Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

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Perdedor
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Perdedor » Do 16. Nov 2017, 20:16

Sextus Ironicus hat geschrieben:Es werden keine über die beiden Merkmale hinausgehenden, eigenständigen Merkmale festgestellt, also nur: Nicht eindeutig A oder B, sondern AB, aber nicht C.


Sie sollen also "Geschlecht: weibmännlich" eintragen? Vielleicht kann man sich darauf einigen, aber "inter/divers" hört sich für meine Begriffe weniger sperrig an.
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Sextus Ironicus
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Do 16. Nov 2017, 20:44

Perdedor hat geschrieben:(16 Nov 2017, 20:16)

Sie sollen also "Geschlecht: weibmännlich" eintragen? Vielleicht kann man sich darauf einigen, aber "inter/divers" hört sich für meine Begriffe weniger sperrig an.


Nein, die Wortwahl spielt jetzt keine Rolle mehr. Nachdem man die Unmöglichkeit, jemandem diesem oder jenem zuzuordnen dazu genutzt hat, wie ja überall kolportiert wurde, also den negativen Sachverhalt einer Uneindeutigkeit als Basis für die Existenz eines eigentständigen Dritten zu nehmen, hat man de facto der Biologie auf normativer Basis etwas hinzugefügt oder mindestens gleichgestellt. Damit nähert man sich schon einmal den harten sozialkonstruktivistischen Positionen an. Der Idee des Körpers als einem Konstrukt normativer Ideale kommt dieses Urteil jedenfalls entgegen. Wird spannend - leider steht das Urteil noch nicht online.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Perdedor » Do 16. Nov 2017, 21:07

Sextus Ironicus hat geschrieben:Nachdem man die Unmöglichkeit, jemandem diesem oder jenem zuzuordnen dazu genutzt hat, wie ja überall kolportiert wurde, also den negativen Sachverhalt einer Uneindeutigkeit als Basis für die Existenz eines eigentständigen Dritten zu nehmen


Dem ist ja auch so. Ich hatte es @Dark Angel oben schon erklärt.
Wenn man nicht der Gruppe 1 (Frauen) oder 2 (Männer) angehört, gehört man logischerweise einer dritten Gruppe an. Der Name ist, wie du schon sagtest, natürlich unerheblich.

Sextus Ironicus hat geschrieben:hat man de facto der Biologie auf normativer Basis etwas hinzugefügt oder mindestens gleichgestellt.


Das hat die Biologie bereits selbst erledigt (Intersexuelle existieren ja objektiv). Das BVerfG hat lediglich festgestellt, dass dieser dritten Gruppe selbstverständlich die gleichen Rechte zustehen, wie den beiden anderen.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Do 16. Nov 2017, 21:09

Rochhardo hat geschrieben:(16 Nov 2017, 18:59)

Okay, also wenn wir nur eine Person diskriminieren, dann ist das in Ordnung?

Das ist gerade deine Aussage. Du kommst mit schönen Zahlen daher, und sagst so lange es ja nur eine Minderheit in der Minderheit betrifft, dann können wir die schon diskriminieren.

Ich sehe das anders. Schon wenn eine Person diskriminiert wird, dann muss man das beseitigen, wenn dadurch nicht der größere Zusammenhalt gefährdet wird.

Und warum es für die Gesellschaft, für Männer oder für Frauen gefährdend sein soll, dass Intersexuelle in Zukunft auch im Geburtsregister Intersexuell eingetragen haben werden, erschließt sich mir nicht.

Bei Intersexualität ist das Geschlecht "nicht eindeutig zuordenbar" ist keine Diskriminierung, sondern schlicht eine Tatsache.
Aus einer Uneindeutigkeit kann nicht etwas Eindeutiges gebastelt werden und es kann auch keine Wertung daraus abgeleitet werden. ==> Sein-Sollen-Fehlschluss.
Der Eintrag "inter" = dazwischen oder "divers" = verschieden/was anderes ist auch nur uneindeutig. "Verschieden" - ja von was denn? Intersexuelle sind nicht "verschieden"/"was anderes".

Rochhardo hat geschrieben:(16 Nov 2017, 18:59)]Okay, also dann auf Tatsachen-Ebene. Die Medizin erkennt die Störung Intersexualität an. Diesen Beweis darfst du gerne im von der WHO veröffentlichten ICD-10 unter Q90-Q99 nachschlagen. Dort stehen verschiedene Chromosomenanomalien unter anderem auch solche, die zu Intersexualität führen.

