Soll man wirklich Kinder kriegen?

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Xandru
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Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Xandru » Mo 25. Jul 2016, 23:44

Ich möchte das mal hier locker zur Frage stellen :cool:

Meine Aussage: Kinder zu kriegen ist höchst fragwürdig. Es wird meist subjektiv und egoistisch begründet. Auf die Frage, wieso man sich entschieden hat, ein Kind zu kriegen, wird oft so oder so ähnlich geantwortet: "Ach, Kinder sind doch so süß. Und wir wollten einfach ein Kind. Wir wollen im Alter nicht alleine sein." Etc. pp.

Es ist eine Konvention unserer Gesellschaft. Hast du keine Kinder, gehörst du nicht dazu. Du trägst nichts zur Gesellschaft bei. Also kann man auch nicht mitreden. Komplettiert natürlich mit Reihenhaus und Van inkl. Hundenetz.

Was bedeutet es aber eigentlich, Kinder zu kriegen? Bedeutet es nicht vor allem, ein Menschenleben zu erschaffen? Ich meine, dass das wohl mit das Größte ist, was man in seinem Leben machen kann. Es ist eigentlich mit Abstand das Allergrößte! Denn das Leben... tja... das Leben ist - meiner bescheidenen Meinung nach - hart! Also, versteht mich nicht falsch. Ich finde das Leben höchst aufregend!!! Aber das ist schon recht harter Tobak, durch was man in seinem Leben so gehen muss.

Und dann macht man das nunmal. "Hier, liebes Kind, willkommen auf der Welt. Da hast du dein Leben und jetzt schau mal wie du damit umgehst..." :thumbup:

Das ist eine hoch philosophische Frage und ich hoffe, ich hab mich klar genug ausgedrückt. Ich habe nichts gegen all jene, die sich dafür entschieden haben. Jeder muss es letztlich so machen, wie es ihm gefällt. Ich für mich weiß wo ich stehe. Aber mich würds interessieren, was andere so davon halten.

LG, Xandru

Ergänzung auf Wunsch des TE:

Das nur kurz der aktuelle Stand bisher, zumindest auf der Ebene, auf der ich diesen Strang eröffnet habe und wie ich auch besten Wissens und Gewissens versucht habe, dieses [das Thema] beizubehalten. Ich hoffe, ich habe nichts unterschlagen.

Das Problem (bzw. wie es sich entwickelt hat): das Erzeugen von menschlichem Leben ist für sich eine egozentrische, im weitesten Sinne egoistische Handlung. Das erzeugte Leben bzw. sein Bewusstsein kann nicht über seine Erzeugung bzw. die Überführung in die menschliche Existenz verfügen.
Kann man sich aber einem noch nicht erzeugten Leben (Existenz) gegenüber auch wirklich egozentrisch/egoistisch verhalten? Geht man davon aus, dass ohne die Existenz eines Gegenübers auch keine Interaktion mit diesem möglich ist, dann nein.
Würde aber besagtes Bewusstsein bis dato eine alternative Existenz "leben", quasi in einer anderen Dimension, dann ja. Die Prämisse an dieser Stelle wäre, von solchen Dimensionen auszugehen.

Wie ist also das Kinderkriegen unter den gegebenen Umständen aus ethischer Sicht zu bewerten?

Anmerkung 1) Egozentrik und Egoismus sind mEn. nicht zwingend negativ. Siehe: (29 Jul 2016, 16:47)
Anmerkung 2) Mir ist bewusst, dass ich für meinen Teil das Thema sehr stark abstrahiere. Wer sich mit mir über die gestellte Frage unterhalten will, ist herzlich eingeladen.
Anmerkung 3) Ich finds voll ok, wenn wir hier auch mal vom Thema abkommen. Eigentlich sehr interessant. Hat aber auch seine Grenzen.
Anmerkung 4) Das dürfte evtl. einige interessieren: Ich habe mich nicht endgültig dazu entschieden, niemals Kinder zu kriegen ;)

In diesem Sinne, euch allen von Herzen ein schönes Wochenende :)
Xandru
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Letzter-Mohikaner » Di 26. Jul 2016, 00:00

