Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

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Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Skeptiker » Di 21. Mai 2019, 20:42

Beim lesen der Artikel in WELT.de ist mir mal wieder ein Artikel zur Migration aufgefallen. Da ging es nun um das Lernverhalten von Migranten in verordneten Sprachkursen.

In diesem Strang soll es aber nicht um das Lernverhalten von Migranten gehen, sondern mich interessiert ein Teilaspekt dieses Artikels, den ich auch in vielen anderen Strängen hier wiederfinde: Haben die Leute die Schnauze voll von zu viel Verständnis, zu viel Pädagogik, zu wenig Konsequenz und am Ende dadurch produzierte Regellosigkeit?

Der Artikel beschreibt wie einfach es ist mit gängigen Tricks schulische Maßnahmen auszuhebeln, und dabei Sanktionen auf Fehlverhalten - aus welchen Gründen auch immer - ausbleiben. Wer sich einlesen möchte (Bezahlartikel), der kann das hier:
https://www.welt.de/debatte/kommentare/ ... l#Comments

Man könnte nun weitergehen und den Strang zur Kuscheljustiz als Beispiel nehmen, dass der Rechtsstaat oft recht schwachbrüstig dasteht - oder ist es einfach ein Imageproblem? Gerne kann man das auch weiterführen zum Thema Infrastruktur - fehlende Möglichkeit Bauvorhaben durchzuführen, wenn Quängelbürger was dagegen haben (ein seltener Frosch ist schnell dort gefunden ... ) oder haarsträubende Fehlleistungen in Planung und Ausführung - BER läßt grüßen - ohne sichtbare Konsequenzen.

Ist es nur mein Gefühl alleine, welches mich glauben läßt, dass das Erstarken autoritärer Kräfte - als solche muss man radikal rechte Parteien und Bewegungen ja sehen - mit solchen Fehlleistungen zumindest zum Teil begründet werden kann? Ist es die Sehnsucht mancher darin, dass das was man über das Gemeinswesen in der Schule mal gelernt hat, von der Gesellschaft nicht nur auch ernst genommen, sondern auch konsequent umgesetzt wird?

Nun kann man sagen: Ist doch alles supi! Wir haben ein tolles Land und Menschen denen es gut geht. Korrekt. Dennoch geht es nicht jedem gut. Und scheinbar ist es auch nicht auf Deutschland begrenzt, dass Menschen sich von ihrem Staat Konsequenz im Handeln versprechen. Gelbwestenproteste und Trump als Präsident lassen grüßen.

Ich finde, dass das was heute als Rechtsdrift wahrgenommen wird, ein überfälliges Korrektiv einer westlichen Gesellschaft ist. Diese funktioniert bislang größtenteils in einem linksliberalen Meinungskorridor, den zu verlassen für Menschen die auf soziale Akzeptanz angewiesen sind, nicht ganz ungefährlich ist.

Wie ist eure Meinung? Steht mehr Autorität der Demokratie entgegen, oder ist sie deren Ergänzung?
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 21. Mai 2019, 20:52

Ist schwierig, über einen Artikel zu diskutieren, den man nicht lesen kann. Nur soviel: ein System ohne Anreize und Sanktionen kann längerfristig nicht funktionieren, die Sanktionen müssen aber menschenwürdig bleiben.
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Quatschki » Di 21. Mai 2019, 21:09

Ohne Konsequenz und Disziplin wäre Deutschland nicht da, wo es ist.
In der selben "Welt" steht auch ein Artikel über die Schweinepest in China, und die Leute dort, die sich aus Ignoranz, Gleichgültigkeit und letzlich Disziplinlosigkeit nicht an Desinfektions- und Hygienemaßnahmen halten, wodurch die Seuche bislang nicht eingedämmt werden kann.
Da bin ich froh, dass ich in Deutschland lebe und solche Dinge hierzulande noch einigermaßen funktionieren. Aber man spürt eben auch, dass die Leute, auf die man sich bei solchen Fragen verlassen kann, nach und nach in Rente gehen, und das was nachkommt, wenig ermutigend ist.
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Skeptiker » Di 21. Mai 2019, 21:11

Tom Bombadil hat geschrieben:(21 May 2019, 20:52)
Ist schwierig, über einen Artikel zu diskutieren, den man nicht lesen kann. Nur soviel: ein System ohne Anreize und Sanktionen kann längerfristig nicht funktionieren, die Sanktionen müssen aber menschenwürdig bleiben.

