Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

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Sören74
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Sören74 » Mi 3. Apr 2019, 00:26

Zunder hat geschrieben:(03 Apr 2019, 00:22)

Chemie ist auch nur Physik.


"Die Physik ist für die Physiker eigentlich viel zu schwer." - David Hilbert
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Zunder
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Zunder » Mi 3. Apr 2019, 01:10

Sören74 hat geschrieben:(03 Apr 2019, 00:26)

"Die Physik ist für die Physiker eigentlich viel zu schwer." - David Hilbert

Für Mathematiker aber auch.
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Sören74
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Sören74 » Mi 3. Apr 2019, 01:33

@Dark Angel und Fliege, Euer Hauptpfeiler in der Argumentation ist doch, dass Gender Studies überflüssig sind, weil sich schon die Biologie primär (oder alleinig) mit den Geschlechtern befasst. Man könnte das Argument auch statt auf die Geschlechter auf den Menschen übertragen. Die Biologie definiert was ein Mensch ist, also wozu brauchen wir dann beispielsweise die Soziologie, die sich mit den Menschen befasst?
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon TheManFromDownUnder » Mi 3. Apr 2019, 04:36

Gender ist eine biologische Funktion. Die Gender "Ingenieure" machen daraus eine soziologische in Bezug auf die LGBT und die Gruen Linken Yuppies fordern als Schlussfolgerung Toiletten fuer das dritte Geschlecht
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Selina
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 08:22

Sören74 hat geschrieben:(03 Apr 2019, 00:24)

Natürlich untersuchen Soziologen auch die Geschlechter.

http://www.bpb.de/apuz/135431/soziologi ... echt?p=all


Richtig. Und genauso, wie es "Soziologische Dimensionen von Geschlecht" (siehe dein Link) gibt, so gibt es neben den biologischen auch soziale Dimensionen/Aspekte von Geschlecht. Und selbstverständlich auch politische Dimensionen, ökonomische, psychologische, kulturelle. Komplexes Herangehen an die Fragen des Geschlechtes sind gerade in einem Politik-Forum wichtig. Es gibt aber Gründe, warum die Biologisten das Betrachten sozialer und politischer Aspekte des Geschlechts meiden wie der Teufel das Weihwasser. Soziale Verhältnisse, Umstände, Bedingungen zu durchdringen und zu beleuchten, würde nämlich schnell verdeutlichen, wo überall noch Handlungsbedarf auf dem Gebiet von Chancengleichheit der Geschlechter besteht. Und gerade das, dieses aktive Handeln für mehr Chancengleichheit, wollen diese Leute nicht. Dahinter stecken Machtfragen und Machtmotive.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 3. Apr 2019, 09:07

Selina hat geschrieben:(02 Apr 2019, 12:20)

Ja, danke. Trotzdem: Alles hat mit allem zu tun. Gewaltiger Rechtsruck, Nationalismus, Identitäts-Sehnsucht haben durchaus mit dem Neoliberalismus zu tun, in dem wir nun mal leben. Um nicht das unbeliebte Wort Kapitalismus benutzen zu müssen. Das sind alles Ergebnisse von Zuspitzungen weltweiter Krisen. Krise des Finanzsystems, Staatskrisen, Politikkrisen, Wirtschaftskrisen, existenzielle soziale Krisen, Umweltkrisen. Und all das äußert sich nun mal "an der Basis" in einem derartigen Rückfall in die Steinzeit. In einer Sicherheits- und Wohlfühl-Sehnsucht.

Die Publizistin Julia Fritzsche (die u.a. für die TAZ schreibt), jung, weiblich, um beim Thema zu bleiben, hat gerade ein ziemlich viel diskutiertes Buch herausgebracht: "Tiefrot und radikal bunt. Für eine neue linke Erzählung" (im Nautilus-Verlag). Das Buch beginnt mit einem typsichen Fall: Die Autorin trifft den Hausnachbar, Busfahrer, gewerkschafltich organisiert, traditionell links wählend, also Linke oder SPD, vollkommen zustimmend zu dieser Neo-Liberalismus-Erzählung von den immer weniger immer reicheren und den immer mehr immer ärmeren ... erzählt plötzlich etwas ganz anderes im Treppenflur: Dass er die vielen Zugezogenen mit ihren Schlabberhosen an der Bushaltestelle und ihren Kopftuchfrauen und -Mädchen zu Hause, die sichs in der sozialen Hängematte bequem machen nicht mehr sehen kann und dass er nun AfD wählen wird. Das ist die Realität! Und wer sich in auch nur irgendeiner Art politisch links sieht, muss lernen, damit anders umzugehen als diese Menschen samt und sonders als "Nazis" abzutun. Ich für meinen Teil plädiere für ein Konzept der friedlichen Koexistenz. Um einen notwendigen Kern von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Liberalismus für die Gesamtgesellschaft zu erhalten. Denn, auf der anderen Seite, ein tatsächliches Zusammengehen der beiden polarisierten Teile der jeweiligen europäischen Gesellschaften halte ich kurz- und mittelfristig für unmöglich. Da gibt es keinen Konsens.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 3. Apr 2019, 09:26

