Was ist Faschismus?

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Bartleby
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Bartleby » Di 3. Dez 2019, 18:56

conscience hat geschrieben:(03 Dec 2019, 17:19)

Kommunismus und Faschismus können allerdings immer auseinandergehalten werden, wenn man ihre ideologischen Ursprünge betrachtet. Faschisten und Nationalsozialisten werden sich nie positiv auf Karl Marx beziehen. Für den Kommunismus bleibt der Bezug auf den Marxismus-Leninismus bestimmend.


Ganz streng und rein politisch gesehen: Ja.

Nur gibt es ja auch bestimmte Grundlagen, die sich zumindest vom Negativen her gesehen, auch hier ähneln. Dass Carl Schmitt, bei dem hier die üblichen User sofort "Faschist!" rufen würden, eine linke Rezeptionsgeschichte hat, ist ja nun ein Allgemeinplatz. Und das hat einen guten Grund, einer davon wurde ja mit dem weltanschaulichen Anti-Liberalismus auch schon genannt. Aber auch bestimmte grundsätzliche Rechtsaspekte teilen die beiden Systeme.

@Diestel:

Haben Sie sich schlau gemacht zum Elsässer? Was ist Ihre Erkenntnis zu dem Manne?

@Selina

Mit dem "antifaschistisch" ist das so eine Sache. Ich bin gegen Nazis und Faschisten, aber kein Antifaschist, so wie ich human bin, aber kein Humanist, liberal aber kein Anhänger des Liberalismus, (manchmal) konservativ, aber kein Anhänger des Konservatismus. Es geht mir dabei um den -ismus, der von Menschen machtpolitisch instrumentalisiert wird - je weniger -ismus, desto größer die Chance, sich als Mensch seine Skepsis und Freiheit zu bewahren. (Weshalb man natürlich übers Theoretische hinaus sich nicht politisch engagieren darf. Montaigne wusste das, als er sich in den Turm zurückzog.)
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Selina
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Selina » Di 3. Dez 2019, 18:59

Dark Angel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 18:42)

DIESES Themenfeld heißt Was ist Faschismus? und NICHT "was versteht Selina unter Antifaschismus", auch nicht Höcke und die AfD, auch nicht das Internationale Auschwitzkommitee und dessen Gründungsmitglieder.

Es geht IMMER NOCH darum, was Faschismus ist, wie und woran man ihn erkennt, weil nur so eine "Wiedergeburt" irgend einer Erscheinungsform von Faschismus verhindert werden kann.


Faschismus und Antifaschismus und Höcke und Neurechts und Wiederaufleben faschistoider Erscheinungen - all das gehört selbstverständlich zum Thema, will man es von allen Seiten beleuchten und nicht nur von den dir genehmen. Und nochmal: Wie ich dir schon oft sagte, solche Threads bestehen nicht alleine aus der von dir gewünschten Aneinanderreihung irgendwelcher fragwürdigen Lehrmeinungen, sondern aus dem lebendigen Disput verschiedener, zum Teil sehr konträr denkender User. Dafür ist es ein Politik-Forum. Aber ok, schreib mal schön weiter über deine Faschismus-Theorien. Ich weiß allerdings nicht, ob die Diskussion überhaupt so lesbar geworden wäre, wenn du nicht ab und zu mal Gegenwind gekriegt hättest. Da reden die Neurechten nun dauernd davon, man könne seine Meinung nicht mehr frei äußern und müsse in der Öffentlichkeit vorsichtig sein, siehe der entsprechende (geschlossene) Thread. Dabei ist es umgekehrt: Die paar einzelnen Stimmen, die ein wenig an der Diskurs-Hoheit in einigen Threads kratzen, werden schnell weggemobbt. Mich störts nicht, da ich es von dir gewöhnt bin. Was aber neuere User davon halten sollen, musst du dir selbst beantworten.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon conscience » Di 3. Dez 2019, 19:13

Selina hat geschrieben:(03 Dec 2019, 18:59)

Faschismus und Antifaschismus und Höcke und Neurechts und Wiederaufleben faschistoider Erscheinungen - all das gehört selbstverständlich zum Thema, will man es von allen Seiten beleuchten und nicht nur von den dir genehmen […]


Ich stimme Selina in den zitierten Punkten zu.