Es geht mir garnicht um den Artikel und ich habe gezielt daraus nicht zitiert um hier keine Diskussion über Lerndisziplin bei Migranten zu provozieren.

Das Thema sehe ich bei der Rückkehr des Wunsches nach mehr Konsequenz, den ich mit dem Erstarken der rechten Parteien und Bewegungen erkenne. Da könnte ich viele Stränge oder Artikel zitieren.

Mein Eindruck: Die 68er Philosophie hat sich zu tode gesiegt. Die Menschen mögen es nun etwas konkreter und greifbarer - mehr am Ergebnis orientiert, weniger am guten Willen. Man will keine gute Begründung mehr dafür haben, warum harte Strafen bei schweren Vergehen so selten erscheinen, sondern man will das Gefühl haben schwere Straftate ziehen schwere Bestrafungen nach sich. Man will nicht wissen warum der Bau einer Autobahn Jahrzehnte dauert (z.B. A33 bei Bielefeld), sondern man will, dass es in ein paar Jahren geklärt ist.

Haben vielleicht viele Menschen einfach das Gelaber satt und möchten Ergebnisse?
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 21. Mai 2019, 21:39

Skeptiker hat geschrieben:(21 May 2019, 21:11)

Haben vielleicht viele Menschen einfach das Gelaber satt und möchten Ergebnisse?

Wenn ich mir das Tagesgeschehen in Deutschland so ansehe, glaube ich das nicht wirklich. Nimbys allerorten und sich bloß keinen Anforderungen aussetzen, siehe zum Beispiel der Protest gegen das Matheabitur...
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Calvadorius » Mi 22. Mai 2019, 00:33

Skeptiker hat geschrieben:Ist es nur mein Gefühl alleine, welches mich glauben läßt, dass das Erstarken autoritärer Kräfte - als solche muss man radikal rechte Parteien und Bewegungen ja sehen - mit solchen Fehlleistungen zumindest zum Teil begründet werden kann? Ist es die Sehnsucht mancher darin, dass das was man über das Gemeinswesen in der Schule mal gelernt hat, von der Gesellschaft nicht nur auch ernst genommen, sondern auch konsequent umgesetzt wird?


Da bin ich anderer Ansicht.

Das ist schlich Denkfaulheit.
Regeln sollen das individuelle Urteil ersetzen.
DAS ist der Kern unserer neuen "Rechten/Alternativen".

Es ist ja nicht so, daß man keine Vorstellung vom Gemeinwesen (dem Miteinander) hätte.
Streitpunkte um genau dieses gab es zu allen Zeiten.
Bloß gibt es halt keine allgemeingültige Formulierung dafür.
Wie auch?
Meine Güte!
in D leben so um die 80 Mio. Menschen, die lassen sich nicht einfach so in ein Regelkorsett fassen.
Das GG mit den Stützen auf den Menschenrechten ist das Gerüst.
Mehr kann und darf es nicht geben.
Leben ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die in jedem Fall tödlich endet.
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Skeptiker » Mi 22. Mai 2019, 09:18

Calvadorius hat geschrieben:(22 May 2019, 00:33)
Da bin ich anderer Ansicht.

Das ist schlich Denkfaulheit.
Regeln sollen das individuelle Urteil ersetzen.
DAS ist der Kern unserer neuen "Rechten/Alternativen".

Es ist ja nicht so, daß man keine Vorstellung vom Gemeinwesen (dem Miteinander) hätte.
Streitpunkte um genau dieses gab es zu allen Zeiten.
Bloß gibt es halt keine allgemeingültige Formulierung dafür.
Wie auch?
Meine Güte!
in D leben so um die 80 Mio. Menschen, die lassen sich nicht einfach so in ein Regelkorsett fassen.
Das GG mit den Stützen auf den Menschenrechten ist das Gerüst.
Mehr kann und darf es nicht geben.

Natürlich sind 80Mio Menschen nicht alle gleich. Aber wieso sollte man deshalb alle Gesetze außer dem Grundgesetz latent in Frage stellen?

