Was ist Faschismus?

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Selina
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Selina » Di 3. Dez 2019, 13:33

Diestel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 06:19)

„Linksfaschismus (auch Linker bzw. Roter Faschismus oder Rot-Faschismus) ist ein politischer Kampfbegriff ohne einheitliche Bedeutung. Meist soll er realsozialistische Staaten, linksgerichtete Politik oder Ideologie als „Faschismus“, seltener auch Antikapitalismus faschistisch genannter Staaten oder Gruppen als „links“ bewerten. Die Politikwissenschaft verwendet den Begriff, anders als den Faschismusbegriff, nicht zur Beschreibung einer Ideologie oder Gesellschaftsordnung.

Italienische Demokraten bezeichneten damit seit 1926 den Stalinismus als eine mit dem damaligen italienischen Faschismus vergleichbare Diktatur. Vertreter der SPD bezeichneten die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) seit etwa 1929 als „rotlackierte Faschisten“; umgekehrt kategorisierten Kommunisten die Sozialdemokratie als „Rotfaschismus“ oder „Sozialfaschismus“.

Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas warnte 1967 vor einem „linken Faschismus“ der APO, der eine Gewalteskalation fördern und rechtfertigen könne. Obwohl er dieses Urteil später zurückzog, diente der Begriff in der Bundesrepublik Deutschland meist zur Diffamierung linksgerichteter Gruppen und Parteien.[1] Er soll die von ihnen vertretene Politik, die sich oft als Antifaschismus legitimiert, ihrerseits als faschistisch, also antidemokratisch und gewaltorientiert, angreifen und delegitimieren. Er hat sich dabei zu einem beliebig eingesetzten Stereotyp entwickelt.[2] Das Wort wird ähnlich wie die Begriffe Anarchismus und Linksextremismus von Politikern, Behörden und Medien häufig mit Chaos, Gewalt, Terror und Kriminalität assoziiert. „Linksfaschisten“ werden als Gefahr für die innere Sicherheit dargestellt und so diffamiert.

Das ist auch der Tenor dieses Threads:
Wir erweitern die Definition und basteln uns einen Linksfaschisten

Faschisten waren und bleiben aber Hitler und Mussolini. Stalin war ein grausamer Diktator, aber kein Faschist.


Ja, genau. Die Definitionen und Erklärungen zu den Begriffen "Linksfaschismus" und Faschismus hatte ich ja auch an anderer Stelle bereits verlinkt. Hier nochmal:

https://de.wikipedia.org/wiki/Linksfaschismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Faschismus

Und weil hier ja garantiert sofort wieder Wikipedia als Quelle und Quellensammlung angezweifelt wird, schon mal vorbeugend einen Text von mir über Wikipedia ;) :

viewtopic.php?f=75&t=63225&start=240#p4584876
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Bartleby » Di 3. Dez 2019, 13:40

Diestel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 13:29)

Wenn man alle Konstanten wie Gewalttätigkeit und Extremismus mit einbezieht, bräuchte es die Frage „was ist faschismus“ nicht. Dann wären eben alle Faschisten. Faschismus wird aber nunmal an Nationalismus, völkischem Denken und Führerprinzip festgemacht. An nichts sonst. Ein Antifaschist wird nicht zum Faschisten, nur weil er sich evt. dessen Mittel bedient, um seine Überzeugung unter die Leute zu bringen. Faschismus ist eine Einstellung, ein Gedankengut und keine Verhaltensweise.


Kann ich nicht ganz nachvollziehen, zumal ich auch von Methode und nicht von Verhaltensweise sprach.

Es gibt durchaus viele Beispiele, dass Kommunisten gute Faschisten wurden und Faschisten gute Kommunisten. Mit "gut" meine ich: ohne Bruch in der Einstellung, in der Wertung von anderen. Das fällt m.E. bei Ihrem Erklärungsmuster hier untern Tisch.

Nur zur Abstützung: Viele Neurechte kommen von links (und damit meine ich keine RAF-Spinner wie den Mahler), sondern eher einige der intellektuellen Köpfe unter den Älteren.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon BlueMonday » Di 3. Dez 2019, 13:51

Die Gedanken sind bekanntlich frei. Aber: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Sprich, an ihren Mitteln und was sie damit angerichtet haben.
Und natürlich geht es auch darum, wie eine Ideologie zu der Wahl der Mittel steht, ob sie "über Leichen geht". Der Pazifismus etwa definiert sich ja darüber, dass er Gewalt als Mittel ablehnt.

