Öffentlicher Beschäftigungssektor

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jack000
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Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon jack000 » Fr 10. Okt 2008, 20:04

Der Öffentlicher Beschäftigungssektor hat den Ruf unsinniges "Parken" von Arbeitslosen ausserhalb der Arbeitslosenstatistik zu sein.
Ich sehe das anders. Ein Beispiel : Das S-Bahn Parkhaus in Filderstadt-Bernhausen.

http://www.filderstadt.de/servlet/PB/sh ... sSBahn.jpg

Von aussen macht es einen guten Eindruck allerdings ist es auch durch Verschmutzung und Vandalismus gekennzeichnet.
In der Einfahrt befindet sich eine Pförtnerloge in der nie jemand sitzt. Ebenso habe ich dort nie einen Parkschein gelöst, da offensichtlich das niemand kontrolliert.

Aber neben dem Parkhaus aber hat sich eine Trinkerscene etabliert, die sich offensichtlich aus Arbeitslosen zusammensetzt.

Warum müssen Menschen arbeitslos sein, wenn alleine nur nebenan doch Arbeit für 7-8 Vollzeitarbeitplätze vorhanden ist (Vorraussetzung : 24h Besetzung der Pförtnerloge + Kontrolle ob Fahrscheine gelöst wurden).

Natürlich wird man sagen, dass dieses ja viel Geld kosten wird. Aber ist es nicht sinnvoller Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren (in diesem Fall Arbeitsplätze, die keine hohe Qualifikationen erfordern) ? Das zusätzlich Kosten enstehen ist klar, aber es enstehen auch zusätzliche Einahmen (Die die Kosten natürlich nicht zu 100% decken werden) und ein positiver Output : Ein gepflegtes und sicheres Parkhaus. Ebenso können wieder Menschen in Lohn und Brot gebracht.

Was ist eure Meinung dazu ?
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lamb of god
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon lamb of god » Fr 10. Okt 2008, 20:58

Natürlich wird der öffentlicher Beschäftigungssektor immer wieder verdammt. Gleichzeitig interessiert es die selben bezahlten Schreiberlinge herzlich wenig, wenn Privatfirmen Millionen von Beschäftigten mit öffentlicher Föderung ausbeuten. Da liest man weder was von Markt, noch davon, dass sich der Staat gefälligst rauszuhalten habe. Dabei ist der öffentlicher Beschäftigungssektor etwas, was der private aus systemimaneten Gründen nie sein kann: Kostenneutral! Gesamtbesehen muss der öffentliche Sektor eben keinen Gewinn in betriebswirtschaftlicher Hinsicht abwerfen. Es gibt Bereiche die werfen Gewinne ab und Bereiche die kosten jedes Jahr.

Aber kosten sie wirklich nur? Hmmm...schaffen wir doch Kultur ab. Kostet die Opernkarte eben 200 €. Schliessen wir in der Provinz eben alles. Wer in's Theater will kann ja auch mal 300km fahren. Schliessen wir doch weiter preiswerte Jugendeinrichtungen und erfreuen uns statt dessen an zusammengeschlagenen Bürgern, verschmierten Wänden und anderem Vandalismus. Lassen wir die Parks verlottern, auf dass sich die älteren Bürger dort die Knochen brechen. Am Ende landen sie sowieso in Altenheimen, wo eine einzige schlecht qualifizierte Kraft sich um 20 Leute kümmern muss, weil das Altenheim ja auch betriebswirtschaftlichen Paradigmen unterworfen ist.

Die Kostennutzenrechnungen die im öffentlichem Bereich oft angstellt werden, stammen zumeist von Betriebswirtshirnen die nicht von 12-Mittag denken können und dementsprechend sehen sie dann auch aus. Leider können auch viele Bürger auch nicht weiter denken...und so wird zu dem größtmöglichem Unsinn oft noch applaudiert weil auch hier die jahrelange Verdummung ihre Spuren hinterlassen hat. :sick: .
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Thomas I
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon Thomas I » Fr 10. Okt 2008, 21:11

jack000 hat geschrieben: ...

Was ist eure Meinung dazu ?


Ich glaube sogar gerade in solchen Beispielen würde sich das rechnen. Die Amsterdamer Strassenbahn hat einen Schaffner in jeder Tram. Das rechnet sich: Weniger Vandalismus, weniger Müll, weniger Gewalt in der Tram, mehr Fahrgäste durch erhöhtes Sicherheitsgefühl.