Sören74 hat geschrieben:(03 Apr 2019, 01:33)

@Dark Angel und Fliege, Euer Hauptpfeiler in der Argumentation ist doch, dass Gender Studies überflüssig sind, weil sich schon die Biologie primär (oder alleinig) mit den Geschlechtern befasst. Man könnte das Argument auch statt auf die Geschlechter auf den Menschen übertragen. Die Biologie definiert was ein Mensch ist, also wozu brauchen wir dann beispielsweise die Soziologie, die sich mit den Menschen befasst?

Diese Diskussion läuft seit geraumer Zeit unter Stichworten wie "Emergenz"

Emergenz ist eine kennzeichnende Eigenschaft von hierarchisch strukturierten Systemen. Solche Systeme haben auf der Makroebene Eigenschaften, die auf der einfacheren Organisationsebene, der Mikroebene, nicht vorhanden sind. Sie entstehen durch synergetische Wechselwirkungen zwischen den Elementen auf der Mikroebene.


Das Problem ist, dass vernünftige Diskussionen über so etwas wie "soziales Geschlecht" und darüber, ob und wieweit dies auf eine tiefere Strukturebene reduzierbar ist oder nicht, hinter den erhitzten ideologischen Kampfgefechten zum Thema gar nicht mehr stattfinden oder gar nicht mehr auszumachen sind.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 3. Apr 2019, 09:48

Selina hat geschrieben:(03 Apr 2019, 08:22)

Richtig. Und genauso, wie es "Soziologische Dimensionen von Geschlecht" (siehe dein Link) gibt, so gibt es neben den biologischen auch soziale Dimensionen/Aspekte von Geschlecht. Und selbstverständlich auch politische Dimensionen, ökonomische, psychologische, kulturelle. Komplexes Herangehen an die Fragen des Geschlechtes sind gerade in einem Politik-Forum wichtig. Es gibt aber Gründe, warum die Biologisten das Betrachten sozialer und politischer Aspekte des Geschlechts meiden wie der Teufel das Weihwasser. Soziale Verhältnisse, Umstände, Bedingungen zu durchdringen und zu beleuchten, würde nämlich schnell verdeutlichen, wo überall noch Handlungsbedarf auf dem Gebiet von Chancengleichheit der Geschlechter besteht. Und gerade das, dieses aktive Handeln für mehr Chancengleichheit, wollen diese Leute nicht. Dahinter stecken Machtfragen und Machtmotive.

Ja. Aber nicht nur einfach Fragen nach ökonomischer oder politischer Macht. Der Aufschwung szientistischer Vorstellungen in jüngerer Zeit ist von diffizilerer Art. Worin besteht die Attraktivität dieses Glaubens an Zahlen, Algorithmen und Determinismus? Einerseits dürfte für sehr viele Menschen die Herleitung - zum Beispiel - des zentralen Grenzwertsatzes der Statistik eine ziemliche Herausforderung, um nicht zu sagen eine Zumutung sein. Auf der anderen Seite bedeuten jedoch gerade Aussagen wie die dieses Grenzwertsatzes, dass Phänomene ganz unterschiedlicher Art, aus ganz unterschiedlichen Bereichen aus Natur wie auch Gesellschaft auf einheitliche mahematische Aussagen rückführbar sind. Und darin, in dieser Aussicht auf Komplexitätsreduktion liegt ein großer populärer Anreiz. Die exakten Naturwissenschaften wirken in diesem SInne wie eine Schnapsflasche auf den vom CHaos der modernen Welt überforderten Zeitgenossen.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon JJazzGold » Mi 3. Apr 2019, 09:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Apr 2019, 09:26)

Diese Diskussion läuft seit geraumer Zeit unter Stichworten wie "Emergenz"



Das Problem ist, dass vernünftige Diskussionen über so etwas wie "soziales Geschlecht" und darüber, ob und wieweit dies auf eine tiefere Strukturebene reduzierbar ist oder nicht, hinter den erhitzten ideologischen Kampfgefechten zum Thema gar nicht mehr stattfinden oder gar nicht mehr auszumachen sind.


