Mentalitätsunterschiede in Deutschland

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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon Brainiac » Mo 16. Dez 2019, 19:11

Brainiac hat geschrieben:(13 Dec 2019, 11:47)

[MOD]
https://politik-forum.eu/viewtopic.php?f=20&t=359&p=4624343#p4624343

Hier bitte beim Strangthema bleiben.

Spam weggeräumt.

Ich hatte mit erheblichem Aufwand die strangthemenfremde Nebendiskussion der letzten Woche ins Wirtschaftsforum ausgelagert und erwarte jetzt aber, dass hier auch beim Thema geblieben wird. Wenn das einfach ignoriert wird, schreibt man halt für die Tonne.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon H2O » Mo 16. Dez 2019, 20:59

Ammianus hat geschrieben:(13 Dec 2019, 18:21)

Mentalitätsunterschiede gab es auch in der DDR. Auf so richtig knallharte Nazis, die das auch offen sagten, stieß ich eigentlich nur in Sachsen. Wobei das natürlich erstmal nur subjektive Erfahrung ist. Aber da denke ich z.B. an den "Gauleiter von Probstheida, einen Langhaarigen im Levisanzug. Oder einen Bergwandernden Stino (DDR-Abkürzung für "Stinknormalen"). Der sagte auf einem bulgarischen Zeltplatz, als ein Bus mit polnischen Touristen eintraf, dass die Polen gerade einmal zwei Menschenrassen über den Negern lägen.


Hat der Stino denn auch begründet, wie er zu seiner Meinung über Polen und "Neger" gekommen ist? Oder hat sich niemand getraut, ihn das zu fragen?
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon BingoBurner » Di 17. Dez 2019, 02:03

H2O hat geschrieben:(16 Dec 2019, 20:59)

Hat der Stino denn auch begründet, wie er zu seiner Meinung über Polen und "Neger" gekommen ist? Oder hat sich niemand getraut, ihn das zu fragen?


Was ist den deine Meinung ?
Ich traue mich das zu fragen..
Dont take your organs to heaven !
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Dinge, die Impfgegner sagen : https://www.facebook.com/impfgegnerzitate/

Sleep On The Floor https://www.youtube.com/watch?v=v4pi1LxuDHc
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon H2O » Di 17. Dez 2019, 09:15

BingoBurner hat geschrieben:(17 Dec 2019, 02:03)

Was ist den deine Meinung ?
Ich traue mich das zu fragen..


Wenn ich mit etwas Schuhcreme nachhelfe, dann sehe ich aus wie ein polnischer "Neger". Und das bei einem Stammbaum bis zurück ins 17. Jahrhundert; Ariernachweis meiner Eltern als Ehetauglichkeitszeugnis. Das hat mir immer sehr geholfen bei Gehaltsverhandlungen :thumbup:
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon schokoschendrezki » Di 17. Dez 2019, 14:13

Was ich sowohl in Ost wie in West immer wieder sehe und erlebe ist die relative Langlebigkeit von persönlichen Weltbildern im Vergleich zur ziemlichen Kurzlebigkeit politischer und wirtschaftlicher Zustände in der Welt.

Sehr viele Menschen im Osten haben ein stark von Glauben an Autorität geprägtes Gesellschaftsbild. Das ist sicher nicht nur ein Vorurteil.

Bei den Menschen im Westen erlebe ich vor allem einen nahezu unumstößlichen Glauben an die Überlegenheit ihres Wirtschaftssystems und speziell der "deutschen Wirtschaft". Einen Glauben daran, dass Wirtschaftskraft und demokratisches Gesellschaftssystem nicht nur einfach nebeneinanderstehen sondern sich gegenseitig bedingen.

Dabei würde ein Blick nach China genügen: Um in einer sogenannten "Regierungsunmittelbaren Stadt" ein Experimentierfeld für autonomes Fahren zu installieren, braucht man vor allem eines: Eine staatliche Zentralgewalt, die derartige Projekte einfach anordnet. Und für das entsprechende Deep Learning brauch man Riesendatenmengen von großen Mengenn von Personen ohne jede informationelle Selbstbestimmung. Für die großen wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind staatssozialistische Systeme wie das von China erheblich besser gerüstet als demokratische Marktwirtschaften. Die Einsicht in diese Tatsache wird der westdeutschen Mentalität noch einige Schmerzen der Selbsterkenntnis zufügen.

