Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

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Sören74
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Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon Sören74 » Mi 3. Apr 2019, 20:54

Weiß nicht, ob das Thema hier schon mal in der einen oder anderen Art durchgesprochen wurde, aber ich möchte mal die Konstellation Mieter-Vermieter aus politischer Sicht betrachten. Prinzipiell ist es ja gut, wenn Wohnungseigentümer ihre Wohnungen zur Miete anbieten. Das ist eine Voraussetzung, dass die gesamte Bevölkerung sprichwörtlich ein Dach über dem Kopf hat. Man kann aber auch
über Jahre in Großstädten (und angrenzenden Regionen) eine Verteuerung der Mieten beobachten. Klar, mehr Wohnungen wären für eine Stadt immer besser als weniger. Das soll aber weniger das Thema sein.

Wir leben in einem kapitalistischen System, von daher ist es vollkommen berechtigt, dass der Erwerb von Wohneigentum mit anschließender Vermietung als Investition zum späteren Geldverdienen verstanden wird. Es ist vollkommen okay, das als Altersabsicherung zu sehen. Ich sehe aber auch, dass es sich Vermieter oft zu einfach machen, oder besser gesagt zu einfach denken. Ich erlebe das gerade bei einem Freund, der bisher immer zur Miete wohnte. In der letzten Wohnung lebt er über 10 Jahre. Als er einzog, waren die Wände nicht neu gestrichen, der Teppichboden war schon abgenutzt, es gab keinen Warmwasseranschluss in der Küche. Auch danach hat die Vermieterin nichts mehr in die Wohnung investiert. Aber mein Kumpel ist recht genügsam. ;) Nun will er es sich selber wohnlicher machen, hat schon viel Geld für eine neue Küche ausgegeben, will die Wände neu streichen usw. Aber stattdessen, dass sich die Vermieterin darüber freut, dass durch diese Bemühungen auch der Wert ihrer eigenen Wohnung steigt, flippt sie völlig aus, weil sich über die Zeit Stockflecken an den Wänden gebildet haben. Klar, nicht schön und auf Dauer kann das auch der Gesundheit schaden, aber mein Freund ist ja bereit, diese Schäden selbst zu beheben.

Ich weiß nicht, ob man diesen Einzelfall auf die Allgemeinheit übertragen kann. Mein Eindruck ist nur manchmal, dass viele Vermieter glauben, sie kaufen einmal eine Wohnung, vermieten die weiter und müssten dann die nächsten 30-40 Jahre nichts mehr weiter investieren, und die Mieter geben selbst das Geld für den Bestandserhalt aus. Darunter leiden dann Mieter, die zudem immer höhere Mieten zahlen müssen. Vielleicht muss sich da auch in der "Mietkultur" etwas ändern.
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Adam Smith
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon Adam Smith » Mi 3. Apr 2019, 21:06

Meines Wissens beseitigen Vermieter kleine Schäden während der Mietzeit und sanieren die Wohnung nach einem Auszug.

Einen Link kann ich dazu leider nicht anbieten.
Das ist Kapitalismus:

Die ständige Wahl der Bürger bestimmt das Angebot.
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Sören74
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon Sören74 » Mi 3. Apr 2019, 21:39

Adam Smith hat geschrieben:(03 Apr 2019, 21:06)

Meines Wissens beseitigen Vermieter kleine Schäden während der Mietzeit und sanieren die Wohnung nach einem Auszug.

Einen Link kann ich dazu leider nicht anbieten.


Das denken vermutlich viele, aber wenn man sich sowohl die aktuelle Gesetzeslage und auch Gerichtsurteile anschaut, muss man schon differenzieren. Die Beseitigung kleinerer Schäden kennt man vermutlich unter dem Ausdruck Schönheitsreparaturen. Die sind aber eigentlich an bestimmte Bedingungen geknüpft. Da geht es eher um Reparaturen, die mehr der Optik dienen oder bei oberflächlichen Mängeln. Wenn es aber um die Funktionalität der Dinge geht, die zur Wohnimmobilie gehören, dann ist der Vermieter verpflichtet, egal wie gering die Kosten auch sind. Umgekehrt muss ein Mieter nicht automatisch nach dem Auszug die Wohnung sanieren oder renovieren. Es geht dabei eher nach dem Erscheinungsbild. https://www.vermietet.de/mietrecht-auszug