Aber unter der Bedingung das zumindest andeutungsweise gezeigt werden kann, dass "Faschismus und Antifaschismus und Höcke und Neurechts und Wiederaufleben faschistoider Erscheinungen" historisch miteinander verwoben sind und bis politisch heute Nachwirken.

Und im Übrigen lehne ich den Anwurf gegenüber der Moderation ab.
Solidarität mit Israel - gegen Antisemitismus und Antizionismus.

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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Selina » Di 3. Dez 2019, 19:23

Bartleby hat geschrieben:(03 Dec 2019, 18:44)

Nun, das bestreitet auch niemand - für einen Mönch oder einen Lehrer, oft nur für einen Brillenträger, war es die falsche Klassenzugehörigkeit, die ihnen in den Killing Fields oder zuvor bei der Kulturrevolution das Leben kostete. Im übrigen darf daran erinnert werden, dass Stalin insbesondere die jüdische Intelligenz verfolgte. Und in Wiki dürfen Sie nachlesen:



https://de.wikipedia.org/wiki/Stalinsche_S%C3%A4uberungen


Ich bin die Letzte, die hier Stalin verteidigt. Und ja, in gewisser Weise war sein Handeln und Herrschen ebenfalls faschistoid. Mir sind diese götzenähnlich verehrten Führer alle suspekt.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 3. Dez 2019, 19:27

conscience hat geschrieben:(03 Dec 2019, 19:13)

Ich stimme Selina in den zitierten Punkten zu.

Ich nicht, weil der User Selina dieses Mantra ununterbrochen ins Forum schaufelt und damit jegliche Diskussion außerhalb dieses Mantras zerstört.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon conscience » Di 3. Dez 2019, 19:30

Tom Bombadil hat geschrieben:(03 Dec 2019, 19:27)

Ich nicht, weil der User Selina dieses Mantra ununterbrochen ins Forum schaufelt und damit jegliche Diskussion außerhalb dieses Mantras zerstört.


Meine Zustimmung ist allerdings an eine Bedienung geknüpft und wer sich dieser verweigert, kann bei dem Thema einpacken und dieses gilt daher für Tom und Selina.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Selina » Di 3. Dez 2019, 19:33

Bartleby hat geschrieben:(03 Dec 2019, 18:56)

Ganz streng und rein politisch gesehen: Ja.

Nur gibt es ja auch bestimmte Grundlagen, die sich zumindest vom Negativen her gesehen, auch hier ähneln. Dass Carl Schmitt, bei dem hier die üblichen User sofort "Faschist!" rufen würden, eine linke Rezeptionsgeschichte hat, ist ja nun ein Allgemeinplatz. Und das hat einen guten Grund, einer davon wurde ja mit dem weltanschaulichen Anti-Liberalismus auch schon genannt. Aber auch bestimmte grundsätzliche Rechtsaspekte teilen die beiden Systeme.

@Diestel:

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@Selina

Mit dem "antifaschistisch" ist das so eine Sache. Ich bin gegen Nazis und Faschisten, aber kein Antifaschist, so wie ich human bin, aber kein Humanist, liberal aber kein Anhänger des Liberalismus, (manchmal) konservativ, aber kein Anhänger des Konservatismus. Es geht mir dabei um den -ismus, der von Menschen machtpolitisch instrumentalisiert wird - je weniger -ismus, desto größer die Chance, sich als Mensch seine Skepsis und Freiheit zu bewahren. (Weshalb man natürlich übers Theoretische hinaus sich nicht politisch engagieren darf. Montaigne wusste das, als er sich in den Turm zurückzog.)


Ist doch auch ok. Ich hab hier in meinem Umfeld auch "Menschenleere"-Anhänger (sorry für die Verknappung). Verstehe ich aus deren Sicht auch gut. Hab mit sämtlichen philosophischen (und politischen) Richtungen absolut keinerlei Probleme, solange sie nicht zur Erklärung von Menschenverachtung und Menschenfeindlichkeit (mit sämtlichen Folgen, siehe zwölf Jahre "Vogelschiss") herhalten müssen.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Fliege » Di 3. Dez 2019, 19:41

Bartleby hat geschrieben:(03 Dec 2019, 18:56)
Dass Carl Schmitt, bei dem hier die üblichen User sofort "Faschist!" rufen würden, eine linke Rezeptionsgeschichte hat, ist ja nun ein Allgemeinplatz. Und das hat einen guten Grund, einer davon wurde ja mit dem weltanschaulichen Anti-Liberalismus auch schon genannt. Aber auch bestimmte grundsätzliche Rechtsaspekte teilen die beiden Systeme.

