Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon schokoschendrezki » Do 14. Nov 2019, 12:56

Tom Bombadil hat geschrieben:(14 Nov 2019, 12:31)

Der "Kampf gegen Rechts" ist Mainstream und wird oft genug völlig übertrieben.

Da kann ich dir aus meiner eigenen Erfahrung nur widersprechen. Der "Kampf gegen Rechts" ist überhaupt nicht Mainstream.

Das wichtigste soziologische Gesellschaftsmodell der Gegenwart arbeitet bei den "Sinus-Millieus" mit einem zweidimensionalen Koordinatensystem. "Soziale Lage/Einkommen" auf der y-Achse und "Grundorientierung" (von "traditionell/konservativ" bis "modernistisch") auf der x-Achse. Darin zeichnen sich dann insgesamt zehn wesentliche soziale Milieus ab. Wie etwa "Konservativ-Etablierte", "Hedonisten" oder "Prekäre". Und alle haben sie ganz unterschiedliche Einstellungen zu Meinungsäußerungen, politische Korrektheit, "Kampf gegen Rechts" usw. Pauschale Aussagen, was irgendeine "Mehrheit der Deutschen" angeblich tut, wie sie denkt, was sie möchte, sind so nicht mehr möglich.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon schokoschendrezki » Do 14. Nov 2019, 13:08

MäckIntaier hat geschrieben:(14 Nov 2019, 11:43)

Ich glaube man sollte zwei Dinge zur Kenntnis nehmen: Erstens den Verlust des privaten Raumes und seinen Übergang in den totalen öffentlichen - auch die Arbeit am Selbst geschieht ja längst vor aller Augen - und den zweitens damit einhergehenden Kontrollverlust des Einzelnen über seine Äußerungen. Daher wird, wer halbwegs bei klarem Verstand ist, sich in der Öffentlichkeit auch vorsichtig äußern, da man weder die Heftigkeit der Gegenreaktion vernünftig abschätzen kann noch die mögliche Verbreitung.


In einem Artikel der linken-nahestenden Rosa-Luxemburg-Stiftung (von 2005) ist - im Gegenteil - vom "Verlust des öffentlichen Raums" die Rede. (https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/182Brendgens.pdf). Aber so widersprüchlich ist das gar nicht. Wo überall Öffentlichkeit ist, ist am Ende nirgends Öffentlichkeit. Die Wahrnehmung von "Öffentlichkeit", von Meinungsäußerungsfreiheit in der Öffentlichkeit kann meiner Ansicht nach nur über die Wahrnehmung von Widerstand und Reibung passieren. Kaum etwas ist aus meiner Sicht der individuellen Wahrnehmung von Meinungsfreiheit so förderlich, als wenn ich laute Buhrufe auf meine Meinungsäußerung zu erwarten habe. Man muss gegen irgendeine Flussrichtung schwimmen, um überhaupt einen FLuss wahrzunehmen. Aber vielleicht ist das auch meine persönliche Macke. Die Öffentlchkeit der neuen sozialen Medien kennt nur Likes oder Ignorieren. Ich sehe im öffentlichen Verkehr in den Gesichtern der Leute am Smartphone nur Lächeln oder Gelangweiltheit.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Tom Bombadil » Do 14. Nov 2019, 13:52

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Nov 2019, 12:56)

Der "Kampf gegen Rechts" ist überhaupt nicht Mainstream.

Ich kenne niemanden, der sich GEGEN den Kampf gegen Rechtsradikalismus/-extremismus ausspricht, weder privat, noch bei demokratischen Politikern, noch in den seriösen Medien, überall ist es Konsens, dass Rechtsradikalismus/-extremismus bekämpft werden muss. Was ja auch nur gut und richtig ist.