Nachdem mir bis heute schleierhaft ist, was ein sog. “soziales Geschlecht“


https://www.duden.de/rechtschreibung/sozial


darstellen soll, könnten Sie vielleicht versuchen, es mir zu erklären?
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 3. Apr 2019, 10:10

JJazzGold hat geschrieben:(03 Apr 2019, 09:51)

Nachdem mir bis heute schleierhaft ist, was ein sog. “soziales Geschlecht“


https://www.duden.de/rechtschreibung/sozial


darstellen soll, könnten Sie vielleicht versuchen, es mir zu erklären?

Dazu fehlt mir die entsprechende Kompetenz.Rein intuitiv und subjektiv ist es für mich persönlich jedoch völlig klar, dass es im Zusammenleben der Menschen, also auf der Ebene sozialer Interaktionen, Phänomene gibt, die mit Geschlechtsattributen wie "männlich" oder "weiblich" assoziiert werden, die aber nicht auf biologische Gegebenheiten reduzierbar sind. Sprich: Die emergent sind.

Ich glaube, das Verständnisproblem bei diesem Emergenzphänomen besteht u.a. darin, dass Rückführbarkeit, Reduzierbarkeit nicht dasselbe ist wie Getriggertheit. Ein ursprünglich biologischer Unterschied kann durch soziale Interaktionen gewissermaßen ein Eigenleben in der Weise entwickeln, dass spätere Differenzierungen zwar ursprünglich darin ihren Ausgang haben, aber dennoch nicht mehr auf diesen Unterschied zurückführbar und reduzierbar sind.

Da müsste man jetzt natürlich konkret werden. Einen (vermuteten) größeren Pragmatismus bei Politikerinnen würde ich dazu rechnen. Bin mit aber dabei selbst nicht sehr sicher.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 10:32

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Apr 2019, 09:07)

Die Publizistin Julia Fritzsche (die u.a. für die TAZ schreibt), jung, weiblich, um beim Thema zu bleiben, hat gerade ein ziemlich viel diskutiertes Buch herausgebracht: "Tiefrot und radikal bunt. Für eine neue linke Erzählung" (im Nautilus-Verlag). Das Buch beginnt mit einem typsichen Fall: Die Autorin trifft den Hausnachbar, Busfahrer, gewerkschafltich organisiert, traditionell links wählend, also Linke oder SPD, vollkommen zustimmend zu dieser Neo-Liberalismus-Erzählung von den immer weniger immer reicheren und den immer mehr immer ärmeren ... erzählt plötzlich etwas ganz anderes im Treppenflur: Dass er die vielen Zugezogenen mit ihren Schlabberhosen an der Bushaltestelle und ihren Kopftuchfrauen und -Mädchen zu Hause, die sichs in der sozialen Hängematte bequem machen nicht mehr sehen kann und dass er nun AfD wählen wird. Das ist die Realität! Und wer sich in auch nur irgendeiner Art politisch links sieht, muss lernen, damit anders umzugehen als diese Menschen samt und sonders als "Nazis" abzutun. Ich für meinen Teil plädiere für ein Konzept der friedlichen Koexistenz. Um einen notwendigen Kern von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Liberalismus für die Gesamtgesellschaft zu erhalten. Denn, auf der anderen Seite, ein tatsächliches Zusammengehen der beiden polarisierten Teile der jeweiligen europäischen Gesellschaften halte ich kurz- und mittelfristig für unmöglich. Da gibt es keinen Konsens.


Für ein "Konzept der friedlichen Koexistenz" plädiere ich selbstverständlich auch. Hab nie was anderes gesagt. Ich lasse mir auch nüscht Linksextremistisches in die Schuhe schieben. Nein, selbstverständlich sollten wir mit all unseren verschiedenen Ansichten, Lebensmodellen, Philosophien, Glaubensrichtungen und Weltsichten - so gut es geht - zusammenleben und kooperieren. Anders gehts ja gar nicht. Und kein Mensch nennt ausnahmslos alle AfD-Anhänger Nazis. Ich lebe direkt unter ihnen, von meinen Nachbarn wählt jeder Vierte AfD. Und ich sehe doch, dass das nicht alles Nazis sind. Selbstverständlich nicht. Darunter sind viele, die einfach aus Trotz und Frust über die derzeitige Politik AfD wählen. Einige haben auch Wut. Aber etliche von ihnen äußern sich ganz klar rassistisch, fremdenfeindlich, frauen- und schwulenfeindlich und das alles immer so deutschtümelnd überheblich. Wie soll man die dann nennen deiner Meinung nach? Verirrte? Verwirrte, zufällig so Denkende? Nee, die denken schon immer so. Und jetzt finden sie ein Klima vor, wo sie all das Menschenfeindliche ohne großen Widerspruch laut und "fröhlich" sagen können. Kann ich nichts gut dran finden.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 10:39

