Sammelstrang gendergerechte Sprache

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Wie steht Ihr zu gendergerechte Sprache?

diese Sprachform ist gut und richtig und soll so bleiben
1
2%
diese Sprachform sollte langfristig mal abgeschafft werden
3
6%
diese Sprachform sollte mit sofortiger Wirkung abgeschafft werden
10
20%
wer so spricht, sollte wegen Zeitverschwendung verurteilt werden
6
12%
wer so spricht, sollte wegen seelischer Grausamkeit verurteilt werden
4
8%
wer so spricht, sollte wegen Beschädigung der deutschen Sprache verurteilt werden
14
28%
mir ist das alles egal
12
24%
 
Abstimmungen insgesamt: 50
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Billie Holiday
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon Billie Holiday » Mo 14. Sep 2020, 18:15

naddy hat geschrieben:(14 Sep 2020, 18:11)

Du Macho! :D


Liest sich recht flüssig. :thumbup:
Man kann sich auf den Inhalt konzentrieren, weil der Autor beim Leser Hirn voraussetzt. :cool:
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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denkmal
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon denkmal » Mo 21. Sep 2020, 09:43

naddy hat geschrieben:(14 Sep 2020, 14:35)

(f.v.m.)
:mad:

Abkürzungen gibt es ja (viel zu) viele. Bin mir gerade nicht sicher, was du meinst...
Im Laufe ihres steinernen Daseins nehmen sogar manche Denkmäler menschliche Züge an.
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naddy
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon naddy » Mo 21. Sep 2020, 13:56

denkmal hat geschrieben:(21 Sep 2020, 09:43)

Abkürzungen gibt es ja (viel zu) viele. Bin mir gerade nicht sicher, was du meinst...


Aus alter beruflicher Gewohnheit kennzeichne ich von mir vorgenommene Veränderungen an Zitaten, "f.v.m." heißt in diesem Fall "fett(e Markierung) von mir". Früher habe ich das ausgeschrieben, wegen häufiger Anwendung wurde mir das aber im Laufe der Zeit zu lästig. ;)
"Das gefährliche an der Dummheit ist, daß sie die dumm macht, die ihr begegnen." (Sokrates).
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denkmal
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon denkmal » Di 22. Sep 2020, 10:42

naddy hat geschrieben:(21 Sep 2020, 13:56)

Aus alter beruflicher Gewohnheit kennzeichne ich von mir vorgenommene Veränderungen an Zitaten, "f.v.m." heißt in diesem Fall "fett(e Markierung) von mir". Früher habe ich das ausgeschrieben, wegen häufiger Anwendung wurde mir das aber im Laufe der Zeit zu lästig. ;)

Danke!
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon Ammianus » Di 22. Sep 2020, 11:34

Richtig und allgemein üblich, dazu wissenschaftlicher Standart wäre:

"Hervorhebung durch Autor". Ich schreibe immer "Hervorhebung Ammianus". Das dürfte auch klar sein.

"f.v.m." kennt nicht mal Google
"Ich möchte an einem Ort sein, an dem es keine Politik gibt, keine Waffen, keine Religion."
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naddy
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon naddy » Di 22. Sep 2020, 12:27

Ammianus hat geschrieben:(22 Sep 2020, 11:34)

"f.v.m." kennt nicht mal Google


Natürlich nicht, zur Zeit meines Berufslebens kannte man "Google" bestenfalls lautmalerisch von "Guglhupf". :)
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon schokoschendrezki » Di 22. Sep 2020, 12:31

Ammianus hat geschrieben:(22 Sep 2020, 11:34)

Richtig und allgemein üblich, dazu wissenschaftlicher Standart wäre:


Standard. ;) Sorry. Ich kann nicht anders.
Ich habe nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv geliebt ... ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig (Hannah Arendt)
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon schokoschendrezki » Di 22. Sep 2020, 13:05

In der gesprochenen Sprache habe ich in jüngster Zeit "gefühlt" eine Zunahme dieser *Innen-Anhängsel vernommen. Also etwa StudentInnen nicht nur geschrieben sondern auch gesprochen das "t" vom "I" abgesetzt. Darüber mag man denken, was man will. Aber es hat immerhin eine Logik. "Studierende" zu schreiben oder zu sagen ist Unsinn, wenn man "Studenten und Studentinnen" meint. Gut. Das ist bekannt und darauf ist (glaub ich auch hier) zig mal eingegangen worden.