Gleiches wie bei Carl Schmitt, nämlich affirmative Rezeption von links, gilt auch bei Martin Heidegger (insbesondere in Frankreich durch Linksintellektuelle wie Sartre und Derrida). Kommunismus und Faschismus geben sich (nicht nur polit-praktisch, sondern auch aus politologischer Sicht), sofern es ihnen opportun erscheint, hinter dem Rücken der Öffentlichkeit die Hand (prominent etwa zum Hitler-Stalin-Pakt).

Und daher kommt es, so meine ich, zu Begrifflichkeiten wie "Linksfaschismus" und "rot lackierte Faschisten".
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Dark Angel » Di 3. Dez 2019, 19:48

Bartleby hat geschrieben:(03 Dec 2019, 18:44)

Nun, das bestreitet auch niemand - für einen Mönch oder einen Lehrer, oft nur für einen Brillenträger, war es die falsche Klassenzugehörigkeit, die ihnen in den Killing Fields oder zuvor bei der Kulturrevolution das Leben kostete. Im übrigen darf daran erinnert werden, dass Stalin insbesondere die jüdische Intelligenz verfolgte. Und in Wiki dürfen Sie nachlesen:



https://de.wikipedia.org/wiki/Stalinsche_S%C3%A4uberungen

Nicht nur Stalin und nicht nur in der Sowjetunion, auch in der SBZ/DDR und den anderen Ostblockländern:

"Die antisemitische Kampagne, die in der Sowjetunion seit 1948 lief, wurde sehr rasch auf Ostdeutschland - wenngleich in deutlich abgeschwächter Form - ausgedehnt. Der bislang postulierte Zusammenhang von demokratischer Wiedergeburt und entschiedener Bekämpfung des Antisemitismus geriet bald aus dem parteioffiziel- len Blickfeld, obwohl gegen antisemitische Tendenzen in der Bevölkerung vorgegangen wurde. Bereits im November 1949 wurde mit Überprüfungen aller Verantwortungsträger auf Länderebene durch die Zentrale Parteikontrollkommission begonnen. Erstmals wurden Parteimitglieder jüdischer Herkunft teilweise als gesondert zu überprüfende Gruppe ausgewiesen.
Diese Hinweise wurden jedoch für die Betroffenen erst in der zweiten Überprüfungs- Welle, die die Merkmale einer „Säuberungsaktion“ annahm, zur Gefahr. Im Zusammen-hang mit dem antisemitischen Slänsky-Prozeß in Prag ergriff die SED-Führung auch Maßnahmen gegen Juden. Bis zum Mai 1953 wurden jene SED-Mitglieder, die entweder in westlicher Emigration oder in jugoslawischer Kriegsgefangenschaft gewesen oder jüdischer Herkunft waren, auf eine mögliche, oft nur unterstellte Illoyalität gegenüber der „Linie“ der Parteiführung überprüft, wobei die Intensität der Überprüfung sehr unterschiedlich war. Doch zogen insbesondere Mitglieder der Jüdischen Gemeinden, von denen einige zugleich der SED angehörten, eine besorgniserregende Verbindung zwischen den Repressalien in Moskau und Prag, den Geschehnissen in der DDR und den antisemitischen Verfolgungen der jüngsten deutschen Geschichte. Bis Ende März 1953 flüchteten etwa 550 Juden, größtenteils Gemeindemitglieder, aus der DDR in den Westen, darunter wichtige Repräsentanten jüdischen Lebens. Sie berichteten von Haus-durchsuchungen und beruflicher Zurücksetzung. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, in der zahlreiche Juden organisiert waren, wurde aufgelöst
Quelle
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Dark Angel » Di 3. Dez 2019, 19:53

Brainiac hat geschrieben:(03 Dec 2019, 18:55)

Zur Information, Sie befinden sich hier in einem politischen Diskussionsforum.

Richtig und "Faschismus" ist m.M.n. ein politisches Thema und ein gesellschaftlich relevantes dazu.
Es sollte nicht geschreddert werden.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon naddy » Di 3. Dez 2019, 20:08

Selina hat geschrieben:(03 Dec 2019, 18:59)

Und nochmal: Wie ich dir schon oft sagte, solche Threads bestehen nicht alleine aus der von dir gewünschten Aneinanderreihung irgendwelcher fragwürdigen Lehrmeinungen, sondern aus dem lebendigen Disput verschiedener, zum Teil sehr konträr denkender User.


Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Allerdings dürfte der "lebendige Disput" durch gebetsmühlenartige Wiederholung des schon tausendmal Gesagten leider eher versanden als gefördert werden. Wie du über "Neurechts", "Höcke", "Vogelschiss" und Co. denkst, dürfte allen Teilnehmern inzwischen ausreichend bekannt sein. Wie wär's mit etwas mehr Originalität in der Darstellung deiner Position? Da machen doch Beiträge wie:

Selina hat geschrieben:Ich bin die Letzte, die hier Stalin verteidigt. Und ja, in gewisser Weise war sein Handeln und Herrschen ebenfalls faschistoid. Mir sind diese götzenähnlich verehrten Führer alle suspekt.


durchaus Hoffnung. Weiter so!
"Schont die Sockel wenn ihr die Denkmäler stürzt, sie werden noch gebraucht!" (Lec).
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Dark Angel » Di 3. Dez 2019, 20:26

Selina hat geschrieben:(03 Dec 2019, 18:59)

Faschismus und Antifaschismus und Höcke und Neurechts und Wiederaufleben faschistoider Erscheinungen - all das gehört selbstverständlich zum Thema, will man es von allen Seiten beleuchten und nicht nur von den dir genehmen. Und nochmal: Wie ich dir schon oft sagte, solche Threads bestehen nicht alleine aus der von dir gewünschten Aneinanderreihung irgendwelcher fragwürdigen Lehrmeinungen, sondern aus dem lebendigen Disput verschiedener, zum Teil sehr konträr denkender User. Dafür ist es ein Politik-Forum. Aber ok, schreib mal schön weiter über deine Faschismus-Theorien. Ich weiß allerdings nicht, ob die Diskussion überhaupt so lesbar geworden wäre, wenn du nicht ab und zu mal Gegenwind gekriegt hättest. Da reden die Neurechten nun dauernd davon, man könne seine Meinung nicht mehr frei äußern und müsse in der Öffentlichkeit vorsichtig sein, siehe der entsprechende (geschlossene) Thread. Dabei ist es umgekehrt: Die paar einzelnen Stimmen, die ein wenig an der Diskurs-Hoheit in einigen Threads kratzen, werden schnell weggemobbt. Mich störts nicht, da ich es von dir gewöhnt bin. Was aber neuere User davon halten sollen, musst du dir selbst beantworten.

Mag ja sein - mir geht es vorrangig darum, was Faschismus ist, woran man ihn erkennt - seine Merkmale.
Sind diese Merkmale Alleinstellungsmerkmale einer bestimmten "polititischen Richtung" oder finden die sich auch in anderen politischen Richtungen, sind die (wie marxistische Faschismustheorien - z.B. Marburger Schule, August Thalheimer etc behaupten) an eine bestimmte "Gesellschaftsordung" gebunden oder sind gesellschaftliche und soziale Verhältnisse für seine Entstehung ausschlaggebend?
Wie kommt es, dass solche radikalen, totalitären "Sichtweisen" derart massenwirksam werden können und mehr oder weniger von der gesamten Gesellschaft mitgetragen werden usw usf
Dazu kann man durchaus unterschiedliche Ansätze haben, die man auch diskutieren kann, wo man sich irgendwo trifft, gerade weil es keine eindeutige Definition, keine eindeutige Erklärung gibt.
In einer solchen Diskussion kommt man allerdings nicht um die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Erklärungsansätzen herum. Eine Diskussion "aus dem Bauch raus", ohne wenigstens die charakteristischen Merkmale/Eigenschaften zu kennen, die Faschismus ausmachen, führt zu nichts - außer zu Unterstellungen, Diffamierungen und dass wie Wippermann schreibt:

"... Faschismus als politischer Kampfbegriff [gebraucht wird], der ziemlich wahl- und unterschiedslos auf alle möglichen politischen Phänomene und Personen angewandt wurde - und immer noch wird."

und damit ein durchaus austauschbares Feindbild kreiiert wird, was im Endeffekt dazu führt, dass wikliches Aufkeimen bzw Wiederaufkeimen von Faschismus nicht oder nicht mehr wahrgenommen bzw marginalisiert wird.

