Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

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Skurwysyn
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Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Skurwysyn » Mi 10. Apr 2019, 22:49

Hallo

von vornherein: ich bin NICHT rechtsextrem, judenfeindlich oder irgendetwas! Meine Gedankengänge, die ich hier in den Raum stelle, ergaben sich letztens bei einem Gespräch mit ein paar meiner Kollegen und mich interessiert einfach mal eure Meinung dazu.

Und zwar sprachen wir darüber, dass, als wir noch zur Schule gingen, es Pflicht war, sich mit dem Thema Holocaust, Auschwitz, Ausländerfeindlichkeit, Migration etc. zu befassen und eine Art Exkursion in ein Konzentrationslager mitzuerleben. Es fing in der 7. Klasse an und endete leider erst mit dem Abitur. Jedes Schuljahr in den Fächern Deutsch, Englisch, Geschichte, Sozialkunde und Religion ging es um Nazis, Aufarbeitung, Migration, Ausländerfeindlichkeit, Melting Pot usw. Das war auf Dauer in der Menge echt nicht zu ertragen.

Als ich dann irgendwann mal in der 11. Klasse protestierte und mich darüber beschwerte, dass ich absolut keinen Bock mehr auf dieses immer gleiche Thema hatte und ich auch mal ganz andere Aspekte und Themen der Menschheitsgeschichte und Soziologie behandeln würde, hat man mich zusammengeschissen und meine Eltern herbestellt. Als ich dann in der 12. Klasse die jüdische Kippa als "lustiges Hütchen" bezeichnete (Mir fiel die Bezeichnung damals nicht ein, deshalb ^^), folgte eine Lehrerkonferenz, zu der ich herbestellt worden bin und mich erklären sollte! Ja, ich weiß: kindisch und dumm von mir, aber glaubt mir eins: wenn man soviele Jahre mit dem immer gleichen Thema bombardiert worden ist, ist man irgendwann so gelangweilt, dass man solche Sachen eben tut ^^

Zur Lehrerkonferenz:
Ich habe dort geantwortet, dass ich der Meinung bin, dass die jetzige (ich war damals 17 oder 18) und die Generation Kinder, die zukünftig im Geschichtsunterricht dieses Thema behandelt, eigentlich nicht mehr soviel damit zu tun hat und außer, im Unterricht davon zu hören, auch nicht mehr groß damit belastet werden sollte. Natürlich finde ich es wichtig, dass gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit angegangen wird und natürlich ist es schrecklich und widerwärtig, was damals geschehen ist, als dieser Diktator an der Macht war und es darf sich nie wiederholen. Ich finde, das mit dem Thema "Holocaust" und "Migration/Ausländerfeindlichkeit" im Geschichtsunterricht auf eine Art und Weise umgegangen werden sollte, das einem nicht eine gewisse "Erbschuld" zugeschoben wird. Vorallem sollten die Kinder nicht jahrelang damit zugebombt und konditioniert werden. Ein Jahr reicht für das Thema inkl. Anhang und Nebenthemen locker aus! Das Thema sollte auch nicht stets mit erhobenem Zeigefinger behandelt werden ("Das ihr ja bloß daran denkt, wie schrecklich das damals war!")


Naja, jedenfalls war das nicht die von der Lehrerschaft erhoffte Antwort und mir wurde vorgeworfen "Nichts verstanden zu haben!" Wie auch immer. Ich bin es Leid, dass dieses Thema in der Schule so einseitig behandelt wird und jegliche Einwende gegen diese Gutmenschen-Ideologie als "Rassismus" und "Fehlleitung" diffamiert werden! Die Generationen, die diese schreckliche Sache erlebt haben, sterben aus und trotzdem wird davon gesprochen, als gäbe es diese immer noch und als würden wir tagtäglich in Gefahr leben, das Morgen irgendjemand wieder damit anfängt.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Troh.Klaus » Mi 10. Apr 2019, 23:08