Dein Ausflug in die Soziologie mag zwar interessant sein, ist aber nicht zielführend, es geht um Meinungsfreiheit und wie sie von radikalen Kräften immer mehr eingeschränkt wird, entweder mit verbaler oder tatsächlicher Gewalt. Das ist inakzeptabel und dieser Zustand muss bereinigt werden, in einer Demokratie sind Diskurs und Kompromiss unverzichtbar.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Bartleby » Do 14. Nov 2019, 13:56

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Nov 2019, 13:08)

In einem Artikel der linken-nahestenden Rosa-Luxemburg-Stiftung (von 2005) ist - im Gegenteil - vom "Verlust des öffentlichen Raums" die Rede. (https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/182Brendgens.pdf). Aber so widersprüchlich ist das gar nicht. Wo überall Öffentlichkeit ist, ist am Ende nirgends Öffentlichkeit. Die Wahrnehmung von "Öffentlichkeit", von Meinungsäußerungsfreiheit in der Öffentlichkeit kann meiner Ansicht nach nur über die Wahrnehmung von Widerstand und Reibung passieren. Kaum etwas ist aus meiner Sicht der individuellen Wahrnehmung von Meinungsfreiheit so förderlich, als wenn ich laute Buhrufe auf meine Meinungsäußerung zu erwarten habe. Man muss gegen irgendeine Flussrichtung schwimmen, um überhaupt einen FLuss wahrzunehmen. Aber vielleicht ist das auch meine persönliche Macke. Die Öffentlchkeit der neuen sozialen Medien kennt nur Likes oder Ignorieren. Ich sehe im öffentlichen Verkehr in den Gesichtern der Leute am Smartphone nur Lächeln oder Gelangweiltheit.


Zum öffentlichen Raum haben beispielsweise Pörksen oder Rauterberg ganz andere Auffassungen.

Was die Buhrufe angeht, so sind sie eben in der Form von Shitstorms auch Diskurstöter - es gibt ja Buhrufe in alle Richtungen und für buchstäblich alles. Daraus ist die Hasskultur entstanden.

Es geht dabei gar nicht nur um politisch extreme Meinungen. Ich habe keine Kontrolle, was mit Bemerkungen von mir im digitalen Raum geschieht, wohin sie gezerrt werden, ohne dass ich auch nur den geringsten Einfluss darauf habe. Man schaue sich diese amerikanische Politikerin an, die plötzlich mit dem Privaten im Öffentlichen landet. Und darüber muss jeder sich inzwischen im Klaren sein. Ich habe digital niemals eine allgemeine Bemerkung über eine zweifelhalfte Branche gemacht, die mein Arbeitgeber hätte gegen mich verwenden können. Und ab dem Auftauchen der AfD war es ebenso ratsam, bestimmte Themen lieber sein zu lassen. Das ist eine Frage der Klugheit und der Erkenntnis, was die neuen Medien leisten können. Insofern muss man sich auch nicht beklagen, dass die Schere im Kopf, die angeblich wie von Zauberhand verschwunden ist, niemals präsenter war.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Do 14. Nov 2019, 14:15

Dieses ständige Beklagen, die Meinungsfreiheit sei nicht mehr gewährleistet, geht in die Richtung Diskursverschiebung. Indem die Neue Rechte (in allen ihren Schattierungen) gebetsmühlenartig wiederholt, es gäbe keine freie Meinungsäußerung mehr und man könne sich in der Öffentlichkeit nicht mehr angstfrei äußern, will sie erreichen, das gefragt wird: Wie kann man diesen Zustand einer "wirklichen Meinungsfreiheit" wieder erreichen? Verlogene und nicht ganz ungefährliche Sache. Die Leute sollen manipuliert und überzeugt werden, dass sich die Verhältnisse (Machtverhältnisse) endlich ändern müssten, damit man wieder "frei" reden könne. Gemeint sind damit extrem rechtsnationale Verhältnisse, die man anstrebt. Das Ergebnis wäre dann aber wahrhaftig eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, weil dann nur noch gesagt werden darf, was diese rechtsradikalen und rechtsextremen Höcke-Leute für opportun halten. Wer dem widerspricht, erfährt dann die Höckesche "wohltemperierte Grausamkeit". Alles bereits ernsthaft angekündigt.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon schokoschendrezki » Do 14. Nov 2019, 15:16

