Grundsatzdiskussion Islam

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Sören74
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Sören74 » Fr 27. Nov 2020, 23:51

ThorsHamar hat geschrieben:(27 Nov 2020, 17:16)

Was heisst denn "entsteht aus dem Islam?
Islamismus IST Islam! Da gibt es doch überhaupt keine Möglichkeit der Relativierung.
Und eine Differenzierung der verschiedenen Islame ist ganz alleine eine Angelegenheit von Muslimen.


Demzufolge wäre auch "Christianismus IST Christentum".
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon PeterK » Sa 28. Nov 2020, 00:10

Papaloooo hat geschrieben:(27 Nov 2020, 19:57)
Wenn sie aber Instrumentalisiert wird, also wenn ein -ismus hinten dran hängt, dann wird sie gefährlich.

"Judaismus" und "Buddhismus" sind also gefährlich?
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ThorsHamar
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon ThorsHamar » Sa 28. Nov 2020, 01:27

Sören74 hat geschrieben:(27 Nov 2020, 23:51)

Demzufolge wäre auch "Christianismus IST Christentum".


Wie "demzufolge wäre"?
Was willst Du fragen? Ob ich finde, dass nach meiner Bewertung der Relation Islamismus -Islam eine adäquate Bewertung auch auf Christen zuträfe?
Natürlich!
Das trifft auf alle Religioten und ihre Betvereine zu.
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Papaloooo » Sa 28. Nov 2020, 07:47

Stoner hat geschrieben:(27 Nov 2020, 22:45)

In Frankreich gibt es keinen schulischen Religionsunterricht und - mit Ausnahme des Elsaß, weil das 1905 nicht französisch war - auch keine theologischen Fakultäten an den Unis.

Eine Trennung von Kirche und Staat wie in Frankreich schließt den Religionsunterricht an den Schulen also aus. Das halte ich für vernünftig.

Ich persönlich hätte nichts gegen Philosophieunterricht - das würde Logik, Argumentationstheorie ebenso umfassen wie Ethik und praktische Philosophie. Religionen bleiben mit ihren Modellen nicht unerwähnt, mehr aber nicht.

Jede Konfession kann ihre Schulen gründen, und da können die islamischen dann auch Kinder und Erwachsene in der Burka rumrennen lassen. Das bleibt, sofern sie die schulischen Bedingungen erfüllen, ganz ihnen überlassen, es ist Teil der viel beschworenen und als hoher Wert gehandelten Vielfalt. Auch da gilt meine aktuelle Signatur.

Ja ich finde auch die völlige Trennung von Kirche und Staat richtig und vernünftig.
Allerdings sehe ich darin, dass dann durch den fehlenden Religionsunterricht religiöse Eltern,
seien es christliche oder auch muslimische ihre eigenen Privatschulen gründen,
eine zunehmende Entfremdung und Polarisierung in den religiösen Gruppen.
Fehlende häufige Berührungspunkte fordern Vorurteile und Feindbilder.

Zum Zweiten hat man weniger Einblick darin und Einfluss darauf,
was in den Privatschulen genau neben dem Regelunterricht noch gelehrt wird.

P.s.: die Darstellung der Signaturen hab ich bei den Einstellungen ausgeschaltet.
Ich müsste sie nun extra wieder einschalten, tue das nun aber nicht.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Papaloooo » Sa 28. Nov 2020, 08:27

PeterK hat geschrieben:(28 Nov 2020, 00:10)

"Judaismus" und "Buddhismus" sind also gefährlich?

Nein sorry, da rudere ich (teilweise) zurück bzgl. -"ismus".
Für die Rohingyas ist allerdings der Buddhismus durchaus gefährlich.
Für die Palästinenser ist es der Judaismus.
In Irland trafen Katholizismus und Protestantismus mordend aufeinander.
(Ohne da klar Stellung für eine Seite beziehen zu wollen.)

Unsere Gene entstanden vor allen Dingen in den Jahrhunderttausenden,
als steinzeitliche Sippen sich bekriegten um Stammesgebiete,
weil es damit um Sein oder Nichtsein der Sippe ging.

Dieses genetisch bedingte Wir-Gefühl und das genetisch bedingte Die-Feinde-Gefühl,
steckt tief in uns drin. Ob wir das uns eingestehen, oder nicht.

Für das Überleben war aber auch die Vermeidung von Inzucht erforderlich.
Also musste man gelegentlich von den Feinden die Frauen rauben.

