion und auch Uneigennützigkeit dazu gegen ein System zu votieren, dass für sich selbst einen ungeheuren Vorteil erwirtschaftet hat. Leider...




Zum Egoismus siehe :
https://www.politik-sind-wir.net/showth ... post575741

((https://www.politik-sind-wir.net/showthread.php/44714-Verkennen-wir-die-Vorz%C3%BCge-der-Gier?p=579342#post579342 -- Entschuldigung , leider nicht ganz zutreffender Link .))

`Der Egoismus ist ein starker Motor den man nicht verbieten , sondern durch RAHMEN- Gesetze regulieren sollte .`

" Viele profitieren nun mal auch von einer freien Marktwirtschaft " , fragt sich allerdings von welcher .

Von der Neoliberalen-Profit-MAXIMIERUNGS-FMW profitieren die meisten sehr wenig einige aber sehr sehr viel , von mir aus ungeheuer viel !

Von der SOZIALEN-MARKTWIRTSCHAFT profitieren viele viel und das langfristig .


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GLÜ
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon gugel » Sa 29. Dez 2018, 17:59

Klopfer hat geschrieben:(26 Nov 2018, 05:38)

Ich stimme dir zu 100% zu, was aber nichts daran ändert dass sich nichts ändert, siehe z.B. Kandidat Merz.


Nur ein kurzer Hinweis auf :

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 61292.html

mit den statistisch gesicherten Zahlen, die zeigen, dass mit einem Sozialstaat nicht so richtig Staat gemacht werden kann.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon sünnerklaas » Sa 29. Dez 2018, 18:19

gugel hat geschrieben:(29 Dec 2018, 17:59)

Nur ein kurzer Hinweis auf :

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 61292.html

mit den statistisch gesicherten Zahlen, die zeigen, dass mit einem Sozialstaat nicht so richtig Staat gemacht werden kann.


Danke für's verlinken - ich hatte den Artikel gerade gelesen.

Bemerkenswert, dass wieder ein altbekanntes Feindbild hervorgeholt wird: die vierköpfigen Familie, die den "Leistungsträgern" die Haare vom Kopf frisst, ja sie sogar "beklaut" (S. 5):

Arbeit lohnt sich nicht

Der deutsche Sozialstaat hält sich aber nicht an dieses Gebot. Mit dem Arbeitslohn über Hartz IV, also über die das soziale Existenzminimum gewährleistende Grundsicherung zu kommen ist für einen Beschäftigten mit zwei Kindern nicht leicht. Man braucht einen Bruttolohn von 2540 Euro, um für eine vierköpfige Familie das Niveau der Grundsicherung zu erreichen, also einen Stundenlohn von 15,40 Euro. Der Mindestlohn beträgt aktuell 8,84 Euro.

Die deutsche Sozialpolitik missachtet somit das Lohnabstandsgebot. Es lohnt sich für Langzeitarbeitslose mit Familien also oft nicht, eine reguläre Arbeit zu suchen. Im Gegenteil: Haushalte, die vom Sozialstaat leben, verschlechtern ihr Nettoeinkommen unter Umständen sogar, wenn sie Arbeitseinkommen haben.

Quelle


Genau aus diesen wirtschaftlichen Gründen und aus Gründen der Verantwortung entscheiden sich viele Menschen eben gegen eignene Kinder. Kinder sind, folgt man so einer Denkweise, der garantierte Weg in die Armut, der garantierte Karrierehemmer.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon rain353 » So 30. Dez 2018, 13:39

"Ich schreibe meinen Namen unter kein Gesetz, welches eine Belastung des Arbeiters enthält." - Otto von Bismarck
Welche Religion ich bekenne? Keine von allen, Die du mir nennst! »Und warum keine?« Aus Religion. - Friedrich Schiller
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon z4ubi » So 30. Dez 2018, 13:53

sünnerklaas hat geschrieben:(29 Dec 2018, 18:19)

Bemerkenswert, dass wieder ein altbekanntes Feindbild hervorgeholt wird: die vierköpfigen Familie, die den "Leistungsträgern" die Haare vom Kopf frisst, ja sie sogar "beklaut" (S. 5):


Zitat: Arbeit lohnt sich nicht

Der deutsche Sozialstaat hält sich aber nicht an dieses Gebot. Mit dem Arbeitslohn über Hartz IV, also über die das soziale Existenzminimum gewährleistende Grundsicherung zu kommen ist für einen Beschäftigten mit zwei Kindern nicht leicht. Man braucht einen Bruttolohn von 2540 Euro, um für eine vierköpfige Familie das Niveau der Grundsicherung zu erreichen, also einen Stundenlohn von 15,40 Euro. Der Mindestlohn beträgt aktuell 8,84 Euro.