Mein Eindruck ist, dass ein solcher Gedanke unterschiedliche philosophische Grundhaltungen erkennen läßt. Während die einen nur wenige grundlegende Regeln akzeptieren und alles andere permanent ausdiskutiert werden muss, möchten die anderen, dass die Dinge die beschlossen worden sind auch eingehalten werden und eben NICHT täglich von jedem Hans und Franz neu ausdiskutiert werden.

Man kann dabei durchaus Gesetze jederzeit in Frage stellen, aber eben auf der Ebene der Legislative, nicht auf der Ebene der Executive und Judikative. Letzteres zu tun würde bedeuten, dass die Regeln de facto nicht mehr gelten. Es würde der im Vorteil sein, der sich durch Anwälte aus jedem Schlamassel rausdiskutieren kann (irgendwelche Ähnlichkeiten mit der Realität erkennbar?).

Eine konsequente Einhaltung der Gesetze schützt somit diejenigen, die eben nicht die Möglichkeit haben redegewandt oder durch eingesetztes Kapital sich die Anwendung des Rechtes auf ihre Vorstellungen anpassen zu können. Somit gibt es für mich zwei Extreme: Einmal den Polizeistaat der das Gesetz über den Menschen stellt, und auf der anderen Seite die Anarchie oder regellose Vorstufen, in der das Recht des stärkeren gilt. Beides ist nicht das Umfeld welches man sich als "schwaches" Mitglied in der Gesellschaft wünscht.

Ich denke wir sind vom Polizeistaat weiter entfernt als von Formen der Anarchie. Wer wer mit letzterem sympathisiert, der sollte sich mich über die Verhältnisse in Russland in den 90ern informieren. Dann erkennt man schnell was man nicht haben möchte.
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Agesilaos Megas » Mi 22. Mai 2019, 09:48

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Linksliberalismus.

Die These hinkt, da sie Ursachen beschreibt, die realiter so nicht existieren.
Zuerst ist Linksliberalismus etwas, das es schon lange nicht mehr ausgeprägt in Deutschland gibt. Sollte Strangersteller sträflicherweise damit einen diffusen Terminus von allem, das Links sei, gemeint haben, perfekt die eigene Angst reflektierend, dann muss hier aufgesprungen werden.
Nehmen wir mal als Referenzpunkt das wiedervereinigte Deutschland. Die Mehrheit der Jahre wurden von der CDU bestimmt. Treuhand. Hartz IV. Niedriglohnsektor. Wettbewerbsgeilheit. Konsum. Exportismus. Austerität. Privatisierungsradikalismus. Diese Punkte waren auch nie Gegenstand des diffusen "Ausdiskutierens" des Themenerfinders.
Klingt eher nach einem Triumphzug des Neoliberalismus. Kein Wunder, warum die Polizei sich von Taser gern ausstatten lässt und nach Aufrüstung kreischt. Cash, cash cash. Kein Wunder, warum Leute diebisch werden. Ein CEO von VW, BMW oder anderen ist es auch und ist sogar noch erfolgreich. Wir lassen Leute billig arbeiten, sie steigen sozial nicht auf. Anstrengung macht halt nicht erfolgreich. Das wissen schon die Kinder, die in soziale Ghettos geboren werden und diese auch nie verlassen werden. Wozu halt noch Ordnung, Disziplin und so ein Quatsch, wenn man am Ende eh ausgequetscht wird? Ok, um das zu verstehen, müsste man evtl. weniger privilegiert sein, nech? Wenn es einem zu gut geht, dann denkt man halt, unser größtes Problem sei es, dass wir in ewigen Diskussionen zu kritisch mit uns selbst seien...
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Selina » Mi 22. Mai 2019, 11:04

Agesilaos Megas hat geschrieben:(22 May 2019, 09:48)

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Linksliberalismus.

