Antisemitismus

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Re: Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » Do 22. Okt 2020, 12:46

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Oct 2020, 09:59)

Man sollte auch in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass "Antisemitismus" - ursächlich jedenfalls - mit real lebenden jüdischen Menschen eigentlich nix zu tun hat. Antisemitische Stereotype sind reine Fiktionen in den Köpfen von Antisemiten. Oder auch - und das würde ich beim Antisemitismus von Stalin in der SU der 50er Jahre als Hauptmotiv vermuten - politisches Kalkül. So wie es auch die vorbehaltlose Unterstützung der Staatsgründung Israels durch Stalin und wie es auch die Wandlung dieser Unterstützung zur Feindschaft war.

Es ist nicht mehr zum Aushalten, Du bastelst dir die Welt wirklich, wie sie dir gefällt! :mad:
Selbstverständlich hat Antisemitismus - insbesondere in der "Stalinzeit" nach dem WK2 - mit real lebenden jüdischen Menschen etwas zu tun - sehr viel sogar.
Informiere dich bitte über die "zweite Säuberungswelle, von der fast ausschließlich Juden (jüdische Wissenschaftler und Funktionäre jüdischer Herkunft) betroffen waren. Die zweite Säuberungswelle, die auch von der SMAD in der SBZ durchgesetzt waren, bei der vornehmlich deutsche Kommunisten bzw Angehörige der SED jüdischer Herkunft sowie jüdische Emigrationsrückkehrer ins "Fadenkreuz" gerieten und mit fadenscheinigen Begründungen inhaftiert wurden (Buchenwald, Sachsenhausen). Die SED-Führung war dabei willfähriger Helfer. Diese zweite Säuberungswelle dauerte in der UdSSR bis zu Stalins Tod, in der DDR noch etwas länger.
Sorry, aber noch mehr Geschichtsrevisionismus und Antisemitismusrelativierung geht gar nicht mehr. :mad2:
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Do 22. Okt 2020, 13:56

Dark Angel hat geschrieben:(22 Oct 2020, 12:46)

Es ist nicht mehr zum Aushalten, Du bastelst dir die Welt wirklich, wie sie dir gefällt! :mad:
Selbstverständlich hat Antisemitismus - insbesondere in der "Stalinzeit" nach dem WK2 - mit real lebenden jüdischen Menschen etwas zu tun - sehr viel sogar.
Informiere dich bitte über die "zweite Säuberungswelle, von der fast ausschließlich Juden (jüdische Wissenschaftler und Funktionäre jüdischer Herkunft) betroffen waren. Die zweite Säuberungswelle, die auch von der SMAD in der SBZ durchgesetzt waren, bei der vornehmlich deutsche Kommunisten bzw Angehörige der SED jüdischer Herkunft sowie jüdische Emigrationsrückkehrer ins "Fadenkreuz" gerieten und mit fadenscheinigen Begründungen inhaftiert wurden (Buchenwald, Sachsenhausen). Die SED-Führung war dabei willfähriger Helfer. Diese zweite Säuberungswelle dauerte in der UdSSR bis zu Stalins Tod, in der DDR noch etwas länger.
Sorry, aber noch mehr Geschichtsrevisionismus und Antisemitismusrelativierung geht gar nicht mehr. :mad2:

Eine solche Argumentation läuft letztendlich darauf hinaus, dass Juden für das Phänomen Antisemitismus selbst mitverantwortlich sind. Sind sie nicht.

Natürlich richteten sich die Säuberungswellen in der SU und in der DDR gegen real lebende Menschen jüdischer Herkunft. Mit allen Konsequenzen. Aber dennoch: ursächlich sind antisemitische Stereotype Fiktionen in den Köpfen von Antisemiten, die mit realen Juden absolut nix zu tun haben. Würde man das anders sehen, müsste man zu dem Schluss kommen, dass der Kampf gegen Antisemitismus Aufgabe der Juden wäre. Absurd.

Diese Erkenntnis, diese Denkfigur sozusagen ist aber eigentlich ein alter Hut und wird von kaum jemandem ernsthaft bezweifelt. Es handelt sich um eine fundamentale Frage: Ist der Antisemitismus - egal ob der des christlichen Abendlands oder der des arabisch-persischen Kulturbereichs - mit der realen Existenz von realen Juden erklärbar? Das würde ich mal entschieden verneinen. Zur Not, wie in Japan der 40er Jahre, geht Antisemitismus auch ganz und gar ohne Juden.


