Haben Atheisten einen festen Glauben ?

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SLclem
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Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon SLclem » Mi 20. Mär 2013, 09:43

Hallo, ich habe mich zuletzt mit einem erkenntnistheoretischen Einführungsbuch beschäftigt, und fand den obigen Betreff (als Aussage formuliert) faszinierend.

Dazu ein paar "komprimierte" Sätze:

    :thumbup: Wenn man etwas weiß, so glaubt man zwingend daran:
      Man kann nicht wahrhaft sagen "Ich weiß, dass 2 plus 2 vier ist, aber ich glaube es** nicht".
      (Somit ist die populäre Annahme "unwahr", dass Glauben und Wissen Gegenteile von einander wären oder sich zumindest ausschlössen.)

    :thumbup: Im obigen Beispiel ist "Glauben" mit "Überzeugt-sein" identisch.
      Im Beispiel "Ich glaube, es ist 3 Uhr, aber ich habe keine Uhr dabei" ist es ein "Vermuten-dass", also eine deutlich schwächere Aussage, die sich zudem auf einer "höheren" Ebene selbst relativiert.

    :thumbup: Ein "wahrhaftes" Glauben im religiösen Sinne setzt sicherlich ein "Überzeugt-sein" voraus.
      Das trifft nun auch auf "wahrhafte Atheisten" zu: "Ich weiß, dass es Gott nicht gibt", ist nach eigenen Kriterien "nicht wahr", weil nicht als "Wissen" beweisbar.
      Hier kann nur gelten: "Ich bin überzeugt (= ich glaube), dass es keinen Gott gibt".

Mithin muss ein wahrhafter Atheist (kein Troll, der sagt "Der Papst heißt Franziska" oder "Kirche ist gleich Inquisition" ) eine innere Überzeugung entwickelt haben und daran glauben.
Dies setzt wiederum –als alternativen Erklärungsgrund– einen festen Glauben an die Wissenschaft voraus – auch wenn man genau WEISS, dass in der Wissenschaft oft und viele Falschaussagen getroffen und diese z.T. über Jahrhunderte "geglaubt" wurden ... ;)

... wobei selbstverständlich ein "Glauben an Gott" nicht einen "Glauben an die Wissenschaft" ausschließt!


(Sehr interessant fand ich, dass ein Aristoteles-Zitat –"Wahrheit bedeutet: von dem, das ist, zu sagen, dass es ist, und von dem, das nicht ist, zu sagen, dass es nicht ist"– sowohl eine Ausgangsüberlegung, wie letztendlich auch wieder ein Endpunkt des Buches war.)

________
**Edit: Auf ein Miss-Vestehen dieses Satzes, habe ich ich von "glaube nicht daran" zu "glaube es nicht" geändert.
Zuletzt geändert von SLclem am Mi 20. Mär 2013, 13:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon NMA » Mi 20. Mär 2013, 09:57

Die Wissenschaft kann erklären, wie die Welt entstanden ist, aber nicht warum die Welt entstanden ist. Und ist, in deine Richtung gedacht, ein A-Theismus nicht ebenfalls ein Theismus (Ich zumindest denke immer wieder in diese Richtung)? Immerhin kann man als Atheist die Nichtexistenz Gottes nicht beweisen. Sie haben es zwar sehr einfach, Abermillionen Argumente aufzuzählen, die gegen eine Existenz Gottes sprechen, aber der letztendliche Beweis fehlt. Atheisten bleibt also auch nichts weiter übrig, als von der Nichtexistenz überzeugt zu sein, sind damit also letztlich auch nicht weiter als Gläubige.
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon Tantris » Mi 20. Mär 2013, 10:02

SLclem » Mi 20. Mär 2013, 10:43 hat geschrieben:Hallo, ich habe mich zuletzt mit einem erkenntnistheoretischen Einführungsbuch beschäftigt, und fand den obigen Betreff (als Aussage formuliert) faszinierend.

Dazu ein paar "komprimierte" Sätze:

    :thumbup: Wenn man etwas weiß, so glaubt man zwingend daran:
      Man kann nicht wahrhaft sagen "Ich weiß, dass 2 plus 2 vier ist, aber ich glaube nicht daran".
      (Somit ist die populäre Annahme "unwahr", dass Glauben und Wissen Gegenteile von einander wären oder sich zumindest ausschlössen.)