Skurwysyn hat geschrieben:(10 Apr 2019, 22:49)
Naja, jedenfalls war das nicht die von der Lehrerschaft erhoffte Antwort und mir wurde vorgeworfen "Nichts verstanden zu haben!" Wie auch immer. Ich bin es Leid, dass dieses Thema in der Schule so einseitig behandelt wird und jegliche Einwende gegen diese Gutmenschen-Ideologie als "Rassismus" und "Fehlleitung" diffamiert werden! Die Generationen, die diese schreckliche Sache erlebt haben, sterben aus und trotzdem wird davon gesprochen, als gäbe es diese immer noch und als würden wir tagtäglich in Gefahr leben, das Morgen irgendjemand wieder damit anfängt.

Deine Eingangsfrage war, ob es noch zeitgemäß sei, das Thema Drittes Reich in der Schule zu behandeln resp. so exzessiv zu behandeln, wie Du Dich daran erinnerst. Ja, ich finde, das muss. Über die Form kann man sicher streiten. In meiner Schulzeit war es eher umgekehrt - man war eher geneigt, das Thema unter den Tisch fallen zu lassen.

Was Du allerdings mit Deinem letzten Abschnitt (siehe Zitat) zum Ausdruck bringen willst, verstehe ich noch nicht so ganz. Was heißt denn "einseitige Behandlung" und "Gutmenschen-Ideologie"? Und ja, die Gefahr, dass "morgen wieder irgend jemand damit anfängt", die sehe ich schon.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Ein Terraner » Mi 10. Apr 2019, 23:21

Troh.Klaus hat geschrieben:(10 Apr 2019, 23:08)

Deine Eingangsfrage war, ob es noch zeitgemäß sei, das Thema Drittes Reich in der Schule zu behandeln resp. so exzessiv zu behandeln, wie Du Dich daran erinnerst. Ja, ich finde, das muss. Über die Form kann man sicher streiten. In meiner Schulzeit war es eher umgekehrt - man war eher geneigt, das Thema unter den Tisch fallen zu lassen.

Was Du allerdings mit Deinem letzten Abschnitt (siehe Zitat) zum Ausdruck bringen willst, verstehe ich noch nicht so ganz. Was heißt denn "einseitige Behandlung" und "Gutmenschen-Ideologie"? Und ja, die Gefahr, dass "morgen wieder irgend jemand damit anfängt", die sehe ich schon.

Du hast dir dieses "ich bin kein Nazi, aber...." echt angetan?
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Skurwysyn » Mi 10. Apr 2019, 23:30

Ein Terraner hat geschrieben:(10 Apr 2019, 23:21)

Du hast dir dieses "ich bin kein Nazi, aber...." echt angetan?


Klar... :D

Ich finde diese Dämonisierung der Aber-Wortes echt blöd. Es zwingt die Diskutanten in Schwarz-Weiß Schemata und verhindert jede sinnvolle Diskussion.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Troh.Klaus » Mi 10. Apr 2019, 23:32

Ein Terraner hat geschrieben:(10 Apr 2019, 23:21)
Du hast dir dieses "ich bin kein Nazi, aber...." echt angetan?

'Nun ja, nach dem ersten Post will ich noch nicht richten.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Vongole » Mi 10. Apr 2019, 23:35

Troh.Klaus hat geschrieben:(10 Apr 2019, 23:32)

'Nun ja, nach dem ersten Post will ich noch nicht richten.


Dieser "Neu"-User wirft einfach ein provokatives Stöckchen nach dem anderen.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Troh.Klaus » Mi 10. Apr 2019, 23:42

Vongole hat geschrieben:(10 Apr 2019, 23:35)
Dieser "Neu"-User wirft einfach ein provokatives Stöckchen nach dem anderen.

