Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistisch?

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frems
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Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistisch?

Beitragvon frems » Fr 6. Nov 2015, 14:03

Religion macht Kinder unsozialer

Schulkinder aus religiösen Familien handeln weniger altruistisch als Atheisten

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19 ... 11-06.html

Woran liegt das? Erzeugt religiöse Indoktrination generell unmenschliches Verhalten gegenüber Anders- bzw. Nichtgläubigen? Oder andersrum: Ist es vielleicht einfach so, daß unsoziale Familien häufiger dazu neigen sich eine Religion auf die Stirn zu schreiben?
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Milady de Winter
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Milady de Winter » Fr 6. Nov 2015, 14:13

Der letzte Absatz aus dem verlinkten Bericht bringt es m.E. auf den Punkt:

Nach Ansicht der Forscher verdeutlicht dies, dass Religion und Moral keineswegs synonym sind – im Gegenteil. "Das jedoch weckt die Frage, ob Religion für die moralische Entwicklung entscheidend ist", meint Decety. "Und es stützt den Gedanken, dass eine Säkularisierung des moralischen Diskurses die Nächstenliebe keineswegs mindert –es erreicht sogar das Gegenteil."


Genau so sehe ich persönlich es auch. Je "religiöser" Menschen zu sein scheinen, desto intoleranter und ungerechter handeln bzw. erscheinen viele von ihnen. Das sieht man ja tagtäglich, und auch mir selbst ist noch Diverses, das dies untermauert, aus meiner Kindheit und Jugend in Erinnerung. Das ist auch der Grund, warum ich heute mit der Kirche bzw. Religion im allgemeinen nichts mehr am Hut habe. Es war mir zu viel Fassade und falsche Moral.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Boraiel » Fr 6. Nov 2015, 14:14

frems » Fr 6. Nov 2015, 15:03 hat geschrieben:Religion macht Kinder unsozialer

Schulkinder aus religiösen Familien handeln weniger altruistisch als Atheisten

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19 ... 11-06.html

Woran liegt das? Erzeugt religiöse Indoktrination generell unmenschliches Verhalten gegenüber Anders- bzw. Nichtgläubigen? Oder andersrum: Ist es vielleicht einfach so, daß unsoziale Familien häufiger dazu neigen sich eine Religion auf die Stirn zu schreiben?

Nun die verschiedenen Religionen sind meiner Ansicht nach für Kinder weitgehend nicht geeignet. Bevor man die Bibel oder ähnliches liest, sollte man aufgeklärt im Sinne Kants sein. Sonst kann das bei Kindern schnell zu Verwirrung kommen und von den Religionen vorgegebene Handlungen werden mit bewusster Ablehnung begegnet, soweit das nicht bestraft wird/ werden kann.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon hafenwirt » Fr 6. Nov 2015, 14:21

frems » Freitag 6. November 2015, 15:03 hat geschrieben:Religion macht Kinder unsozialer

Schulkinder aus religiösen Familien handeln weniger altruistisch als Atheisten

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19 ... 11-06.html

Woran liegt das? Erzeugt religiöse Indoktrination generell unmenschliches Verhalten gegenüber Anders- bzw. Nichtgläubigen? Oder andersrum: Ist es vielleicht einfach so, daß unsoziale Familien häufiger dazu neigen sich eine Religion auf die Stirn zu schreiben?


Vielleicht ein klassischer Fall von "Rebellion" gegen das Elternhaus. Gerade wenn man unreligiöse Kinder um sich herum hat, wird ein Kind doch schief angeguckt, wenn es von den Eltern jeden Sonntag in die Kirche gezerrt wird.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Milady de Winter » Fr 6. Nov 2015, 14:24

hafenwirt » Fr 6. Nov 2015, 14:21 hat geschrieben:
Vielleicht ein klassischer Fall von "Rebellion" gegen das Elternhaus. Gerade wenn man unreligiöse Kinder um sich herum hat, wird ein Kind doch schief angeguckt, wenn es von den Eltern jeden Sonntag in die Kirche gezerrt wird.

Ich habe das in meiner Kindheit genau anders herum beobachtet. Da wurden DIE Kinder schief angesehen, die nicht katholisch oder evangelisch waren. Das waren bei uns nur eine Handvoll, und die waren entweder konfessionslos oder Zeugen Jehovas.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Zahnderschreit » Fr 6. Nov 2015, 14:30

Milady de Winter » Fr 6. Nov 2015, 15:24 hat geschrieben:Da wurden DIE Kinder schief angesehen, die nicht katholisch oder evangelisch waren.


