"Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort?

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Was haltet Ihr vom "Interreligiösen Dialog"?

Der "Interreligiöse Dialog" ist sehr wichtig für das friedliche Zusammenleben mit anderen Menschen
7
58%
Die Anhänger einer Religion sollen sich vor allem mit sich selbst und ihrer Religion beschäftigen
1
8%
Der "Interreligiöse Dialog" ist nur eine Modeerscheinung
1
8%
Einen "Interreligiösen Dialog" kann es gar nicht geben
2
17%
Ich bin gegen "Interreligiösen Dialog", da er nur eine Form der Missionierung ist
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Keine Stimmen
Egal - belanglos - keine Meinung - interessiert mich nicht
1
8%
 
Abstimmungen insgesamt: 12
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relativ
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon relativ » Di 30. Jul 2013, 13:49

Matthias Pochmann » Di 30. Jul 2013, 08:58 hat geschrieben: Der Buddhismus wurde ja sogar aus dem Land vertrieben, weil er wichtige Grundsätze (vor allem den Gedanken an ein ewiges Selbst - Atman/Seele ) negierte und die Struktur der Gesellschaft gefährdete.

Dennoch fand er später zurück und veränderte auch den Hinduismus tiefgreifend.

Der Hinduismus ist ein Schwamm - das macht ihn einerseits schwierig fassbar - aber letztlich gibt es kaum etwas, was nicht darin integriert werden kann.

Der gelebte Hinduismus Beispiel Indien, ist für mich bestimmt keine gute orientierung für eine weltumfassende Religion..
Eine Religion, die so ein menschenverachtendes System wie die der Kastengesellschaft beinhaltet, ist für mich nicht akzeptabel.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Sri Aurobindo » Di 30. Jul 2013, 13:50

Kavenzmann » Di 30. Jul 2013, 13:12 hat geschrieben: Ob das "natürlich" (i.S.v. "selbstverständlich") ist, müßte man noch sehen. ;)

Immerhin gehst Du hier auf die Personen ein, die Gläubigen. Denn in der Antwort zuvor waren wir ja noch bei den Systemen. Aber eine Ideologie (Hinduismus usw.) kann nicht diskutieren, das machen die sie auslegenden und auslebenden Individuen.

Gewisse Zweifel habe ich da, kann das jedoch nicht von meinen eigenen Erfahrungen her extrapolieren; "diskutieren" Christen mit Juden, Katholiken mit Baptisten, Shintoisten mit Neuheiden usw. wirklich ihre Religionen?

Ich habe das in Indien mehrfach erlebt. Man kommt dort recht schnell ins Gespräch und erfährt, woran andere glauben. Der Hinduismus ist selbst schon keine einheitliche Religion - er umfasst vielmehr sehr verschiedene eigenständige "Religionen". Verschiedene Götter repräsentieren verschiedene Aspekte - und darüber wird natürlich häufig diskutiert.

Einer unserer Rikshafahrer (Moslem) hat uns seinen Freund, einen Atheisten vorgestellt - dieser hatte wiederum viele buddhistische Freunde und hat uns eine buddhistische Anlage (Varanasi) vorgestellt. Es wird über Religion diskutiert - man kennt die Vorstellungen des anderen. Der integrative Rahmen ist dabei der Hinduismus, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich nicht abgrenzt, sondern integriert und alles aufsaugt, was eingepasst werden kann.
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Joker » Di 30. Jul 2013, 13:52

Matthias Pochmann » Di 30. Jul 2013, 13:37 hat geschrieben:so ein Quatsch ... natürlich spielt das Christentum in Indien eine Rolle.
(in einigen Regionen sogar eine sehr wichtige)
http://de.wikipedia.org/wiki/Christentum_in_Indien


und
"der Dialog zwischen Hinduismus und Islam beschränkt sich hauptsächlich darauf das man sich gegenseitig die Schädel einschlägt"

Wie viele Mrd Menschen leben und lebten dort friedlich nebeneinander?
Wie häufig kam es zu Problemen?

2,3% der Bevölkerung sind "keine Rolle" .

