Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

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Tom Bombadil
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 16. Nov 2019, 10:54

Skeptiker hat geschrieben:(16 Nov 2019, 10:33)

Ist Nuhr braun?

Er ist zumindest nicht knallrot, also muss er ein böser Mensch sein. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit von linksaußen.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Skeptiker » Sa 16. Nov 2019, 11:14

Tom Bombadil hat geschrieben:(16 Nov 2019, 10:54)

Er ist zumindest nicht knallrot, also muss er ein böser Mensch sein. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit von linksaußen.

Mir gruselt es bei der Vorstellung, man würde es „schaffen“, dass tatsächlich jemand, den irgendwer als „braun“ diffamiert, mundtot gemacht würde.

Wer braun ist, das entscheiden hier die Gerichte, und keine Gesinnungshilfstruppen, welche den Menschen vorschreiben wer was zu sagen oder zu denken hat. Mir scheint, dass manche sich nie so recht an dieses Prinzip gewöhnen konnten. Verbaler Lynchmob ist inakzeptabel.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 16. Nov 2019, 11:25

Skeptiker hat geschrieben:(16 Nov 2019, 11:14)

Mir gruselt es bei der Vorstellung, man würde es „schaffen“, dass tatsächlich jemand, den irgendwer als „braun“ diffamiert, mundtot gemacht würde.

Tja, dazu werden mittlerweile schwerste Geschütze aufgefahren und an der Shoah rumgefummelt, die Nazikeule alleine reicht schon nicht mehr.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Sa 16. Nov 2019, 12:11

Skeptiker hat geschrieben:(16 Nov 2019, 11:14)

Mir gruselt es bei der Vorstellung, man würde es „schaffen“, dass tatsächlich jemand, den irgendwer als „braun“ diffamiert, mundtot gemacht würde.

Wer braun ist, das entscheiden hier die Gerichte, und keine Gesinnungshilfstruppen, welche den Menschen vorschreiben wer was zu sagen oder zu denken hat. Mir scheint, dass manche sich nie so recht an dieses Prinzip gewöhnen konnten. Verbaler Lynchmob ist inakzeptabel.


Nicht übertreiben! Ich habe Nuhr nicht als braun bezeichnet. Dieses Farben-Geplänkel hast du selbst eröffnet, indem du mir mit irgendeiner roten Fahne vor der Nase herumwedeltest :D

Zu Nuhr hab ich weiter oben das hier geschrieben:

Und was diesen Nuhr anbelangt: Der macht eine Art bürgerliches Warenhaus-Kabarett nach dem Motto "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen". Mit Satire hat das nichts zu tun, höchstens mit Saturiertheit. Bekämpft wird, was nicht in die kleinkarierte heile Welt passt.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon JJazzGold » Sa 16. Nov 2019, 12:22

Skeptiker hat geschrieben:(16 Nov 2019, 10:33)

Ist Nuhr braun? Er ist bestimmt nicht grün, violett, gelb, rosa oder regenbogenfarben.


Nein, er überspitzt, er fordert heraus, er ist anteilig sowohl Kabarettist, als auch Komiker und da er sprachgewandt ist, benötigt es manchmal einer Pause, bis das Publikum das Gesagte begreift. ;)
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Bartleby » Sa 16. Nov 2019, 12:34

JJazzGold hat geschrieben:(16 Nov 2019, 12:22)

Nein, er überspitzt, er fordert heraus, er ist anteilig sowohl Kabarettist, als auch Komiker und da er sprachgewandt ist, benötigt es manchmal einer Pause, bis das Publikum das Gesagte begreift. ;)


Ich habe mir gestern in der Mediathek das hier im Strang verlinkte Programm angesehen. Für sein Thema brauchte er dabei nicht einmal auf Komik zurückgreifen. Die Wirklichkeit übertrifft immer häufiger jede Komik - es ist ein Hase-Igel-Rennen, bei dem der Igel für die Realität steht. Der letale Ausgang für den Hasen ist bekannt, Ähnliches darf auch für Komik&Satire angenommen werden. Das Herz pumpt schon rasend.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon naddy » Sa 16. Nov 2019, 12:50

Selina hat geschrieben:(16 Nov 2019, 09:54)

Satire hat linke Wurzeln und keine rechten.