Also, denke ich zumindest, dass wir uns einmal darauf einigen können, dass es tatsächlich Intersexualität per Tatsache und wissenschaftlicher Anerkennung gibt.

Habe ich irgendwo etwas anderes behauptet? Nein habe ich NICHT! Ganz im Gegenteil ich habe sogar zitiert und verlinkt!

Rochhardo hat geschrieben:(16 Nov 2017, 18:59)]Nun hat das BVerfG festgestellt, dass diese Menschen durch den Zwang sich als männlich/weiblich/nichts, per Tatsache diskriminiert werden. Es hat also nichts mit der persönlichen Befindlichkeit zu tun, was das BVerfG festgestellt hat, sondern mit 'amtlichen' Tatsachen. Nun sieht der Artikel 2 und 3 GG vor, dass jeder seine Persönlichkeit frei entfalten kann und nicht wegen angeborener Attribute diskriminiert werden darf.

Es hat doch mit Befindlichkeiten zu tun. Der/die/das Kläger wollte als Geschlecht "inter" oder "divers" eintragen lassen. Ein solches Geschlecht gibt es nicht. Es gibt nunmal nur männlich und weiblich und es gibt eine Anomalie/Fehlentwicklung, die eine eindeutige Zuordnung nicht zulässt. Also müsste genau das in das Personenstandsregister eingetragen werden.
Dann fühlen sich Intersexuelle aber wieder diskriminiert. So what!
Die ganze Geschichte läuft darauf hinaus, dass jeder eintragen kann, was ihm grade einfällt. Fratzenbuch lässt grüßen!
Wie auch der Schwachsinn, den gewisse Politikerinnen bezüglich "geschlechtliche Vielfalt" bereits andeuten.

Rochhardo hat geschrieben:(16 Nov 2017, 18:59)]Und genau das hat das BVerfG nun vom Gesetzgeber gefordert. Dass er sich an die im Grundgesetz verankerten Grundrechte hält und Personen die eine Chromosomenanomalie haben nicht diskriminiert.

Das wurden sie vorher schon nicht. Immer noch Sein-Sollen-Fehlschluss oder auch Humes Gesetz.

Rochhardo hat geschrieben:(16 Nov 2017, 18:59)Eben mit dieser Aussage widersprichst du der Medizin. Diese stellt eindeutig fest, dass es Chromosomenanomalien gibt, wodurch das einordnen in männlich/weiblich nicht möglich ist.

Wo widerspreche ich denn der Medizin, wenn ich von verschiedenen Typen der Intersexualität spreche?
Es gibt verschiedene Karyotypen die zu unterschiedlichen Typen/Formen - what ever - der Intersexuealität führen.
In der Medizin wird u.a. vom Turner-Syndrom, dem Kinefelter-Syndrom und anderen gesprochen.

Rochhardo hat geschrieben:(16 Nov 2017, 18:59)Und dabei ist es egal, ob nun ein Geschlecht bei diesen Personen dominiert. Es ist per Fakt, medizinisch nicht möglich eindeutig das Geschlecht zu bestimmen.

Ja und? Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sich diese Menschen einem bestimmten Geschlecht zugehörig fühlen und das auch so eintragen lassen wollen.
Willst du sie zwingen, genau das nicht zu dürfen, weil sie bei der Geburt keinem Geschlecht eindeutig zuordenbar waren?

Rochhardo hat geschrieben:(16 Nov 2017, 18:59)Von daher muss ich dir vorwerfen, die biologischen Tatsachen zu ignorieren. Denn die Medizin als Naturwissenschaft hat festgestellt dass es nicht möglich ist Intersexuelle in eindeutig männlich/weiblich einzuordnen.

Himmeldonnerwetternochmal - ich habe doch nie etwas anderes behauptet! :mad:
In diesem komischen Urteil/Beschluss geht es doch gerade darum, dass Intersexuelle in das Personenstandsregister eintragen lassen dürfen, was ihnen grade gefällt, wie bzw als was sie sich grade fühlen und wenn das Russels singende Teekanne ist.

Rochhardo hat geschrieben:(16 Nov 2017, 18:59)Und wenn du mit der Biologie kommst, dann wird es lustig, weil im Tierreich und besonders in der Pflanzenwelt ist Hermaphroditismus noch viel weiter verbreitet, als dies beim Menschen der Fall ist, da er sich hier, wie oben beschrieben, um Ausnahmen handelt.

