Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Realist2014 » Do 12. Dez 2019, 16:57

naddy hat geschrieben:(12 Dec 2019, 16:52)

Ja, danke, wie gehabt. Spring selber.


Tja, Fakten sind nicht deine Welt.

Da fehlen dir die Argumente
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Unité 1 » Do 12. Dez 2019, 18:51

BlueMonday hat geschrieben:(06 Dec 2019, 21:19)

Was führt ins Totale? Wenn bspw. die Mehrheit über alles bestimmt, wenn man beginnt diese Bestimmungen über das Ganze zuzulassen. Auch oder vielleicht sogar gerade die Demokratie trägt einen in das Totalitäre reichenden Keim, der als Saat aufgeht, wenn man zunehmend den öffentlichen Raum auf Kosten der individuellen Entscheidungsräume ausweitet. Das Totale ist der maximal ausgeweitete, undifferenzierte, gleichgültige, öffentliche Raum, der keinen Ausweg, kein Abfallen, keine Sonderung, keine Flucht mehr zulässt. Die frohe Botschaft dabei ist, dass so ein Raum auf Dauer unmöglich ist. Aber man nähert sich ihm immer wieder an bis zum Gehtnichtmehr, bis zum Zerfall, bis zu einem neuen Beginn.
Der Gegensatz zum Totalitarismus ist die Verständigung über Eigentumsgrenzen, über die Koexistenz der Teile.

Ich stimme dir insoweit zu, als dass der öffentliche Raum in totalitären Regimen, nun, total wird im Sinne einer allumfassenden Anspruchshaltung. Würde aber zu bedenken geben, dass die Öffentlichkeit als Raum in solchen Regimen pervertiert wird. Dort werden dann nicht mehr Interessen verfolgt und Konflikte ausgehandelt, sondern sie wird quasi als Fahnenmast eines bevorstehenden Appells betrachtet. Ich würde sagen, dass die Öffentlichkeit damit ihren Charakter verliert. Aufgrund dessen fällt es mir schwer, das als Öffentlichkeit zu begreifen. Das bleibende Element der Sichtbarkeit ist mir zu wenig dafür. Ist es nicht eher so, dass der öffentliche Raum im Gegenteil total verdrängt wurde und die Totalisierung des öffentlichen Raumes im Grunde nur die Aufblähung eines privaten ist? Ein Raum der Vielen ist die Öffentlichkeit in totalitären Regimen jedenfalls nicht mehr, es ist der Raum eines einzelnen (=der Bewegung bzw. der Ideologie), der gewissermaßen Hausrecht ausübt und Unterwerfung unter seine Konventionen fordert. Wohingegen die demokratische Öffentlichkeit als Ergebnis der Aushandlung der vielen betrachtet werden kann. Der Verdeutlichung der Unterschiede wegen.

Was die Öffentlichkeit sonst betrifft, sehe ich die Dinge grundsätzlich anders als du. Die Öffentlichkeit befreit von der Enge des Privaten, der Zugang zur Öffentlichkeit bedeutet die Anerkennung der Potentialität der Mündigkeit. Wie will ich als Bürger je meine Belange regeln, wenn ich keinen Zugang zum öffentlichen Raum besitze und in ihm agieren kann? Insbesondere vor dem Hintergrund des Machtgefälles zwischen Politik, Verwaltung und Bürger. Er erweitert meine individuellen Entscheidungsräume, weil ich als Individuum immer und zugleich auch Bürger bin. Ich bin private und bin öffentliche Person. Die Ausweitung des öffentlichen Raumes ermöglicht meiner öffentlichen Person die Verfolgung ihrer Interessen, die entsprechend auch teilöffentlicher Natur sind. Sonst könnte ich nur auf Verwaltungshandeln reagieren, wäre also unmündig.