Die Selbstinszenierung zum Opfer eines angeblichen linken politisch korrekten und gutmenschlichen Meinungskartells hat eine offensichtliche historische Parallele:
Während die marxistischen Zeitungen in der gemeinsten Weise gegen alles, was Menschen heilig zu sein vermag, in das Feld zogen, Staat und Regierung in der infamsten Weise angriffen und große Volksteile gegeneinander hetzten, verstanden es die bürgerlich-demokratischen Judenblätter, sich den Anschein der berühmten Objektivität zu geben, mieden peinlich alle Kraftworte, genau wissend, daß alle Hohlköpfe nur nach dem Äußeren zu urteilen vermögen und nie die Fähigkeit besitzen, in das Innere einzudringen, so daß für sie der Wert einer Sache nach diesem Äußeren bemessen wird statt nach dem Inhalt; eine menschliche Schwäche, der sie auch die eigene Beachtung verdanken. Für diese Leute war und ist freilich die "Frankfurter Zeitung" der Inbegriff aller Anständigkeit. Verwendet sie doch niemals rohe Ausdrücke, lehnt jede körperliche Brutalität ab und appelliert immer an den Kampf mit den "geistigen" Waffen, der eigentümlicherweise gerade den geistlosesten Menschen am meisten am Herz liegt.
Aus A. Hitler: "Mein Kampf",

"Judenpresse" und "Lügenpresse" werden heute nicht selten auf derselben Demo gerufen. Eine besonders antiurbane und intellektuellenfeindliche Angelegenheit war die Beklagung einer angeblichen "Wiener Judenpresse". Sie gebe vor wie man zu denken habe, was man sagen dürfe und was nicht.

Jetzt bitte nicht mit "Nazikeule" kommen. Es wurden auch schon damals einfach die Kommunikationsformen des einen (in diesem Fall urbanen, gebildeten) sozialen Millieus für sozusagen kanonisch und verbindlich gehalten. Das waren sie gar nicht. [...] Das (für "gehoben" gehaltene) Zeitungswesen in Deutschland und Österreich wurde allerdings tatsächlich zu einem großen Teil von Menschen jüdischer Herkunft aufgebaut. Und zwar sehr erfolgreich. In den Zeilen Hitlers zum Zeitpunkt der Niederschrift schwingt neben einem grundsätzlichen intellektuellenfeindlichen Antikosmopolitismus noch deutlich auch so etwas wie Neid auf diesen Erfolg mit.
Zuletzt geändert von Brainiac am So 17. Nov 2019, 07:18, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: [MOD] Unangebrachter NS-Vergleich
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Fliege » Do 14. Nov 2019, 15:36

Gegen 58 Prozent der Deutschen (siehe den Threadstartbeitrag: "in der Öffentlichkeit [äußern sich] jedoch 58 Prozent [vorsichtig]") möchte ich nicht die Nazi-Keule schwingen.
Medienversagen: "für den gehobenen Moralbedarf"; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Tom Bombadil » Do 14. Nov 2019, 17:52

Hat sich damit erledigt.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Schnitter » Do 14. Nov 2019, 17:54

Ich denke mal Schoko geht es nicht um die "58%" sondern die die diese Umfrage für ihre braune Agenda missbrauchen wollen.

Hätte man aber von ganz alleine drauf kommen können-
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Do 14. Nov 2019, 17:57

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Nov 2019, 15:16)

Die Selbstinszenierung zum Opfer eines angeblichen linken politisch korrekten und gutmenschlichen Meinungskartells hat eine offensichtliche historische Parallele:
Aus A. Hitler: "Mein Kampf",

"Judenpresse" und "Lügenpresse" werden heute nicht selten auf derselben Demo gerufen. Eine besonders antiurbane und intellektuellenfeindliche Angelegenheit war die Beklagung einer angeblichen "Wiener Judenpresse". Sie gebe vor wie man zu denken habe, was man sagen dürfe und was nicht.

Jetzt bitte nicht mit "Nazikeule" kommen. Es wurden auch schon damals einfach die Kommunikationsformen des einen (in diesem Fall urbanen, gebildeten) sozialen Millieus für sozusagen kanonisch und verbindlich gehalten. Das waren sie gar nicht. [...] Das (für "gehoben" gehaltene) Zeitungswesen in Deutschland und Österreich wurde allerdings tatsächlich zu einem großen Teil von Menschen jüdischer Herkunft aufgebaut. Und zwar sehr erfolgreich. In den Zeilen Hitlers zum Zeitpunkt der Niederschrift schwingt neben einem grundsätzlichen intellektuellenfeindlichen Antikosmopolitismus noch deutlich auch so etwas wie Neid auf diesen Erfolg mit.


