Kampf gegen Links

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Selina
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Selina » Sa 9. Nov 2019, 17:50

Vongole hat geschrieben:(09 Nov 2019, 17:36)

Wer sich nicht dazu durchringen kann, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen, der verklärt die Vergangenheit.
Wer nicht begreift, dass er 30 Jahre nach der Wende nicht von "Blockparteien", einem "Politbüro", einem "Kartell einer kleinen Führungsgruppe"regiert wird, sondern in einer Demokratie lebt - auch wenn sie Schwächen hat -
kann aus der DDR-Geschichte nichts gelernt oder sie so verklärt haben, dass er die durchsichtige Agitation dieser Behauptungen nicht durchschaut.


Wer macht das hier denn? Ich sehe keinen. Und was den Begriff "Unrechtsstaat" anbelangt, das sehe ich wie Gysi (Anwalt und Linker): Ja, es hat Unrecht gegeben in der DDR, zum Teil auch gravierendes, aber der gesamte Staat in seiner ganzen Komplexität war selbstverständlich kein "Unrechtsstaat". Dieser Streit wird alle Jahre wieder neu hochgekocht. Da wirst du damit leben müssen, dass es dazu unterschiedliche Auffassungen gibt. Deswegen will doch aber niemand die DDR, auch nicht "sowas Ähnliches", zurückhaben. Und was dort passiert ist, weiß doch nun jeder. Trotzdem ist die Pauschalisierung "Unrechtsstaat" falsch. Der Streit darüber unter Fachleuten dauert an und wird auch nicht übermorgen geklärt sein. Es wäre nur gut, würde man bei der Bewertung der DDR mal mit einbeziehen, dass wir hier von der deutsch-deutschen Geschichte sprechen. Und dass bei der Entstehung der DDR und der BRD die Alliierten ein mächtiges Wörtchen mitgeredet haben.

Auch für dich noch mal das Sellering-Interview. Der SPD-Politiker hats gut auf den Punkt gebracht.
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Teeernte
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Teeernte » Sa 9. Nov 2019, 17:51

Vongole hat geschrieben:(09 Nov 2019, 17:36)

Wer sich nicht dazu durchringen kann, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen, der verklärt die Vergangenheit.
Wer nicht begreift, dass er 30 Jahre nach der Wende nicht von "Blockparteien", einem "Politbüro", einem "Kartell einer kleinen Führungsgruppe"regiert wird, sondern in einer Demokratie lebt - auch wenn sie Schwächen hat -
kann aus der DDR-Geschichte nichts gelernt oder sie so verklärt haben, dass er die durchsichtige Agitation dieser Behauptungen nicht durchschaut.



Die meisten Ossis kamen mit dem "richtigen Unrecht" nicht in Kontakt//haben es nicht bewusst erfahren.....waren "zu kleine Lichter" um direkt mit den geplanten//echten Toten.....sowie der Führung dazu in Kontakt zu kommen.

Die waren Kollektiv der DSF und haben eine Prämie für Planerfüllung bekommen.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Dark Angel » Sa 9. Nov 2019, 17:55

JJazzGold hat geschrieben:(09 Nov 2019, 17:28)

Oder die Treuhand als Wurzel allen Übels identifiziert. Was, interessanter Weise, deckungsgleich mit der Die Linke ist.

Offen gestanden, Vongole, ich weiß nicht, was Menschen dazu treibt ihr Kreuz bei Extremisten und Systemveränderern zu setzen, obwohl man sich deren Worte und Taten, sowie der Auswirkungen bewusst ist. Denn es gab auf die DDR insgesamt, auf das staatliches System bezogen, keine “gute alte Zeit“. Das mag der Eine oder Andere aus den unterschiedlichsten Gründen subjektiv so empfinden und sich den einen oder anderen Aspekt herauspicken, der in der Rückblende als positiv bewertbar ist, objektiv hält das keiner Überprüfung stand. Bedauerlicherweise bildet aber diese Subjektivität heutzutage den neuen Schutzwall und das finde ich nicht nur bedauerlich, es ist auch hinderlich auf dem längst vorgegebenen Weg einer gemeinsam zu meisternden Zukunft.

