"Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

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schokoschendrezki
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 2. Aug 2019, 09:53

Billie Holiday hat geschrieben:(02 Aug 2019, 09:42)

Das mag sein, ein britischer Nobelpreisträger. Wer sich den ganzen Tag mit Molekularbiologie befasst, hat vielleicht keine Zeit und Muße, sich um die empfindlichen Seelen armer Frauen zu kümmern. Eine ungeschickte Äußerung jedenfalls hat ihn vieles gekostet. Hier wurde er zum Nazi gemacht. Ich muß immer noch lachen, wenn ich dran denke.
Ist aber nur ein Beispiel von vielen.

Es gibt allerdings hier in Deutschland vielleicht weniger über solche Rufmord-Kampagnen zu meckern als es den Anschein hat. Gerade erst vor etwa zwei Wochen wurden die Exzellenz-Unis 2019 ausgewählt. Nach wirklich rein wissenschaftlichen Kriterien, die sich nach der Forschungsexzellenz und sonst nix richten. Die politischen Kommentare dazu bemängeln, wenn sie denn was bemängeln, dass dabei die Exzellenz der Lehre hinten runterfällt. Dass die Ausbildung von Studenten lediglich als das Brot-und-Butter-Geschäft der zweiten Reihe angesehen wird. Würde man in das Exzellenz-Kriterium die QUalität der Lehre miteinbeziehen ... man käme ohne Zweifel nicht umhin, hier auch das Fehlen sexistischer Praktiken und Aussprüche des Personals miteinzubeziehen. Und eine Uni, die die Exzellenzförderung haben wollte, müsste sich dann mit einem Professort Hunt zumindest auseinandersetzen in dieser Frage. Sie müsste ihn ja nicht gleich rauskanten. Mit "Nazi"-Vorwürfen hat allerdings auch das nix zu tun.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon imp » Fr 2. Aug 2019, 09:55

JFK hat geschrieben:(02 Aug 2019, 09:33)

Die Mitglieder der NSDAP waren ja die Nazis

Es gab auch Nazis außerhalb der NSDAP. Nicht zuletzt gab es jede Menge Zirkel im Militär und Vereine, Parteien, die sich nur im Detail unterschieden. Auch nach dem Zusammenbruch gab es weiter neue und alte Nazis, SRP, NPD, ... und das ging immer weiter. Es gibt auch heute junge und alte Nazis. Im Ausland gibt es irgendwo sogar eine Art NSDAP unter diesem oder ähnlichem Namen.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon odiug » Fr 2. Aug 2019, 10:01

imp hat geschrieben:(02 Aug 2019, 09:55)

Es gab auch Nazis außerhalb der NSDAP. Nicht zuletzt gab es jede Menge Zirkel im Militär und Vereine, Parteien, die sich nur im Detail unterschieden. Auch nach dem Zusammenbruch gab es weiter neue und alte Nazis, SRP, NPD, ... und das ging immer weiter. Es gibt auch heute junge und alte Nazis. Im Ausland gibt es irgendwo sogar eine Art NSDAP unter diesem oder ähnlichem Namen.

Das mag ja sein ... aber die echten Nazis, also die Überzeugungstäter waren nie in der Mehrheit ... auch während den 12 Jahren des 1000 jährigen nicht.
Das Problem sind die Biedermänner, jene, die die Brandstifter mal machen lassen, weil einer muss ja mal was machen.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon imp » Fr 2. Aug 2019, 10:11

Billie Holiday hat geschrieben:(02 Aug 2019, 09:42)

Das mag sein, ein britischer Nobelpreisträger. Wer sich den ganzen Tag mit Molekularbiologie befasst, hat vielleicht keine Zeit und Muße, sich um die empfindlichen Seelen armer Frauen zu kümmern. Eine ungeschickte Äußerung jedenfalls hat ihn vieles gekostet. Hier wurde er zum Nazi gemacht. Ich muß immer noch lachen, wenn ich dran denke.
Ist aber nur ein Beispiel von vielen.