Es mag vielleicht seltsam klingen, aber abgesehen davon, dass Kinder natürlich ein Segen sind(selbst bei all dem Ärger manchmal), so sind Kinder die einzige Möglichkeiten "unsterblich" zu sein. Man gibt seine Gene weiter, man lebt in seinen Nachkommen fort. Und ja, es ist ein Wunder. Zwei Menschen haben etwas so "banales" wie Sex und neues Leben entsteht daraus.
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Ein Terraner » Di 26. Jul 2016, 00:02

Es ist eine schwierig Frage ob man Kindern diese Welt antun möchte, andererseits entfernt man ohne Kinder sein Erbgut aus der Evolution. :)
Wer eine nukleare Explosion verursacht wird nach StGB §328 mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe bestraft.
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Billie Holiday » Di 26. Jul 2016, 00:12

Ich hatte diesen Wunsch, ein diffuses Gefühl, zusammen mit meinem Mann Kinder haben zu wollen.
Weder dachte ich dabei an mein Erbgut, noch an die Rente. Es war ein rein egoistischer Wunsch, eigene Kinder zu haben.
Hätte es nicht geklappt, hätten wir wohl adoptiert.
Eine eigene Familie, Mama, Papa und 2 oder 3 Kinder. Nicht das schlechteste, was man haben kann.
Meine erste Tochter sah so aus wie mein Mann, meine zweite sieht bis heute mir sehr ähnlich. Beide sind uns gut gelungen, wir sind stolze Eltern.
Unsere kinderlosen Freunde haben deutlich mehr Geld und mehr Zeit, weder beneide ich sie, noch würde ich mit Ihnen tauschen. Ich habe eine Familie. :)
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon H2O » Di 26. Jul 2016, 00:45

Billie Holiday hat geschrieben:(26 Jul 2016, 00:12)

Ich hatte diesen Wunsch, ein diffuses Gefühl, zusammen mit meinem Mann Kinder haben zu wollen.
Weder dachte ich dabei an mein Erbgut, noch an die Rente. Es war ein rein egoistischer Wunsch, eigene Kinder zu haben.
Hätte es nicht geklappt, hätten wir wohl adoptiert.
Eine eigene Familie, Mama, Papa und 2 oder 3 Kinder. Nicht das schlechteste, was man haben kann.
Meine erste Tochter sah so aus wie mein Mann, meine zweite sieht bis heute mir sehr ähnlich. Beide sind uns gut gelungen, wir sind stolze Eltern.
Unsere kinderlosen Freunde haben deutlich mehr Geld und mehr Zeit, weder beneide ich sie, noch würde ich mit Ihnen tauschen. Ich habe eine Familie. :)


Das werden Sie noch weitaus mehr schätzen, wenn Sie etwas später hoffentlich auch Enkel haben und Ihre Kinder Sie immer wieder fragen, ob es Ihnen gut geht, und sie Sie um Ihre Meinung zu diesem oder jenem an sich belanglosen Thema bitten. :)

Ihre reichen Bekannten fragt dann niemand mit innerer Anteilnahme, es sei denn, sie hätten lange Jahre Vollzeit Verantwortung für eine "Ersatzfamilie" getragen.
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon DarkLightbringer » Di 26. Jul 2016, 00:52

Meine Tochter ist mir die liebste Diskussionspartnerin, zugleich aber auch die gefährlichste. Sie hat den gleichen Witz und argumentiert so, wie ich auch argumentieren würde. Das ist manchmal gespenstisch.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Fadamo » Di 26. Jul 2016, 01:54

Billie Holiday hat geschrieben:(26 Jul 2016, 00:12)

Ich hatte diesen Wunsch, ein diffuses Gefühl, zusammen mit meinem Mann Kinder haben zu wollen.
Weder dachte ich dabei an mein Erbgut, noch an die Rente. Es war ein rein egoistischer Wunsch, eigene Kinder zu haben.
Hätte es nicht geklappt, hätten wir wohl adoptiert.
Eine eigene Familie, Mama, Papa und 2 oder 3 Kinder. Nicht das schlechteste, was man haben kann.
Meine erste Tochter sah so aus wie mein Mann, meine zweite sieht bis heute mir sehr ähnlich. Beide sind uns gut gelungen, wir sind stolze Eltern.
Unsere kinderlosen Freunde haben deutlich mehr Geld und mehr Zeit, weder beneide ich sie, noch würde ich mit Ihnen tauschen. Ich habe eine Familie. :)