Und der Konflikt zwischen Islam und Hinduismus ist Jahrtausende alt und noch längst nicht ausgefochten.
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Sri Aurobindo » Di 30. Jul 2013, 13:54

relativ » Di 30. Jul 2013, 13:49 hat geschrieben: Der gelebte Hinduismus Beispiel Indien, ist für mich bestimmt keine gute orientierung für eine weltumfassende Religion..
Eine Religion, die so ein menschenverachtendes System wie die der Kastengesellschaft beinhaltet, ist für mich nicht akzeptabel.

Das ist aber auch nur ein Mangel an Verständnis des Hinduismus - pauschale Aussagen über den Hinduismus sind immer falsch!
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Sri Aurobindo » Di 30. Jul 2013, 13:56

Joker » Di 30. Jul 2013, 13:52 hat geschrieben:2,3% der Bevölkerung sind "keine Rolle" .

noch mehr Quatsch.

In einer Gesellschaft geht es nicht darum, wie groß eine Gruppe ist, wenn man deren Einfluss bemisst.
Wie groß ist die Gruppe der Milliardäre in Deutschland? Wie groß ist deren Einfluss? Wie stark prägen sie die Entwicklung dieses Landes?
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Kavenzmann » Di 30. Jul 2013, 15:01

Matthias Pochmann » Dienstag 30. Juli 2013, 13:50 hat geschrieben:Ich habe das in Indien mehrfach erlebt. Man kommt dort recht schnell ins Gespräch und erfährt, woran andere glauben. Der Hinduismus ist selbst schon keine einheitliche Religion - er umfasst vielmehr sehr verschiedene eigenständige "Religionen". Verschiedene Götter repräsentieren verschiedene Aspekte - und darüber wird natürlich häufig diskutiert.

Polytheisten sind da wohl eh lockerer im Gespräch, die alten Römer waren da ja auch für alles offen ;)

Und wenn eine Religion nicht missioniert, dann ist sie wohl auch entspannter. :cool:
Eventuell könnte man hier für Christentum und Islam also schon einmal eine Erschwerniszulage festhalten...

Bleibt aber offen: Sinn? Zweck? Ziel?
Alles nur Neugier? "Wie macht Ihr das denn eigentlich?"
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Sri Aurobindo » Di 30. Jul 2013, 17:36

Kavenzmann » Di 30. Jul 2013, 15:01 hat geschrieben:Polytheisten sind da wohl eh lockerer im Gespräch, die alten Römer waren da ja auch für alles offen ;)
Polytheismus ist auch nicht völlig zutreffend, besonders wenn es um hinduistische Philosophie geht.
Aurobindos Monismus ist ein Beispiel dafür - hier gibt es letztlich nur ein Absolutes - das Brahman.
(also auch keinen Dualismus)
Die vielen indischen Gottheiten (Vishnu, Shiva, Brahma, Kali usw.) werden dabei nur am Rande erwähnt.

Bleibt aber offen: Sinn? Zweck? Ziel?
Alles nur Neugier? "Wie macht Ihr das denn eigentlich?"
Ich habe das nicht untersucht, sondern lediglich beobachtet und geschlussfolgert.

Ich denke schon, dass vor allem Neugier vorantreibt. Man kommt aber auch über Feste und ähnliches ins Gespräch.
Man kennt sich, weiß über die Bräuche anderer Bescheid. Und es gibt auch harte Diskussion - z.B. wenn Politik Religion tangiert.

Ich würde als Ziel der Integration die Weiterentwicklung des Hinduismus nennen.
Zuletzt geändert von Sri Aurobindo am Di 30. Jul 2013, 17:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Jekyll » Di 30. Jul 2013, 18:05

Dionysos » Di 30. Jul 2013, 10:27 hat geschrieben:Hat man ja auch in Islam und Christentum gemacht. Irgendwo eine Madonna in Mexiko beispielsweise war eine aztekische Göttin und der Marienkult geht auf die ägyptische Göttin Isis zurück. Buddhisten betreiben Ahnenverehrung, obwohl das deren Religion fundamental widerspricht. Nur das Judentum scheint gegen Synkretismus immun zu sein
Halte ich für eine gewagte These. Das Judentum ist sicher nicht aus dem Nichts entstanden, sondern es war im alten Orient wohl allen möglichen Einflüssen ausgesetzt, angefangen von den alten Sumerern bis hin zu den Iranern. Gut möglich, dass das Judentum selbst letztlich ein Sammelsurium uralter Religionen und Kulten ist und uns jetzt nur deshalb als kompakt und eigenständig erscheint, weil die ursprünglichen "Ideengeber" in grauer Vorzeit längst aufgehört haben zu existieren.
Sie schufen eine Wüste und nannten es...Frieden.
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Kavenzmann » Di 30. Jul 2013, 18:10