Die These hinkt, da sie Ursachen beschreibt, die realiter so nicht existieren.
Zuerst ist Linksliberalismus etwas, das es schon lange nicht mehr ausgeprägt in Deutschland gibt. Sollte Strangersteller sträflicherweise damit einen diffusen Terminus von allem, das Links sei, gemeint haben, perfekt die eigene Angst reflektierend, dann muss hier aufgesprungen werden.
Nehmen wir mal als Referenzpunkt das wiedervereinigte Deutschland. Die Mehrheit der Jahre wurden von der CDU bestimmt. Treuhand. Hartz IV. Niedriglohnsektor. Wettbewerbsgeilheit. Konsum. Exportismus. Austerität. Privatisierungsradikalismus. Diese Punkte waren auch nie Gegenstand des diffusen "Ausdiskutierens" des Themenerfinders.
Klingt eher nach einem Triumphzug des Neoliberalismus. Kein Wunder, warum die Polizei sich von Taser gern ausstatten lässt und nach Aufrüstung kreischt. Cash, cash cash. Kein Wunder, warum Leute diebisch werden. Ein CEO von VW, BMW oder anderen ist es auch und ist sogar noch erfolgreich. Wir lassen Leute billig arbeiten, sie steigen sozial nicht auf. Anstrengung macht halt nicht erfolgreich. Das wissen schon die Kinder, die in soziale Ghettos geboren werden und diese auch nie verlassen werden. Wozu halt noch Ordnung, Disziplin und so ein Quatsch, wenn man am Ende eh ausgequetscht wird? Ok, um das zu verstehen, müsste man evtl. weniger privilegiert sein, nech? Wenn es einem zu gut geht, dann denkt man halt, unser größtes Problem sei es, dass wir in ewigen Diskussionen zu kritisch mit uns selbst seien...


Kann man nicht besser sagen :thumbup: Frag mich sowieso, was dieser Ruf nach mehr Autorität und mehr Sicherheit eigentlich soll. Kann man nicht klipp und klar sagen, was man damit meint? Vielleicht so etwas wie eine "Überfremdung" oder gar einen "großen Austausch", vor dem man warnen will? Rätselhaft. Will man vielleicht alle Fremden separieren, internieren oder wie oder was? Oder nur "assimilieren", weil "integrieren" ja zu wenig wäre? Denn was es an Kriminalität gibt, egal, welcher Herkunft die Tatverdächtigen auch sind, das wird doch verfolgt und geahndet. Was noch?
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Vongole » Mi 22. Mai 2019, 14:47

Skeptiker hat geschrieben:(21 May 2019, 21:11)

(..)

Haben vielleicht viele Menschen einfach das Gelaber satt und möchten Ergebnisse?


Nun, ich habe öfter das Gelaber satt, weshalb ich auch sehr gespannt auf die "Expertenregierung" in Österreich schaue, aber aus anderen Gründen:

Ich hab's satt, wenn Politiker in Regierungsverantwortung etwas fordern, statt zu machen, sprich für ihre Anliegen eine stabile Mehrheit zu suchen, siehe z.B. Grundrente, Digitalisierung etc.
Ich hab's satt, wenn sie darüber reden, wie wichtig der Klima-Umweltschutz ist, aber nichts dafür tun, damit etwas in Bewegung kommt, siehe z.B. unser verkehrter Herr Minister.
Ich hab's satt, wenn Politiker aller Parteien sich häufig einem Konsens der Vernunft verweigern, um sich entweder zu profilieren (wobei sie das eigene Profil dann bis zur Unkenntlichkeit verwischen),
oder nur nach Stimmenanteilen schielen.
Oder jüngstes Beispiel, wenn sich der Bundeswahlleiter darüber aufregt, dass zur EU-Wahl viele Bürger zur Briefwahl gegriffen haben statt zur Wahlurne zu gehen, anstatt dass sich der Treupel
über das Interesse freut, das sich darin ausdrückt.

Was ich jedoch überhaupt nicht verstehen kann, ist, wie man dann aus Frust sein buchstäbliches Heil bei einer populistischen Partei suchen kann, die außer gefährlichem Gelaber
nichts zu bieten hat, nicht einmal die berühmten einfachen Wahrheiten, weil Wahrheit und Populismus ein Oxymoron darstellen.
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Vongole » Mi 22. Mai 2019, 14:49

Agesilaos Megas hat geschrieben:(22 May 2019, 09:48)

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Linksliberalismus.