Was speziell Stalin anbetrifft: Diese sogenannte "Ärzteverschwörung" war Teil des kalten Kriegs in den 50er Jahren. Du willst doch nicht ernsthaft behaupten, dass es dem Diktator plötzlich in den Sinn gekommen ist, Juden nicht zu mögen und zu verfolgen, nachdem er 1947/48 aktiv die Gründung des Staates Israel unterstützte. Judenhass in der SU war politisches Kalkül für den Machterhalt. Und eine logische Schlussfolgerung von seiten jüdischer Menschen - natürlich nicht hinsichtlich der Folgen - aber hinsichtlich der Ursachen wäre für mich nachvollziehbar und erklärlich, wenn sie darauf hinausliefe: Was geht es mich an? Was hab ich mit diesen Fiktionen und diesem politischen Machtkalkül zu tun?
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Do 22. Okt 2020, 15:04

Tom Bombadil hat geschrieben:(22 Oct 2020, 12:15)

Ja, wurde wahrgenommen: https://www.politik-forum.eu/viewtopic. ... 7#p4851327


Ja, sorry, das hab' ich übersehen.

Der verwiesene Artikel in "br-klassik" ist übrigens ziemlich gut.

Die "Entschuldigungsseite" der SZ beginnt so:

Die Süddeutsche Zeitung hat am 16. Oktober im Feuilleton einen subjektiven, stellenweise sehr polemischen Text über Igor Levit veröffentlicht. Unter der Überschrift "Igor Levit ist müde" geht es darin um Levit als Pianisten sowie um sein politisches Engagement und seine Äußerungen in sozialen Netzwerken.

Viele unserer Leserinnen und Leser kritisieren diese Veröffentlichung scharf und sind empört. Manche empfinden den Text als antisemitisch, etliche sehen Levit als Künstler und Menschen herabgewürdigt. Auch er selbst sieht das so. Das tut uns leid, und deswegen bitten wir Igor Levit persönlich wie auch unsere Leserinnen und Leser um Entschuldigung.


"Autsch" sage ich mal. Sprachlich-Logisch. Was tut der "SZ" leid? Dass man die abgedruckte Kritik als Herabwürdigung sieht? So steht es jedenfalls geschrieben. Und nicht, dass ihnen die Herabwürdigung selbst leid tut. Und das bei einem der bürgerlichen Leitmedien. Die SZ sieht sich selbst vermutlich als einsame Verteidigerin von "Gebildetheit" in einem irgendwie bürgerlichen Sinn. Wozu traditiionellerweise nicht nur Klavierunterricht sondern auch eine gewisse Virtuosität in der Sprachbeherrschung gehört.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » Do 22. Okt 2020, 15:13

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Oct 2020, 13:56)

Eine solche Argumentation läuft letztendlich darauf hinaus, dass Juden für das Phänomen Antisemitismus selbst mitverantwortlich sind. Sind sie nicht.

Hää? Aber sonst geht's dir noch gut? :mad:

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Oct 2020, 13:56)
Natürlich richteten sich die Säuberungswellen in der SU und in der DDR gegen real lebende Menschen jüdischer Herkunft. Mit allen Konsequenzen. Aber dennoch: ursächlich sind antisemitische Stereotype Fiktionen in den Köpfen von Antisemiten, die mit realen Juden absolut nix zu tun haben. Würde man das anders sehen, müsste man zu dem Schluss kommen, dass der Kampf gegen Antisemitismus Aufgabe der Juden wäre. Absurd.

Selbstverständlich hat Antisemitismus etwas mit realen Menschen zu tun, andernfalls wären sie nicht verbalen und tätlichen Angriffen ausgesetzt. Morddrohungen, Mordversuche, Körperverletzung etc richten sich gegen reale Menschen und nicht gegen irgend etwas abstraktes.
Antisemitismus - in der Gesamtgesellschaft - ist keine Fiktion und entspringt auch keiner Fiktion "Köpfen von Antisemiten", sondern beruht auf ideologisch erzeugter Antipathien ganz normaler (realer) Menschen, gegen reale Menschen!
Der Kampf gegen Antisemitismus kann NUR aus der Mitte der Gesellschaft kommen, in der der Antisemitismus verwurzelt ist.
Und dieser Kampf besteht in Aufklärung einerseits und aktivem Vorgehen gegen alle Anzeichen von Antisemitismus innerhalb der Gesellschaft.

