Was ist alles Geld der Welt wert?

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3x schwarzer Kater
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 12. Dez 2019, 10:01

Adam Smith hat geschrieben:(12 Dec 2019, 09:53)

Und in Geschäften konnte man sogar schon am ersten Tag nach Umstellung von Mark auf Euro nicht mehr mit der Deutschen Mark bezahlen.


Tatsächlich dauerte es nach der Euroumstellung 3 Jahre bis man auch bar mit Euro bezahlen könnte ;)
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Adam Smith
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon Adam Smith » Do 12. Dez 2019, 10:04

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(12 Dec 2019, 10:01)

Tatsächlich dauerte es nach der Euroumstellung 3 Jahre bis man auch bar mit Euro bezahlen könnte ;)


Stimmt. Nur meine ich halt diesen für die Bevölkerung relevanten Zeitpunkt.
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Skull
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon Skull » Do 12. Dez 2019, 10:10

Adam Smith hat geschrieben:(12 Dec 2019, 09:59)

Ein Kiosk-Besitzer hatte z.B. sogar ein Schild stehen, dass er keine Deutsche Mark mehr annimmt.

Einige Geschäfte haben dann für einige Zeit damit geworben, dass sie DM wieder annehmen

Und ein anderer nicht.

Du verstehst nicht.

Mit Einführung des Euro-Bargeldes gab es natürlich eine (2) monatelange Übergangsfrist,
in der man mit alter Währung UND Euro bezahlen konnte.

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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 12. Dez 2019, 10:22

Skull hat geschrieben:(03 Dec 2019, 14:41)

Und worauf ich...immer und immer wieder hinweise...
Banken können zwar theoretisch soviel „Geld“ durch Buchungen in ihren Bilanzen aus dem „Nichts“ erschaffen...
entscheidend ist aber die Verfügbarkeit des Zentrankbankgeldes.

Denn jeder Kredit [Bilanzverlängerung] will ja auch ausgezahlt werden.
Luftbuchungen alleine...machen keinen Sinn.

mfg

Ich will diese Argumentation noch mal aufgreifen.

In dem politischen Essay vom 17. November wurde dies zunächst einmal ganz ähnlich erklärt (sorry für längeres Zitat)
Im gegenwärtigen Arrangement ist die Geldschöpfung nämlich weitestgehend privaten Firmen überlassen worden. Ganz so, wie es die Ideologie unpolitischen Geldes vorsieht. Private Banken entscheiden heute maßgeblich darüber, wie viel Geld es gibt und für wen und welchen Zweck es geschaffen wird. Grundsätzlich besteht unser Geldsystem aus zwei Sorten von Geld: Zentralbankgeld und Privatbankgeld. Zu dem von der Zentralbank bereitgestellten Geld gehören das Bargeld, aber auch die Kontostände von Banken und Regierungen, die nämlich beide ihre Geschäfte über ein Zentralbankkonto abwickeln. Zwar bezahlen die Deutschen im Vergleich zu vielen anderen Ländern noch ungewöhnlich gerne in Bar, aber größere Zahlungen wie Mieten oder Löhne werden in der Regel über das Girokonto abgewickelt. Auf dem Girokonto befindet sich das sogenannte Giralgeld. Dieses Giralgeld ist ein elektronischer Datenbankeintrag auf den Servern einer privaten Bank. Es ist, anders gesagt, Privatbankgeld. Und in dessen Entstehung liegt der Clou: Dieses Privatbankgeld auf den Girokonten können Banken nach eigenen Vorstellungen erzeugen.

Jedes Mal, wenn eine Bank einen Kredit vergibt, weil ihre Kundinnen und Kunden Häuser oder Autos kaufen oder investieren wollen, entsteht neues Geld. Banken müssen nicht zunächst Geld einsammeln, um es an anderer Stelle verleihen zu können. Sie schaffen diese Mittel selbst, durch eine einfache Buchung auf dem Konto. Schließlich ist das Privatbankgeld nicht mehr als ein Buchungseintrag in einer Datenbank. Es kommt für die Bank lediglich darauf an, das neue geschaffene Geld durch einen neuen Vermögenswert auszugleichen. Dafür verwendet sie aber den Kredit selbst: Wenn jemand einen Kredit beantragt, dann kann die Bank diesen Kredit als Vermögen in ihrem Buchhaltungssystem registrieren und das geliehene Geld als neuen Kontostand der Schuldnerin buchen – also aus dem Nichts erzeugen.