Ja du hast egoistisch gedacht.
Hättest ruhig ein kind an deine kinderlosen freunde vermachen können.
Nele28

Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Nele28 » Di 26. Jul 2016, 06:39

Ein Leben ohne eigene Kinder? Undenkbar! Was Trostloseres kann ich mir nicht vorstellen. Viele vergessen, dass man in seine Kinder auch investieren muss. Damit meine ich Liebe, Zuneigung, Vertrauen. Aber wer kann das schon nachempfinden, der keine Kinder will.
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon H2O » Di 26. Jul 2016, 06:51

Ein Terraner hat geschrieben:(26 Jul 2016, 00:02)

Es ist eine schwierig Frage ob man Kindern diese Welt antun möchte, andererseits entfernt man ohne Kinder sein Erbgut aus der Evolution. :)


Beide Entscheidungen oder Schicksalsschläge haben offenbar ihr Gutes. :cool:
Svi Back

Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Svi Back » Di 26. Jul 2016, 07:04

Nele28 hat geschrieben:(26 Jul 2016, 06:39)

Ein Leben ohne eigene Kinder? Undenkbar! Was Trostloseres kann ich mir nicht vorstellen. Viele vergessen, dass man in seine Kinder auch investieren muss. Damit meine ich Liebe, Zuneigung, Vertrauen. Aber wer kann das schon nachempfinden, der keine Kinder will.


Inhaltlich ist dein Beitrag durchaus nachvollziehbar, zeigt aber auch, wie verlottert man
hierzulande mittlerweile mit Sprache umgeht.
Kinder sind kein Investment.
Nele28

Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Nele28 » Di 26. Jul 2016, 07:24

Vor dieser Frage steht und standen Mütter und Väter schon immer.
Es gab und gibt viel schwierigere Situationen in dieser Welt, als die, die wir hier in Deutschland in den letzten 65 Jahren hatten.
Und schon immer wurden Kinder schlecht geredet.. Bereits vor mehr als 4000 Jahren im alten Mesopotamien hieß es, sie sei zuchtlos und heruntergekommen. "Die jungen Leute hören nicht auf ihre Eltern, das Ende der Welt ist da", lautete die Klage damals.
Nun, die Welt ist seitdem nicht untergegangen. Und vieles hat sich im Laufe der Jahrtausende sogar zum Besseren gewendet.
Zugenommen haben allerdings Extremfälle verhaltensgesörter Kinder.
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Laertes » Di 26. Jul 2016, 07:38

Xandru hat geschrieben:(25 Jul 2016, 23:44)
Meine Aussage: Kinder zu kriegen ist höchst fragwürdig. Es wird meist subjektiv und egoistisch begründet.
Bist du sicher, dass nicht die bewusst kinderlosen die eigentlichen Egoisten und Sozialschmarotzer sind? Dazu zwei Fragen an dich:

1. Wer wird deine Altersversorung (Rente, Pflege) übernehmen?
2. Bist du in deiner Haltung tatsächlich konsequent genug auch den Kindern anderer Menschen bis an dein Lebensende keine Last bezüglich deiner Unterstützung im Krankheits-, Armuts- oder Sozialfall aufzubürden?
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon JJazzGold » Di 26. Jul 2016, 07:54

Laertes hat geschrieben:(26 Jul 2016, 07:38)

Bist du sicher, dass nicht die bewusst kinderlosen die eigentlichen Egoisten und Sozialschmarotzer sind? Dazu zwei Fragen an dich:

1. Wer wird deine Altersversorung (Rente, Pflege) übernehmen?
2. Bist du in deiner Haltung tatsächlich konsequent genug auch den Kindern anderer Menschen bis an dein Lebensende keine Last bezüglich deiner Unterstützung im Krankheits-, Armuts- oder Sozialfall aufzubürden?


