Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

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sportsgeist
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon sportsgeist » Do 5. Jun 2014, 09:41

[url=/viewtopic.php?p=2585528#p2585528]Bakelit » Do 5. Jun 2014, 08:13[/url] hat geschrieben:
sportsgeist » Mi 4. Jun 2014, 19:32 hat geschrieben:das ist ja mehr als billig
"wir sind nur deswegen in LUX, weil ihr in D steuern erhebt ... ihr hattet ja die wahl"


Sportsgeist, der schwarze Kater hat es zutreffend beschrieben. Außerdem kennt die Öffentlichkeit nur die Handelsbilanz von amazon deutschland oder starbucks. Wie nach einer Bp die Steuerbilanz der Unternahmen im Rahmen des Paragraphen 90 Abs. 3 AO i.V. mit dem AStG aussieht bleibt wegen dem berühmten Steuergeheimnis unbekannt. Deshalb ist die Frage des steuerpflichtigen Gewinns dieser Gesellschaften in D nicht öffentlich zu klären.

Herr Schäuble muss auch seine Aussage in seinem eigenen Haus noch mal verifizieren. Im Rahmen des internationalen Vertragswesens über das Steuerrecht gibt es das wunderbare Instrument des Verständigungsverfahrens. Dieses wird trefflich genutzt um D seinen Anteil bei der Besteuerung von in D steuerpflichtigen Unternehmen ihm Rahmen des globalisierten Wirtschaftens zu sichern.

Das wesentliche Problem liegt in den wirtschaftlichen Bewegungen, die zwar D berühren , aber im Ausland stattfinden. An der Baustelle wird im Rahmen der Neuverhandlungen von DBAs gearbeitet.

das mag ja alles sein.

mir ging es nur um den einen unterton, quasi, weil ihr in D steuern erhebt, haben wir uns natuerlich die standorte so gewaehlt, um die staaten max. gegeneinander auszuspielen. ihr deutschen braucht ja nur dieselben niedrigen steuern erheben, wie die anderen, dann waehlen wir auch bei euch wieder entscheidende standorte.

das waere natuerlich glatte erpressung.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon Bakelit » Do 5. Jun 2014, 10:01

Das ist keine Erpressung. Nur wie in einem Wettbewerb (hier Steuerwettbewerb) Gegebenheiten gegeneinander ausgespielt werden. ist Teil eines Marktgeschehens. Wie diese Geschehen besser reguliert, kontrolliert werden kann, bedarf der Übereinkunft. Da liegt der Hase im Pfeffer, brauchst nur an den Länderfinanzausgleich so als internes Beispiel mal denken.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon Tom Bombadil » Do 5. Jun 2014, 10:06

3x schwarzer Kater » Mi 4. Jun 2014, 19:55 hat geschrieben:Der Schuss geht nach hinten los.

Nein, denn Amazon ist kein Exporteur.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 10:11

Bakelit » Do 5. Jun 2014, 09:36 hat geschrieben:

Schwarzer Kater, da ziehst du den falschen Schluss. Die Qualifizierung welche gewerbliche Tätigkeit in D ausgeübt wird hat auf die Bestimmung des § 90 Abs 3 AO und des AStGs , des OECD-MA keine Auswirkung. Die Amazon-Lösung wurde aus tarifrechtlichen Grundlagen gewählt ( s Streit mit Verdi). Das Problem international verbundener Unternehmen und ihre Besteuerung liegt im Interessenausgleich der beteiligten Staaten (s. auch Verhandlungen über das neuen OECE-Income Tax TAG) . Deshalb wird die Bedeutung der DBAs zukünftig zunehmen.

Auch die Funktionsverlagerungen innerhalb der Unternehmen hat keine direkten Auswirkung auf die Wirkweisen der außensteuerrechtlichen Bestimmungen. Allerdings indirekt schon, denn innerhalb der Vergleichmethoden sind natürlich die Kosten, die herangezogen werden müssen, im Vergleich durch die niedrigeren Kosten in Niedriglohnländern auch als Parameter dann niedriger. Deshalb verlagern viele Unternehmen unproduktive lohnintensive Unternehmensbereiche in dieses Ausland (Siemens zum Beispiel seine gesamte Buchführung nach Tschechien).