In der Praxis tritt oft das Problem auf, dass beide Seiten nach Hören-Sagen gehen, teilweise auch veraltete Reglungen anwenden wollen. Da wird man noch häufiger Sätze hören, die mit "ich dachte, dass..." anfangen werden. ;)
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon H2O » Do 4. Apr 2019, 08:52

Das Verhältnis der Mieter-Vermieter ist und war schon immer hochpolitisch. Deshalb beschäftigt dieses Verhältnis seit Menschengedenken die Politik. Der grundsätzliche Widerspruch liegt doch auch auf der Hand: Da ist eine Seite, die, wie auch immer erworben, eine Investition im Wert erhalten möchte, ihren Wert möglichst steigern möchte, und das geht nun einmal nur zu Lasten der Mieter, die diese Investition nutzen wollen.

Es gab Zeiten, als der Bankzins eines Vermögens risikolos und ohne eigenen Verwaltungsaufwand mehr einbrachte als die Miete eines Objekts. Derzeit sind Kapitalzinsen oft negativ; das heißt, das bei Banken eingelagerte Kapital schrumpft durch Inflation. Geld ist vorhanden und sucht lohnende Anlage. Baupreise und Preise für Grund und Boden erreichen untragbare Höhen, wenn sie in wirtschaftlich erfolgreichen Ballungsgebieten liegen.

Auf der Strecke bleiben die sogenannten "kleinen Leute", die die geforderten Mieten nicht mehr aus ihren Einkommen bezahlen können, zumal auch die Kommunen tüchtig zulangen, was sich in Form einer "2. Miete" bemerkbar macht.

Wenn das kein Politikum ist... was denn sonst? Ich erinnere mich noch an Zeiten, als Wohnungsämter den knappen Wohnraum nach inzwischen längst vergessenen Regeln zuteilten. Eine goldene Erinnerung wird bei mir dadurch auch nicht geweckt!

Lassen wir es gut sein mit der Verzinsung von Investitionen in den Wohnungsbau, oft auch treffend Mietzins genannt. Der Staat greift dort mit Steuerermäßigungen und Zuschüssen ein, weil andernfalls kaum noch Privatvermögen in Mietwohnungsbau für "bezahlbaren Wohnraum" flössen.

Inzwischen ist es aber auch so, daß die Instandhaltung der bewohnten Wohnung in Preisklassen gerutscht ist, die der "kleine Mann" auch kaum tragen kann. Folglich greift er zur Eigenarbeit, um seine Wohnung behaglich zu erhalten. Dann vergehen die Jahre, ein Wohnungswechsel steht an: Neue Arbeitsstelle, Kinder werden geboren oder verlassen das Elternhaus, Rentenalter... Kündigung und die Wohnung ziemlich verwohnt, wie sich nach dem Auszug in der leeren Wohnung zeigt. Die Wohnung ist zum unveränderten Mietpreis schon kaum noch zu vermieten.

Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Ein Rechtsstreit mit der scheidenden Mietpartei um die meist im Mietvertrag vorgesehene Reglung: Die Wohnung muß in einem guten Erhaltungsstand sein, wenn der Mieter die Wohnung an einen Nachmieter übergibt. Viel vernünftiger ist jedoch, die frei gewordene Wohnung gründlich zu renovieren und auf einen zeitgemäßen technischen Stand zu bringen. Da sind schnell 20 bis 50 k€ zur Werterhaltung zu investieren... und höhere Mieten gerechtfertigt. Unterbleibt diese Maßnahme, dann hat man am Ende eine Wohnung, die nach einigen Mieterwechseln einer Räuberhöhle ähnelt. Türen, Fenster, Küchen, Fußböden, Installationen, Bäder verbraucht. Modernisierung bis zu 70 k€.

Ach ja, der Rechtsstreit... der endet meist damit, daß ein Gericht einen Vergleich vorschlägt... der Spatz in der Hand ist eben besser als die Taube auf dem Dach. Der Vermieter bleibt weitgehend auf den Kosten sitzen, und Gerichts-/Anwaltskosten hat er auch noch gehabt.