Die deutsche Sozialpolitik missachtet somit das Lohnabstandsgebot. Es lohnt sich für Langzeitarbeitslose mit Familien also oft nicht, eine reguläre Arbeit zu suchen. Im Gegenteil: Haushalte, die vom Sozialstaat leben, verschlechtern ihr Nettoeinkommen unter Umständen sogar, wenn sie Arbeitseinkommen haben.

Quelle



"Leider" scheint der Artikel nur noch über Faz+ zugänglich zu sein.
Die Problemfeststellung des zitierten Parts kann ich ja nachvollziehen. Zieht die Autorin dann auch den naheliegenden Schluss, dass der Mindestlohn zu gering angesetzt ist ?
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon sünnerklaas » So 30. Dez 2018, 15:26

z4ubi hat geschrieben:(30 Dec 2018, 13:53)

"Leider" scheint der Artikel nur noch über Faz+ zugänglich zu sein.


Das fand ich sehr bemerkenswert, weil der Beitrag nicht ohne Brisanz ist.

Die Problemfeststellung des zitierten Parts kann ich ja nachvollziehen. Zieht die Autorin dann auch den naheliegenden Schluss, dass der Mindestlohn zu gering angesetzt ist ?


Ja,, aber dabei handelt es sich um einen rhetorischer Kniff: einen Mindestlohn von 15, 16 Euro wird praktisch kaum ein Unternehmer zahlen können bzw. zahlen wollen. In der Logistikbranche und auch auch bei den Paketiensten ist in Sachen Lohn das Ende der Fahnenstange erreicht - auch weil der Kunde eine kostenlose bzw. preiswerte Zustellung und kostenlose Retouren erwartet und die Auftraggeber dies vollmundig versprechen.
Tatsächlich bräuchten wir eine deutliche Anhebung des Mindestlohns. Hinzu käme, dass das System des Subunternehmertums und des damit betriebenen Missbrauchs und des Deligieren von Mitarbeiterverantwortung auf Dritte unterbunden wird.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon z4ubi » So 30. Dez 2018, 16:16

sünnerklaas hat geschrieben:(30 Dec 2018, 15:26)

Das fand ich sehr bemerkenswert, weil der Beitrag nicht ohne Brisanz ist.



Ja,, aber dabei handelt es sich um einen rhetorischer Kniff: einen Mindestlohn von 15, 16 Euro wird praktisch kaum ein Unternehmer zahlen können bzw. zahlen wollen. In der Logistikbranche und auch auch bei den Paketiensten ist in Sachen Lohn das Ende der Fahnenstange erreicht - auch weil der Kunde eine kostenlose bzw. preiswerte Zustellung und kostenlose Retouren erwartet und die Auftraggeber dies vollmundig versprechen.
Tatsächlich bräuchten wir eine deutliche Anhebung des Mindestlohns. Hinzu käme, dass das System des Subunternehmertums und des damit betriebenen Missbrauchs und des Deligieren von Mitarbeiterverantwortung auf Dritte unterbunden wird.


Also vernünftig wäre dann wohl einfach eine konstante und regelmäßige Erhöhung des Mindestlohns.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon Stiefhexenwolf » So 30. Dez 2018, 17:52

sünnerklaas hat geschrieben:Ja,, aber dabei handelt es sich um einen rhetorischer Kniff: einen Mindestlohn von 15, 16 Euro wird praktisch kaum ein Unternehmer zahlen können bzw. zahlen wollen.