Kommt im politischen Kontext drauf an, wer gerade das Sagen hat. Da das im Nachkriegsdeutschland über Jahrzehnte die von Ex- und Nicht-Ex-Nazis durchsetzten Konservativen (heute: "Rechte") waren, siehe beispielsweise Hans Globke, ergab sich die Stoßrichtung von selbst. Grundsätzlich richtet sich Satire aber gegen jeden absoluten Wahrheitsanspruch, die sogenannten "Linken" sind also auch nicht sakrosant, wenn sie den erheben. Dazu noch ein Lec: "Spartakus wollte nicht die Abschaffung der Sklaverei, sondern die Umkehr der Herrschaftsverhältnisse" (ich hoffe aus dem Gedächtnis richtig zitiert).

Es geht um Gesellschaftskritik.


Auch. Deshalb hat sich der gerade zitierte Lec auch mit bissigen Kommentaren gegen die stalinistisch geprägte Meinungsdiktatur in seinem Herkunftsland Polen gewandt. Dazu gehört vor allem Eines: Viel Mut. Nebst einem scharfen Verstand.

Und mit Leuten im Parkett zu sitzen und sich mit denen zusammen auf die Schenkel vor Freude zu schlagen, die sich über Greta Thunberg und ihre Bewegung lustig machen, das fiele mir nicht im Traum ein. Da würde ich Ekelblasen kriegen...


Dein gutes Recht. Allerdings gibt es jede Menge Leute, denen Gleiches bei anderen Themen - beispielsweise religiösen - widerfährt. Denen kann man insgesamt nur raten solchen Veranstaltungen fernzubleiben - falls sie keinen ausgeprägten Hang zum Masochismus haben. Aber das hast du ja schon selber erkannt und die richtigen Konsequenzen daraus gezogen.

Zum Abschluß noch ein Lec: "Schont die Sockel wenn ihr die Denkmäler stürzt, sie werden noch gebraucht.".
"Schont die Sockel wenn ihr die Denkmäler stürzt, sie werden noch gebraucht!" (Lec).
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Skeptiker » Sa 16. Nov 2019, 12:55

JJazzGold hat geschrieben:(16 Nov 2019, 12:22)

Nein, er überspitzt, er fordert heraus, er ist anteilig sowohl Kabarettist, als auch Komiker und da er sprachgewandt ist, benötigt es manchmal einer Pause, bis das Publikum das Gesagte begreift. ;)

Er geht dahin, wo es weh tut. In einem Fußballspiel von Demokraten gegen Totalitaristen, macht ihn das zu unserem besten Mann und dem schlimmsten Alptraum der ignoranten Verbieterfraktion.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Sa 16. Nov 2019, 13:30

Kluger Kommentar zum Thema "Warum rechte Satire nicht funktionieren kann":

Ausschnitt:

In seinem soeben erschienen Buch »Satire ist nur ein Affe im Hirn« stellt der Kabarettist Henning Venske fest: »Im Gegensatz zur realen Politik sind für die Satire die Reichen, die Mächtigen und die Hierarchen Ziel und Opfer. Geschriebene und gespielte Satiren richten sich von ›unten links‹ gegen ›oben rechts‹.« Womit er meint: gegen Regierung, Machtapparate, Freiheitsbeschränkungen. Deswegen habe es noch nie »ein funktionierendes ›rechtes‹ Kabarett gegeben«: Das findet nämlich in der breiten Bevölkerung kein Publikum. Auch ein »Regierungskabarett« hält er für undenkbar… Funktionierende Satire müsste also immer in der aufklärerischen Tradition von Dieter Hildebrandt und Co. stehen. Aber was ist dann mit genanntem Dr. Pröbstl?

