Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

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Uffhausen
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Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Uffhausen » Mo 11. Jan 2021, 21:48

Twitter und Facebook haben Trump gesperrt - wie soviele andere Nutzer zuvor und in Zukunft auch = und jetzt? :?:

Was soll bitte die Diskussion über Verletzung der freien Meinungsäußerung durch soziale Medien - sogar unsere Bundeskanzlerin sieht's "problematisch".

Um Trump oder Merkel soll es hier aber bitte nicht gehen - sondern um den Umstand, dass scheinbar soziale Medien nutzende Menschen eine Verletzung ihres Grundrechts auf freie Meinungsäußerung erkennen, sollten sie bspw. aufgrund Verstoßes gegen Nutzungsbedingungen via Sperrung an der weiteren Nutzung sozialer Medien gehindert werden.

Ich persönlich nutze keines dieser sozialen Medien - Twitter, Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok, Whatsapp usw. = habe ich noch nie und werde ich ganz bestimmt auch nie. Ich habe auch bis heute nicht begriffen, was daran so "nachahmenswert" sein soll. Was ich seit Jahren nur sehe ist, dass sich mein gesellschaftliches Umfeld ganz und gar in die Abhängigkeit eben dieser sozialen Medien begeben hat.

Vor Jahren sagte mal eine Arbeitskollegin zu mir, als ich verblüfft erfuhr, dass eine andere Arbeitskollegin gekündigt hatte: "Mein Gott, du kriegst ja echt gar nix mehr mit!" - Ich: "Öh - ja, weil immer weniger mit mir gesprochen wird, vielleicht!?" - Sie: "Dann schaff' dir halt endlich Whatsapp an!" = da musste ich mir aber gewaltig auf die Zunge beißen... :dead:

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Wenn dem tatsächlich so wäre, dass Sperrungen seitens Twitter & Co das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung verletzen, dann verletzen Twitter & Co seit Jahren mein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung! Die lassen mich nämlich unverschämterweise nicht mitmachen... bitte, wie - bei Twitter & Co muss man sich registrieren, um vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung überhaupt erst Gebrauch machen zu können? Waaas? Ich muss bei Twitter & Co quasi bitten, ob sie mir die Gnade erweisen, mein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung bei ihnen auszuüben? Ach, du himmelblauer See! Sind die sozialen Medien denn neuerdings die Herrscher über unsere freien Grundrechte? Ich bekomme scheinbar echt nix mehr mit! :eek:

Ich sehe es so: Überall dort, wo du dich (im Internet) erst anmelden, registrieren und/oder freigeschaltet werden musst - und sei es auch kostenfrei! - kann von "Freiheit" und "Grundrecht" eigentlich keine große Rede mehr sein = sondern nur noch von "(verpflichtenden!) Nutzungsbedingungen". Wie wir solchen bspw. hier im Forum auch unterliegen.

Das ist aber gar nicht schlimm. Es hat ja immernoch jedermensch das freie Eintscheidungsmöglichkeit, nonexistent erscheinende Grundrechtsauslegung nicht anzuerkennen, sich deshalb nicht bei Twitter & Co zu registrieren und stattdessen wieder mit seinen Mitmenschen direkt zu kommunizieren. Früher, als es noch keine sozialen Medien gab, ging das doch auch. Und keiner hat geheult, dass deswegen das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung nicht auszuüben wäre! ;)


Wie sehr ihr das - die Gesellschaft übt ihr Grundrecht auf freie Meinungsäußerung immer mehr in sozialen Medien aus = soll deswegen bei Twitter & Co allumfassende Narrenfreiheit, oder einschränkende Nutzungsbedingungen herrschen? Ist eine Sperrung durch ein soziales Medium gleichbedeutend einer Verletzung des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung - oder nicht tatsächlich die Konsequenz aus der Verletzung von Nutzungsbedingungen eines sozialen Mediums? Kann/soll man virtuelle und reale Meinungsäußerung grundrechtlich gleichsetzen?
"Man kann auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen." Erich Kästner
Eulenwoelfchen

Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Eulenwoelfchen » Mo 11. Jan 2021, 22:49

Natürlich sind diese Geschichten um die Sperre der Trump Tweets bzw. die jetzigen Accountsperrungen nichts anderes als früher die Entscheidung einer Tageszeitung, einen Leserbrief überhaupt nicht, oder auch nach Gusto gekürzt, zu drucken und zu veröffentlichen. Oder jemandem eine Franz-Josef Wagner Kolumne zu bieten, wie das Twitter Trump lange ermöglichte. Was ja auch geschäftlich intelligent von Twitter war.

Facebook, Twitter & Co. sind rein privatwirtschaftliche Unternehmen, die - im Vergleich zu diesem Forum hier - einzig einen Daseinszweck verfolgen: möglichst viel Geld zu scheffeln, indem sie die Nutzer und deren freiwillig hergegebenen Daten ausschlachten wie eine nach einer Treibjagd erlegte Wildsau. Die sich auch noch selbst erschoß.

Ansonsten gilt eben das Haus- oder Besitzrecht eines Unternehmens, das frei bestimmen kann, wen es in seinen "heiligen" Hallen dulden will oder eben nicht.