Und was das Strangthema betrifft, würde ich ans andere Ende deiner Perspektive laufen und schauen, inwieweit die Verdrängung des Öffentlichen dem Keim des Totalitären in sich tragen kann. Ich denke, dass Totalitarismen sich in beiden Extremen zeigen können, der Öffentlichkeit zwar eine Schlüsselrolle zukommt, aber nicht ausschließlich als Gefahrenzentrum. Depolitisierung kann sich letztlich ebenso als totalitär erweisen, sie ist jedenfalls in ähnlicher Weise radikal. Fehlt mir der Zugang zur Öffentlichkeit, ist der öffentliche Raum aus dem Bewusstsein entschwunden, fehlt mir die Möglichkeit des öffentlichen Handelns, bin ich gewissermaßen politisch depriviert. In den überkommenen totalitären Systemen wurde der "öffentliche" Anspruch auf den Privatbereich ausgeweitet mit der Folge des Verschwindens der selbstgewählten Rolle, der Sonderung (treffender Begriff btw). Und das kann ebenso Folge eines Denkens in Kategorien wie "marktkonformer Demokratie" sein, die ebenso die Pervertierung des Öffentlichen in sich trägt.
Unten stand ein Gummibaum.
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Unité 1 » Do 12. Dez 2019, 18:59

odiug hat geschrieben:(12 Dec 2019, 12:50)

Aussteigen, sich der gesellschaftlichen Mitbestimmung entziehen kann man auch in totalitären Regimen.
Dann lebst du halt in einer Blockhütte in Patagonien, während Pinochet alle Dissidenten in einem Stadium in Santiago de Chile einsperren lässt.
Unter dem "Vogelschiss" nannte sich das "Innere Emigration".
Diese Verweigerungshaltung am politischen Prozess sich zu beteiligen ist das Ziel totalitärer Gesellschaftsordnungen.
Der Rückzug ins Private das Idealbild des guten Bürgers.

Es gibt in totalitären Regimen im Grunde keinen politischen Prozess mehr. Und dass die innere Emigration das Idealbild des guten Bürgers widerspiegelte, will mir auch nicht so richtig in den Kopf. Der gute Bürger war grundsätzlich höchstverdächtig, ein guter Revolutionär musste man sein, was im Gegenteil ein permanentes, öffentliches Bekenntniss erfordert.
Das markiert für mich auch den relevanten Unterschied zwischen autoritärem und totalitärem Regime. Im ersteren solltest du vornehmlich die Geschäfte der Herrscherclique nicht stören, im zweiteren Bannerträger der Revolution sein.
Unten stand ein Gummibaum.
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Adam Smith » Do 12. Dez 2019, 19:21

Unité 1 hat geschrieben:(12 Dec 2019, 18:59)

Es gibt in totalitären Regimen im Grunde keinen politischen Prozess mehr. Und dass die innere Emigration das Idealbild des guten Bürgers widerspiegelte, will mir auch nicht so richtig in den Kopf. Der gute Bürger war grundsätzlich höchstverdächtig, ein guter Revolutionär musste man sein, was im Gegenteil ein permanentes, öffentliches Bekenntniss erfordert.
Das markiert für mich auch den relevanten Unterschied zwischen autoritärem und totalitärem Regime. Im ersteren solltest du vornehmlich die Geschäfte der Herrscherclique nicht stören, im zweiteren Bannerträger der Revolution sein.


Die Opfer während des Großen Terrors waren fast alles Kommunisten. Sie starben mit der Hymne auf den Lippen. Aus dem Grund starben sie auch. Als sich 1989 keiner mehr für den Scheiß interessierte, ist auch keiner mehr gestorben.
Das ist Kapitalismus:

Die ständige Wahl der Bürger bestimmt das Angebot.
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon odiug » Do 12. Dez 2019, 19:44

Quatschki hat geschrieben:(12 Dec 2019, 13:17)

Hätte in der Sowjetunion nicht funktioniert.
Die haben sogar die Nomadenstämme Sibiriens eingesammelt, um sie zwangsweise sesshaft zu machen und in Kolchosen unter Kontrolle zu haben.