    :thumbup: Im obigen Beispiel ist "Glauben" mit "Überzeugt-sein" identisch.
      Im Beispiel "Ich glaube, es ist 3 Uhr, aber ich habe keine Uhr dabei" ist es ein "Vermuten-dass", also eine deutlich schwächere Aussage, die sich zudem auf einer "höheren" Ebene selbst relativiert.

    :thumbup: Ein "wahrhaftes" Glauben im religiösen Sinne setzt sicherlich ein "Überzeugt-sein" voraus.
      Das trifft nun auch auf "wahrhafte Atheisten" zu: "Ich weiß, dass es Gott nicht gibt", ist nach eigenen Kriterien "nicht wahr", weil nicht als "Wissen" beweisbar.
      Hier kann nur gelten: "Ich bin überzeugt (= ich glaube), dass es keinen Gott gibt".

Mithin muss ein wahrhafter Atheist (kein Troll, der sagt "Der Papst heißt Franziska" oder "Kirche ist gleich Inquisition" ) eine innere Überzeugung entwickelt haben und daran glauben.
Dies setzt wiederum –als alternativen Erklärungsgrund– einen festen Glauben an die Wissenschaft voraus – auch wenn man genau WEISS, dass in der Wissenschaft oft und viele Falschaussagen getroffen und diese z.T. über Jahrhunderte "geglaubt" wurden ... ;)

... wobei selbstverständlich ein "Glauben an Gott" nicht einen "Glauben an die Wissenschaft" ausschließt!


(Sehr interessant fand ich, dass ein Aristoteles-Zitat –"Wahrheit bedeutet: von dem, das ist, zu sagen, dass es ist, und von dem, das nicht ist, zu sagen, dass es nicht ist"– sowohl eine Ausgangsüberlegung, wie letztendlich auch wieder ein Endpunkt des Buches war.)



Ich wuerde es zwar erheblich kuerzer ausdrücken, aber, du hast recht. Ein atheist macht aussagen über das jenseits (nämlich, dass es es nicht gibt), die er nicht beweisen kann und ist für mich deshalb gläubig.

Wissenschaftler machen im allgemeinen keine aussagen über gott oder transzentendale dinge. Er befasst sich nur mit wiederholbaren und messbaren phänomen.
Es ist für den atheisten also keine abhängigkeit von der wissenschaft, sondern eher vom materialismus. Dem glauben, es gäbe nur materie.

Viele denkende atheisten sind auch damit einverstanden, als materialisten bezeichnet zu werden. Ohne religion ist das nichts ehrenrühriges.
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon SLclem » Mi 20. Mär 2013, 10:04

New Model Army » Mi 20. Mär 2013, 09:57 hat geschrieben:Die Wissenschaft kann erklären, wie die Welt entstanden ist, aber nicht warum die Welt entstanden ist. Und ist, in deine Richtung gedacht, ein A-Theismus nicht ebenfalls ein Theismus (Ich zumindest denke immer wieder in diese Richtung)? Immerhin kann man als Atheist die Nichtexistenz Gottes nicht beweisen. Sie haben es zwar sehr einfach, Abermillionen Argumente aufzuzählen, die gegen eine Existenz Gottes sprechen, aber der letztendliche Beweis fehlt. Atheisten bleibt also auch nichts weiter übrig, als von der Nichtexistenz überzeugt zu sein, sind damit also letztlich auch nicht weiter als Gläubige.
Genau das lese ich auch aus vielen Antworten im Forum.

Da –bis auf Trolle– viele Atheisten sehr "wahrhafte" und wohl-überlegende Menschen sind (zu sein scheinen ...), denke ich tatsächlich, dass es leichter sein kann, aus einem "ehrlichen" Atheisten einen gläubigen Christen (z.B.) zu "machen" –siehe Saulus!–, als aus einem desinteressierten Gelegenheits-Religiösen ...
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon Moses » Mi 20. Mär 2013, 10:07

SLclem » Mi 20. Mär 2013, 10:04 hat geschrieben:Genau das lese ich auch aus vielen Antworten im Forum.

Da –bis auf Trolle– viele Atheisten sehr "wahrhafte" und wohl-überlegende Menschen sind (zu sein scheinen ...), denke ich tatsächlich, dass es leichter sein kann, aus einem "ehrlichen" Atheisten einen gläubigen Christen (z.B.) zu "machen" –siehe Saulus!–, als aus einem desinteressierten Gelegenheits-Religiösen ...