Kavenzmann » Di 30. Jul 2013, 15:01 hat geschrieben:Polytheisten sind da wohl eh lockerer im Gespräch, die alten Römer waren da ja auch für alles offen ;)
Matthias Pochmann » Dienstag 30. Juli 2013, 17:36 hat geschrieben: Polytheismus ist auch nicht völlig zutreffend, besonders wenn es um hinduistische Philosophie geht.
Aurobindos Monismus ist ein Beispiel dafür - hier gibt es letztlich nur ein Absolutes - das Brahman.
(also auch keinen Dualismus)
Die vielen indischen Gottheiten (Vishnu, Shiva, Brahma, Kali usw.) werden dabei nur am Rande erwähnt.
Ich habe die religionswissenschaftliche Begrifflichkeit verwendet, da wird der Hinduismus als "polytheistisch" angesehen.
Hat für mich (als Religionswissenschaftler) keine Wertung.
Aus mohammedanischer Sicht ist das Christentum ja auch "polytheistisch" ;)
Katholisch vier Götter, evangelisch drei... - ist aber ein Nebenaspekt.


Kavenzmann » Di 30. Jul 2013, 15:01 hat geschrieben:Bleibt aber offen: Sinn? Zweck? Ziel?
Alles nur Neugier? "Wie macht Ihr das denn eigentlich?"
Matthias Pochmann » Dienstag 30. Juli 2013, 17:36 hat geschrieben:Ich habe das nicht untersucht, sondern lediglich beobachtet und geschlussfolgert.

Ich denke schon, dass vor allem Neugier vorantreibt. Man kommt aber auch über Feste und ähnliches ins Gespräch.
Man kennt sich, weiß über die Bräuche anderer Bescheid.
Damit habe ich auch gute Erfahrungen gemacht. Einfach fragen. Oft geht der Einstieg über das Essen und Speiseregeln.

Matthias Pochmann » Dienstag 30. Juli 2013, 17:36 hat geschrieben:Und es gibt auch harte Diskussion - z.B. wenn Politik Religion tangiert.
Da mache ich immer einen harten Schnitt, wenn mich nur die Religion interessiert. ;) Das geht, sogar mit Christen oder Mohammedanern.

Matthias Pochmann » Dienstag 30. Juli 2013, 17:36 hat geschrieben:Ich würde als Ziel der Integration die Weiterentwicklung des Hinduismus nennen.
Auf synkretistischer Basis? Wie das Christentum? (Okay, das war jetzt böse, aber Spaß muß sein...)
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon aleph » Mi 31. Jul 2013, 10:34

Jekyll » Di 30. Jul 2013, 18:05 hat geschrieben:Halte ich für eine gewagte These. Das Judentum ist sicher nicht aus dem Nichts entstanden, sondern es war im alten Orient wohl allen möglichen Einflüssen ausgesetzt, angefangen von den alten Sumerern bis hin zu den Iranern. Gut möglich, dass das Judentum selbst letztlich ein Sammelsurium uralter Religionen und Kulten ist und uns jetzt nur deshalb als kompakt und eigenständig erscheint, weil die ursprünglichen "Ideengeber" in grauer Vorzeit längst aufgehört haben zu existieren.