Und ist wohl kaum im Sinne aller derjenigen, die Faschismus verhindern wollen.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Diestel » Di 3. Dez 2019, 21:30

Bartleby hat geschrieben:(03 Dec 2019, 18:56)


@Diestel:

Haben Sie sich schlau gemacht zum Elsässer? Was ist Ihre Erkenntnis zu dem Manne?

Elsässer kannte ich nur als Rechtsaußen. Nun habe ich nachgelesen, dass er mal links war. Er scheint also einer dieser Intellektuellen zu sein, die im Alter auf die rechte Bahn geraten und sich dort radikalisieren. So wie Broder, Sarrazin, Wolfsohn, Bahring und viele andere. Keine Ahnung, was bei denen quer läuft, aber links sind die definitiv nicht (mehr).
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Bartleby » Di 3. Dez 2019, 22:08

Diestel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 21:30)

Elsässer kannte ich nur als Rechtsaußen. Nun habe ich nachgelesen, dass er mal links war. Er scheint also einer dieser Intellektuellen zu sein, die im Alter auf die rechte Bahn geraten und sich dort radikalisieren. So wie Broder, Sarrazin, Wolfsohn, Bahring und viele andere. Keine Ahnung, was bei denen quer läuft, aber links sind die definitiv nicht (mehr).


Was "quer" läuft wäre eine spannende Frage, denn es gibt auch auf ganz anderem Niveau als Elsässer Querverbindungen, wo bekannte Linksintellektuelle, deren Bücher man noch in der Taz in den Neunziger Jahren rezensiert hat, ohne ihnen braune Etiketten umzuhängen, heute von rechten Verlagen erneut publiziert und von Teilen der Neuen Rechten diskutiert werden, und es gibt Linke, die sich zu ihren alten Linken Sachen bekennen, heute aber rechts rezipiert werden und sogar auch mal in der Konservativen Bibliothek oder ähnlichen Veranstaltungen auftreten. Das gehörte dann aber in einen Strang, der nicht eine Begriffsdefinition von "Faschismus" sucht, sondern in einen, der dann etwa "Liberalismus unter Druck von rechts und links" hieße. Damit hierüber nicht mehr,um nicht zu schreddern. Der Punkt ist ja zur Klärung auf jeden Fall einmal durchgekaut.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Quatschki » Di 3. Dez 2019, 22:21

Diestel hat geschrieben:(03 Dec 2019, 21:30)

Elsässer kannte ich nur als Rechtsaußen. Nun habe ich nachgelesen, dass er mal links war. Er scheint also einer dieser Intellektuellen zu sein, die im Alter auf die rechte Bahn geraten und sich dort radikalisieren. So wie Broder, Sarrazin, Wolfsohn, Bahring und viele andere. Keine Ahnung, was bei denen quer läuft, aber links sind die definitiv nicht (mehr).

Leute, die den umgekehrten Weg gehen, findet man seltener.
Der Spruch: "Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 40 Kommunist ist, keinen Verstand." bewahrheitet sich immer wieder.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Bartleby » Di 3. Dez 2019, 22:50

Quatschki hat geschrieben:(03 Dec 2019, 22:21)

Leute, die den umgekehrten Weg gehen, findet man seltener.
Der Spruch: "Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 40 Kommunist ist, keinen Verstand." bewahrheitet sich immer wieder.


Da ich vorhin zufällig in Zuckmayers Autobiografie (Als wär's ein Stück von mir") drauf stieß: Der Schriftsteller Arnolt Bronnen (ein "echter Charakter") wäre so einer, zum Schluss dann auch wieder nicht mehr recht gelitten in der DDR.

Aber ganz interessant ist, dass 1946 der Anteil der SED-Mitglieder, die zuvor in der NSDAP waren, bei 8 bis 10 Prozent lag.

Die SED hatte 1948 auf Empfehlung Stalins nicht nur die Initiative zur Gründung der National-Demokratischen Partei Deutschlands (NDPD) als Auffangbecken für "geläuterte" NS-Kader und Wehrmachtssoldaten ergriffen, sondern auch selbst in großem Stil ehemalige NSDAP-Mitglieder und andere NS-Belastete in ihren Reihen aufgenommen. Bereits 1946 hatte die SED die Aufnahmekriterien für diese Klientel offiziell vereinfacht. In dieser Zeit lag der Anteil an ehemaligen NSDAP-Mitgliedern bei acht bis zehn Prozent aller SED-Genossen. Die SED führte in ihren Kaderakten genaue Listen über ehemalige Zugehörigkeit ihrer Mitglieder zur NSDAP bzw. deren Suborganisationen. Nach außen jedoch wurde die braune Vergangenheit belasteter SED-Mitglieder nicht publik, oft sogar bewusst verschleiert.


https://www.mdr.de/zeitreise/nazis-in-der-ddr-100.html
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Quatschki » Di 3. Dez 2019, 23:04

Bartleby hat geschrieben:(03 Dec 2019, 22:50)

Aber ganz interessant ist, dass 1946 der Anteil der SED-Mitglieder, die zuvor in der NSDAP waren, bei 8 bis 10 Prozent lag.