Ach, mir tut ein wenig Bewegung bestimmt ganz gut.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Uffhausen » Do 11. Apr 2019, 02:19

Skurwysyn hat geschrieben:(10 Apr 2019, 22:49)
Und zwar sprachen wir darüber, dass, als wir noch zur Schule gingen, es Pflicht war, sich mit dem Thema Holocaust, Auschwitz, Ausländerfeindlichkeit, Migration etc. zu befassen und eine Art Exkursion in ein Konzentrationslager mitzuerleben. Es fing in der 7. Klasse an und endete leider erst mit dem Abitur. Jedes Schuljahr in den Fächern Deutsch, Englisch, Geschichte, Sozialkunde und Religion ging es um Nazis, Aufarbeitung, Migration, Ausländerfeindlichkeit, Melting Pot usw.

Das ist für mich immer wieder interessant, wie man mit dem Thema scheints auf den Gymnasien umging - ich besuchte die Realschule, da wurde das Thema in drei, vier Unterrichtseinheiten Geschichte Klasse 9 durchgenommen, hauptsächlich Jahresdaten wurden anteilig in einer Klassenarbeit abgefragt und das war's dann.

Kann es sein oder ist es tatsächlich so, dass das Thema abhängig von den Schulformen unterschiedlich intensiv durchgenommen wird? Wenn ja, welcher Sinn und welche Absicht steckt dahinter? :?:

Naja, jedenfalls war das nicht die von der Lehrerschaft erhoffte Antwort und mir wurde vorgeworfen "Nichts verstanden zu haben!" Wie auch immer. Ich bin es Leid, dass dieses Thema in der Schule so einseitig behandelt wird und jegliche Einwende gegen diese Gutmenschen-Ideologie als "Rassismus" und "Fehlleitung" diffamiert werden! Die Generationen, die diese schreckliche Sache erlebt haben, sterben aus und trotzdem wird davon gesprochen, als gäbe es diese immer noch und als würden wir tagtäglich in Gefahr leben, das Morgen irgendjemand wieder damit anfängt.

Ich finde es schon sehr wichtig, dass das Thema im Schulunterricht behandelt wird - ABER:

Wenn ich so zurückdenke, kann ich mich vielleicht noch an zwei, drei weitere Themen erinnern, welche wir damals in Geschichtsunterricht definitiv durchgenommen haben. Ich weiß z. B. nicht mehr, was ich damals von diesen hielt, ob sie mich interessierten, wie ich bei Abfragen oder Klassenarbeiten diesbezüglich abgeschnitten habe. Und so geht es mir auch bei den restlichen Schulfächern; es ist herzlich wenig bis gar nichts haften geblieben. Deutsch und Bildende Kunst waren jedenfalls meine Liebling-, Physik und Sport meine Hassfächer. Ich habe auch kein bisschen für den Abschluß gelernt - und trotzdem mit einer 2,2 abgeschlossen.
Was ich aber anderwertiges abseits vom Schulunterricht "gelernt" habe und wie ich dabei empfunden habe, dass weiß ich tw. bis heute noch ganz genau. Und ich meine, das ist auch ganz und gar normal. Sogesehen, hätte man mich damals mit dem Thema Holocaust, Hitler, Judenverfolgung, 2.WK usw. auch zuballern können; im schlimmsten Fall hätte ich für mein jetziges Leben nichts davon mitgenommen - weil mir damals vielleicht der Riesenpickel auf meiner Stirn, meine erste große Liebe oder die Aussicht auf heimliches Saufen mit den Kumpels und sturmfreier Bude einfach wichtiger waren.

Ich glaube auch, als Heranwachsender ist man auch noch gar nicht richtig in der Lage, die Schwere und Schuld von damals wirklich zu verstehen und die nachfolgende Verantwortung für die Zukunft entsprechend umzusetzen. Man bleibt schließlich nicht der Mensch, der man damals in der Schule war; die körperliche Entwicklung mag am Ende der Schulzeit so ziemlich ihren Höhepunkt finden, aber die geistige Entwicklung ist im Grunde erst abgeschlossen, wenn man stirbt. Es heißt ja nicht umsonst: Das Leben ist eine Schule.