Dass Twitter zwar nun Trump aussperrt und den Terrormullahs weiterhin eine Plattform für die weltweite Verbreitung ihrer kranken Meinungen bietet, kann man kritisieren. Undedingt sogar. Aber bitte auch richtig addressiert: an Twitter selbst.

Sinnfreie Meinungsfreiheitsdiskussionen, die anführen, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit werde eingeschränkt, würde ja vollkommene Hirnrissigkeit bedeuten, die solche privatwirtschaftlichen Unternehmen zu einer staatlichen Autorität erhebt, die für vefassungsmäßig garantierte Grundrechte und deren Gewährung zuständig sei.

Was natürlich völliger Unsinn ist.

All diese Plattformen sind einzig einem Daseinszweck verpflichtet und dem logischen Selbstverständnis, innerhalb des Rahmens der jeweils gültigen Gesetze möglichst viel Geld zu verdienen. Moralische Erwägungen oder solche eines
politischen Anstandes gehören jedenfalls nicht dazu. Es sei denn, der Druck der Straße oder gar gesetzliche Vorgaben zwingen sie dazu. Wogegen man sich juristisch so lange wie möglich wehrt. Wie das jedem privatwirtschaftlichen Unternehmen zumindest im freien Teil der Welt zusteht.

Und wenn Twitter eben meint, iranischen Mullah-Antisemitismus oder verbale Terrorförderung müsse man nicht den Hahn zudrehen, ist das so.

Für die eigene Befindlichkeit kann man ja immer noch entscheiden, ob man so einem merkwürdigen Verein seine wertvollen Daten zum Ausschlachten gibt oder eben auch nicht.

btw: Mir gehen diese von Ihnen genannten Kundendatenschlachtbetriebe, diese digitalen Tönniesbuden, allesamt an meinem Hinterteil vorbei, wie Ihnen auch. Insofern sollten Sie meine Meinung/Haltung dazu als "old europe", irrelevant bzw. völlig aus der Zeit gefallen, ansehen. ;)
Meruem
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Meruem » Mo 11. Jan 2021, 22:58

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(11 Jan 2021, 22:49)

Natürlich sind diese Geschichten um die Sperre der Trump Tweets bzw. die jetzigen Accountsperrungen nichts anderes als früher die Entscheidung einer Tageszeitung, einen Leserbrief überhaupt nicht, oder auch nach Gusto gekürzt, zu drucken und zu veröffentlichen. Oder jemandem eine Franz-Josef Wagner Kolumne zu bieten, wie das Twitter Trump lange ermöglichte. Was ja auch geschäftlich intelligent von Twitter war.

Facebook, Twitter & Co. sind rein privatwirtschaftliche Unternehmen, die - im Vergleich zu diesem Forum hier - einzig einen Daseinszweck verfolgen: möglichst viel Geld zu scheffeln, indem sie die Nutzer und deren freiwillig hergegebenen Daten ausschlachten wie eine nach einer Treibjagd erlegte Wildsau. Die sich auch noch selbst erschoß.

Ansonsten gilt eben das Haus- oder Besitzrecht eines Unternehmens, das frei bestimmen kann, wen es in seinen "heiligen" Hallen dulden will oder eben nicht.

Dass Twitter zwar nun Trump aussperrt und den Terrormullahs weiterhin eine Plattform für die weltweite Verbreitung ihrer kranken Meinungen bietet, kann man kritisieren. Undedingt sogar. Aber bitte auch richtig addressiert: an Twitter selbst.

Sinnfreie Meinungsfreiheitsdiskussionen, die anführen, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit werde eingeschränkt, würde ja vollkommene Hirnrissigkeit bedeuten, die solche privatwirtschaftlichen Unternehmen zu einer staatlichen Autorität erhebt, die für vefassungsmäßig garantierte Grundrechte und deren Gewährung zuständig sei.

Was natürlich völliger Unsinn ist.

All diese Plattformen sind einzig einem Daseinszweck verpflichtet und dem logischen Selbstverständnis, innerhalb des Rahmens der jeweils gültigen Gesetze möglichst viel Geld zu verdienen. Moralische Erwägungen oder solche eines
politischen Anstandes gehören jedenfalls nicht dazu. Es sei denn, der Druck der Straße oder gar gesetzliche Vorgaben zwingen sie dazu. Wogegen man sich juristisch so lange wie möglich wehrt. Wie das jedem privatwirtschaftlichen Unternehmen zumindest im freien Teil der Welt zusteht.

Und wenn Twitter eben meint, iranischen Mullah-Antisemitismus oder verbale Terrorförderung müsse man nicht den Hahn zudrehen, ist das so.

Für die eigene Befindlichkeit kann man ja immer noch entscheiden, ob man so einem merkwürdigen Verein seine wertvollen Daten zum Ausschlachten gibt oder eben auch nicht.

btw: Mir gehen diese von Ihnen genannten Kundendatenschlachtbetriebe, diese digitalen Tönniesbuden, allesamt an meinem Hinterteil vorbei, wie Ihnen auch. Insofern sollten Sie meine Meinung/Haltung dazu als "old europe", irrelevant bzw. völlig aus der Zeit gefallen, ansehen. ;)


Yes voll Zustimmung vor allem der erste Teil deins Posts gefällt mir gut. :thumbup:
Senexx

Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Senexx » Di 12. Jan 2021, 00:00

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(11 Jan 2021, 22:49)

Natürlich sind diese Geschichten um die Sperre der Trump Tweets bzw. die jetzigen Accountsperrungen nichts anderes als früher die Entscheidung einer Tageszeitung, einen Leserbrief überhaupt nicht, oder auch nach Gusto gekürzt, zu drucken und zu veröffentlichen. Oder jemandem eine Franz-Josef Wagner Kolumne zu bieten, wie das Twitter Trump lange ermöglichte. Was ja auch geschäftlich intelligent von Twitter war.

