Kampf gegen Links

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ThorsHamar
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon ThorsHamar » Di 13. Okt 2020, 13:20

Elmar Brok hat geschrieben:(13 Oct 2020, 12:37)

Das liegt möglicherweise daran, dass ältere Menschen weniger Social Media benutzen? :rolleyes:
Ältere Menschen beeinflusst man über andere Kanäle. Relativ simpel.


zu simpel ...
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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Skeptiker
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Skeptiker » So 22. Nov 2020, 20:04

Wieder ein sehr eindringliches Interview in der Welt (Bezahlbereich) über die Gefahren die linksidentitäre Strömungen mit sich bringen.

ZENSUR VON LINKS
„Uns droht ein neuer Totalitarismus, tödlich, antisemitisch und fundamentalistisch“

Die Französin Caroline Fourest warnt: Eine neue „Generation Beleidigt“ wolle bestimmen, was heute Rassismus und Sexismus bedeuten – und jeden Sinn für Humor, Provokation und Leidenschaft abschaffen. Linke und Islamisten bildeten dabei eine unheilige Allianz.

Caroline Fourest nimmt kein Blatt vor den Mund. Was andere nur hinter vorgehaltener Hand sagen, äußert sie freimütig: Die radikale identitäre Linke stelle in Europa eine Gefahr für die Demokratie dar. Spezifisch amerikanische Debatten über Antirassismus würden eifrig importiert – unter Verkennung ihrer historischen und kulturellen Bedingtheit. In ihrem Buch „Generation Beleidigt“ (Edition Tiamat, 144 S., 18 €) analysiert die Französin, wie sich ein Teil der Linken zum Steigbügelhalter des politischen Islam macht, gestützt von einer naiven Universitätselite. Den Kampf um die Freiheit gegen autoritäres Gebaren gibt sie dennoch nicht verloren.

...
WELT: Tappt die deutsche Linke in dieselbe Falle wie die französische? Übernimmt die „Generation Beleidigt“, hypersensibel in Bezug auf Rassismus und Sexismus, das Ruder?
Fourest: In Frankreich und Europa gibt es eine universalistische Linke, die sich mit „Charlie Hebdo“ identifiziert, laizistisch denkt und die Freiheit der Meinungsäußerung hochhält. Es gibt aber auch eine identitäre, radikale Linke. Die imitiert amerikanische und kanadische Fragestellungen und führt nur noch eine Debatte über Identitäten statt eine Debatte über Ideen. Das ist absurd, weil wir eine ganz andere Geschichte haben hier in Europa.
In Amerika geht es um Segregation, hier um postkolonialen Rassismus und Genozide. Wir Europäer befinden uns erst am Anfang dieser Mimesis. Deshalb hatte ich das Bedürfnis, über diese gefährliche Entwicklung bei einem Teil der Linken zu schreiben. Mein Buch versteht sich als Weckruf, als Warnung davor, die gleichen Fehler wie die Amerikaner zu machen.

WELT: Welche Gefahr sehen Sie heraufziehen?

Fourest: Uns droht ein neuer Totalitarismus, tödlich, antisemitisch und fundamentalistisch. Vor allem die jüngere Generation hat eine unglaubliche Angst davor, zu schockieren. Diese Generation hat fast schon aufgegeben, in der Hoffnung, Attentate würden aufhören, sofern man sich an alle Regeln hält und bloß niemanden verletzt. Das hieße aber, die Ideologie des Dschihadismus total zu verkennen!

...

WELT: Reinheitsideen waren traditionell Ausdruck von faschistischen Ideologien.

Fourest: Ja, aber dieses historische Wissen haben wir verloren. Antirassismus wird zur Waffe der Zensur. Das soll nicht heißen, dass ich Hass in den Social Media gutheiße, im Gegenteil: Man muss die sozialen Medien rezivilisieren, zugleich aber den Sinn für Ironie und Provokation wiederbeleben, um durchatmen zu können.

...

WELT: Immer wieder werden „anstößige“ Skulpturen verhüllt und „sensitivity readers“ prüfen Manuskripte in manchen Verlagen auf ihr Beleidigungspotenzial. Gibt es eine direkte Linie zwischen Kulturpolizei und Gedankenpolizei?

Fourest: Ah, diese Pest der Überempfindlichkeit! Wir schaffen es inzwischen ja nicht einmal mehr, uns auszutauschen über unsere verschiedenen Wahrnehmungen. Die Meute mobilisiert sich bei der kleinsten Kleinigkeit. Angestachelt werden diese Menschen, auch Studenten, von Universitätsdozenten und Professoren. Die Unis sind zu intellektuellen Gettos verkommen, die eine identitäre Linke subventioniert und die universalistische Linke als Feinde betrachtet. Das geht partiell so weit, dass Islamisten als Redner an Unis willkommen sind und klassische Linke ausgebuht werden.