Die These hinkt, da sie Ursachen beschreibt, die realiter so nicht existieren.
Zuerst ist Linksliberalismus etwas, das es schon lange nicht mehr ausgeprägt in Deutschland gibt. Sollte Strangersteller sträflicherweise damit einen diffusen Terminus von allem, das Links sei, gemeint haben, perfekt die eigene Angst reflektierend, dann muss hier aufgesprungen werden.
Nehmen wir mal als Referenzpunkt das wiedervereinigte Deutschland. Die Mehrheit der Jahre wurden von der CDU bestimmt. Treuhand. Hartz IV. Niedriglohnsektor. Wettbewerbsgeilheit. Konsum. Exportismus. Austerität. Privatisierungsradikalismus. Diese Punkte waren auch nie Gegenstand des diffusen "Ausdiskutierens" des Themenerfinders.
Klingt eher nach einem Triumphzug des Neoliberalismus. Kein Wunder, warum die Polizei sich von Taser gern ausstatten lässt und nach Aufrüstung kreischt. Cash, cash cash. Kein Wunder, warum Leute diebisch werden. Ein CEO von VW, BMW oder anderen ist es auch und ist sogar noch erfolgreich. Wir lassen Leute billig arbeiten, sie steigen sozial nicht auf. Anstrengung macht halt nicht erfolgreich. Das wissen schon die Kinder, die in soziale Ghettos geboren werden und diese auch nie verlassen werden. Wozu halt noch Ordnung, Disziplin und so ein Quatsch, wenn man am Ende eh ausgequetscht wird? Ok, um das zu verstehen, müsste man evtl. weniger privilegiert sein, nech? Wenn es einem zu gut geht, dann denkt man halt, unser größtes Problem sei es, dass wir in ewigen Diskussionen zu kritisch mit uns selbst seien...


Und weil ich gerade in Stimmung bin, genau so ein wehleidiges Gelaber hab ich auch satt!
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Agesilaos Megas » Mi 22. Mai 2019, 15:29

Vongole hat geschrieben:(22 May 2019, 14:49)

Und weil ich gerade in Stimmung bin, genau so ein wehleidiges Gelaber hab ich auch satt!


Ich finde es gut, dass Du Deine Emotionen in Worte fassen kannst. Gut gemacht. Wäre aber noch besser, solltest Du es auch mit Deinen Argumenten schaffen.
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Vongole » Mi 22. Mai 2019, 15:53

Agesilaos Megas hat geschrieben:(22 May 2019, 15:29)

Ich finde es gut, dass Du Deine Emotionen in Worte fassen kannst. Gut gemacht. Wäre aber noch besser, solltest Du es auch mit Deinen Argumenten schaffen.


Argumente wofür oder wogegen denn?
Dass Du einen 30 Jahre alten Referenzpunkt bemühst, um dem Strangersteller etwas unterzujubeln, was er nicht geschrieben hat,
um das dann in einem Schlenker statt mit rechts- mit linkspopulistischem Getöse weiter zu führen?
Gelaber halt, wohlfeile "Wahrheiten" linker statt rechter Bauernfänger.
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Agesilaos Megas » Mi 22. Mai 2019, 17:09

Vongole hat geschrieben:(22 May 2019, 15:53)
... etwas unterzujubeln,...
...Getöse...
...Gelaber...
...wohlfeile "Wahrheiten"...
Bauernfänger.


Beruhige Dich mal. Wie gesagt: Ich finde es gut, dass Du in der Lage bist, Deine Frustration anonym im Internet mit schmutzigen Worten herauszulassen. Das ist mutig und zeugt von Deiner seelischen Zufriedenheit.

Dennoch, erneut, fehlt es Deinem Elaborat, wenn man es so nennen kann, noch immer die inhaltliche Tiefe. Ich helfe Dir mal dabei, einen Gedanken auf die Welt zu bringen: Was ist an den Äußerungen unwahr?
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Dark Angel » Mi 22. Mai 2019, 21:10

Agesilaos Megas hat geschrieben:(22 May 2019, 09:48)

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Linksliberalismus.

