Generationenvertrag Wahlrecht

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imp
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Re: Gnerationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon imp » Fr 2. Aug 2019, 12:30

MäckIntaier hat geschrieben:(02 Aug 2019, 11:58)

Mag sein. Was aber, wenn sich relativ eindeutig abzeichnet, dass die Demokratie in ihrer klassischen Form keine Instrumente mehr hat, die selbst erzeugten bzw. aus ihr herausgegangenen Systeme zu reformieren? Bleibt man dann bei den Prinzipien? Da Wahlen praktisch den einzigen und ausschließlichen Hebel darstellen, Veränderungen zumindest durchzusetzen versuchen, lässt man dann um jeden Preis wählen wie bisher? Im Europawahlrecht stört sich doch niemand daran, dass es dort kein allgemeines und gleiches Wahlrecht für die europäischen Bürger gibt? Warum also nicht etwas, wie Rammler vorschlägt?

Im Europawahlrecht wählen die Deutschen in freier, gleicher und geheimer Wahl das deutsche Kontingent zum Europaparlament. Das deutsche Wahlrecht erfüllt seinen Zweck sehr gut und das demokratische Ergebnis aus Unzufriedenheit zurecht basteln zu wollen wird nicht fruchten.

Wer will, dass "die Jungen mal rankommen" muss in Parteien und bei Wählern dafür werben. Es gibt keine Abkürzung.
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Julian
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Re: Generationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon Julian » Fr 2. Aug 2019, 12:55

MäckIntaier hat geschrieben:(02 Aug 2019, 12:24)

Rammler spricht nicht von zusätzlichen Stimmen für Eltern, sondern davon, ob Ihnen oder mir die Möglichkeit eingeräumt wird, auf unser individuelles Stimmrecht im Alter zu verzichten wie auf den Führerschein, dieses Stimmrecht dann aber auf einen Enkel zu übertragen. Das ist etwas ganz anderes, weil es MIR die Entscheidung überlässt, ob ich mich dafür oder dagegen entscheide. Die Freiheit bleibt also ganz auf meiner Seite als demjenigen, der autonom entscheiden kann.


Wozu muss das denn rechtlich festgelegt werden? Fragen Sie doch einfach Ihren Enkel, wie er wählen würde und kreuzen Sie in der Wahlkabine seinen Wunsch an.
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Bartleby
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Re: Generationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon Bartleby » Fr 2. Aug 2019, 12:57

Keoma hat geschrieben:(02 Aug 2019, 12:26)

Warum sollte jemand auf sein Wahlrecht verzichten wollen?


Eine allgemeine Diskussion darüber würde jetzt vom Thema wegführen, daher dazu nur die Anmerkung, dass ich schon vor zehn Jahren im Satiremodus dafür plädiert habe, mein Wahlrecht gegen Rentenpunkte oder an den Meistbietenden zu verkaufen, da ich grundsätzlich keine stimmzettelgestützte Legitimierung betreibe und dafür eine Gegenleistung verdient hätte.

Spaß beseite: Vielleicht, weil jemand mit 60, 70, 80 kein Interesse an der Zukunft mehr hat und deshalb vom Weichenstellen Abschied nimmt, aber Wert darauf legt, dass seine Stimme, wie vielleicht das Haus, der Schmuck, das Vermögen, in der Familie bleibt? Wer auf Zukunft nicht angewiesen ist, weil er keine mehr hat, warum soll der sie nicht in andere Hände legen dürfen?
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Re: Generationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon Bartleby » Fr 2. Aug 2019, 12:59

Julian hat geschrieben:(02 Aug 2019, 12:55)

Wozu muss das denn rechtlich festgelegt werden? Fragen Sie doch einfach Ihren Enkel, wie er wählen würde und kreuzen Sie in der Wahlkabine seinen Wunsch an.


Nein, ich möchte an keiner Wahl teilnehmen und ihm die Chance lassen, das selbständig in geheimer Wahl zu regeln.
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Re: Gnerationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon Bartleby » Fr 2. Aug 2019, 13:02

imp hat geschrieben:(02 Aug 2019, 12:30)

Im Europawahlrecht wählen die Deutschen in freier, gleicher und geheimer Wahl das deutsche Kontingent zum Europaparlament.


