Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Perdedor » Mi 15. Nov 2017, 18:07

krone hat geschrieben:Da les ich nix von der biologischen Feststellung eines 3. Geschlechtes.


Gleich der erste Satz.
"Mit Intersexualität bezeichnet die Medizin Menschen, die genetisch (aufgrund der Geschlechtschromosomen) oder auch anatomisch (aufgrund der Geschlechtsorgane) und hormonell (aufgrund des Mengenverhältnisses der Geschlechtshormone) nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden können."

Nicht Mann, nicht Frau -> etwas anderes.
Ob du es nun "3. Geschlecht" nennen willst oder "Inter" oder sonstwas ist unerheblich. Es geht um genau diese Menschen (medizinisch anerkannt).
Zuletzt geändert von Perdedor am Mi 15. Nov 2017, 18:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon krone » Mi 15. Nov 2017, 18:10

Perdedor hat geschrieben:(15 Nov 2017, 18:07)

"Mit Intersexualität bezeichnet die Medizin Menschen, die genetisch (aufgrund der Geschlechtschromosomen) oder auch anatomisch (aufgrund der Geschlechtsorgane) und hormonell (aufgrund des Mengenverhältnisses der Geschlechtshormone) nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden können."

Nicht Mann, nicht Frau -> etwas anderes.
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Genetische Fehlbildungen machen doch nicht gleich eine neue Art der Homo Sapiens
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Perdedor » Mi 15. Nov 2017, 18:13

krone hat geschrieben:Genetische Fehlbildungen machen doch nicht gleich eine neue Art der Homo Sapiens


Da geht bei dir einiges durcheinander:
Homo Sapiens ist eine Art (Spezies). Es gibt keine weitere rezente Art der Gattung homo, sondern nur die eine, eben homo sapiens.
Individuen der Art Homo Sapiens lassen sich aber nicht alle eindeutig zwei Geschlechtern zuordnen. Es gibt eben Intersexuelle Menschen. Diese sind nicht eindeutig Mann oder Frau.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon krone » Mi 15. Nov 2017, 18:16

Perdedor hat geschrieben:(15 Nov 2017, 18:13)

Da geht bei dir einiges durcheinander:
Homo Sapiens ist eine Art (Spezies). Es gibt keine weitere rezente Art der Gattung homo, sondern nur die eine, eben homo sapiens.
Individuen der Art Homo Sapiens lassen sich aber nicht alle eindeutig zwei Geschlechtern zuordnen. Es gibt eben Intersexuelle Menschen. Diese sind nicht eindeutig Mann oder Frau.

Ein 3 .Geschlecht wäre eine neue Art
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Perdedor » Mi 15. Nov 2017, 18:21

krone hat geschrieben:Ein 3 .Geschlecht wäre eine neue Art


Falsch. Auch Intersexuelle gehören zur Art Homo Sapiens.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Mi 15. Nov 2017, 18:29

Perdedor hat geschrieben:(15 Nov 2017, 16:13)

Nein. Das BVerfG hat lediglich erklärt, dass Grundrechte auch für Minderheiten gelten, selbst wenn diese nur ein Promille ausmachen.

Welche Grundrechte - GG Art 1 bis 20 - gelten denn für Minderheiten nicht?
Bei der Klage bzw dem Urteil geht es gerade nicht um verfassungsmäßig garantierte Grundrechte, sondern um persönliche Befindlichkeiten.
Biologisch gibt es nunmal nur zwei Geschlechter, weil exakt zwei Geschlechter für die sexuelle Reproduktion notwendig sind.
Intersexuelle mit einer bestimmten Chromosomenkombination sind nicht reproduktionsfähig.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Perdedor » Mi 15. Nov 2017, 18:33

Dark Angel hat geschrieben:Welche Grundrechte - GG Art 1 bis 20 - gelten denn für Minderheiten nicht?


Ich habe es oben verlinkt. Nochmal:
https://www.bundesverfassungsgericht.de ... 7-095.html

Dark Angel hat geschrieben:Intersexuelle mit einer bestimmten Chromosomenkombination sind nicht reproduktionsfähig.