Oder nehmen wir den mittlerweile verbotenen Nazitrupp »Besseres Hannover«, der ebenfalls versuchte witzig zu sein. In Youtube-Videos ist ein »Abschiebär« zu sehen, ein Mensch in einem Bärenkostüm, der vermeintliche Ausländer in Dönerläden besucht oder in Parks anspricht. Dabei wünscht er ihnen offenbar »Gute Heimreise«, tanzt fröhlich um sie herum und zeigt den Hitlergruß. Dem normalen Betrachter erschließt sich kein Witz. Vermutlich wird er nicht einmal verstehen, was der Quatsch soll. Rechte lachen darüber, die Nazi-Gruppe gehörte zum NPD-Umfeld. Gerichtlich ist mittlerweile entschieden: Das ist keine Satire.

Satire, die nach Schwächeren tritt, funktioniert nicht

Der Berliner Kulturwissenschaftler Klaus Cäsar Zehrer hat mit einer Dissertation zur »Dialektik der Satire« promoviert. Er versucht zu erklären, wie Satire funktioniert. Seiner Meinung nach tritt Satire nie nach Schwächeren, also nie nach unten. Da ist er sich mit dem Kabarettisten Venske einig. Wer nach unten tritt, erledigt das Geschäft der Mächtigen, ist also ihr Handlanger oder Propagandist. Mit Satire hat das dann nichts mehr zu tun.

Oliver Maria Schmitt, jahrelanger Chefredakteur der »Titanic« sagt: »Satire hat keine Macht, daher ist es ihr einziger Zweck, Macht und Machtverhältnisse infrage zu stellen.« Aber Dr. Alfred Pröbstl kritisiert ja die Mächtigen und ihre »Ausländerpolitik«. Ist er also ein rechter Satiriker in bester Tradition? Ein genauer Blick zeigt, dass er und seine Zuhörer die Realität verdrehen. Obwohl demokratisch gewählt, haben die Herrschenden aus seiner Sicht (und der seiner ausländerfeindlichen Fangemeinde) das Volk entmachtet. Daraus folgt, dass die Volksvertreter immer gegen den Volkswillen handeln. Das entrechtete Volk muss sich nun gegen dieses Unrecht wehren. »Wir sind das Volk« meint »Wir sind die Macht!« Und: »Wir sind die Mehrheit und im Recht!« Ihre Sicht ist eine verschwörungstheoretische.


https://www.neues-deutschland.de/artike ... itzig.html
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Skeptiker » Sa 16. Nov 2019, 14:13

Selina hat geschrieben:(16 Nov 2019, 13:30)
Kluger Kommentar zum Thema "Warum rechte Satire nicht funktionieren kann":

Ausschnitt:

In seinem soeben erschienen Buch »Satire ist nur ein Affe im Hirn« stellt der Kabarettist Henning Venske fest: »Im Gegensatz zur realen Politik sind für die Satire die Reichen, die Mächtigen und die Hierarchen Ziel und Opfer. Geschriebene und gespielte Satiren richten sich von ›unten links‹ gegen ›oben rechts‹.« Womit er meint: gegen Regierung, Machtapparate, Freiheitsbeschränkungen. Deswegen habe es noch nie »ein funktionierendes ›rechtes‹ Kabarett gegeben«: Das findet nämlich in der breiten Bevölkerung kein Publikum. Auch ein »Regierungskabarett« hält er für undenkbar… Funktionierende Satire müsste also immer in der aufklärerischen Tradition von Dieter Hildebrandt und Co. stehen. Aber was ist dann mit genanntem Dr. Pröbstl?

Oder nehmen wir den mittlerweile verbotenen Nazitrupp »Besseres Hannover«, der ebenfalls versuchte witzig zu sein. In Youtube-Videos ist ein »Abschiebär« zu sehen, ein Mensch in einem Bärenkostüm, der vermeintliche Ausländer in Dönerläden besucht oder in Parks anspricht. Dabei wünscht er ihnen offenbar »Gute Heimreise«, tanzt fröhlich um sie herum und zeigt den Hitlergruß. Dem normalen Betrachter erschließt sich kein Witz. Vermutlich wird er nicht einmal verstehen, was der Quatsch soll. Rechte lachen darüber, die Nazi-Gruppe gehörte zum NPD-Umfeld. Gerichtlich ist mittlerweile entschieden: Das ist keine Satire.