WELT: In Frankreich kommt es zu fatalen Bündnissen zwischen identitären Linken und Islamisten. Wie äußert sich diese unheilige Allianz?

Fourest: Feministinnen marschieren mit Fundamentalisten Seit’ an Seit’ und demonstrieren sowohl für Prostitution als auch für den Schleier. Wenn man jemanden aus der Jahrtausendwende in unsere Zeit beamen würde, der würde das nicht glauben! Das Ganze war ein schleichender Prozess seit „9/11“, als die Linke das Attentat dem amerikanischen Imperialismus zuschrieb.

Im Fall der „Charlie Hebdo“-Karikaturen war es genauso: Es ist immer der Fehler des Westens, nicht der mordenden Dschihadisten! (lacht bitter) Diese radikale Linke ist total auf den Westen fixiert und begreift nicht, dass der Riss zwischen Fundamentalisten und Modernisten durch die ganze Welt geht.

Die radikale Linke trägt Scheuklappen und macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Die Folge ist, dass man sich mit bigotten, sexistischen, antisemitischen Leuten zusammentut. Schauen Sie sich doch den französischen Komiker Dieudonné an. Dem ist es gelungen, Antisemiten aller Couleur zu vereinen. Im Antisemitismus und im Hass auf die Demokratie ist sich diese hybride Truppe einig.

...

WELT: Bereits seit 2013 gibt es den „World Hijab Day“, an dem Frauen den Hidschab tragen und sich in Bescheidenheit üben sollen. Seltsamerweise wird dieser Tag von Studentenvereinigungen renommierter Hochschulen wie Sciences Po unterstützt. Wie erklären Sie sich das?

Fourest: Tja, linke Studentenvereinigungen wie UNEF unterstützen diesen Aktionstag. Ausgerechnet diejenigen, die ständig cultural appropriation schreien, finden nichts dabei, den Hidschab zu tragen. Und dann erklären sie uns auch noch, dass die Frau züchtig zu sein hat.

...

WELT: Wie erklären Sie sich diesen Verrat an feministischen Errungenschaften?

Fourest: Das ist ein Irrweg der intersektionalen Feministinnen. Der geht so weit, dass die Vergewaltigungsopfer des Islamwissenschaftlers und Predigers Tariq Ramadan von ihnen Stich gelassen werden. Einen Albtraum durchleben diese Frauen! Im Namen der Intersektionalität fordert man, dass der Kampf gegen Sexismus dem Kampf gegen Rassismus geopfert wird.

WELT: Je mehr Terrain die Religion gewinnt, desto mehr Unterwerfung. Naht ein masochistisches Zeitalter?

Fourest: Nein, nein, das sehe ich nicht so. Nicht die Religionen, sondern die Fundamentalisten haben Bündnispartner gefunden. Seit den Attentaten aber wittern wir die Gefährdungen des Laizismus. Man entwickelt einen Sinn dafür. Der Kampf ist noch lange nicht verloren!

https://www.welt.de/kultur/plus22020187 ... ismus.html

Es ist wohl ermutigend, dass Teile der Linken nun langsam verstehen, welches Monster sich da in ihrem Vorgarten entwickelt. Man muss das so benennen, wie Frau Fourest das hier tut.

Ich kann mich dem wieder nur voll und ganz anschließen. In Frankreich scheinen die ersten wach zu werden. In Deutschland ist Alice Schwarzer ja von links ins Abseits gestellt worden, für vergleichbare Ansichten.

Sehr wichtig auch der Hinweis, dass es hier um Moderne gegen Fundamentalismus geht. Etwas, das identitär denkenden Gruppierungen niemals verstehen werden. Es geht also nicht darum Opfer zu stärken, sondern liberale Werte zu bewahren. Manchmal hat sogar die von linksradikalen so verhasste westliche Mehrheitsgesellschaft schlicht recht. Nicht immer ist es die Minderheit, die, durch Identität geadelt, das Recht auf seiner Seite hat.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Zweifeler » So 22. Nov 2020, 20:16

Skeptiker hat geschrieben:(22 Nov 2020, 20:04)
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Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Sehr gutes Interview, konnte die Dame meine Gedanken lesen? Ist ja schon unheimlich wie sie fast 1:1 das sieht, was mich fast verzweifeln lässt :)
Danke dafür Skeptiker.
„Auf! – sey es zum Siege ! zum Tode! Hurrah!
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Billie Holiday » So 22. Nov 2020, 20:19

Generation Beleidigt trifft es auf den Punkt.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski

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