Nein, die Wähler der kleinen Staaten sind gleicher, daher ist die Europawahl keine "gleiche" Wahl. Die Stimme des Luxemburgers zählt 10x so viel wie die des Deutschen. Insofern haben wir hier genau dieses Phänomen, dass man die Wenigen nicht in die Bedeutungslosigkeit schicken möchte, und den Blickwinkel auf das deutsche Kontingent zu verengen ist falsch.
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Re: Gnerationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon imp » Fr 2. Aug 2019, 13:06

MäckIntaier hat geschrieben:(02 Aug 2019, 13:02)

Nein, die Wähler der kleinen Staaten sind gleicher

Nicht in Deutschland. Die Stimme eines Luxemburgers mit deutschem Wohnsitz zählt hier zur Europawahl genau gleich wie die eines Deutschen. Wäre es anders, wäre es nicht im Rahmen der deutschen Verfassung möglich.

Wir fahren mit der Wahlgleichheit sehr gut.
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Re: Generationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon Bartleby » Fr 2. Aug 2019, 13:15

imp hat geschrieben:(02 Aug 2019, 13:06)

Nicht in Deutschland. Die Stimme eines Luxemburgers mit deutschem Wohnsitz zählt hier zur Europawahl genau gleich wie die eines Deutschen. Wäre es anders, wäre es nicht im Rahmen der deutschen Verfassung möglich.

Wir fahren mit der Wahlgleichheit sehr gut.


Sie betrachten das isoliert, und Sie wissen so gut wie ich, dass de facto die Luxemburger Stimme zehnmal so gewichtig ist wie die des Deutschen, was an der Zahl der Abgeordneten der beiden Länder im Verhältnis zur Zahl der Bewohner abzulesen ist. Und nur diese Betrachtungsweise ist sinnvoll.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe die Thesen des Zukunftsforschers zur Diskussion hier eingestellt, nicht um sie zu verteidigen.
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Re: Generationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon Ammianus » Fr 2. Aug 2019, 17:42

Niemand hindert einen Rentner daran, seinen Enkel zu fragen wen er wählen soll und dann nach diesem Wunsch abzustimmen. Alles andere wäre ein Eingriff in demokratische Normen. Und wenn ich so durch die Parteienlandschaft streife, dann stelle ich fest, dass auf den Führungsplätzen nicht unbedingt die Rentner dominieren.
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Re: Generationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon Teeernte » Fr 2. Aug 2019, 18:06

MäckIntaier hat geschrieben:(02 Aug 2019, 12:57)

Eine allgemeine Diskussion darüber würde jetzt vom Thema wegführen, daher dazu nur die Anmerkung, dass ich schon vor zehn Jahren im Satiremodus dafür plädiert habe, mein Wahlrecht gegen Rentenpunkte oder an den Meistbietenden zu verkaufen, da ich grundsätzlich keine stimmzettelgestützte Legitimierung betreibe und dafür eine Gegenleistung verdient hätte.

Spaß beseite: Vielleicht, weil jemand mit 60, 70, 80 kein Interesse an der Zukunft mehr hat und deshalb vom Weichenstellen Abschied nimmt, aber Wert darauf legt, dass seine Stimme, wie vielleicht das Haus, der Schmuck, das Vermögen, in der Familie bleibt? Wer auf Zukunft nicht angewiesen ist, weil er keine mehr hat, warum soll der sie nicht in andere Hände legen dürfen?



Die Kinder dürfen nicht wählen, weil die die LÜGEN der Politiker noch nicht durchschauen können - und DENEN Alles glauben würden.

Aber natürlich könnte man...


die Beamten nicht mit wählen lassen... (Den Bock selbst die Wiese wählen lassen, die er abfrisst)...

Nur Leute , die was zu vererben haben (Plussss) - wählen lassen....


Nur Leute - die das Geld erwirtschaften wählen lassen....

Nur Leute .....die Rente bekommen über die Rente entscheiden lassen........nur Pflegebedürftige über die Pflege entscheiden lassen...

Nur Autofahrer über die Autobahngeswchwindigkeit abstimmen lassen....nur Kneiper über das Rauen in IHRER Gaststätte abstimmen lassen....