Mehr als bedauerlich ist, dass dieser Subjektivität, diesem "persönliche Empfinden" der Vorzug vor Fakten, historischen Zusammenhängen gegeben und sich angemaßt wird, damit Aussagen von Historikern und Politikwissenschaftlern widerlegen zu können.
Eigenes (subjektives) Erleben wird verallgemeinert und Unrecht relativiert und marginalisiert.
Wie uns hier immer wieder eindrucksvoll demonstriert wird.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Fliege » Sa 9. Nov 2019, 17:59

Hinsichtlich der
naddy hat geschrieben:(09 Nov 2019, 12:27)
[...] "Unrechtsstaat"-Diskussion in diesem Thread [...]
hat die 90. Justizministerkonferenz am 7. November 2019 für Klarheit gesorgt und diesen Begriff beschlossen: "Unrechtsstaat der DDR".
Fake-News-Bügelmaschine: "Glauben Sie nicht den Gerüchten, sondern nur den offiziellen Mitteilungen". — Alle Befürchtungen sind eingetreten.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Skeptiker » Sa 9. Nov 2019, 18:03

conscience hat geschrieben:(09 Nov 2019, 10:30)
Ein Ausdruck "Kampf gegen Links" ist viel zu indifferent, das gilt übtigems auf für "Kampf gegen Rechts".

Dem möchte ich ausdrücklich zustimmen. Wenig überraschend ist diese Erkenntnis genau der Anlass dieses Stranges.
Was ist Links was ist Rechts ?

Das kann man sicherlich definieren. Allerdings ist es in meinen Augen immernoch unsäglich, gegen "alle Linke" oder "alle Rechte" vollkommen indifferent einen Kampf auszurufen. Welche Legitimation hätte man dazu? Darf ich auch gegen alles Liberale einen Kampf ausrufen und mich dann immernoch einen Demokraten nennen? Der Kampf gegen Rechts scheint dagegen fast soetwas wie der notwendige Lackmustest für demokratische Gesinnung zu sein. Wieso eigentlich?

Als Demokrat stehe ich entschieden gegen Extremismus und Totalitarismus. Mit dem "Kampf gegen Rechts" hat man der Demokratie einen Bärendienst erwiesen, weil er eine offensichtlich erkennbare Verletzung der Neutralität des Staates darstellt. Die AfD schlachtet das mit ihrem eigenen "Kampf gegen Links" aus - vorhersehbar.
Kämpfen tut man also gegen wen und was ?

Der Staat hat die Aufgabe die FDGO und die Bürger zu beschützen. Dem wird er gerecht, indem er sich gegenüber Extremisten stark aufstellt. Es ist weder die Aufgabe des Staates politisch Partei zu ergreifen, noch zu suggerieren, dass das notwendig wäre.
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Selina
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Selina » Sa 9. Nov 2019, 18:04

Teeernte hat geschrieben:(09 Nov 2019, 17:15)

Mann® hat RICHTIGEN Kapitalismus erwartet .... (Leistung muss sich wieder Lohnen)

Nicht "Beziehungen" und D Mark.

...und die MEISTEN haben NICHT im Knast gesessen...


Richtig. Die übergroße Mehrheit der Leute wollte endlich reisen und ordentlich konsumieren. Diese ganze Ideologisierung nach dem Gauck-Motto "Freiheit in Verantwortung" hat für viele dabei nur eine Nebenrolle gespielt. Es ging um die D-Mark. Und die wollte man möglichst schnell. An die ganzen Verwerfungen danach, an das Wegbrechen des kompletten Ost-Marktes und damit der gesamten Wirtschaft einschließlich Absturz in die Massenarbeitslosigkeit haben zu diesem Zeitpunkt nur ganz wenige, relativ weitblickende Leute (wie etwa Heiner Müller) gedacht.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon unity in diversity » Sa 9. Nov 2019, 18:07

Selina hat geschrieben:(09 Nov 2019, 18:04)

Richtig. Die übergroße Mehrheit der Leute wollte endlich reisen und ordentlich konsumieren. Diese ganze Ideologisierung nach dem Gauck-Motto "Freiheit in Verantwortung" hat für viele dabei nur eine Nebenrolle gespielt. Es ging um die D-Mark. Und die wollte man möglichst schnell. An die ganzen Verwerfungen danach, an das Wegbrechen des kompletten Ost-Marktes und damit der gesamten Wirtschaft einschließlich Absturz in die Massenarbeitslosigkeit haben zu diesem Zeitpunkt nur ganz wenige, relativ weitblickende Leute (wie etwa Heiner Müller) gedacht.