Facebook, Twitter & Co. sind rein privatwirtschaftliche Unternehmen, die - im Vergleich zu diesem Forum hier - einzig einen Daseinszweck verfolgen: möglichst viel Geld zu scheffeln, indem sie die Nutzer und deren freiwillig hergegebenen Daten ausschlachten wie eine nach einer Treibjagd erlegte Wildsau. Die sich auch noch selbst erschoß.

Ansonsten gilt eben das Haus- oder Besitzrecht eines Unternehmens, das frei bestimmen kann, wen es in seinen "heiligen" Hallen dulden will oder eben nicht.

Dass Twitter zwar nun Trump aussperrt und den Terrormullahs weiterhin eine Plattform für die weltweite Verbreitung ihrer kranken Meinungen bietet, kann man kritisieren. Undedingt sogar. Aber bitte auch richtig addressiert: an Twitter selbst.

Sinnfreie Meinungsfreiheitsdiskussionen, die anführen, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit werde eingeschränkt, würde ja vollkommene Hirnrissigkeit bedeuten, die solche privatwirtschaftlichen Unternehmen zu einer staatlichen Autorität erhebt, die für vefassungsmäßig garantierte Grundrechte und deren Gewährung zuständig sei.

Was natürlich völliger Unsinn ist.

All diese Plattformen sind einzig einem Daseinszweck verpflichtet und dem logischen Selbstverständnis, innerhalb des Rahmens der jeweils gültigen Gesetze möglichst viel Geld zu verdienen. Moralische Erwägungen oder solche eines
politischen Anstandes gehören jedenfalls nicht dazu. Es sei denn, der Druck der Straße oder gar gesetzliche Vorgaben zwingen sie dazu. Wogegen man sich juristisch so lange wie möglich wehrt. Wie das jedem privatwirtschaftlichen Unternehmen zumindest im freien Teil der Welt zusteht.

Und wenn Twitter eben meint, iranischen Mullah-Antisemitismus oder verbale Terrorförderung müsse man nicht den Hahn zudrehen, ist das so.

Für die eigene Befindlichkeit kann man ja immer noch entscheiden, ob man so einem merkwürdigen Verein seine wertvollen Daten zum Ausschlachten gibt oder eben auch nicht.

btw: Mir gehen diese von Ihnen genannten Kundendatenschlachtbetriebe, diese digitalen Tönniesbuden, allesamt an meinem Hinterteil vorbei, wie Ihnen auch. Insofern sollten Sie meine Meinung/Haltung dazu als "old europe", irrelevant bzw. völlig aus der Zeit gefallen, ansehen. ;)

Ich glaube, Sie liegen leicht daneben. Insbesondere der Vergleich mit Leserbriefen ist nicht einschlägig.

Die "sozialen Medien" hab eine ganz andere Funktion als die Presse. Und das mit dem Hausrecht hat nur wirklich einen Bart.

Im speziellen Falle von Trump durften sie ihn wahrscheinlich sperren, denn Aufrufe zu Straftaten fallen sicher nicht unter die Meinungsfreiheit.
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Uffhausen » Di 12. Jan 2021, 00:02

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(11 Jan 2021, 22:49)
Facebook, Twitter & Co. sind rein privatwirtschaftliche Unternehmen, die - im Vergleich zu diesem Forum hier - einzig einen Daseinszweck verfolgen: möglichst viel Geld zu scheffeln, indem sie die Nutzer und deren freiwillig hergegebenen Daten ausschlachten wie eine nach einer Treibjagd erlegte Wildsau. Die sich auch noch selbst erschoß.

Hm, was meinst du - wird vielleicht gerade deswegen eben von jenen Unternehmen umso mehr grundrechtliche Freiheit seitens der sie nutzenden Gesellschaft erwartet, bzw. verlangt? Quasi: Ihr dürft mit unseren Daten anstellen, was ihr wollt - dafür dürfen wir bei bei euch schreiben, was wir wollen. Oder scheint es nur so? Meint die die sozialen Medien nutzende Gesellschaft nur, sie könne im Internet in Narrenfreiheit frönen, vielleicht um der Realität zu entfliehen, weil in selbiger der freien Meinungsäußerung gewisse Grenzen gesetzt sind (z. B. bzgl. der die Meinung anhöhrende/teilende Anzahl von echten Menschen)?