Nicht ganz das Gleiche, weil du als Mitglied eines Stamms keine Privatperson bist.
Du musst dich auch vom Stamm distanzieren und alleine in deiner Jurte über das Land ziehen, damit dich der KGB in Ruhe lässt.
Du kannst dich in einem totalitären System nicht als Gruppe dem Staat entziehen, nur dich als Einzelner ins Private zurückziehen.
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon odiug » Do 12. Dez 2019, 20:06

Unité 1 hat geschrieben:(12 Dec 2019, 18:59)

Es gibt in totalitären Regimen im Grunde keinen politischen Prozess mehr. Und dass die innere Emigration das Idealbild des guten Bürgers widerspiegelte, will mir auch nicht so richtig in den Kopf. Der gute Bürger war grundsätzlich höchstverdächtig, ein guter Revolutionär musste man sein, was im Gegenteil ein permanentes, öffentliches Bekenntniss erfordert.
Das markiert für mich auch den relevanten Unterschied zwischen autoritärem und totalitärem Regime. Im ersteren solltest du vornehmlich die Geschäfte der Herrscherclique nicht stören, im zweiteren Bannerträger der Revolution sein.

Diese Unterscheidung kann man so treffen ... aber es bleibt doch einzuwenden, dass der überzeugte Revolutionär dann doch eher die Ausnahme darstellt ... weshalb dieser sich auch als "Elite" versteht und der Rest sind halt brave Parteimitglieder ... oder eben "gute Bürger"
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Selina » Sa 14. Dez 2019, 07:30

Unité 1 hat geschrieben:(12 Dec 2019, 18:51)

Ich stimme dir insoweit zu, als dass der öffentliche Raum in totalitären Regimen, nun, total wird im Sinne einer allumfassenden Anspruchshaltung. Würde aber zu bedenken geben, dass die Öffentlichkeit als Raum in solchen Regimen pervertiert wird. Dort werden dann nicht mehr Interessen verfolgt und Konflikte ausgehandelt, sondern sie wird quasi als Fahnenmast eines bevorstehenden Appells betrachtet. Ich würde sagen, dass die Öffentlichkeit damit ihren Charakter verliert. Aufgrund dessen fällt es mir schwer, das als Öffentlichkeit zu begreifen. Das bleibende Element der Sichtbarkeit ist mir zu wenig dafür. Ist es nicht eher so, dass der öffentliche Raum im Gegenteil total verdrängt wurde und die Totalisierung des öffentlichen Raumes im Grunde nur die Aufblähung eines privaten ist? Ein Raum der Vielen ist die Öffentlichkeit in totalitären Regimen jedenfalls nicht mehr, es ist der Raum eines einzelnen (=der Bewegung bzw. der Ideologie), der gewissermaßen Hausrecht ausübt und Unterwerfung unter seine Konventionen fordert. Wohingegen die demokratische Öffentlichkeit als Ergebnis der Aushandlung der vielen betrachtet werden kann. Der Verdeutlichung der Unterschiede wegen.

Was die Öffentlichkeit sonst betrifft, sehe ich die Dinge grundsätzlich anders als du. Die Öffentlichkeit befreit von der Enge des Privaten, der Zugang zur Öffentlichkeit bedeutet die Anerkennung der Potentialität der Mündigkeit. Wie will ich als Bürger je meine Belange regeln, wenn ich keinen Zugang zum öffentlichen Raum besitze und in ihm agieren kann? Insbesondere vor dem Hintergrund des Machtgefälles zwischen Politik, Verwaltung und Bürger. Er erweitert meine individuellen Entscheidungsräume, weil ich als Individuum immer und zugleich auch Bürger bin. Ich bin private und bin öffentliche Person. Die Ausweitung des öffentlichen Raumes ermöglicht meiner öffentlichen Person die Verfolgung ihrer Interessen, die entsprechend auch teilöffentlicher Natur sind. Sonst könnte ich nur auf Verwaltungshandeln reagieren, wäre also unmündig.