Ich beschreibe diese Lage aus der Sicht eines "kleinen Vermieters", der einige Mietobjekte bewohnbar und auf zeitgemäßem Stand halten will. Ich habe mich vor etlichen Jahren dazu durchgerungen, dieses ziemlich einseitige Geschäft zu beenden. Denn neben der wenig erfreulichen Ertragslage bei erheblichem Verwaltungsaufwand wird der Vermieter auch zur Anlaufstelle für Streitigkeiten der Mietparteien untereinander. Das mag bei großen Kapitalgesellschaften mit Rechtsabteilung, eigener Steuerberatung, eigener Reparaturkolonne ganz anders aussehen.

Ein Politikum bleibt das Verhältnis Mieter-Vermieter in nachgefragten Wohngebieten auf jeden Fall... wenn man daran denkt, daß Kommunen versuchen, verkauften kommunalen Wohnraum wieder in eigene Verfügbarkeit zurück zu kaufen... dann muß da ja etwas ganz schief gelaufen sein. Der Konflikt bleibt uns auf ewig erhalten.
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon Iwan der Liebe » Do 4. Apr 2019, 13:04

Ein Vermieter möchte sein Vermögen möglichst absolut leistungslos vermehren lassen, ein Mieter möchte wohnen und dafür Miete zahlen. Dadurch wird die Wohnung nicht besser, aber dafür zahlt er ja auch einen Teil der Miete.

Die Frage ist nun, wie man die unterschiedlichen Interessen wichtet. Unsere Parteien, abgesehen von den Linken und der AfD, Letztere gibt es ja noch nicht so lange, fanden die Interessen der Vermieter auf leistungslosen Vermögenszuwachs wichtiger und haben massenhaft privatisiert. Dass das natürlich zu steigenden Mieten und letztlich auch zu Obdachlosigkeit führt, war denen egal, oder sie nahmen es zumindest billigend in Kauf. Schließlich wuchs und wächst einem Teil der Bevölkerung dermaßen das Geld aus den Ohren, dass es oberste Priorität hat, diesen Leuten Anlagemöglichkeiten zu schaffen.
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon H2O » Fr 5. Apr 2019, 11:59

Iwan der Liebe hat geschrieben:(04 Apr 2019, 13:04)

Ein Vermieter möchte sein Vermögen möglichst absolut leistungslos vermehren lassen, ein Mieter möchte wohnen und dafür Miete zahlen. Dadurch wird die Wohnung nicht besser, aber dafür zahlt er ja auch einen Teil der Miete.

Die Frage ist nun, wie man die unterschiedlichen Interessen wichtet. Unsere Parteien, abgesehen von den Linken und der AfD, Letztere gibt es ja noch nicht so lange, fanden die Interessen der Vermieter auf leistungslosen Vermögenszuwachs wichtiger und haben massenhaft privatisiert. Dass das natürlich zu steigenden Mieten und letztlich auch zu Obdachlosigkeit führt, war denen egal, oder sie nahmen es zumindest billigend in Kauf. Schließlich wuchs und wächst einem Teil der Bevölkerung dermaßen das Geld aus den Ohren, dass es oberste Priorität hat, diesen Leuten Anlagemöglichkeiten zu schaffen.


Ich hätte nichts dagegen, Mietwohnungen ganz ab zu schaffen. Denn eine Mietwohnung zu bauen und zu pflegen, das ist eine teure Angelegenheit. Soll doch jeder Wohnungssüchtige selbst für seine Wohnhöhle sorgen, eine Wohnung kaufen oder selbst bauen... wie auch immer. Das wäre ein Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden im Lande. Kein Streit mit der Vermieterbande und gierigen Kapitalisten. Wie herrlich, in den eigenen 4 Wänden zu sitzen und sich der eigenen erbrachten Leistung zu erfreuen! :)
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 5. Apr 2019, 16:41

H2O hat geschrieben:(05 Apr 2019, 11:59)

Ich hätte nichts dagegen, Mietwohnungen ganz ab zu schaffen. Denn eine Mietwohnung zu bauen und zu pflegen, das ist eine teure Angelegenheit. Soll doch jeder Wohnungssüchtige selbst für seine Wohnhöhle sorgen, eine Wohnung kaufen oder selbst bauen... wie auch immer. Das wäre ein Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden im Lande. Kein Streit mit der Vermieterbande und gierigen Kapitalisten. Wie herrlich, in den eigenen 4 Wänden zu sitzen und sich der eigenen erbrachten Leistung zu erfreuen! :)

Bleib mal auf dem Boden. Die Stadt Wien betreibt sozialen Wohnungsbau seit 100 Jahren und hat sich allen neoliberalen "Reformen" verweigert. Da gibt es guten und bezahlbaren Wohnraum für den Akademiker wie für die Putzfrau. Mitunter Tür an Tür. Das wirkt effektiv gegen die soziale Spaltung.