So. Und dann kommts aber:

Dieses Geldschöpfungsprivileg privater Banken ist kein Geheimnis, auch wenn es – wie etwa Umfragen des Soziologen Klaus Kraemer zeigen – nicht wirklich zum allgemeinen Wissensschatz der Bevölkerung gehört. Lange wurde dieses außergewöhnliche Privileg allerdings auch akademisch ignoriert, weil man davon ausging, dass die Zentralbanken die Hoheit über die Geldmenge hätten. In älteren Ökonomielehrbüchern findet man häufig die Behauptung, die Zentralbank würde die Geldschöpfung der privaten Banken wirksam steuern oder wenigstens nach freien Stücken begrenzen können. Schließlich müssen private Banken ihre Geldschöpfung mit einer Mindestreserve an Zentralbankgeld unterlegen. Indem sie die verfügbaren Mittel an Reservegeld rationiert, so die Überlegung, bestimme die Zentralbank doch wohl zumindest indirekt, wie viel Geld geschaffen werden könne. Die formale Abhängigkeit hat allerdings in der Praxis kaum Relevanz, wie zuletzt auch die Zentralbanken in aller Deutlichkeit eingestanden haben. Zumindest in konjunkturell stabilen Zeiten scheren sich private Banken bei ihrer Kreditvergabe wenig um die verfügbaren Guthaben auf ihrem Zentralbankkonto, weil jeder Bedarf an zusätzlichen Mitteln routinemäßig durch Neuschöpfung von Zentralbankgeld ausgeglichen werden kann – und auch wird. Die Zentralbanken haben gar kein Mandat, etwas anderes zu tun; ihre Aufgabe ist, für Preisstabilität und das Funktionieren des Geldsystems zu sorgen. In der Praxis bedeutet das, dass die privaten Banken den Takt der Geldschöpfung vorgeben – und nicht, oder nur in Ausnahmefällen, die Zentralbanken. Auch die Deutsche Bundesbank sagt inzwischen ganz offen, dass wir die Kontrolle über unsere Geldmenge privatwirtschaftlicher Nachfrage und Profitkalkulationen überantwortet hätten – Geld wird geschaffen, wenn Banken ein Geschäft für profitabel halten. Neues Geld bekommt, wer die sichersten Renditen versprechen kann.


Ich habe - wie gesagt, als Nichtfinanzfachmann - zwei Interpretationsmöglichkeiten für derlei Aussagen.

Erstens: Es könnte durchaus so sein, dass - wie Du schreibst - "Luftbuchungen keinen SInn" machen. Dass aber das, was "in älteren Ökonimielehrbüchern" nachlesbar ist, für die aktuelle Welt 2019 so nicht mehr in dem Maße gilt. Und dass eine sinnvolle Finanzpolitik durch eine mehr und mehr sinnlose ersetzt wurde. Der Essay trägt ja auch den bezeichnenden Untertitel "Die Rückkehr des Geldes in die Politik".

Zweitens: Der Essay wurde nicht von einem Ökonomen sondern von einem Sozialwissenschaftler verfasst. Aaron Sahr ist Leiter der Forschungsgruppe "Monetäre Souveränität" am Hamburger Institut für Sozialforschung. Der Schwerpunkt der Forschung wird so zusammengefasst:
Geld wurde lange als rein technisches Mittel zur Erleichterung des Handels betrachtet und deswegen nicht nur vom wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream, sondern auch von den anderen Sozialwissenschaften kaum je zum Thema gemacht. In der Soziologie sprachen manche sogar von einer »Geldvergessenheit«.

Sie aber muss heute als überwunden gelten ...