Ich glaube nicht, dass ich da falsch liege. Ich denke vielmehr, dass der tarifrechtlichen Auswirkungen ein willkommener Nebeneffekt zur steuerlichen Gestaltung waren. Amazon ist Deutschland nicht als Einzelhändler tätig sondern nur als Logistikdienstleister. Verrechnet werden diese Dienstleistungen an die Luxemburgische Europazentrale. Da der Umsatz in Deutschland im Prinzip nur aus den verrechneten Dienstleistungen besteht, beträgt er nur einen Bruchteil des Umsatzes den Amazon in Deutschland mit dem Verkauf von Produkten erziehlt. Auf Grund des Funktions- und Risikoprofils dieser Logistzentren (kein Marketing, keine Websiteentwicklung, keine Lagerhaltungsrisiko, kein Forderungsausfallrisiko usw.) dürfte sich in einem Fremdvergleich wahrscheinlich ein Vorsteuergewinn von unter 5% dokumentieren lassen. Wohlgemerkt 5% vom Dienstleistungsumsatz. Damit ist der Deutschland zugewiesene Gewinnanteil und die daraus resultierende Steuerlast niedrig, während der Haupteil des Gewinns aus dem Produktverkauf in Luxemburg versteuert wird.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon Tom Bombadil » Do 5. Jun 2014, 10:14

Genau. Und sowas ist selbstverständlich Gewinnverschiebung am deutschen Fiskus vorbei unter maximaler Ausnutzung von Fehlern im System.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 10:19

Tom Bombadil » Do 5. Jun 2014, 10:06 hat geschrieben:
3x schwarzer Kater » Mi 4. Jun 2014, 19:55 hat geschrieben:Der Schuss geht nach hinten los.

Nein, denn Amazon ist kein Exporteur.


Das hat damit nichts zu tun. Der Vergleich der Umsätze, die in einem Land erzielt werden mit den Ertragssteuern, die in diesem Land bezahlt werden, wie am Beispiel Amazon geschehen impliziert, dass die Aufteilung des Konzerngewinns nicht anhand des Funkions- und Risikoprofils erfolgen soll, sondern anhand der Umsätze, die in einem Land erzielt werden.

Und genau das würde auch die Deutsche Exportwirtschaft treffen. Abgesehen davon, dass das nicht verwaltungstechnisch wohl kaum handzuhaben ist.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 10:20

Tom Bombadil » Do 5. Jun 2014, 10:14 hat geschrieben:Genau. Und sowas ist selbstverständlich Gewinnverschiebung am deutschen Fiskus vorbei unter maximaler Ausnutzung von Fehlern im System.


Wie willst du das lösen? Einen konkreten Vorschlag hast du ja noch nicht gemacht ...
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon Bakelit » Do 5. Jun 2014, 10:27

3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 09:11 hat geschrieben:



Ich glaube nicht, dass ich da falsch liege. Ich denke vielmehr, dass der tarifrechtlichen Auswirkungen ein willkommener Nebeneffekt zur steuerlichen Gestaltung waren. Amazon ist Deutschland nicht als Einzelhändler tätig sondern nur als Logistikdienstleister. Verrechnet werden diese Dienstleistungen an die Luxemburgische Europazentrale. Da der Umsatz in Deutschland im Prinzip nur aus den verrechneten Dienstleistungen besteht, beträgt er nur einen Bruchteil des Umsatzes den Amazon in Deutschland mit dem Verkauf von Produkten erziehlt. Auf Grund des Funktions- und Risikoprofils dieser Logistzentren (kein Marketing, keine Websiteentwicklung, keine Lagerhaltungsrisiko, kein Forderungsausfallrisiko usw.) dürfte sich in einem Fremdvergleich wahrscheinlich ein Vorsteuergewinn von unter 5% dokumentieren lassen. Wohlgemerkt 5% vom Dienstleistungsumsatz. Damit ist der Deutschland zugewiesene Gewinnanteil und die daraus resultierende Steuerlast niedrig, während der Haupteil des Gewinns aus dem Produktverkauf in Luxemburg versteuert wird.