Ungeschickte Äußerungen sind nicht immer folgenlos für andere oder für den Sprecher. Oft kann man Miß Verständnisse klaeren, manchmal macht der Versuch es nicht besser.

Man muss da unterscheiden: Kleine Ungeschicktheiten belasten in der Regel das nähere Umfeld, sollten nicht die praegende Mitteilung sein. Grobe Unverschaemtheiten und Belaestigungen muss sich aber niemand gefallen lassen und koennen auch zu Recht irgendwann mal boese Folgen haben, nicht wahr, Herr Knabe?

Wesentlich kritischer sind kleine und große Fehler im oeffentlichen Auftritt. Ein Kinski haette es heute schwer und teilweise auch zurecht.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 2. Aug 2019, 10:15

Der Begriff "Nazi" hat in den letzten hundert Jahren in seiner Bedeutung und in den Assoziationen, die sich damit verbinden, so einige Wandlungen durchgemacht.

Heute, würde ich mal vermuten, wird "Nazi", wenn der Begriff gedankenlos verwendet wird, zum einen als Universalschmähwort gebraucht. Zum anderen aber auch als Gegensatz zu "Sozi". Das Interessante an diesem Nazi-Sozi-Begriffspaar ist, dass Joseph Goebbels höchstpersönlich ein Buch mit dem Titel "Der Nazi-Sozi" geschrieben hat. In welchem er nicht müde wird, zu betonen, dass der Nationalismus nur die eine Hälfte der NSDAP-Ideologie ist. Sie seien ebenso auch Sozialisten. Die parteigänger Hitler sind Nationalisten und Sozialisten und keine "Nazis". Er spricht in diesem Buch nicht von einem sich unterscheidenden "Sozialismus marxistischer Prägung" sondern vom Marxismus als dem "genauen Gegenteil eines lebendigen Sozialismus". Einem "Wust an jüdischen Ideen". Also: "Nazi" ist zumindest für einen Goebbelstreuenn eine Beleidigung.

https://archive.org/details/Goebbels-Joseph-Der-Nazi-Sozi/page/n9
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Fr 2. Aug 2019, 10:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Julian » Fr 2. Aug 2019, 10:15

imp hat geschrieben:(02 Aug 2019, 09:55)

Es gab auch Nazis außerhalb der NSDAP. Nicht zuletzt gab es jede Menge Zirkel im Militär und Vereine, Parteien, die sich nur im Detail unterschieden. Auch nach dem Zusammenbruch gab es weiter neue und alte Nazis, SRP, NPD, ... und das ging immer weiter. Es gibt auch heute junge und alte Nazis. Im Ausland gibt es irgendwo sogar eine Art NSDAP unter diesem oder ähnlichem Namen.


Es ist sogar noch komplexer. Es gab auch Leute, die in der NSDAP waren, aber eigentlich keine Nazis waren. Sie waren in der Partei aus opportunistischen Gründen, haben aber nicht an die Ideale dieser Partei geglaubt. Ein Teil davon wiederum war nicht einverstanden mit den Grausamkeiten und Ungeheuerlichkeiten, die sich im Verlauf der Herrschaft entwickelten, und leisteten dagegen Widerstand.

Einige von diesen NSDAP-Mitgliedern werden auch in Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt, ich nenne als bekanntes Beispiel einmal das NSDAP-Mitglied Oskar Schindler.

Darüber hinaus gab es auch Leute, die in der Partei waren, an die nationalsozialistischen Ideale glaubten, aber dennoch keine bösen Menschen waren - was sich zeigte, als es um die konkrete Umsetzung, etwa das Morden, ging. Entsprechend gab es auch Leute, die weder an die Ideale des Nationalsozialismus glaubten noch Mitglied der NSDAP waren, die aber einfach böse Menschen waren, sich in ihrer Macht sonnten und teilweise auch einfach gerne Gewalt ausübten und mordeten.