Manchmal habe ich das Gefühl dieses Land wird von Menschen geleitet denen irgendwie Teile des gesunden Menschenverstands abhanden gekommen sind.
Zuletzt geändert von Thomas I am Mi 26. Okt 2011, 23:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon miss marple » Fr 10. Okt 2008, 21:13

jack000 hat geschrieben:Der Öffentlicher Beschäftigungssektor hat den Ruf unsinniges "Parken" von Arbeitslosen ausserhalb der Arbeitslosenstatistik zu sein.
Ich sehe das anders. Ein Beispiel : Das S-Bahn Parkhaus in Filderstadt-Bernhausen.

http://www.filderstadt.de/servlet/PB/sh ... sSBahn.jpg

Von aussen macht es einen guten Eindruck allerdings ist es auch durch Verschmutzung und Vandalismus gekennzeichnet.
In der Einfahrt befindet sich eine Pförtnerloge in der nie jemand sitzt. Ebenso habe ich dort nie einen Parkschein gelöst, da offensichtlich das niemand kontrolliert.

Aber neben dem Parkhaus aber hat sich eine Trinkerscene etabliert, die sich offensichtlich aus Arbeitslosen zusammensetzt.

Warum müssen Menschen arbeitslos sein, wenn alleine nur nebenan doch Arbeit für 7-8 Vollzeitarbeitplätze vorhanden ist (Vorraussetzung : 24h Besetzung der Pförtnerloge + Kontrolle ob Fahrscheine gelöst wurden).

Natürlich wird man sagen, dass dieses ja viel Geld kosten wird. Aber ist es nicht sinnvoller Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren (in diesem Fall Arbeitsplätze, die keine hohe Qualifikationen erfordern) ? Das zusätzlich Kosten enstehen ist klar, aber es enstehen auch zusätzliche Einahmen (Die die Kosten natürlich nicht zu 100% decken werden) und ein positiver Output : Ein gepflegtes und sicheres Parkhaus. Ebenso können wieder Menschen in Lohn und Brot gebracht.

Was ist eure Meinung dazu ?



m.e. ist es deshalb so, weil man einen "abschaum" haben will.

der nebeneffekt, auch in deinem beispiel ist, dass alles immer mehr verkommt, wenn eben arbeitslosigkeit finanziert wird.

arbeit wäre genug da, hab ich doch auch in unserer letzten unterhaltung wegen privatisierung etc. schon geschrieben.

es ist das alles kein pfusch oder sonst etwas, es ist bewußt so gewollt und in die wege geleitet worden...denn, das war mal sehr viel anders.
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon miss marple » Fr 10. Okt 2008, 21:14

Thomas I hat geschrieben:
Ich glaube sogar gerdae in solchen Beispielen würde sich das rechnen. Die Amsterdamer Strasenbahn hat einen Schaffner in jeder Tram. Das rechnet sich: Weniger Vandalismus, weniger Müll, weniger Gewalt in der Tram, mehr Fahrgäste durch erhöhtes Sicherheitsgefühl.

Manchmal habe ich das Gefühl dieses Land wird von Menschen geleitet denen irgendwie Teile des gesunden Menschenverstands abhanden gekommen sind.



das war bei uns einmal sehr ähnlich, ich erinnere mich genau.
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon jack000 » Fr 10. Okt 2008, 22:39

lamb of god hat geschrieben:Aber kosten sie wirklich nur?


Nein, natürlich nicht. Deswegen ist auch die ausschließliche Betrachtung der Kostenseite völlig falsch, denn kurzsichtig !

Das Problem aber ist, das eine jede Behörde natürlich Kosteneinsparungsvorgaben bekommt und somit an allen Ecken und Enden gespart wird ohne mal eine Gesamtbetrachtung in Erwägung zu ziehen.

Aber das Gemecker ist immer groß, wenn auf öffentlicher Seite mal etwas länger dauert oder gar nicht funktioniert weil Personal fehlt ...
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon jack000 » Fr 10. Okt 2008, 22:44

Thomas I hat geschrieben:
Ich glaube sogar gerdae in solchen Beispielen würde sich das rechnen. Die Amsterdamer Strasenbahn hat einen Schaffner in jeder Tram. Das rechnet sich: Weniger Vandalismus, weniger Müll, weniger Gewalt in der Tram, mehr Fahrgäste durch erhöhtes Sicherheitsgefühl.