Die letzte Aussage würde ich gern unterstreichen!
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon SLclem » Mi 20. Mär 2013, 10:10

Tantris » Mi 20. Mär 2013, 10:02 hat geschrieben:Ich wuerde es zwar erheblich kuerzer ausdrücken, aber, du hast recht. Ein atheist macht aussagen über das jenseits (nämlich, dass es es nicht gibt), die er nicht beweisen kann und ist für mich deshalb gläubig.

Wissenschaftler machen im allgemeinen keine aussagen über gott oder transzentendale dinge. Er befasst sich nur mit wiederholbaren und messbaren phänomen.
Es ist für den atheisten also keine abhängigkeit von der wissenschaft, sondern eher vom materialismus. Dem glauben, es gäbe nur materie.

Viele denkende atheisten sind auch damit einverstanden, als materialisten bezeichnet zu werden. Ohne religion ist das nichts ehrenrühriges.
Ich habe extra versucht als "Anfangs-Definition" eine nicht zu leicht weg-zu-wedelnde "Kette" von Aussagen zu machen.

Zu deinen letzten zwei Sätzen würde ich sagen, dass auch atheistische Philosophien –gibt es die?– über das Materielle hinaus gehen könnten ... aber dann schwer aufpassen müssen, nicht wenigstens eine Art "heiligen" Geistes zu beschreiben, oder ? ;)
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon pittbull » Mi 20. Mär 2013, 10:19

SLclem » Mi 20. Mär 2013, 10:43 hat geschrieben:
    :thumbup: Wenn man etwas weiß, so glaubt man zwingend daran:
      Man kann nicht wahrhaft sagen "Ich weiß, dass 2 plus 2 vier ist, aber ich glaube nicht daran".
      (Somit ist die populäre Annahme "unwahr", dass Glauben und Wissen Gegenteile von einander wären oder sich zumindest ausschlössen.)


Das ist schon mal Schmarrn. Um zu wissen dass 2+2=4, kannst du entweder zwei Dinge und noch zwei Dinge zusammentun und das Sammelsurium dann abzählen, oder du schaust dir die axiomatische oder mengentheoretische Definitionen der Natürlichen Zahlen und des Additionsoperators an. Tust du nichts davon, dann bleiben dir nur Glaube und Zweifel.

Letztlich befindet sich Wissen auf einer höheren Stufe als Glauben. Oder anders ausgedrückt: wer weiß, muss nicht mehr glauben. Wissen ist Erkenntnis respektive Wahrheit. Glaube ist Vermutung oder Hoffnung. Beides sind einfach verschiedene Dinge.
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon Tantris » Mi 20. Mär 2013, 10:26

pittbull » Mi 20. Mär 2013, 11:19 hat geschrieben:
Das ist schon mal Schmarrn. Um zu wissen dass 2+2=4, kannst du entweder zwei Dinge und noch zwei Dinge zusammentun und das Sammelsurium dann abzählen, oder du schaust dir die axiomatische oder mengentheoretische Definitionen der Natürlichen Zahlen und des Additionsoperators an. Tust du nichts davon, dann bleiben dir nur Glaube und Zweifel.

Letztlich befindet sich Wissen auf einer höheren Stufe als Glauben. Oder anders ausgedrückt: wer weiß, muss nicht mehr glauben. Wissen ist Erkenntnis respektive Wahrheit. Glaube ist Vermutung oder Hoffnung. Beides sind einfach verschiedene Dinge.


Gehen wir es von der anderen seite an:
Wissen besteht aus aussagen und diese können falsifiziert werden, was in der wissenschaft ständig passiert. Nur so kommt man weiter.

Glauben kann man nicht widerlegen.

Der unterschied ist also nicht, dass wissen eindeutig ist. Es kann sich mit der zeit ändern. Ältere menschen haben noch in der schule gelernt, dass ein atom unteilbar ist. Das war die definition. A-tom.

Von heute aus gesehen, war das falsch. Atome wurden schon erfolgreich geteilt.

Hat sich seitdem die realität geändert oder hat die wissenschaft doch nicht immer recht?
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon pittbull » Mi 20. Mär 2013, 10:38

Tantris » Mi 20. Mär 2013, 11:26 hat geschrieben:
Gehen wir es von der anderen seite an:
Wissen besteht aus aussagen und diese können falsifiziert werden, was in der wissenschaft ständig passiert. Nur so kommt man weiter.