Tja nur dumm, dass Intersexualität nix mit Hermaphroditismus zu tun hat.

"1) Biologie: das Vorkommen von männlichen und weiblichen bzw. von intermediären Merkmalen bei ein und demselben Individuum, dem sog. Intersex, bei normalerweise getrenntgeschlechtigen (Getrenntgeschlechtigkeit) Arten. (Durch diese Definition ist Intersexualität streng von Hermaphroditismus = Zwittrigkeit unterschieden.)"
Quelle!


Rochhardo hat geschrieben:(16 Nov 2017, 18:59)]Du solltest aber nicht deine eigene Befindlichkeit in den Vordergrund stellen um intersexuellen Personen ihre Rechte abzusprechen.

Ich spreche niemandem Rechte ab. Ich nehme nur mein Recht wahr und vertrete meine Meinung und die stimmt nunmal mit dem allgemeinen Gendergedöns, das dank Verfassungsrichterin und Gender"forscherin" Prof. Sabine Baer nun auch das Bundesverfassungsgericht erreicht hat, nicht überein.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Do 16. Nov 2017, 21:28

Perdedor hat geschrieben:(16 Nov 2017, 19:03)

Da liegt bei dir ein Logikfehler vor.
1) Gilt intersexuell = weiblich? Nein.
2) Gilt intersexuell = männlich? Nein.
Sind Intersexuelle Menschen? Ja.
Folglich gehören sie einer dritten Gruppe von Menschen an (nach 1 und 2 kommt 3). Ganz einfach.
Es sei denn du willst behaupten Interexuelle existieren gar nicht.

Auch wenn du das noch paarmal wiederholst, wird das nicht richtiger.
Intersexualität = BEIDE Geschlechtsmerkmale sind vorhanden, das Geschlecht ist nicht eindeutig zuordenbar. Ende Gelände!
Da wird nichts Drittes draus, es sind und bleiben Menschen, die aufgrund biologischer und anatomischer Anomalie/Fehlentwicklgung keine eideutige Zuordnung zu einem der beiden Geschlechter zulassen.

Perdedor hat geschrieben:(16 Nov 2017, 19:03)Zu keinem der beiden Genannten. Da sie aber eindeutig existieren ist es eben notwendig eine dritte Bezeichnung zu finden. So funktioniert Sprache. Wenn man über ein bestimmtes Ding reden will, muss man ihm einen Namen geben.
Nur weil du etwas ignorieren willst, hört es nicht auf zu exsitieren.

Nein das ist eben nicht notwendig, weil es diese Bezeichnung bereits gibt und die nennt sich intersexuell.

Perdedor hat geschrieben:(16 Nov 2017, 19:03)]Es soll ja gerade intersexuell eingetragen werden, bzw kürzer "inter/divers" (divers, weil es eben mehrere Varainten der Intersexualität gibt). Wo ist dann dein Problem?

Das soll eben nicht eingetragen werden. Das wollte lediglich der/die/das/ Kläger eintragen lassen.
Was eingetragen werden soll, ist noch gar nicht entschieden.

Perdedor hat geschrieben:(16 Nov 2017, 19:03)]Wenn du weder der ersten, noch der zweiten Gruppe angehörst und dennoch existierst, gehörst du offenbar zu einer dritten Gruppe. Es ist unklar, was du daran nicht verstehst.

Es gibt bereits einen Namen für diese "dritte Gruppe" und die nennt sich Intersexualität - eine Fehlentwicklung, bei der WHO in der ICD-10 gelistet.

Perdedor hat geschrieben:(16 Nov 2017, 19:03)]Es geht daraum eine Eintragung im entsprechenden Feld vornehmen zu dürfen. Und da darfst du keine Gruppe ausschließen, sonst ist es Diskriminierung.
Mit einem Sein-Sollen-Fehlschluss hat es nichts zu tun, denn die Intersexuellen Menschen SIND weder männlich noch weiblich, das ist ein objektives Faktum, eine moralische Bewertung findet nicht statt.

Doch hat es. Diskriminiert fühlen kann/darf sich jeder, wegen allem und jedem und zieht dann vor das Bundesverfassungsgericht, weil er seine Grundrechte eingeschränkt sieht. Das ist doch das reinste Schildbürgertum.