Die wachsende Gruppe der Wohlstandskritiker bis Wohlstandsverweigerer in Gesamtdeutschland bilden im Grunde genommen eine instinktive und instinktiv auf richtige Gegenstrategie zur Verteidigung von Demokratie und Freiheit ab. Der Teilausstieg oder zumindest die Hinterfragung des technologischen Wettlaufs.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon Ammianus » Di 17. Dez 2019, 18:47

H2O hat geschrieben:(16 Dec 2019, 20:59)

Hat der Stino denn auch begründet, wie er zu seiner Meinung über Polen und "Neger" gekommen ist? Oder hat sich niemand getraut, ihn das zu fragen?


Da gabs nichts zu begründen. Der dachte so. Antipolnische Aussagen kamen aus den verschiedensten Anlässen. Rassismus war in der DDR oft anzutreffen. In einem Berliner Betrieb wo rund um die Uhr Fahrzeuge gewartet wurden, gab es eine Brigade aus vietnamesischen Vertragsarbeitern. Die wurden wortwörtlich als "Viehzeug" bezeichnet. Dabei machten die ihre Arbeit nicht schlechter. Offiziell gab es das alles nicht und rund um die Uhr wurde "Völkerfreundschaft" gepredigt. Die Realität in den Köpfen Vieler war eine andere.
Ich erinnere mich an meine frühe Schulzeit. Da sollten wir uns alle, aus welchem Anlass auch immer, als Mitglieder der verschiedensten Völker verkleiden um unseren Internationalismus zu demonstrieren. Ich ging als Vietnamese, rot erzogen wie ich damals noch war, um meine Solidarität mit dem Volk Ho Chi Mins zu demonstrieren. Neben einer einfachen schwarzen Hose und einem langärmligen grünen Hemd offen über dem Hosenbund trug ich einen diese kegeligen Strohhüte. Irgendwie sah ich damit wirklich einem Nordvietnamesen ähnlich, wie sie in Zeitungen, Zeitschriften und natürlich dem Fernsehen vorkamen. Völlig verdattert musste ich feststellen, dass meine Mitschüler mich als "Pappchinesen" bezeichneten. Da konnte ich noch so oft "Vietnamese!" dagegenrufen.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon BlueMonday » Di 17. Dez 2019, 23:56

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 Dec 2019, 14:13)

Was ich sowohl in Ost wie in West immer wieder sehe und erlebe ist die relative Langlebigkeit von persönlichen Weltbildern im Vergleich zur ziemlichen Kurzlebigkeit politischer und wirtschaftlicher Zustände in der Welt.

Sehr viele Menschen im Osten haben ein stark von Glauben an Autorität geprägtes Gesellschaftsbild. Das ist sicher nicht nur ein Vorurteil.

Dabei würde ein Blick nach China genügen: Um in einer sogenannten "Regierungsunmittelbaren Stadt" ein Experimentierfeld für autonomes Fahren zu installieren, braucht man vor allem eines: Eine staatliche Zentralgewalt, die derartige Projekte einfach anordnet.


Wessen Autorität?
Zumindest für dich bestätigst du die staats- bzw. obrigkeitsgläubige Sicht mit deinem Chinastatement. Bei den Menschen, die mir im Osten begegnen, dominiert hingegen die Skepsis ggü. "der Politik". Wobei sich bei dieser Skepsis m.E. Westen und Osten zunehmend angleichen.

Der Blick nach China zeigt jedenfalls, dass erst durch die überfällige Öffnung der Wirtschaft und die Abkehr vom Beinhartsozialismus der wirtschaftliche Aufstieg erst möglich wurde.

"China’s private sector - which has been revving up since the global financial crisis - is now serving as the main driver of China’s economic growth. The combination of numbers 60/70/80/90 are frequently used to describe the private sector’s contribution to the Chinese economy: they contribute 60% of China’s GDP, and are responsible for 70% of innovation, 80% of urban employment and provide 90% of new jobs. Private wealth is also responsible for 70% of investment and 90% of exports."
Aus einem Papier des "World Economic Forum"

Der private Sektor ist also mittlerweile der Haupttreiber der chinesischen Wirtschaft.