Und dass bauen (nicht dass pflegen) ist natürlich zu teuer in Deutschland weil man exzessiv Vorschriften neu schafft und alles verkompliziert und verteuert bis es gar nicht mehr möglich ist bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die großen Immobiliengesellschaften bringen das Faß dann ganz zum überlaufen. Wie in Berlin.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon H2O » Fr 5. Apr 2019, 20:53

Alter Stubentiger hat geschrieben:(05 Apr 2019, 16:41)

Bleib mal auf dem Boden. Die Stadt Wien betreibt sozialen Wohnungsbau seit 100 Jahren und hat sich allen neoliberalen "Reformen" verweigert. Da gibt es guten und bezahlbaren Wohnraum für den Akademiker wie für die Putzfrau. Mitunter Tür an Tür. Das wirkt effektiv gegen die soziale Spaltung.

Und dass bauen (nicht dass pflegen) ist natürlich zu teuer in Deutschland weil man exzessiv Vorschriften neu schafft und alles verkompliziert und verteuert bis es gar nicht mehr möglich ist bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die großen Immobiliengesellschaften bringen das Faß dann ganz zum überlaufen. Wie in Berlin.


Dann treten Sie doch bitte in eine politische Partei ein und ändern den Mißstand! Ich halte es für einen Witz, daß bezahlbarer Wohnraum nicht erhältlich ist. Die Wohnungen an die Insassen verkaufen in einem regulierten Verfahren, und danach ist jeder selbst für seine Wohnung zuständig. Zur Not muß der Staat selbst bauen und seine Wohnungen eben verkaufen oder verschenken. Von einem privaten Eigentümer kann man so viel Selbstlosigkeit überhaupt nicht verlangen.
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon unity in diversity » Sa 6. Apr 2019, 07:11

Die Geduld der Mieter mit ihren Mietwürgern, scheint langsam erschöpft:
https://www.n-tv.de/politik/Enteignunge ... 49869.html
Man sollte wirklich Maßnahmen ergreifen, bevor es zum allgemeinen Mieterstreik kommt.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon H2O » Sa 6. Apr 2019, 08:47

unity in diversity hat geschrieben:(06 Apr 2019, 07:11)

Die Geduld der Mieter mit ihren Mietwürgern, scheint langsam erschöpft:
https://www.n-tv.de/politik/Enteignunge ... 49869.html
Man sollte wirklich Maßnahmen ergreifen, bevor es zum allgemeinen Mieterstreik kommt.


Was erwarten Sie denn? Wenn mit Mietwohnungen keine Geschäftsgewinne zu erzielen sind, dann suchen sich Investoren andere Felder zur Mehrung ihres Vermögens. Bisher war es so, daß unter dem Strich im Wettbewerb um den Kunden die besten Ergebnisse erzielt wurden. Man kann dieses Wirtschaftsprinzip in der Versorgung mit Wohnraum aushebeln, muß aber irgend etwas Funktionsfähiges an dessen Stelle setzen.

Mit der öffentlichen Bewirtschaftung von knappem Wohnraum waren unsere Erfahrungen aber auch nicht besonders überzeugend.