Dein Einschätzung ist richtig. Allerdings musst du noch einen Schritt tiefer gehen. Amazon ist durch eine besondere Vertragskonstruktion mit seinen Lieferanten erst in der Lage diese Splittung und die Verrechnung in deiner geschilderten Form vorzunehmen. Amazon wird erst, wenn der Artikel auf der Plattform verkauft worden ist, durch eine Entnahme aus einem Konsignationslager des Lieferanten und der Gutschrift am gleichen Tag des Entnahmewertes an den Lieferanten (die kommt aus Luxemburg), Eigentümer der Ware und versendet die an seinen Kunden.

An dieser Schnittstelle müsste der Landesfinanzminister Niedersachsen die richtige Konsequenz ziehen, bedeutet bei der im steuerrechtlich herrschenden wirtschaftliche Betrachtungsweise und nicht der formalen Betrachtung, dass Amazon im Sinne des Außensteuerrechts in D Einzelhändler wäre und die Verrechnungspreisdokumentation nach den Prinzipien Warengroßhandel angewandt werden könnten. Wo dann aber wieder der Teufel im Detail und in der Ermittlungsmöglichkeiten der Betriebsprüfung liegt.

Ob der FinMin NS das tut oder sogar das BMF da wirkt, wissen wir nicht. Denke schon.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon Tom Bombadil » Do 5. Jun 2014, 10:39

3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 10:20 hat geschrieben:Wie willst du das lösen? Einen konkreten Vorschlag hast du ja noch nicht gemacht ...

Ich habe dir schon einmal geschrieben, dass ich weder Politiker noch internationaler Rechts- und Steuerexperte bin, dennoch halte ich solche Vorgehensweisen für nicht tragbar und bin der Meinung, dass dem ein Riegel vorgeschoben gehört. Und wenn es kein Instrumentarium gibt, dann muss man es sich eben schaffen, auf ein paar Gesetze mehr oder weniger kommt es sich auch nicht an.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon sportsgeist » Do 5. Jun 2014, 11:08

[url=/viewtopic.php?p=2585595#p2585595]Bakelit » Do 5. Jun 2014, 09:01[/url] hat geschrieben:Das ist keine Erpressung. Nur wie in einem Wettbewerb (hier Steuerwettbewerb) Gegebenheiten gegeneinander ausgespielt werden. ist Teil eines Marktgeschehens. Wie diese Geschehen besser reguliert, kontrolliert werden kann, bedarf der Übereinkunft. Da liegt der Hase im Pfeffer, brauchst nur an den Länderfinanzausgleich so als internes Beispiel mal denken.

mmmhhh, da gehe ich nicht 100% konform.

ist wie mit der gondel, die einen den berg hinauf faehrt.
die soll meinetwegen fuer 6 mann ausgelegt sein, da aber gerade nur 5 personen mitfahren, rechnet der betreiber den preis auf 5 mann um.
muss er ja auch, die fahrtkosten/fahrt bleiben ja trotzdem praktisch gleich.

kurz vor abfahrt kommt noch ein 6ter, und schmuggelt sich noch schnell in die gondel.
auf die frage nach kostenbeteiligung sagt er lapidar: "wieso, die fahrt ist doch schon bezahlt, so ist der markt"
naja ...
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 11:16

Bakelit » Do 5. Jun 2014, 10:27 hat geschrieben:
Dein Einschätzung ist richtig. Allerdings musst du noch einen Schritt tiefer gehen. Amazon ist durch eine besondere Vertragskonstruktion mit seinen Lieferanten erst in der Lage diese Splittung und die Verrechnung in deiner geschilderten Form vorzunehmen. Amazon wird erst, wenn der Artikel auf der Plattform verkauft worden ist, durch eine Entnahme aus einem Konsignationslager des Lieferanten und der Gutschrift am gleichen Tag des Entnahmewertes an den Lieferanten (die kommt aus Luxemburg), Eigentümer der Ware und versendet die an seinen Kunden.