Erst mit Ende 20 habe ich angefangen, mich mit dem Thema intensiv auseinander zu setzen. Wochenlang habe ich mich mit kaum etwas anderem beschäftigt. Ich weiß deshalb aber noch nicht alles und schon gar nicht verstehe ich deswegen alles. Es ist aber genug, dass ich sagen kann, es ist nicht in überzeugende Worte zu fassen, was damals alles geschehen ist. Ich würde nicht sagen, es ist gegenwärtig, aber es ist realistisch. Man kann sagen, es war durch und durch falsch - aber man muss auch sagen, es war durch und durch Absicht. Und das Erschreckenste ist für mich im Grunde nicht mal unbedingt die Ideologie, die Gewalt, das Leid, die Konsequenzen; sondern das, was über allem schwebte: DER PLAN. Es war ja wirklich alles bis in das allerkleinste Detail durchgedacht; nichts, aber auch gar nichts wurde dem Zufall überlassen. Man war tatsächlich auf alles vorbereitet und von allem überzeugt. Und so lief es bis zur allerletzten Kriegs-Sekunde.

Ich frage mich immer wieder, ob ich damals, als Realschüler, auch so darüber gedacht und empfunden hätte und wenn ja, ob sich dass auch so bis heute erhalten hätte. Ich meine, nein. Es mag ein unpassender Vergleich sein, aber ich ich habe damals, so mit 14, 15 Jahren, das erste Mal Stephen King's "Es" gelesen. Wochenlang hatte ich danach Angst vor allem. Zwei, drei Jahre später habe ich all meinen Mut zusammen genommen und das Buch nochmal gelesen. Angst hatte ich danach sehr wenig, vielmehr überwiegte sie Faszination für das Können von Stephen King. Nochmal ein paar Jahre später, wollte ich das Buch ein drittesmal durchlesen, aber schon nach ein paar Seiten langweilte ich mich schrecklich und seither verstaubt es in meinem Bücherregal - Lange Geschichte, unwirkliches Geschehen, Ende bekannt = würde ich vielleicht heute über die NS-Zeit und allem, was damit zusammenhängt, auch so urteilen, hätte ich im Schulunterricht den ganzen Stoff durchgenommen (bzw. durchnehmen müssen)? Ich weiß es nicht. Ich bin aber sehr froh, dass es heute so ist, wie es ist. Das mir dieses Thema nicht egal ist, sondern "nur" der dicke Wälzer von Stephen King.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon watisdatdenn? » Do 11. Apr 2019, 03:29

Die 12 Jahre sind nur ein Vogelschiss in der deutschen und vor-deutschen Geschichte.

Ja ich kann mich erinnern, mich hat das in der Schulzeit auch irgendwann ermüdet. Ein Jahr wäre genug..
Mir kam dafür die Antike und die Spätantike als kulturell stark prägende Epoche viel zu kurz!

Ebenso die DDR im Vergleich zum dritten Reich und die Geschichte anderer Nationen.

Vieles habe ich erst nach der Schulzeit gelernt. Z.B. so simple Fragen, was eigentlich die Namen der deutschen Wochentage bedeuten..

Und ja. Ich bin ein Nazi (also müssen wir das nicht mehr diskutieren).
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Trifels » Do 11. Apr 2019, 06:32

Skurwysyn hat geschrieben:(10 Apr 2019, 23:30)

Klar... :D

Ich finde diese Dämonisierung der Aber-Wortes echt blöd. Es zwingt die Diskutanten in Schwarz-Weiß Schemata und verhindert jede sinnvolle Diskussion.