Mit Synkretismus ist was anderes gemeint. Dass jede Religion ihre vielen Ströme hat, aus der sie entsteht, wird nicht angezweifelt. Das Judentum, wie wir es kennen, gibt es ca. seit 500 v.Chr., ist nach der babylonischen Gefangenschaft entstanden. Synkretismus ist die Aufnahme von anderen Religionsvorstellungen, wenn sich eine Religion ausbreitet und Anhänger bei anderen Völkern findet. So wurde auch die Ahnenverehrung inkorporiert, als sich der Buddhismus in Ostasien ausbreitete. Beim Judentum gibt es das nicht. Obwohl hierzulande schon seit 1500 Jahren Juden leben, haben christliche Vorstellungen keinen Einfluss auf das Judentum gehabt. Umgekehrt hat das Christentum Weihnachten und andere ursprünglich heidnische Sitten inkorporiert ;)
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon aleph » Mi 31. Jul 2013, 10:38

Kavenzmann » Di 30. Jul 2013, 18:10 hat geschrieben: Ich habe die religionswissenschaftliche Begrifflichkeit verwendet, da wird der Hinduismus als "polytheistisch" angesehen.
Hat für mich (als Religionswissenschaftler) keine Wertung.
Aus mohammedanischer Sicht ist das Christentum ja auch "polytheistisch" ;)
Katholisch vier Götter, evangelisch drei... - ist aber ein Nebenaspekt.


Damit habe ich auch gute Erfahrungen gemacht. Einfach fragen. Oft geht der Einstieg über das Essen und Speiseregeln.

Da mache ich immer einen harten Schnitt, wenn mich nur die Religion interessiert. ;) Das geht, sogar mit Christen oder Mohammedanern.

Auf synkretistischer Basis? Wie das Christentum? (Okay, das war jetzt böse, aber Spaß muß sein...)


Zum Beispiel ist Buddha ein Avatar von Vishnu:

http://de.wikipedia.org/wiki/Vishnu#Die ... avatara.29
1.Matsya – Fisch, zieht in der großen Flut die Arche
2.Kurma – Schildkröte, trägt den Berg Mandara beim Quirlen des Milchozeans auf seinem Panzer
3.Varaha – Rieseneber, rettet die Erde in Gestalt der Göttin Bhudevi aus dem Urozean
4.Narasimha – Mann mit Löwenkopf, tötet den Dämon Hiranyaksha
5.Vamana – Zwerg, wächst zum Riesen heran und misst mit drei Schritten die Welt aus
6.Parashurama – „Rama mit der Axt“, Vishnu in Menschengestalt als Rächer eines Brahmanenmordes
7.Rama – der Held des Epos Ramayana, nicht mit der 6. Inkarnation identisch
8.Krishna – „der Schwarze“, Verkünder der Bhagavad Gita
9.Buddha – manchmal auch „Balarama“, der Bruder Krishnas
10.Kalki – zukünftige Inkarnation Vishnus als Reiter auf dem Pferd, der den Dharma wiederherstellt[6]


Die Nummer 10 erinnert an die Offenbarung der Bibel :eek:
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Kavenzmann » Sa 3. Aug 2013, 15:35

Dionysos » Mittwoch 31. Juli 2013, 10:34 hat geschrieben:Dass jede Religion ihre vielen Ströme hat, aus der sie entsteht, wird nicht angezweifelt.
Das Judentum, wie wir es kennen, gibt es ca. seit 500 v.Chr., ist nach der babylonischen Gefangenschaft entstanden.
Über den Zusatz "wie wir es kennen" sollten wir an anderer Stelle noch einmal reden ;)

Dionysos » Mittwoch 31. Juli 2013, 10:34 hat geschrieben:Synkretismus ist die Aufnahme von anderen Religionsvorstellungen, wenn sich eine Religion ausbreitet und Anhänger bei anderen Völkern findet. So wurde auch die Ahnenverehrung inkorporiert, als sich der Buddhismus in Ostasien ausbreitete. Beim Judentum gibt es das nicht. Obwohl hierzulande schon seit 1500 Jahren Juden leben, haben christliche Vorstellungen keinen Einfluss auf das Judentum gehabt. Umgekehrt hat das Christentum Weihnachten und andere ursprünglich heidnische Sitten inkorporiert ;)
Das Christentum ist eigentlich ein klassisches Beispiel einer synkretistischen Religion.
Deswegen war es ja so erfolgreich: ein Bauchladen, für jeden ist etwas dabei.
Die Römer haben das klug genutzt. Karl-Heinz Deschner hat deftig darüber geschrieben.