Dass wir also zwei unterschiedliche Sichten auf das Phänomen Geld haben.

https://www.deutschlandfunk.de/ueber-das-geld-die-rueckkehr-des-geldes-in-die-politik.1184.de.html?dram:article_id=461184
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon Adam Smith » Do 12. Dez 2019, 10:26

Skull hat geschrieben:(12 Dec 2019, 10:10)

Und ein anderer nicht.

Die verstehst nicht.

Mit Einführung des Euro-Bargeldes gab es natürlich eine (2) monatelange Übergangsfrist,
in der man mit alter Währung UND Euro bezahlen konnte.

mfg


Beim Staat. Die Geschäfte haben direkt nur auf Euro umgestellt.
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon Adam Smith » Do 12. Dez 2019, 10:35

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Dec 2019, 10:22)

Dass wir also zwei unterschiedliche Sichten auf das Phänomen Geld haben.

https://www.deutschlandfunk.de/ueber-das-geld-die-rueckkehr-des-geldes-in-die-politik.1184.de.html?dram:article_id=461184


Mindestens.

Diese Sichtweise dürfte praktisch nur kurze Zeit andauern.


Was also insbesondere die MMT um Stephanie Kelton im Anschluss an Ruml vorschlägt, ist eine neue, durchweg politische Beschreibung der Trias Staatsschulden, Geldschöpfung und Steuern: Formal betrachtet kann ein Staat jede Ausgabe in der eigenen Währung tätigen, sofern die Zentralbank seine Anleihen als Vermögen verbucht und dadurch neues Geld zur Finanzierung der Staatsausgaben erschafft. Steuern dienen dann in der Tat nicht mehr der Finanzierung dieser Ausgaben, sondern dem Abtragen der Staatsschulden und damit der Reduktion der Geldmenge. Steuern werden dadurch zu einem Tool, mit dem sehr präzise inflationäre Tendenzen in spezifischen Bereichen der Wirtschaft – etwa durch eine Vermögenssteuer – bekämpft werden können.


Steuern verteilen das Geld nicht um, sondern reduzieren es. Das stimmt hier sogar, weil die Schulden sinken.
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon franktoast » Do 12. Dez 2019, 11:22

Adam Smith hat geschrieben:(12 Dec 2019, 09:53)

Der Staat besteht z.B. auf Euro. Und in Geschäften konnte man sogar schon am ersten Tag nach Umstellung von Mark auf Euro nicht mehr mit der Deutschen Mark bezahlen.

Man muss eben noch die Transaktionskosten im Blick haben. Wenn du am Kiosk die Zeitung mit Isländischen Kronen bezahlst, muss der Kioskbesitzer das Geld mit 5€ Grundgebühr extra bei der Bank tauschen. Deswegen wird der die isländische Krone nicht akzeptieren. Zudem hat er mehr Verwaltungsaufwand zwecks Buchungen.
Ohne Transaktionskosten wäre es dem Kioskbesitzer doch egal, Hauptsache er bekommt den Gegenwert von 3€ für die Zeitung. Da kannst du ihm auch Seerobbenfleisch im Wert von 3€ in die Hand drücken, wenn du ihm zusätzulich noch die Transaktionskosten geben würdest (falls er grad eh Seerobbenfleisch kaufen wollte, wären diese relativ gering und er würde es dem Euro vlt. sogar bevorzugen).
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 12. Dez 2019, 14:19

franktoast hat geschrieben:(12 Dec 2019, 11:22)

Man muss eben noch die Transaktionskosten im Blick haben. Wenn du am Kiosk die Zeitung mit Isländischen Kronen bezahlst, muss der Kioskbesitzer das Geld mit 5€ Grundgebühr extra bei der Bank tauschen. Deswegen wird der die isländische Krone nicht akzeptieren. Zudem hat er mehr Verwaltungsaufwand zwecks Buchungen.