Die These hinkt, da sie Ursachen beschreibt, die realiter so nicht existieren.
Zuerst ist Linksliberalismus etwas, das es schon lange nicht mehr ausgeprägt in Deutschland gibt. Sollte Strangersteller sträflicherweise damit einen diffusen Terminus von allem, das Links sei, gemeint haben, perfekt die eigene Angst reflektierend, dann muss hier aufgesprungen werden.
Nehmen wir mal als Referenzpunkt das wiedervereinigte Deutschland. Die Mehrheit der Jahre wurden von der CDU bestimmt. Treuhand. Hartz IV. Niedriglohnsektor. Wettbewerbsgeilheit. Konsum. Exportismus. Austerität. Privatisierungsradikalismus. Diese Punkte waren auch nie Gegenstand des diffusen "Ausdiskutierens" des Themenerfinders.
Klingt eher nach einem Triumphzug des Neoliberalismus. Kein Wunder, warum die Polizei sich von Taser gern ausstatten lässt und nach Aufrüstung kreischt. Cash, cash cash. Kein Wunder, warum Leute diebisch werden. Ein CEO von VW, BMW oder anderen ist es auch und ist sogar noch erfolgreich. Wir lassen Leute billig arbeiten, sie steigen sozial nicht auf. Anstrengung macht halt nicht erfolgreich. Das wissen schon die Kinder, die in soziale Ghettos geboren werden und diese auch nie verlassen werden. Wozu halt noch Ordnung, Disziplin und so ein Quatsch, wenn man am Ende eh ausgequetscht wird? Ok, um das zu verstehen, müsste man evtl. weniger privilegiert sein, nech? Wenn es einem zu gut geht, dann denkt man halt, unser größtes Problem sei es, dass wir in ewigen Diskussionen zu kritisch mit uns selbst seien...

Und was hat der ganze Sermon, den du da ablässt mit dem Thread-Thema zu tun oder auch nur mit den Überlegungen des Threaderstellers?
"Renaissance der Autorität" kann man durchaus unterschiedlich interpretieren - z. B. dass ein funktionierender Rechtsstaat der Garant für ein funktionierendes Gemeinwesen ist und sein soll, kein erodierender, wie das auch von Richtern bzw ehemaligen Verfassungsrichtern festgestellt wird.
Funktionierender Rechtsstaat bedeutet jedoch (auch), dass Straftaten das entsprechende Strafmaß für Täter zur Anwendung kommt und sich schwere Krankheit des Opfers nicht strafmildernd auswirkt bzw die Strafverfolgung/der Strafprozess ganz eingestellt wird, wie das im Fall Niklas P. oder beim Tod von Markus B. traurige Realität ist.

"Renaissance der Autorität" kann auch die Erwartungshaltung bzw Forderung bedeuten, dass sich nicht nur an geltendes Recht gehalten wird und zwar von allen, dass auch Politiker das nicht nach Belieben beugen können, dass geltendes Recht konsequent durchgesetzt wird und dass Reden/politischen Versprechen auch Handlungen folgen, dass Resultate sichtbar sind.
Und das hat weder was mit einem "linksliberalen Gespenst" zu tun, noch mit Neoliberalismus oder Rechtspopulismus, sondern sollte in einer Demokratie Selbstverständlichkeit sein.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Skeptiker » Mi 22. Mai 2019, 22:04

Agesilaos Megas hat geschrieben:(22 May 2019, 09:48)
Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Linksliberalismus.

Die These hinkt, da sie Ursachen beschreibt, die realiter so nicht existieren.
Zuerst ist Linksliberalismus etwas, das es schon lange nicht mehr ausgeprägt in Deutschland gibt. Sollte Strangersteller sträflicherweise damit einen diffusen Terminus von allem, das Links sei, gemeint haben, perfekt die eigene Angst reflektierend, dann muss hier aufgesprungen werden.
Nehmen wir mal als Referenzpunkt das wiedervereinigte Deutschland. Die Mehrheit der Jahre wurden von der CDU bestimmt. Treuhand. Hartz IV. Niedriglohnsektor. Wettbewerbsgeilheit. Konsum. Exportismus. Austerität. Privatisierungsradikalismus. Diese Punkte waren auch nie Gegenstand des diffusen "Ausdiskutierens" des Themenerfinders.
Klingt eher nach einem Triumphzug des Neoliberalismus. Kein Wunder, warum die Polizei sich von Taser gern ausstatten lässt und nach Aufrüstung kreischt. Cash, cash cash. Kein Wunder, warum Leute diebisch werden. Ein CEO von VW, BMW oder anderen ist es auch und ist sogar noch erfolgreich. Wir lassen Leute billig arbeiten, sie steigen sozial nicht auf. Anstrengung macht halt nicht erfolgreich. Das wissen schon die Kinder, die in soziale Ghettos geboren werden und diese auch nie verlassen werden. Wozu halt noch Ordnung, Disziplin und so ein Quatsch, wenn man am Ende eh ausgequetscht wird? Ok, um das zu verstehen, müsste man evtl. weniger privilegiert sein, nech? Wenn es einem zu gut geht, dann denkt man halt, unser größtes Problem sei es, dass wir in ewigen Diskussionen zu kritisch mit uns selbst seien...