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:D :D :D

Ach, ich bin doch auch so einer: Ich schreibe noch altmodische SMS und zahle sogar für diesen Dienst! :eek: ;)

Und ich muss mein Smartphone in der Regel erst nach 8 - 10 Tagen neu aufladen. Jedem, dem ich das erzähle, will sofort auch so ein Modell haben, wie ich eins besitze - dabei liegt die ganze Kunst nur am gelegentlichen statt permanenten Gebrauch des mobilen Internets! :p :)
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon DarkLightbringer » Di 12. Jan 2021, 00:28

Die Sache ist etwas komplexer, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.
Natürlich können Unternehmen - genauso wie jeder - eine Hausordnung fixieren oder in Nutzungsverträge diverse Klauseln hineinschreiben.
Was Hausordnungen und Verträge indes nicht können - Recht und Gesetz über die sog. Drittwirkung umgehen.
Das ist an sich auch logisch. Ansonsten könnte ja jeder Golfclub Verfassung und BGB als bedeutungslos erachten, jedenfalls auf eigener Rasenfläche.
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Senexx » Di 12. Jan 2021, 00:31

Senexx hat geschrieben:(12 Jan 2021, 00:00)

Ich glaube, Sie liegen leicht daneben. Insbesondere der Vergleich mit Leserbriefen ist nicht einschlägig.

Die "sozialen Medien" haben eine ganz andere Funktion als die Presse. Und das mit dem Hausrecht hat nun wirklich einen Bart.

Im speziellen Falle von Trump durften sie ihn wahrscheinlich sperren, denn Aufrufe zu Straftaten fallen sicher nicht unter die Meinungsfreiheit.
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Eulenwoelfchen » Di 12. Jan 2021, 00:50

Uffhausen hat geschrieben:(12 Jan 2021, 00:02)

Hm, was meinst du - wird vielleicht gerade deswegen eben von jenen Unternehmen umso mehr grundrechtliche Freiheit seitens der sie nutzenden Gesellschaft erwartet, bzw. verlangt? Quasi: Ihr dürft mit unseren Daten anstellen, was ihr wollt - dafür dürfen wir bei bei euch schreiben, was wir wollen. Oder scheint es nur so? Meint die die sozialen Medien nutzende Gesellschaft nur, sie könne im Internet in Narrenfreiheit frönen, vielleicht um der Realität zu entfliehen, weil in selbiger der freien Meinungsäußerung gewisse Grenzen gesetzt sind (z. B. bzgl. der die Meinung anhöhrende/teilende Anzahl von echten Menschen)?


Meiner Meinung nach hat es etwas mit dem Bergiff "soziale Medien" zu tun, der sozusagen zu einem Massenphänomen des Meinungsfreiheitsirrtums verleitet, und durch diesen irrenführenden Terminus "sozialer Medien" eine "gerechtere, korrigierte Welt einer tatsächlichen endliche freien Meinungsfreiheitswelt vorgaukelt wird, die bis es diesen, wenn man so will,
digitalen Ausweichanarchismus gab, eben den schon erwähnten Beschränkungen eines Journalismus und mächtiger
Zeitungsverlage ausgeliefert war. Die bestimmten, welch Volkes Stimme wie kungetan werden konnte und welche eben nicht. Die Meinungsäusserung sich mehr auf die Abonnierung der genehmen Presseerzeugnisse beschränkte und Meinungsäusserung sich mehr auf passiven Empfang reduzieren musste, denn selbstbestimmtes, aktives Äussern der eigenen Meinung.

Diese plötzliche Befreieung kann man durchaus als Revolution und Befreiung von den Fesseln fremdbestimmter Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten der individuellen Meinungsäusserung begreifen.

Dass in diesem Gefolge der Befreiung der Meinungsäusserungsmöglichkeiten derlei Medien dadurch auch sozusagen heiligen (staatstragenden) Status bekamen und die Einordnung als schnöde, geldscheffelnde Profitunternehmen immer mehr einem Gefühl wich, man habe es mit fast schon staatlich authorisierten oder mindestens ebenso legitimierten Instanzen zu tun, ist für mich zumindest nicht besonders erstaunlich.

Viele halten wohl ihr Twitter und ihren Fratzenbuch-Account für ihren besseren eigenen Staat als den, innerhalb dem sie leider immer noch eingezwängt und gemaßregelt werden. Der wirklich freie Rechtsstaat ist nicht Deutschland oder die USA, sondern die jeweilige Meinungsblase. So oder so ähnlich. ;)

Uffhausen hat geschrieben:(12 Jan 2021, 00:02)

Ach, ich bin doch auch so einer: Ich schreibe noch altmodische SMS und zahle sogar für diesen Dienst! :eek: ;)

Und ich muss mein Smartphone in der Regel erst nach 8 - 10 Tagen neu aufladen. Jedem, dem ich das erzähle, will sofort auch so ein Modell haben, wie ich eins besitze - dabei liegt die ganze Kunst nur am gelegentlichen statt permanenten Gebrauch des mobilen Internets! :p :)


Ich weigere mich penetrant, SMS zu schreiben. Ich telefoniere lieber. Und wenn mich jemand nicht sofort erreicht oder ich jemanden nicht gleich am Hörer habe, wird es eben später nochmals versucht. Der liebe Gott erfand zwar die Zeit, von Eile hat er aber nichts gesagt. :D

Ich denke ja schon darüber nach, mir irgendwo eine alte Telefonzelle zu besorgen mit Wahlscheibenapparaat und ob man das ggf. noch analog in Verkehr resp. gesprächsfähig bekommen könnte?

Bis dahin muss es halt das iphone 4S tun. Geht immer noch. Zum Telefonieren. Mehr braucht's für mich auch nicht.
:D
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon DarkLightbringer » Di 12. Jan 2021, 01:13

Senexx hat geschrieben:(12 Jan 2021, 00:31)


Den Vorhalt einer Straftat sollte ein Staatsanwalt erheben.