In den meisten größeren Konzernen verdienst du sich in der untersten Tarifgruppe mehr. So wenig kann ich z.B. meinen Mitarbeitern gar nicht bezahlen, selbst wenn die damit einverstanden sind. Höchstens als Azubi.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon sünnerklaas » So 30. Dez 2018, 18:12

Stiefhexenwolf hat geschrieben:(30 Dec 2018, 17:52)

In den meisten größeren Konzernen verdienst du sich in der untersten Tarifgruppe mehr. So wenig kann ich z.B. meinen Mitarbeitern gar nicht bezahlen, selbst wenn die damit einverstanden sind. Höchstens als Azubi.


Es kommt auf die Branche an. In den allermeisten Konzernen sowie am Bau (hier zumindest für deutsche Firmen) funktioniert ja noch die Tarifpartnerschaft. Problematisch wird es schon in der Lagerei- und Logistikbranche, im Versand, bei den Paketdiensten, in der Fleischindustrie etc.. Dort sind zum Teil höhere Löhne gar nicht möglich, weil sowohl Kunde, als auch Auftraggeber nicht bereit sind, höhere Endpreise zu zahlen. Ganz übel sieht es in der Logistik aus. Die ist nicht nur eines der Herzstücke unseres Wirtschaftssystems, bei ihr spielt auch noch das Dogma, Transportkosten dürften bei der Preisbildung keine Rolle spielen, eine erheblich Rolle. Die Firmen und deren Mitarbeiter sind da dann regelrecht eingekeilt, viel Spielraum ist da nicht, genauer gesagt: es gibt zur Zeit keinen. Fährt man selber nicht, fährt eben ein anderer. Notfalls mit einem nicht verkehrssicheren LKW. Ist doch egal, solange man nicht erwischt wird - so die Haltung. Dabei sollten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in dem Fall mal einig werden und sich im Klaren werden, welche Macht sie haben, um bessere Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen gerade im Transportwesen durchzusetzen: Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will.
Ganz problematisch ist der Sektor der Dienstleistungen. Dort gibt es nur an ganz wenigen Stellen die Tarifpartnerschaft, in manchen Bereichen herrscht regelrecht Wildwest.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon sünnerklaas » So 30. Dez 2018, 18:13

z4ubi hat geschrieben:(30 Dec 2018, 16:16)

Also vernünftig wäre dann wohl einfach eine konstante und regelmäßige Erhöhung des Mindestlohns.


Das wäre der absolut richtige Weg.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon Stiefhexenwolf » So 30. Dez 2018, 18:24

Die Branchen die du hier ansprichst sind meist Branchen in denen du so gut wie keine Deutschen mehr findest. Sie lassen sich einfachst durch Osteuropäische Unternehmen ersetzen. Wird sehr schwer hier was zu erreichen.
Wobei du als Fahrer in Süddeutschland immer noch weit über dem Mindestlohn verdienst.
Hab letztens jemand aus Moldawien bei der Steuererklärung unterstützt der bei einem Billig Logistiker als Ausfahrer arbeitet. Nettolohnvereinbarung mit 1900€ Netto. Find ich jetzt ned so übel zumal der nur wenig Deutsch spricht... 12€ Mindestlohn wären im Westen kein Problem, im Süden auch 14€. Im Osten und für Flüchtlinge aber ein schwieriges Thema.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon sünnerklaas » So 30. Dez 2018, 19:06

Stiefhexenwolf hat geschrieben:(30 Dec 2018, 18:24)

Die Branchen die du hier ansprichst sind meist Branchen in denen du so gut wie keine Deutschen mehr findest. Sie lassen sich einfachst durch Osteuropäische Unternehmen ersetzen. Wird sehr schwer hier was zu erreichen.


Konzessionsverkehr könnte hier hilfreich sein: Konzessionen werden von genau definierten Grundvoraussetzungen (z.B. technischer Zustand der eingesetzten ausländischen Fahrzeuge, Einhaltung von genau definierten Sozial- und Arbeitsstandards) abhängig gemacht. Die Möglichkeit der Gewinnabschöpfung gibt es ja bereits.

Wobei du als Fahrer in Süddeutschland immer noch weit über dem Mindestlohn verdienst.


Die Branche spürt, dass sie unter einem schlechten Image leidet und kaum noch Fahrer findet. Niemand hat Lust, im Grunde permanent mit einem Bein im Sarg und dem anderen Bein im Gefängnis zu stehen. Dass das so ist, liegt an den vielen schwarzen Schafen.