Satire, die nach Schwächeren tritt, funktioniert nicht

Der Berliner Kulturwissenschaftler Klaus Cäsar Zehrer hat mit einer Dissertation zur »Dialektik der Satire« promoviert. Er versucht zu erklären, wie Satire funktioniert. Seiner Meinung nach tritt Satire nie nach Schwächeren, also nie nach unten. Da ist er sich mit dem Kabarettisten Venske einig. Wer nach unten tritt, erledigt das Geschäft der Mächtigen, ist also ihr Handlanger oder Propagandist. Mit Satire hat das dann nichts mehr zu tun.


https://www.neues-deutschland.de/artike ... itzig.html

Und zu gefühlt 100000. Mal der Versuch, völlig deplazierte Diffamierungen gegen Andersdenkende, wie Nuhr, zu rechtfertigen, indem man ihn suggestiv als Person in einen Topf mit Rechtsaußen schmeisst.

Wer verteidigt denn hier die genannten "humoristischen" Auswüchse irgendwelcher Hassideologen? Wieder und wieder und wieder, wirfst Du alles vollkommen undifferenziert durcheinander und bestätigst damit meine Argumentation, dass bestimmte Leute hier im Forum nicht in der Lage sind den kategorischen Imperativ auf sich selber anzuwenden. Jede eigene Verfehlung hat stets gute Gründe, ist zu sehen in einem größeren Kontext, ist niemals Ausdruck von primitivem Hass oder von totalitärer Gesinnung - nein, diese erkennt man nur bei den anderen. Da ist man dann auch nicht zimperlich und hält ungeniert mit Nazikeule drauf - kommt nicht so drauf an, trifft ja die Richtigen.

Die Gesellschaft versteht solches Verhalten immer besser und reift dadurch. Nach einer Phase der totalen Polarisierung wird irgendwann die Phase kommen, in der man die Extremisten zum Teufel wünscht und sich wieder auf freiheitliche, demokratische und tolerante Wurzeln besinnt. Ich sollte dieser Entwicklung gelassener entgegensehen - sie wird Personen wie Dich stark erschüttern, ich dagegen freue mich darauf. Dauerhaft lässt sich keine Gesellschaft den Mund verbieten und sich dann zynisch hinterherrufen, dass halt derjenige sich zu "benehmen" wisse, der endlich die Klappe hielte. Diese Gesinnung hat 89 einen mächtigen Tritt in den Arsch bekommen - manche haben den dennoch nie verstanden ... .
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Unité 1 » Sa 16. Nov 2019, 14:31

odiug hat geschrieben:(25 Oct 2019, 18:45)

Eben!
Wenn ich sage, dass ich mich zu bestimmten Themen eher vorsichtig äußere, so tu ich das nicht, weil ich Zensur oder Kritik fürchte, sondern weil ich mir bewusst bin, dass manche Themen heikel sind, dass es da viele berechtigte Sensibilitäten gibt, die ich nicht unnötig verletzen will.
Das heißt beileibe nicht, dass ich mit meiner Meinung zurückhalten werde, sondern nur, dass ich nicht unbeabsichtigt provozieren will.
Das sollte eigentlich normal sein.

Das.
Und dass ich nicht mit jedem Klaus über alles diskutiere, manche Diskussionen will ich mir einfach nicht ans Bein binden.
Und dass "vorsichtig" viele Bedeutungen haben kann. Ich fahre auch vorsichtig. Im Sinne von umsichtig, nicht im Sinne von ängstlich.
Klar, es mag ein paar geben, die sich tatsächlich "eingeschüchtert" fühlen. Ich würde ja auch nicht im Fanblock von FC Energie Cottbus eine Diskussion über Rechtsextremismus im Fussball beginnen.