Oder wie der chinesische Ökonom Zhang Weiying schreibt: "China’s reform started with an all-powerful government under the planned economy. The reason China could have sustained economic growth during the process of reform was because the government managed less and the proportion of state-owned enterprises decreased, not the other way around. It was precisely the relaxation of government control that brought about market prices, sole proprietorships, town and village enterprises, private enterprises, foreign enterprises, and other non-state-owned entities."

Andererseits, wenn das stimmen würde, woran du offenbar immer noch glaubst, dass also der Staat einfach nur anzuordnen hat, wieso sind die vielen realsozialistischen Experimente gescheitert? Wieso gibt es die DDR nicht mehr? Was funktionierte da nicht an diesem Ansatz der bloßen Anordnung? Mit dieser Überzeugung sind doch praktisch alle sozialistischen Staaten gestartet, dass man "einfach anordnen" könne. Der Realsozialismus war der ambitionierste Versuch der Realisierung oder Manifestation dieser einfachen Idee, die dann aber schnell und gehörig in der Komplexität der Wirklichkeit stecken blieb, so dass man wieder zumindest halbherzig zurückrudern musste (Lenins NEP etc).

Im Grunde halte ich irgendwelche vermeintlichen Mentalitätsunterschiede der verschiedenen Gebiete Deutschlands für vollkommen nebensächlich. Die wesentlichen Mentalitäten sind hingegen quer durch Deutschland und die ganze Welt bunt verteilt. Das zeigt sich ja schon in diesem kleinen Forum hier. Und so wird man auch in China den Staatsgläubigen finden genauso wie den staatskritischen Liberalen.
But who would build the roads?
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon H2O » Mi 18. Dez 2019, 08:52

Die wesentlichen Mentalitäten sind hingegen quer durch Deutschland und die ganze Welt bunt verteilt. Das zeigt sich ja schon in diesem kleinen Forum hier. Und so wird man auch in China den Staatsgläubigen finden genauso wie den staatskritischen Liberalen.


Das wird schon so zutreffen; aber: Aus meiner Sicht hat die chinesische Zentralgewalt, die KPC, einen unmittelbaren Durchgriff in alle (ja: alle) Abläufe in ihrem Machtbereich. Einen Anspruch, den sie erforderlichenfalls auch mit der Gewalt ihrer Streitkräfte durchsetzt. Darin unterscheidet sie sich sehr deutlich von den Möglichkeiten einer Bundesregierung, einmal abgesehen von den Größenverhältnissen. Ich meine, daß ein solches Machtgefüge einen erheblichen Einfluß auf das Lebensgefühl der Menschen in China und in Deutschland hat... und demzufolge auch grundlegende Wertungen des Zeitgeschehens steuert.

Weiterhin meine ich, daß eine kulturgeschichtliche Prägung auf unsere Gefühlswelt einen großen Einfluß haben wird. Auch da dürften sich Unterschiede zeigen zwischen den Bewohnern Boliviens oder Indiens.

Selbst wenn also das "Rohmaterial Mensch" weltweit gleich angelegt sein sollte, so kommen doch bestimmte Lebenserfahrungen in ihren Einstellungen zu ihrer Umgebung und in ihrer Weltsicht ganz unterschiedlich zu Tage.

Wenn wir zurück springen auf unser Thema, dann meine ich schon, daß unterschiedliche Lebenserfahrungen, zuletzt durch die deutsche Teilung und die real-sozialistischen Zwänge, auch dazu geführt haben, daß sich unterschiedliche Schwerpunkte in der Bewertung unserer gemeinsamen Gegenwart abbilden. Regionale Unterschiede dieser Art bleiben noch sehr lange erhalten; natürlich kommt es auf die persönlichen Antennen an, so etwas wahr zu nehmen... und ganz gewiß werden auch Vorurteile die Richtdiagramme dieser Antennen formen, so daß am Ende Unterschiede gesehen werden, die ein weit hergereister Zeitgenosse beim besten Willen nicht mehr wahrnehmen kann.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon Teeernte » Mi 18. Dez 2019, 09:14

H2O hat geschrieben:(18 Dec 2019, 08:52)

Das wird schon so zutreffen; aber: Aus meiner Sicht hat die chinesische Zentralgewalt, die KPC, einen unmittelbaren Durchgriff in alle (ja: alle) Abläufe in ihrem Machtbereich. Einen Anspruch, den sie erforderlichenfalls auch mit der Gewalt ihrer Streitkräfte durchsetzt. Darin unterscheidet sie sich sehr deutlich von den Möglichkeiten einer Bundesregierung, einmal abgesehen von den Größenverhältnissen. Ich meine, daß ein solches Machtgefüge einen erheblichen Einfluß auf das Lebensgefühl der Menschen in China und in Deutschland hat... und demzufolge auch grundlegende Wertungen des Zeitgeschehens steuert.