Schlimmer finde ich, dass die Konsistenz, Logik und Genauigkeit und auch die stilistische Prägnanz abnimmt. "Auf was wollen wir uns einigen" ist einfach im Vergleich zu "worauf wollen wir uns einigen" stilistisch schlecht. Bei einem Satz wie "Von was hast du geträumt" wirds dann stilistisch grenzwertig. Sätze dieser Art hört und liest man aber auch mehr und mehr in diesen sogenannten "Qualitätsmedien". Mehr und mehr auch in wirklich schon fehlerhafter Form. Heute früh (sinngemäß) im Morgenmagazin:

"Das Gesundheitswesen wird in einer solchen Höhe mit finanziellen Mitteln ausgestattet, damit es den Anforderungen gerecht wird"

Mir ist in solchen Augenblicken immer, als hätte ich auf einen entzündeten Zahn gebissen.

Im öffentlichen Tv. Von Journalisten, von denen ich mal annehme, dass sie Journalistik oder Ähnliches studiert haben.

Merke: Bei "damit"-Nebensätzen ist der Hauptsatz auch für sich selbst inhaltlich vollständig.

"Ich treibe regelmäßig Sport, damit ich gesund bleibe".

Richtig wäre: "Das Gesundheitswesen wird in einer solchen Höhe mit finanziellen Mitteln ausgestattet, dass es den Anforderungen gerecht wird".
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon Tom Bombadil » Di 22. Sep 2020, 13:07

Eben habe ich in der Zeitung von "Vermietende" und "Mietende" gelesen. Es ist und bleibt purer Schwachsinn, ein typisches "first world problem".
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Ammianus
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon Ammianus » Di 22. Sep 2020, 14:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Sep 2020, 12:31)

Standard. ;) Sorry. Ich kann nicht anders.


Ist aber so. Magst du nicht mögen. Ändert nichts daran ...
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon ThorsHamar » Di 22. Sep 2020, 15:13

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Sep 2020, 13:05)

..... Mehr und mehr auch in wirklich schon fehlerhafter Form. Heute früh (sinngemäß) im Morgenmagazin:

"Das Gesundheitswesen wird in einer solchen Höhe mit finanziellen Mitteln ausgestattet, damit es den Anforderungen gerecht wird"

Mir ist in solchen Augenblicken immer, als hätte ich auf einen entzündeten Zahn gebissen.

Im öffentlichen Tv. Von Journalisten, von denen ich mal annehme, dass sie Journalistik oder Ähnliches studiert haben.

Merke: Bei "damit"-Nebensätzen ist der Hauptsatz auch für sich selbst inhaltlich vollständig.

"Ich treibe regelmäßig Sport, damit ich gesund bleibe".

Richtig wäre: "Das Gesundheitswesen wird in einer solchen Höhe mit finanziellen Mitteln ausgestattet, dass es den Anforderungen gerecht wird".


ähm ..... bist Du sicher?
Ich finde, beide Sätze sind sprachlich eher trübe Ideen für das eigentlich korrekte "um ....zu"

"Ich treibe regelmäßig Sport, um gesund zu bleiben". Und : ""Das Gesundheitswesen wird in einer solchen Höhe mit finanziellen Mitteln ausgestattet, um den Anforderungen gerecht zu werden".
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 23. Sep 2020, 09:14

ThorsHamar hat geschrieben:(22 Sep 2020, 15:13)

ähm ..... bist Du sicher?
Ich finde, beide Sätze sind sprachlich eher trübe Ideen für das eigentlich korrekte "um ....zu"

"Ich treibe regelmäßig Sport, um gesund zu bleiben". Und : ""Das Gesundheitswesen wird in einer solchen Höhe mit finanziellen Mitteln ausgestattet, um den Anforderungen gerecht zu werden".

Interessante Frage. Nein. Bin mir nicht sicher! Die "um zu"-Konstruktion in einem finalen Nebensatz wird verwendet, um einen direkten kausalen Zusammenhang oder eine Begründung deutlich zu machen. Wie in ebenjenem Satz grad.

Wenn man ein bissel nachrecherchiert: Sinnvoll sei angeblich die um-zu-Konstruktion immer dann, wenn im Hauptsatz und im Nebensatz das handelnde Subjekt identisch ist. Auch wenn es im Nebensatz nicht explizit genannt wird.

"Ich treibe regelmäßig Sport. Damit ich gesund bleibe." Daraus wird "Ich treibe regelmäßig Sport, um gesund zu bleiben".