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Oct 2020, 13:56)Diese Erkenntnis, diese Denkfigur sozusagen ist aber eigentlich ein alter Hut und wird von kaum jemandem ernsthaft bezweifelt. Es handelt sich um eine fundamentale Frage: Ist der Antisemitismus - egal ob der des christlichen Abendlands oder der des arabisch-persischen Kulturbereichs - mit der realen Existenz von realen Juden erklärbar? Das würde ich mal entschieden verneinen. Zur Not, wie in Japan der 40er Jahre, geht Antisemitismus auch ganz und gar ohne Juden.

Das, was du hier gerade zusammen faselst, ist weder eine Erkenntnis, noch ein "alter Hut, [der] wird von kaum jemandem ernsthaft [bezweifelt wird], sondern existiert lediglich in deinem Hirn und stellt einen weiteren Versuch dar, Antiemitismus zu mrginalisieren.
Nochmal: JA - Antisemitsmus - entstanden aus Antijudaismus IST mit der Existenz realer Juden erklärbar! Und nur mit ihrer realen Existenz als Volk, als das sie sich zu allen Zeiten verstanden haben - auch während er zweiten Diaspora.

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Oct 2020, 13:56)Was speziell Stalin anbetrifft: Diese sogenannte "Ärzteverschwörung" war Teil des kalten Kriegs in den 50er Jahren. Du willst doch nicht ernsthaft behaupten, dass es dem Diktator plötzlich in den Sinn gekommen ist, Juden nicht zu mögen und zu verfolgen, nachdem er 1947/48 aktiv die Gründung des Staates Israel unterstützte. Judenhass in der SU war politisches Kalkül für den Machterhalt. Und eine logische Schlussfolgerung von seiten jüdischer Menschen - natürlich nicht hinsichtlich der Folgen - aber hinsichtlich der Ursachen wäre für mich nachvollziehbar und erklärlich, wenn sie darauf hinausliefe: Was geht es mich an? Was hab ich mit diesen Fiktionen und diesem politischen Machtkalkül zu tun?

NEIN - die zweite Säuberungswelle (von der die so genannte Ärzteverschwörung nur ein Teil war) war NICHT Teil des Kalten Krieges in den fünfziger Jahren, weil die bereits in den vierziger Jahren begann und mit Stalins Tod 1953 endete - zumindest in der UdSSR.
Und NEIN, dem Diktator ist es NICHT plötzlich in den Sinn gekommen, Juden nicht zu mögen, weil sie während der gesamten Zeit der Stalindiktatur und auch vorher, massiven Repressalien ausgesetzt waren, die in der zweiten Säuberungswelle "lediglich" ihren traurigen Höhepunkt fanden.
Politisches Kalkül hingegen war Anerkennung des Staates Israel.
Stalin (die UdSSR) hat die Gründung des Staates Israel NICHT aktiv unerstützt, sonder nur die Kommunistische Partei Israels, weil er sich einen Staat nach dem Muster der Staaten in seinem europäischen Machtbereich erhoffte.
Bezüglich der Geschichte Israels solltest du mal beginnen, dich mit der einschlägigen Fachlitertur zu beschäftigen, statt irgendwelchen verschwurbelten Unsinn - gespeist aus marxistischer bzw SED-Propaganda - von dir zu geben.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon BlueMonday » Do 22. Okt 2020, 15:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Oct 2020, 13:56)


Was speziell Stalin anbetrifft: Diese sogenannte "Ärzteverschwörung" war Teil des kalten Kriegs in den 50er Jahren. Du willst doch nicht ernsthaft behaupten, dass es dem Diktator plötzlich in den Sinn gekommen ist, Juden nicht zu mögen und zu verfolgen, nachdem er 1947/48 aktiv die Gründung des Staates Israel unterstützte.