Irrelevant.
Intersexuelle lassen weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht eindeutig zuordnen. Trotzdem sind es Menschen und auch für sie gilt das GG.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Mi 15. Nov 2017, 18:39

Perdedor hat geschrieben:(15 Nov 2017, 18:07)

Gleich der erste Satz.
"Mit Intersexualität bezeichnet die Medizin Menschen, die genetisch (aufgrund der Geschlechtschromosomen) oder auch anatomisch (aufgrund der Geschlechtsorgane) und hormonell (aufgrund des Mengenverhältnisses der Geschlechtshormone) nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden können."

Nicht Mann, nicht Frau -> etwas anderes.
Ob du es nun "3. Geschlecht" nennen willst oder "Inter" oder sonstwas ist unerheblich. Es geht um genau diese Menschen (medizinisch anerkannt).

Intersexualität - (irgendwo) zwischen - bedeutet schlicht aufgrund genetischer Defekte nicht eindeutig zuordenbar = indifferent.
Und "nicht eindeutig zuordenbar" ist nicht gleichbedeutend mit "etwas anderes".

Wenn es - wie behauptet - nur darum geht, einer Minderheit gerecht zu werden, sie vor (gefühlter/eingebildeter) Diskriminierung zu schützen, dann soll auch ganz eindeutig im Personenstandsregister neben "männlich" und "weiblich" eben "intersexuell" eingetragen werden, aber genau das wollen die Beschwerdeführer eben auch nicht.
Ganz im Gegenteil, wenn einer meint, er wäre weder Mann noch Frau, sondern Russels singende Teekanne, dann will der genau das ins Personenstandregister eingetragen haben.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Mi 15. Nov 2017, 18:41

Perdedor hat geschrieben:(15 Nov 2017, 18:33)

Ich habe es oben verlinkt. Nochmal:
https://www.bundesverfassungsgericht.de ... 7-095.html



Irrelevant.
Intersexuelle lassen weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht eindeutig zuordnen. Trotzdem sind es Menschen und auch für sie gilt das GG.

Niemand hat behahuptet, dass sie keine Menschen wären. Genau darum ja die Frage "welche Grundrechte werden verletzt bzw nicht gewährleistet?"
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Perdedor » Mi 15. Nov 2017, 18:49

Dark Angel hat geschrieben:Intersexualität - (irgendwo) zwischen - bedeutet schlicht aufgrund genetischer Defekte nicht eindeutig zuordenbar = indifferent.


Es bedeutet: Weder das eine noch das andere.
Orange liegt (irgendwo) zwischen Gelb und Rot. Es ist also weder Gelb noch Rot.

Dark Angel hat geschrieben:Und "nicht eindeutig zuordenbar" ist nicht gleichbedeutend mit "etwas anderes".


Selbstverständlich bedeutet es das.
Wenn du eine Mahlzeit weder Fisch noch Fleisch zuordnen kannst (und es nicht nur an deiner mangelnden Kompetenz liegt), dann ist es offenbar etwas anderes.

Dark Angel hat geschrieben:Wenn es - wie behauptet - nur darum geht, einer Minderheit gerecht zu werden, sie vor (gefühlter/eingebildeter) Diskriminierung zu schützen, dann soll auch ganz eindeutig im Personenstandsregister neben "männlich" und "weiblich" eben "intersexuell" eingetragen werden, aber genau das wollen die Beschwerdeführer eben auch nicht.


Doch. Genau das war gewollt. Es sollte "inter/divers" eingetragen werden.

Dark Angel hat geschrieben:Genau darum ja die Frage "welche Grundrechte werden verletzt bzw nicht gewährleistet?"


Hast du es inzwischen nachgelesen?
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Mi 15. Nov 2017, 19:44

Perdedor hat geschrieben:(15 Nov 2017, 18:49)

Es bedeutet: Weder das eine noch das andere.
Orange liegt (irgendwo) zwischen Gelb und Rot. Es ist also weder Gelb noch Rot.