Aber schon ziemlich deutlich und erschütternd die Parallelen zwischen dem Mein-Kampf-Zitat und heutigen Diskurs-Beiträgen. Scrollt man nur allmählich runter und sieht dieses "A. Hitler" unten drunter noch nicht gleich (wie bei mir am Handy zufällig beim ersten Lesen geschehen), dann glaubt man wahrhaftig zunächst, einen Beitrag aus den bekannten heutigen Ecken vor sich zu haben. Gruselig.
Zuletzt geändert von Selina am Do 14. Nov 2019, 18:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Do 14. Nov 2019, 18:05

Schnitter hat geschrieben:(14 Nov 2019, 17:54)

Ich denke mal Schoko geht es nicht um die "58%" sondern die die diese Umfrage für ihre braune Agenda missbrauchen wollen.

Hätte man aber von ganz alleine drauf kommen können-


Erstens das und zweitens sind unter den 58 Prozent selbstverständlich auch Leute, die einfach länger und gründlicher nachdenken, bevor sie sich äußern. Und wenn sie eine Auskunft dazu in einer Umfrage geben sollen, wird das dann mitgezählt unter dem Stichwort "äußert sich vorsichtig in der Öffentlichkeit". Wie weiter oben im Thread schon oft ausgeführt, ist eine bestimmte Nachdenklichkeit und Zurückhaltung heutzutage eher zu loben statt zu kritisieren. Denn wenn man sieht und hört, welch rassistischer und fremdenfeindlicher Müll von morgens bis abends so abgesondert wird, dann sind die nicht gesagten Worte oft eher eine Wohltat.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Fliege » Do 14. Nov 2019, 18:06

Schnitter hat geschrieben:(14 Nov 2019, 17:54)
Ich denke mal Schoko geht es nicht um die "58%" sondern die die diese Umfrage für ihre braune Agenda missbrauchen wollen.

Wie stellst du dir einen solchen "Missbrauch" vor?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Schnitter » Do 14. Nov 2019, 19:59

Fliege hat geschrieben:(14 Nov 2019, 18:06)

Wie stellst du dir einen solchen "Missbrauch" vor?


Der allgegenwärtige Katzenjammer und das erbärmlicher Geopfere der rechtsbraunen bezüglich irgendwelcher angeblichen Einschränkungen der Meinungsfreiheit für Neonazis wird dir nicht entgangen sein nehme ich an.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Fliege » Do 14. Nov 2019, 20:22

Schnitter hat geschrieben:(14 Nov 2019, 19:59)
Der allgegenwärtige Katzenjammer und das erbärmlicher Geopfere der rechtsbraunen bezüglich irgendwelcher angeblichen Einschränkungen der Meinungsfreiheit für Neonazis wird dir nicht entgangen sein nehme ich an.

Was Rechtsextemisten finden, ist mir nicht wichtig. Mir ist hingegen wichtig, dass (siehe Threadstartbeitrag) 58 Prozent der Deutschen finden, man müsse bei der öffentlichen Ausübung seiner Meinungsfreiheit vorsichtig sein.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Schnitter » Do 14. Nov 2019, 20:29

Fliege hat geschrieben:(14 Nov 2019, 20:22)

Was Rechtsextemisten finden, ist mir nicht wichtig. Mir ist hingegen wichtig, dass (siehe Threadstartbeitrag) 58 Prozent der Deutschen finden, man müsse bei der öffentlichen Ausübung seiner Meinungsfreiheit vorsichtig sein.


Ich habe nur festgestellt dass Schoko nicht 58% der Deutschen als Nazi bezeichnet hat, wie du in deiner Antwort an ihn suggeriertest.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Fliege » Do 14. Nov 2019, 20:53

Schnitter hat geschrieben:(14 Nov 2019, 20:29)
Ich habe nur festgestellt dass Schoko nicht 58% der Deutschen als Nazi bezeichnet hat, wie du in deiner Antwort an ihn suggeriertest.

Bitte nicht ablenken davon, dass 58 Prozent der Deutschen befürchten, ihre öffentliche Meinungsäußerung könnte ihnen schädlich sein.

(Übrigens: Mit der Nazi-Keule werden nicht Nazis geschlagen, sondern Leute als Nazis verunglimpft, egal ob sie Nazis sind oder nicht.)
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 15. Nov 2019, 08:45

Fliege hat geschrieben:(14 Nov 2019, 15:36)

Gegen 58 Prozent der Deutschen (siehe den Threadstartbeitrag: "in der Öffentlichkeit [äußern sich] jedoch 58 Prozent [vorsichtig]") möchte ich nicht die Nazi-Keule schwingen.