Fehlerdiskussionen passen hier rein:
viewtopic.php?f=75&t=67121#p4336492
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon JJazzGold » Sa 9. Nov 2019, 18:17

Dark Angel hat geschrieben:(09 Nov 2019, 17:55)

Mehr als bedauerlich ist, dass dieser Subjektivität, diesem "persönliche Empfinden" der Vorzug vor Fakten, historischen Zusammenhängen gegeben und sich angemaßt wird, damit Aussagen von Historikern und Politikwissenschaftlern widerlegen zu können.
Eigenes (subjektives) Erleben wird verallgemeinert und Unrecht relativiert und marginalisiert.
Wie uns hier immer wieder eindrucksvoll demonstriert wird.


Etwas, was ich nicht nachvollziehen kann. In der Regel ist man doch froh, wenn ein Regime des Unrechts sein Ende gefunden hat. Noch dazu unblutig, intern und letzten Endes ein bis dato einmaliges Ereignis bildend. Was ist es, was einige/etliche Menschen davon abhält, das zu honorieren? Was treibt einige/etliche Menschen dazu, der DDR per se subjektiv einen Glorienschein zu verleihen und diesen regelmäßig zu polieren? Was bringt einen Menschen dazu, sich allein durch die Feststellung, die DDR entspricht allen Kriterien eines Unrechtsstaats, als persönlich angegriffen und minimiert zu sehen? Was gar nicht der Intention Derjenigen entspricht, die faktisch feststellen, dass die DDR ein Unrechtsstaat war. Was animiert Menschen dazu, Tote gegenseitig aufzurechnen, um zu behaupten, der Staat mit der geringen Summe an Toten könne aufgrund dessen nicht unter Unrechtsstaat verbucht werden?

Bitte erklären Sie es mir, denn ich kann nichts davon nachvollziehen.
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Selina
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Selina » Sa 9. Nov 2019, 18:45

Diese beiden Politiker, Lothar de Maizière (CDU) und Gesine Schwan (SPD), bringen es gut auf den Punkt, warum der Begriff "Unrechtsstaat" nicht zutrifft:

Zitat:

Passau - Der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, lehnt die Verwendung des Begriffs "Unrechtsstaat" für die DDR ab. "Ich halte diese Vokabel für unglücklich", sagte der CDU-Politiker der "Passauer Neuen Presse" anlässlich des 20. Jahrestags des Volkskammer-Beschlusses zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. "Die DDR war kein vollkommener Rechtsstaat. Aber sie war auch kein Unrechtsstaat. Der Begriff unterstellt, dass alles, was dort im Namen des Rechts geschehen ist, Unrecht war."

Wenn die DDR ein Unrechtsstaat gewesen wäre, hätte im Einigungsvertrag nicht vereinbart werden können, dass Urteile aus DDR-Zeiten weiter vollstreckt werden können, sagte der CDU-Politiker. "Auch in der DDR war Mord Mord und Diebstahl Diebstahl", sagte de Maizière dem Blatt. "Das eigentliche Problem waren das politische Strafrecht und die fehlende Verwaltungsgerichtsbarkeit."