Ich sehe Dich hier auf dem vollkommen falschen Pfad. Du interpretierst meinen Eingangsbeitrag als Manifest für rechte Politik - das soll er aber garnicht sein. Es geht mir vielmehr um einen Gedanken der sich mir in immer mehr Themen aufdrängt. Immer wieder erkenne ich Frustration mit ausufernder Inkompetenz und Inkonsequenz. Einzelne Berichte, wie der zitierte, erinnern mich an Bananenrepubliken in denen fröhlich Statistiken verfälscht werden um der politischen Vorgabe gerecht zu werden.

Und ob es dir gefällt oder nicht, aber ich sehe da Ursachen eben auch in einem Mentalitätswandel der Menschen in Deutschland, den ich ausgelöst sehe von einem Klima mangelnder Autorität. Die wiederum steht bei Links nicht wirklich hoch im Kurs, wie sich auch in diesem Strang schnell erkennen läßt. Daher sehe ich das Erstarken rechter Gruppierungen als folgerichtig - was sich mit Korrektur manchen Missstandes leicht abmildern läßt.

Dein Rundumschlag gegen den "Neoliberalismus" hat hier nichts verloren. Neoliberalismus befasst sich hauptsächlich mit wirtschaftspolitischen Themen. Das von dem ich hier rede betrifft hauptsächlich gesellschaftspolitische Aspekte. Bei wirtschaftspolitischen Themen stehe ich einer "alten" SPD sehr nahe, in gesellschaftspolitischen Themen komme ich mit der SPD auf keinen gemeinsamen Nenner.
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Skeptiker » Mi 22. Mai 2019, 22:26

Vongole hat geschrieben:(22 May 2019, 14:47)
Nun, ich habe öfter das Gelaber satt, weshalb ich auch sehr gespannt auf die "Expertenregierung" in Österreich schaue, aber aus anderen Gründen:

Ich hab's satt, wenn Politiker in Regierungsverantwortung etwas fordern, statt zu machen, sprich für ihre Anliegen eine stabile Mehrheit zu suchen, siehe z.B. Grundrente, Digitalisierung etc.
Ich hab's satt, wenn sie darüber reden, wie wichtig der Klima-Umweltschutz ist, aber nichts dafür tun, damit etwas in Bewegung kommt, siehe z.B. unser verkehrter Herr Minister.
Ich hab's satt, wenn Politiker aller Parteien sich häufig einem Konsens der Vernunft verweigern, um sich entweder zu profilieren (wobei sie das eigene Profil dann bis zur Unkenntlichkeit verwischen),
oder nur nach Stimmenanteilen schielen.
Oder jüngstes Beispiel, wenn sich der Bundeswahlleiter darüber aufregt, dass zur EU-Wahl viele Bürger zur Briefwahl gegriffen haben statt zur Wahlurne zu gehen, anstatt dass sich der Treupel
über das Interesse freut, das sich darin ausdrückt.

Was ich jedoch überhaupt nicht verstehen kann, ist, wie man dann aus Frust sein buchstäbliches Heil bei einer populistischen Partei suchen kann, die außer gefährlichem Gelaber
nichts zu bieten hat, nicht einmal die berühmten einfachen Wahrheiten, weil Wahrheit und Populismus ein Oxymoron darstellen.

Die AfD ist groß geworden gerade zu einer Zeit in der die einzige sich als konservative Bastion verstehende Volkspartei ihre politische Bandbreite bis tief in das SPD-Terretorium ausgedehnt hat. Damit hat für viele Menschen, die bis dahin gedacht haben mit der CDU der Gesellschaft ein Impuls hin zu mehr Verbindlichkeit zu geben, die Möglichkeit aufgehört gegen die große Beliebigkeit anzugehen. Wenn man also die Wahl hat zwischen Wischiwaschi und links, da denkt sich mancher halt er hätte eine Alternative.