Oder so gefragt: was wäre das Problem an einem streng pazifistischen Faschismus? Wenn man das Gewaltmittel vom Faschismus nähme, bliebe kein nennenswerter Faschismus mehr übrig.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 3. Dez 2019, 13:52

Bartleby hat geschrieben:(03 Dec 2019, 12:46)

Ja, nur ist halt der Nazi eine andere Ausprägung des Faschisten als der Falangist in Spanien oder Salarazist in Portugal.

Für Deutschland relevant ist aber zuvorderst der Nazi.

Nur deshalb kann man ja überhaupt die Frage nach dem Begriff des Faschismus stellen.

Das ist richtig und ist im akademischen Umfeld sicher auch eine Diskussion wert, in einem Politikforum lässt sich die Frage mMn. nicht beantworten, sondern wird zwischen den meinungsstarken Rändern zerrieben, man sieht ja sehr schön, wie die Diskussion hier verläuft.

Wäre Faschismus = Nazismus, würde sich wohl jede Unterhaltung erübrigen.

Das hat ja auch niemand behauptet, aber die Menge "Nationalsozialismus" ist imho eine Teilmenge der Obermenge "Faschismus".

Ich greife meinen Punkt trotzdem noch einmal auf: Es gibt keine Zweifel beim NSU - aber kann man nun die RAF (alle Generationen) als faschistisch bezeichnen, oder läge man falsch?

MMn. liegt man falsch, wenn man die RAF als faschistisch bezeichnet. Welche Gemeinsamkeiten hat die RAF denn mit dem Faschismus, gibt es gemeinsame Ziele? Bei der Wahl der Methoden gab es anfänglich vllt. Überscheidungen, danach ist die RAF dann aber eher dazu umgeschwenkt, die "Eliten" zu terrorisieren.

Reicht das dann aus, um den Faschismusbegriff zu definieren?

Können wir das denn überhaupt? Ist man hier neutral genug, um diesen Begriff klar und eindeutig zu definieren? Ich glaube nicht. Das Feld der Faschismustheorie ist sehr groß und will von Wissenschaftlern beackert werden, die Komplexität des Themas erkennt man alleine schon daran, dass die entsprechenden Wikiartikel ellenlang sind, der Begriff Faschismus aber trotzdem irgendwie diffus bleibt.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon BlueMonday » Di 3. Dez 2019, 13:57

Wenn man nun auf den italienischen Urfaschismus schaut, dann war er eine gewaltbereite Reaktion auf gewaltsame Enteignungen/Besetzungen von Produktionsmitteln ("Biennio Rosso"). Also von der Idee war es ein Antikommunismus/Antisyndikalismus. Daraus hat sich dann noch mehr entwickelt freilich, ein korporatistischer, "third way" oder "middle of the road" Staatsansatz.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Selina » Di 3. Dez 2019, 13:59

Diestel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 13:29)

Wenn man alle Konstanten wie Gewalttätigkeit und Extremismus mit einbezieht, bräuchte es die Frage „was ist faschismus“ nicht. Dann wären eben alle Faschisten. Faschismus wird aber nunmal an Nationalismus, völkischem Denken und Führerprinzip festgemacht. An nichts sonst. Ein Antifaschist wird nicht zum Faschisten, nur weil er sich evt. dessen Mittel bedient, um seine Überzeugung unter die Leute zu bringen. Faschismus ist eine Einstellung, ein Gedankengut und keine Verhaltensweise.


Die Mischung machts eben: Nationalismus, völkisches Denken, Führerprinzip plus Rassismus, Biologismus und Fremdenfeindlichkeit ergeben halt genau das Konglomerat, das Holocaust, Euthanasie "unwerten Lebens" und Weltkrieg zur Durchsetzung des Volk-ohne-Raum-Prinzips der Nazis erst möglich machte. Man beachte die faschistoide These: "...nach dem Gesetz, daß das fähigere Volk immer das Recht hat, die Scholle eines unfähigeren Volkes zu erobern und zu besitzen". Perfide. Das "fähigere Volk" vs das "unfähigere Volk" - faschistisches Herrenmenschentum reinsten Wassers.