Und was das Strangthema betrifft, würde ich ans andere Ende deiner Perspektive laufen und schauen, inwieweit die Verdrängung des Öffentlichen dem Keim des Totalitären in sich tragen kann. Ich denke, dass Totalitarismen sich in beiden Extremen zeigen können, der Öffentlichkeit zwar eine Schlüsselrolle zukommt, aber nicht ausschließlich als Gefahrenzentrum. Depolitisierung kann sich letztlich ebenso als totalitär erweisen, sie ist jedenfalls in ähnlicher Weise radikal. Fehlt mir der Zugang zur Öffentlichkeit, ist der öffentliche Raum aus dem Bewusstsein entschwunden, fehlt mir die Möglichkeit des öffentlichen Handelns, bin ich gewissermaßen politisch depriviert. In den überkommenen totalitären Systemen wurde der "öffentliche" Anspruch auf den Privatbereich ausgeweitet mit der Folge des Verschwindens der selbstgewählten Rolle, der Sonderung (treffender Begriff btw). Und das kann ebenso Folge eines Denkens in Kategorien wie "marktkonformer Demokratie" sein, die ebenso die Pervertierung des Öffentlichen in sich trägt.


Interessant. Wie siehst du das? Ich finde zum Beispiel, dass Diversität der Anschauungen, Überzeugungen, Motivationen die Demokratie eher stärkt (siehe Strangthema) statt schwächt. Daher sollte man doch bemüht sein, diese Diversität zu erhalten, vor allem auch im Sinne der Diversität von Personen. Ein beginnender Weg in den Totalitarismus besteht meines Erachtens genau darin, bestimmte Personen und Personengruppen auszugrenzen.
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BenJohn
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon BenJohn » Sa 14. Dez 2019, 07:54

Skeptiker hat geschrieben:(30 Nov 2019, 12:19)

Ich lese in einem anderen Strang, dass die Zeit des Kommunismus und entsprechend totalitäterer Auslegungen dieser Ideologie vorbei sei. Ähnliches wird man ggf. von Anhängern rechter Ideologien zum Faschismus hören.

Was mich eigentlich mal interessieren würde, wäre die Sichtweise der unterschiedlichen Fraktionen hier, was genau es ist, das Staaten und Gesellschaften in den Totalitarismus abgleiten lässt, und was im Gegenteil dazu, Staaten zu besonders demokratischen Gesellschaften macht.

Sind es bestimmte Werte, bestimmte geistige/philosophische Grundhaltungen, bestimmte äußere Umstände, Angriffe von außen, Geschichtsvergessenheit, ... ?

Mein Eindruck ist, dass die Menschen aktuell aus den unterschiedlichsten Gründen in extreme Ideologien hineindriften, und es gibt die ersten Stimmen, die behaupten wir würden an einer Zeitenwende weg von liberalen, hin zu totalitären Gesellschaften stehen. Ist das so? Wo kommt das her? Ich teile also die Aussage des Foristen, dass die Auswüchse des Kommunismus der Vergangenheit angehören ausdrücklich NICHT, so wie ich auch die Gefahr faschistischer Einstellungen weiter sehe.

Es soll in diesem Strang nicht zwingend um eine besondere Ideologie gehen. Natürlich werden die prägnanten Ideologien oder auch Religionen behandelt werden. Diese mögen unterschiedliche Sichtweisen auf die Ursachen totalitärer Tendenzen hervorbringen. Es soll aber kein reiner Bashing-Strang gegen links, rechts, Islam oder sonst was sein, sondern herausarbeiten, ob es Ursachen gibt und Maßnahmen wie man diesen begegnet.