An dieser Schnittstelle müsste der Landesfinanzminister Niedersachsen die richtige Konsequenz ziehen, bedeutet bei der im steuerrechtlich herrschenden wirtschaftliche Betrachtungsweise und nicht der formalen Betrachtung, dass Amazon im Sinne des Außensteuerrechts in D Einzelhändler wäre und die Verrechnungspreisdokumentation nach den Prinzipien Warengroßhandel angewandt werden könnten. Wo dann aber wieder der Teufel im Detail und in der Ermittlungsmöglichkeiten der Betriebsprüfung liegt.

Ob der FinMin NS das tut oder sogar das BMF da wirkt, wissen wir nicht. Denke schon.


Also ich denke nicht, dass das Logistikzentrum jemals Eigentümer der Ware wird, die dort liegt, sonst würde man das ja an den Umsätzen sehen. Zudem fehlt den Logistzentren jegliche Merkmale die eine Einzelhändler hat.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 11:23

Tom Bombadil » Do 5. Jun 2014, 10:39 hat geschrieben:
Und wenn es kein Instrumentarium gibt, dann muss man es sich eben schaffen, auf ein paar Gesetze mehr oder weniger kommt es sich auch nicht an.


Die Instrumentarien sind ausgereizt. Es gibt keine Lösung. Da kannst du dich auf den Kopf stellen.
Aber mal ein anderer Punkt um beim Beispiel Amazon zu bleiben. In Österreich z.B. ist Amazon gar nicht vor Ort. Die Österreicher werden aus den deutschen Logistikzentren beliefert, d.h. in Österreich zahlt Amazon null Ertragsteuern.
oder anders ausgedrückt, die für Österreich erbrachten Logistikdienstleistungen werden in Deutschland versteuert.

Wie gesagt, die Komplexität dieser Problematik sollte eigentlich dazu führen darüber nachzudenken, die Unternehmensbesteuerung abzuschaffen. Viel Sinn darin sehe ich sowieso nicht.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon sportsgeist » Do 5. Jun 2014, 11:26

[url=/viewtopic.php?p=2585689#p2585689]3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 10:16[/url] hat geschrieben:
Bakelit » Do 5. Jun 2014, 10:27 hat geschrieben:
Dein Einschätzung ist richtig. Allerdings musst du noch einen Schritt tiefer gehen. Amazon ist durch eine besondere Vertragskonstruktion mit seinen Lieferanten erst in der Lage diese Splittung und die Verrechnung in deiner geschilderten Form vorzunehmen. Amazon wird erst, wenn der Artikel auf der Plattform verkauft worden ist, durch eine Entnahme aus einem Konsignationslager des Lieferanten und der Gutschrift am gleichen Tag des Entnahmewertes an den Lieferanten (die kommt aus Luxemburg), Eigentümer der Ware und versendet die an seinen Kunden.

An dieser Schnittstelle müsste der Landesfinanzminister Niedersachsen die richtige Konsequenz ziehen, bedeutet bei der im steuerrechtlich herrschenden wirtschaftliche Betrachtungsweise und nicht der formalen Betrachtung, dass Amazon im Sinne des Außensteuerrechts in D Einzelhändler wäre und die Verrechnungspreisdokumentation nach den Prinzipien Warengroßhandel angewandt werden könnten. Wo dann aber wieder der Teufel im Detail und in der Ermittlungsmöglichkeiten der Betriebsprüfung liegt.

Ob der FinMin NS das tut oder sogar das BMF da wirkt, wissen wir nicht. Denke schon.


Also ich denke nicht, dass das Logistikzentrum jemals Eigentümer der Ware wird, die dort liegt, sonst würde man das ja an den Umsätzen sehen. Zudem fehlt den Logistzentren jegliche Merkmale die eine Einzelhändler hat.

auch ein logistikzentrum benutzt viele leistungen des staates, bzw., kann ueberhaupt nur mit gewinnerzielungsabsicht wirtschaften, weil der staat gewisse rahmenleistungen bereitstellt.

wer die einfach kostenlos mitbenutzen will, unter der ausrede, die anderen haetten diese leistungen ja eh schon voll bezahlt, scheint irgendwas an 'marktwirtschaft' nicht ganz richtig verstanden zu haben.

abschmarotzen von leistung anderer, oder leistung anderer als selbstverstaendlich zu erachten, ist keine marktwirtschaft.
das gilt fuer transferleistungsempfaenger genauso wie fuer unternehmen...
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon Tom Bombadil » Do 5. Jun 2014, 11:34

3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 11:23 hat geschrieben:Es gibt keine Lösung.