Glauben kann man nicht widerlegen.

Der unterschied ist also nicht, dass wissen eindeutig ist. Es kann sich mit der zeit ändern. Ältere menschen haben noch in der schule gelernt, dass ein atom unteilbar ist. Das war die definition. A-tom.

Von heute aus gesehen, war das falsch. Atome wurden schon erfolgreich geteilt.

Hat sich seitdem die realität geändert oder hat die wissenschaft doch nicht immer recht?


Yepp, Unteilbarkeit von Atomen war eine Falschinformation. Es gibt Dinge die als Wahrheiten verkauft werden, die aber eben unwahr sind. Nichtsdestotrotz gibt es absolute Wahrheiten, wie etwa: "die Summe der Innenwinkel jedes Dreiecks in der euklidischen Ebene ist 180 °". Und das kann man wissen (wenn man einen Beweis nachvollzieht), oder glauben bzw. bezweifeln, wenn man sich nicht darum kümmert, wie dieser Satz zustandekommt.
Zuletzt geändert von pittbull am Mi 20. Mär 2013, 10:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon Amun Ra » Mi 20. Mär 2013, 10:40

New Model Army » Mi 20. Mär 2013, 09:57 hat geschrieben:Die Wissenschaft kann erklären, wie die Welt entstanden ist, aber nicht warum die Welt entstanden ist. Und ist, in deine Richtung gedacht, ein A-Theismus nicht ebenfalls ein Theismus (Ich zumindest denke immer wieder in diese Richtung)? Immerhin kann man als Atheist die Nichtexistenz Gottes nicht beweisen. Sie haben es zwar sehr einfach, Abermillionen Argumente aufzuzählen, die gegen eine Existenz Gottes sprechen, aber der letztendliche Beweis fehlt. Atheisten bleibt also auch nichts weiter übrig, als von der Nichtexistenz überzeugt zu sein, sind damit also letztlich auch nicht weiter als Gläubige.

Als Atheist muss man ja auch die Nichtexistenz gar nicht beweisen da die beweispflicht bei demjenigen liegt der eine Behauptung postuliert. Ergo fällt die Beweispflicht für ihn ja schoneinmal weg. Der Atheist hingegen kann - muss aber nicht - Argumente anführen die die Existenz einer transzendenten Entität als unwahrscheinlich definieren. Theisten hingegen postulieren eine These - die Existenz einer oder mehrerer transzendenten Entitäten - an deren Existenz sie mangels Beweises glauben müssen. Bis dahin befinden wir uns auch noch in einem relativ wissenschaftlichen Rahmen (Bsp. Higgs-Boson, bis zum Nachweis nur der wissenschaftliche "Glaube" an dessen Existenz anhand vorliegender mathematischer Indizien). Als Atheist muss man also garnicht von der Nichtexistenz überzeugt sein, dem Atheisten kann es auch ganz einfach genügen das der Beweis der Existenz nicht erbracht ist um die Möglichkeit einer Existenz aufgrund der vorliegenden Wahrscheinlichkeiten und Indizien abzulehnen (wo wir beim Unterschied zum Agnostiker wären. Der lehnt die Wahrscheinlichkeiten für sich ab und beruft sich lediglich auf den mangelnden Beleg, schliesst darum aber die Existenz einer transzendenten Entität nicht per se aus, kann sogar dennoch an die Existenz einer transzendenten Entität glauben). Und damit nicht genug: Der Atheist muss ja auch garnicht auf diesem Standpunkt beharren. Der Atheist kann nämlich bei vorliegen eines entsprechenden Beweises auch sagen "Gut, Irrtum meinerseits." Der Theist hingegen hat es diesbezüglich deutlich schwerer, denn bei den meisten Theisten dreht sich die Sache mit dem Glauben ja nicht nur um die Existenz einer transzendenten Entität sondern auch noch um ganz andere, mehr oder weniger weltliche Angelegenheiten. Etwa aus dem Glauben abgeleitete Sitten und Gebräuche die ihren Ursprung und in weiterem Sinne auch ihre Legitimität aus der Existenz besagter göttlicher Entität beziehen.