Selbstverständlich bedeutet es das.
Wenn du eine Mahlzeit weder Fisch noch Fleisch zuordnen kannst (und es nicht nur an deiner mangelnden Kompetenz liegt), dann ist es offenbar etwas anderes.

Nicht alles, was hinkt, ist auch ein Vergleich.
Dein Mahlzeitvergleich passt im Falle Intersexualität nicht. Das Geschlecht ist immer noch aufgrund von Gendefekten nicht eindeutig zuordenbar, das äußere Erscheinungsbild des Menschen i.d.R. aber schon.


Perdedor hat geschrieben:(15 Nov 2017, 18:49)Hast du es inzwischen nachgelesen?

Das hatte ich vorher schon.
Trotz der - an den Haaren herbei gezogenen Begründung des Bundesverfassungsgerichts - ist nicht erkennbar, welche Grundrechte da nicht gewährleistet werden.

Der Grundgesetzartikel, auf den sich die Begründung bezieht, sagt aus:

"3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

Die Begründung des Bundesverfassungsgerichts bezieht sich nicht auf Grundrechtsverletzung(en), sondern auf die ganz persönliche Befindlichkeit des Beschwerdeführers bzw der einhundertköpfigen Gruppe, die die Kampagne inszeniert hat.
Es geht auch nicht um tatsächliche Benachteiligung/Diskriminierung, sondern um eingebildete.

Was da abgezogen wurde, ist nichts weiter als genderkonformer politischer Aktionismus, weil es sich Intersexuelität nicht um eine weiteres "drittes Geschlecht" handelt, sondern genau genommen um gar keins. ==> "inter" bedeutet immer noch "(da)zwischen".
"Divers" hingegen bedeutet "verschieden, unterschiedlich, allerlei etc" und ist damit wiederum nicht gleichbedeutend mit "inter"
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Perdedor » Mi 15. Nov 2017, 20:17

Dark Angel hat geschrieben:Das Geschlecht ist immer noch aufgrund von Gendefekten nicht eindeutig zuordenbar, das äußere Erscheinungsbild des Menschen i.d.R. aber schon.


Das Geschlecht ist biologisch nicht eindeutig. Punkt.
Folglich kann man nicht "männlich" oder "weiblich" in die Akten eintragen.
Das äußere Erscheinungsbild wird bereits im Karneval strapaziert.

Dark Angel hat geschrieben:Das hatte ich vorher schon.


Offenbar nicht alles. Ich zitiere:
"Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG) schützt auch die geschlechtliche Identität derjenigen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen. Darüber hinaus verstößt das geltende Personenstandsrecht auch gegen das Diskriminierungsverbot (Art. 3 Abs. 3 GG), soweit die Eintragung eines anderen Geschlechts als „männlich“ oder „weiblich“ ausgeschlossen wird."

Dark Angel hat geschrieben:Die Begründung des Bundesverfassungsgerichts bezieht sich nicht auf Grundrechtsverletzung(en)


Doch. Es wird wegen des (weder männlichen noch weiblichen) Geschlechts diskriminiert. Denn Intersexuelle dürfen im Gegensatz zu Männern und Frauen bisher keine entsprechende Eintragung im Geburtsbuch vornehmen. Das ist klar eine Diskriminierung der Intersexuellen gegenüber Männern und Frauen und verstößt damit gegen Art. 3 Abs. 3 GG.

Dark Angel hat geschrieben:weil es sich Intersexuelität nicht um eine weiteres "drittes Geschlecht" handelt, sondern genau genommen um gar keins. ==> "inter" bedeutet immer noch "(da)zwischen".


...und Orange ist keine Farbe, weil sie zwischen Rot und Gelb liegt.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Humelix33 » Mi 15. Nov 2017, 21:29

Sextus Ironicus hat geschrieben:(15 Nov 2017, 16:22)

Dem möchte ich mich rundum anschließen.

Das Urteil rein für die betroffenen Menschen ist zu begrüßen, aber schon die Statements des Gerichtssprechers und des Kommentators (siehe bloß die Tagesschau von diesem Tag gleich zu Beginn) ließen darauf schließen, dass über "Persönlichkeitsrechte" die Tür einen Spalt für jene geöffnet wurde, die jenseits biologischer Tatsachen ihr konstruktivistisches "Geschlecht" verrechtlichen lassen wollen. Über sein Geschlecht zu entscheiden wird über den Weg des Menschenrechts laufen.