Das war doch immer ein Kalkül der "Antisemiten" die Juden irgendwie loswerden, sie zu deportieren, zu "evakuieren", umzusiedeln. Eine Option ist da ein "Judenstaat" - auf fremden Gebiet - möglichst weit weg, um Himmels Willen nicht auf dem eigenen (etwa auf der Krim, nicht wahr). So eine Staatsgründung ist im 20. Jahrhundert keine leichte Aufgabe, da es praktisch kein unbesiedeltes wie lohnenswertes Fleckchen mehr auf der Erde gibt. Selbst so eine kahle Wüste im Nahen Osten war und ist umkämpft wie nichts. Sprich, man wird militärische Gewalt brauchen, um so einen Staat zu gründen und zu erhalten. And so we're here.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » Do 22. Okt 2020, 18:14

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Oct 2020, 13:56)
Was speziell Stalin anbetrifft: Diese sogenannte "Ärzteverschwörung" war Teil des kalten Kriegs in den 50er Jahren. Du willst doch nicht ernsthaft behaupten, dass es dem Diktator plötzlich in den Sinn gekommen ist, Juden nicht zu mögen und zu verfolgen, nachdem er 1947/48 aktiv die Gründung des Staates Israel unterstützte. Judenhass in der SU war politisches Kalkül für den Machterhalt. Und eine logische Schlussfolgerung von seiten jüdischer Menschen - natürlich nicht hinsichtlich der Folgen - aber hinsichtlich der Ursachen wäre für mich nachvollziehbar und erklärlich, wenn sie darauf hinausliefe: Was geht es mich an? Was hab ich mit diesen Fiktionen und diesem politischen Machtkalkül zu tun?

Hier mal einige Fakten, die deinen verschwurbelten Unsinn bezüglich Stalins Haltung gegenüber den Juden:

"Die arabischen Länder erkannten die Entscheidung der UNO nicht an. Sie waren höchst überrascht über die Position der Sowjetunion. Die arabischen kommu-nistischen Parteien, die gewöhnt waren gegen den britischen und amerikanischen Zionismus zu kämpfen, waren schockiert, dass die sowjetische Position sich so schlagartig verändert hatte. Aber Stalin interessierte die Reaktionen der arabischen Länder und der örtlichen kommunistischen Parteien nicht. Ihm war viel wichtiger, Israel als Stachel gegen die Engländer zu nutzen, den diplomatischen Erfolg gegen den Westen zu haben und dass die Möglichkeit bestand, den zukünftigen jüdischen Staat ins Lager des Sozialismus zu ziehen.

Dazu wurde in der UdSSR eine Regierung für die palästinischen Juden vorbereitet. Als Premierminister des neuen Staates war Solomon Abramowitsch Losowski, Mitglied des ZK der KPdSU, ehemaliger Vertreter des Volkskommissariats für internationale Beziehungen und Direktor des sowjetischen Informationsbüros vorgesehen. Der Held der Sowjetunion und Panzeroffizier David A.Dragunski sollte Verteidigungsminister werden und Gregori Gulman, Offizier des sowjetischen Geheimdienstes, Flotten-Minister.

Ende 1947 erklärte der Vorsitzende der Verwaltung für den Nahen- und Fernen Osten im Komitee, Andrej Otroschtschenko, bei einer operativen Zusammenkunft, dass Stalin die Aufgabe gestellt hat, den zukünftigen jüdischen Staat auf die Seite der engsten Verbündeten der UdSSR zu ziehen. Dazu sei es unbedingt erforderlich, die Verbindung der israelischen Bevölkerung zu den amerikanischen Juden zu unter-binden. Die Aufstellung der dazu einzusetzenden Agenten sei beim Chef der Verwal-tung illegale Aufklärung."
Quelle


"Hinter Stalins Unterstützung für Israel standen mehrere Ziele, allen voran ein machtpolitisches Kalkül: Die offizielle und noch durch Lenin vorgegebene Politik sah nach der Oktoberrevolution für die „jüdischen Frage“ die vollständige Assimilation und keine separate jüdische Sowjetrepublik analog zur russischen, ukrainischen, und so weiter vor. Stalin selbst sprach den Jüd:innen bereits in den 1910ern ab ein eigenes Volk zu sein.2 Die spätere Gründung eines autonomen jüdischen Siedlungsgebiets in den 1930ern war allenfalls den sowjetischen Bemühungen, dem „westlichen“ Zionismus, sprich der Abwanderung sowjetischer Jüd:innen nach Palästina, einen Riegel vorzuschieben, geschuldet und schließlich gescheitert. Das „sowjetische Zion“ in der kalten Einöde Sibiriens konnte sich in der Realität nicht gegen Herzls weit verbreiteten Traum einer Rückkehr in die jüdische Heimstätte im Nahen Osten durchsetzen.
Anerkennung Israels und die Waffenlieferungen waren also eine logische Konsequenz aus Stalins macht- und weltpolitischem Vorhaben, den sowjetischen Sozialismus über den gesamten Globus zu exportieren und gegen die ehemaligen Alliierten in Stellung zu bringen."
Quelle