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Apr 2019, 09:48)

Ja. Aber nicht nur einfach Fragen nach ökonomischer oder politischer Macht. Der Aufschwung szientistischer Vorstellungen in jüngerer Zeit ist von diffizilerer Art. Worin besteht die Attraktivität dieses Glaubens an Zahlen, Algorithmen und Determinismus? Einerseits dürfte für sehr viele Menschen die Herleitung - zum Beispiel - des zentralen Grenzwertsatzes der Statistik eine ziemliche Herausforderung, um nicht zu sagen eine Zumutung sein. Auf der anderen Seite bedeuten jedoch gerade Aussagen wie die dieses Grenzwertsatzes, dass Phänomene ganz unterschiedlicher Art, aus ganz unterschiedlichen Bereichen aus Natur wie auch Gesellschaft auf einheitliche mahematische Aussagen rückführbar sind. Und darin, in dieser Aussicht auf Komplexitätsreduktion liegt ein großer populärer Anreiz. Die exakten Naturwissenschaften wirken in diesem SInne wie eine Schnapsflasche auf den vom CHaos der modernen Welt überforderten Zeitgenossen.


Ja, gut beschrieben. Wobei diese Leugnung der Wissenschaftlichkeit von Geisteswissenschaften bei intelligenteren Menschen schon auch noch ein paar andere Ursachen als nur Überforderung hat, glaube ich. Da mal nach den Motiven zu fragen, fände ich schon spannend. Denn es sind ja gerade nicht die schlichten Gemüter, die solche Diskussionen anzetteln. Und die Masse von Männern gegenüber den paar einzelnen Frauen in bestimmten Parteien erklärt schon einiges.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 10:44

Mir gehts - wie schon oft gesagt - nicht um das "soziale Geschlecht" oder um "das Geschlecht als soziales Konstrukt". Diese Theorien sind auch überhaupt nicht weit verbreitet, selbst, wenn das hier ständig behauptet wird. Mir gehts lediglich darum, die biologischen Selbstverständlichkeiten nicht losgelöst von sozialen Gegebenheiten zu betrachten. Einfach, um das Ganze mal so dynamisch zu betrachten, wie es in der Realität auch abläuft. Nichts befindet sich im luftleeren Raum. Alles bewegt sich, entwickelt sich, verhält sich zueinander...
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 3. Apr 2019, 13:03

Selina hat geschrieben:(03 Apr 2019, 10:32)

Für ein "Konzept der friedlichen Koexistenz" plädiere ich selbstverständlich auch. Hab nie was anderes gesagt. Ich lasse mir auch nüscht Linksextremistisches in die Schuhe schieben. Nein, selbstverständlich sollten wir mit all unseren verschiedenen Ansichten, Lebensmodellen, Philosophien, Glaubensrichtungen und Weltsichten - so gut es geht - zusammenleben und kooperieren. Anders gehts ja gar nicht. Und kein Mensch nennt ausnahmslos alle AfD-Anhänger Nazis. Ich lebe direkt unter ihnen, von meinen Nachbarn wählt jeder Vierte AfD. Und ich sehe doch, dass das nicht alles Nazis sind. Selbstverständlich nicht. Darunter sind viele, die einfach aus Trotz und Frust über die derzeitige Politik AfD wählen. Einige haben auch Wut. Aber etliche von ihnen äußern sich ganz klar rassistisch, fremdenfeindlich, frauen- und schwulenfeindlich und das alles immer so deutschtümelnd überheblich. Wie soll man die dann nennen deiner Meinung nach? Verirrte? Verwirrte, zufällig so Denkende? Nee, die denken schon immer so. Und jetzt finden sie ein Klima vor, wo sie all das Menschenfeindliche ohne großen Widerspruch laut und "fröhlich" sagen können. Kann ich nichts gut dran finden.