Das FBI nimmt ja auch Leute fest. Daraus lässt sich ableiten, dass konkrete Tatvorwürfe bestehen und Erfolgsaussichten vor Gericht erwartet werden.
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Vongole » Di 12. Jan 2021, 01:21

DarkLightbringer hat geschrieben:(12 Jan 2021, 01:13)

Den Vorhalt einer Straftat sollte ein Staatsanwalt erheben.

Das FBI nimmt ja auch Leute fest. Daraus lässt sich ableiten, dass konkrete Tatvorwürfe bestehen und Erfolgsaussichten vor Gericht erwartet werden.

Die Tatvorwürfe bestehen. Der Einzige, der das offensichtlich noch nicht mitbekommen hat, bist du.
Wäre derjenige, gegen den sie erhoben werden, nicht der Präsident der USA, wäre das FBI längst tätig und Trump festgenommen.
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon schokoschendrezki » Di 12. Jan 2021, 01:34

Uffhausen hat geschrieben:(11 Jan 2021, 21:48)

Twitter und Facebook haben Trump gesperrt - wie soviele andere Nutzer zuvor und in Zukunft auch = und jetzt? :?:

Was soll bitte die Diskussion über Verletzung der freien Meinungsäußerung durch soziale Medien - sogar unsere Bundeskanzlerin sieht's "problematisch".

Um Trump oder Merkel soll es hier aber bitte nicht gehen - sondern um den Umstand, dass scheinbar soziale Medien nutzende Menschen eine Verletzung ihres Grundrechts auf freie Meinungsäußerung erkennen, sollten sie bspw. aufgrund Verstoßes gegen Nutzungsbedingungen via Sperrung an der weiteren Nutzung sozialer Medien gehindert werden.

Ich persönlich nutze keines dieser sozialen Medien - Twitter, Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok, Whatsapp usw. = habe ich noch nie und werde ich ganz bestimmt auch nie. Ich habe auch bis heute nicht begriffen, was daran so "nachahmenswert" sein soll. Was ich seit Jahren nur sehe ist, dass sich mein gesellschaftliches Umfeld ganz und gar in die Abhängigkeit eben dieser sozialen Medien begeben hat.

Vor Jahren sagte mal eine Arbeitskollegin zu mir, als ich verblüfft erfuhr, dass eine andere Arbeitskollegin gekündigt hatte: "Mein Gott, du kriegst ja echt gar nix mehr mit!" - Ich: "Öh - ja, weil immer weniger mit mir gesprochen wird, vielleicht!?" - Sie: "Dann schaff' dir halt endlich Whatsapp an!" = da musste ich mir aber gewaltig auf die Zunge beißen... :dead:



Da stehst Du nicht allein da. Ich persönlich verdiene meinen Lebensunterhalt im IT-Bereich. Wenn auch eher im Backend ... Datenbanken, Progammierung, Serveradministration. Ich besitze noch nicht einnal ein Smartphone. Sowohl instinktiv als auch rational ist mir doch klar, dass all die scheinbar kostenlosen Dienste natürlich sehr wohl ihren Preis haben. Einen hohen Preis! Es ist noch nicht einmal so sehr die Preisgabe personenbezogener Daten. Es ist vor allem die Preisgabe unabhängiger und souveräner Meinungsbildung.

Es ist völlig normal, dass privat betriebene Plattformen Nutzer sperren können. Nicht nur, wenn sie irgendwie gegen informelle Regeln verstoßen, sondern auch, wenn sie die falsche Haarfrisur haben oder irgendwie unszenemäßig gekleidet sind oder einen unszenemäßigen Jargon pflegen. Das Problem liegt doch auf seiten derer, die Meinungsfreiheit oder Meinungsäußerungsfreiheit mit dem Recht verwechseln, auf der Party dabei sein zu dürfen, die sie - aus welchen Gründen auch immer - irgendwie gut und angesagt finden. Kennt jemmand noch diese Serie KIr Royal mit Mario Adorf in der Role des rheinischen "Kleber-Fabrikanten" Haffenloher?

Meinungsfreiheit muss gewährleistet sein, aber sie ist nur dann positiv erlebbar, wenn man seine Meinungen gegen einen Wiiderstand argumentativ vorbringt. Es muss Schweiß und Mühe kosten, seine Meinungen vorzubringen. Wie überhaupt nur die Tätigkeiten Befriedigung und Glück bringen, die man gegen einen Widerstand und mit Schweiß und Mühe verrichtet.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Di 12. Jan 2021, 01:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon DarkLightbringer » Di 12. Jan 2021, 01:34

Vongole hat geschrieben:(12 Jan 2021, 01:21)

Die Tatvorwürfe bestehen. Der Einzige, der das offensichtlich noch nicht mitbekommen hat, bist du.
Wäre derjenige, gegen den sie erhoben werden, nicht der Präsident der USA, wäre das FBI längst tätig und Trump festgenommen.

Nun ja, ich habe noch einen Hauptberuf, es ist durchaus möglich, dass mir eine Nachricht entgeht.

Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand liegt etwas gegen 55 Personen vor, also in einem amtlichen Sinne.