Genau auch das ist ein Thema in diesem Zusammenhang !
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon jack000 » So 26. Okt 2008, 19:52

Berliner U-Bahn-Chef will Aufpasser für jeden Zug

26. Oktober 2008, 11:05 Uhr

Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen die Sicherheit in Bussen und Bahnen mit einer personalaufwändigen Maßnahme erhöhen. BVG-Chef Andreas Sturmowski möchte die Zahl der Wachleute von Bussen von 60 auf 120 verdoppeln– wenn er denn das Geld dafür vom Land bekäme. Dann aber könnte nachts in jedem Zug ein Wachmann mitfahren.


http://www.welt.de/berlin/article262862 ... n-Zug.html

Der Hintergrund :

Nach seinen Worten kam es in diesem Jahr bis Ende August zu 87 Übergriffen mit schweren und 149 mit leichten Folgen für die Betroffenen. Im gesamten Jahr 2007 seien es 138 schwere und 416 leichte Übergriffe gewesen. Schwerer Übergriff heißt, dass der BVG- Mitarbeiter länger als drei Tage arbeitsunfähig war.


So kann man sich vorstellen, was da sonst noch in dieser Statistik nicht auftaucht.

Daher ist das Potential für den öffentlich geförderten Beschäftigungssektor bundesweit gesehen sehr hoch, da sich das Überwachungspotential nicht nur auf die Zeit nach 21 Uhr erstreckt, sondern den ganzen Tag !
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon jack000 » Mi 15. Apr 2009, 20:58

Eingestürztes Stadtarchiv
Hartz-IV-Empfänger sollen Köln-Dokumente retten

Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs läuft die Bergung und Sortierung der Dokumente auf Hochtouren. Für die aufwändige Aufgabe, die vielen wertvollen Archivstücke zu registrieren und zu verpacken, greift das Kölner Kulturamt nicht nur auf Ehrenamtler zurück – sondern auch auf Ein-Euro-Jobber.

In Köln haben 14 Hartz-IV-Empfänger einen besonderen Ein-Euro-Job angenommen: Sie kümmern sich um die geborgenen Dokumente aus dem eingestürzten Kölner Stadtarchiv. Die Langzeitarbeitlosen notieren Informationen zu den Dokumenten, sortieren und verpacken sie dann. "Wir wollen nur Leute, die auch wirklich wollen“, sagt Peter Schelenz, Sprecher des Kölner Kulturamtes.

Die Ein-Euro-Jobber werden von der Kölner Arbeitsgemeinschaft (ARGE) vorgeschlagen und sollen ein gewisses Interesse für die Aufgaben mitbringen: Informationen zu den Dokumenten zu notieren und sie dann zu sortieren sowie zu verpacken. Mögliche Schäden beim unsachgemäßen Umgang mit den wertvollen Materialien schloss Schelenz aus: „Es sind ja keine schwierigen Tätigkeiten“. Die Hilfskräfte bekämen eine intensive Einarbeitung und arbeiteten unter Fachaufsicht.

Das Kölner Kulturamt will bis zu 50 Hartz-IV-Empfänger für ein halbes Jahr einstellen. Bislang kümmern sich um die Archivalien vor allem Ehrenamtliche, die meistens nur wenige Tage zur Verfügung stehen. Von dem Einsatz der Langzeitarbeitslosen verspricht sich das Kulturamt mehr Kontinuität bei der Bewältigung der Aufgabe.


http://www.welt.de/vermischtes/article3 ... etten.html

Muss denn immer erst was passieren damit man kreativ im öffentlichen Beschäftigungssektor wird ?
Aber wie man sieht, es geht wenn man nur will.

Allerdings plädiere ich nach wie vor dafür, dass es sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse sein sollten.

Edit : Link vergessen
Zuletzt geändert von jack000 am Mi 15. Apr 2009, 21:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon bakunicus » Mi 15. Apr 2009, 21:10

Thomas I hat geschrieben:
Ich glaube sogar gerdae in solchen Beispielen würde sich das rechnen. Die Amsterdamer Strasenbahn hat einen Schaffner in jeder Tram. Das rechnet sich: Weniger Vandalismus, weniger Müll, weniger Gewalt in der Tram, mehr Fahrgäste durch erhöhtes Sicherheitsgefühl.