Ersteinmal: Ich kenne bzw. sehe unter denen, die geistig und körperlich halbwegs intakt sind, deutsch als Muttersprache sprechen und eine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen - abgesehen von "Normalbürgern" -

- nur "Wutbürger", die behaupten, Deutschland sei "am Ende" ... Die aber ein Mittelklasseauto besitzen und typischerweise zwei Wochen im Jahr an die Ostsee und zwei Wochen nach Andalusien, Fuertoventura oder Italien in den Urlaub fahren. Und
- Bezieher von Soziallieistungen in genau dem rechtspopulistischem Sinne und Klischee von "sozaler Hängematte"

Und dann noch eine verhältnismäßig geringfügige Anzahl von Alkohlikern, Gestrandeten oder sonstwie Gescheiterten, die jedoch nirgendwo so krass deutlich in Deutschland in Erscheinung treten wie in einer Stadt wie Berlin. Die, die es wirklich schwer haben, für wenig Geld schuften und dann auch noch ausgegrenzt werden, sind typischerweise Osteuropäer in Pflegeheimen oder NRW-Schlachthöfen. Das sind aber in der Regel keine Wähler.

Ich weiß einfach nicht, an wen, an welche Wähler sich die Erzählung von Frauenarmut, Altersarmut und sozialem Abstieg sich eigentlich richten soll.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Fliege » Mi 3. Apr 2019, 13:15

Sören74 hat geschrieben:(03 Apr 2019, 01:33)
@Dark Angel und Fliege, Euer Hauptpfeiler in der Argumentation ist doch, dass Gender Studies überflüssig sind, weil sich schon die Biologie primär (oder alleinig) mit den Geschlechtern befasst. Man könnte das Argument auch statt auf die Geschlechter auf den Menschen übertragen. Die Biologie definiert was ein Mensch ist, also wozu brauchen wir dann beispielsweise die Soziologie, die sich mit den Menschen befasst?

Nach Max Weber untersucht Soziologie dies: "Soziologie (im hier verstandenen Sinn dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und in seinen Wirkungen ursächlich erklären will" (Weber zitiert nach Theresa Fibich und Rudolf Richter, Einführung Soziologie, Abschnitt 1, 2018).

Nun fragt sich, um was es bei sozialem Handeln geht: "Ein Zusammenprall zweier Radfahrer z. B. ist ein bloßes Ereignis wie ein Naturgeschehen. Wohl aber wäre ihr Versuch, dem andern auszuweichen, und die auf den Zusammenprall folgende Schimpferei, Prügelei oder friedliche Erörterung 'soziales Handeln' (Weber, Wirtschaft und Gesellschaft – Grundriss der verstehenden Soziologie, 1922, § 1, Abschnitt II, 1).

Demnach untersucht Soziologie das wechselseitig aufeinander bezogenes Handeln von Akteuren (was beispielsweise Raben, Schimpansen und auch Menschen sein können).

Was Raben, Schimpansen oder Menschen sind, untersucht die Soziologie nicht.
Medienversagen: "für den gehobenen Moralbedarf"; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 13:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Apr 2019, 13:03)

Ersteinmal: Ich kenne bzw. sehe unter denen, die geistig und körperlich halbwegs intakt sind, deutsch als Muttersprache sprechen und eine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen - abgesehen von "Normalbürgern" -

- nur "Wutbürger", die behaupten, Deutschland sei "am Ende" ... Die aber ein Mittelklasseauto besitzen und typischerweise zwei Wochen im Jahr an die Ostsee und zwei Wochen nach Andalusien, Fuertoventura oder Italien in den Urlaub fahren. Und
- Bezieher von Soziallieistungen in genau dem rechtspopulistischem Sinne und Klischee von "sozaler Hängematte"

Und dann noch eine verhältnismäßig geringfügige Anzahl von Alkohlikern, Gestrandeten oder sonstwie Gescheiterten, die jedoch nirgendwo so krass deutlich in Deutschland in Erscheinung treten wie in einer Stadt wie Berlin. Die, die es wirklich schwer haben, für wenig Geld schuften und dann auch noch ausgegrenzt werden, sind typischerweise Osteuropäer in Pflegeheimen oder NRW-Schlachthöfen. Das sind aber in der Regel keine Wähler.

Ich weiß einfach nicht, an wen, an welche Wähler sich die Erzählung von Frauenarmut, Altersarmut und sozialem Abstieg sich eigentlich richten soll.