Kann man nicht einfach die Transaktionskosten auf den umgerechneten Kronenbetrag draufsetzen? Der Zahlenbetrag ist ohnehin ein anderer als der Originalpreis. Zumindest im unmittelbar angrenzenden mittelosteuropäischen Nicht-Euro-Ausland kann man im Restaurant fast überall mit Euro bezahlen, wenn man akzeptiert (oder einfach ignoriert, weil mans nicht merkt), dass man etwas mehr bezahlt, als wenn man es mit selbst eingetauschten oder am Automaten gezogenen tschechischen Kronen oder polnischen Zlotys bezahlen würde. Und selbst am Automaten muss man bekanntlich sich vor der Option "Umrechnen" hüten und den Betrag in der Landeswährung selbst abheben.
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon franktoast » Do 12. Dez 2019, 14:31

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Dec 2019, 14:19)

Kann man nicht einfach die Transaktionskosten auf den umgerechneten Kronenbetrag draufsetzen? Der Zahlenbetrag ist ohnehin ein anderer als der Originalpreis. Zumindest im unmittelbar angrenzenden mittelosteuropäischen Nicht-Euro-Ausland kann man im Restaurant fast überall mit Euro bezahlen, wenn man akzeptiert (oder einfach ignoriert, weil mans nicht merkt), dass man etwas mehr bezahlt, als wenn man es mit selbst eingetauschten oder am Automaten gezogenen tschechischen Kronen oder polnischen Zlotys bezahlen würde. Und selbst am Automaten muss man bekanntlich sich vor der Option "Umrechnen" hüten und den Betrag in der Landeswährung selbst abheben.

Joa, nun ist Euro oder USD anders als Isländische Krone. Da hat man den Umrechnungskurs nicht parat und das kommt praktsich nie vor. Ob man in Island noch isländische Kronen kennt, weiß ich auch nicht, denn man zahlt ja nur mit Karte. Bei der VISA-Karte ist das eh egal, weil VISA kennt den Umrechnungsfaktor.
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 12. Dez 2019, 14:34

Und dann noch eine andere, allgemeinere Frage zum Thema Geld und Politik und zum Thema "Ende der Geldvergessenheit".

Niedrigzinspolitik. In einem aktuellen Beitrag dazu heißt es:
Der Zins ist nicht irgendeine Kennzahl, sondern mit die wichtigste Stellschraube in einer Marktwirtschaft. Der Zins ist der Preis des Geldes. Von ihm hängen alle anderen Preise ab. Über den Zins lässt sich zudem die innere Uhr einer Gesellschaft verstellen, um nicht zu sagen: manipulieren. Denn der Zins ist der Preis für Zeit, und damit für menschliche Präferenzen. Er entscheidet mit darüber, ob die Gegenwart mehr Gewicht bekommt – so bei niedrigem Zins – oder eben die Zukunft – so bei höheren Zinsen.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/nullzinspolitik-moralische-zeitenwende.1005.de.html?dram:article_id=464939

Uff. Das ist ja fast schon philosophisch: "Der Zins ist der Preis für Zeit". Ich würde mir solche abstrakten Merksätze gern einprägen. Man muss, um den Fortgang der Welt zu verstehen, alles mögliche im Blick haben. Stimmt das wirklich so? Von der Logik her und auf ähnlichem Abstraktionsniveau hätte ich eher vermutet, der Zins sei der Preis für Zukunft. Erstens. Und zweitens: Ist die (ökonomische) Zukunft unvorhersehbar, weil das Geld vorwiegend und nur noch in Gegenwärtiges fließt? Oder ist umgekehrt die Niedrigzinspolitik eine angemessene Antwort auf die Tatsache, dass die Zukunft mehr und mehr unvorhersehbar ist?
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 12. Dez 2019, 14:38

franktoast hat geschrieben:(12 Dec 2019, 14:31)

Joa, nun ist Euro oder USD anders als Isländische Krone. Da hat man den Umrechnungskurs nicht parat und das kommt praktsich nie vor. Ob man in Island noch isländische Kronen kennt, weiß ich auch nicht, denn man zahlt ja nur mit Karte. Bei der VISA-Karte ist das eh egal, weil VISA kennt den Umrechnungsfaktor.