Zitat:

Die Nationalsozialisten übernahmen das kolonialistische Schlagwort „Volk ohne Raum“, verorteten den Siedlungsraum statt in Übersee aber in Osteuropa. Dies sollte den deutschen Eroberungskrieg im Osten begründen bzw. legitimieren (es sollte ein Feldzug werden wie der Polenfeldzug und der Frankreichfeldzug; tatsächlich wurde es ein fast vier Jahre währender Krieg). Schon das Parteiprogramm der NSDAP vom 24. Februar 1920 enthielt unter Punkt 3 die Forderung: „Wir fordern Land und Boden (Kolonien) zur Ernährung unseres Volkes und Ansiedlung unseres Bevölkerungsüberschusses.“[1] Anfang 1936 umriss Reichsbauernführer Walther Darré vor regionalen Mitarbeitern (Fachberatern) des Reichsnährstandes recht konkret die deutschen Eroberungspläne:

„Der natürliche Siedlungsraum des deutschen Volkes ist das Gebiet östlich unserer Reichsgrenze bis zum Ural, im Süden begrenzt durch Kaukasus, Kaspisches Meer, Schwarzes Meer und die Wasserscheide, welche das Mittelmeerbecken von der Ostsee und der Nordsee trennt.In diesem Raum werden wir siedeln, nach dem Gesetz, daß das fähigere Volk immer das Recht hat, die Scholle eines unfähigeren Volkes zu erobern und zu besitzen.[...] Ein solches politisches Ziel muß auf den deutschen Bauernhöfen von Mund zu Mund weitergereicht werden, muß auf unseren Bauernschulen eine selbstverständliche Grundlage des Unterrichts sein. Dann wird auch eines Tages das Volk demjenigen Staatsmann folgen, der die sich ihm bietenden Möglichkeiten ergreift, um unserem Volke ohne Raum den Raum nach dem Osten zu öffnen.“[2]

https://de.wikipedia.org/wiki/Volk_ohne_Raum
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Troh.Klaus » Di 3. Dez 2019, 14:00

Dark Angel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 13:17)
"Mit dem Begriff Faschismus werden eine Reihe von politischen Bewegungen und Systemen beschrieben, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden und charakteristische Gemeinsamkeiten besitzen: ausgeprägte Orientierung auf eine Führerperson, nationalistische, antikommunistische, antidemokratische und antipluralistische Einstellung sowie ein gewalttätiger Wille zur Macht und Verherrlichung des Militärischen. Die faschistischen Bewegungen verstehen sich als Ideologien, denen es um eine weltanschauliche Gestaltung des Denkens und Handelns der Menschen geht. Das Volk wird als willenlose „Masse“ begriffen, die beliebig formbar ist."
Quelle


Soll das erneute Aufkeimen des Faschismus verhindert werden, muss man wissen und erkennen was Faschismus "auszeichnet" und genau dort auch ansetzen.
Eine diffuse Zuweisung aus einer bestimmten politischen Sichtweise heraus, ist da wenig hilfreich, weil Faschismus sowohl aus rechten, wie linken totalitären Gruppierungen erwachsen kann.

Wenn die zitierte Beschreibung stimmt, dann passt "faschistisch" zwar mit "totalitär" aber nicht mit "links" zusammen. Zumindest sind mir noch keine nationalistischen, antikommunistischen Linken unter gekommen.

Führerkult, antidemokratisch, antipluralistisch, das passt auf rechte wie linke (und religiöse) Extremismen, totalitäre Bestrebungen und Strukturen. Nationalistisch und links müssen sich auch nicht widersprechen (siehe z.B. die italienischen Wurzeln des Faschismus, zu denen auch revolutionäre Arbeiter-"Bünde" zählten). Bleibt eigentlich nur der Antikommunismus als Unterscheidungskriterium (was so ähnlich ja auch schon Tom Bombadil postuliert hat). Also Faschismus = antikommunistischer Totalitarismus.

Es gibt übrigens auch Wissenschaftler, die den deutschen Nationalsozialismus nicht zu den Erscheinungsformen des Faschismus zählen (möchten), da damit das "Alleinstellungsmerkmal" Holocaust nicht mehr gebührend berücksichtigt werde.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon naddy » Di 3. Dez 2019, 14:03

Tom Bombadil hat geschrieben:(03 Dec 2019, 13:52)

Welche Gemeinsamkeiten hat die RAF denn mit dem Faschismus, gibt es gemeinsame Ziele?