Die Sache ist also etwas komplexer, als sich das der heutige linke Hauptstrom mit seinem Gut-Böse-Schema zurechtlegt. Jeder, der sich ausführlich mit Geschichte auseinandersetzt, weiß das eigentlich.

Dennoch hat das linke Gut-Böse-Schema einen Zweck, denn damit wird die Diskussion auf eine moralische Ebene gehoben. Man muss nicht mehr sachlich argumentieren, etwa, was möglich und vernünftig sei, was das Ziel sei und mit welchen Mitteln man dieses erreiche. Nein, man nimmt einfach einen Standpunkt ein, der moralisch, quasi natürlich, geboten sei; jeder, der dem widerspricht, wird auf eine moralisch niedrigere Stufe gestellt.

Im Prinzip wird dem heutigen "Nazi" vorgeworfen, dass er damals mitgemordet hätte, und der gute Linke sonnt sich darin, dass er damals heroisch Widerstand geleistet hätte. Wenn man sich mit den Themen Konformismus/ Non-Konformismus beschäftigt und mit dem, wer damals tatsächlich gemordet, wer weggesehen, wer dagegen, wer dafür war, wer Widerstand geleistet hat, dann ist die Sachlage natürlich nicht so einfach. Viele Linke drücken ja heute nur das aus, was der Hauptstrom ihnen vorgibt und wofür er sie belohnt, während man, wenn man rechte Positionen vertritt, tatsächlich Zivilcourage braucht.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon imp » Fr 2. Aug 2019, 10:17

odiug hat geschrieben:(02 Aug 2019, 10:01)

Das mag ja sein ... aber die echten Nazis, also die Überzeugungstäter waren nie in der Mehrheit ... auch während den 12 Jahren des 1000 jährigen nicht.

Vor allem ab Mai '45 ;) Du hast schon recht. Aber, dass es heute keine mehr hat ... naja.

Das Problem sind die Biedermänner, jene, die die Brandstifter mal machen lassen, weil einer muss ja mal was machen.
Und die sind es auch, die in diesem Forum so nerven.
Das sind keine Nazis aus Überzeugung, das sind Nazis aus Faulheit ... und die sind viel gefährlicher, weil das sind halt doch ganz viele :(

Ich würde diese Mitläufer nicht Nazis nennen. Ich sehe das relativ. Die Bereitschaft, schlimmste Verbrechen zu erlauben, geschehen zu lassen, sich daraus evtl sogar Vorteile zu erhoffen oder mitzutun, das ist ja kein feiner Zug. Das soll ruhig kritisiert werden, scharf, immer wieder.
Das ist aber, wie du sagst, eine separate Gruppe. Das Tun, das sie befördern, würde ich trotzdem rechtsradikal nennen.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon odiug » Fr 2. Aug 2019, 10:33

imp hat geschrieben:(02 Aug 2019, 10:17)

Vor allem ab Mai '45 ;) Du hast schon recht. Aber, dass es heute keine mehr hat ... naja.


Ich würde diese Mitläufer nicht Nazis nennen. Ich sehe das relativ. Die Bereitschaft, schlimmste Verbrechen zu erlauben, geschehen zu lassen, sich daraus evtl sogar Vorteile zu erhoffen oder mitzutun, das ist ja kein feiner Zug. Das soll ruhig kritisiert werden, scharf, immer wieder.
Das ist aber, wie du sagst, eine separate Gruppe. Das Tun, das sie befördern, würde ich trotzdem rechtsradikal nennen.