Gibt es das (evtl. außerhalb von Bayern) auch heute noch irgendwo?
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon hafenwirt » Fr 6. Nov 2015, 14:33

Milady de Winter » Freitag 6. November 2015, 15:24 hat geschrieben:Ich habe das in meiner Kindheit genau anders herum beobachtet. Da wurden DIE Kinder schief angesehen, die nicht katholisch oder evangelisch waren. Das waren bei uns nur eine Handvoll, und die waren entweder konfessionslos oder Zeugen Jehovas.


Das kommt sicher auch auf die Gegend an und welche Gruppe größer ist.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Milady de Winter » Fr 6. Nov 2015, 14:39

Zahnderschreit » Fr 6. Nov 2015, 14:30 hat geschrieben:
Gibt es das (evtl. außerhalb von Bayern) auch heute noch irgendwo?

Das weiß ich nicht, ich gehe auch nicht davon aus, dass es das in Bayern noch so gibt. Denn selbst in den ländlichsten Gegenden gibt es mittlerweile andere Religionen bzw. Atheisten, und man hat sowieso andere Probleme als in den goldenen 80er Jahren.

Ich muss das "schief" ansehen vielleicht insofern relativieren, dass es eher in die Richtung "was, Du bist nicht katholisch oder evangelisch?" ging. Wenn du in einer Stadt bzw. einer Region aufwächst, die zu über 90% aus Katholiken oder Protestanten besteht, dann erscheint die Ausnahme oft "exotisch". Die Kinder wurden auch nicht gedisst, wir spielten alle gemeinsam zusammen, 6 Tage die Woche interessierte die Religion der anderen kein Schwein. Es wurde nur während des Religionsunterrichts deutlich bzw. zu so Anlässen wie Gottesdiensten, Weihnachten, Kommunion, Konfirmation u.ä.

Aber auch das hat sich im Laufe des Älterwerdens schlicht relativiert. Heute interessiert das kaum noch jemanden, aber ich vertrete nach wie vor die Meinung, dass zu starke religiöse Bindung eher schadet als nutzt. Zumindest Dritten. Religiöse "Regeln" über gängige humane zu stellen ist für mich in den meisten Fällen negativ besetzt.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Milady de Winter » Fr 6. Nov 2015, 14:40

hafenwirt » Fr 6. Nov 2015, 14:33 hat geschrieben:
Das kommt sicher auch auf die Gegend an und welche Gruppe größer ist.

Ja klar, selbstverständlich. Ich zweifelte Deine Aussage auch nicht an, ich wollte nur darstellen, dass es diese Beobachtung auch im genau entgegengesetzten Fall gab.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Boraiel » Fr 6. Nov 2015, 14:52

Milady de Winter » Fr 6. Nov 2015, 15:39 hat geschrieben:Das weiß ich nicht, ich gehe auch nicht davon aus, dass es das in Bayern noch so gibt. Denn selbst in den ländlichsten Gegenden gibt es mittlerweile andere Religionen bzw. Atheisten, und man hat sowieso andere Probleme als in den goldenen 80er Jahren.

Ich muss das "schief" ansehen vielleicht insofern relativieren, dass es eher in die Richtung "was, Du bist nicht katholisch oder evangelisch?" ging. Wenn du in einer Stadt bzw. einer Region aufwächst, die zu über 90% aus Katholiken oder Protestanten besteht, dann erscheint die Ausnahme oft "exotisch". Die Kinder wurden auch nicht gedisst, wir spielten alle gemeinsam zusammen, 6 Tage die Woche interessierte die Religion der anderen kein Schwein. Es wurde nur während des Religionsunterrichts deutlich bzw. zu so Anlässen wie Gottesdiensten, Weihnachten, Kommunion, Konfirmation u.ä.

Aber auch das hat sich im Laufe des Älterwerdens schlicht relativiert. Heute interessiert das kaum noch jemanden, aber ich vertrete nach wie vor die Meinung, dass zu starke religiöse Bindung eher schadet als nutzt. Zumindest Dritten. Religiöse "Regeln" über gängige humane zu stellen ist für mich in den meisten Fällen negativ besetzt.