So viel zum Thema aus welchen Gründen er die Gründung eines Staates Israel unterstützte.
Menschen die Zugehörigkeit zu einem Volk abzusprechen hat - nach deiner Lesart - natürlich nichts mit realen Menschen zu tun.
Ja, womit denn sonst?
Von Menschen (eines Volkes) die vollständige Assimilation - heißt Augabe ihrer Glaubensvorsellungen, Sitten, Gebräuche, Traditionen zu verlangen hat - nach deiner Lesart - natürlich nichts mit realen Menschen zu tun.
Womit denn sonst?

"Die erste Krise erlebten die sowjetisch-israelischen Beziehungen Anfang 1953 im Zusammenhang mit Stalins antisemitischer Wahnidee von einer „Ärzteverschwörung“, derzufolge „zionistische Spione“ der Sowjetführung nach dem Leben trachteten. Stalin starb im März 1953. Sein Nachfolger Nikita Chruchtschow entlarvte das Ärztegerücht als Lüge und nahm die zwischenzeitlich unterbrochenen Beziehungen zu Israel wieder auf. Im Unterschied zu Stalin verfolgte Chruschtschow jedoch eine konsequent pro-arabische Linie, die den Anti-Israelismus in diesem neuen Kontext stärkte.[10] Die großen Wende der sowjetischen Nahostpolitik fand im September 1955 statt, als Ägypten erstmals Waffenlieferungen mit der Sowjetunion und der Tschechoslowakei vereinbarte."
Quelle


Du hättest das wohl gerne, dass Juden Antisemitismus als etwas Abstraktes, nicht gegen sie gerichtet betrachten würden, damit du deinen latenten Antisemitsmus besser tarnen kannst.
Keine Sorge Juden ziehen schon die richtigen Schlüsse bezüglich Ursachen und Richtung des Antisemitismus. Das sind jedoch ganz andere als du ziehst.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 23. Okt 2020, 08:32

Dark Angel hat geschrieben:(22 Oct 2020, 18:14)
Du hättest das wohl gerne, dass Juden Antisemitismus als etwas Abstraktes, nicht gegen sie gerichtet betrachten würden, damit du deinen latenten Antisemitsmus besser tarnen kannst.
Keine Sorge Juden ziehen schon die richtigen Schlüsse bezüglich Ursachen und Richtung des Antisemitismus. Das sind jedoch ganz andere als du ziehst.

Dieser "Tarnungsvorwurf" ist übrigens auch ein typisch antisemitisches Stereotyp. "Der Jude" tarnt sich.

Alle deine vorgebrachten Zitate belegen eigentlich nur das, was ich geschrieben habe. Antisemitismus ist eine Fiktion in den Köpfen der Antisemiten und wird oder wurde - zum Beispiel von Stalin - als politisches Kalkül für den Machterhalt benutzt. Dass er sich gegen reale jüdische Menschen richtet, dass sie real davon betroffen sind ... wer würde so dumm sein, dies zu bestreiten?

Dass Antisemitismus absolut nichts ursächlich mit dem realen Verhalten, Tun und Lassen, Sagen und Schreiben von realen Juden zu tun hat, ist ein so wichtiger Punkt zum Thema Antisemitismus, dass ich mir eine Erwiderung deiner personenbezogenen Attacke nicht sparen kann. Gäbe es einen solchen ursächlichen Zusammenhang, müsste oder könnte man für das Phänomen Antisemitismus reale Juden mitverantwortlich machen. Der Kampf gegen Antisemitismus hier in Deutschland ist aber ganz allein unsere eigene Angelegenheit.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 23. Okt 2020, 08:49

BlueMonday hat geschrieben:(22 Oct 2020, 15:34)

Das war doch immer ein Kalkül der "Antisemiten" die Juden irgendwie loswerden, sie zu deportieren, zu "evakuieren", umzusiedeln. Eine Option ist da ein "Judenstaat" - auf fremden Gebiet - möglichst weit weg, um Himmels Willen nicht auf dem eigenen (etwa auf der Krim, nicht wahr). So eine Staatsgründung ist im 20. Jahrhundert keine leichte Aufgabe, da es praktisch kein unbesiedeltes wie lohnenswertes Fleckchen mehr auf der Erde gibt. Selbst so eine kahle Wüste im Nahen Osten war und ist umkämpft wie nichts. Sprich, man wird militärische Gewalt brauchen, um so einen Staat zu gründen und zu erhalten. And so we're here.

