Hessen und Rechtsextremismus

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schokoschendrezki
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Re: Hessen und Rechtsextremismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 18. Sep 2019, 14:36

imp hat geschrieben:(17 Sep 2019, 11:35)

Man muss da auch in Hessen differenzieren zwischen klassischen "eingeschlafenen Gebieten" wie dem Lahn-Dill-Kreis, wo seit Goethe nichts mehr passiert ist und andererseits Frankfurt (tolle Stadt) und sein naeheres Umland bis Offenbach (schrecklich) und Hochtaunus (noch schrecklicher). Da gibt es jeweils ganz verschiedene Muster und Begruendungen fuer rechte Einstellungen. Auf das Urbane will ich mal nicht eingehen, da haben wir den Vergleich zu Hamburg, Berlin und den ganzen Pams von rechts, den man immer liest. Bleiben wir mal im LDK, da kenne ich zufaellig einiges. Der Kreis verliert schon lange Einwohner. Nach einer kleinen Erholung in den 90ern durch die Wendezeit geht es spaetestens seit der Schroeder-Aera immer weiter bergab. Fernverkehr mit der deutschen Bahn gibt es so nicht mehr, die Autobahn ist halbwegs erreichbar. Orte wie Braunfels hatten einmal eine industrielle Vergangenheit, aber heute ist da nicht mehr viel los.

Naeheres zu dem Demographietyp 5, zu dem viele "abgehaengte" Regionen in Niedersachsen und Hessen (aber seltener im Osten!) gehoeren, findest du hier:
https://www.wegweiser-kommune.de/docume ... etyp+5.pdf

Ich denke, einen spezifisch hessischen Weg zum rechten Gedankengut muss man hier erforschen.


EInfach nur "Abgehängtheit" reicht meiner Ansicht nach nicht aus als Begründungsmuster. Es muss die Reibung mit dem unmittelbar danebenstehenden Aufstieg oder dem einfach nur "Anderssein" dazukommen. Auf dem Gebiet der Ex-DDR wären das z.B. Exklusiv-Tourismus-Gebiete we Usedom, Rügen oder Sächsische Schweiz. Jeweils gleichzeitig NPD-Hochburgen. Der Speckgürtel rund um Berlin ist das andere Beispiel. Ein Handwerker aus Oranienburg oder Strausberg rackert sich ab, muss sich für Aufträge teils erstmal verschulden ... und in seinen Augen laufen in Berlin hochbezahlte nutzlose Staatsbeamte, duchgefütterte Flüchtlinge und Leute mit unverständlichen Berufen herum und sitzen in den Cafés und lassen sichs gutgehen. In Hessen könnte das entsprechend der krasse Gegensatz zwischen abgehängten Landregionen und der Banken-Welt-Metropole Frankfurt sein (?).
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Re: Hessen und Rechtsextremismus

Beitragvon imp » Mi 18. Sep 2019, 14:38

schokoschendrezki hat geschrieben:(18 Sep 2019, 14:36)

EInfach nur "Abgehängtheit" reicht meiner Ansicht nach nicht aus als Begründungsmuster. Es muss die Reibung mit dem unmittelbar danebenstehenden Aufstieg oder dem einfach nur "Anderssein" dazukommen. Auf dem Gebiet der Ex-DDR wären das z.B. Exklusiv-Tourismus-Gebiete we Usedom, Rügen oder Sächsische Schweiz. Jeweils gleichzeitig NPD-Hochburgen. Der Speckgürtel rund um Berlin ist das andere Beispiel. Ein Handwerker aus Oranienburg oder Strausberg rackert sich ab, muss sich für Aufträge teils erstmal verschulden ... und in seinen Augen laufen in Berlin hochbezahlte nutzlose Staatsbeamte, duchgefütterte Flüchtlinge und Leute mit unverständlichen Berufen herum und sitzen in den Cafés und lassen sichs gutgehen. In Hessen könnte das entsprechend der krasse Gegensatz zwischen abgehängten Landregionen und der Banken-Welt-Metropole Frankfurt sein (?).

Das kann schon sein. So richtig im Focus der Landespolitik stehen sie nicht und der billigere Osten ist SOO weit nun auch nicht weg.
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Re: Hessen und Rechtsextremismus

Beitragvon JFK » Mi 18. Sep 2019, 19:58

https://m.faz.net/aktuell/rhein-main/ve ... 90603.html

Hessens Sicherheitsexperten warnen vor einer steigenden Gefährdung durch gewaltbereite Extremisten. Vor allem in der rechten Szene gebe es eine hohe Gewaltorientierung und Waffenaffinität, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU) bei der Präsentation des Verfassungsschutzberichts für das Jahr 2018 am Mittwoch in Wiesbaden. Auch die zunehmende Hetze im Internet bereite den Sicherheitsbehörden Sorge, da sich gewaltbereite Extremisten davon zu Taten angestachelt fühlten. „Aus Hetze und Hass in Worten kann leicht mehr entstehen“, mahnte Beuth. „Das ist der Resonanzboden für die, die mehr wollen.“

Verfassungsschutzpräsident Robert Schäfer warnte aber nicht nur vor einer zunehmenden Gewaltbereitschaft der rechten Szene. Es gebe auch zunehmend Gruppierungen wie die „Identitäre Bewegung“, die mit vermeintlich gemäßigterem Auftreten versuchten, gerade auch Akademiker anzusprechen und damit die Grenzen zum Extremismus zu lockern..


Dieser Teil hat mich etwas irritiert

Der Innenminister forderte im Kampf gegen gewaltbereite Extremisten erneut eine Gesetzesänderung, um ihnen den Zugang zu Waffen grundsätzlich zu verwehren. „Waffen haben in den Händen von Extremisten nichts zu suchen“, sagte Beuth. Damit der Verfassungsschutz die Waffenbehörden beim Entzug von Gewehren und Pistolen noch effektiver unterstützen kann, müssten endlich die gesetzlichen Regeln geändert werden. Bislang habe es zwar auf Bundesebene noch keine Mehrheit für die hessische Initiative gegeben. Bei der Bundesratssitzung an diesem Freitag werde er aber „um eine Mehrheit für die dringend notwendige Verschärfung des Waffengesetzes werben


Bedeutet es etwa, das wir erst darüber diskutieren müssen, ob gewaltbereite Extremisten wie den Mitglieder der Identitären den Waffenschein zu entziehen bzw zu verweigern?

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