Manchmal habe ich das Gefühl dieses Land wird von Menschen geleitet denen irgendwie Teile des gesunden Menschenverstands abhanden gekommen sind.


100% zustimmung !
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon jack000 » Mo 8. Mär 2010, 12:25

Gemeinnützige Jobs
Sozialverbände erteilen Kraft-Vorstoß eine Abfuhr

Hannelore Krafts (SPD) Forderung, Langzeitarbeitslose gemeinnützige Arbeit verrichten zu lassen, stößt auf Kritik. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, warnt vor der Gefahr für den Arbeitsmarkt. Der Vorschlag sei nicht unbegrenzt ausdehnbar und gemeinnützige Jobs nicht zum Nulltarif zu haben.

http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... bfuhr.html

Und Arbeitslosigkeit ist kostenlos ? Wie T1 bereits schrieb:
Die Amsterdamer Strasenbahn hat einen Schaffner in jeder Tram. Das rechnet sich: Weniger Vandalismus, weniger Müll, weniger Gewalt in der Tram, mehr Fahrgäste durch erhöhtes Sicherheitsgefühl.

Es muss auch der Output mit in die Kalkulation !
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon ralphon » Mo 8. Mär 2010, 19:33

jack hat geschrieben:Es muss auch der Output mit in die Kalkulation !


Ist die Bahn nicht schon privatisiert?
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon Enigma » Mo 8. Mär 2010, 20:08

ralphon hat geschrieben:
Ist die Bahn nicht schon privatisiert?

nein sie ist ein privat geführtes unternehmen in staatlicher hand ;)
[url=http://www.youtube.com/watch?v=LTQqFGLDdJ0]Do you think that money is the root of all evil?[/url]
[url=http://studentsforliberty.org/wp-content/uploads/2011/04/The-Morality-of-Capitalism-PDF.pdf]The Morality of Capitalism[/url]
Gez. Francisco d'Anconia
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon Quatschki » Mo 8. Mär 2010, 20:18

jack hat geschrieben:Muss denn immer erst was passieren damit man kreativ im öffentlichen Beschäftigungssektor wird ?

Alles eine Frage der Organisation der öffentlichen Finanzen.
Da denkt jeder nur an seinen Topf, nicht aus Spaß oder Böswilligkeit, sondern weil er dazu verpflichtet ist - weil das System so schlecht organisiert ist.
Den Kommunen müßte viel mehr Autonomie und Eigenverantwortung gewährt und Steuermittel belassen werden, das Ganze kontrolliert durch mehr direkte Demokratie.
Zuletzt geändert von Quatschki am Di 9. Mär 2010, 07:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon Olifant » Di 9. Mär 2010, 08:24

Man sollte die Leute einfach im Öffentlichen Dienst einstellen und diese ganzen vermeintlich liberalen Outsourcing-Gurus aus ihren Ämtern jagen.
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon pikant » Di 9. Mär 2010, 08:45

ralphon hat geschrieben:
Ist die Bahn nicht schon privatisiert?


der Boersengang ist ja leider nicht realisiert worden
der Staat ist der Eigentuemer der Bahn
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon RayBan » Di 9. Mär 2010, 13:08

Diese sogenannten Beschäftigungsgesellschaften enztwickeln sich zunehmend zu einem Zulieferer der mittelständischen Wirtschaft.

Da gab es kürzlich eine interessante Doku auf Phoenix. Eine dieser Gesellschaften beschäftigt mittlerweile 1600 Mitarbeiter auf 1 Euro Basis und fertigt in einem Geschäftszweig Minitrampoline. Diese werden dann beim Auftraggeber nur noch endmontiert. Das Topmodell in Edelstahlausführung kostet 400 Euro. Was das mitgemeinnützig und zusätzlich zu tun hat, konnten da weder der Geschäftsführer der gGmbH noch der Auftraggaber erklären.

Dies ist aber als Trend zu sehen. Bestimmte kostenintensive Bereiche werden an Beschäftigungsgesellschaften ausgelagert, um so mit staatlicher Unterstützung die Kosten zu drücken.