Und das wird eben nicht mit dem Urteil unterstützt, was auch richtig ist. Alles, was über das biologische hinausgeht, ist die eigene psychische Einstellung, die man mehr oder eher nicht in der Form noch unterstützen sollte, und dabei reden wir natürlich nicht über die sexuellen Richtungen, die wieder ein anderes Thema wären.

Wenn ein eindeutiger Mann sagt, er sei eine Frau, kann er das gerne tun, aber offiziell wird er immer ein Mann bleiben, genau so eine Frau. Am lächerlichsten war der Fall, wo angeblich ein "Mann" schwanger wurde, und die ganzen Genderorganisationen Korken knallen lassen haben, am Ende war es eben eine Frau, rein biologisch, die sich verschiedene männliche Merkmale anoperieren lassen hatte, mit Eierstöcken, einer typischen und eindeutigen weiblichen Merkmal, kann man eben schwanger werden, wie es für eine Frau üblich ist.

Und dafür soll und darf es auch nie Verständnis geben, sondern man sollte sich mal die Beziehungshistorie der Personen anschauen, ob man sich hier auf Minderheiten machen will, und somit etwas erhaschen will, was nicht da ist.

Vor allem sollte man an die Betroffenen denken, denen dieses Gerichtsurteil gilt, die vielleicht ganz normale Männer oder Frauen sein wollen, denen tritt man mit dem absurden Genderschwachsinn auch nochmal vor's Knie, und diskrimiert jene sogar, wenn man ganz ehrlich wäre, wie gesagt, es geht dabei nicht um gleichgeschlechtliche Gefühle, die völlig ok sind.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Mi 15. Nov 2017, 21:47

Humelix33 hat geschrieben:(15 Nov 2017, 21:29)

Und das wird eben nicht mit dem Urteil unterstützt, was auch richtig ist. Alles, was über das biologische hinausgeht, ist die eigene psychische Einstellung, die man mehr oder eher nicht in der Form noch unterstützen sollte, und dabei reden wir natürlich nicht über die sexuellen Richtungen, die wieder ein anderes Thema wären.



Ich habe nur die oben verlinkte Pressemitteilung gelesen. Dort fehlt der Begriff "biologisch" völlig, und es gibt nur einen schwammigen Satz, der überhaupt einen Hinweis erhält, warum jemand evtl. nicht sein gefühltes XY-Geschlecht erstreiten könnte:

"Ein Anspruch auf personenstandsrechtlicher Eintragung beliebiger Identitätsmerkmale, die einen Bezug zum Geschlecht haben, ergibt sich aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht hingegen nicht."

Das klingt einerseits so, als würde es die Gefahr bannen, andereseits wird nur auf das allgemeine Persönlichkeitsrecht Bezug genommen. Landet eine entsprechende Klage dagegen vor dem EGMR, ist das rasch auch wieder kassiert, denn im jeweils ersten Abschnitt von 1a) und 1c) steht, nach meinem Verständnis, fast das Gegenteil.

Ich würde zumindest nicht drauf wetten, dass nicht bald der erste Versuch gestartet wird, die "biologische" Konstante auszuhebeln.
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Do 16. Nov 2017, 08:38

Dark Angel hat geschrieben:(15 Nov 2017, 18:29)

Welche Grundrechte - GG Art 1 bis 20 - gelten denn für Minderheiten nicht?
Bei der Klage bzw dem Urteil geht es gerade nicht um verfassungsmäßig garantierte Grundrechte, sondern um persönliche Befindlichkeiten.
Biologisch gibt es nunmal nur zwei Geschlechter, weil exakt zwei Geschlechter für die sexuelle Reproduktion notwendig sind.
Intersexuelle mit einer bestimmten Chromosomenkombination sind nicht reproduktionsfähig.