Sobald die CDU wieder einen gesellschaftspolitischen Gegenpol zu den linken Parteien darstellt wird sich das mit der AfD erledigt haben. Das könnte sogar auch der SPD wieder Wähler verschaffen, weil nicht jeder der sich geordnete Verhältnisse wünscht ein Unternehmerfreund ist. Diese schlichte Tatsache scheint die mittlerweile zur Freakpartei verkommene SPD nicht zur Kenntnis nehmen wollen.
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Vongole » Do 23. Mai 2019, 00:03

Skeptiker hat geschrieben:(22 May 2019, 22:26)

Die AfD ist groß geworden gerade zu einer Zeit in der die einzige sich als konservative Bastion verstehende Volkspartei ihre politische Bandbreite bis tief in das SPD-Terretorium ausgedehnt hat. Damit hat für viele Menschen, die bis dahin gedacht haben mit der CDU der Gesellschaft ein Impuls hin zu mehr Verbindlichkeit zu geben, die Möglichkeit aufgehört gegen die große Beliebigkeit anzugehen. Wenn man also die Wahl hat zwischen Wischiwaschi und links, da denkt sich mancher halt er hätte eine Alternative.

Sobald die CDU wieder einen gesellschaftspolitischen Gegenpol zu den linken Parteien darstellt wird sich das mit der AfD erledigt haben. Das könnte sogar auch der SPD wieder Wähler verschaffen, weil nicht jeder der sich geordnete Verhältnisse wünscht ein Unternehmerfreund ist. Diese schlichte Tatsache scheint die mittlerweile zur Freakpartei verkommene SPD nicht zur Kenntnis nehmen wollen.


Siehst Du, das glaube ich eben nicht. Eine CDU, die sich so wandelt, dass sie die AfD ad absurdum führt, wäre zumindest für mich nicht mehr wählbar, und sicherlich nicht nur für mich.
Die Menge der Autoritätsgläubigen, die sich nur aus diesem Grund die AfD zugewandt haben, die könnte die CDU vielleicht erreichen. Die viel größere Menge, für die der Autoritätsgedanke verbunden ist mit dem starken
Führer, der sagt, wo's lang geht, zur Not - oder mit Vorsatz - unter Umgehung des GG und der FDGO, die wird der AfD erhalten bleiben und u.U. sogar weiter Zulauf bescheren.
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon Selina » Do 23. Mai 2019, 08:54

Dem sollte sich ein temporäres Bündnis aller Demokraten entgegenstellen. Fatalismus gegenüber dem Anwachsen der Neuen Rechten in Form der AfD bringt niemanden weiter.
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Re: Renaissance der Autorität: Grund zum freuen oder zum fürchten?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 23. Mai 2019, 09:48

Skeptiker hat geschrieben:(21 May 2019, 20:42)

Nun kann man sagen: Ist doch alles supi! Wir haben ein tolles Land und Menschen denen es gut geht. Korrekt. Dennoch geht es nicht jedem gut. Und scheinbar ist es auch nicht auf Deutschland begrenzt, dass Menschen sich von ihrem Staat Konsequenz im Handeln versprechen. Gelbwestenproteste und Trump als Präsident lassen grüßen.

Ich finde, dass das was heute als Rechtsdrift wahrgenommen wird, ein überfälliges Korrektiv einer westlichen Gesellschaft ist. Diese funktioniert bislang größtenteils in einem linksliberalen Meinungskorridor, den zu verlassen für Menschen die auf soziale Akzeptanz angewiesen sind, nicht ganz ungefährlich ist.

Wie ist eure Meinung? Steht mehr Autorität der Demokratie entgegen, oder ist sie deren Ergänzung?


Der "Meinungskorridor", lieber Skeptiker, existiert nur und ausschließlich in der Gedankenwelt derer, die sich einen Meinungskorridor selbst verordnen. Den Wunsch, die längste Followerliste von allen zu haben, ja, den könnte man heute als eine "auf soziale Akzeptanz Angewiesenheit" deuten. Es war noch nie bequem, eine eigene Meinung zu vertreten. Was daran "gefährlich" sein soll, hier in Deutschland, das musst du mir mal an einem Beispiel erläutern.

Ich halte mich zumindest für einen vollkommen nonkonformistischen Menschen und habe nichtsdestotrotz einen sehr großen Freundeskreis und keinerlei Akzeptanzprobleme im privaten oder beruflichen Umfeld. Von wirklich allen geliebt werden will ich dennoch unter keinen Umständen. Um Gottes Willen.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt

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