Perdedor hat geschrieben:(16 Nov 2017, 19:03)]Das ist genau das, was "Mischung" bedeutet. Orange weist auch Merkmale von Gelb und Rot auf; eben Partikel beider Farbstoffe. Die Situation ist exakt analog.

Quatsch mit Soße! Mischfarben weisen keine Merkmale von irgendwas auf, die sind vermischt, was bei Intersexualität nicht der Fall ist.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Do 16. Nov 2017, 21:28

Perdedor hat geschrieben:(16 Nov 2017, 21:07)

Dem ist ja auch so. Ich hatte es @Dark Angel oben schon erklärt.
Wenn man nicht der Gruppe 1 (Frauen) oder 2 (Männer) angehört, gehört man logischerweise einer dritten Gruppe an. Der Name ist, wie du schon sagtest, natürlich unerheblich.


Ich muss das Urteil abwarten, um das politisch einzuschätzen. Aber bloß so viel noch: Ich gehöre nicht zuerst der Gruppe der Männer an, sondern ich bin zuerst ein Mann. Das ist die Voraussetzung, um der Gruppe der Männer zugeordnet zu werden.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Misterfritz » Do 16. Nov 2017, 22:01

Dark Angel hat geschrieben:(16 Nov 2017, 21:09)

Bei Intersexualität ist das Geschlecht "nicht eindeutig zuordenbar" ist keine Diskriminierung, sondern schlicht eine Tatsache.
Das mag ja auch biologisch alles richtig sein. Aber wenn Betroffene sich besser mit den neuen Definitionen fühlen, dann sollte das wirklich kein Problem sein.
Warum also der ganze Bohei hier darum?
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Do 16. Nov 2017, 22:06

Sextus Ironicus hat geschrieben:(16 Nov 2017, 21:28)

Ich muss das Urteil abwarten, um das politisch einzuschätzen. Aber bloß so viel noch: Ich gehöre nicht zuerst der Gruppe der Männer an, sondern ich bin zuerst ein Mann. Das ist die Voraussetzung, um der Gruppe der Männer zugeordnet zu werden.


Um das noch zu ergänzen: Vielleicht liegt der Punkt, um den der logische Aspekt geht in Perdedors Satz

"Wenn man nicht der Gruppe 1 (Frauen) oder 2 (Männer) angehört, gehört man logischerweise einer dritten Gruppe an"

denn der stellt auf die Gruppe ab und dreht die Sache damit um. Voraussetzung für die Zuordnung ist A oder B, sprich: A und B hängen nicht von der Zuordnung ab. Für AB schaffen wir nun eine dritte Gruppe und behaupten dann praktisch, es entstünde aus der Zuordnung auf der Ebene von A und B ebenfalls etwas Neues, von A und B Unabhängiges.

Any thoughts dazu?
Zuletzt geändert von Sextus Ironicus am Do 16. Nov 2017, 22:35, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Do 16. Nov 2017, 22:16

Misterfritz hat geschrieben:(16 Nov 2017, 22:01)

Das mag ja auch biologisch alles richtig sein. Aber wenn Betroffene sich besser mit den neuen Definitionen fühlen, dann sollte das wirklich kein Problem sein.
Warum also der ganze Bohei hier darum?


Und wer spricht denn das Urteil darüber, welches Fühlen anspruchsbrechtigt ist? Wenn jemand sich als Reinkarnation von Erwin Rommel betrachtet, darf er dann mit Wehrmachtsuniform und Hakenkreuz auftreten, weil er sich besser fühlt oder muss eine Reinkarnation von Gandhi am Bankschalter im Dhoti akzeptiert werden? Müssen wir also die Grenzen für Krankheit ins Unendliche verschieben, um Betroffenen jedes Fühlen zu ermöglichen?

Hätten die theologischen Grundlagen, wie sie sich in vielen aus dem Sozialkonstruktivismus kommenden Ideen äußern und wie sie immer mehrheitsfähiger werden schon in den Achtzigern gegolten, hätte sich auch die Indianerkommune seinerzeit unter sozialskonstruktivistischem und egalitaristischem Gedankengut locker durchgesetzt.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Hyde » Fr 17. Nov 2017, 00:52

Dark Angel hat geschrieben:(16 Nov 2017, 21:09)
Dann fühlen sich Intersexuelle aber wieder diskriminiert. So what!