Du meinst aber die Vorwürfe seitens Twitter oder des Golfverbandes ggü. Trump?
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon DarkLightbringer » Di 12. Jan 2021, 01:47

Auch die FAZ berichtet nun in einem Pro-Artikel von der Buchungsstornierung des Golfverbandes und meint, dies würde Trump empfindlich treffen.

https://www.faz.net/aktuell/

Das angestrebte Impeachement-Verfahren erscheint mir indes etwas ernster zu sein.
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon schokoschendrezki » Di 12. Jan 2021, 01:51

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(12 Jan 2021, 00:50)

Meiner Meinung nach hat es etwas mit dem Bergiff "soziale Medien" zu tun, der sozusagen zu einem Massenphänomen des Meinungsfreiheitsirrtums verleitet, und durch diesen irrenführenden Terminus "sozialer Medien" eine "gerechtere, korrigierte Welt einer tatsächlichen endliche freien Meinungsfreiheitswelt vorgaukelt wird, die bis es diesen, wenn man so will,
digitalen Ausweichanarchismus gab, eben den schon erwähnten Beschränkungen eines Journalismus und mächtiger
Zeitungsverlage ausgeliefert war.

Man solte vielleicht unterscheiden.. In Gesellschaften, in denen per Rechtsstaatlichkeit de facto Meinungsäußerungsfreiheit herrscht, erzeugen diese "sozialen Medien" eine Art Dauerkurzschluss. Es bildet sich nix eigenständiges, weil es sofort und augenblicklich gemeinschaftlich verdaut wird. In autokratischen oder diktatorischen Gesellschaften kann es dagegen der Zündfunke für überhaupt die Möglichkeit einer Meinungsbildung und einer Kommunikation sein.

Eine interessante Mittelstellung nehmen die aktuellen Proteste in Belarus ein. Die klugen Köpfe unter den (meist weiblichen) Oppositionellen nehmen sehr schnell wahr, dass oppositionelle Positionen gegen Lukaschenk[oa] sofort auch das Potenzial der Gruppendisziplinierung haben. Zu Beispiel in Richtung Nationalismus.
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon McKnee » Di 12. Jan 2021, 08:42

Uffhausen hat geschrieben:(11 Jan 2021, 21:48)

Wie sehr ihr das - die Gesellschaft übt ihr Grundrecht auf freie Meinungsäußerung immer mehr in sozialen Medien aus = soll deswegen bei Twitter & Co allumfassende Narrenfreiheit, oder einschränkende Nutzungsbedingungen herrschen? Ist eine Sperrung durch ein soziales Medium gleichbedeutend einer Verletzung des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung - oder nicht tatsächlich die Konsequenz aus der Verletzung von Nutzungsbedingungen eines sozialen Mediums? Kann/soll man virtuelle und reale Meinungsäußerung grundrechtlich gleichsetzen?


Ich bin ein großer Verfechter der Meinungsfreiheit und der sich daraus ergebenden Möglichkeiten, dem Austausch...und verwundert, dass ich mich trotzdem dem Meinungsdiktat dieses Forums unterwerfe, in dem Moderation und Vorstand bestimmen was darf und was nicht, nicht die allgemeinen Regeln und Gesetze.

Aber, ich ertrage dieses Diktat und deren Regeln und sehe durch den zusätzlichen Akt der Freischaltung/Registrierung mein Recht nicht eingeschränkt. Ich würde in einem kleiner Kreis sogar mit Realpersonalien agieren, weil ich zu dem stehe, was ich äußere und mich nicht verstecken muss. Bisher habe ich aber noch kein Forum gefunden, zu dem ich ausreichend Vertrauen hätte, um dort real zu agieren.

Ich persönlich halte nichts von derartigen Sperrungen und würde den Rahmen dafür sehr eng stecken, wenngleich ich sie nie ausschließen könnte und würde. Ich halte es sogar für unverantwortlich, derartige Sperrungen zu praktizieren, da sie trotz aller konspirativen Tendenzen einen gewissen Einblick bieten, der es erlaubt, die Situation zu bewerten.

Ich versuche es an einem Beispiel zu erläutern. Dabei weist dieses Beispiel erstaunliche Parallelen zur Modeartionskultur in diesem Forum auf.

Es geht um den Umgang mit dem Phänomen Rocker/Rockerkriminalität, dem seit nunmehr ca. 8 Jahren zunehmend auch Menschen zum Opfer fallen, die nicht ansatzweise etwas mit kriminogenen Strukturen im Bikermilieu zu tun haben.

Wir hatten einen guten Zugang, einen guten Überblick und ein gutes Gespür was sich in diesem Mileu abspielte. Eigentlich war alles im Sinne des Rechtstaates und der Menschen in dieser Gesellschaft. Krimnalität konnten und können wir nie zu 100% verhindern.

Dann kam die Politik (Moderation) und pfuschte uns in Handwerk. Es kam zur pauschalen Kriminalisierung, die sich über die Medien in die Gesellschaft ausbreitete. Wer nicht schnell genug auf den Baum kam, wurde von den Fluten mitgerissen. Menschen wurden kriminalisiert, die sich nach allgemeinen Maßstäben, die für alle gleich sein sollten, nichts zu Schulden kommen ließen.

Die "Rocker" zogen sich zunehmend zurück. Dadurch wurden "Geschäftsfelder" frei, Kriminalität wurde nicht bekämpft sondern verlagert. Aber Rocker waren und sind nicht auschließlich kriminell und das wurde ebenfalls ignoriert.