Ach - stimmt es gibt CHinesen in D. (Mentalitätsunterschiede in Deutschland)

Die Chinesinnen sind genau so lecker - wie die *.INNEN zuhause. (>> Kein hörensagen !)

Der NACHTEIL einer "unerbittlichen" Zentralregierung ?

Keiner mag entscheiden, keiner will einen Fehler machen..... jeder 10. ist ein Geheimdienstmensch ...und der 11. MANN ist ein Parteisekretär.

Das sind DIE , die keine Ahnung von der Arbeit haben - und viel Schwatzen.

Die Kreativität auf ARBEIT reduziert sich auf wenige EINZELPERSONEN im Konzern - denen dieses von OBEN zugelassen wird.

ZENTRALREGIERUNG >> Zentralregiert.

Natürlich werden von UNTEN keine Fehler berichtet . Nach MELDUNG läuft alles... 3 Fach Redundant. Fachlich , von Seiten der Partei - und von Geheimdienstseite.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon schokoschendrezki » Do 19. Dez 2019, 13:43

BlueMonday hat geschrieben:(17 Dec 2019, 23:56)

Wessen Autorität?
Zumindest für dich bestätigst du die staats- bzw. obrigkeitsgläubige Sicht mit deinem Chinastatement. Bei den Menschen, die mir im Osten begegnen, dominiert hingegen die Skepsis ggü. "der Politik". Wobei sich bei dieser Skepsis m.E. Westen und Osten zunehmend angleichen.

Der Blick nach China zeigt jedenfalls, dass erst durch die überfällige Öffnung der Wirtschaft und die Abkehr vom Beinhartsozialismus der wirtschaftliche Aufstieg erst möglich wurde.

"China’s private sector - which has been revving up since the global financial crisis - is now serving as the main driver of China’s economic growth. The combination of numbers 60/70/80/90 are frequently used to describe the private sector’s contribution to the Chinese economy: they contribute 60% of China’s GDP, and are responsible for 70% of innovation, 80% of urban employment and provide 90% of new jobs. Private wealth is also responsible for 70% of investment and 90% of exports."
Aus einem Papier des "World Economic Forum"

Der private Sektor ist also mittlerweile der Haupttreiber der chinesischen Wirtschaft.

Oder wie der chinesische Ökonom Zhang Weiying schreibt: "China’s reform started with an all-powerful government under the planned economy. The reason China could have sustained economic growth during the process of reform was because the government managed less and the proportion of state-owned enterprises decreased, not the other way around. It was precisely the relaxation of government control that brought about market prices, sole proprietorships, town and village enterprises, private enterprises, foreign enterprises, and other non-state-owned entities."


Du beschreibst damit in etwa die historische Periode vom Aufstieg Deng Xiaopings 1979 bis etwa zu seinem Tod 1997. Hallo aufwachen! Wir haben 2019! Und an der chinesischen Spitze steht mit Xi Jinping ein Politiker, der eine Partei anführt, die er nicht einfach nur nicht von "Kommunistische Partei" in etwas anderes umbenennen sondern genau so verstanden wissen will. Wirtschaftlicher Pragmatismus - einschließlich Privatisierung - hat sich mit den historischen Formen von Staatssozialismus schon immer vereinbaren lassen. (Siehe NÖP-Politik Lenins, auf die du ja selbst verweist).
Andererseits, wenn das stimmen würde, woran du offenbar immer noch glaubst, dass also der Staat einfach nur anzuordnen hat, wieso sind die vielen realsozialistischen Experimente gescheitert?

Aus welchen meiner Äußerungen entnimmst du eine derartige "Offenbartheit"?
Wieso gibt es die DDR nicht mehr? Was funktionierte da nicht an diesem Ansatz der bloßen Anordnung? Mit dieser Überzeugung sind doch praktisch alle sozialistischen Staaten gestartet, dass man "einfach anordnen" könne. Der Realsozialismus war der ambitionierste Versuch der Realisierung oder Manifestation dieser einfachen Idee, die dann aber schnell und gehörig in der Komplexität der Wirklichkeit stecken blieb, so dass man wieder zumindest halbherzig zurückrudern musste (Lenins NEP etc).