Das ist auch so ein (vielleicht auch schlechter) Witz: Das "Ende der Geldvergessenheit" im politischen Bereich, also der Wiedereinzug von Geldpolitik als Mittel der politischen Steuerung ist verbunden mit dem Verschwinden von Bargeld im öffentlichen Bewusstsein. Also einem Beginn der Geldvergessenheit bei den Bürgern.
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon Realist2014 » Do 12. Dez 2019, 14:39

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Dec 2019, 14:34)

Und dann noch eine andere, allgemeinere Frage zum Thema Geld und Politik und zum Thema "Ende der Geldvergessenheit".

Niedrigzinspolitik. In einem aktuellen Beitrag dazu heißt es:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/nullzinspolitik-moralische-zeitenwende.1005.de.html?dram:article_id=464939

Uff. Das ist ja fast schon philosophisch: "Der Zins ist der Preis für Zeit". Ich würde mir solche abstrakten Merksätze gern einprägen. Man muss, um den Fortgang der Welt zu verstehen, alles mögliche im Blick haben. Stimmt das wirklich so? Von der Logik her und auf ähnlichem Abstraktionsniveau hätte ich eher vermutet, der Zins sei der Preis für Zukunft. Erstens. Und zweitens: Ist die (ökonomische) Zukunft unvorhersehbar, weil das Geld vorwiegend und nur noch in Gegenwärtiges fließt? Oder ist umgekehrt die Niedrigzinspolitik eine angemessene Antwort auf die Tatsache, dass die Zukunft mehr und mehr unvorhersehbar ist?



Beim Kredit-Zins ist auch noch das Ausfall-Risiko mit eingepreist.

Im Hinblick auf deutsche Staatsanleihen sogar der Wert-Erhalt , obwohl der Zins negativ ist...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon Adam Smith » Do 12. Dez 2019, 14:53

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Dec 2019, 14:34)

Uff. Das ist ja fast schon philosophisch: "Der Zins ist der Preis für Zeit". Ich würde mir solche abstrakten Merksätze gern einprägen. Man muss, um den Fortgang der Welt zu verstehen, alles mögliche im Blick haben. Stimmt das wirklich so? Von der Logik her und auf ähnlichem Abstraktionsniveau hätte ich eher vermutet, der Zins sei der Preis


Zins = entgangener Nutzen, Kosten und Ausfallrisiko.
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon Skull » Do 12. Dez 2019, 16:19

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Dec 2019, 10:22)

Erstens: Es könnte durchaus so sein, dass - wie Du schreibst - "Luftbuchungen keinen SInn" machen.
Dass aber das, was "in älteren Ökonimielehrbüchern" nachlesbar ist,
für die aktuelle Welt 2019 so nicht mehr in dem Maße gilt.

Und dass eine sinnvolle Finanzpolitik durch eine mehr und mehr sinnlose ersetzt wurde.

Da kannst die Theorie nebenanlassen.

Welchen Sinn macht es einen Kredit zu vergeben, ihn aber nicht auszuzahlen ?
Oder nicht darüber zu verfügen ? :D

Und Dein darauf folgender Hinweis auf Finanzpolitik hat mit dem Thema auch nix zu tun.

Entweder wir diskutieren und erklären die Geldschöpfung...und wir lassen es.

Irgendeine pseudo-Diskussion über Finanzpolitik und allgemeines Geschwafel
oder vermeintliche „neue“ Erkenntnisse zum Entstehen von Geld...erspare ich mir.

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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon franktoast » Do 12. Dez 2019, 16:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Dec 2019, 14:38)

Das ist auch so ein (vielleicht auch schlechter) Witz: Das "Ende der Geldvergessenheit" im politischen Bereich, also der Wiedereinzug von Geldpolitik als Mittel der politischen Steuerung ist verbunden mit dem Verschwinden von Bargeld im öffentlichen Bewusstsein. Also einem Beginn der Geldvergessenheit bei den Bürgern.

Was ist denn "Geldvergessenheit"? Ich kann nicht folgen.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon Skull » Do 12. Dez 2019, 16:24

Adam Smith hat geschrieben:(12 Dec 2019, 10:26)

Beim Staat. Die Geschäfte haben direkt nur auf Euro umgestellt.

Bist Du nicht in der Lage zu begreifen ?