Es sind Denkfaulnazis ... guilty by association.
Daher regen sie sich auch so auf, wenn man sie mal Nazi nennt ... weil sie tun ja nichts dazu, sie sind einfach nur zu faul ihr empört, emotionales Wutbürgergebrabbel konsequent zu Ende zu denken.
Ihr Denkvermögen hört da einfach auf, wo es ungemütlich wird ... und das macht sie halt zudem, was man früher mal Mitläufer nannte.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon JFK » Fr 2. Aug 2019, 10:37

Mir wollte einmal jemand verzählen das Nazi in Wirklichkeit NationalZionist bedeutet, aber ein Nazi war der nicht, einfach nur dämlich und Naiv, er hat auch auf Bullensperme im Energiedrink aus Österreich bestanden.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Brainiac » Fr 2. Aug 2019, 11:22

Billie Holiday hat geschrieben:(02 Aug 2019, 09:04)

Das ist schon eine Weile her. Wenn du das nicht glaubst, ist es auch ok, mir wurscht. Ausdenken kann ich mir sowas nicht.

Ich finde zu den Vorwürfen gegen Tim Hunt hier im Forum absolut nichts. Das Thema wurde von einigen angesprochen, aber eher mit dem Unterton, wie schnell man heute in der Sexismus-Schublade landen würde.

Klar gab es damals den öffentlichen Shitstorm, und vielleicht haben hier im Forum einige dem auch zugestimmt und ich finde es nur nicht, kann sein. Das ging dann aber in die Richtung "Sexist", vielleicht auch "Reaktionär" oder so.

Du aber hast behauptet, er wäre aufgrund der Äußerung hier im Forum als Nazi (oder von mir aus sinngemäß als rechtsradikal) verunglimpft worden. Das ist ein viel schwerwiegender Vorwurf. Sexist <> Nazi, Reaktionär <> Nazi. Oder ist das für dich dasselbe?

Also mein Eindruck ist, du hast dir das vielleicht zu 10% nicht ausgedacht, aber die restlichen 90% hinzuhalluziniert, damit es in dein "hier wird jeder Nazi genannt, der"-Weltbild passt.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Brainiac » Fr 2. Aug 2019, 11:33

Skeptiker hat geschrieben:(31 Jul 2019, 23:03)

Ich finde den Begriff Nazi leider mittlerweile total banalisiert. Indem er von Leuten als Synonym für Menschen verwendet wird, die sich gegen eine Migrationsbewegung wenden oder die eine andere Vorstellung von staatlicher Integrität haben, hat man einen Begriff, der einmal für Massenmörder und übelsten Rassismus stand, zu einer polemischen Richtungszuordnung gemacht.

Mal ehrlich, das nimmt doch keiner mehr ernst. Es ist wie mit dem Geld - gibt es zuviel davon verliert es an Wert. Gewissermaßen erleben wir die inflationäre Abwertung des Schreckens eines Begriffes.

Meines Erachtens findet die Banalisierung des Begriffs "Nazi" eher dadurch statt, dass hier inflationär mit dem (sinngemäß) "Es wird jeder Nazi genannt, der nur die Flüchtlingspolitik kritisiert" hausieren gegangen wird, obwohl beim genaueren Hinsehen nur aufgrund einer sachlichen Kritik kaum jemals tatsäclich ein Vorwurf der Rechtsradikalität erhoben wurde. So jemand wird vielleicht als "rechts" eingeordnet, das kann man natürlich auch in Frage stellen, aber "rechts" <> "rechtsradikal". Wer daraus einen fiktiven Nazivorwurf konstruiert, betreibt selbst die Banalisierung.

Du hattest mir ein Gegenbeispiel bezogen auf dich selbst und tt genannt, das habe ich auch nicht vergessen. Das als allgemeine Praxis im Forum darzustellen, finde ich aber unredlich.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Keoma » Fr 2. Aug 2019, 11:36

Brainiac hat geschrieben:(02 Aug 2019, 11:33)

Meines Erachtens findet die Banalisierung des Begriffs "Nazi" eher dadurch statt, dass hier inflationär mit dem (sinngemäß) "Es wird jeder Nazi genannt, der nur die Flüchtlingspolitik kritisiert" hausieren gegangen wird, obwohl beim genaueren Hinsehen nur aufgrund einer sachlichen Kritik kaum jemals tatsäclich ein Vorwurf der Rechtsradikalität erhoben wurde. So jemand wird vielleicht als "rechts" eingeordnet, das kann man natürlich auch in Frage stellen, aber "rechts" <> "rechtsradikal". Wer daraus einen fiktiven Nazivorwurf konstruiert, betreibt selbst die Banalisierung.