Die Frage, die ich eigentlich aufgeworfen habe, ist nicht die nach dem Systemwettbewerb Deutschland West/damals vs Deutschland Ost/damals sondern Deutschland/ganz heute vs. China/heute. Und das heißt klassische Marktwirtschaft vs. Führung durch die Kommunistische Partei, also Anordnungswirtschaft. Ein Weltkonzern wie Huawei ist durch und durch mit der KP Chinas verflochten. Ich weiß es nicht, aber vielleicht liegen die Unterschiede zum DDR-System zumindest auch in der Mentalität. Anders als in der grauen DDR ist es im heutigen China auch für die allgemeine Bevölkerung offiziell nicht verpönt, reich zu sein, an seinem Reichtum zu arbeiten und diesen auch zu zeigen. Nichtsdestotrotz passiert auch bei Huawei nix, garnix ohne Genehmigung von oben. Und die Frage ist gar nicht, ob dieses letztendlich zentralwirtschaftliche System irgenwann einmal und vielleicht und in der Zukunft dem individualistisch geprägten System der westlichen Marktwirtschaften überlegen ist .... dies zeichnet sich schon jetzt und heute ab. Dies hat zu großen Teilen damit zu tun, dass einem Hauptmachtausübungsfaktor solcher Systeme - der Totalüberwachung der Bürger - mit der modernen Internet-Technologie eine Art Gottesgeschenk gemacht wurde.

Meine ganz persönliche Ansicht dazu (ich habe mich dazu in meinem Beitrag geäußert und weiß nicht, warum du diese Ansichten ignorierst und grob verfälschst): Nur mit dem Ausstieg aus der totalen Wachstumsideologie ist eine Rettung des Gesellschaftsideals möglich, das ganz auf individuelle Freiheit setzt. Wenn wir im Wettbewerb mithalten wollen, brauchen wir Autos, die alle Daten an eine Zentrale melden, den total gläsernen Menschen, die totale Aufgabe informationeller Selbstbestimmung. Mehr und mehr werden auch im Softwarebereich nicht mehr "Produkte" sondern Dienste verkauft. "In der Cloud" heißt es beschönigend. Wer herrscht "in den CLoud". Danach sollst Du, westlicher Wohlstandsmensch biitte nicht fragen! Wenn wir all das wollen stehen wir - ob wir wollen oder nicht - in Konkurrenz zu Chinas Totalüberwachungsnetzen.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon schokoschendrezki » Do 19. Dez 2019, 13:58

Im Oktober ist ein wichtiges politisches Buch erschienen: "Alles wird anders". Von Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT. Geboren 1960. In einer Rezension dazu heißt es, dass gerade Leute wie Ulrich den traditionellen politischen Konsensualismus des deutschen Bildungsbügertums vertritt. Das gute Gewissen der nach der Katastrophe geläuterten Nachkriegsbundesrepublik. Wir haben starke Gewerkschaften, wir haben eine "Klimakanzlerin", uns geht es gut, wir verkaufen Autos, wir sind "Weltmeister der Herzen", wir wohnen in einem Eigenheim draußen und fahren mit dem Mittelklasseauto ins Büro ...

Kern dieses Buches ist die Erkenntnis: Diese Lebenswelt geht zwar nicht ihrem Ende entgegen aber aus dem lauen Lüftchen der Veränderung wurde ein Sturm des Wandels. Nur ist dieses Erkenntnis noch immer die eines "Renegaten". Das will man noch nicht so ganz ernst nehmen. Dabei mehren sich die Zeichen. Nicht nur wegen der Prognosen der Klimawissenschaftler. Es wird - nur als Beispiel - schon in Kürze dank Technologieschub dramatische Veränderungen in der Berufswelt geben.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon schokoschendrezki » Do 19. Dez 2019, 14:09

Brainiac hat geschrieben:(16 Dec 2019, 19:11)

Spam weggeräumt.

Ich hatte mit erheblichem Aufwand die strangthemenfremde Nebendiskussion der letzten Woche ins Wirtschaftsforum ausgelagert und erwarte jetzt aber, dass hier auch beim Thema geblieben wird. Wenn das einfach ignoriert wird, schreibt man halt für die Tonne.