Offenbar reden wir in diesem Punkt permanent aneinander vorbei. Ich bin überhaupt nicht mehr beim Stichwort Altersarmut bei Frauen, nein, ich war gerade bei ekligem Rassismus, bei Borniertheit, bei üblen Ressentiments und bei Fremdenfeindlichkeit. Diese Erscheinungen ziehen sich durch alle Schichten. Die gibt es bei Männern und bei Frauen. Und ja, viele Männer äußern sich da wesentlich derber und brutaler als Frauen, das stimmt. Und die besonders Radikalen unter diesen Leuten wählen halt bestimmte Parteien. Was soll daran toll sein? Nee, da solltest du schon genauer hinschauen und kritischer sein. Manchmal ist es auch der eigene weltoffene, recht bunte, zum Teil auch religiös getragene Lebenskreis, der einen einfach nicht sehen lässt, was sonst noch so los ist in Deutschland. Nicht sehen lässt, was 300 Kilometer weit entfernt von Berlin passiert. Berlin ist nun mal ein besonderes Pflaster, eine spannende, dynamische Großstadt, wo jeder seinen Raum findet, wo die paar Rechtsradikalen einfach so "mitgenommen" werden. Woanders aber läuft es diametral entgegengesetzt ab. Auch dein klassisches Usedom-Beispiel stimmt eben nicht. Im Hinterland der tollen Kaiserbäder siehts wesentlich prekärer aus, und dort wählen die Leute in bestimmten Ortschaften, wo nichts mehr existiert, kein Arbeitsplatz, keine Kneipe, kein Arzt, kein Jugendklub, eben gerne AfD. Zum Teil über 40 Prozent. Und mal abgesehen davon, dass es da durchaus einen Zusammenhang gibt, den die bürgerliche Mitte gerne übersieht, so geht es mir im Moment vor allem um das oben Gesagte: Rassismus und Fremdenhass dürfen einfach nicht so kommentarlos gebilligt werden, egal, welcher Schicht diese sich so äußernden Menschen angehören. Da immer so drumrum zu eiern, ist schon etwas merkwürdig.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 3. Apr 2019, 14:40

Selina hat geschrieben:(03 Apr 2019, 13:34)

Offenbar reden wir in diesem Punkt permanent aneinander vorbei. Ich bin überhaupt nicht mehr beim Stichwort Altersarmut bei Frauen, nein, ich war gerade bei ekligem Rassismus, bei Borniertheit, bei üblen Ressentiments und bei Fremdenfeindlichkeit. Diese Erscheinungen ziehen sich durch alle Schichten. Die gibt es bei Männern und bei Frauen. Und ja, viele Männer äußern sich da wesentlich derber und brutaler als Frauen, das stimmt. Und die besonders Radikalen unter diesen Leuten wählen halt bestimmte Parteien. Was soll daran toll sein?

Daran ist überhaupt nix toll. Ich will mit denen nix zu tun haben, bin mir aber ziemlich sicher, dass ich sie von meinen eigenen Anschauungen niemals überzeugen werde.
Nee, da solltest du schon genauer hinschauen und kritischer sein. Manchmal ist es auch der eigene weltoffene, recht bunte, zum Teil auch religiös getragene Lebenskreis, der einen einfach nicht sehen lässt, was sonst noch so los ist in Deutschland. Nicht sehen lässt, was 300 Kilometer weit entfernt von Berlin passiert. Berlin ist nun mal ein besonderes Pflaster, eine spannende, dynamische Großstadt, wo jeder seinen Raum findet, wo die paar Rechtsradikalen einfach so "mitgenommen" werden.

Nee nee. Wie schon geschrieben. Im Gegenteil. Nirgendwo sonst in Deutschland treten die sozialen Verwerfungen so deutlich und brutal hervor wie in Berlin. Der Winter ist inzwischen vorbei. Aber noch vor drei, vier Wochen kam ich morgens früh in den S-Bahn-U-Bahn-Übergang des Bahnhofs Lichtenberg und sah im Fußgängertunnel geschätzt 40, 50 Obdachlose auf irgendwelchen improvisierten Schlafplätzen inmitten von Urinpfützen. Bilder, die mich an die Erzählungen meiner Großmutter vom Nachkriegsberlin erinnerten. Und die ich hier in Berlin so jedenfalls auch noch nie gesehen habe.
Woanders aber läuft es diametral entgegengesetzt ab. Auch dein klassisches Usedom-Beispiel stimmt eben nicht. Im Hinterland der tollen Kaiserbäder siehts wesentlich prekärer aus, und dort wählen die Leute in bestimmten Ortschaften, wo nichts mehr existiert, kein Arbeitsplatz, keine Kneipe, kein Arzt, kein Jugendklub, eben gerne AfD. Zum Teil über 40 Prozent. Und mal abgesehen davon, dass es da durchaus einen Zusammenhang gibt, den die bürgerliche Mitte gerne übersieht, so geht es mir im Moment vor allem um das oben Gesagte: Rassismus und Fremdenhass dürfen einfach nicht so kommentarlos gebilligt werden, egal, welcher Schicht diese sich so äußernden Menschen angehören. Da immer so drumrum zu eiern, ist schon etwas merkwürdig.

"Nichts mehr existiert" stimmt so auch für die entlegensten Teile der Uckermark, fern von allem Tourismus nicht.