Du hattest mir ein Gegenbeispiel bezogen auf dich selbst und tt genannt, das habe ich auch nicht vergessen. Das als allgemeine Praxis im Forum darzustellen, finde ich aber unredlich.


Nun, es muss ja nicht explizit das Wort "Nazi" sein, da gibt es etliche Teilnehmer, die unliebsame Meinungen als Synonym für Nazi ins rechte Eck verorten und das auf eine Art und Weise, die sehr wohl geeignet ist, beleidigend zu wirken und auch so verstanden werden will.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Brainiac » Fr 2. Aug 2019, 11:41

Keoma hat geschrieben:(02 Aug 2019, 11:36)

Nun, es muss ja nicht explizit das Wort "Nazi" sein, da gibt es etliche Teilnehmer, die unliebsame Meinungen als Synonym für Nazi ins rechte Eck verorten und das auf eine Art und Weise, die sehr wohl geeignet ist, beleidigend zu wirken und auch so verstanden werden will.

Aber "Nazi" <> "rechtes Eck". "Nazi" steht für rechtsradikal. Die FDGO ablehnend, Rassismus verbreitend, staatliche Institutionen diffamierend, etc. Ist das für dich kein Unterschied zu einfach nur "rechts"? :?:
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Keoma » Fr 2. Aug 2019, 11:53

Brainiac hat geschrieben:(02 Aug 2019, 11:41)

Aber "Nazi" <> "rechtes Eck". "Nazi" steht für rechtsradikal. Die FDGO ablehnend, Rassismus verbreitend, staatliche Institutionen diffamierend, etc. Ist das für dich kein Unterschied zu einfach nur "rechts"? :?:


Für mich schon.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Selina » Fr 2. Aug 2019, 12:02

Brainiac hat geschrieben:(02 Aug 2019, 11:33)

Meines Erachtens findet die Banalisierung des Begriffs "Nazi" eher dadurch statt, dass hier inflationär mit dem (sinngemäß) "Es wird jeder Nazi genannt, der nur die Flüchtlingspolitik kritisiert" hausieren gegangen wird, obwohl beim genaueren Hinsehen nur aufgrund einer sachlichen Kritik kaum jemals tatsäclich ein Vorwurf der Rechtsradikalität erhoben wurde. So jemand wird vielleicht als "rechts" eingeordnet, das kann man natürlich auch in Frage stellen, aber "rechts" <> "rechtsradikal". Wer daraus einen fiktiven Nazivorwurf konstruiert, betreibt selbst die Banalisierung.

Du hattest mir ein Gegenbeispiel bezogen auf dich selbst und tt genannt, das habe ich auch nicht vergessen. Das als allgemeine Praxis im Forum darzustellen, finde ich aber unredlich.


Genau. Dieser Satz "hier wird man gleich zum Nazi erklärt, nur, wenn man eine vom Mainstream abweichende Meinung hat" wird in unzähligen Varianten immer wieder geschrieben. Tagtäglich mehrfach. Dabei kann man die Beispiele, wo jemand einen Diskussionsteilnehmer wirklich mal "Nazi" nannte, an einer Hand abzählen. Was aber gemacht wird, Gott sei Dank, ist es, darauf hinzuweisen, wenn ein Posting auf irgendeine Art menschenfeindlich ist. Und wo rechtsradikal argumentiert wird, da sollte man das auch "rechtsradikal" nennen. Anhänger der Neuen Rechten meinen immer, es gebe ein "linksgrünversifftes Meinungsdiktat", aber im Grunde wird andersrum ein Schuh daraus. Hier kommt so oft der Vorwurf, man werde dauernd zum "Nazi" gemacht, dass man das inzwischen auch als eine Art Diktat empfinden könnte. Nach dem Motto "ihr sagt so oft Nazi zu uns, damit wollt ihr die Diskussion in eine Richtung beeinflussen", obwohl das eine reine Erfindung ist. Eine bewusste Tatsachen-Verdrehung.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Brainiac » Fr 2. Aug 2019, 12:04

Keoma hat geschrieben:(02 Aug 2019, 11:53)

Für mich schon.