Leute, die der Macht gefolgt sind und ihre Fahne nach dem Wind gehängt haben.
In den Westzonen wäre keiner von denen in die KPD eingetreten.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Selina » Di 3. Dez 2019, 23:12

Bartleby hat geschrieben:(03 Dec 2019, 22:50)

Da ich vorhin zufällig in Zuckmayers Autobiografie (Als wär's ein Stück von mir") drauf stieß: Der Schriftsteller Arnolt Bronnen (ein "echter Charakter") wäre so einer, zum Schluss dann auch wieder nicht mehr recht gelitten in der DDR.

Aber ganz interessant ist, dass 1946 der Anteil der SED-Mitglieder, die zuvor in der NSDAP waren, bei 8 bis 10 Prozent lag.



https://www.mdr.de/zeitreise/nazis-in-der-ddr-100.html


Klickt man sich durch Ihren MDR-Link findet man viel Interessantes. Auch das:

https://www.mdr.de/zeitreise/der-fall-globke100.html

...und das:

https://www.mdr.de/zeitreise/weitere-ep ... t-100.html
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon conscience » Di 3. Dez 2019, 23:15

Was sollte man den mit den vielen kleinen Nazis machen ?

In West wie Ost wurden diese bald wieder in das politischen Leben eingebunden. Das ist für mich kein Kriterium zur Kennzeichnung der BRD bzw. DDR als "faschistisch".

Anmerkung
Man sollte "faschistische" Züge eines linken Regimes als totalitär bezeichnen und umgekehrt ebenso, das trägt zur Vermeidung von Unklarheiten bei und dämmt den Gebrauch Wortes Faschismus als Kampfbegriff ein.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Progressiver » Di 3. Dez 2019, 23:55

Der Faschismus ist die Antithese zu den Allgemeinen Menschenrechten. So habe ich das mal in einem Wälzer gelesen, dessen Name mir aber leider entfallen ist.

1789 startete die Französische Revolution. Neben tausenden Toten durch die Guillotine wurden auch die Allgemeinen Menschenrechte in Europa erfunden. Ähnliches geschah schon in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Es wurde verkündet, dass alle Menschen frei, gleich und mit dem Recht auf Glück geboren werden. Bei den Franzosen gesellte sich dann noch die Brüderlichkeit hinzu, die man am besten nach heutigen Maßstäben als gegenseitige Solidarität bezeichnen kann.

Der Faschismus dagegen ist da ganz klar das Gegenteil davon. Anstatt die Rechte des Individuums zu betonen, ist er klar kollektivistisch organisiert. Anstatt größtmögliche Freiheit und persönliche Selbstentfaltung für alle und jeden zu bringen, muss sich alles einem Diktator unterordnen. Gleichheit aller Menschen gibt es auch nicht. Es wird klar zwischen sogenannter Herrenrasse und Untermenschen unterschieden. Die "Schädlinge" haben dabei kein Recht auf Leben. Die Herrenrasse darf aber auch nicht autonom über sich als Individuum entscheiden. Frauen müssen sich den Männern unterordnen und werden zu Gebärmaschinen degradiert. Männer haben ebenfalls keine Menschenrechte. Sie haben kein Recht, sich nach ihren eigenen Vorgaben zu entfalten und nach Glück zu streben, sondern müssen sich dem Völkischen Ganzen unterordnen. Von einem Wahlrecht oder dem Recht auf freie Meinungsäußerung oder von Pressefreiheit können die Bewohner faschistischer Regime nur träumen. Und auch die Solidarität ist nur eine Einbahnstraße. Es gilt die Devise "Du bist nichts, dein Volk ist alles."

Glücklicherweise haben nach dem Zweiten Weltkrieg aber die Menschenrechte eine Renaissance erlebt. Diese gilt es auch heute zu verteidigen.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)

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