Ein wirklicher Systemwechsel wäre wohl, Mietwohnungen in das Eigentum des Mieters zu überführen. Das ist aber auch nichts für Leute, die nur billig wohnen wollen und ihre Wohnungen nicht pflegen wollen. Vielleicht kann man durch steuerliche Förderung des Mietkaufs einer großen Zahl von Mietern helfen, die Zukunftskosten für Wohnen mit zu gestalten. Etwa im Alter zu erträglichen Kosten in der gewohnten Umgebung noch wohnen können. Denn das Thema "Altersarmut" steht ja auch unübersehbar im Raum!
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon unity in diversity » Sa 6. Apr 2019, 09:50

Habe ich "Leute, die nur billig wohnen wollen " gehört?
Dann informiere dich mal, was in den Ballungszentren los ist.
Wohnungskauf, erklär das mal der Generation Praktikum.
Mit den überhöhten Mieten, sollte die Mietsache doch wohl längst abbezahlt worden sein und den Besitzer wechseln können, oder etwa nicht?
Mieten müssen nur kostendeckend sein und Rücklagen für Neubauten ermöglichen.
Sie sind sicher kein Instrument, deutsche Mieter abzuzocken, um Renten und Pensionen in anderen Ländern zu finanzieren.
Das sollen diese Länder gefälligst intern klären!
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon H2O » Sa 6. Apr 2019, 10:27

unity in diversity hat geschrieben:(06 Apr 2019, 09:50)

Habe ich "Leute, die nur billig wohnen wollen " gehört?
Dann informiere dich mal, was in den Ballungszentren los ist.
Wohnungskauf, erklär das mal der Generation Praktikum.
Mit den überhöhten Mieten, sollte die Mietsache doch wohl längst abbezahlt worden sein und den Besitzer wechseln können, oder etwa nicht?
Mieten müssen nur kostendeckend sein und Rücklagen für Neubauten ermöglichen.
Sie sind sicher kein Instrument, deutsche Mieter abzuzocken, um Renten und Pensionen in anderen Ländern zu finanzieren.
Das sollen diese Länder gefälligst intern klären!


Mit solchen Vorstellungen müßten wir uns aus der freiheitlichen Wirtschaftsgestaltung abmelden. Niemand hat das Recht, eine "bezahlbare Wohnung" dort beziehen zu können, wo ihm das sinnvoll erscheint. Es gibt Wohnraum und Wohnungen, die "bezahlbar" sind, die aber weder die gesuchte Umgebung noch die Nähe zu einem gut bezahlten Arbeitsplatz bieten.

Wenn Sie schon Kompromisse schließen möchten: Bei wieviel % der Bausumme einer Wohnung siedeln Sie denn die Jahresmiete an? Darauf wären auf jeden Fall noch die Kosten für die Instandhaltung der Miethäuser auf dem allgemeinen technischen Stand enthalten, und an Neubauten hatten Sie auch noch gedacht.

Ich werde den Verdacht nicht los, daß Sie einen geheimnisvollen weißen Ritter sehen, der diese Mittel aufbringen sollte. Aber erst einmal sind Sie dran mit der Miete für 1 m² Wohnfläche, wodurch die Bausumme verzinst, das Objekt gepflegt und weiterer Bedarf an Wohnraum befriedigt werden kann.

Aushilfsweise gebe ich vor, daß in 30 Jahren die Miete die Mittel für eine weitere Wohnung dieser Art beitragen sollte. In 100 Jahren wird der Instandhaltungs- und Modernisierungsaufwand einer Wohnung auf den Aufwand für eine Wohnung hinaus laufen... Friedenszeiten vorausgesetzt. Das ganze von einer Geldentwertung von 2% begleitet... was Volkswirte für eine gesunde Entwertungsrate halten. Nach 250 Jahren ist die intensiv genutzte Bausubstanz verbraucht.

Sie dürfen aber auch gern Ihre Rahmenbedingungen für die Berechnung der Miete ansetzen. Sie müssen nur nachvollziehbar sein, und auf Verschleiß nach dem Muster DDR "is nich"!
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon unity in diversity » Sa 6. Apr 2019, 11:08

"Niemand hat das Recht, eine "bezahlbare Wohnung" dort beziehen zu können, wo ihm das sinnvoll erscheint"
Doch, genau darum geht es, weil kein Mietwürger das Recht hat, seine Freiheit über die Freiheit seiner Mieter zu stellen.
Es geht um die Ballance, das Gleichgewicht, um nicht mehr und nicht weniger.
Wenn die übertreiben, verlieren sie alles, sogar ihr Leben, weil die zur Vervollständigung der Gesellschaft keiner braucht:

Ich bin dafür.
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon Sören74 » Sa 6. Apr 2019, 13:21

Diese Meldung passt gut dazu:

Bundesweite Proteste: Gegen den „Mietenwahnsinn“


https://rp-online.de/nrw/staedte/koeln/ ... d-37931551

Was mich allerdings wundert, in Stuttgart scheint es diese Proteste noch nicht zu geben. Da beschäftigt man sich noch mit den Dieselfahrverboten.

