Antisemitismus

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Tom Bombadil
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Tom Bombadil » Di 6. Aug 2019, 18:06

Vongole hat geschrieben:(06 Aug 2019, 15:56)

Statt dessen werden "Arbeitskreise" gegründet wie dieser:

Auch typisch deutsch: "Und wenn Du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis".

Außerdem ist Klein einer unter vielen Beauftragten, und keiner von ihnen ist Jude.

Es spricht aus meiner Sicht natürlich nichts dagegen, auch mal einen Juden für so eine Position zu nehmen.
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Julian
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Julian » Di 6. Aug 2019, 18:23

Vongole hat geschrieben:(06 Aug 2019, 17:53)

Nein, der Angriff Ende Juli auf den Rabbi Yehuda Teichtal und seine Kinder in Berlin wurde von Arabern begangen.
Völlig unabhängig von Tichy beklagen viele Juden musl. Antisemitimus, dieser Strang enthält eine Menge Beispiele, und gehört damit zum Thema.


Danke.
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Antonius
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Antonius » Di 6. Aug 2019, 18:24

imp hat geschrieben:(06 Aug 2019, 17:57)
Eh komm, immer sind die Juden im Auftrag finsterer Mächte unterwegs. Das ist etwas altbacken. Es gibt jede Menge Schweinereien gegen Juden. Darum muss es gehen. Wenn es nebenher einen Blender geben sollte, wäre das zwar ärgerlich und bestrafenswert, aber das kann nicht der Hauptton in der Debatte zum A. sein.
Natürlich, das ist völlig daneben...
Das Judentum gehört zu Deutschland, das ist ganz klar.

In diesem Sinne hat die Fraktionsvorsitzende der AfD im Deutschen Bundestag, Dr. Alice Weidel, im vorletzten Jahr
dem israelischen TV-Sender Channel KAN 11 ein Interview gegeben, direkt am Pariser Platz in Berlin:
https://www.youtube.com/watch?v=D051g0wafWA

Das geschah zum Jahrestag der Neugründung des Staates Israel (hebr. מדינת ישראל ) vor 70 Jahren als es hierzulande zu zahlreichen antisemitischen Übergriffen gekommen ist.

Die Hauptfrage der israelischen Reporterin war, warum Juden in Deutschland die AfD wählen sollten.
Weidel verwies auf den islamischen Terror, der kaum einer Bevölkerungsgruppe so vertraut sein muss wie den Juden aus Israel.
Das Judentum, das Teil des bürgerlichen Rückgrats in Deutschland sei, gehöre ganz klar zu Deutschland.

Interessant an diesem Interview sind die Einblendungen in hebräischer Sprache (hebr. עברית; dt. Iwrith) zum einen für die Zuschauer in Israel,
aber auch für die Iwrith-Kenner hierzulande.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon JFK » Di 6. Aug 2019, 18:31

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/mu ... -1.4554396
Ein Münchner Rabbiner und seine zwei Söhne sind am Samstag in München auf offener Straße Opfer von Judenhass geworden. Nach dem Besuch einer Synagoge in Schwabing wurde die Familie beleidigt und bespuckt. Die Polizei schließt nicht aus, dass die beiden Täter - ein hochdeutsch sprechender Mann und eine orientalisch aussehende Frau - unabhängig voneinander auf die jüdische Familie losgingen. Der Angriff ereignete sich am Samstag gegen 14 Uhr an der Ecke Hohenzollern- und Wilhelmstraße.


Einfach nur Widerwärtig.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » Di 6. Aug 2019, 18:45

Antonius hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:24)

Natürlich, das ist völlig daneben...
Das Judentum gehört zu Deutschland, das ist ganz klar.

In diesem Sinne hat die Fraktionsvorsitzende der AfD im Deutschen Bundestag, Dr. Alice Weidel, im vorletzten Jahr
dem israelischen TV-Sender Channel KAN 11 ein Interview gegeben, direkt am Pariser Platz in Berlin:
https://www.youtube.com/watch?v=D051g0wafWA

Das geschah zum Jahrestag der Neugründung des Staates Israel (hebr. מדינת ישראל ) vor 70 Jahren als es hierzulande zu zahlreichen antisemitischen Übergriffen gekommen ist.

Die Hauptfrage der israelischen Reporterin war, warum Juden in Deutschland die AfD wählen sollten.
Weidel verwies auf den islamischen Terror, der kaum einer Bevölkerungsgruppe so vertraut sein muss wie den Juden aus Israel.
Das Judentum, das Teil des bürgerlichen Rückgrats in Deutschland sei, gehöre ganz klar zu Deutschland.