Ich bin der Meinung, dass wir gerade in einer Zeit leben, in der es sich entscheiden kann welchen Weg D geht. Rechte und Linke Radikale kloppen sich gerade um die Deutungshoheit und das kann dazu führen, dass wir wieder einmal in den Totalitarismus abgleiten.

Die Mitte schweigt oder unterstützt die eine oder andere Seite, weil die Gefahren, die von ihr ausgehen entweder nicht erkannt werden oder ignoriert werden.

Die einzige Partei aus dem Parlament, die da nicht mitmacht ist die FDP. Die grenzen sich zwar klar von der AfD ab, aber verfallen nicht in Hysterie.

Allen anderen Parteien geht es nur darum um jeden Preis die Deutungshoheit zu behalten oder zu erlangen. Die CDU aus einer Verteidigungshaltung heraus. Die anderen aus einer angreifenden Haltung heraus.

Linke, Grüne und auch die SPD nutzen meiner Meinung nach die Klimadiskussion, um ihre Umverteilungsphantasien umzusetzen. Die AfD nutzt die Flüchtlingsthematik, um Wahlen zu gewinnen. Lösungen bietet mit teilweiser Ausnahme der SPD keine der Partien an. Die SPD hat manchmal noch sozialdemokratische Zuckungen, aber ansonsten ist sie auf dem Weg ins Radikale.

Die CDU unterstützt indirekt die AfD, weil sie eine konservative Position nach der anderen aufgibt.

All das ist eine Mischung, die ins Totalitäre führen kann.
Für manche Linken ist einer schon rechtsradikal, wenn er nur pünktlich zur Arbeit kommt. Heiner Geißler
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Skeptiker » Sa 14. Dez 2019, 08:34

BenJohn hat geschrieben:(14 Dec 2019, 07:54)
Ich bin der Meinung, dass wir gerade in einer Zeit leben, in der es sich entscheiden kann welchen Weg D geht. Rechte und Linke Radikale kloppen sich gerade um die Deutungshoheit und das kann dazu führen, dass wir wieder einmal in den Totalitarismus abgleiten.

Die Mitte schweigt oder unterstützt die eine oder andere Seite, weil die Gefahren, die von ihr ausgehen entweder nicht erkannt werden oder ignoriert werden.

Die einzige Partei aus dem Parlament, die da nicht mitmacht ist die FDP. Die grenzen sich zwar klar von der AfD ab, aber verfallen nicht in Hysterie.

Allen anderen Parteien geht es nur darum um jeden Preis die Deutungshoheit zu behalten oder zu erlangen. Die CDU aus einer Verteidigungshaltung heraus. Die anderen aus einer angreifenden Haltung heraus.

Linke, Grüne und auch die SPD nutzen meiner Meinung nach die Klimadiskussion, um ihre Umverteilungsphantasien umzusetzen. Die AfD nutzt die Flüchtlingsthematik, um Wahlen zu gewinnen. Lösungen bietet mit teilweiser Ausnahme der SPD keine der Partien an. Die SPD hat manchmal noch sozialdemokratische Zuckungen, aber ansonsten ist sie auf dem Weg ins Radikale.

Die CDU unterstützt indirekt die AfD, weil sie eine konservative Position nach der anderen aufgibt.

All das ist eine Mischung, die ins Totalitäre führen kann.

Aber ist es nicht so, dass die Parteienlandschaft in Deutschland, die Gesellschaft recht gut repräsentiert? Ich finde dort die vorherrschenden Strömungen durchaus wieder.

Wenn also das politische System die politischen Einstellungen der Menschen in der Gesellschaft recht gut wiedergibt, dann sollte darin nicht das Problem liegen. Vielmehr scheint mir das Problem in der Gesellschaft selber zu liegen. Warum driften denn die Menschen in die Radikalität? Richtig, am Ende führt das in den Totalitarismus, aber die Frage ist doch was eine solche Stimmung in der Gesellschaft erzeugt, dass sie sich letztendlich selber ihrer Freiheiten beraubt - nichts anderes ist doch die Bewegung der Gesellschaft weg von Demokratie, hin zu Totalitarismus.