Selbstverständlich! Der Gesellschaft mit Terrormethoden die eigene Überzeugung aufzuzwingen. Reicht das nicht?

Ich habe mit Ideologen dieser Gattung mehr als eine Nacht über ihre schizophrene Sichtweise diskutiert.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Diestel » Di 3. Dez 2019, 14:10

Bartleby hat geschrieben:(03 Dec 2019, 13:40)

Kann ich nicht ganz nachvollziehen, zumal ich auch von Methode und nicht von Verhaltensweise sprach.

Es gibt durchaus viele Beispiele, dass Kommunisten gute Faschisten wurden und Faschisten gute Kommunisten. Mit "gut" meine ich: ohne Bruch in der Einstellung, in der Wertung von anderen. Das fällt m.E. bei Ihrem Erklärungsmuster hier untern Tisch.

Nur zur Abstützung: Viele Neurechte kommen von links (und damit meine ich keine RAF-Spinner wie den Mahler), sondern eher einige der intellektuellen Köpfe unter den Älteren.

Dann nennen Sie bitte einen Neurechten, der von links kommt und seine Einstellung nicht geändert hat. Das geht garnicht.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Dark Angel » Di 3. Dez 2019, 14:15

Troh.Klaus hat geschrieben:(03 Dec 2019, 14:00)

Wenn die zitierte Beschreibung stimmt, dann passt "faschistisch" zwar mit "totalitär" aber nicht mit "links" zusammen. Zumindest sind mir noch keine nationalistischen, antikommunistischen Linken unter gekommen.

Führerkult, antidemokratisch, antipluralistisch, das passt auf rechte wie linke (und religiöse) Extremismen, totalitäre Bestrebungen und Strukturen. Nationalistisch und links müssen sich auch nicht widersprechen (siehe z.B. die italienischen Wurzeln des Faschismus, zu denen auch revolutionäre Arbeiter-"Bünde" zählten). Bleibt eigentlich nur der Antikommunismus als Unterscheidungskriterium (was so ähnlich ja auch schon Tom Bombadil postuliert hat). Also Faschismus = antikommunistischer Totalitarismus.

Es gibt übrigens auch Wissenschaftler, die den deutschen Nationalsozialismus nicht zu den Erscheinungsformen des Faschismus zählen (möchten), da damit das "Alleinstellungsmerkmal" Holocaust nicht mehr gebührend berücksichtigt werde.

Charakteristische Gemeinsamkeiten heißt nicht, dass immer und in jedem Fall alle genannten -ismen zutreffen müssen bzw es nicht -ismen gäbe, die nur einer Erscheinungsform des Faschismus eigen ist.
Genau das ist ja das Problem, einen genuinen Faschismusbegriff und Erklärungen zu finden, die auf alle Erscheinungsformen anwendbar sind.
Das Fehlen des einen "Anti-" und/oder Ersatz duch ein anderes "Anti-" bedeutet ja nicht, dass es sich in diesem spezellen Fall nicht um Faschismus handeln würde.
Faschismus = antikommunistischer Totalitarismus greift m.M.n. zu kurz, dann würde der stalinistische Kommunismus nicht so viele Gemeinsamkeiten mit dem Faschismus aufweisen - angefangen von den -ismen bis hin zu den Methoden.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Troh.Klaus » Di 3. Dez 2019, 14:17

Es fehlt vielleicht auch nur ein griffiger "Ismus" für den kommunistischen Totalitarismus.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 3. Dez 2019, 14:19

naddy hat geschrieben:(03 Dec 2019, 14:03)

Selbstverständlich! Der Gesellschaft mit Terrormethoden die eigene Überzeugung aufzuzwingen. Reicht das nicht?

Nein, das reicht mir nicht, um die RAF als faschistisch einzuordnen, die RAF wollte mW. keinen faschistischen Staat errichten.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Dark Angel » Di 3. Dez 2019, 14:23

Diestel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 13:29)

Faschismus wird aber nunmal an Nationalismus, völkischem Denken und Führerprinzip festgemacht. An nichts sonst.