Ich denke, dass kehrt sich bzgl. des Christentums mit zunehmenden Alter um.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Agesilaos Megas » Fr 6. Nov 2015, 15:47

frems » Fr 6. Nov 2015, 15:03 hat geschrieben:Religion macht Kinder unsozialer

Schulkinder aus religiösen Familien handeln weniger altruistisch als Atheisten

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Woran liegt das? Erzeugt religiöse Indoktrination generell unmenschliches Verhalten gegenüber Anders- bzw. Nichtgläubigen? Oder andersrum: Ist es vielleicht einfach so, daß unsoziale Familien häufiger dazu neigen sich eine Religion auf die Stirn zu schreiben?




Also Religion und Moral hängen nun wirklich nicht zusammen.

Die Heilslehre der monotheistischen Religionen ist schon so ziemlich intolerant: Djanna, Paradies - die Ungläubigen sind eben andere Menschen, die man erdulden muss. Wie auch immer man es dreht oder wendet: Die Zugehörigkeit zu einer exklusiven Gruppe derjenigen, die ins Paradies kommen dürfen, impliziert schon eine Barriere.

Die "Hölle", Dschahannam. Wer dem Gott nicht gehorcht oder gefällt, kommt in die ewige Verdammnis, per se ist er etwas Schlechtes. Damit wird nicht nur Botmäßigkeit generiert, sondern erneut selektiert.

Stark religiöse Menschen sind also immer zwischen Privilegien und Gehorsam gefangen. Der Gehorsam gegenüber Autoritäten nimmt die Verantwortung für die Entscheidung oder ihre Beurteilung ab, die Privilegien fördern die Wahrnehmung der Unterschiede. Soddom und Gomorrha z.B. rechtfertigen die Verurteilung von Homosexualität in einer sehr radikalen Exegese; eine Abweichung von solchen Gedanken käme dem Höllenfeuer gleich und ist daher ausgeschlossen. Gleichzeitig geht der stark Religiöse davon aus, dass die Gläubigen ihm in dieser Sache zustimmen werden, was die Gruppe zusammenschweißt.

Diese Dinge wirken sich auch auf die Erziehung aus:

Ich vermute, dass streng religiös erzogene Kinder eher zu unsicheren Bindungen neigen, denn diese Art von Erziehung "idealisierte Methoden", "strenge Regeln" und kindungerechtes Moralisieren auf antiker Textbasis machen von den Weisungen von den Eltern abhängig, aber sind auch in ihrer Überhöhung etwas abweisend. Dass religiöse Menschen eine stärkere Neigung zu unsicheren Bindungen haben, ist ja schon nachgewiesen.

http://news.doccheck.com/de/64139/traumata-ungeliebte-glauben-eher-gott/

Das würde das Verhalten der Kinder auch erklären: Gemäß der Bindungstheorie haben sie mehr Angst, Stress und Unlust, Neues zu probieren, was in der konsequenz später auf Angst-Ignoranz-Abwehr/Hass hinauslaufen kann. Und letztendlich befördert religiöse Erziehung den naiven "gerechte-Welt-Glauben".

Natürlich darf man nicht vergessen, dass die Studien in Kanada, USA u. der Türkei gemacht worden sind. Ich frage mich, wie das in Deutschland oder Skandinavien ausgefallen wäre. Meiner Erfahrung nach herrscht in den ersteren Gesellschaften ein viel größerer Egoismus und ein größeres Anspruchsdenken. Interessant wäre auch, wie evangelische Kinder abschneiden.


Es gibt aber auch streng religiös erzogene Kinder, die anders geworden sind. Einer meiner guten Freunde ist pakistanischer Ingenieur, dazu noch homosexuell. Als ich ihn einmal im Osten Deutschlands durch Zufall kennenlernte - er sprach mich einfach an -, lernte ich ihn wirklich kennen. Er betete streng jeden Tag und vertraute mir irgendwann einmal - zitternd, schockstarr - an, dass er schwul sei. Er hatte das Bedürfnis, mir das zu sagen. Ich sah ihm an: Der Mann hat Angst vor Allah. Ich fragte ihn, ob er glaube, dass die Menschen nach Allahs Vorbild geschaffen seien, er bestätigte das, woraufhin ich nachlegte: Dann hat er Dich auch so gemacht und findet das wohl auch ganz gut so, wenn er denn so richtig und perfekt handelt. Das hat ihm geholfen - er BRAUCHTE die Weisung durch Religion - aber er suchte sie und schottete sich nicht ab. Es gibt also auch Kinder aus rel. Haus, die neugierig und aufgeschlossen sein können. :)
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 6. Nov 2015, 15:56