Gibt es vielleicht menschliche Bedürfnisse die höher zu werten sind als die individuelle Freiheit und die Selbstbestimmung der Menschen? Oder ist es einfach so, dass man den Wert dessen was man hat, mit der Zeit nicht mehr zu schätzen weiss?
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Selina » Sa 14. Dez 2019, 09:28

BenJohn hat geschrieben:(14 Dec 2019, 07:54)

Ich bin der Meinung, dass wir gerade in einer Zeit leben, in der es sich entscheiden kann welchen Weg D geht. Rechte und Linke Radikale kloppen sich gerade um die Deutungshoheit und das kann dazu führen, dass wir wieder einmal in den Totalitarismus abgleiten.

Die Mitte schweigt oder unterstützt die eine oder andere Seite, weil die Gefahren, die von ihr ausgehen entweder nicht erkannt werden oder ignoriert werden.

Die einzige Partei aus dem Parlament, die da nicht mitmacht ist die FDP. Die grenzen sich zwar klar von der AfD ab, aber verfallen nicht in Hysterie.

Allen anderen Parteien geht es nur darum um jeden Preis die Deutungshoheit zu behalten oder zu erlangen. Die CDU aus einer Verteidigungshaltung heraus. Die anderen aus einer angreifenden Haltung heraus.

Linke, Grüne und auch die SPD nutzen meiner Meinung nach die Klimadiskussion, um ihre Umverteilungsphantasien umzusetzen. Die AfD nutzt die Flüchtlingsthematik, um Wahlen zu gewinnen. Lösungen bietet mit teilweiser Ausnahme der SPD keine der Partien an. Die SPD hat manchmal noch sozialdemokratische Zuckungen, aber ansonsten ist sie auf dem Weg ins Radikale.

Die CDU unterstützt indirekt die AfD, weil sie eine konservative Position nach der anderen aufgibt.

All das ist eine Mischung, die ins Totalitäre führen kann.


Welche "linken Radikalen", die sich um irgendeine "Deutungshoheit" kloppen sollen angeblich, meinst du denn? Wenn man sich sorgen muss, dass irgendwelche Leute in Richtung Totalitarismus marschieren, dann sind es solche hier. Ein linker Totalitarismus in Form irgendwelcher sozialistischen Systeme ist in hiesigen Breiten nicht in Sicht.
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Skeptiker » Sa 14. Dez 2019, 09:46

Selina hat geschrieben:(14 Dec 2019, 09:28)

Welche "linken Radikalen", die sich um irgendeine "Deutungshoheit" kloppen sollen angeblich, meinst du denn? Wenn man sich sorgen muss, dass irgendwelche Leute in Richtung Totalitarismus marschieren, dann sind es solche hier. Ein linker Totalitarismus in Form irgendwelcher sozialistischen Systeme ist in hiesigen Breiten nicht in Sicht.

Selina, dieses soll hier kein rechts gegen links (und umgekehrt) Strang sein. Aber selbstverständlich gibt es totalitaristische Bestrebungen von den Extremen des politischen Spektrums - auf BEIDEN Seiten. Diese haben wir, auch auf linker Seite, zu Hauf im Strang "Kampf gegen Links" sowie den Strängen zur Meinungsfreiheit dokumentiert. Nur noch bestimmte Meinungen zuzulassen, bzw. das erlaubte politische Spektrum auszudünnen, ist im Kern totalitaristisches Gebaren. Deine Beiträge sind da übrigens markant.
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 14. Dez 2019, 09:53

Selina hat geschrieben:(14 Dec 2019, 09:28)

Ein linker Totalitarismus in Form irgendwelcher sozialistischen Systeme ist in hiesigen Breiten nicht in Sicht.