In dem Satz "Das Gesundheitswesen wird in einer solchen Höhe mit finanziellen Mitteln ausgestattet, um den Anforderungen gerecht zu werden" ist der Hauptsatz ein Passivsatz. Das handelnde Subjekt wird nicht genannt. Irgendein Ministerium vermutlich. Im Nebensatz aber ist das vorhergehende Objekt (das Gesundheitswesen) nun das handelnde Subjekt (es wird den Anforderungen gerecht). Nach dieser Regel wäre die um-zu-Konstruktion dann eher nicht angebracht.

Nun gut. Es gibt andere Beispiel. Die Verwendung von "bis zu" zum Beispiel.

Richtig ist:

"Kinder bis zu drei Jahren zahlen die Hälfte".
"Die Auslieferung kann bis zu drei Jahre dauern"

Im ersten Fall ist "bis zu" Teil einer Präpositionsphrase. Das "zu" bezieht sich auf "Jahre" und regiert den Dativ.
Im zweiten Fall ist "bis zu" ein Modaladverb und bezieht sich auf "dauern" und verlangt den Akkusativ.

Die falschen Bildungen, also nach dem Muster

"Kinder bis zu drei Jahre zahlen die Hälfte"
"Die Auslieferung kann bis zu drei Jahren dauern"

wird man häufig finden. Auch und zunehmend in Qualtitätsmedien. Das genau zu durchschauen dürfte für einen Nichtmuttersprachler schwierig sein. Und ich selbst musste auch erstmal recherchieren, um die korrekten Grammatik-Begriffe zu benennen. Aber: Ein Journalist, eine Journalistin sollte das eigentlich im Schlaf beherrschen.
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon Dark Angel » Mi 23. Sep 2020, 10:19

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Sep 2020, 13:05)

In der gesprochenen Sprache habe ich in jüngster Zeit "gefühlt" eine Zunahme dieser *Innen-Anhängsel vernommen. Also etwa StudentInnen nicht nur geschrieben sondern auch gesprochen das "t" vom "I" abgesetzt. Darüber mag man denken, was man will. Aber es hat immerhin eine Logik.


Aha und welche Logik soll das haben, wenn zwischen "Student" und "innen" eine Pause gemacht wird?
Ist dir noch nie aufgefallen, dass der Begriff "innen" das Gegenteil von "außen" bezeichnet?
Wenn also von "Student" "innen" - mit Pause zwischen beiden Wörtern/Begriffen - dann wir etwas bezeichnet, was im Studenten drin ist und dann stellt sich automatisch die Frage " was ist außen mit dem Studenten?".

Eine Logik kann ich da nicht erkennen, weil man nämlich beim Sprechen nicht hört ob ein Buchstabe groß oder klein geschrieben wird.

Wenn jemand Probleme damit hat, bei dem Sammelbegriff "Studenten", Männer UND Frauen zu verstehen/zu begreifen, dann sollte der-/diejenige gefälligst nicht zu faul sein, von Studenten UND Studentinnen zu sprechen bzw er/sie sollte sich über ihren/seinen sehr beschränkten geistigen Horizont Gedanken machen.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon Ammianus » Mi 23. Sep 2020, 10:56

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... und jetzt alle kräftig Luft holen, konzentrieren und noch einmal von Vorne.
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon Zahnderschreit » Mi 23. Sep 2020, 11:22

Dark Angel hat geschrieben:(23 Sep 2020, 10:19)
Wenn jemand Probleme damit hat, bei dem Sammelbegriff "Studenten", Männer UND Frauen zu verstehen/zu begreifen, dann sollte der-/diejenige gefälligst nicht zu faul sein, von Studenten UND Studentinnen zu sprechen bzw er/sie sollte sich über ihren/seinen sehr beschränkten geistigen Horizont Gedanken machen.

Das sehe ich auch so. Richtig umständlich wird es nur, wenn auch das dritte Geschlecht berücksichtigt werden soll. Aber das ist in der Gendersprache vermutlich nicht so wichtig.

Tom Bombadil hat geschrieben:(22 Sep 2020, 13:07)
Eben habe ich in der Zeitung von "Vermietende" und "Mietende" gelesen. Es ist und bleibt purer Schwachsinn, ein typisches "first world problem".


Miet-Ende klingt doch interessant.
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon ThorsHamar » Mi 23. Sep 2020, 11:40

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Sep 2020, 09:14)

Interessante Frage. Nein. Bin mir nicht sicher! Die "um zu"-Konstruktion in einem finalen Nebensatz wird verwendet, um einen direkten kausalen Zusammenhang oder eine Begründung deutlich zu machen. Wie in ebenjenem Satz grad.