Je mehr Menschen in Instinkten leben,
und dies tun sie dann, wenn das Bildungsniveau recht niedrig ist,
desto mehr kommen diese Eigenschaften zutage:

Man sieht andere Gruppen als die Feinde, ja Untermenschen (hier regionsspezifisch),
aber von Frauenraub oder Vergewaltigungen bei den Feinden sieht man doch nicht ab.

Von daher ist Bildung zur Weltoffenheit anzustreben.
Von daher ist ein großes Miteinander anzustreben.
Und da würden sich gerade bei religiösen Menschen doch von früh an
die Vermittlung den Glaubensinhalten der anderen Religionen anbieten,
um Vorurteile abzubauen.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon PeterK » Sa 28. Nov 2020, 10:19

Papaloooo hat geschrieben:(28 Nov 2020, 08:27)
Nein sorry, da rudere ich (teilweise) zurück bzgl. -"ismus".
Für die Rohingyas ist allerdings der Buddhismus durchaus gefährlich.
Für die Palästinenser ist es der Judaismus.

Ich denke, für "die Palästinenser" ist eher der Islamismus gefährlich.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Stoner » Sa 28. Nov 2020, 11:27

Papaloooo hat geschrieben:(28 Nov 2020, 07:47)

Ja ich finde auch die völlige Trennung von Kirche und Staat richtig und vernünftig.
Allerdings sehe ich darin, dass dann durch den fehlenden Religionsunterricht religiöse Eltern,
seien es christliche oder auch muslimische ihre eigenen Privatschulen gründen,
eine zunehmende Entfremdung und Polarisierung in den religiösen Gruppen.
Fehlende häufige Berührungspunkte fordern Vorurteile und Feindbilder.



Abgesehen davon, dass man eine Schule nicht so schnell und einfach gründet - was man auch durch Finanzierungsverbote aus dem Ausland sicherstellen könnte -, muss eine Gesellschaft in der Lage sein, Negativität auch auszuhalten, mit ihr umzugehen. Wer sich Vielfalt wünscht, aber nur zu seinen eigenen domestizierenden Vorstellungen, will in Wirklichkeit keine Vielfalt. Wenn die Angst, dass Muslime ihr eigenes Ding machen, dann die Laizismus-Idee wieder unterlaufen, dann ist man dort, was ich in einem anderen Strang die säkundäre Islamisierung genannt habe: Alles starrt auf den Islam und alles richtet sich an den aus ihm entstehenden Probleme oder Befürchtungen aus. Wozu? Warum sollen wir unsere Vorstellungen von Freiheit und Autonomie des Individuums und Trennung von Staat und Kirche an fundamentalistischen Religiösen orientieren?
Das Recht auf Dummheit gehört zur Garantie der freien Entfaltung der Persönlichkeit. (Mark Twain)
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Papaloooo » Sa 28. Nov 2020, 11:52

PeterK hat geschrieben:(28 Nov 2020, 10:19)

Ich denke, für "die Palästinenser" ist eher der Islamismus gefährlich.

u.a.
Religiöse Anschauungen selbst sind harmlos,
es sei denn, die Menschen, die sie haben, haben weltliche Macht,
oder streben diese außerhalb von demokratischen Prozessen an.
Das ist Kapitalismus:
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Papaloooo » Sa 28. Nov 2020, 11:59

Stoner hat geschrieben:(28 Nov 2020, 11:27)

Abgesehen davon, dass man eine Schule nicht so schnell und einfach gründet - was man auch durch Finanzierungsverbote aus dem Ausland sicherstellen könnte -, muss eine Gesellschaft in der Lage sein, Negativität auch auszuhalten, mit ihr umzugehen. Wer sich Vielfalt wünscht, aber nur zu seinen eigenen domestizierenden Vorstellungen, will in Wirklichkeit keine Vielfalt. Wenn die Angst, dass Muslime ihr eigenes Ding machen, dann die Laizismus-Idee wieder unterlaufen, dann ist man dort, was ich in einem anderen Strang die säkundäre Islamisierung genannt habe: Alles starrt auf den Islam und alles richtet sich an den aus ihm entstehenden Probleme oder Befürchtungen aus. Wozu? Warum sollen wir unsere Vorstellungen von Freiheit und Autonomie des Individuums und Trennung von Staat und Kirche an fundamentalistischen Religiösen orientieren?