https://www.spiegel.de/politik/deutschl ... 13170.html

Wer nun über diese Qualifizierungen hinaus auf der totalisierenden Bezeichnung "Unrechtsstaat" besteht, muss mehr wollen und schließt de facto auch mehr ein. Denn das totalisierende Wort "Unrechtsstaat" verweist auf die Gestalt der gesamten ostdeutschen Lebenswirklichkeit. Während man sich der Mitgliedschaft in der herrschenden Einheitspartei SED, erst recht in der Stasi entziehen konnte, blieb der Staat der DDR das unvermeidbar umfassende politische Gehäuse aller Ostdeutschen. Der Staat ist keine separate Organisation innerhalb oder neben der Gesellschaft, sondern die Gesellschaft in ihrer politischen Verfasstheit. Wird der Staat pauschal zum "Unrechtsstaat" gemacht, folgen daraus auch Wertungen für die Lebenswirklichkeit der Menschen. Das gilt in der Interpretation des "Unrechtsstaates" im Übrigen ohne historische Veränderung über die gesamten vierzig Jahre, Veränderungen in der Realität des Regimes werden so ausgeblendet. In dieser Sicht macht es auch keinen Unterschied, ob man FDJ-Funktionär, Naturwissenschaftler an der Akademie der Wissenschaften der DDR war oder marxistisch-leninistischer Indoktrinierer. So konnte es kein "richtiges" Leben im "falschen" geben.

https://www.zeit.de/2009/27/Oped-Schwan
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Dark Angel » Sa 9. Nov 2019, 18:48

JJazzGold hat geschrieben:(09 Nov 2019, 18:17)

Etwas, was ich nicht nachvollziehen kann. In der Regel ist man doch froh, wenn ein Regime des Unrechts sein Ende gefunden hat. Noch dazu unblutig, intern und letzten Endes ein bis dato einmaliges Ereignis bildend. Was ist es, was einige/etliche Menschen davon abhält, das zu honorieren? Was treibt einige/etliche Menschen dazu, der DDR per se subjektiv einen Glorienschein zu verleihen und diesen regelmäßig zu polieren? Was bringt einen Menschen dazu, sich allein durch die Feststellung, die DDR entspricht allen Kriterien eines Unrechtsstaats, als persönlich angegriffen und minimiert zu sehen? Was gar nicht der Intention Derjenigen entspricht, die faktisch feststellen, dass die DDR ein Unrechtsstaat war. Was animiert Menschen dazu, Tote gegenseitig aufzurechnen, um zu behaupten, der Staat mit der geringen Summe an Toten könne aufgrund dessen nicht unter Unrechtsstaat verbucht werden?

Bitte erklären Sie es mir, denn ich kann nichts davon nachvollziehen.

Ich kann es nicht erklären, weil ich es ebenso wenig nachvollziehen kann.
Ich kann nur vermuten, dass a) die ideologische Indoktrination - trotz gegenteiliger Behauptungen - so tief sitzt, dass jede Aufdeckung, von Unrecht (als Staatsdoktrin), als "Feind"propaganda betrachtet wird oder b) man sich jedem Lern- und Erkenntnisprozess verweigert, aus Angst dieser Erkenntnisprozess könnte schmerzhaft sein und/oder Ideale zerstören.

Ich weiß es nicht - ich weiß nur, dass ich mich diesem Prozess gestellt habe und es sehr schmerzhaft war, erkennen zu müssen, dass all die Ideale, für die man eingetreten ist, die man als real angenommen hat, nur eine Fata Morgana waren, ein Lügengespinst, welches die Menschenfeindlichkeit des Regimes verdecken und davon ablenken sollte.
"Butterbrot und Peitsche" funktionierten in der DDR hervorragend.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon JJazzGold » Sa 9. Nov 2019, 19:34

Dark Angel hat geschrieben:(09 Nov 2019, 18:48)

Ich kann es nicht erklären, weil ich es ebenso wenig nachvollziehen kann.
Ich kann nur vermuten, dass a) die ideologische Indoktrination - trotz gegenteiliger Behauptungen - so tief sitzt, dass jede Aufdeckung, von Unrecht (als Staatsdoktrin), als "Feind"propaganda betrachtet wird oder b) man sich jedem Lern- und Erkenntnisprozess verweigert, aus Angst dieser Erkenntnisprozess könnte schmerzhaft sein und/oder Ideale zerstören.