Und bezüglich Rassismus müssen wir unterscheiden zwischen tatsächlich offenem Rassismus, dann einem verdecktem Rassismus der (auch akademischen) Mittelschicht und einer allgemein grassierenden Fremden- und Überfremdungsangst.


Eine Ergotherapeuthin mit Kindern, alleinstehend, ohne vermögende Eltern, mit einer Wohnung irgendwo in Berlin ... da kann ich mir auch an einer Hand selbst ausrechnen, dass die mehr als knapp zurechtkommen muss. Aber das sind in allen mir bekannten Fällen selbstgewählte Biographien mit allen Konsequenzen. Ich kann einfach in Deutschland unter den Deutschen mit deutscher Staatsbürgerschaft keine wirkliche unverschuldete Armut, kein wirkliches unverschuldetes Elend erkennen.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 15:13

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Apr 2019, 14:40)

Daran ist überhaupt nix toll. Ich will mit denen nix zu tun haben, bin mir aber ziemlich sicher, dass ich sie von meinen eigenen Anschauungen niemals überzeugen werde.

Nee nee. Wie schon geschrieben. Im Gegenteil. Nirgendwo sonst in Deutschland treten die sozialen Verwerfungen so deutlich und brutal hervor wie in Berlin. Der Winter ist inzwischen vorbei. Aber noch vor drei, vier Wochen kam ich morgens früh in den S-Bahn-U-Bahn-Übergang des Bahnhofs Lichtenberg und sah im Fußgängertunnel geschätzt 40, 50 Obdachlose auf irgendwelchen improvisierten Schlafplätzen inmitten von Urinpfützen. Bilder, die mich an die Erzählungen meiner Großmutter vom Nachkriegsberlin erinnerten. Und die ich hier in Berlin so jedenfalls auch noch nie gesehen habe.

"Nichts mehr existiert" stimmt so auch für die entlegensten Teile der Uckermark, fern von allem Tourismus nicht.

Und bezüglich Rassismus müssen wir unterscheiden zwischen tatsächlich offenem Rassismus, dann einem verdecktem Rassismus der (auch akademischen) Mittelschicht und einer allgemein grassierenden Fremden- und Überfremdungsangst.


Eine Ergotherapeuthin mit Kindern, alleinstehend, ohne vermögende Eltern, mit einer Wohnung irgendwo in Berlin ... da kann ich mir auch an einer Hand selbst ausrechnen, dass die mehr als knapp zurechtkommen muss. Aber das sind in allen mir bekannten Fällen selbstgewählte Biographien mit allen Konsequenzen. Ich kann einfach in Deutschland unter den Deutschen mit deutscher Staatsbürgerschaft keine wirkliche unverschuldete Armut, kein wirkliches unverschuldetes Elend erkennen.


Ich könnte dir massenhaft Beispiele für "unverschuldetes Elend" aus dem näheren und weiteren Umfeld schildern. Massenhaft. Lass nur mal jemanden behindert sein, und ich meine jetzt nicht nur die gravierenden deutlich sichtbaren Mehrfachbehinderungen von im Rollstuhl sitzenden Leuten, nein es gibt noch viele andere Behinderungen, darunter auch nicht sichtbare. Zählt man alle Behinderungs-Arten zusammen und alle davon Betroffenen, da kommt eine stattliche Mehrfach-Millionen-Zahl von Leuten zusammen. Und die meisten "Inklusions"-Programme sind glatt fürn A. In der Realität, in den Jobcentern kommt nüscht an davon. Und die "Leuchttürme" im Fernsehen, wo über die ach so starken und erfolgreichen Behinderten geschwätzt wird, haben auch nichts mit der massenhaft gelebten Realität gemein. Und diese vielen Millionen sind alles Wähler! Und deren Arbeitslosigkeit ist immer noch besonders hoch. Darunter auch wieder besonders viele Frauen. Bedeutet dauerhafte Abhängigkeit von Behörden. Aber nicht, weil die behinderten Menschen alle faul oder dumm sind, nein, weil man sie alleine lässt, weil es nur Gießkannen-Förderung gibt, aber keine zielgerichtete und der jeweiligen Behinderung angemessene Förderung. Die einzelnen positiven Medienberichte beschreiben immer Ausnahmen. Und nur mal ganz nebenbei: Ich mag auch diese Mitte-Sicht von "selbst verschuldetem Elend" und "nicht selbst verschuldetem Elend" nicht so besonders. Elend ist Elend, und der Einzelne leidet in jedem Falle darunter, ob nun selbst verschuldet oder nicht selbst verschuldet. Zumal dieses "selbst verschuldet" sowas von subjektiv ist. Je nachdem, wer da drauf guckt, so sein Urteil. Ein Urteil über fremdes Leben.
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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Dark Angel » Mi 3. Apr 2019, 15:32