Mir ist bisher noch kein Mensch in Deutschland begegnet, dessen Wunsch nach Kindern darauf beruht der Gemeinschaft damit Rentenzahler und Pflegepersonal zur Verfügung zu stellen. Sie sind der Erste.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Laertes » Di 26. Jul 2016, 08:10

JJazzGold hat geschrieben:(26 Jul 2016, 07:54)Mir ist bisher noch kein Mensch in Deutschland begegnet, dessen Wunsch nach Kindern darauf beruht der Gemeinschaft damit Rentenzahler und Pflegepersonal zur Verfügung zu stellen. Sie sind der Erste.
Wo bitte habe ich meine Entscheidung für Kinder (drei Töchter) damit begründet? Der TE unterstellt Eltern per se 'Egoismus' und meine Frage zielt auf sein eigenes Maß an Egoismus ggf. die Früchte des Generationenvertrags zu ernten, ohne sich den Mühen unterzogen zu haben zu seiner Aufrechterhaltung beizutragen. Meine persönliche Entscheidung für Kinder hatte mit Rente/Pflege überhaupt nichts zu tun.
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Provokateur » Di 26. Jul 2016, 08:40

JJazzGold hat geschrieben:(26 Jul 2016, 07:54)

Mir ist bisher noch kein Mensch in Deutschland begegnet, dessen Wunsch nach Kindern darauf beruht der Gemeinschaft damit Rentenzahler und Pflegepersonal zur Verfügung zu stellen. Sie sind der Erste.


Ich sehe das aber ganz ähnlich. Dafür gibt es sogar einen wissenschaftlichen Begriff, den EVC, "economic value of children". Das wird in unserer Gesellschaft zwar häufig durch kulturelle Gründe (wie den Wunsch nach Familie, Selbsterfüllung usw.) überlagert, aber letzten Endes geht es doch genau darum...wer zahlt die Zeche, wenn unsere Generation nicht mehr schaffen kann? Vielleicht die Roboter. Möglicherweise aber auch nicht.

Ich jedenfalls möchte Kinder. Langsam wird es auch Zeit.
Ja, am Anfang hat man eine schreiende Menschenlarve, die überall hinkotzt und da, wo sie ist, auch hinkackt, die einem die Nachtruhe raubt und die unheimlich viel Geld und Zeit kostet.

Aber: Auch ich möchte im Alter nicht alleine sein.
Ich würde mir wünschen, dass an meinem Sterbebett jemand wacht, der dabei ist, wenn ich meinen letzten Atemzug mache. Und der dann irgendwann seinen Kindern die Geschichten von ihrem Opa, seinem Vater erzählt. Was ich für ein Mensch war. Wie ich gelebt habe, was meine Idee, Wünsche und Träume waren, und was ich alles getan und versucht habe, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen - auch für sie.
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Laertes » Di 26. Jul 2016, 09:21

Xandru hat geschrieben:(25 Jul 2016, 23:44)die Frage, wieso man sich entschieden hat, ein Kind zu kriegen, wird oft so oder so ähnlich geantwortet: "Ach, Kinder sind doch so süß. Und wir wollten einfach ein Kind. Wir wollen im Alter nicht alleine sein." Etc. pp.
(...)
Ich habe nichts gegen all jene, die sich dafür entschieden haben.

Das von mir zuvor adressierte Free Rider Problem und die ökonomischen Aspekte einmal außen vor gelassen:

Das Programm, der Selbstzweck, die Bestimmung allen höher entwickelten Lebens auf diesem Planeten liegt in der Fortpflanzung. Kinderwunsch, Sexualität und Mutter/Vater/Elterninstinkte sind Folge dieses über Milliarden Jahre verfeinerte Programms. Das heißt man folgt als Mensch entweder dem natürlich angelegten Programm (= Kinderwunsch) oder man entscheidet sich dagegen. Die Entscheidung dafür ist eine Illusion und die Frage nach den Gründen warum man Kinder hat kommt folgerichtig immer nur von den bewusst Kinderlosen.

Die ethische Frage, ob es moralisch zu verantworten ist ist noch Kinder in diese schreckliche Welt zu setzen: Dazu geht man am besten auf einen Kinderspielplatz und erklärt den Kindern, dass es viel besser wäre, sie seien nie geboren worden. Objektiv betrachtet, angesichts unseres Wohlstands, unserer Sicherheit und Gesundheitsversorgung, waren die Umstände nie besser Kinder in die Welt zu setzen.
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon epona » Di 26. Jul 2016, 09:47