http://redir.ec/Christentum-Staatsreligion
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeittafel_ ... ristentums
http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranzedikt
http://de.wikipedia.org/wiki/Cunctos_populos
Zuletzt geändert von Kavenzmann am Sa 3. Aug 2013, 15:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon aleph » Sa 3. Aug 2013, 17:27

Kavenzmann » Sa 3. Aug 2013, 15:35 hat geschrieben: Über den Zusatz "wie wir es kennen" sollten wir an anderer Stelle noch einmal reden ;)

Das Christentum ist eigentlich ein klassisches Beispiel einer synkretistischen Religion.
Deswegen war es ja so erfolgreich: ein Bauchladen, für jeden ist etwas dabei.
Die Römer haben das klug genutzt. Karl-Heinz Deschner hat deftig darüber geschrieben.

http://redir.ec/Christentum-Staatsreligion
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeittafel_ ... ristentums
http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranzedikt
http://de.wikipedia.org/wiki/Cunctos_populos


das stimmt. keine Religion bezieht sich so stark auf eine andere Religion und teilt deren heiligen Schriften. :thumbup:
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Shlabotnik » Mo 5. Aug 2013, 23:45

Ich denke, dass es erst mal wichtig ist, verträglich miteinander auszukommen. Das kann ich auch dann, wenn mein Gegenüber eine andere Religion als ich hat. Man muss nicht erst die Religionen ausdiskutieren (funktioniert ohnehin nicht) oder gar angleichen (geht erst recht nicht), bevor man miteinander auskommen kann.

Umgekehrt gibt es aber auch Fälle, bei denen man mit Menschen derselben Religion nicht auskommt z.B. aus Antipathie. Manche Menschen sind einem sympathisch (können der eigenen oder einer fremden Religion angehören) und andere wiederum nicht (wie zuvor: können der eigenen...).

Ich denke: gibt es ein gemeinsames Interesse, kann das Zusammenwirken gut funktionieren. Hat natürlich jeder sein eigenes (verschiedenes) Ziel im Kopf, wird es eher nicht so gut gehen. Sympathie und gemeinsames Interesse sind nicht von der Religion abhängig.

J.S.
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Jekyll » Di 6. Aug 2013, 00:30

Dionysos » Mi 31. Jul 2013, 09:34 hat geschrieben:Mit Synkretismus ist was anderes gemeint. [...] Synkretismus ist die Aufnahme von anderen Religionsvorstellungen, wenn sich eine Religion ausbreitet und Anhänger bei anderen Völkern findet.
...was eben auch in der Entstehungszeit einer Religion stattgefunden haben kann! Darüber hinaus beschreibt Synkretismus einfach einen allgemeinen Prozess der Vermischung von religiösen (oder philosophischen) Inhalten, und nicht eine ganz bestimmte, spezielle Art der Vermischung, wie du sie beschreibst (etwa durch Expansion mit neuer Anhängerschaft).

Wikipedia:
Synkretismus ist die Vermischung religiöser Ideen oder Philosophien zu einem neuen System oder Weltbild. Voraussetzung ist, dass diese Ideen oder Philosophien sich zuvor als inhaltlich voneinander unterschieden abgegrenzt haben und dass sie als religiös-philosophische Teilaspekte auf einen Absolutheitsanspruch verzichten. Synkretismus nimmt vielmehr die Aspekte unterschiedlicher Religionen mehr oder weniger bewusst auf und formt sie zu etwas Neuem.
http://de.wikipedia.org/wiki/Synkretismus

Wissen.de
Verschmelzung verschiedener Religionen und Kulte, ursprünglich besonders orientalischer mit griechischen und römischen im Zeitalter des Hellenismus; in der Neuzeit auch die Vermischung christlicher Traditionen z. B. mit indigenen Glaubensvorstellungen.
http://www.wissen.de/lexikon/synkretismus-religion
Sie schufen eine Wüste und nannten es...Frieden.
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon gingerfox » Di 6. Aug 2013, 07:18

Shlabotnik » Mo 5. Aug 2013, 22:45 hat geschrieben:Ich denke, dass es erst mal wichtig ist, verträglich miteinander auszukommen. Das kann ich auch dann, wenn mein Gegenüber eine andere Religion als ich hat. Man muss nicht erst die Religionen ausdiskutieren (funktioniert ohnehin nicht) oder gar angleichen (geht erst recht nicht), bevor man miteinander auskommen kann.