Im Großen und Ganzen ist die Grenze - meines dafürhaltens - zwischen einem Atheisten und einem Agnostiker generell ziemlich schwammig. Und ich bin auch mit der Definition des Atheisten ("Es gibt keinen Gott!") nicht so wirklich einverstanden. Ich würde einen Atheisten darum eher definieren als jemand der die Existenz eines Gottes für höchst unwahrscheinlich hält und eben darum für sich ablehnt.
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon pittbull » Mi 20. Mär 2013, 10:41

Tantris » Mi 20. Mär 2013, 11:26 hat geschrieben:Glauben kann man nicht widerlegen.

Doch, eben durch Wissen. Einfaches Beispiel: ich kann glauben, das bis heute 11:00 jemand vorbeikommt und mir etwas schenkt. Nach 11:00 weiß ich, ob diese Annahme richtig oder falsch war.
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon SLclem » Mi 20. Mär 2013, 10:44

pittbull » Mi 20. Mär 2013, 10:19 hat geschrieben:Das ist schon mal Schmarrn. Um zu wissen dass 2+2=4, kannst du entweder zwei Dinge und noch zwei Dinge zusammentun und das Sammelsurium dann abzählen, oder du schaust dir die axiomatische oder mengentheoretische Definitionen der Natürlichen Zahlen und des Additionsoperators an. Tust du nichts davon, dann bleiben dir nur Glaube und Zweifel.

Letztlich befindet sich Wissen auf einer höheren Stufe als Glauben. Oder anders ausgedrückt: wer weiß, muss nicht mehr glauben. Wissen ist Erkenntnis respektive Wahrheit. Glaube ist Vermutung oder Hoffnung. Beides sind einfach verschiedene Dinge.

(Guck Dir die Habermas'sche Bewertung des "Zählens" an, dann weißt Du's besser ...)

Dein zweiter Absatz ist Schmarrn.
Wissen ist mitnichten Wahrheit! Die ersten Entdecker Amerikas wussten, dass sie in Indien gelandet waren – DAS hältst Du für "Wahrheit" ?

Ein reales Beispiel:
In meines Sohnes Turnmannschaft wurde ein Junge Dritter bei einem Wettbewerb – mit Urkunde, Siegerfoto etc.. War es "Wissen", dass er Dritter wurde?
Einen Tag später kam ein Anruf, beim Auszählen wäre ein Zettel vertauscht worden – er war plötzlich Erster!

Welches der beiden "Wissen" ist das richtige: Was . G L A U B S T . Du?
... und: was, wenn es ein "drittes Wissen" gibt ?!?
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon Moses » Mi 20. Mär 2013, 10:47

schmarrn ist ein sehr schönes Wort
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon SLclem » Mi 20. Mär 2013, 10:47

pittbull » Mi 20. Mär 2013, 10:41 hat geschrieben:Doch, eben durch Wissen. Einfaches Beispiel: ich kann glauben, das bis heute 11:00 jemand vorbeikommt und mir etwas schenkt. Nach 11:00 weiß ich, ob diese Annahme richtig oder falsch war.

Da hast Du aber GANZ schnell die Ausgangs-Sätze verdrängt (bitte nicht "trollen", okay? DANKE! )

Es gibt "Vermutungs-Glaube" und "Überzeugungs-Glaube" ... den letzteren wendest DU bei jeder "Wissens-Erfahrung" an :thumbup:
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon Moses » Mi 20. Mär 2013, 10:50

Ich weiß ja nicht, ob ich etwas glaube, aber ich glaube, dass ich nichts weiß.
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon Amun Ra » Mi 20. Mär 2013, 10:53

SLclem » Mi 20. Mär 2013, 10:47 hat geschrieben:Da hast Du aber GANZ schnell die Ausgangs-Sätze verdrängt (bitte nicht "trollen", okay? DANKE! )

Es gibt "Vermutungs-Glaube" und "Überzeugungs-Glaube" ... den letzteren wendest DU bei jeder "Wissens-Erfahrung" an :thumbup:

Was man in der Wissenschaft als "Glaube" bezeichnet wird eben dort auch als These bezeichnet. Eben als Annahme ohne vorhandenen Beleg. Der wissenschaftliche Glaube unterscheidet sich hernach ganz deutlich vom theologischen Glauben, der eher als Annahme ohne notwendigen Beleg verstanden werden sollte.
'I find that offensive.' has no meaning; it has no purpose; it has no reason to be respected as a phrase. 'I am offended by that.' Well, so fucking what? - Stephen Fry
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon pittbull » Mi 20. Mär 2013, 10:54

SLclem » Mi 20. Mär 2013, 11:44 hat geschrieben:Dein zweiter Absatz ist Schmarrn.
Wissen ist mitnichten Wahrheit! Die ersten Entdecker Amerikas wussten, dass sie in Indien gelandet waren – DAS hältst Du für "Wahrheit" ?