Warum wird der Strangtitel eigentlich so tendenziös gewählt? Die Untersuchung hat nicht ergeben, dass Kinder religiöser Eltern "asozial & egoistisch" seien. Reicht das Ergebnis nicht aus, muss es noch aufgebauscht werden? Letztlich wird hier das Gleiche gemacht, was in Sachen Übertreibungen gegen Flüchtlinge kritisiert wird.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon frems » Fr 6. Nov 2015, 15:58

Tom Bombadil » Fr 6. Nov 2015, 15:56 hat geschrieben:Warum wird der Strangtitel eigentlich so tendenziös gewählt? Die Untersuchung hat nicht ergeben, dass Kinder religiöser Eltern "asozial & egoistisch" seien. Reicht das Ergebnis nicht aus, muss es noch aufgebauscht werden? Letztlich wird hier das Gleiche gemacht, was in Sachen Übertreibungen gegen Flüchtlinge kritisiert wird.

Ist natürlich relativ. Asozialer und egoistischer hat nicht mehr gepasst. Software und so.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 6. Nov 2015, 16:03

Das soll also bedeuten, Kinder atheistischer Eltern sind asozial und egoistisch, die religiöser Eltern asozialer und egoistischer? Gibt der Artikel oder die Studie das her?
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon frems » Fr 6. Nov 2015, 16:05

Tom Bombadil » Fr 6. Nov 2015, 16:03 hat geschrieben:Das soll also bedeuten, Kinder atheistischer Eltern sind asozial und egoistisch, die religiöser Eltern asozialer und egoistischer? Gibt der Artikel oder die Studie das her?

Nein, soll es nicht bedeuten. Bitte Eingangsbeitrag lesen.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Jekyll » Fr 6. Nov 2015, 16:13

frems » Fr 6. Nov 2015, 14:03 hat geschrieben:Religion macht Kinder unsozialer

Schulkinder aus religiösen Familien handeln weniger altruistisch als Atheisten

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Zwischen unsozial und asozial gibt es meiner Ansicht nach einen wesentlichen Unterschied. Und gibt es da ebenso experimentelle Resultate, die eindeutig darauf schließen lassen, dass dieses Verhalten tatsächlich auf religiöse Prägung der Kinder zurückgeht? Vielleicht verdreht man hier Ursache und Wirkung; besonders religiös werden Menschen, wenn sie eine konservative Grundeinstellung haben. Und wer konservativ ist, der will auch härter bestrafen (interessant hier z. B. dieser Zusammenhang in den USA hinsichtlich Todesstrafen), und meiner Ansicht nach teilen konservative Menschen auch eher weniger, da sie schlicht und ergreifend - etwas salopp formuliert - ein höheres Bewusstsein für Hab und Gut haben. Das Verhalten dieser Kinder könnte also auf eine konservative Prägung im Elternhaus zurückzuführen sein und weniger auf religiöse.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon firlefanz11 » Fr 6. Nov 2015, 16:31

Milady de Winter » Fr 6. Nov 2015, 14:13 hat geschrieben:Je "religiöser" Menschen zu sein scheinen, desto intoleranter und ungerechter handeln bzw. erscheinen viele von ihnen.

So ist es. Wobei man hier klar das VIELE unterstreichen muss. Die meisten Menschen, die ich kenne, welche religiös sind, sind nicht missionarisch veranlagt, und entsprechend auch tolerant gegenüber Anders-, o. Nichtgläubigen. Die sind aber allesamt auch nicht sooo wahnsinnig religös. Da tuts schon Ostern/Weihnachten in die Kirche zu gehen. ;) :D

Das ist auch der Grund, warum ich heute mit der Kirche bzw. Religion im allgemeinen nichts mehr am Hut habe. Es war mir zu viel Fassade und falsche Moral.

DAS kann ich zu 100% unterschreiben... :thumbup:
Zuletzt geändert von firlefanz11 am Fr 6. Nov 2015, 16:48, insgesamt 1-mal geändert.
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon firlefanz11 » Fr 6. Nov 2015, 16:35

Boraiel » Fr 6. Nov 2015, 14:14 hat geschrieben:Nun die verschiedenen Religionen sind meiner Ansicht nach für Kinder weitgehend nicht geeignet. Bevor man die Bibel oder ähnliches liest, sollte man aufgeklärt im Sinne Kants sein. Sonst kann das bei Kindern schnell zu Verwirrung kommen und von den Religionen vorgegebene Handlungen werden mit bewusster Ablehnung begegnet, soweit das nicht bestraft wird/ werden kann.