Ich weiß es nicht - ich weiß nur, dass ich mich diesem Prozess gestellt habe und es sehr schmerzhaft war, erkennen zu müssen, dass all die Ideale, für die man eingetreten ist, die man als real angenommen hat, nur eine Fata Morgana waren, ein Lügengespinst, welches die Menschenfeindlichkeit des Regimes verdecken und davon ablenken sollte.
"Butterbrot und Peitsche" funktionierten in der DDR hervorragend.



Das wiederum kann ich, obwohl nicht selbst betroffen, sehr gut nachvollziehen.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Selina » Sa 9. Nov 2019, 20:16

Zuckerbrot und Peitsche.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Ammianus » Sa 9. Nov 2019, 20:40

Zuckerbrot war wohl, so erzählten es ältere Strafgefangene, in den frühen Jahren der DDR ein Kuchenersatz. Man nahme einfach eine Scheibe Brot und streute Zucker darüber.
Schmeckt garnichtmal so schlecht.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Quatschki » Sa 9. Nov 2019, 20:42

Selina hat geschrieben:(09 Nov 2019, 18:45)

Diese beiden Politiker, Lothar de Maizière (CDU) und Gesine Schwan (SPD), bringen es gut auf den Punkt, warum der Begriff "Unrechtsstaat" nicht zutrifft:

Zitat:

Passau - Der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, lehnt die Verwendung des Begriffs "Unrechtsstaat" für die DDR ab. "Ich halte diese Vokabel für unglücklich", sagte der CDU-Politiker der "Passauer Neuen Presse" anlässlich des 20. Jahrestags des Volkskammer-Beschlusses zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. "Die DDR war kein vollkommener Rechtsstaat. Aber sie war auch kein Unrechtsstaat. Der Begriff unterstellt, dass alles, was dort im Namen des Rechts geschehen ist, Unrecht war."

Wenn die DDR ein Unrechtsstaat gewesen wäre, hätte im Einigungsvertrag nicht vereinbart werden können, dass Urteile aus DDR-Zeiten weiter vollstreckt werden können, sagte der CDU-Politiker. "Auch in der DDR war Mord Mord und Diebstahl Diebstahl", sagte de Maizière dem Blatt. "Das eigentliche Problem waren das politische Strafrecht und die fehlende Verwaltungsgerichtsbarkeit."


https://www.spiegel.de/politik/deutschl ... 13170.html

Wer nun über diese Qualifizierungen hinaus auf der totalisierenden Bezeichnung "Unrechtsstaat" besteht, muss mehr wollen und schließt de facto auch mehr ein. Denn das totalisierende Wort "Unrechtsstaat" verweist auf die Gestalt der gesamten ostdeutschen Lebenswirklichkeit. Während man sich der Mitgliedschaft in der herrschenden Einheitspartei SED, erst recht in der Stasi entziehen konnte, blieb der Staat der DDR das unvermeidbar umfassende politische Gehäuse aller Ostdeutschen. Der Staat ist keine separate Organisation innerhalb oder neben der Gesellschaft, sondern die Gesellschaft in ihrer politischen Verfasstheit. Wird der Staat pauschal zum "Unrechtsstaat" gemacht, folgen daraus auch Wertungen für die Lebenswirklichkeit der Menschen. Das gilt in der Interpretation des "Unrechtsstaates" im Übrigen ohne historische Veränderung über die gesamten vierzig Jahre, Veränderungen in der Realität des Regimes werden so ausgeblendet. In dieser Sicht macht es auch keinen Unterschied, ob man FDJ-Funktionär, Naturwissenschaftler an der Akademie der Wissenschaften der DDR war oder marxistisch-leninistischer Indoktrinierer. So konnte es kein "richtiges" Leben im "falschen" geben.

https://www.zeit.de/2009/27/Oped-Schwan

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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Progressiver » Sa 9. Nov 2019, 20:51