das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ist glasklar, unanfechtbar und der Gesetzgeber muss die Bezeichneung liegt auf muss dies bis Ende 2018 in Gesetzesform giessen.
Rechtsstaatprinzig nennt sich das und war eine schallende Ohrfeige fuer den Gesetzgeber, der da leider nicht handelte und nun von unserem hoechsten Verfassungsgericht dazu gezwungen werden musste.

der unter strichene Satz ist grundverkehrt denn das Bundesverfassungsgericht sieht Artikel 3 Absatz 3 unseres GG verletzt - haben Sie ueberhaupt die Begrundung des Urteils gelesen, denn da steht es wortwoerlich so drin?
Zuletzt geändert von pikant am Do 16. Nov 2017, 09:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Quatschki » Do 16. Nov 2017, 09:12

Dark Angel hat geschrieben:(15 Nov 2017, 18:41)

Niemand hat behahuptet, dass sie keine Menschen wären.

Nach den christlichen Werten waren das im Mittelalter Wechselbälger, "Teufelsbrut" im Mitterleib von Satan ausgetauscht und durch diese Klassifizierung war es ethisch unproblematisch, sie im Wald den Wölfen zu überlassen.
Und Religion ist ja wieder schwer im Kommen.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Do 16. Nov 2017, 09:32

Dark Angel hat geschrieben:(15 Nov 2017, 18:41)

Genau darum ja die Frage "welche Grundrechte werden verletzt bzw nicht gewährleistet?"


Artikel 3 Absatz3 des GG wurden laut Bundesverfassungsgericht verletzt - das Urteil hat man hier verlinkt.
Somit ist ihre Frage beantwortet. :)

das allgemeine Persoenlichkeitsrecht (Artikel 2 Absatz 1 mit Artikel 1, Absatz 1) schuetzt auch die geschlechtliche Identitat derjenigen, die sich dauerhaft weder dem weiblich noch dem maennlichen Geschlecht zuordnen lassen . Daruber hinaus verstoesst das geltende Personenstandsrecht auch gegen das Diskriminierungsverbot ( Artikel 3, Abs3 GG) soweit die Eintragung eines anderen Geschlechtes 'maennlich' oder 'weiblich' ausgeschlossen wird .....

klarer kann es das Bundesverfassungsgericht ja nicht mehr formulieren in seiner Urteilsbegruendung vom 10.Oktober und am 8.November in einer PE veroeffentlicht.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Do 16. Nov 2017, 12:55

Perdedor hat geschrieben:(15 Nov 2017, 20:17)

Das Geschlecht ist biologisch nicht eindeutig. Punkt.
Folglich kann man nicht "männlich" oder "weiblich" in die Akten eintragen.
Das äußere Erscheinungsbild wird bereits im Karneval strapaziert.

Ja und? Dann kommt halt "nicht eindeutig zuordenbar" oder "intersexuell" ins Personenstandsregister, was aber immer noch nichts mit einem "dritten Geschlecht" zu tun hat, weil es das biologisch gar nicht gibt.

Perdedor hat geschrieben:(15 Nov 2017, 20:17)]Doch. Es wird wegen des (weder männlichen noch weiblichen) Geschlechts diskriminiert. Denn Intersexuelle dürfen im Gegensatz zu Männern und Frauen bisher keine entsprechende Eintragung im Geburtsbuch vornehmen. Das ist klar eine Diskriminierung der Intersexuellen gegenüber Männern und Frauen und verstößt damit gegen Art. 3 Abs. 3 GG.

Was soll denn eingetragen werden? Bei der Geburt ist das Geschlecht bei Intersexuellen Menschen nicht eindeutig feststellbar - bleibt offen - Punkt.
In der Regel entwickeln diese Menschen allerdings eine sexuelle Identität - fühlen sich entsprechend "männlich" oder "weiblich" und nicht als "verschieden". Entsprechend kann/sollte/soll die Möglichkeit gegeben werden, das entsprechend im Personenstandsregister nachzutragen.
Die Möglichkeit, bei der Geburt kein Geschlecht einzutragen/eintragen zu lassen bestand aber schon vor dem Urteil.
Ich sehe da immer noch keine Diskriminierung!