Sören74 hat geschrieben:(03 Apr 2019, 01:33)

@Dark Angel und Fliege, Euer Hauptpfeiler in der Argumentation ist doch, dass Gender Studies überflüssig sind, weil sich schon die Biologie primär (oder alleinig) mit den Geschlechtern befasst. Man könnte das Argument auch statt auf die Geschlechter auf den Menschen übertragen. Die Biologie definiert was ein Mensch ist, also wozu brauchen wir dann beispielsweise die Soziologie, die sich mit den Menschen befasst?

Schon im Ansatz falsch! Auch die Biologie "befasst" sich nicht mit Geschlechtern, sondern mit Lebewesen ganz allgemein und sie unterteilt in Arten, die sich sexuelle fortpflanzen und solche die sich asexuell fortpflanzen, stellt Taxonomien etc auf.
Man kann dieses Argument - was keins ist - NICHT auf den Menschen übertragen, weil Mensch, als sich sexuell fortpflanzende Art, unterschiedliche Fortpflanzungstypen aufweist, die nur einen Zweck erfüllen - nämlich die Erhaltung der Art.
Das war's dann aber auch schon, wo Geschlecht von Bedeutung ist bzw eine Funktion erfüllt.
"Die Biologie" stellt auch nur Unterscheidungsmerkmale der beiden Fortpflanzungstypen fest, welche biologisch determiniert (genetisch) und biologisch bedingt sein können bzw sind.
Biologie definiert auch nicht was ein Mensch ist, sondern das macht der Mensch selbst ==> Selbstzuschreibung
Auch die Soziologie "befasst" sich nicht mit dem Menschen, sondern mit Sozialverhalten, Sozialstrukturen, sozialer Interaktion etc des Menschen.
Sozialverhalten, Sozialstrukturen, soziale Interaktion lassen sich weder auf Geschlecht reduzieren, noch auf Geschlecht festlegen oder an Geschlecht "festmachen" - das ist Käse.
Und genau daran kranken die Gender Studies - sie versuchen die komplexen Zusammenhänge zwischen Sozialverhalten, Sozialstrukturen und sozialer Interaktion auf Geschlecht zu reduzieren und tun damit genau das, was sie eigentlich vermeiden bzw beseitigen wollen.
Dabei begehen deren Vertreter den naturalistischen Fehlschluss, aus naturgegebenen Unterschieden (biologischen Einsichten) im Verhalten, bei Interessen, Fähigkeiten etc moralische Normen abzuleiten, diese als gesellschaftlich legitimiert zu betrachten, um dann Gründe zur Delegitimation dieser (von ihnen selbst) kontruierten moralischen Normen zu finden. Das mündet dann darin, dass naturgegebene Unterschiede geleugnet und/oder marginalisiert werden und die Behauptung aufgestellt wird, alle Menschen seien gleich und alle Unterschiede seien "sozial kontruiert", würden dem "Geschlecht" nur von "der Gesellschaft zugeschrieben".
Genau da liegt das Problem der Gender Studies und genau das macht sie überflüssig.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Sammelstrang Gleichberechtigung von Mann und Frau

Beitragvon Sören74 » Mi 3. Apr 2019, 19:57

Fliege hat geschrieben:(03 Apr 2019, 13:15)

Was Raben, Schimpansen oder Menschen sind, untersucht die Soziologie nicht.


Diese Ansicht teile ich nicht. Denn die Soziologie kann uns eine Menge über Raben, Schimpansen und Menschen sagen und zwar in Bezug auf ihre sozialen Eigenschaften. Dazu ganz passend, Jane Goodall ist heute 85 Jahre geworden. Sie ist Verhaltensforscherin, die sich quasi ihr ganzes Arbeitsleben mit der Beobachtung von Schimpansen beschäftigt hat. Erst durch ihre Forschung haben wir viel über diese Tiere gelernt. Zum Beispiel das sie so wie auch Menschen Werkzeuge benutzen. Würdest Du jetzt behaupten, Goodall hat nicht untersucht, was Schimpansen sind, nur weil sie keine Biologin war? Das was Menschen oder Tiere ausmachen, kann man nicht allein über die Biologie erfahren. Auch wenn ich als Wissenschaftler sämtliche physiologischen Vorgänge vom Menschen kenne, wüsste ich doch noch lange nicht, was einen Menschen eigentlich ausmacht.

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