Na dann sind wir uns ja einig.

Jemand aber, der aus einer Einordnung als "rechts" einen Nazivorwurf konstruiert, sieht das vielleicht anders.

Ich habe folgende Vermutung: Bereits die Einordnung als "rechts" empfinden manche als beleidigend (zB die, die immer mit dem Kunstwort "rrrääächts" um sich werfen). Die Rache besteht dann offenbar darin, daraus einen Nazivorwurf zu konstruieren.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Keoma » Fr 2. Aug 2019, 12:05

Selina hat geschrieben:(02 Aug 2019, 12:02)

Genau. Dieser Satz "hier wird man gleich zum Nazi erklärt, nur, wenn man eine vom Mainstream abweichende Meinung hat" wird in unzähligen Varianten immer wieder geschrieben. Tagtäglich mehrfach. Dabei kann man die Beispiele, wo jemand einen Diskussionsteilnehmer wirklich mal "Nazi" nannte, an einer Hand abzählen. Was aber gemacht wird, Gott sei Dank, ist es, darauf hinzuweisen, wenn ein Posting auf irgendeine Art menschenfeindlich ist. Und wo rechtsradikal argumentiert wird, da sollte man das auch "rechtsradikal" nennen. Anhänger der Neuen Rechten meinen immer, es gebe ein "linksgrünversifftes Meinungsdiktat", aber im Grunde wird andersrum ein Schuh daraus. Hier kommt so oft der Vorwurf, man werde dauernd zum "Nazi" gemacht, dass man das inzwischen auch als eine Art Diktat empfinden könnte. Nach dem Motto "ihr sagt so oft Nazi zu uns, damit wollt ihr die Diskussion in eine Richtung beeinflussen", obwohl das eine reine Erfindung ist. Eine bewusste Tatsachen-Verdrehung.


Schreibt jemand, der andauernd eine Meinung oder auch nur ein wording mit "das ist typisch neurechts" betitelt.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Selina » Fr 2. Aug 2019, 12:11

Keoma hat geschrieben:(02 Aug 2019, 12:05)

Schreibt jemand, der andauernd eine Meinung oder auch nur ein wording mit "das ist typisch neurechts" betitelt.


Ja klar verwende ich diese Formulierung. Nur, wenn ich sage, "das ist neurechts", sage ich nicht gleichzeitig "der ist ein Nazi". Das neurechte Spektrum reicht sehr viel weiter als nur bis in die rechtsextreme Ecke. Interessant vor allem auch die "Querverbindungen ins konservative Spektrum".
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Julian » Fr 2. Aug 2019, 12:20

Brainiac hat geschrieben:(02 Aug 2019, 12:04)

Na dann sind wir uns ja einig.

Jemand aber, der aus einer Einordnung als "rechts" einen Nazivorwurf konstruiert, sieht das vielleicht anders.

Ich habe folgende Vermutung: Bereits die Einordnung als "rechts" empfinden manche als beleidigend (zB die, die immer mit dem Kunstwort "rrrääächts" um sich werfen). Die Rache besteht dann offenbar darin, daraus einen Nazivorwurf zu konstruieren.


Ich finde "rechts" nicht per se beleidigend. Viele meiner Positionen sind rechts. Allerdings sind viele andere meiner Positionen eben nicht rechts. Außerdem ist bei vielen Fragen dieses eindimensionale Einordnungsschema zu simplistisch. Man bräuchte mindestens noch eine zweite Achse.