Studien belegen, dass kinderlose Paare im Alter nicht unglücklicher sind als Paare mit Kindern.
Ein erfülltes Leben incl. Alter kann man mit aber auch ohne Kind/er führen.
Die Entscheidung pro oder contra kann nur individuell getroffen werden und m.E. hat niemand das Recht diese Entscheidung zu kritisieren.
Klar ist, für die Rentenkasse oder fürs Vaterland macht sich niemand ans Werk.
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon JJazzGold » Di 26. Jul 2016, 09:51

Laertes hat geschrieben:(26 Jul 2016, 08:10)

Wo bitte habe ich meine Entscheidung für Kinder (drei Töchter) damit begründet? Der TE unterstellt Eltern per se 'Egoismus' und meine Frage zielt auf sein eigenes Maß an Egoismus ggf. die Früchte des Generationenvertrags zu ernten, ohne sich den Mühen unterzogen zu haben zu seiner Aufrechterhaltung beizutragen. Meine persönliche Entscheidung für Kinder hatte mit Rente/Pflege überhaupt nichts zu tun.


Ihre Wortwahl, Kinderlose als Schmarotzer der Gemeinschaft zu bezeichnen, ließ mich rückschließen, dass Sie mit dem hehren Ziel der Gemeinschaft damit zu dienen, u.a. in Punkto Rente und Pflege, ihre Kinder produziert hätten.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon JJazzGold » Di 26. Jul 2016, 09:54

Provokateur hat geschrieben:(26 Jul 2016, 08:40)

Ich sehe das aber ganz ähnlich. Dafür gibt es sogar einen wissenschaftlichen Begriff, den EVC, "economic value of children". Das wird in unserer Gesellschaft zwar häufig durch kulturelle Gründe (wie den Wunsch nach Familie, Selbsterfüllung usw.) überlagert, aber letzten Endes geht es doch genau darum...wer zahlt die Zeche, wenn unsere Generation nicht mehr schaffen kann? Vielleicht die Roboter. Möglicherweise aber auch nicht.

Ich jedenfalls möchte Kinder. Langsam wird es auch Zeit.
Ja, am Anfang hat man eine schreiende Menschenlarve, die überall hinkotzt und da, wo sie ist, auch hinkackt, die einem die Nachtruhe raubt und die unheimlich viel Geld und Zeit kostet.

Aber: Auch ich möchte im Alter nicht alleine sein.
Ich würde mir wünschen, dass an meinem Sterbebett jemand wacht, der dabei ist, wenn ich meinen letzten Atemzug mache. Und der dann irgendwann seinen Kindern die Geschichten von ihrem Opa, seinem Vater erzählt. Was ich für ein Mensch war. Wie ich gelebt habe, was meine Idee, Wünsche und Träume waren, und was ich alles getan und versucht habe, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen - auch für sie.


Ist es nicht ähnlich egozentrisch, wie es angeblich die gewollt Kinderlosen sind, zu erwarten dass die Kinder im Alter vor Ort und für einen da sind?
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Re: Soll man wirklich Kinder kriegen?

Beitragvon Billie Holiday » Di 26. Jul 2016, 10:03

JJazzGold hat geschrieben:(26 Jul 2016, 09:54)

Ist es nicht ähnlich egozentrisch, wie es angeblich die gewollt Kinderlosen sind, zu erwarten dass die Kinder im Alter vor Ort und für einen da sind?


Man kann es nicht erwarten. Man kann darauf hinarbeiten und das beste hoffen.
Zu allererst will ich, dass meine Kinder ein glückliches Leben führen. Das kann durchaus weit weg von mir sein. Die Kinder sind nicht meine zukünftigen Altenpfleger.

Meine Freundin hat 3 erwachsene Kinder, die zwar ihr eigenes Leben haben, jedoch so an ihren Eltern hängen, dass sie eigentlich immer jemanden an der Strippe hat, sehr oft Besuch von ihnen hat und ein wichtiger Teil des Lebens der Kinder ist. Sowas kann man nicht erzwingen, sowas erarbeitet man sich. Offenbar hatten die Kinder eine glückliche Kindheit in einer intakten Familie mit liebevollen Eltern. Meine Freundin als Bürgerin der DDR hat immer Vollzeit gearbeitet, war also nicht die keksebackende Vollzeit-Mutti. Wichtig ist also nicht die Quantität der gemeinsamen Zeit, sondern die Qualität. :)
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski

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