Nochmal zum Thema Miete, egal wie wirkungsvoll eine bestehende oder zukünftige Mietpreisbremse auch ist, müsste es nicht auch eine solche Bremse ebenso für den Verkaufswert von Wohnungen geben? Denn wenn die Kaufpreise steigen, dann werden Wohnungseigentümer eine Wohnung nur zur Miete anbieten, wenn sie damit ihre Investition auch reinbekommen. H2O hat ja mal eine Hausnummer von 30 Jahren genannt. Wenn der Kaufpreis um 50% ansteigt, dann braucht man bei derselben Höhe 45 Jahre, oder man müsste entsprechend die Miete anheben. Nur mal als Beispiel, eine Freundin von mir hat sich in einem Stuttgarter Stadtteil eine neue 2-Zi-Whg. mit 60qm angeschaut. Kaufpreis 470.000 Euro. Der Wahnsinn finde ich. Wenn man das mal auf 12*30= 360 Monatsmieten umrechnen würde, müsste man 1306 Euro kalt zahlen.
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 6. Apr 2019, 15:29

H2O hat geschrieben:(05 Apr 2019, 20:53)

Dann treten Sie doch bitte in eine politische Partei ein und ändern den Mißstand! Ich halte es für einen Witz, daß bezahlbarer Wohnraum nicht erhältlich ist. Die Wohnungen an die Insassen verkaufen in einem regulierten Verfahren, und danach ist jeder selbst für seine Wohnung zuständig. Zur Not muß der Staat selbst bauen und seine Wohnungen eben verkaufen oder verschenken. Von einem privaten Eigentümer kann man so viel Selbstlosigkeit überhaupt nicht verlangen.

Und weil Gemeinnützigkeit nicht zu erwarten ist konnte die Schnapsidee die kommunalen Wohnungen an die Immobilienhaie für einen Appel und ein Ei zu verkaufen nicht gut sein.
Verkauf an Einzelne ist gut aber wirklich gut ist es so wie in Wien. Auch im Kampf gegen die Pendlerströme. Denn selbst wer gut verdient kann sich ein Wohnen in der Nähe der Zentren wo er arbeitet nicht leisten. Am Ende ist es dan so wie in New York wo man durchaus 3000 Dollar verdienen kann aber trotzdem keine Wohnung kriegt.

Mirt könnte es ja egal sein. Ich hab meine Wohung vor 30 Jahren gekauft und hab 150 €uro Kosten im Monat. Wodurch ich mir auch einen Job leisten kann der mich interessiert mich aber nicht mehr zereissen muß. Ic hweiß aber wie schwer es ist soweit zu kommen wenn sich alles selber erarbeiten muß. Darum gilt meiner Sympathie den einfachen Leuten und nicht den Immobilienhaien. Die kann man bedenkenlos enteignen ohne dass es Deutschland irgendwie schaden würde. Sollen die "Finanzinvestoren" doch Opfer in den USA oder GB suchen wo man deren Gebaren ja sehr schätzt und einfache Leute verachtet.
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 6. Apr 2019, 15:32

Sören74 hat geschrieben:(06 Apr 2019, 13:21)

Diese Meldung passt gut dazu:

Bundesweite Proteste: Gegen den „Mietenwahnsinn“


https://rp-online.de/nrw/staedte/koeln/ ... d-37931551

Was mich allerdings wundert, in Stuttgart scheint es diese Proteste noch nicht zu geben. Da beschäftigt man sich noch mit den Dieselfahrverboten.