Ich habe als linksgerichteter Mensch kein Problem damit, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Sie ist zurecht auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet. Ich warne aber vor binärem Schwarz-Weiss-Denken, denn das geht nach hinten los. Mich wundert es hoffentlich nicht als einziger, warum der Kanzler der Einheit Helmut Kohl wegen seiner Geldspendenaffäre nicht in den Knast musste. Auch in der Bundesrepublik darf niemand über dem Gesetz stehen. Ich habe mir auch am Dienstag die Satiresendung "Die Anstalt" angesehen. Dort wurde aufgezeigt, wie Westpolitiker mit Hilfe der Treuhand den Osten deindustrialisierten und Millionen Ostdeutsche, die vorher für die Einheit auf die Straße gingen, ins Unglück stürzten. Und jetzt wundern sich deren Nachfolger ernsthaft darüber, dass ihnen im Osten so viel Hass entgegentritt? Die unbeliebtesten Politiker im Osten sind interessanterweise Joachim Gauck und Angela Merkel, die ja selbst aus dem Osten kommen.

Und vor noch einem Punkt möchte ich warnen: Wer die Schlachten der Vergangenheit weitert kämpft und einfach nicht in der Gegenwart ankommen will, verschläft die Zukunft. Wir haben heute gewaltige Probleme, die in der Zukunft eher noch größer werden, wenn nichts dagegen unternommen wird. Wer sich da auf vermeintlichen Lorbeeren der Vergangenheit ausruht, um damit die Probleme der Gegenwart zu ignorieren, kann morgen schon ein böses Erwachen erleben.

Ich weiß nicht, ob unsere Klimawissenschaftler alle extreme Linke sind. Aber ein Harald Lesch hat komischerweise die gleichen Argumente gegen den Klimawandel und den Kapitalismus wie die linken Kapitalismuskritiker und Ökos. Von mir aus kann der Kampf gegen links hier noch weiter toben. Aber die heutigen linksgerichteten Menschen haben die Wissenschaft auf ihrer Seite. Was sind dagegen die Argumente und Pläne der Rechten für die Probleme bzw. die Zukunft?

Im Übrigen wüsste ich auch gar nicht, wen ich heutzutage anderes wählen sollte als eine linke Partei. Die rechten Parteien haben doch alle keine Lösungen auf die aktuellen und kommenden Probleme, weil sie sie entweder leugnen oder ignorieren. Die SPD wähle ich aber bestimmt nicht mehr. Der einzige Mensch in dieser Partei, der irgendwie sozialdemokratische Ideen und progressive Vorstellungen hat, ist ironischerweise der Satiriker Jan Böhmermann. Die Grünen wiederum sind eher etwas für wertkonservative Menschen, die die soziale Frage gerne mal aus den Augen verlieren. Wer bleibt da noch übrig, wen man wählen kann? Die Partei "Die LINKE", trotz allem. Sie hat zwar auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Aber was ist die Alternative? Ich will meine Stimme nicht verfallen lassen, denn das wäre das größte Übel. Vielleicht taucht irgendwann ja mal eine völlig neue Partei auf, die die Probleme richtig erkennt und auch klare Lösungen benennt. Dann können wir gerne weiter reden. Weiterhin gilt jedoch: Wer Probleme wie die Klimakatastrophe oder die Folgen des Kapitalismus mit den gleichen Lösungen bekämpfen will, die die Probleme erschaffen haben, wird scheitern. Wir brauchen also folglich völlig neue Politikansätze. Ich weiß nicht, wieso auch die politische Linke sich lieber gegenseitig fertig macht als für eine Welt zu kämpfen, in der alle gerne leben wollen und können. Vom Potential her ist aus dem linken Lager jedoch viel eher etwas Besseres zu erwarten als der Status Quo als aus dem rechten. Sie müssen dabei nur unterstreichen, dass die Wissenschaft -siehe in der Klimafrage, aber auch bei der Verteilung des Volksvermögens- die gleichen Kritikpunkte vorträgt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon McKnee » Sa 9. Nov 2019, 21:05

Dark Angel hat geschrieben:(09 Nov 2019, 18:48)

Ich weiß es nicht - ich weiß nur, dass ich mich diesem Prozess gestellt habe und es sehr schmerzhaft war, erkennen zu müssen, dass all die Ideale, für die man eingetreten ist, die man als real angenommen hat, nur eine Fata Morgana waren, ein Lügengespinst, welches die Menschenfeindlichkeit des Regimes verdecken und davon ablenken sollte.
"Butterbrot und Peitsche" funktionierten in der DDR hervorragend.