Für mich liest sich die Interpretation durch viele Foristen wie Wunschdenken: Sie wünschen, dass sich andere eingeschüchtert fühlen. Nicht persönlich, sondern um ein reales Argument für ihre gefühlte Realität zu erhalten. Anders lässt sich für mich schwer erklären, warum komplett ausgeblendet wird, was nicht in die eigene Deutung passt.
Unten stand ein Gummibaum.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Sa 16. Nov 2019, 14:44

Skeptiker hat geschrieben:(16 Nov 2019, 14:13)

Und zu gefühlt 100000. Mal der Versuch, völlig deplazierte Diffamierungen gegen Andersdenkende, wie Nuhr, zu rechtfertigen, indem man ihn suggestiv als Person in einen Topf mit Rechtsaußen schmeisst.

Wer verteidigt denn hier die genannten "humoristischen" Auswüchse irgendwelcher Hassideologen? Wieder und wieder und wieder, wirfst Du alles vollkommen undifferenziert durcheinander und bestätigst damit meine Argumentation, dass bestimmte Leute hier im Forum nicht in der Lage sind den kategorischen Imperativ auf sich selber anzuwenden. Jede eigene Verfehlung hat stets gute Gründe, ist zu sehen in einem größeren Kontext, ist niemals Ausdruck von primitivem Hass oder von totalitärer Gesinnung - nein, diese erkennt man nur bei den anderen. Da ist man dann auch nicht zimperlich und hält ungeniert mit Nazikeule drauf - kommt nicht so drauf an, trifft ja die Richtigen.

Die Gesellschaft versteht solches Verhalten immer besser und reift dadurch. Nach einer Phase der totalen Polarisierung wird irgendwann die Phase kommen, in der man die Extremisten zum Teufel wünscht und sich wieder auf freiheitliche, demokratische und tolerante Wurzeln besinnt. Ich sollte dieser Entwicklung gelassener entgegensehen - sie wird Personen wie Dich stark erschüttern, ich dagegen freue mich darauf. Dauerhaft lässt sich keine Gesellschaft den Mund verbieten und sich dann zynisch hinterherrufen, dass halt derjenige sich zu "benehmen" wisse, der endlich die Klappe hielte. Diese Gesinnung hat 89 einen mächtigen Tritt in den Arsch bekommen - manche haben den dennoch nie verstanden ... .


Niemand verbietet irgendjemandem den Mund. Das ist pure Dichtung, dass das geschehe. Kritik hat nichts mit Mund-Verbieten zu tun. Und ja, die tolerant, freiheitlich, liberal und demokratisch denkenden Menschen sind immer noch in der Mehrheit. Die brauchen keinerlei "Phasen", wie du sie dir wünschst. Hier ist immer noch alles in Ordnung und ausgeglichen. Und immer mehr vernünftige Menschen werden sich im Laufe der Zeit von den Pseudo-Ideen neurechten Ursprungs wieder verabschieden. Dann nämlich, wenn diese Höckes und co. endgültig ihre Masken fallen lassen.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon naddy » Sa 16. Nov 2019, 15:57

Selina hat geschrieben:(16 Nov 2019, 13:30)

Kluger Kommentar zum Thema "Warum rechte Satire nicht funktionieren kann":

Ausschnitt:

In seinem soeben erschienen Buch »Satire ist nur ein Affe im Hirn« stellt der Kabarettist Henning Venske fest: »Im Gegensatz zur realen Politik sind für die Satire die Reichen, die Mächtigen und die Hierarchen Ziel und Opfer.


Fehlen: Die ideologisch Verblendeten jedweder Couleur. Wie ich bereits erwähnt habe, wandte sich Lec mit seiner Satire gegen die stalinistische Meinungsdiktatur in seinem Herkunftsland. Ist das dann "rechts"?

Seiner Meinung nach tritt Satire nie nach Schwächeren, also nie nach unten. Da ist er sich mit dem Kabarettisten Venske einig.


Und die von Dir mit "Ekelblasen" so leidenschaftlich kritikimmunisierte "Greta" zählt dann aus deiner Sicht - trotz ihrer zig-millionen "Follower" - offenbar zu den "Schwächeren", oder? Merke: Die "Mächtigen" sind nicht zwingend die, welche ein politisches Amt bekleiden, das gilt spätestens und insbesondere im Internet-Zeitalter. Siehe Rezo. Außerdem "tritt" Satire nicht in irgendeine Richtung, sie deckt auf und demaskiert. Das Treten bleibt politischen Agitatoren überlassen.