Hier wird durch die Hintertür ein neuer Industriezweig hochgezogen in dem mit Arbeitslose mit staatlichem Druck in 1 Euro Jobs gepresst werden, um so die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Industrie zu sichern.
Zuletzt geändert von RayBan am Di 9. Mär 2010, 13:18, insgesamt 1-mal geändert.
Aufgegeben wird höchstens ein Brief
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon DK2008 » Di 9. Mär 2010, 17:26

Diese Diskussion um den "öffentlichen Beschäftigungssektor" oder den "zweiten Arbeitsmarkt" kommt ja immer wieder auf. Jetzt aktuell hat Frau Kraft das Thema wieder aufgegriffen. Die Idee ist einfach. Arbeitslose sollen in Zukunft einer gemeinnützigen Beschäftigung nachgehen und dafür vom Staat bezahlt werden.

Für mich stellt sich jedoch immer die Frage was das für Tätigkeiten sein sollen. Als Beispiel wird ja immer sowas wie "Straße fegen" angegeben. Aber werden Straßen heutzutage nicht gereinigt? Im Allgemeinen schon. Und zwar von (meist öffentlich-rechtlichen) Firmen mit regulär sozialversicherungspflichtigen Angestellten, die ganz normal nach Tarif bezahlt werden.

Wo ist also Platz für diesen "zweiten Arbeitsmarkt"? Für die Straßenreinigung braucht man nunmal nur eine bestimmte Anzahl von Personen. Die Arbeit wird nicht mehr wenn man mehr Menschen einstellt. In der Realität würde es wohl so aussehen, dass die Kommunen ihre regulären Angestellten schleichend durch "Angestellte" aus dem "zweiten Arbeitsmarkt" ersetzen würde. Die sind nämlich deutlich billiger. Nach Kraft soll es ja nur einen symbolischen Aufschlag auf das ALGII geben.
Mit den 1-Euro-Jobs hat man ja heute schon dieses Problem. Bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass Krafts gemeinnütziger Beschäftigungssektor gar nichts anderes ist als der bekannte 1-Euro-Job-Sektor. Der einzige Unterschied liegt in der fehlenden Zeitbegrenzung.

Entweder wird eine Arbeit als nützlich angesehen, dann wird sie entweder von privaten oder öffentlichen Firmen mit regulären Angestellten verrichtet. Oder sie wird als unnötig angesehen. Dann wird sie eben nicht gemacht. Eine Tätigkeit, die als wichtig angesehen wird, für die aber Niemand eingestellt wird kann es grundsätzlich nicht geben. Denn wäre sie wichtig würde man logischerweise Jemanden dafür einstellen.

Es kann also prinzipiell keine sinnvollen Arbeiten geben, die nur mit einem "zweiten Arbeitsmarkt" verrichtet werden könnten. Insofern ist die gesamte Debatte unsinnig!
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ToughDaddy
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon ToughDaddy » Di 9. Mär 2010, 18:11

@dk2008

Das ist ja das Hauptproblem, leider wurde schon bei den 1-Euro-Jobs die Verdrängung von regulären Jobs vorrausgesagt und ist so eingetreten. Aber man will dem noch eines draufsetzen.
Gut auch, dass Du (bevor wieder der Sozialismusvorwurf kommt, welcher nicht zu Dir paßt) an der Stelle nochmal erwähnst, dass zu solchen Jobs ein vernünftiger Lohn gehört.
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Gretel
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Re: Öffentlicher Beschäftigungssektor

Beitragvon Gretel » Di 9. Mär 2010, 18:54

Noch ein anderer Aspekt ........
in den New Yorker U - Bahnhöfen sind feste Leute zum Reinigen und Ordnung halten angestellt. Will sagen: Es gibt da keine anonyme Putzfirma, die mehrere Bahnhöfe hintereinander reinigt, sondern Frau Smith und Mr. Newman identifizieren sich mit "ihrem" Bahnhof, für dessen Zustand sie sich verantwortlich fühlen. - Natürlich gibts denn da auch persönliche Kontakte - ich sah, wie ein Jugendlicher unter der namentlichen Ansprache der Putzfrau seinen Becher wieder aufhob und in den Mülleimer warf. - Schließlich weiß er, daß SIE ihn wegräumen muß.
Das ist natürlich eine idealtypische Beobachtung, und wie es in der Central Station o.ä. gehandhabt wird, keene Ahnung.
(Will aber mitnichten die Frau Saubermann machen (was wären die NY Bahnen ohne Graffiti :P )
Muck watt jü wüllt - de Lüüd snackt doch.

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