Verschreiber: Bitte nicht mit dem Vorwurf der Nazikeule kommen.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 15. Nov 2019, 09:06

Selina hat geschrieben:(14 Nov 2019, 17:57)

Aber schon ziemlich deutlich und erschütternd die Parallelen zwischen dem Mein-Kampf-Zitat und heutigen Diskurs-Beiträgen. Scrollt man nur allmählich runter und sieht dieses "A. Hitler" unten drunter noch nicht gleich (wie bei mir am Handy zufällig beim ersten Lesen geschehen), dann glaubt man wahrhaftig zunächst, einen Beitrag aus den bekannten heutigen Ecken vor sich zu haben. Gruselig.

Dabei aber nicht vergessen, dass "Mein Kampf" in den 20er Jahren geschrieben wurde und auch bereits in ebendiesen ein Bestseller war. Und auch der "Völkische Beobachter" erschien bereits in den 20ern. Der erste Band entstand unmittelbar nach dem Hitlerputsch am 9. November 23 (noch so ein 9. November ...). Es geht nicht um den "Holocaust" sondern um das gesellschaftliche Klima der Weimarer Republik oder auch das in Wien, Prag, Budapest um die Jahrhundertwende. Das "gesunde Volksempfinden" wird gegen eine vermeintliche urbane, kosmopolitische, "abgehobene" Gruppe ins Feld geführt. Heute spricht man nicht mehr von "gesundem Voksempfinden" und es geht abgesehen von Ausnehmen auch nicht gegen die Juden. Man kann aber auch in diesem Forum Sätze lesen wie "Bei uns hier in ... redet man noch Klartext". "Hier kann man uns nicht ein x für ein y vormachen". Die Mechanismen sind ähnlich. Und selbst noch gestern im Ersten bei Dieter Nuhr kann man das beobachten: Ein Ausnutzen und gleichzeitiges Einüben von Reiz-Reflex-Kreisläufen. Die dann immer wieder wie auf Knopfdruck auslösbar sind. "Professix!" ... "Haha. Ja. Der sagts mal. Der traut sich!" Und diese Kreisläufe spielen sich mehr und mehr nur noch in einem Debattentheater ab. Schaut man wirklich einmal in die Wirklichkeit, siehts erheblich komplexer und vielfältiger aus. Keineswegs können junge Menschen und schon gar nicht Studenten ihr Wissen nur noch über das Smartphone abrufen. Im Gegenteil: Haptik, Arbeiten mit der Hand erlebt geradezu einen Höhenflug. Zumindest in einigen urbanen Kulturen. Freie Werkstätten, Urban Gardening ... um nur einige Beispiele zu nennen. Gestern habe ich tatsächlich in einem Regionalzug junge Leute gesehen, die ein komplettes Band-Equipment im Fahradabteil auf Radkarren transportierten. Also jetzt nicht Streetmusic-Technik mit Akkus, sondern richtige Instrumentalverstärker. Dieter Nuhr sollte öfter mal mit Öffentlichen fahren.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Bartleby » Fr 15. Nov 2019, 11:37

Ob nun Weimarer Republik oder Mein Kampf - diese Art der Kostümierung der Wirklichkeit des 21. JH mit seinen neuen Medien und Kommunikationsräumen verstellt den Blick auf die eigene Wirklichkeit. Es ist ein a-historischer Historizismus.

Wer noch ganz bei Trost ist, wird sich in einem öffentlichen Medium wie Zwitscher oder Fehsbuk auch unter Wahrung allen Anstands zu einigen Themen nicht äußern. Diese Themen stehen nicht für alle Ewigkeit fest, sondern unterliegen bestimmten gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Und wer glaubt, er könne sich im Zeitalter der Hysterie und Shitstürme sanktionsfrei gegen diese Machtverhältnisse stellen, ist bestenfalls naiv.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 15. Nov 2019, 12:21

Fliege hat geschrieben:(14 Nov 2019, 20:53)

Bitte nicht ablenken davon, dass 58 Prozent der Deutschen befürchten, ihre öffentliche Meinungsäußerung könnte ihnen schädlich sein.



Das ist eine Schlussfolgerung von dir, die sich aus dem Artikel so nicht rauslesen lässt.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)

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