Nun, es gibt auch Irrtümer die für Wissen gehalten werden, was sich meistens später herausstellt. Und vieles ist nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wahr, d.h. es bleiben Restzweifel. Man muss nunmal unterscheiden zwischen sicherem Wissen und Aussagen die sich auch als falsch erweisen können. Besonders haarig sind Aussagen, die sich auf komplette Kategorien beziehen: alle x sind so_und_so. Bereits ein Gegenbeispiel und die Aussage ist falsch. :p
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon SLclem » Mi 20. Mär 2013, 10:56

Moses » Mi 20. Mär 2013, 10:50 hat geschrieben:Ich weiß ja nicht, ob ich etwas glaube, aber ich glaube, dass ich nichts weiß.
DAS genau ist es, was mir zu diesem alten Zitat dämmerte:

      Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Bisher dachte ich mir den Spruch als in Relation-Setzen des eigene zum potentiell "unendlichen" Wissens ...
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon garfield335 » Mi 20. Mär 2013, 10:58

SLclem » Mi 20. Mär 2013, 10:44 hat geschrieben:(Guck Dir die Habermas'sche Bewertung des "Zählens" an, dann weißt Du's besser ...)

Dein zweiter Absatz ist Schmarrn.
Wissen ist mitnichten Wahrheit! Die ersten Entdecker Amerikas wussten, dass sie in Indien gelandet waren – DAS hältst Du für "Wahrheit" ?

Ein reales Beispiel:
In meines Sohnes Turnmannschaft wurde ein Junge Dritter bei einem Wettbewerb – mit Urkunde, Siegerfoto etc.. War es "Wissen", dass er Dritter wurde?
Einen Tag später kam ein Anruf, beim Auszählen wäre ein Zettel vertauscht worden – er war plötzlich Erster!

Welches der beiden "Wissen" ist das richtige: Was . G L A U B S T . Du?
... und: was, wenn es ein "drittes Wissen" gibt ?!?


Mit dem Wissen ist das so ein Sache. Wenn man sagt ich weis, dann mus man zwingen angeben in welcher Umgebung man weis, Ohne diese Angabe ist die Aussage an sich "Ich weiss" falsch... denn man kann nie alles mögliche Wissen.

Die Umgebung in der man weiss, ist immer eine vereinfachte Welt, die nicht der Realität entspricht.

Um zu deinem Beispiel zurückzukommen: Ich weiss das der Junge dritter im Wettbewerb wurde unter der Annahme dass der Wettbewerb beendet ist und das Klassement nicht verändert mehr werden kann. Zusätzlich mus ich annehmen, dass meine Sinnesorgane das Geschehene korrekt wahrgenommen haben, ich den Zettel wo ERSTER draufstand, korrekt gelesen habe ... usw...
In der Wissenschaft wird immer angegeben unter welchen Bedingungen das Beschriebene gilt.
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Re: Haben Atheisten einen festen Glauben ?

Beitragvon SLclem » Mi 20. Mär 2013, 10:59

pittbull » Mi 20. Mär 2013, 10:54 hat geschrieben:Nun, es gibt auch Irrtümer die für Wissen gehalten werden, was sich meistens später herausstellt. Und vieles ist nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wahr, d.h. es bleiben Restzweifel. Man muss nunmal unterscheiden zwischen sicherem Wissen und Aussagen die sich auch als falsch erweisen können. Besonders haarig sind Aussagen, die sich auf komplette Kategorien beziehen: alle x sind so_und_so. Bereits ein Gegenbeispiel und die Aussage ist falsch. :p

Womit Du letztlich sagen musst: ich vertraue dem derzeitigen Stand der Erkenntnis – auch OHNE "endgültigen" Beweis.

... und was sagt der Glaube –im Hinblick auf religiöse Erkenntnis– anderes ?…
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