Bei der Eurobargeldeinfuhrung gab es 2 Monate (in Worten zwei) Januar und Februar,
in denen in der gesamten Volkswirtschaft in Deutsche Mark UND in Euro bezahlt werden konnte.

DAS ... war ... so.

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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon Skull » Do 12. Dez 2019, 16:28

franktoast hat geschrieben:(12 Dec 2019, 14:31)

Ob man in Island noch isländische Kronen kennt, weiß ich auch nicht,
denn man zahlt ja nur mit Karte.
Bei der VISA-Karte ist das eh egal, weil VISA kennt den Umrechnungsfaktor.

Natürlich bezahlt man in Island mit isländischer Krone. AUCH in Bar.

Mann..wo lebt ihr eigentlich... *kopfschüttel*

Nimmt man mal die Finger von den Tasten des Internets. Es gibt auch noch das reale Leben. :p

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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon Adam Smith » Do 12. Dez 2019, 16:44

Skull hat geschrieben:(12 Dec 2019, 16:24)

Bist Du nicht in der Lage zu begreifen ?

Bei der Eurobargeldeinfuhrung gab es 2 Monate (in Worten zwei) Januar und Februar,
in denen in der gesamten Volkswirtschaft in Deutsche Mark UND in Euro bezahlt werden konnte.

DAS ... war ... so.

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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon BlueMonday » Do 12. Dez 2019, 17:08

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Dec 2019, 10:22)

Ich will diese Argumentation noch mal aufgreifen.



Dass wir also zwei unterschiedliche Sichten auf das Phänomen Geld haben.

https://www.deutschlandfunk.de/ueber-das-geld-die-rueckkehr-des-geldes-in-die-politik.1184.de.html?dram:article_id=461184


Es wäre nun hilfreich, nicht nur einseitig dieses Deutschlandgefunke zu lesen. Es reicht schon sich die tatsächlichen Gegebenheiten anzusehen. Die Informationen dazu liegen doch offen, sind kein Geheimnis. Und der "bias" dieses Deutschlandfunks ist doch wohl hoffentlich unübersehbar. Der Begriff "fiat money" kommt auch nicht von ungefähr. Geld ist heutzutage so politisch wie lange nicht mehr. Heute will man damit sogar das Klima retten (https://www.welt.de/wirtschaft/article2 ... -Tabu.html ). Geld war die meiste Zeit in der Moderne zumindest ein Politikum.


"Dieses Privatbankgeld auf den Girokonten können Banken nach eigenen Vorstellungen erzeugen." Solche Aussagen sind schlicht nicht fundiert, um es vorsichtig auszudrücken. Das hat auch nichts mit vermeintlich überholten "Ökonomielehrbüchern" zu schaffen. Auch hier im Thread hab ich die jüngsten Entwicklungen skizziert (Trend hin zu den Bruttoechtzeitzahlungssytemen), die gradezu von dieser fantasierten "grenzenlosen Giralgeldschöpfung" der Geschäftsbanken weiter weg führen.

Geschäftsbank ist auch der gebräuchliche oder sachliche Begriff. Wenn ich "Privatbank" lese, da sehe ich doch schon den "bias" förmlich heraustropfen. Als ob es da um "Firmen" gehen, die völlig frei nach gusto operieren würden.
Hier in D reden wir dann in der Wirklichkeit zu großen Teilen von Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Dazu die Landesbanken. Und dazu von einem der reguliertesten Wirtschaftsbereiche überhaupt.
Greif niemals in ein Wespennest, doch wenn du greifst, dann greife fest.
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Re: Was ist alles Geld der Welt wert?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 12. Dez 2019, 17:19

und nicht zu vergessen, dass bei diesem ganzen Gerede um das Geldgeschöpfe aus dem "Nichts" meist mit keiner Silbe erwähnt wird, dass dieses aus dem "Nichts" geschöpfte Geld genauso wieder ins "Nichts" verschwindet, sobald der Kredit zurückgezahlt wird. Dieser eigentlich wichtige Punkt wird gerne unterschlagen, obwohl er für das Verständnis des Gesamtzusammenhangs von wesentlicher Bedeutung ist.
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