Beunruhigend aber ist insbesondere, dass schon vor Jahren der Kampf gegen Rechts ausgerufen wurde und auch immer wieder Konzerte gegen Rechts stattfinden. Das heißt, wenn man als rechts bezeichnet wird, wird das gemeinhin schon als "rechtsextrem" oder "rechtsradikal" verstanden. Man wird als jemand markiert, der gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung eintritt, und den man bekämpfen und verfolgen muss - und der im Zweifelsfall dazu aufgefordert wird, das Land zu verlassen.

So etwas kann üble Folgen haben. So werden Menschen gezielt als "Nazis" geoutet und sind quasi vogelfrei, weil die Regierung nicht ausreichend genug gegen Linksextreme vorgeht. Das hat damit zu tun, dass in manchen Parteien des linken Hauptstroms, wie ja auch der ehemalige Verfassungsschutzpräsident festgestellt hat, Linksextremisten sitzen, und dass man, so mein Eindruck, ein übles doppeltes Spielt spielt, bei dem die gewalttätigen Rollkommandos der Antifa zumindest mit einem Augenzwinkern geduldet werden.

Wer wissen will, wie das dann im angeblichen Rechtsstaat Deutschland aussieht, kann sich hier informieren:
https://www.antifa-berlin.info/news/159 ... in-geoutet
https://www.antifa-berlin.info/news/138 ... ln-geoutet

Wenn die Links nicht gewünscht werden, können sie gerne entfernt werden. Man findet die Seiten auch, indem man in Google folgendes eingibt:
Funktionär der AfD und Aktivist der Identitären Bewegung in Friedrichshain geoutet
oder
Hendrik Paul (AfD/IB) in Nordneukölln geoutet

So etwas nenne ich eine Hetzjagd. Und das sind nur Beispiele. Es kann jedem passieren, der als "Nazi" eingeordnet wird. Ein normales Leben ist dann in der Bundesrepublik nicht mehr möglich.

Und nein, jetzt nicht gleich wieder damit kommen, ich sei ein Sympathisant der Identitären Bewegung. Das ist ein logischer Fehlschluss. Es geht darum, dass man auch diesen Menschen Grundrechte zugesteht, insbesondere das Recht auf Meinungsfreiheit, und dass ihre Rechte auch von einem Staat, der ernst genommen werden will, zu schützen sind.
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Re: "Es wird jeder als Nazi tituliert, der..."

Beitragvon Billie Holiday » Fr 2. Aug 2019, 12:25

Brainiac hat geschrieben:(02 Aug 2019, 11:22)

Ich finde zu den Vorwürfen gegen Tim Hunt hier im Forum absolut nichts. Das Thema wurde von einigen angesprochen, aber eher mit dem Unterton, wie schnell man heute in der Sexismus-Schublade landen würde.

Klar gab es damals den öffentlichen Shitstorm, und vielleicht haben hier im Forum einige dem auch zugestimmt und ich finde es nur nicht, kann sein. Das ging dann aber in die Richtung "Sexist", vielleicht auch "Reaktionär" oder so.

Du aber hast behauptet, er wäre aufgrund der Äußerung hier im Forum als Nazi (oder von mir aus sinngemäß als rechtsradikal) verunglimpft worden. Das ist ein viel schwerwiegender Vorwurf. Sexist <> Nazi, Reaktionär <> Nazi. Oder ist das für dich dasselbe?

Also mein Eindruck ist, du hast dir das vielleicht zu 10% nicht ausgedacht, aber die restlichen 90% hinzuhalluziniert, damit es in dein "hier wird jeder Nazi genannt, der"-Weltbild passt.


Welche Vorteile hätte ich davon?
Man kann etwas andeuten, ohne konkrete Namen zu nennen, und dann dieses mit „dieser Nazi“ krönen.
Glaub, was du willst.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski

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