Stalin hat die Schwester seiner zweiten Ehefrau ohne Skrupel in den Gulag geschickt, nachdem diese angekündigt hatte, die Memoiren dieser Ehefrau zu schreiben. Diese hatte sich 1932 selbst getötet. Und von diesen Geschichten gibt es noch mehr. Dieser Mensch kannte nix. Gar nix. Außer seinem Machtwillen. Selbst für so etwas wie "Judenhass" braucht es igrendetwas wie die Fähigkeit zu emotionaler Beteiligung. Ich denke mal, das unterscheidet ihn von überzeugten Judenhassern in der deutschen NS-Zeit.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon conscience » Fr 23. Okt 2020, 10:49

Der spezifische sowjetische Antisemitismus in der späten Stalin-Zeit ist m.E. nach Innen gerichtet, eine "Säuberungskampagne" um den Apparat von Staat und Partei in Atem zu halten, gegeneinander auszuspielen, um führende Politiker der Sowjetunion, Kulturschaffende, Wissenschaftler und deren Familien (beispielsweise) einer antisemitischen Verfolgung auszusetzen, und das Ganze angelegt in einer übergeordneten Aktion gegen den westlichen Imperialismus. Die frühe Anerkennung Israels durch die UdSSR zusammen mit den Waffenlieferungen durch die Tschechoslowakei stellt den Versuch da, auf die amerikanische Innenpolitik Einfluss zu nehmen, aber als klar wurde, dass sich Israel an die USA orientiert und sich die jüdischen Verbandsorganisationen in den USA nicht im sowjetischen Sinne beeinflussen ließen, war es mit der sowjetischen Freundlichkeit gegenüber Israel vorbei. Stalins Zorn auf die sowjetischen Juden dürfte eventuell dadurch ausgelöst worden sein. Die Repression gegen die sowjetische Juden begann eben schon vor der Gründung des Staates Israel und daher halte ich die nach Außen gerichtete Zielsetzung der sowjetischen Politik gegenüber den eigenen, jüdischen Bevölkerung für marginal.
Gegen Antisemitismus und Antizionismus!! Unterstützt Israel!!
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Moses » Fr 23. Okt 2020, 11:01

Hier müssen einige Beiträge genauer geprüft werden. Solange ist hier erst mal zu.

Moses
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Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Moses » Do 29. Okt 2020, 06:33

HINWEIS DER MODERATION:

Bei der Beurteilung, ob eine Aussage oder ein Beitrag als antisemitisch zu werten ist, legen wir in diesem Forum unser Regelwerk zu Grunde.
Des Weiteren orientieren wir uns an der, auch von der Bundesregierung anerkannten, Antisemitismusdefinition der international holocoust remembranse alliance (IHRA)

Eine, wie auch immer geartete Definition nach eigenem Gutdünken, sowie eine Diskussion darüber wird in Zukunft hier nicht mehr tolleriert.

Moses
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Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon RemaRema » Fr 30. Okt 2020, 07:07

Antisemitismus geht gar nicht.
Holocaustleugner und ähnliches Geschmeiß gehören so lange mit den Taten der Nazis konfrontiert, bis sie einlenken.
Alternative:Knast bis sie schimmelig werden.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Liegestuhl » Fr 30. Okt 2020, 09:11

RemaRema hat geschrieben:(30 Oct 2020, 07:07)

Antisemitismus geht gar nicht.
Holocaustleugner und ähnliches Geschmeiß gehören so lange mit den Taten der Nazis konfrontiert, bis sie einlenken.
Alternative:Knast bis sie schimmelig werden.


Stand heute bei uns in der Zeitung: Ein 16-jähriger Heranwachsender ist bei Hakenkreuz-Schmierereien erwischt wurden. Der Richter auf dem Amtsgericht hat ihn dazu verknackt, das Konzentrationslager Esterwegen (Emslandlager) zu besuchen und einen Aufsatz darüber zu schreiben. Vielleicht hilft es bei ihm.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Uffhausen » Fr 30. Okt 2020, 10:30

Liegestuhl hat geschrieben:(30 Oct 2020, 09:11)

Stand heute bei uns in der Zeitung: Ein 16-jähriger Heranwachsender ist bei Hakenkreuz-Schmierereien erwischt wurden. Der Richter auf dem Amtsgericht hat ihn dazu verknackt, das Konzentrationslager Esterwegen (Emslandlager) zu besuchen und einen Aufsatz darüber zu schreiben. Vielleicht hilft es bei ihm.