100% d'accord! :thumbup:
Deshalb schrieb ich schon anderweitig, dass ich absolut gegen religiöse Indoktrination von Minderjährigen bin. Meien Eltern haben es richtig gemacht, und mich entscheiden lassen ob ich was mit Kirche u. Religion zu tun haben will, als ich alt genug war um es entscheiden zu können...
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon Demolit » Fr 6. Nov 2015, 16:36

frems » Fr 6. Nov 2015, 14:03 hat geschrieben:Religion macht Kinder unsozialer

Schulkinder aus religiösen Familien handeln weniger altruistisch als Atheisten

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19 ... 11-06.html

Woran liegt das? Erzeugt religiöse Indoktrination generell unmenschliches Verhalten gegenüber Anders- bzw. Nichtgläubigen? Oder andersrum: Ist es vielleicht einfach so, daß unsoziale Familien häufiger dazu neigen sich eine Religion auf die Stirn zu schreiben?


Kurz...nicht ganz

Du weißt aber auch, dass es Altruismus nicht gibt. Die Studio gibt dazu auch nichts her. Es werden ( wahrscheinlich aus journalistischer Nachlässigkeit heraus) im Artikel falsche Bezüge hergestellt.

Das ist doch ein Blubb:

"Frühere Studien haben schon gezeigt, dass religiöse Menschen keineswegs per se besser sind als ihre nichtreligiösen Gegenparts", sagt Decety. "Wir gehen nun darüber hinaus und belegen, dass religiöse Menschen – und auch ihre Kinder – sogar weniger altruistisch sind." Das Ergebnis des zweiten Experiments bestätigt zudem vorhergehende Ergebnisse, nach denen Religiosität mit einer stärkeren Intoleranz gegenüber anderen verbunden ist."

Warum? Weil religiöse Menschen immer in "strengeren" ,Maßstäben über alles denken, strengere Kriterien zur Rechtfertigung eines Tuns anlegen. Deshalb werden ist erst die Frage zu stellen, ob in den Experimenten die Versuchsanordnung so gewählt wurde, dass diese Prämisse aus dem Beurteilen heraus egalisiert wurde. Das in "strengeren" Kategorien gedacht wird ist per se kein Manko, weil Lebensgestaltung nun mal individuell ist.

Albern wird das ganze , wenn man in den Bereich des Bestrafens geht, da ist der ganze Versuch schief, weil das Abwägen innerhalb des moralischen Aspekts vielen Einflüssen unterliegt. Das Milgram Experiment zeigt das doch.

Where is the beef in this case...das Atheisten eine größere Bandbreite zur Entscheidungsfindung haben, als Religiöse ist doch ne Banalität, die über den Sinngehalt des einen oder des anderen nichts aussagt, weil der eine aus dem einen mehr für sich schöpft als aus dem anderen. Der ganze Versuch wird der Komplexität der Geschichte nicht gerecht.
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Re: Warum sind Kinder religiöser Familien asozial & egoistis

Beitragvon FaithHealer » Fr 6. Nov 2015, 16:37

Tom Bombadil » Fr 6. Nov 2015, 17:03 hat geschrieben:Das soll also bedeuten, Kinder atheistischer Eltern sind asozial und egoistisch, die religiöser Eltern asozialer und egoistischer? Gibt der Artikel oder die Studie das her?

Kann man so sehen. Wobei die Studie nicht behauptet, dass Kinder atheistischer Eltern asozial und egositisch oder gar atheistisch seien. Es geht nur um die Kinder. Die mit religiös geprägter moralischer Erziehung, verhalten sich moralisch öfter falsch. Das erscheint auch logisch. Die werden nämlich dazu erzogen, nur Mitglieder der gleichen Konfession zu achten. Alle anderen sind ohnehin schlecht.

Die Studie stellt damit die weitverbreitete Vorstellung der positiven Rolle von Religion für die moralische Entwicklung in Frage. Also das Selbstbild der Religiösen, sie seien wegen der moralischen Schulung "besser" als Atheisten. Die Studie hat es es endlich bewiesen. Es ist genau umgekehrt!
Zuletzt geändert von FaithHealer am Fr 6. Nov 2015, 16:37, insgesamt 1-mal geändert.

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