Soll ja keine sein. Willst ne Verkaufveranstaltung. Historisch bewiesen = keine Erbschuld ( = Begriff faschistischer Denke ), nur besondere Verantwortung. Wirst der nicht gerecht.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Misterfritz » Do 11. Apr 2019, 06:45

Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?
Ja!
Den westfälischen Frieden (und vieles andere mehr) "tun" wir den Kindern ja auch an und dazu haben wir heutzutage ja noch weniger Bezug,
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Apr 2019, 08:31

Die Frage ist zu klären, wie und durch wen speziell dieser Begriff "Erbschuld" überhaupt in eine Vergangenheitsaufarbeitung bzw. in eine Diskussion über die Art und Weise dieser Vergangenheitsaufarbeitung gelangt ist. Bei der Reeducation unmittelbar nach dem Kriegsende war von seiten der Amerikaner - und das auch nur kurzzeitig - von einer "Kollektivschuld" die Rede. Das bezog sich aber auf die Zeitgenossen und ist etwas ganz anderes. Seit langer Zeit bereits ist in seriösen Beiträgen von einer "Verantwortung" der Deutschen und nicht von einer "Erbschuld" die Rede. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Gymnasiallehrer nicht von "Verantwortung" sondern von "Erbschuld" sprechen.

Umgekehrt: Der Begriff "Erbschuld" verweist eher in einen antisemitischen Graubereich von sprachlicher Vermengung zwischen religiösen und rassistischen Zuschreibungen.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon imp » Do 11. Apr 2019, 09:04

Ich bin froh, dass du fragst. Ja, Schüler sollen weiterhin sachlich und auf aktuellem Stand über den NS, den Weltkrieg, die KL usw aufgeklärt werden ohne nationale Beschönigungen. Das ist wichtig, auch um die Konflikte mit den Ländern der Welt heute richtig einzuordnen.

Richtig ist, dass der Zugang heute ein anderer ist als in den 50ern oder 70ern. Man wird kaum noch Zeitzeugen einladen können oder als Hausaufgabe in der Familie nachfragen.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Ein Terraner » Do 11. Apr 2019, 09:04

Troh.Klaus hat geschrieben:(10 Apr 2019, 23:32)

'Nun ja, nach dem ersten Post will ich noch nicht richten.

Dafür haben die ersten 6 Worte ausgereicht, wenn ein Posting mit "Hallo von vornherein: ich bin NICHT rechtsextrem," anfängt kann doch nur noch Dünnschiss kommen.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon Ein Terraner » Do 11. Apr 2019, 09:07

Vongole hat geschrieben:(10 Apr 2019, 23:35)

Dieser "Neu"-User wirft einfach ein provokatives Stöckchen nach dem anderen.


Und das bepinselt mit rechtsextremen Vokabular.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon becksham » Do 11. Apr 2019, 09:12

imp hat geschrieben:(11 Apr 2019, 09:04)
...
Richtig ist, dass der Zugang heute ein anderer ist als in den 50ern oder 70ern. Man wird kaum noch Zeitzeugen einladen können oder als Hausaufgabe in der Familie nachfragen.

Und genau deshalb wird es immer wichtiger und auf keine Fall überflüssig.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon imp » Do 11. Apr 2019, 09:16

becksham hat geschrieben:(11 Apr 2019, 09:12)

Und genau deshalb wird es immer wichtiger und auf keine Fall überflüssig.

Genau so ist es. Das gehört zu Bildung in Deutschland auf jeden Fall dazu, auch die Abgründe anzuschauen.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Apr 2019, 09:26

Die Frage ist, ob es zum WIssen und zur Wissensvermittlung über die NS-Zeit irgendwelche empirischen Daten gibt. Da Bildung Ländersache ist, wird das Ergebnis in den einzelnen Ländern unterschiedlich ausfallen.

2012 führte der "stern" eine Umfrage unter jungen Deutschen durch und kam zu dem Ergebnis: 21% der unter 30jährigen, also etwa jeder fünfte, weiß den Begriff "Auschwitz" in keinster Weise einzuordnen. (https://www.zeit.de/gesellschaft/2012-01/umfrage-auschwitz)Von einer Überfrachtung der Lehrpläne mit dem Thema ist da wohl eher nicht auszugehen.
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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon X3Q » Do 11. Apr 2019, 09:44

Mit solchen (Um)-Fragen ermittelt man aber nur den Lernerfolg; was ist bei den Leuten hängen geblieben. Eine Aussage darüber, wieviel zu diesem Thema in der Schule unterrichtet wurde, ist so nur schwer möglich. Man kann dazu viel schlecht unterrichten oder wenig aber gut.