Nochmal zum Thema Miete, egal wie wirkungsvoll eine bestehende oder zukünftige Mietpreisbremse auch ist, müsste es nicht auch eine solche Bremse ebenso für den Verkaufswert von Wohnungen geben? Denn wenn die Kaufpreise steigen, dann werden Wohnungseigentümer eine Wohnung nur zur Miete anbieten, wenn sie damit ihre Investition auch reinbekommen. H2O hat ja mal eine Hausnummer von 30 Jahren genannt. Wenn der Kaufpreis um 50% ansteigt, dann braucht man bei derselben Höhe 45 Jahre, oder man müsste entsprechend die Miete anheben. Nur mal als Beispiel, eine Freundin von mir hat sich in einem Stuttgarter Stadtteil eine neue 2-Zi-Whg. mit 60qm angeschaut. Kaufpreis 470.000 Euro. Der Wahnsinn finde ich. Wenn man das mal auf 12*30= 360 Monatsmieten umrechnen würde, müsste man 1306 Euro kalt zahlen.

Ja. Ich hatte eine nur wenig kleinere Wohnung vor 30 Jahren für 10% des Preises gekauft. Da sieht man wie irrsinnig der Immobilienmarkt heute ist.
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon H2O » Sa 6. Apr 2019, 16:30

Nein, auch dieser Jammer ist nicht ganz angemessen. Wenn ich mein Gehalt in den 70er Jahren vergleiche mit dem meiner jüngeren Kollegen heute, dann bringen die es in Euro auf mein Gehalt in DM. Ich weiß noch, wie bedröppelt meine Frau und ich aus der Wäsche geguckt haben, als wir in Bremen 80 m² für 500 DM Kaltmiete bezahlen mußten. Eine gute Wohnung, ohne Frage, aber kein Luxus. Für Kinderbetten mußten wir richtig sparen. Da hatte ein Bremer Schiffsmakler, ein sehr freundlicher und menschlicher Zeitgenosse, seine erarbeiteten Vermögenswerte investiert und ein 9-Familienhaus gebaut. Soll man einen solchen Menschen enteignen oder beschimpfen? Das war eben seine Selbstversorgung auf seine alten Tage! Immerhin machte er die Hausverwaltung noch selbst in seinem Büro, und er sah gelegentlich nach dem Rechten. Da fühlen sich manche Zeitgenossen ja auch schon angepinkelt!

Meine Eltern hatten einen kleinen Betrieb, und zu ihrer Alterssicherung hatten sie sich auch ein viel zu großes Objekt aufgeladen, weil ihre betriebliche Existenz davon abhing. Zeitlebens haben sie ein Haus verwaltet und Schulden abgetragen. Was will man solchen Leuten anhängen, wenn die für 100 m² 1.000 DM Kaltmiete verlangt hatten? Alles tip-top in Ordnung und gepflegt, aber modernisierter Altbau. Zur gleichen Zeit gab es in meiner Geburtsstadt viele Leerstände, weil die Altbauten eben nicht auf dem marktüblichen Stand gehalten wurden... die Leute wollten von den Miet-erträgen leben.

Das geht aber nur bei schuldenfreiem Miethaus und bescheidenen Ansprüchen. Ganz einfach einmal nachrechnen. Ich fand dieses Leben nicht so lustig und habe das Spiel nach 15 Jahren abgepfiffen.

Es gibt eben nicht nur die Kapitalverwaltungen, die solche Objekte gewinnorientiert bewirtschaften. Die Sache ist politisch viel verzwickter.
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon unity in diversity » Sa 6. Apr 2019, 17:26

Welche Existenzberechtigung hat eigentlich der Mietspiegel?
Nur weil Neuvermietungen um bis zu 30 % teurer werden dürfen, sollen Bestandsmieter mehr bezahlen, obwohl sich ihre Mietsache und Wohnumfeld nicht geändert haben?
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon Sören74 » Sa 6. Apr 2019, 18:02

Natürlich verdienen wir heute mehr als vor 10, 20, 40 oder mehr Jahren. Vor nicht all zu langer Zeit hieß es mal, solange man nicht mehr als 30% seines Einkommen fürs Wohnen ausgeben muss, ist alles im Lot. In Stuttgart kommen schon Gutverdiener bis an 50% ran. Ich denke daran sieht man sehr deutlich die Entwicklung.
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Re: Mieter und Vermieter - auch ein Politikum?

Beitragvon imp » Sa 13. Apr 2019, 20:08

Sören74 hat geschrieben:(06 Apr 2019, 18:02)

Natürlich verdienen wir heute mehr als vor 10, 20, 40 oder mehr Jahren.

So natürlich ist das nicht.
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