Funktionierende Satire müsste also immer in der aufklärerischen Tradition von Dieter Hildebrandt und Co. stehen.


Ja, den erwähnte ich bereits. Aber wenn es dir aus dem Munde von Henning Venske besser gefällt: Auch gut.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Bartleby » Sa 16. Nov 2019, 16:41

Selina hat geschrieben:(16 Nov 2019, 14:44)

Niemand verbietet irgendjemandem den Mund. Das ist pure Dichtung, dass das geschehe. Kritik hat nichts mit Mund-Verbieten zu tun. Und ja, die tolerant, freiheitlich, liberal und demokratisch denkenden Menschen sind immer noch in der Mehrheit. Die brauchen keinerlei "Phasen", wie du sie dir wünschst. Hier ist immer noch alles in Ordnung und ausgeglichen. Und immer mehr vernünftige Menschen werden sich im Laufe der Zeit von den Pseudo-Ideen neurechten Ursprungs wieder verabschieden. Dann nämlich, wenn diese Höckes und co. endgültig ihre Masken fallen lassen.


Zwei ähnliche Sätze: Niemand verbietet irgendwem ... Niemand hat die Absicht ...

Ob die toleranten, freiheitlichen, liberalen und demokratischen Menschen in der Mehrheit sind? Da möchte man lieber keine Probe aufs Exempel machen, das könnte böse enden.

Schön dagegen ist, dass alles in Ordnung und ausgeglichen ist - da darf man dann auf den Grafen Schulenburg und seine Sentenz von der Ruhe als erster Bürgerpflicht zurückgreifen. In diesem Sinne ist eben darauf zu achten, dass nur amtlich vorgegebene Melodien gepfiffen werden. Der neuteutonische Geist hat seine Heimat in der Volksmusik gefunden, wo's komplexer würde, begänne das Subversive.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Bartleby » Sa 16. Nov 2019, 17:06

Selina hat geschrieben:(16 Nov 2019, 12:11)

Nicht übertreiben! Ich habe Nuhr nicht als braun bezeichnet. Dieses Farben-Geplänkel hast du selbst eröffnet, indem du mir mit irgendeiner roten Fahne vor der Nase herumwedeltest :D

Zu Nuhr hab ich weiter oben das hier geschrieben:

Und was diesen Nuhr anbelangt: Der macht eine Art bürgerliches Warenhaus-Kabarett nach dem Motto "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen". Mit Satire hat das nichts zu tun, höchstens mit Saturiertheit. Bekämpft wird, was nicht in die kleinkarierte heile Welt passt.


Nun, schon vor hundert Jahren hat Erich Mühsam in eine ähnliche Kerbe wie Nuhr gehauen und sich seinerzeit in seinen "Unpolitischen Erinnerungen" vergleichbare Gedanken aus dem damals noch nicht-bürgerlichen Warenhaus geholt:

Heutzutage führen in bürgerlichen Häusern verliebte Mütter sorgfältig Tagebuch über die frühen Ausstrahlungen des unverkennbaren Genies ihres Lieblings. Der arglose Besucher freut sich an der natürlichen Aufgewecktheit des spielenden Kindes und bekommt plötzlich zu Kaffee und Kuchen eine Sturzflut noch nicht dagewesener Beobachtungen, Randbemerkungen, kritischer Betrachtungen, psychologischer Finessen, dazu stoßweise Zeichnungen, Gedichte und sonstige Wunderwerke des kleinen Phänomens serviert. Man glaubt dann wirklich, den großen Philosophen, Dichter, Maler oder Reformator der künftigen Menschheit vor sich zu sehen und läßt sich erst nach genossener Gastfreundschaft auf dem Nachhausewege von dem Gedanken ernüchtern, daß, seit das Buchführen über die geistigen Emanationen der Kinder in Mode geraten ist, reichlich viele latente Genies auf den Tummelplätzen der öffentlichen Anlagen aus Sand Kuchen backen.


Ganz neu ist also nicht, was Nuhr in etwas verschärfterer Form vortrug.