Linkspartei und AfD trennen nur ein paar Prozent, die rechtlichen und geistigen SED-Nachfolger sind - anders als die AfD - auch an Landesregierungen beteiligt, die Gefahr von links außen ist also mitnichten geringer als von rechts außen. Das linksextremistische Personenpotential ist mit ca. 32.000 Personen auch signifikant höher als das rechtsextremistische Personenpotential (24.100 Personen). Der nächste Totalitarismus in Deutschland wird also wahrscheinlich von links kommen.
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Selina » Sa 14. Dez 2019, 10:00

Skeptiker hat geschrieben:(14 Dec 2019, 09:46)

Selina, dieses soll hier kein rechts gegen links (und umgekehrt) Strang sein. Aber selbstverständlich gibt es totalitaristische Bestrebungen von den Extremen des politischen Spektrums - auf BEIDEN Seiten. Diese haben wir, auch auf linker Seite, zu Hauf im Strang "Kampf gegen Links" sowie den Strängen zur Meinungsfreiheit dokumentiert. Nur noch bestimmte Meinungen zuzulassen, bzw. das erlaubte politische Spektrum auszudünnen, ist im Kern totalitaristisches Gebaren. Deine Beiträge sind da übrigens markant.


Wieso? Hier sind alle Meinungen "zugelassen". Keiner verbietet was. Das ist nur dein immerwährender Vorwurf. Allerdings frei erfunden und durch ständiges Wiederholen auch nicht wahrer. Nochmal, bis auf rechten Totalitarismus bahnt sich hier nichts an. Und wenn diese Herrschaften dann geschafft haben, wovon sie träumen, wird die Meinungsfreiheit wirklich eingeschränkt werden. Grauenhafte Vorstellung, den ganzen Tag dann nur noch von "Volk und Vaterland", von "kultureller Identität" und von "deutscher Heimat" reden zu dürfen.
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Selina » Sa 14. Dez 2019, 10:07

Tom Bombadil hat geschrieben:(14 Dec 2019, 09:53)

Linkspartei und AfD trennen nur ein paar Prozent, die rechtlichen und geistigen SED-Nachfolger sind - anders als die AfD - auch an Landesregierungen beteiligt, die Gefahr von links außen ist also mitnichten geringer als von rechts außen. Das linksextremistische Personenpotential ist mit ca. 32.000 Personen auch signifikant höher als das rechtsextremistische Personenpotential (24.100 Personen). Der nächste Totalitarismus in Deutschland wird also wahrscheinlich von links kommen.


Todesopfer kennt meines Erachtens nur der Rechtsextremismus. Und das nicht zu knapp. Darüber hinaus ist die Bedrohung für die Demokratie, die aus rechtsradikaler Ecke kommt, ungleich höher als die aus linksradikaler. Die AfD träumt von "Machtübernahme".
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 14. Dez 2019, 10:12

Selina hat geschrieben:(14 Dec 2019, 10:07)

Darüber hinaus ist die Bedrohung für die Demokratie, die aus rechtsradikaler Ecke kommt, ungleich höher als die aus linksradikaler.

Ist sie nicht, wie ich dir anhand von Fakten aufgezeigt habe. An deiner widerlichen, propagandistischen Instrumentalisierung von Todesopfern beteilige ich mich nicht.

Die AfD träumt von "Machtübernahme".

Davon träumt die Linkspartei auch.
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Billie Holiday » Sa 14. Dez 2019, 10:28

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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Misterfritz » Sa 14. Dez 2019, 10:36

Tom Bombadil hat geschrieben:(14 Dec 2019, 09:53)

Linkspartei und AfD trennen nur ein paar Prozent, die rechtlichen und geistigen SED-Nachfolger sind - anders als die AfD - auch an Landesregierungen beteiligt, die Gefahr von links außen ist also mitnichten geringer als von rechts außen. Das linksextremistische Personenpotential ist mit ca. 32.000 Personen auch signifikant höher als das rechtsextremistische Personenpotential (24.100 Personen). Der nächste Totalitarismus in Deutschland wird also wahrscheinlich von links kommen.
Nun sind die Parteien, die in Deutschland in Koalitionen regieren, im seltensten Fall extremistisch, weil Extremisten so wenig zu Kompromissen neigen ;)
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Diestel » Sa 14. Dez 2019, 10:40