Interessant an diesem Interview sind die Einblendungen in hebräischer Sprache (hebr. עברית; dt. Iwrith) zum einen für die Zuschauer in Israel,
aber auch für die Iwrith-Kenner hierzulande.


Was Fr. Weidel sagt und was die AfD meint, ist auch in Israel angekommen:
https://www.waz.de/politik/landespoliti ... 98879.html
https://www.spiegel.de/politik/deutschl ... 67007.html
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Re: Antisemitismus

Beitragvon conscience » Di 6. Aug 2019, 18:57

Antonius hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:48)[…]Das Judentum, das Teil des bürgerlichen Rückgrats in Deutschland ist, gehört ganz klar zu Deutschland.


Die Aussage ist zweifellos wahr.

Aber gehört die AfD zum bürgerlichen Rückgrat Deutschlands ?

Der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke hatte 2017 mit der Forderung nach einer "erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad" eine heftige Debatte ausgelöst. Zuvor hatte Höcke in einer Rede mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin gesagt: "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat."

Auch AfD-Bundesparteichef Alexander Gauland sorgte mit einer Äußerung zur Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft für Empörung, als er geäußert hatte: "Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte." Gauland hatte seine Äußerung später als "missdeutbar und damit politisch unklug" bezeichnet.

Quelle: ebenda.

Fazit
Die AfD gehört zwar zu Deutschland, allerdings zum kleinbürgerlichen entwurzelten Pöbel.
Solidarität mit Israel - gegen Antisemitismus und Antizionismus.

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Re: Antisemitismus

Beitragvon JFK » Di 6. Aug 2019, 19:54

Was geht der Religiöse Hintergrund eines Deutschen Staatsbeamten diesen "gewissen Kreisen" überhaupt an, wer soll das überhaupt sein, muss man die ernst nehmen? :rolleyes:
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Moses » Di 6. Aug 2019, 20:22

Das ist grad eindeutig zu viel persönlicher Hickhack. Wenn ich morgen dazu komme räume ich auf und öffne wieder.

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Das Thema ist diffizil. Bitte vermeidet es, Euch gegenseitig anzugreifen und konzentriert Euch auf das Thema.

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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 7. Aug 2019, 11:16

Man könnte ja mal überlegen, wie diese Formulierung, das Judentum sei "Teil des bürgerlichen Rückgrats" Deutschlands, eigentlich zu werten ist. Ehrlich: Ein junger Programmierer zieht für eine Weile von Tel Aviv nach Berlin. Zum Beispiel weil hier die Lebenshaltungskosten etwas günstiger sind und es dennoch eine jüdische Community und entsprechende Einrichtungen gibt. Sein gutes Recht. Und Deutschland hat die Pflicht, ihm wie allen anderen auch, rechtsstaatliche Sicherheit zu gewähren. Der ist nicht "das bürgerliche Rückgrat Deutschlands" sondern gründet in Berlin vielleicht gerade ein interessantes IT-Startup, um irgendeine bürgerliche Verkrustung irgendwo gehörig aufzumischen. Der ist nicht hier, um die Bürgerlichkeit Deutschlands und am Ende den Ruf der AfD ein wenig zu stärken.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Zunder » Mi 7. Aug 2019, 14:55

Vongole hat geschrieben:(06 Aug 2019, 15:56)

Ja, er bemüht sich sehr, und trotzdem wird zuviel über tote und zu wenig mit lebenden Juden geredet wie z.B. hier mal ausnahmsweise:
https://www.juedische-allgemeine.de/uns ... ickwinkel/

Statt dessen werden "Arbeitskreise" gegründet wie dieser:
https://www.welt.de/politik/deutschland ... ntnis.html

Außerdem ist Klein einer unter vielen Beauftragten, und keiner von ihnen ist Jude. Was die Befugnisse angeht, nun, er ist befugt, zu mahnen und zu warnen. :cool:

Würde ein jüdischer Antisemitismus-Beauftragter auf antisemitische Vorkommnisse in einer Partei oder in einem Verband hinweisen, käme als Reaktion sicherlich kein einsichtiges Versprechen, gegen antisemitische Umtriebe etwas zu unternehmen, sondern wohl der Abwehrreflex, als Jude sei der Beauftragte voreingenommen und zu einem neutralen Urteil gar nicht fähig. Die Folge wäre eine Diskursverschiebung vom eigentlichen Problem hin zu einer Personaldebatte.
Das ist vorhersehbar.

Abgesehen davon ist der Antisemitismus kein jüdisches Problem.
Es ist Aufgabe der Nicht-Juden, gegen den Antisemitismus vorzugehen.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Zunder » Mi 7. Aug 2019, 15:15

schokoschendrezki hat geschrieben:(07 Aug 2019, 11:16)

Man könnte ja mal überlegen, wie diese Formulierung, das Judentum sei "Teil des bürgerlichen Rückgrats" Deutschlands, eigentlich zu werten ist.