Wo ein Wille, da eine Lösung :cool: Die internationalen Steuergesetzgebungen sind keine ehernen Naturgesetze, sie sind alle von Menschenhand gemacht und können natürlich auch geändert werden.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon Blickwinkel » Do 5. Jun 2014, 11:36

Tom Bombadil » Do 5. Jun 2014, 11:34 hat geschrieben:
3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 11:23 hat geschrieben:Es gibt keine Lösung.

Wo ein Wille, da eine Lösung :cool: Die internationalen Steuergesetzgebungen sind keine ehernen Naturgesetze, sie sind alle von Menschenhand gemacht und können natürlich auch geändert werden.


Damit rennst du bei Wolfgang Schäuble offene Türen ein. Aber andere Länder spielen eben nicht mit oder es dauert ewig, bis man sich einig ist. Insofern wird sich so schnell nichts daran ändern.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 11:38

sportsgeist » Do 5. Jun 2014, 11:26 hat geschrieben:
auch ein logistikzentrum benutzt viele leistungen des staates, bzw., kann ueberhaupt nur mit gewinnerzielungsabsicht wirtschaften, weil der staat gewisse rahmenleistungen bereitstellt.

wer die einfach kostenlos mitbenutzen will, unter der ausrede, die anderen haetten diese leistungen ja eh schon voll bezahlt, scheint irgendwas an 'marktwirtschaft' nicht ganz richtig verstanden zu haben.

..


verstehe ich jetzt. Amazon bezahlt ja in Deutschland Steuern. In dem Umfang wie jeder normale andere Logistdienstleister auch ...
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon Blickwinkel » Do 5. Jun 2014, 11:42

3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 11:38 hat geschrieben:
sportsgeist » Do 5. Jun 2014, 11:26 hat geschrieben:
auch ein logistikzentrum benutzt viele leistungen des staates, bzw., kann ueberhaupt nur mit gewinnerzielungsabsicht wirtschaften, weil der staat gewisse rahmenleistungen bereitstellt.

wer die einfach kostenlos mitbenutzen will, unter der ausrede, die anderen haetten diese leistungen ja eh schon voll bezahlt, scheint irgendwas an 'marktwirtschaft' nicht ganz richtig verstanden zu haben.

..


verstehe ich jetzt. Amazon bezahlt ja in Deutschland Steuern. In dem Umfang wie jeder normale andere Logistdienstleister auch ...


Fragt sich nur, wie lange Amazon das macht. Es kann auch gut sein, dass Amazon in dt. Nachbarländer umzieht, um Kosten zu sparen. Trotzdem würden dann die LKWs aus dem z.B. tschechischen Logistikwerk die dt. Infrastruktur nutzen. Im schlimmsten Fall ohne dafür Mautgebühren zu bezahlen.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 11:42

Tom Bombadil » Do 5. Jun 2014, 11:34 hat geschrieben:
3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 11:23 hat geschrieben:Es gibt keine Lösung.

Wo ein Wille, da eine Lösung :cool: Die internationalen Steuergesetzgebungen sind keine ehernen Naturgesetze, sie sind alle von Menschenhand gemacht und können natürlich auch geändert werden.


Da machst du es dir zu einfach. Du hast ja schließlich nicht mal annähernd eine Vorstellung, davon wie es funktionieren soll.