Fragt sich nun, inwiefern es heute etwas geben könnte, was nicht im bürgerlichen Warenhaus zu finden wäre? Wie sieht denn ein nicht-bürgerliches Warenhaus aus? Schließlich gibt's ja sogar schon Gretas Panik in diesem bürgerlichen Warenhaus, das noch den subversiven Gedanken seiner Abschaffung erfolgreich zu einem Geschäftsmodell entwickelt hat - ja sogar links-reaktionäres Spießertum im Sortiment führt.
Zuletzt geändert von Bartleby am Sa 16. Nov 2019, 17:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Sa 16. Nov 2019, 17:06

MäckIntaier hat geschrieben:(16 Nov 2019, 16:41)

Zwei ähnliche Sätze: Niemand verbietet irgendwem ... Niemand hat die Absicht ...

Ob die toleranten, freiheitlichen, liberalen und demokratischen Menschen in der Mehrheit sind? Da möchte man lieber keine Probe aufs Exempel machen, das könnte böse enden.

Schön dagegen ist, dass alles in Ordnung und ausgeglichen ist - da darf man dann auf den Grafen Schulenburg und seine Sentenz von der Ruhe als erster Bürgerpflicht zurückgreifen. In diesem Sinne ist eben darauf zu achten, dass nur amtlich vorgegebene Melodien gepfiffen werden. Der neuteutonische Geist hat seine Heimat in der Volksmusik gefunden, wo's komplexer würde, begänne das Subversive.


Nun mal Butter bei die Fische: Welche "amtlich vorgegebenen Melodien" meinen Sie? Welche Aussagen sind Ihrer Meinung nach "komplexer" und damit "subversiv" in den Augen der anderen und dürfen angeblich nicht mehr öffentlich geäußert werden?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Bartleby » Sa 16. Nov 2019, 17:09

Selina hat geschrieben:(16 Nov 2019, 17:06)

Nun mal Butter bei die Fische: Welche "amtlich vorgegebenen Melodien" meinen Sie? Welche Aussagen sind Ihrer Meinung nach "komplexer" und damit "subversiv" in den Augen der anderen und dürfen angeblich nicht mehr öffentlich geäußert werden?


Hatte ich behauptet, es dürfe etwas nicht mehr geäußert werden? Lesen Sie noch einmal, was da steht.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Sa 16. Nov 2019, 17:30

MäckIntaier hat geschrieben:(16 Nov 2019, 17:09)

Hatte ich behauptet, es dürfe etwas nicht mehr geäußert werden? Lesen Sie noch einmal, was da steht.


Noch mal: Welche "amtlich vorgegebenen Melodien" meinen Sie? Welche Aussagen sind Ihrer Meinung nach "komplexer" und damit "subversiv" in den Augen der anderen?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Bartleby » Sa 16. Nov 2019, 19:26

Selina hat geschrieben:(16 Nov 2019, 17:30)

Noch mal: Welche "amtlich vorgegebenen Melodien" meinen Sie? Welche Aussagen sind Ihrer Meinung nach "komplexer" und damit "subversiv" in den Augen der anderen?


Irgendwie scheint Sie schon der bloße Gedanke, es könnte nicht, wie Sie das ausdrücken, »alles in Ordnung und ausgeglichen« sein, furchtbar zu beunruhigen, weil er die Grenzen der Ordnung, wie Sie sie verstehen, überschreitet. So groß ist die Beunruhigung, dass Sie außerstande sind, den puer robustus in seinen sehr unterschiedlichen Formen wahrzunehmen, dass plötzlich Satire doch nicht mehr alles darf und sich stattdessen ihre Legitimation von einem in Ihrer Diktion längst überalterten weißen Mann (Venske) und einem Kulturwissenschaftler - ausgerechnet Sie führen diese hochverdächtige Spezies ins Feld - "amtlich" bestätigen lassen muss.

Sie wissen schon, warum Mystiker so unbeliebt in allen Buchreligionen sind?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Keoma » Sa 16. Nov 2019, 19:38

Manche lachen halt nur dann, wenn Witze über die AfD gemacht werden.
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