Die spezifische Mentalität der Westdeutschen - wenn es sie denn überhaupt gibt! - ist sosehr mit dem Bewusstsein wirtschaftlicher Überlegenheit allgemein und speziell mit der Erzählung vom "Wirtschaftswunder" verknüpft, dass eine solche Trennung von vonrherein illusorisch ist.

Ein wissenschaftlicher Artikel des IFO-Instituts trägt genau diesen Titel: "Mentalitätsunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland und ihre Herkunft" (https://www.ifo.de/DocDL/ifodb_2009_1_28_40.pdf).

Und der erste Satz des ersten Abschnitts dieses Artikel lautet so:

Auch fast 20 Jahre nach der deutschen Vereinigung gibtes in weiten Teilen der ostdeutschen Bevölkerung noch immer Vorbehalte gegenüber der marktwirtschaftlichen Ordnung.


Mit anderen Worten: Es wird gar nicht erst in Zweifel gestellt, ob Mentalitätsunterschiede auch mit irgendetwas anderem als wirtschafltichen Dingen zu tun haben könnten. Mit der politischen Ordnung zum Beispiel, mit Pressefreiheit, Parlamentarismus oder Gewaltenteilung.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon Brainiac » Do 19. Dez 2019, 17:17

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Dec 2019, 14:09)

Die spezifische Mentalität der Westdeutschen - wenn es sie denn überhaupt gibt! - ist sosehr mit dem Bewusstsein wirtschaftlicher Überlegenheit allgemein und speziell mit der Erzählung vom "Wirtschaftswunder" verknüpft, dass eine solche Trennung von vonrherein illusorisch ist.

Ein wissenschaftlicher Artikel des IFO-Instituts trägt genau diesen Titel: "Mentalitätsunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland und ihre Herkunft" (https://www.ifo.de/DocDL/ifodb_2009_1_28_40.pdf).

Und der erste Satz des ersten Abschnitts dieses Artikel lautet so:



Mit anderen Worten: Es wird gar nicht erst in Zweifel gestellt, ob Mentalitätsunterschiede auch mit irgendetwas anderem als wirtschafltichen Dingen zu tun haben könnten. Mit der politischen Ordnung zum Beispiel, mit Pressefreiheit, Parlamentarismus oder Gewaltenteilung.

Es geht mir nicht um eine strikte Trennung, dazu moderiere ich lange genug und handhabe das normalerweise auch vergleichsweise liberal. Ich erwarte aber zumindest ab und zu ein Bemühen, den Bezug zum Strangthema zu wahren. Also nicht nur, wie ist das Wirtschaftssystem und wie sollte es sein, sondern, wie wirkt sich das auf Mentalitäten und deren Unterschiede aus. Dieses Bemühen war in den zuletzt entfernten Beiträgen trotz meiner ausdrücklichen Bitte überhaupt nicht mehr erkennbar. Für die allgemeine Diskussion des Kapitalismus gibt es nun den Strang im Wirtschaftsforum.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 20. Dez 2019, 07:40

H2O hat geschrieben:(18 Dec 2019, 08:52)
Selbst wenn also das "Rohmaterial Mensch" weltweit gleich angelegt sein sollte, so kommen doch bestimmte Lebenserfahrungen in ihren Einstellungen zu ihrer Umgebung und in ihrer Weltsicht ganz unterschiedlich zu Tage.

Sehr gut formuliert! So ist es.

Die zum Beispiel den Finnen nachgesagte Schweigsamkeit hat einfach mit einer ziemlich geringen Bevölkerungsdichte und damit zu tun, dass das Land über sehr lange Zeit hinweg weitestgehend agrarisch geprägt war. Dann war Finnland über einen gewissen Zeitraum hinweg mit der Firma Nokia eigentlich sozusagen das Weltzentrum der Menschenkommunikation. Umso kontrastierender tritt dann natürlich die erstgenannte Tatsache zum Vorschein und führt eben zu einer dieser modernen Mythen von den "schweigsamen Finnen". Die der bekannte Filmemacher Kaurismäki in seiner Kunst gestaltet und nocheinmal künstlerisch überhöht.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 20. Dez 2019, 08:12

Brainiac hat geschrieben:(19 Dec 2019, 17:17)