Und natürlich gibt es eine Lösung. Unternehmensbesteuerung gehört abgeschafft, dann hat der Schwachsinn auch ein Ende.
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon sportsgeist » Do 5. Jun 2014, 11:44

[url=/viewtopic.php?p=2585725#p2585725]3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 10:38[/url] hat geschrieben:
sportsgeist » Do 5. Jun 2014, 11:26 hat geschrieben:
auch ein logistikzentrum benutzt viele leistungen des staates, bzw., kann ueberhaupt nur mit gewinnerzielungsabsicht wirtschaften, weil der staat gewisse rahmenleistungen bereitstellt.

wer die einfach kostenlos mitbenutzen will, unter der ausrede, die anderen haetten diese leistungen ja eh schon voll bezahlt, scheint irgendwas an 'marktwirtschaft' nicht ganz richtig verstanden zu haben.

..


verstehe ich jetzt. Amazon bezahlt ja in Deutschland Steuern. In dem Umfang wie jeder normale andere Logistdienstleister auch ...

die versuchte ausrede amazons, sie wuerden in D keine einzelhandelstleistung betreiben, halte ich fuer nicht haltbar.
im gegenteil, sie beleidigt sogar den intellekt eines jeden mittelschuelers aufwaerts. das ist schon buettenreif ...

aber darum muessen sich die steuerfachbehoerden kuemmern ...
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Re: Die Unternehmensbesteuerung muss geändert werden

Beitragvon Bakelit » Do 5. Jun 2014, 11:46

3x schwarzer Kater » Do 5. Jun 2014, 10:16 hat geschrieben:
Bakelit » Do 5. Jun 2014, 10:27 hat geschrieben:
Dein Einschätzung ist richtig. Allerdings musst du noch einen Schritt tiefer gehen. Amazon ist durch eine besondere Vertragskonstruktion mit seinen Lieferanten erst in der Lage diese Splittung und die Verrechnung in deiner geschilderten Form vorzunehmen. Amazon wird erst, wenn der Artikel auf der Plattform verkauft worden ist, durch eine Entnahme aus einem Konsignationslager des Lieferanten und der Gutschrift am gleichen Tag des Entnahmewertes an den Lieferanten (die kommt aus Luxemburg), Eigentümer der Ware und versendet die an seinen Kunden.

An dieser Schnittstelle müsste der Landesfinanzminister Niedersachsen die richtige Konsequenz ziehen, bedeutet bei der im steuerrechtlich herrschenden wirtschaftliche Betrachtungsweise und nicht der formalen Betrachtung, dass Amazon im Sinne des Außensteuerrechts in D Einzelhändler wäre und die Verrechnungspreisdokumentation nach den Prinzipien Warengroßhandel angewandt werden könnten. Wo dann aber wieder der Teufel im Detail und in der Ermittlungsmöglichkeiten der Betriebsprüfung liegt.

Ob der FinMin NS das tut oder sogar das BMF da wirkt, wissen wir nicht. Denke schon.


Also ich denke nicht, dass das Logistikzentrum jemals Eigentümer der Ware wird, die dort liegt, sonst würde man das ja an den Umsätzen sehen. Zudem fehlt den Logistzentren jegliche Merkmale die eine Einzelhändler hat.


Doch die Ware liegt im Logistikzentrum als Konsignationslager des Lieferanten/Produzenten. Amazon Stellt die Plattform um die Ware zu verkaufen. Erst mit dem Klick des Verkaufs geht das Eigentum der Ware durch einen Entnahmevorgang im Konsignationslager auf Amazon über. Die Ware wird von Amazon ausgeliefert.

Der Lieferant/Produzent bekommt einen Gutschrift über den Warenwert von Amazon Luxemburg. Der Umsatz wird in D mehrwertsteuermäßig abgerechnet. Der Wareneinkauf wird bei der Tochter in Luxemburg als Wareneinkauf verbucht. Der Warenverkehr des Lieferanten/Produzenten wird mit seinem Gewinn vollumfänglich in D erwirtschaftet und versteuert. Der Gewinn von Amazon wird buchmäßig in Luxemburg erwirtschaftet, da die Verträge über den Wareneinkauf (Preis, Rabatte, Boni) in Luxemburg abgewickelt werden.

Ich denke, diese Konstellation bietet schon einen guten Einstieg in eine Prüfung nach den entsprechenden Regelung in den Verwaltungsgrundsätzen Funktionsverlagerung. Bin mir sicher man baggert daran und es wird schon was in D hängenbleiben.

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