Man kann das Zitat auch so verstehen:

Dasjenige Judentum, das Teil des bürgerlichen Rückgrats in Deutschland sei, gehöre eindeutig zu Deutschland.

Dann wäre das orthodoxe Judentum, das mit dem bürgerlichen Deutschland nichts am Hut hat, schon mal ausgegrenzt. In dieser Form paßt es auch zu der Forderung, den Islam insgesamt nicht als Religionsgemeinschaft anzuerkennen.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Keoma » Mi 7. Aug 2019, 15:22

Zunder hat geschrieben:(07 Aug 2019, 15:15)

Man kann das Zitat auch so verstehen:

Dasjenige Judentum, das Teil des bürgerlichen Rückgrats in Deutschland sei, gehöre eindeutig zu Deutschland.

Dann wäre das orthodoxe Judentum, das mit dem bürgerlichen Deutschland nichts am Hut hat, schon mal ausgegrenzt. In dieser Form paßt es auch zu der Forderung, den Islam insgesamt nicht als Religionsgemeinschaft anzuerkennen.


Das orthodoxe Judentum hat ja auch mit Israel nix am Hut.
Nur erhalten lassen sie sich gerne vom Staat.
Jeder hat das Grundrecht auf eine eigene Meinung. Aber nicht auf eigene Fakten.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » Mi 7. Aug 2019, 15:23

Zunder hat geschrieben:(07 Aug 2019, 14:55)

Würde ein jüdischer Antisemitismus-Beauftragter auf antisemitische Vorkommnisse in einer Partei oder in einem Verband hinweisen, käme als Reaktion sicherlich kein einsichtiges Versprechen, gegen antisemitische Umtriebe etwas zu unternehmen, sondern wohl der Abwehrreflex, als Jude sei der Beauftragte voreingenommen und zu einem neutralen Urteil gar nicht fähig. Die Folge wäre eine Diskursverschiebung vom eigentlichen Problem hin zu einer Personaldebatte.
Das ist vorhersehbar.

Abgesehen davon ist der Antisemitismus kein jüdisches Problem.
Es ist Aufgabe der Nicht-Juden, gegen den Antisemitismus vorzugehen.


Ich muss mich sehr missverständlich ausgedrückt haben, wenn jetzt sogar Du mit diesem Einwand kommst.
Selbstverständlich ist das Vorgehen gegen Antisemitismus kein jüdisches Problem, und der von Dir geschilderte Abwehrreflex vorhersehbar.
Aber ist der nicht eh schon da? Eine der "beliebtesten" antisemitischen Aussagen ist doch, dass Juden versuchen, aus der Shoah Vorteile zu ziehen, dass sie zuviel Einfluss haben etc.
Wahrscheinlich werden die diversen Beauftragten bereits erlebt haben, dass man sie als Marionetten der jüd. Verbände bezeichnet, wundern würde es mich nicht.

Juden als Beauftragte hätten den Vorteil, dass sie als Betroffene zu Wort kommen, kein Sprachrohr brauchen, das ihre Eindrücke in die Öffentlichkeit trägt - und leider oft auf eigene Weise interpretiert.
Augenblicklich hört man Juden nur reagieren, oder wenn sie Bücher/Artikel über selbst erlebten Judenhass schreiben und das "Glück" haben, dass eine Zeitung das aufgreift.
Wenigstens ein jüdischer Beauftragter wäre eine jüdische Stimme, die gehört werden muss, nicht kann.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » Mi 7. Aug 2019, 15:28

Keoma hat geschrieben:(07 Aug 2019, 15:22)

Das orthodoxe Judentum hat ja auch mit Israel nix am Hut.
Nur erhalten lassen sie sich gerne vom Staat.


Das sind nicht orthodoxe, sondern ultraorthodoxe Juden.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Keoma » Mi 7. Aug 2019, 15:29

Vongole hat geschrieben:(07 Aug 2019, 15:28)

Das sind nicht orthodoxe, sondern ultraorthodoxe Juden.


Ok.
Haben die orthodoxen was am Hut?
Jeder hat das Grundrecht auf eine eigene Meinung. Aber nicht auf eigene Fakten.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Do 8. Aug 2019, 08:30

Keoma hat geschrieben:(07 Aug 2019, 15:29)

Ok.
Haben die orthodoxen was am Hut?