Tom Bombadil hat geschrieben:(14 Dec 2019, 09:53)

Linkspartei und AfD trennen nur ein paar Prozent, die rechtlichen und geistigen SED-Nachfolger sind - anders als die AfD - auch an Landesregierungen beteiligt, die Gefahr von links außen ist also mitnichten geringer als von rechts außen. Das linksextremistische Personenpotential ist mit ca. 32.000 Personen auch signifikant höher als das rechtsextremistische Personenpotential (24.100 Personen). Der nächste Totalitarismus in Deutschland wird also wahrscheinlich von links kommen.

Fakt ist: Die AfD hat fast doppelt so viel Prozent und nicht nur ein paar Prozentpunkte.
Fakt ist: Trotz eines Linken MP in Thüringen ist es in den letzten 5 Jahren zu keinerlei totalitären Auswüchsen im Landesparlament gekommen.
Fakt ist: Linke Extremisten werfen mit Papierkugeln und rufen „buh“, rechte Extremisten versenden Morddrohungen und schießen mit Kugeln.
Fakt ist: Linke Politik will Gerechtigkeit für jedermann, rechte Politik will Nationalismus für Auserwählte.
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 14. Dez 2019, 10:47

Misterfritz hat geschrieben:(14 Dec 2019, 10:36)

Nun sind die Parteien, die in Deutschland in Koalitionen regieren, im seltensten Fall extremistisch, weil Extremisten so wenig zu Kompromissen neigen

Daraus spricht eine gewisse Geschichtsvergessenheit, denn die NSDAP regierte 1933 zuerst auch in einer Koalition. Und anders, als über Regierungsbeteiligung kann man in einer Demokratie nur sehr selten an die Macht gelangen, um sie dann nachher in einer autoritäre Regierungsform umzubauen.
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Re: Was führt in den Totalitarismus und was stärkt die Demokratie?

Beitragvon Skeptiker » Sa 14. Dez 2019, 10:48

Selina hat geschrieben:(14 Dec 2019, 10:00)
Wieso? Hier sind alle Meinungen "zugelassen". Keiner verbietet was. Das ist nur dein immerwährender Vorwurf. Allerdings frei erfunden und durch ständiges Wiederholen auch nicht wahrer. Nochmal, bis auf rechten Totalitarismus bahnt sich hier nichts an. Und wenn diese Herrschaften dann geschafft haben, wovon sie träumen, wird die Meinungsfreiheit wirklich eingeschränkt werden. Grauenhafte Vorstellung, den ganzen Tag dann nur noch von "Volk und Vaterland", von "kultureller Identität" und von "deutscher Heimat" reden zu dürfen.

Es wurden hier die Fälle ganz klar aufgezeigt. Studenten und Aktivisten sind dabei Professoren und Autoren von Sachbüchern werden aktiv politisch bekämpft, mit dem Ziel diese aus dem Diskurs oder der Universität zu entfernen.

Darüber rede ich auch garnicht mehr mit Dir, weil du so eingefahren in deiner Ideologie bist, dass Du selbst bei Pol Pot wohl noch den guten Willen und bei dessen Opfern noch die potentiellen Meinungsverbrechen wittern würdest. Es ist schlicht aussichtslos darüber mit Dir zu diskutieren.

Für diesen Thread ist allerdings viel interessanter, wieso du so denkst, wie Du denkst. Denn deine Denkweise ist KLASSISCH totalitaristisch. Alles was auch nur einen Deut von deiner Ideologie abweicht, bereitet den Nazis den Weg. Und offensichtlich sind gegen Nazis alle Mittel recht, oder?

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