Die Bindung, die Einblicke und Erkenntnisse über die Lage wurden zunehmend schlechter. Vor all dem hatten wir von Beginn an gewarnt oder zumindest einige von uns, die nicht wie Schafe in der Herde liefen.

Heute wissen wir kaum noch etwas, weil sie sich so weit zurückgezogen haben und selbst die früher offen getragenen Patch, die alle eine eigene Geschichte und Ausage in sich trugen, sind heute nur noch rudimentär vorhanden.

Wir können die Lage heute - aufgrund dieser unnötigen Eingriffe - nicht mehr ausreichend erfassen und damit kaum noch bewerten. Das liegt nicht zuletzt auch an dem Generalverdacht, unter den alle, auch jene, die unerreichabr weit vom kriminellen Mileu waren, gestellt wurden. Dies kommt einer auf das Opportune begrenzten Meinungsfreiheit gleich. Wir nehmen einfach einge Facetten heraus, egal ob sie Grund dafür geben oder nicht, nur weil wir es für richtig halten und blenden damit zunehmend wesentliche Teile eines Gesamtbildes aus.

Wir verlieren Einblicke, aber auch neue Anstöße. Wir müssen nicht investieren, das stimmt. Nicht dahin, dass wir uns mit anderer Meinung auseinander setzen und schon gar nicht, mit unserer eigenen.

Es ist der leichtere Weg, aber einer mit Auflieger in eine Sackgasse ohne Wendehammer.
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten.

Es ist mir egal, ob es ein Albert-Einstein-Zitat ist ...

.....er wusste es :D
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Stoner » Di 12. Jan 2021, 08:55

Das Problem ist darin zu suchen, dass in dem Augenblick, in dem die öffentlichen politischen Diskussionen auf privaten Plattformen mit Monopolstellung stattfinden, einige wenige Privatpersonen die Oberhoheit über Sagbares und Unsagbares bzw. über erwünschte und unerwünschte Personen gewinnen. Zensur wird sozusagen privatisiert und der öffentlichen Kontrolle durch die Bürger oder deren Vertreter entzogen. Das ist der Preis in der Demokratie.
Das Recht auf Dummheit gehört zur Garantie der freien Entfaltung der Persönlichkeit. (Mark Twain)
Keinen_Faschismus!

Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Keinen_Faschismus! » Di 12. Jan 2021, 09:29

Uffhausen hat geschrieben:(11 Jan 2021, 21:48)
Twitter und Facebook haben Trump gesperrt - wie soviele andere Nutzer zuvor und in Zukunft auch = und jetzt? :?:

Es fehlen noch einige andere, die durch Twitter gesperrt werden sollten!

Wieso kann zum Beispiel ein Höcke dort noch seine Thesen verbreiten?

Natürlich darf Twitter das. Nennt sich "Hausrecht".
Trump kann seine Meinung ja außerhalb Twitters immer noch (viel zu) frei äußern.

Trump möchte keine Migranten in den USA.
Und Twitter möchte eben keinen Trump auf ihren Servern.
Eulenwoelfchen

Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Eulenwoelfchen » Di 12. Jan 2021, 09:31

Stoner hat geschrieben:(12 Jan 2021, 08:55)

Das Problem ist darin zu suchen, dass in dem Augenblick, in dem die öffentlichen politischen Diskussionen auf privaten Plattformen mit Monopolstellung stattfinden, einige wenige Privatpersonen die Oberhoheit über Sagbares und Unsagbares bzw. über erwünschte und unerwünschte Personen gewinnen. Zensur wird sozusagen privatisiert und der öffentlichen Kontrolle durch die Bürger oder deren Vertreter entzogen. Das ist der Preis in der Demokratie.


Ich halte diese Sicht für verengt und in der Sache unzutreffend.
Es steht Ihnen ja qua Gesetz frei und niemand kann Sie daran hindern, sofern sie die geltenden Gesetze unseres Rechtsstaates beachten, ein eigenes Forum oder eine wie auch immer geartete virtuelle Plattform zu eröffnen und zu betreiben. In der Sie oder die Nutzer/-innen die hier so beklagten phösen "Zensur"defizite oder Meinungsrichtungsdominanzen bzw. Meinungsunterdrückung "einiger Weniger" nicht hinnehmen müssen.. So dass auch der Rocker auf seine Kosten kommt. Oder der Antisemit, der aber nur für Besserwisser und Meinungsraumnapoleons einer ist, nicht aber für die tatsächlichen Lordsiegelbewahrer der Meinungsfreiheit und -wahrheit. Mit dem Herzen auf dem rechten Fleck.

Es ist weder Zensur noch Einschränkung oder Entzug der öffntlichen Meinungsfreiheitskontrolle, wenn ich einen 1,95 m großen Bandido oder Hells Angel in meinem Garten nicht haben will, weil er zwar keine Straftat am Gartentisch verübt, mir aber seine frei geäusserte Meinung und Vorliebe für 1,55m große Frauen mit viereckigem Kopf ins Knie schrauben will...weil man auf deren Kopf beim Blasen das Bierglas besonders bequem abstellen könne.
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Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon relativ » Di 12. Jan 2021, 09:45

Uffhausen hat geschrieben:(11 Jan 2021, 21:48)

Twitter und Facebook haben Trump gesperrt - wie soviele andere Nutzer zuvor und in Zukunft auch = und jetzt? :?:

Was soll bitte die Diskussion über Verletzung der freien Meinungsäußerung durch soziale Medien - sogar unsere Bundeskanzlerin sieht's "problematisch".