Genau DIESE Behauptung ist FALSCH!
Es gibt noch einiges mehr, wodurch Faschismus charakterisiert wird:
"...ausgeprägte Orientierung auf eine Führerperson, nationalistische, antikommunistische, antidemokratische und antipluralistische Einstellung sowie ein gewalttätiger Wille zur Macht und Verherrlichung des Militärischen."
Quelle


Wurde bereits verlinkt, scheint aber nicht ins Weltbild zu passen.
Mit Ausnahme von antikommunistisch und ggf nationalistisch trifft die Charakterisierung der Eigenschaften des Faschismus auf rechts UND links zu.
Und damit wäre die Entstehung faschistischer Strukturen kein Alleinstellungsmerkmal der Rechten, sondern kann links genauso entstehen.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Bartleby » Di 3. Dez 2019, 14:24

Diestel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 14:10)

Dann nennen Sie bitte einen Neurechten, der von links kommt und seine Einstellung nicht geändert hat. Das geht garnicht.


Wenn man seine Einstellung wie ein Hemd wechseln kann oder wenn einem heute Erdbeereis besser schmeckt als Zitroneneis und umgekehrt, dann allerdings erklärt eine solche völlig entpsychogolisierte "Einstellung" doch eigentlich nichts. Was Sie als "Einstellung" bezeichnen, wäre dann lediglich das ideologische Gewand. Was wiederum nicht erklärt, warum man (um ein Extrembeispiel zu konstruieren) erst dem Arbeitgeberpräsidenten ins Genick schießt und dann dem Türken und jeweils beide Male aus "politischen" Gründen.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Dark Angel » Di 3. Dez 2019, 14:27

Tom Bombadil hat geschrieben:(03 Dec 2019, 14:19)

Nein, das reicht mir nicht, um die RAF als faschistisch einzuordnen, die RAF wollte mW. keinen faschistischen Staat errichten.

Die RAF war zwar eine linke Terrororganisation, aber nicht faschistisch.
Ihr fehlten wichtige Merkmale, wie Führerkult und gewalttätiger Wille zur Macht.
Die RAF strebte keine Macht an, sondern die Zerstörung jeglicher staatlicher Prinzipien und damit die Destabilierung der sozialen Ordnung.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Bartleby » Di 3. Dez 2019, 14:30

Dark Angel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 14:23)

Genau DIESE Behauptung ist FALSCH!
Es gibt noch einiges mehr, wodurch Faschismus charakterisiert wird:
"...ausgeprägte Orientierung auf eine Führerperson, nationalistische, antikommunistische, antidemokratische und antipluralistische Einstellung sowie ein gewalttätiger Wille zur Macht und Verherrlichung des Militärischen."
Quelle


Wurde bereits verlinkt, scheint aber nicht ins Weltbild zu passen.
Mit Ausnahme von antikommunistisch und ggf nationalistisch trifft die Charakterisierung der Eigenschaften des Faschismus auf rechts UND links zu.
Und damit wäre die Entstehung faschistischer Strukturen kein Alleinstellungsmerkmal der Rechten, sondern kann links genauso entstehen.


Ich zitiere mal zur Info noch die Zusammenfassung aus dem verlinkten Artikel:

Alle Theorien über Faschismus – und es gibt zu jeder wiederum eine Vielzahl von Varianten – haben ihre Stärken und Schwächen. Jede erfaßt einen gewissen Aspekt des Faschismus, keine ist bisher in der Lage, den Faschismus insgesamt hinreichend zu erklären. Aber auch eine einfache Mischung der Theorien macht keinen Sinn, weil ihre Ansätze zu inkohärent sind. Man sollte die Faschismuskonzeptionen daher vor allem als Fragestellungen verstehen, als Forschungsansätze, die bestimmte Problemlagen zu klären helfen. In diesem Kontext ist die Frage nach dem Verhältnis des Faschismus zur modernen Gesellschaft besonders bedeutend. Denn von der Frage, ob es sich beim Faschismus um ein abgeschlossenes historisches System handelt oder um ein – wenigstens in manchen Aspekten – modernes Phänomen, hängt es ab, wie weit der Faschismus oder faschistische Denkstile auch künftig eine reale Gefahr für die Gesellschaft darstellen.