Das kann man so unterschreiben.
Wobei dennoch die Förderung eines Miteinanders, insbesondere bei der Nachwuchsgeneration von streng-religiösen Familien, ob christlich, ob muslimisch für die Prävention einer Ghettoisierung wünschenswert wäre.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Sungawakan » Sa 28. Nov 2020, 19:31

Papaloooo hat geschrieben:(28 Nov 2020, 11:52)

u.a.
Religiöse Anschauungen selbst sind harmlos,
es sei denn, die Menschen, die sie haben, haben weltliche Macht,
oder streben diese außerhalb von demokratischen Prozessen an.


Dann sind alle Anschauungen harmlos, solange die Menschen, die daran glauben, nicht an die Macht kommen? Also müsste man rechte Parteien erst dann verbieten, wenn sie in demokratischen Wahlen die Mehrheit erhalten?
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Adam Smith » Sa 28. Nov 2020, 19:38

Sungawakan hat geschrieben:(28 Nov 2020, 19:31)

Dann sind alle Anschauungen harmlos, solange die Menschen, die daran glauben, nicht an die Macht kommen? Also müsste man rechte Parteien erst dann verbieten, wenn sie in demokratischen Wahlen die Mehrheit erhalten?


Solange sie nicht in der Lage sind Schaden anzurichten.
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Die ständige Wahl der Bürger bestimmt das Angebot.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Papaloooo » Sa 28. Nov 2020, 19:47

Sungawakan hat geschrieben:(28 Nov 2020, 19:31)

Dann sind alle Anschauungen harmlos, solange die Menschen, die daran glauben, nicht an die Macht kommen? Also müsste man rechte Parteien erst dann verbieten, wenn sie in demokratischen Wahlen die Mehrheit erhalten?

Du hast meinen zweiten Satzteil unterschlagen...
"oder streben diese [die Macht] außerhalb von demokratischen Prozessen an."
Siehe z.B. die NSU:
Diese wollten mit Terror aus dem Untergrund Macht ausüben
und so das Land nach ihren Vorstellungen umgestalten.

Übrigens ist es grundsätzlich problematisch, rechte Parteien zu verbieten.
Man kann die NPD verbieten, wie man es gemacht hat.
Ein Teil taucht dann in den Untergrund ab,
ein anderer Teil schließt sich anderen Parteien an.
Der Teil, der aber in den Untergrund abtaucht,
braucht sich um keine politischen Debatten mehr zu kümmern,
kann also die Diskriminierung ungehemmt vorantreiben,
und hat gerade wegen dieser "Opferrolle" noch zusätzlich Auftrieb durch Zulauf.

Aus diesem Grunde sehe ich Verbote für den falschen Weg.
Das Gleiche gilt natürlich auch für alle anderen Randgruppen,
im Graubereich der Legalität.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Chajm » So 29. Nov 2020, 19:46

Papaloooo hat geschrieben:(28 Nov 2020, 08:27)

Nein sorry, da rudere ich (teilweise) zurück bzgl. -"ismus".
Für die Rohingyas ist allerdings der Buddhismus durchaus gefährlich.
Für die Palästinenser ist es der Judaismus.
( ...)

Definieren/erklaeren Sie den Begriff "Judaismus" und leiten sie aus dieser Definition ab, inwiefern jener dann fuer Palaestinenser gefaehrlich sein kann.
"Where no counsel is, the people fall, but in the multitude of counselors there is safety."
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Papaloooo » So 29. Nov 2020, 20:02

Chajm hat geschrieben:(29 Nov 2020, 19:46)

Definieren/erklaeren Sie den Begriff "Judaismus" und leiten sie aus dieser Definition ab, inwiefern jener dann fuer Palaestinenser gefaehrlich sein kann.

Ich bitte um Entschuldigung, wenn das so rüberkäme,
als hätte ich etwas gegen Juden, keineswegs.
Hab eine ganze Liedersammlung von meinen Reisen mit Hebräischen Liedern und Niguns mitgebracht,
die ich gelegentlich mit der Gitarre begleitet singe.

Nein!

Aber es wäre schön, wenn sich Juden und Palästinenser nicht mehr als Feinde gegenüberstünden.
Eine Zwei-Saaten-Lösung wäre gut,
noch besser wäre natürlich, wenn man diese gar nicht bräuchte,
und dennoch nicht mehr voreinander Angst haben müsste.

Ich denke, dass hier mal wieder - wie so oft - religiöse Vereisungen
der Auslöser sind für ein auf beiden Seiten verankertes Elitäres denken,
dass jeweils den anderen als niederwertiger ansieht.
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