Hab letztens jemand aus Moldawien bei der Steuererklärung unterstützt der bei einem Billig Logistiker als Ausfahrer arbeitet. Nettolohnvereinbarung mit 1900€ Netto. Find ich jetzt ned so übel zumal der nur wenig Deutsch spricht...


Ob 1900 Euro viel oder wenig sind, hängt noch von zwei anderen Faktoren ab: zum einen, wie lange die tatsächliche Arbeitszeit war, dazu die Frage, wie hoch das Lohnniveau im Herkunftsland ist. In Moldawien sind 1900 Euro ein Vermögen. Der Mann gilt da als reich - und ist es auch.

12€ Mindestlohn wären im Westen kein Problem, im Süden auch 14€. Im Osten und für Flüchtlinge aber ein schwieriges Thema.

Im Osten spielt Verbitterung eine große Rolle, gepaart mit schlechtem Benehmen - im Grunde sind viele derer, die dort heute leben, nie wirklich in der Bundesrepublik angekommen. Man hat es dort im Grunde mit derselben Klientel zu tun, wie in den Ghettos Westdeutschlands. Einzig der ethnische Hintergrund ist ein anderer. Aber der spielt keine Rolle.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon Misterfritz » So 30. Dez 2018, 20:10

sünnerklaas hat geschrieben:(30 Dec 2018, 19:06)Dass das so ist, liegt an den vielen schwarzen Schafen.
Und an den Kunden, die nicht bereit sind, mehr als nötig für einen Transport zu bezahlen.
Wenn ich mir ansehe, welche Aufträge wir nicht bekommen, weil andere billiger anbieten, da kann man nur noch mit den Ohren schlackern.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon sünnerklaas » So 30. Dez 2018, 23:41

Misterfritz hat geschrieben:(30 Dec 2018, 20:10)

Und an den Kunden, die nicht bereit sind, mehr als nötig für einen Transport zu bezahlen.
Wenn ich mir ansehe, welche Aufträge wir nicht bekommen, weil andere billiger anbieten, da kann man nur noch mit den Ohren schlackern.


Eigentlich müsste die Lieferung von Einzelpaketen von im Internet bestellten Waren sauteuer sein, wollten die Paketdienste sowohl unternehmerisch, als auch für die Angestellten profitabel arbeiten. Würden die Preise in so einer Form ansteigen, dürfte das eine ähnliche Hysterie auslösen, wie Diesel- und Böllerverbote. Da drehen dann einige Leute richtig am Rad.
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Re: Soziale-Marktwirtschaft oder Neo-Liberale-(Profit-Maximierungs) Marktwirtschaft

Beitragvon jorikke » Mo 31. Dez 2018, 09:08

sünnerklaas hat geschrieben:(30 Dec 2018, 15:26)

Das fand ich sehr bemerkenswert, weil der Beitrag nicht ohne Brisanz ist.



Ja,, aber dabei handelt es sich um einen rhetorischer Kniff: einen Mindestlohn von 15, 16 Euro wird praktisch kaum ein Unternehmer zahlen können bzw. zahlen wollen. In der Logistikbranche und auch auch bei den Paketiensten ist in Sachen Lohn das Ende der Fahnenstange erreicht - auch weil der Kunde eine kostenlose bzw. preiswerte Zustellung und kostenlose Retouren erwartet und die Auftraggeber dies vollmundig versprechen.
Tatsächlich bräuchten wir eine deutliche Anhebung des Mindestlohns. Hinzu käme, dass das System des Subunternehmertums und des damit betriebenen Missbrauchs und des Deligieren von Mitarbeiterverantwortung auf Dritte unterbunden wird.


Ein Irrtum ist es, zu glauben einen höheren Mindestlohn müssten die Unternehmer verkraften. In dem Moment wo es alle AG beträfe, würde es schlicht auf die Preise aufgeschlagen. Staatl. AG würde Gebühren und evtl. Steuern erhöhen.
Also, alle die einen höheren Mindestlohn fordern, sollten sich klar machen, die Kosten tragen sie selber.
Um nicht missverstanden zu werden, ich bin für einen höheren Mindestlohn.

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