Wenn man ein bissel nachrecherchiert: Sinnvoll sei angeblich die um-zu-Konstruktion immer dann, wenn im Hauptsatz und im Nebensatz das handelnde Subjekt identisch ist. Auch wenn es im Nebensatz nicht explizit genannt wird.

"Ich treibe regelmäßig Sport. Damit ich gesund bleibe." Daraus wird "Ich treibe regelmäßig Sport, um gesund zu bleiben".

In dem Satz "Das Gesundheitswesen wird in einer solchen Höhe mit finanziellen Mitteln ausgestattet, um den Anforderungen gerecht zu werden" ist der Hauptsatz ein Passivsatz. Das handelnde Subjekt wird nicht genannt. Irgendein Ministerium vermutlich. Im Nebensatz aber ist das vorhergehende Objekt (das Gesundheitswesen) nun das handelnde Subjekt (es wird den Anforderungen gerecht). Nach dieser Regel wäre die um-zu-Konstruktion dann eher nicht angebracht.

Nun gut. Es gibt andere Beispiel. Die Verwendung von "bis zu" zum Beispiel.

Richtig ist:

"Kinder bis zu drei Jahren zahlen die Hälfte".
"Die Auslieferung kann bis zu drei Jahre dauern"

Im ersten Fall ist "bis zu" Teil einer Präpositionsphrase. Das "zu" bezieht sich auf "Jahre" und regiert den Dativ.
Im zweiten Fall ist "bis zu" ein Modaladverb und bezieht sich auf "dauern" und verlangt den Akkusativ.

Die falschen Bildungen, also nach dem Muster

"Kinder bis zu drei Jahre zahlen die Hälfte"
"Die Auslieferung kann bis zu drei Jahren dauern"

wird man häufig finden. Auch und zunehmend in Qualtitätsmedien. Das genau zu durchschauen dürfte für einen Nichtmuttersprachler schwierig sein. Und ich selbst musste auch erstmal recherchieren, um die korrekten Grammatik-Begriffe zu benennen. Aber: Ein Journalist, eine Journalistin sollte das eigentlich im Schlaf beherrschen.


Richtig! :thumbup:
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon JosefG » Mi 23. Sep 2020, 12:09

Dark Angel hat geschrieben:(23 Sep 2020, 10:19)

Wenn jemand Probleme damit hat, bei dem Sammelbegriff "Studenten", Männer UND Frauen zu verstehen

'Studenten' sind also Männer und Frauen. Ok. Und wie sagt man dann, wenn man wirklich nur Männer meint?
Zuletzt geändert von JosefG am Mi 23. Sep 2020, 12:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon Teeernte » Mi 23. Sep 2020, 12:16

JosefG hat geschrieben:(23 Sep 2020, 12:09)

'Studenten' sind also Männer und Frauen.Ok. Und wie sagt man dann, wenn man wirklich nur Männer meint?


Die sich als Männer "fühlen" oder als "ES" ...oder als "weiblich" oder transgender ?

"Richtige" Studenten........oder Mädels - die angeben "Student" zu sein - :D :D :D
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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon Dark Angel » Mi 23. Sep 2020, 12:22

JosefG hat geschrieben:(23 Sep 2020, 12:09)

'Studenten' sind also Männer und Frauen.Ok. Und wie sagt man dann, wenn man wirklich nur Männer meint?

"wenn man wirklich nur Männer meint" geht das aus dem Gesamtkontext hervor - also immer noch "Studenten".
Darum schrieb ich ja auch von "sehr beschränktem geistigen Horizont".
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Sammelstrang gendergerechte Sprache

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 23. Sep 2020, 13:12

JosefG hat geschrieben:(23 Sep 2020, 12:09)

'Studenten' sind also Männer und Frauen. Ok. Und wie sagt man dann, wenn man wirklich nur Männer meint?

Ich arbeite im Hochschulbereich. Mir ist es in zig Dekaden noch nicht einmal passiert, dass ich irgendwann mal irgendetwas nur für männliche oder nur für weibliche Studenten zu sagen oder zu fragen oder zu schreiben gehabt hätte. Wieso auch?

Ich bin jüngst unter anderem damit befasst, die Information "Geschlecht" datenbankseitig für entsprechende Applikation von zweiwertig auf mehrwertig umzustellen. Es gäbe Wichtigeres.
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