Es geht mir nicht um eine strikte Trennung, dazu moderiere ich lange genug und handhabe das normalerweise auch vergleichsweise liberal. Ich erwarte aber zumindest ab und zu ein Bemühen, den Bezug zum Strangthema zu wahren. Also nicht nur, wie ist das Wirtschaftssystem und wie sollte es sein, sondern, wie wirkt sich das auf Mentalitäten und deren Unterschiede aus. Dieses Bemühen war in den zuletzt entfernten Beiträgen trotz meiner ausdrücklichen Bitte überhaupt nicht mehr erkennbar. Für die allgemeine Diskussion des Kapitalismus gibt es nun den Strang im Wirtschaftsforum.

Gut. Vor ziemlich langer Zeit habe ich mich ab und zu mit einem gewissermaßen ehemalig angeheirateten Verwandten, einem Rentner aus Westberlin in Ostberlin unterhalten. Er meinte, man könne die Überlegenheit der Bundesrepulbik einfach "ausrechnen". Und dann riss er die Rückseite einer Zigarettenschachtel ab (damals wurde noch in den Wohnzimmern geraucht ...) und schrieb eine Rechnung, in der es um Umtauschkurse, Einkommen, Sozialabgaben, Mieten usw. usf. ging - noch schön mit Sütterlinziffern - drauf. Und am Ende stand die Bundesrepulbik eben besser da als der Osten Deutschlands. Der alte Herr gehörte noch zu diesen Frontstadt-Westberlinern. Und eben diese standen aber mittlerweile in der eigenen "Frontstadt" den vielen zugezogenen jungen Leuten aus Bayern oder BW gegenüber, die einmal keinen Bock auf Wehrdienst hatten und überhaupt in diesem 70er,Anfang 80er Westberlin vor allem eine Art kuschliges Nest sahen. Spätestens Mitte der 80er gab es aber einen zeitgeistigen Bruch. In Ost wie in West gleichermaßen. Die Phase zwischen "Dallas" und "T-Aktie" ist geprägt von dem weitestgehend unwidersprochenem Ideal des monetären Kapitalismus, das mit dem Begriff "Wohlstandsevangelium" eigentlich ziemlich gut umschrieben wird. Das Wohlstandsevangelium drückte zunächst alles weg. Meiner Ansicht nach auch die Mentalitätsunterschiede Deutschland Ost/West. Deutlich sichtbar daran, dass die ehemals aus Umweltgruppen und der Kirche hervorgegangenen DDR-Oppositionellen innerhalb kürzester Zeit vollständig in der Bedeutungslosigkeit versanken. Und stattdessen tauchte das Ost-Gesicht Manfred Krug in der T-Aktienwerbung auf. Und Biermann gab sich als "Bekehrter". Was also musste folgen? Natürlich: Das "Ende der Geschichte".

Und nun, nach Finanzkrisen, Klimawandel und der Bildung pseudostaatlicher Gewalten in Form der großen IT-Konzerne taucht der "Osten" plötzlich wieder auf. In der Wahlwerbung der AfD zum Beispiel. Die Vereinfacher und Identitären brauchen Erzählungen wie die über "den Osten". Nicht anders eigentlich wie die Erzählung über das große "Britische Empire" in UK oder Alexander den Großen im Zusammenhang mit dem Mazedonien-Namensstreit.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon Selina » Fr 20. Dez 2019, 08:20

Mit diesen Mentalitäts-Debatten rutscht man schnell in so eine merkwürdige und überhebliche Geschichte hinein. "Die schweigsamen Finnen", "die Sauerkraut liebenden Deutschen (die Krauts)", "die gastfreundlichen Russen", "die höflichen Asiaten", "die jammernden und obrigkeitshörigen Ossis", "die alles besser wissenden Wessis"... Was wäre dann das jeweilige Gegenteil mal rein theoretisch? Irgendwelche künstlichen Mentalitätsgruppen zu erfinden, ist völlig sinnlos. Und meistens einseitig, manchmal auch abwertend. Nicht mal die psychologische Sache mit den einzelnen Typen Sanguiniker etc... stimmt so, geschweige denn soziologisch. Diese theoretischen Eigenschaften treten alle immer als Mischung und individuell gefärbt auf.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 20. Dez 2019, 08:28

Teeernte hat geschrieben:(18 Dec 2019, 09:14)

Ach - stimmt es gibt CHinesen in D. (Mentalitätsunterschiede in Deutschland)

Die Chinesinnen sind genau so lecker - wie die *.INNEN zuhause. (>> Kein hörensagen !)