Diese bittere Erfahrung konnte man auch im Westen machen. Natürlich waren die Folgen und die Rahmenbedingungen nicht vergleichbar.

Ich hab die Erfahrung einer linken Verlogenheit und Verrät an den den eigenen Idealen im tiefsten Westen machen müssen.
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten.

Es ist mir egal, ob es ein Albert-Einstein-Zitat ist ...

.....er wusste es :D
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Bolero » Sa 9. Nov 2019, 22:01

Vongole hat geschrieben:(09 Nov 2019, 17:36)

Wer sich nicht dazu durchringen kann, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen, der verklärt die Vergangenheit.

Ohne wenn und aber auf den Punkt gebracht!! :thumbup:
BLEIBT SAUBER!! :thumbup:
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Stoner » Sa 9. Nov 2019, 22:30

Vongole hat geschrieben:(09 Nov 2019, 17:36)

Wer sich nicht dazu durchringen kann, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen, der verklärt die Vergangenheit.


Dem muss man nicht widersprechen, die Frage ist nur: Muss ich das in einer Dauerschleife auf Anforderung jederzeit bekennen, um mich an einem Diskurs zu beteiligen? Mir scheint oft, dass dies von manchen dem Gegner als Vorbedingung abverlangt wird, um sich selbst einen diskursiven, moralischen Vorteil zu verschaffen.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon BlueMonday » Sa 9. Nov 2019, 22:55

MäckIntaier hat geschrieben:(09 Nov 2019, 22:30)

Dem muss man nicht widersprechen, die Frage ist nur: Muss ich das in einer Dauerschleife auf Anforderung jederzeit bekennen, um mich an einem Diskurs zu beteiligen? Mir scheint oft, dass dies von manchen dem Gegner als Vorbedingung abverlangt wird, um sich selbst einen diskursiven, moralischen Vorteil zu verschaffen.


So lange dieser Begriff die Richtigen reizt und provoziert, bei denen Unmut erzeugt, sie wieder zurückholt und einholt, sie nervt, sie immer wieder an der Verkleinerung des damaligen Geschehens hindert, so lange da ein Feuer brennt und Leben ist, hat dieser Wortgebrauch seine Berechtigung. Als tote Pflichtübung zum Bekenntnis für Desinteressierte freilich wäre er nutzlos oder gar kontraproduktiv. Ich sehe so etwas als völlig persönliche Angelegenheit. Ob andere ein Interesse daran haben, ist mir einerlei. Aber mir ist es ein persönliches Bedürfnis, nicht zu vergessen und bestimmte Menschen immer wieder zu erinnern und sie nicht so einfach mit ihren Verklärungen davonkommen zu lassen. Mir ist das ein ausreichender Zweck. Es geht nicht einmal darum, diesen Leuten eine Zustimmung oder irgendein Lippenbekenntnis abzunötigen. Das wäre ja vollkommen wertlos. Es geht nur darum, dass sie wissen, dass nichts vergessen ist.
Greif niemals in ein Wespennest, doch wenn du greifst, dann greife fest.
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Re: Kampf gegen Links

Beitragvon Selina » Sa 9. Nov 2019, 22:57

MäckIntaier hat geschrieben:(09 Nov 2019, 22:30)

Dem muss man nicht widersprechen, die Frage ist nur: Muss ich das in einer Dauerschleife auf Anforderung jederzeit bekennen, um mich an einem Diskurs zu beteiligen? Mir scheint oft, dass dies von manchen dem Gegner als Vorbedingung abverlangt wird, um sich selbst einen diskursiven, moralischen Vorteil zu verschaffen.


Richtig. Das scheint eine Art "Schlüsselwort" zu sein, mit dem man sich Zutritt zum erlauchten Kreis der Diskutanten verschafft :D Übrigens schon der zweite Beitrag von Ihnen, den ich gut finde. Den ersten von heute finde ich gerade nicht wieder. Da haben Sie etwas Gutes zu Bildung und Demokratiefähigkeit der Menschen gesagt. Auch dazu: :thumbup:
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