Um Trump oder Merkel soll es hier aber bitte nicht gehen - sondern um den Umstand, dass scheinbar soziale Medien nutzende Menschen eine Verletzung ihres Grundrechts auf freie Meinungsäußerung erkennen, sollten sie bspw. aufgrund Verstoßes gegen Nutzungsbedingungen via Sperrung an der weiteren Nutzung sozialer Medien gehindert werden.

Ich persönlich nutze keines dieser sozialen Medien - Twitter, Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok, Whatsapp usw. = habe ich noch nie und werde ich ganz bestimmt auch nie. Ich habe auch bis heute nicht begriffen, was daran so "nachahmenswert" sein soll. Was ich seit Jahren nur sehe ist, dass sich mein gesellschaftliches Umfeld ganz und gar in die Abhängigkeit eben dieser sozialen Medien begeben hat.

Vor Jahren sagte mal eine Arbeitskollegin zu mir, als ich verblüfft erfuhr, dass eine andere Arbeitskollegin gekündigt hatte: "Mein Gott, du kriegst ja echt gar nix mehr mit!" - Ich: "Öh - ja, weil immer weniger mit mir gesprochen wird, vielleicht!?" - Sie: "Dann schaff' dir halt endlich Whatsapp an!" = da musste ich mir aber gewaltig auf die Zunge beißen... :dead:

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Wenn dem tatsächlich so wäre, dass Sperrungen seitens Twitter & Co das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung verletzen, dann verletzen Twitter & Co seit Jahren mein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung! Die lassen mich nämlich unverschämterweise nicht mitmachen... bitte, wie - bei Twitter & Co muss man sich registrieren, um vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung überhaupt erst Gebrauch machen zu können? Waaas? Ich muss bei Twitter & Co quasi bitten, ob sie mir die Gnade erweisen, mein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung bei ihnen auszuüben? Ach, du himmelblauer See! Sind die sozialen Medien denn neuerdings die Herrscher über unsere freien Grundrechte? Ich bekomme scheinbar echt nix mehr mit! :eek:

Ich sehe es so: Überall dort, wo du dich (im Internet) erst anmelden, registrieren und/oder freigeschaltet werden musst - und sei es auch kostenfrei! - kann von "Freiheit" und "Grundrecht" eigentlich keine große Rede mehr sein = sondern nur noch von "(verpflichtenden!) Nutzungsbedingungen". Wie wir solchen bspw. hier im Forum auch unterliegen.

Das ist aber gar nicht schlimm. Es hat ja immernoch jedermensch das freie Eintscheidungsmöglichkeit, nonexistent erscheinende Grundrechtsauslegung nicht anzuerkennen, sich deshalb nicht bei Twitter & Co zu registrieren und stattdessen wieder mit seinen Mitmenschen direkt zu kommunizieren. Früher, als es noch keine sozialen Medien gab, ging das doch auch. Und keiner hat geheult, dass deswegen das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung nicht auszuüben wäre! ;)


Wie sehr ihr das - die Gesellschaft übt ihr Grundrecht auf freie Meinungsäußerung immer mehr in sozialen Medien aus = soll deswegen bei Twitter & Co allumfassende Narrenfreiheit, oder einschränkende Nutzungsbedingungen herrschen? Ist eine Sperrung durch ein soziales Medium gleichbedeutend einer Verletzung des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung - oder nicht tatsächlich die Konsequenz aus der Verletzung von Nutzungsbedingungen eines sozialen Mediums? Kann/soll man virtuelle und reale Meinungsäußerung grundrechtlich gleichsetzen?


Ich glaube kaum, daß Hetze , Lügen, oder der Aufruf zur Gewalt, im Sinne der freien Meinungsäußerung sind und da in den sozialen Medien die allgemeine Anonymität herrscht, werden zuvor nur dumpfe Gedanken einfach in die Welt hinaus gerotzt. Daher bin ich dafür, daß in den sozialen Medien nur noch mit Klarnamen gepostet werden darf. Dies wird den sogenannten hatespeech hoffentlich eindämmen.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
Keinen_Faschismus!

Re: Die Gesellschaft, die sozialen Medien und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

Beitragvon Keinen_Faschismus! » Di 12. Jan 2021, 09:52

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(12 Jan 2021, 09:31)
Es steht Ihnen ja qua Gesetz frei und niemand kann Sie daran hindern, sofern sie die geltenden Gesetze unseres Rechtsstaates beachten, ein eigenes Forum oder eine wie auch immer geartete virtuelle Plattform zu eröffnen und zu betreiben.

So ist es.
"Parler" war ja so ein Beispiel:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Parler_(Soziales_Netzwerk)
Glücklicherweise hat Amazon/Apple/Google der Plattform die Unterstützung aufgekündigt.
Nach 2-3 Jahren unerträglicher Inhalte ist dort nun endlich Schluss!

Es gibt wohl auch keinen Serverbetreiber der sie nehmen möchte.
Es bleiben den Rechten aber noch Brieftauben :D ;).

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