Der NACHTEIL einer "unerbittlichen" Zentralregierung ?

Keiner mag entscheiden, keiner will einen Fehler machen..... jeder 10. ist ein Geheimdienstmensch ...und der 11. MANN ist ein Parteisekretär.


Ich sah einmal einen Bericht über die soziale Situation von japanischen Familien, die sich aus Sorge wegen der Gesundheit ihrer kleinen Kinder dazu entschlossen hatten, auch die weitere Umgebung der Region Fukushima zu verlassen. Es wurde ihnen von ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld gewissermaßen als unpatriotische Fahnenflucht ausgelegt. Umfassende soziale Kontrolle funktioniert offenbar auch in einer formalen Demokratie.

Hat das etwas mit "Mentalitäten" zu tun? Ich glaube eher nicht. Die Erzählung von den "Werten der Gemeinschaft" und der Verwurzeltheit in der eigenen "Kultur" ist vor allem eine scheinbar einfache Lösung für das Komplexitätsreduktionsproblem in der modernen Welt.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon Bartleby » Fr 20. Dez 2019, 09:52

schokoschendrezki hat geschrieben:(20 Dec 2019, 08:28)

Ich sah einmal einen Bericht über die soziale Situation von japanischen Familien, die sich aus Sorge wegen der Gesundheit ihrer kleinen Kinder dazu entschlossen hatten, auch die weitere Umgebung der Region Fukushima zu verlassen. Es wurde ihnen von ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld gewissermaßen als unpatriotische Fahnenflucht ausgelegt. Umfassende soziale Kontrolle funktioniert offenbar auch in einer formalen Demokratie.

Hat das etwas mit "Mentalitäten" zu tun? Ich glaube eher nicht. Die Erzählung von den "Werten der Gemeinschaft" und der Verwurzeltheit in der eigenen "Kultur" ist vor allem eine scheinbar einfache Lösung für das Komplexitätsreduktionsproblem in der modernen Welt.


Sie verstehen Japan nicht, weil Sie in Ihrem Welt- und Menschenbild stecken bleiben. Hier denken wir die Welt und alle Dinge vom Subjekt her, in Japan denkt man das Subjekt von der Welt her, und das führt zu einer vollkommen anderen Mentalität als hierzulande. In Japan gibt es fast ein Dutzend Begriffe für das, was wir als Verweis auf die eigene Person in der 1. Ps. Sg. "ich" nennen. In Japan ist der jeweils benutzte Begriff für "ich" beziehungsabhängig, streng hierarchisch, also davon abhängig, mit wem man gerade redet.
In der Massendemokratie ist Kommunikationsverweigerung die letzte offene Tür ins Freie.
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Selina
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon Selina » Fr 20. Dez 2019, 10:22

In Japan sagt auch niemand sowas wie, "Sie verstehen das nicht" oder "Sie haben keine Ahnung" oder "befassen Sie sich mal mit dem und dem". Der Respekt vor dem jeweiligen Gegenüber ist viel zu groß, als dass da jemand irgendwelche Wertungen oder "gutgemeinte" persönliche Ratschläge äußern würde. Davon könnte man Einiges lernen.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon JJazzGold » Fr 20. Dez 2019, 11:02

Selina hat geschrieben:(20 Dec 2019, 10:22)

In Japan sagt auch niemand sowas wie, "Sie verstehen das nicht" oder "Sie haben keine Ahnung" oder "befassen Sie sich mal mit dem und dem". Der Respekt vor dem jeweiligen Gegenüber ist viel zu groß, als dass da jemand irgendwelche Wertungen oder "gutgemeinte" persönliche Ratschläge äußern würde. Davon könnte man Einiges lernen.


Waren Sie schon mal in Japan, Selina?

Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung über Land berichten, dass dort zu großen Teilen entweder nicht verstanden wird, was Sie sagen, oder Sie die Antwort nicht verstehen würden, es sei denn Sie sprächen japanisch, oder hätten eine japanisch sprechende, übersetzende Reiseleitung zur Hand. Aber diese wird Ihnen o.g. Sätze gar nicht erst übersetzen, sollten diese geäussert werden ;)
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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