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Re: Aufarbeitung der "Erbschuld" in der Schule: Müssen wir das unseren Kindern antun?

Beitragvon al-Faylasuf » Do 11. Apr 2019, 10:51

Im Geschichtsunterricht hatten wir es soweit ich mich erinnern kann die gesamte 10. Klasse über als Thema gehabt inklusive Referate, dem Besuch eines K.Z., Dokumentarfilme - nicht zu vergessen den Kinobesuch, denn es lief gerade "Schindlers Liste". Aber auch einige Klassen vorher kam das Thema "Nationalsozialismus" immer mal wieder vor, z.T. auch in der Grundschule (in entsprechenden Romane, die im Deutschunterricht bearbeitet wurden) Ich selbst hatte ein zwiespältiges Verhältnis zu dem ganzen Thema. Denn einerseits wurde zwar der Holocaust thematisiert und alle waren sich einig, wie schrecklich das alles gewesen war, andererseits gab es auch ein relatives Desinteresse an den damals stattfindenden Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina (Gefangenlager, Massengräber, etc) .

Worauf ich hinauswill ist folgendes - was passiert, wenn man Kriegsverbrechen überhaupt nicht aufarbeitet. Innerhalb der serbischen Gesellschaft hat es tatsächlich nie so etwas wie eine Art kritischer Aufarbeitung gegeben. Es gibt hier und dort ein NGO in Belgrad, die bsp. Busfahrten für Schüler nach Srebrenica organisieren, aber im Großen und Ganzen redet man sich so Sachen ein wie "Massaker x oder y hat es nicht gegeben" oder aber "wir haben keine Marktplätze bombardiert, die Anderen waren das, um es uns unterzuschieben "usw. Mit der Folge, dass durch das die Verbreitung solcher und weiterer Geschichten die Saat des Hasses im Grunde auf die nächste Generation übertragen wird. Wer sich ein wenig mit dem Thema auskennt, weiß, dass immer noch in Bosnien-Herzegowina Massengräber gefunden werden - aufgrund dieses common sense innerhalb der serbischen Gesellschaft, dem "Wir reden nicht darüber". Gelegentlich meldet sich dann ein anonymer Anrufer, der dann Hinweise darüber gibt. Aber im Großen und Ganzen muss man - also die Behörden und Organisationen, die mit der Exhumierung beauftragt sind - sich mühsam durchkämpfen und Detektivarbeit leisten.

Die jungen Leute in den kritischen Jahren - also so um die 20 - sind nach den Balkankriegen geboren und haben das Leid persönlich nicht erlebt. Und tatsächlich hat die nationalistische Rhetorik in den Ländern Ex-Jugoslawiens zugenommen, so dass inzwischen nichts mehr ausgeschlossen werden kann.
Insofern - JA, dem einen oder anderen mag das Thema Nationalsozialismus und alles, was damit zu tun hat zum Halse raushängen - ich empfand es weniger nervig, es war eher, dass sich einem der Magen umdreht, vor allem wenn es um alte Aufnahmen vom Warschauer Ghetto oder einem der Lager (nach der Befreiung) geht - aber dennoch finde ich ein zuviel weitaus weniger schlimm als ein zuwenig (oder gar nicht).
Zuletzt geändert von al-Faylasuf am Do 11. Apr 2019, 10:57, insgesamt 2-mal geändert.
„Wir sollten keine Scham empfinden, die Wahrheit anzuerkennen und sie zu verarbeiten, selbst wenn sie von früheren Geschlechtern und fremden Völkern kommt." (al-Kindi, gest. 873)

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