Wäre es nicht logischer gewesen, ihn einen Aufsatz darüber schreiben zu lassen, WARUM er sich sich der Hakenkreuz-Schmiererei bedient? Der 16jährige müsste sich dadurch selbst hinterfragen. Und vielleicht käme er dadurch selbst zu der Erkenntnis, dass sein Tun mehr als nur jugendlichen Leichtsinn ist.

Als ich 16 war, musste ich mal mit der ganzen Klasse ein Museum besuchen und hernach sollten wir jeder einen Aufsatz darüber schreiben - ALLE fanden das Museum schrecklich langweilig und ALLE haben in ihren Aufsätzen Interesse vorgeheuchelt - warum? Darum: Die Benotung sollte gut werden und der Lehrer gefälligst Ruhe geben.

Die Chance ist groß, dass der Heranwachsende von oben der Strafe Folge leistet, aber hinterher ledigleich den Schein wahrt, weil eben dieser verlangt wird. Damit ist im Kampf gegen Antisemitismus überhaupt nichts gewonnen.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Billie Holiday » Fr 30. Okt 2020, 10:53

Uffhausen hat geschrieben:(30 Oct 2020, 10:30)

Wäre es nicht logischer gewesen, ihn einen Aufsatz darüber schreiben zu lassen, WARUM er sich sich der Hakenkreuz-Schmiererei bedient? Der 16jährige müsste sich dadurch selbst hinterfragen. Und vielleicht käme er dadurch selbst zu der Erkenntnis, dass sein Tun mehr als nur jugendlichen Leichtsinn ist.

Als ich 16 war, musste ich mal mit der ganzen Klasse ein Museum besuchen und hernach sollten wir jeder einen Aufsatz darüber schreiben - ALLE fanden das Museum schrecklich langweilig und ALLE haben in ihren Aufsätzen Interesse vorgeheuchelt - warum? Darum: Die Benotung sollte gut werden und der Lehrer gefälligst Ruhe geben.

Die Chance ist groß, dass der Heranwachsende von oben der Strafe Folge leistet, aber hinterher ledigleich den Schein wahrt, weil eben dieser verlangt wird. Damit ist im Kampf gegen Antisemitismus überhaupt nichts gewonnen.


Dein Einwand ist berechtigt.
Das Warum wäre in der Tat interessant gewesen, wobei ein 16jähriger klug genug ist, sich auf Gruppendruck zu berufen und nicht auf innere Einstellung.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Uffhausen » Fr 30. Okt 2020, 11:08

Billie Holiday hat geschrieben:(30 Oct 2020, 10:53)

Dein Einwand ist berechtigt.
Das Warum wäre in der Tat interessant gewesen, wobei ein 16jähriger klug genug ist, sich auf Gruppendruck zu berufen und nicht auf innere Einstellung.

Die Tat als Folge eines Gruppendrucks darzustellen, ist aber keine logische Erklärung, sondern vielmehr ein Davonlaufen vor Verantwortung.

Aber man könnte hinterher wenigstens festellen, dass man da einen gehörigen Feigling vor sich hat - immernoch besser, als einer, der Verständnis und Einsicht vorheuchelt und sich auf diesem Wege - gar mit Belobigung des Richers! - aus der Verantwortung rausschlawienert...
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Moses » Mo 30. Nov 2020, 20:06

Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon oga » Mo 30. Nov 2020, 20:13

Die Welt ist aus den Fugen... :rolleyes:
I guess I should warn you, if I turn out to be particularly clear, you've probably misunderstood what I've said.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Liegestuhl » Mo 30. Nov 2020, 20:20

Das ist alles nicht ganz neu. Ich kann mich daran erinnern, dass es dieses Bekenntnis schon unter der ollen Nahles gab.
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conscience
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Re: Antisemitismus

Beitragvon conscience » Mo 30. Nov 2020, 20:25

Die SPD ist nicht mehr wählbar klick
Gegen Antisemitismus und Antizionismus!! Unterstützt Israel!!

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