Man merkt richtig, wie es dich schmerzt, dass nun wieder eine Gruppe Menschen besser vor Diskriminierungen geschützt wird.

Dabei mussten die Konservativen gerade erst die Gleichberechtigung der Homosexuellen ertragen, und als wäre das nicht schon schlimm genug, kommt jetzt auch noch das Bundesverfassungsgericht mit den Intersexuellen um die Ecke. Wenn das so weitergeht, darf man irgendwann gar keine Minderheiten mehr diskriminieren, ich meine, wo kommen wir da noch hin?

Ich bezweifle zwar natürlich nicht, dass du besser Bescheid weist als die Richter vom Bundesverfassungsgericht (wann hat Dark Angel schonmal Unrecht?), aber man muss ihr Urteil halt dennoch akzeptieren.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Provokateur » Fr 17. Nov 2017, 07:09

Es geht doch nur darum, dass Menschen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen einen entsprechenden Vermerk im Pass und Personenstandsregister bekommen. Wenn sie sich später entscheiden, angleichende Behandlungen an das eine oder andere Geschlecht vorzunehmen, wird das entsprechend angepasst; wenn nicht, bleiben sie eben auf ewig intersexuell. Ja mei. Mir wird dadurch nix weggenommen.

Mit "Ich identifiziere mich als androgyn-genderfluid" und sonstigen Geisteskrankheiten hat das nix zu tun.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 07:19

Hyde hat geschrieben:(17 Nov 2017, 00:52)

Man merkt richtig, wie es dich schmerzt, dass nun wieder eine Gruppe Menschen besser vor Diskriminierungen geschützt wird.

Dabei mussten die Konservativen gerade erst die Gleichberechtigung der Homosexuellen ertragen, und als wäre das nicht schon schlimm genug, kommt jetzt auch noch das Bundesverfassungsgericht mit den Intersexuellen um die Ecke. Wenn das so weitergeht, darf man irgendwann gar keine Minderheiten mehr diskriminieren, ich meine, wo kommen wir da noch hin?

Ich bezweifle zwar natürlich nicht, dass du besser Bescheid weist als die Richter vom Bundesverfassungsgericht (wann hat Dark Angel schonmal Unrecht?), aber man muss ihr Urteil halt dennoch akzeptieren.



Du meinst, DA ist scharf darauf, irgendwelche Minderheiten zu diskriminieren? Geht es weniger pathetisch?
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 07:28

Provokateur hat geschrieben:(17 Nov 2017, 07:09)

Es geht doch nur darum, dass Menschen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen einen entsprechenden Vermerk im Pass und Personenstandsregister bekommen. Wenn sie sich später entscheiden, angleichende Behandlungen an das eine oder andere Geschlecht vorzunehmen, wird das entsprechend angepasst; wenn nicht, bleiben sie eben auf ewig intersexuell. Ja mei. Mir wird dadurch nix weggenommen.

Mit "Ich identifiziere mich als androgyn-genderfluid" und sonstigen Geisteskrankheiten hat das nix zu tun.


Auch ein Mensch, der sich selbst als androgyn-genderfluid identifiziert, was immer das sein mag, nimmt mir nichts weg. Er hat nur kein Recht darauf, von mir ernst genommen zu werden.
Solange ich weiterhin Frau sein darf, ist mir ziemlich wurscht, was in anderen Pässen steht. Letztendlich sind wir alle Menschen.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Provokateur » Fr 17. Nov 2017, 07:46

Billie Holiday hat geschrieben:(17 Nov 2017, 07:28)

Auch ein Mensch, der sich selbst als androgyn-genderfluid identifiziert, was immer das sein mag, nimmt mir nichts weg. Er hat nur kein Recht darauf, von mir ernst genommen zu werden.


Das trifft meine Meinung ja ziemlich genau. Aber anders als Intersexualität ist der von mir erwähnte Blödsinn in der Physis nicht begründbar. Dennoch ergeben sich daraus Forderungen; Forderungen, die Unternehmen wie Facebook schon ernst nehmen (okay, es geht ja auch darum, das Produkt zu generieren und zu halten).
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 09:00

Provokateur hat geschrieben:(17 Nov 2017, 07:46)

Das trifft meine Meinung ja ziemlich genau. Aber anders als Intersexualität ist der von mir erwähnte Blödsinn in der Physis nicht begründbar. Dennoch ergeben sich daraus Forderungen; Forderungen, die Unternehmen wie Facebook schon ernst nehmen (okay, es geht ja auch darum, das Produkt zu generieren und zu halten).