Perdedor hat geschrieben:(15 Nov 2017, 20:17)...und Orange ist keine Farbe, weil sie zwischen Rot und Gelb liegt.

Nee Orange ist eine Mischfarbe aus Rot und Gelb und damit eindeutig. Bei intersexuellen Menschen liegt das Geschlecht aber zwischen Mann und Frau - ist also nicht eindeutig!
Erkennst du den Unterschied?
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Rochhardo » Do 16. Nov 2017, 13:08

Dark Angel hat geschrieben:(16 Nov 2017, 12:55)

Ja und? Dann kommt halt "nicht eindeutig zuordenbar" oder "intersexuell" ins Personenstandsregister, was aber immer noch nichts mit einem "dritten Geschlecht" zu tun hat, weil es das biologisch gar nicht gibt.


Okay, also geht es für dich um den Begriff "drittes Geschlecht" das du ablehnst. Denn dass Intersexuell ins Personenstandsregister kommt, ist ja für dich kein Problem. Mehr hat das BVerfG auch nicht gefordert.

Ich bin auch gegen den Begriff "Ehe für Alle" .... aber so wird es nun einmal genannt. Und du bemängelst hier deine persönliche Befindlichkeit, da dir der Begriff nicht passt. Gegen das Konzept hast du ja nichts.

Dark Angel hat geschrieben:(16 Nov 2017, 12:55)
Was soll denn eingetragen werden? Bei der Geburt ist das Geschlecht bei Intersexuellen Menschen nicht eindeutig feststellbar - bleibt offen - Punkt.
In der Regel entwickeln diese Menschen allerdings eine sexuelle Identität - fühlen sich entsprechend "männlich" oder "weiblich" und nicht als "verschieden". Entsprechend kann/sollte/soll die Möglichkeit gegeben werden, das entsprechend im Personenstandsregister nachzutragen.
Die Möglichkeit, bei der Geburt kein Geschlecht einzutragen/eintragen zu lassen bestand aber schon vor dem Urteil.
Ich sehe da immer noch keine Diskriminierung!


Wenn sich aber Menschen, die durch eine solche biologische Fehlentwicklung dadurch diskriminiert fühlen, dass sie amtlich kein Geschlecht tragen dürfen, dann sollte dem doch abhilfe geschaffen werden. Ja, ich kann es auch nicht verstehen, warum das einen stört. Aber ich bin auch nicht in der Lage.

Wenn aber jemand biologisch nun einmal nicht in männlich/weiblich einordnen lässt, dann ist es für mich in Ordnung, dass er vom deutschen Staat einfordert, dass er ein passendes Geschlecht tragen kann. Und dieses passende Geschlecht wäre der allgemeinen Literatur nach eben Intersexuell.
'Liberal ist, wer die Zeichen der Zeit erkennt und danach handelt.' - Gustav Stresemann
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Do 16. Nov 2017, 13:16

Rochhardo hat geschrieben:(16 Nov 2017, 13:08)





Wenn sich aber Menschen, die durch eine solche biologische Fehlentwicklung dadurch diskriminiert fühlen, dass sie amtlich kein Geschlecht tragen dürfen, dann sollte dem doch abhilfe geschaffen werden. Ja, ich kann es auch nicht verstehen, warum das einen stört. Aber ich bin auch nicht in der Lage.

Wenn aber jemand biologisch nun einmal nicht in männlich/weiblich einordnen lässt, dann ist es für mich in Ordnung, dass er vom deutschen Staat einfordert, dass er ein passendes Geschlecht tragen kann. Und dieses passende Geschlecht wäre der allgemeinen Literatur nach eben Intersexuell.


das BvG hat ja mehrere Modelle dem Gesetzgeber zur Auswahl gestellt:

1. Generell auf einen Geschlechtereintrag verzichten

2. der Betreffende kann selbst eine Geschlechtsbezeichnung waehlen

3. der Gesetzgeber kann ein eigenes Wort fuer eine dritte Geschlechtsbezichnung festlegen

jetzt ist der Bundestag am Zug!

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