(Ansonsten scheint mir "faschistoid" schon eine Vokabel, mit der man, wenn auch äußerst sparsam, schon arbeiten kann.)
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Diestel » Di 3. Dez 2019, 14:31

Dark Angel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 14:23)

Genau DIESE Behauptung ist FALSCH!
Es gibt noch einiges mehr, wodurch Faschismus charakterisiert wird:
"...ausgeprägte Orientierung auf eine Führerperson, nationalistische, antikommunistische, antidemokratische und antipluralistische Einstellung sowie ein gewalttätiger Wille zur Macht und Verherrlichung des Militärischen."
Quelle


Wurde bereits verlinkt, scheint aber nicht ins Weltbild zu passen.
Mit Ausnahme von antikommunistisch und ggf nationalistisch trifft die Charakterisierung der Eigenschaften des Faschismus auf rechts UND links zu.
Und damit wäre die Entstehung faschistischer Strukturen kein Alleinstellungsmerkmal der Rechten, sondern kann links genauso entstehen.

Bei einem Linken/ Kommunisten treffen auch die Merkmale Führerkult, Nationalismus und Verherrlichung des Militärischen nicht zu. Dein Link bestätigt also voll meine Meinung. Danke schön :)
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Selina » Di 3. Dez 2019, 14:33

Diestel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 14:10)

Dann nennen Sie bitte einen Neurechten, der von links kommt und seine Einstellung nicht geändert hat. Das geht garnicht.


Doch, leider geht das. Und da die AfD nun mal der Kern der Neuen Rechten in Deutschland ist, kann man diese Prozesse gut anhand der Wählerwanderungen sehen. Die größte Anzahl der "Wechsler" kommt von den Christdemokraten und den Sozialdemokraten, aber auch von den Linken wanderten etliche Leute hinüber nach Rechtsaußen. Wenn man im Falle von Höcke, Urban und anderen Flügel-Menschen getrost und per Gerichtsurteil von Faschisten und Neonazis reden kann, so sieht das bei den Wählern schon etwas anders aus. Bei ihnen sollte man schon genau hinschauen, welche Gründe sie für ihre ganz persönliche Rechtsdrift haben und sie nicht pauschal Faschisten und Nazis nennen. Da sind sicher etliche darunter, aber bei weitem nicht alle. Die Frage wäre nur, warum läuft man als halbwegs aufgeklärter und vernünftiger Mensch Faschisten hinterher. Die Frage stand schon 1933.
Zuletzt geändert von Selina am Di 3. Dez 2019, 14:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Diestel » Di 3. Dez 2019, 14:33

Bartleby hat geschrieben:(03 Dec 2019, 14:30)

Ich zitiere mal zur Info noch die Zusammenfassung aus dem verlinkten Artikel:



(Ansonsten scheint mir "faschistoid" schon eine Vokabel, mit der man, wenn auch äußerst sparsam, schon arbeiten kann.)

Können Sie mir nun einen Neurechten nennen, der von links kommt und seine Einstellung nicht geändert hat?
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Diestel » Di 3. Dez 2019, 14:42

Selina hat geschrieben:(03 Dec 2019, 14:33)

Doch, leider geht das. Und da die AfD nun mal der Kern der Neuen Rechten in Deutschland ist, kann man diese Prozesse gut anhand der Wählerwanderungen sehen. Die größte Anzahl der "Wechsler" kommt von den Christdemokraten und den Sozialdemokraten, aber auch von den Linken wanderten etliche Leute hinüber nach Rechtsaußen. Wenn man im Falle von Höcke, Urban und anderen Flügel-Menschen getrost und per Gerichtsurteil von Faschisten und Neonazis reden kann, so sieht das bei den Wählern schon etwas anders aus. Bei ihnen sollte man schon genau hinschauen, welche Gründe sie für ihre ganz persönliche Rechtsdrift haben und sie nicht pauschal Faschisten und Nazis nennen. Da sind sicher etliche darunter, aber bei weitem nicht alle. Die Frage wäre nur, warum läuft man als halbwegs aufgeklärter und vernünftiger Mensch Faschisten hinterher. Die Frage stand schon 1933.

Auch ein Wechsler hat seine Einstellung geändert. Zu sagen: „Ich bin links und wähle die AfD“ ist wenig glaubwürdig.

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