:D :D :D
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Generationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon imp » Di 20. Aug 2019, 07:40

Ammianus hat geschrieben:(02 Aug 2019, 17:42)

Niemand hindert einen Rentner daran, seinen Enkel zu fragen wen er wählen soll und dann nach diesem Wunsch abzustimmen. Alles andere wäre ein Eingriff in demokratische Normen. Und wenn ich so durch die Parteienlandschaft streife, dann stelle ich fest, dass auf den Führungsplätzen nicht unbedingt die Rentner dominieren.

Rentner Jens und Rentner Kevin sind ueberhaupt nicht unser Problem. Wer das Wahlrecht manipuliert, weil ihm die moegliche Praeferenz im Wahlvolk nicht gefaellt, der handelt im Prinzip undemokratisch.
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Re: Generationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon Ammianus » Di 20. Aug 2019, 11:27

Unser Wahlrecht hat sich mehr als gut entwickelt. Erst so gut wie gar keins, dann Dreiklassen, dann immerhin alle erwachsenen Männer und nun alle Erwachsenen. Wobei die Bedeutung der Wahlmündigkeit, das Alter, gesellschaftlich und damit demokratisch ausgehandelt wird.

Vorschläge wie der hier gemachte und zur Diskussion gestellte sind legitim - wie auch ihre mehrheitliche Ablehnung.
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Re: Generationenvertrag Wahlrecht

Beitragvon Kohlhaas » Di 20. Aug 2019, 13:18

MäckIntaier hat geschrieben:(02 Aug 2019, 10:08)

Was aber, wenn die Demokratie das, was notwendig ist/wäre, tatsächlich nicht mehr leisten kann? Es ist ja nicht erkennbar, dass in der deutschen Politik Einsichten wachsen würden, die Demokratie über das Gewähle hinaus so fortzuschreiben, dass dem Gedanken eines Generationenvertrages, aber auch der grundsätzlichen Abschaffung des Lobbyismussystems Rechnung getragen würde.

Wenn es so wäre, wäre das ein grundlegendes Problem des politischen Systems. Mit dem Lebensalter der Wahlberechtigten hat das aber erstmal gar nichts zu tun. Menschen ab einem festzulegenden Alter von Wahlen auszuschließen (oder ihr Stimmgewicht zu reduzieren), würde am Grundproblem nichts ändern.

Die Thesen, die Du in Deinem Eingangsbeitrag zitierst, gehen von einer falschen Annahme aus: Zweck unseres Wahlsystems ist es, nach Möglichkeit alle in einer Gesellschaft vorhandenen Interessen angemessen zu berücksichtigen. Das wäre nicht mehr möglich, wenn bestimmte willkürlich ausgewählte Gruppen vom Wahlrecht ausgeschlossen würden. Der Vorschlag, das Wahlrecht älterer Menschen zu beschränken, gründet sich auf die Prämisse, dass ältere Menschen bei ihren Wahlentscheidungen nicht mehr an Zukunftsfragen denken, weil sie selbst "keine Zukunft mehr haben". Damit wird impliziert, dass es eine "Ungleichheit" gibt, die durch das Lebensalter entsteht, und die durch "Ungleichbehandlung" bei der Wahl ausgeglichen werden muss. Dies ist falsch. Lebensalter hat nichts mit Ungleichheit in sozialem Sinn zu tun (ebensowenig, wie das Geschlecht soziale Ungleichheit begründet). All die jungen Menschen, die gemäß der von Dir zitierten These jetzt bei der Wahlentscheidung bevorzugt werden sollen, werden irgendwann alt sein und sich in der gleichen Situation befinden, wie die Menschen, die heute alt sind. Die vorgeschlagene Änderung des Wahlrechts würde dazu führen, dass die Interessen alter Menschen in der Gesellschaft den Interessen junger Menschen untergeordnet werden. Unter den Folgen würden alle Menschen leiden, weil alle irgendwann alt sind.

Der vorgeschlagenen Wahlrechtsänderung liegt zudem die Prämisse zugrunde, dass die Wahlberechtigten ausschließlich ihre Eigeninteressen im Blick haben, wenn sie in der Wahlkabine ihr Kreuzchen machen. Das ist der Punkt, der mich an der These am meisten stört. Damit wird der Verdacht geäußert, dass Wählerinnen und Wähler eigentlich nicht "mündig" sind.

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