Ich habe keinen FB Account und bin nicht traurig drum.
Das mit den 60+ Geschlechtern habe ich vernommen, bis jetzt habe ich aber noch von niemandem gehört, der weder weibliche noch männliche Gene trägt, sondern ganz was neues.
Insofern sollte man den Leuten ihren Spaß lassen und sich als was besonderes fühlen. Von mir aus.
Hat auf mein Leben keinen Einfluss.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 17. Nov 2017, 09:09

Billie Holiday hat geschrieben:(17 Nov 2017, 09:00)

Hat auf mein Leben keinen Einfluss.


Das ist in unserer "Gesellschaft der Singularitäten" (Reckwitz) bekanntlich der Goldstandard ;)

(Wenn's 2100 an der Nordsee schön warm ist, hat das auf mein Leben auch keinen Einfluss) :D
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 09:15

Sextus Ironicus hat geschrieben:(17 Nov 2017, 09:09)

Das ist in unserer "Gesellschaft der Singularitäten" (Reckwitz) bekanntlich der Goldstandard ;)

(Wenn's 2100 an der Nordsee schön warm ist, hat das auf mein Leben auch keinen Einfluss) :D



Du erkennst den Unterschied zwischen Klimawandel und Geschlechtsmerkmalen einzelner Menschen? Das eine ist relevant für die Zukunft, das andere nicht.
Dein Geschlecht hat in der Tat null Einfluß auf mein Leben, auch der Eintrag in deinem Pass ist mir völlig wurscht.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 17. Nov 2017, 09:23

Billie Holiday hat geschrieben:(17 Nov 2017, 09:15)

Du erkennst den Unterschied zwischen Klimawandel und Geschlechtsmerkmalen einzelner Menschen? Das eine ist relevant für die Zukunft, das andere nicht.
Dein Geschlecht hat in der Tat null Einfluß auf mein Leben, auch der Eintrag in deinem Pass ist mir völlig wurscht.


Natürlich erkenne ich den Unterschied :)
Aber erkennst du den Unterschied zwischen (a) den rechtlichen Folgen für die Betroffenen (sehe ich sehr positiv) und (b) den impliziten Folgen für den gesellschaftlichen, den politischen Diskurs?
(a) berührt mein Leben nicht, (b) dagegen schon.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 09:28

Sextus Ironicus hat geschrieben:(17 Nov 2017, 09:23)

Natürlich erkenne ich den Unterschied :)
Aber erkennst du den Unterschied zwischen (a) den rechtlichen Folgen für die Betroffenen (sehe ich sehr positiv) und (b) den impliziten Folgen für den gesellschaftlichen, den politischen Diskurs?
(a) berührt mein Leben nicht, (b) dagegen schon.



Welche bahnbrechenden Folgen wird ein dritter Eintrag im Pass denn haben?
Ich bezweifle, dass nun jedem Wunsch jedes Spinners Folge geleistet wird.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 17. Nov 2017, 09:41

Billie Holiday hat geschrieben:(17 Nov 2017, 09:28)

Welche bahnbrechenden Folgen wird ein dritter Eintrag im Pass denn haben?
Ich bezweifle, dass nun jedem Wunsch jedes Spinners Folge geleistet wird.


Abgesehen vom ideologischen Diskurs, der vorzugsweise auch über Lehrpläne abgesichert werden soll, wie man den oben zitierten Politikerstatements von der "Vielfalt der Geschlechter" entnehmen kann, abgesehen davon also werden sich immer mehr pseudowissenschaftliche, auf reinen Gefühls- und Morallagen basierende "Wahrheits"aussagen in die Wissenschaften einschleichen.
Ich bin bis zu einer eventuellen Klarstellung durch das BVG überzeugt, dass das kommt. Man wird die Grenzen des Pathologischen gefühls-, moral- und antidiskriminierungsbasiert immer weiter verschieben, sich auf Butler, Lacan und Foucault etc. berufen. Man sieht ja schon, wie die Medien vom "dritten Geschlecht" sprechen, und damit nicht mehr unterscheiden zwischen dem Biologischen und dem Sozialen/Rechtlichen. Es gilt der Vorrang von Meinungstatsachen vor physischen Tatsachen.
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