Umgekehrt gibt es aber auch Fälle, bei denen man mit Menschen derselben Religion nicht auskommt z.B. aus Antipathie. Manche Menschen sind einem sympathisch (können der eigenen oder einer fremden Religion angehören) und andere wiederum nicht (wie zuvor: können der eigenen...).

Ich denke: gibt es ein gemeinsames Interesse, kann das Zusammenwirken gut funktionieren. Hat natürlich jeder sein eigenes (verschiedenes) Ziel im Kopf, wird es eher nicht so gut gehen. Sympathie und gemeinsames Interesse sind nicht von der Religion abhängig.

J.S.
Das trifft genau ins Schwarze, finde ich. Ich kann keinen Sinn darin erkennen, unterschiedliche Religionen auszudiskutieren. Das kommt mir vor wie die Diskussion zwischen Rauchern und Nichtrauchern oder Fleischessern und Veggies.
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Kavenzmann » Di 6. Aug 2013, 10:43

gingerfox » Dienstag 6. August 2013, 07:18 hat geschrieben:Das trifft genau ins Schwarze, finde ich. Ich kann keinen Sinn darin erkennen, unterschiedliche Religionen auszudiskutieren.
Das kommt mir vor wie die Diskussion zwischen Rauchern und Nichtrauchern oder Fleischessern und Veggies.

Es würde reichen, wenn die, die es wirklich interessiert sind, sich höflich und freundlich austauschen.
Sich das vom Andersgläubigen erklären lassen, was die Anderen wie oder warum machen/glauben. Ohne es zu werten.

Ein solcher Ansatz kommt in der Praxis leider eher selten vor.
Was vorherrscht ist die Mission und das Rechthabenwollen.
Mit Katholiken <=> Protestanten fängt es doch schon an.
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon firlefanz11 » Di 6. Aug 2013, 10:57

Und warum hat dann Siddhartha Gautama den Buddhismus erfunden?

*schweizerdialektaufsetz* Werrr hats errfunden?!

Aber mal ernsthaft: "erfunden" ist ja wohl in diesem Zusammenhang nicht so ganz die korrekte Wortwahl, oder?

Ich würde mal sagen theoretisch wäre dieser Dialog ne feine Sache. Aber da so ziemlich jede Weltreligion für sich den Anspruch erhebt die einzig Wahre zu sein, und andersgläubigen ihre Wahrheit aufzudrängen wird wenig bis nichts bei raus kommen...
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
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Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Katenberg » Di 6. Aug 2013, 11:54

Matthias Pochmann » Di 30. Jul 2013, 08:43 hat geschrieben:Der Hinduismus ist gelebter interreligiöser Dialog.
(Buddha und Jesus sind Inkarnationen Vishnus, wie Krshna auch)

Im Prinzip könnte man die Religionen auch allesamt in den Hinduismus integrieren.
Dann wären alle Probleme gelöst. :D


Nein, mit letzterem sind die Römer ja gescheitert. Du kannst monotheistische Religionen nicht in eine polytheistische Religion integrieren.
There was blood upon t risers
there were brains upon t chute
Intestines were a-dangling from his paratroopers suit
He was a mess, they picked him up
and poured him from his boots
And he ain't gonna jump no more
Kavenzmann

Re: "Interreligiöser Dialog" - Weg zum Frieden oder Modewort

Beitragvon Kavenzmann » Do 8. Aug 2013, 19:22

Katenberg » Dienstag 6. August 2013, 11:54 hat geschrieben:
Nein, mit letzterem sind die Römer ja gescheitert. Du kannst monotheistische Religionen nicht in eine polytheistische Religion integrieren.
Klingt logisch :cool:

Umgekehrt soll das auch zu Problemen führen, die sich dann irgendwann problematisch auswirken.
Gerade das Christentum (in Lateinamerika oder Afrika z.B.) kämpft dann mit Einflüssen von "volksfromm" übernommenen Kulten (Vodoo bis Animismus).
Wobei dann natürlich Ostern und Weihnachten als ursprünglich heidnische Kulte wirklich perfekt integriert wurden... ;)

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