Ein ziemlicher Teil der liberal gesinnten Menschen mit jüdischen Wurzeln in Nordamerika, also USA und Kanada, hat auch nicht allzuviel mit der gegenwärtigen israelischen Regierung und ihrer engen Beziehung zum gegenwärtigen amerikanischen Präsidenten am Hut. Was natürlich nicht gleichbedeutend mit dem Land Israel ist. Und die werden natürlich nicht vom israelischen Staat ausgehalten.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Do 8. Aug 2019, 09:16

Vongole hat geschrieben:(07 Aug 2019, 15:23)

Ich muss mich sehr missverständlich ausgedrückt haben, wenn jetzt sogar Du mit diesem Einwand kommst.
Selbstverständlich ist das Vorgehen gegen Antisemitismus kein jüdisches Problem, und der von Dir geschilderte Abwehrreflex vorhersehbar.
Aber ist der nicht eh schon da? Eine der "beliebtesten" antisemitischen Aussagen ist doch, dass Juden versuchen, aus der Shoah Vorteile zu ziehen, dass sie zuviel Einfluss haben etc.
Wahrscheinlich werden die diversen Beauftragten bereits erlebt haben, dass man sie als Marionetten der jüd. Verbände bezeichnet, wundern würde es mich nicht.

Juden als Beauftragte hätten den Vorteil, dass sie als Betroffene zu Wort kommen, kein Sprachrohr brauchen, das ihre Eindrücke in die Öffentlichkeit trägt - und leider oft auf eigene Weise interpretiert.
Augenblicklich hört man Juden nur reagieren, oder wenn sie Bücher/Artikel über selbst erlebten Judenhass schreiben und das "Glück" haben, dass eine Zeitung das aufgreift.
Wenigstens ein jüdischer Beauftragter wäre eine jüdische Stimme, die gehört werden muss, nicht kann.


Ich hab' eine ganze Weile darüber nachgedacht. Es wäre einigermaßen verwunderlich, würde man irgendwo eine "Frauenbeauftragtenstelle" mit einem Mann besetzen. Aber das Argument, dass Antisemitismus nicht ein Problem von Juden sondern von Nichtjuden ist, überwiegt doch schon.
Den Regierungsbeauftragten gibts erst seit 2018. Erst hatte er nur eine Sekretärin. Dann wurde sein Mitarbeiterstab aufgestockt. Auf den offiziellen Seiten des Innenministeriums sind leider keine Informationen über diese zusätzlichen Mitarbeiter, Sachverständigen, Referenten usw. verfügbar. (https://www.bmi.bund.de/DE/ministerium/ ... -node.html)

Dann gibt es ja noch die Beauftragten der Landesregierungen. Neun haben einen. Sechs haben keinen. Wir befinden uns offenbar in einer Umbruchsituation. UNd die Frage ist zu stellen, welche konkreten Maßnahmen und vor allem Wirkungen von diesem Beauftragtenwesen ganz grundsätzlich zu erwarten sind.
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Schon wieder Judenhass in Tegel

Beitragvon imp » So 11. Aug 2019, 07:54

https://amp.tagesspiegel.de/berlin/poli ... 90832.html

So sad. Fluggast in Tegel möchte man auch nicht mehr sein.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon imp » So 11. Aug 2019, 07:56

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 Aug 2019, 09:16)

Ich hab' eine ganze Weile darüber nachgedacht. Es wäre einigermaßen verwunderlich, würde man irgendwo eine "Frauenbeauftragtenstelle" mit einem Mann besetzen. Aber das Argument, dass Antisemitismus nicht ein Problem von Juden sondern von Nichtjuden ist, überwiegt doch schon.
Den Regierungsbeauftragten gibts erst seit 2018. Erst hatte er nur eine Sekretärin. Dann wurde sein Mitarbeiterstab aufgestockt. Auf den offiziellen Seiten des Innenministeriums sind leider keine Informationen über diese zusätzlichen Mitarbeiter, Sachverständigen, Referenten usw. verfügbar. (https://www.bmi.bund.de/DE/ministerium/ ... -node.html)

Dann gibt es ja noch die Beauftragten der Landesregierungen. Neun haben einen. Sechs haben keinen. Wir befinden uns offenbar in einer Umbruchsituation. UNd die Frage ist zu stellen, welche konkreten Maßnahmen und vor allem Wirkungen von diesem Beauftragtenwesen ganz grundsätzlich zu erwarten sind.


Ich finde das nicht richtig. Frauenbeauftragte (meist: Gleichstellungsbeauftragte) müssen durchaus nicht immer Frauen sein, wie auch Behindertenbeauftragte nicht immer Behinderte, Ostbeauftragte nicht immer Ossis. Was ist eigentlich mit Drogenbeauftragten?
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » So 11. Aug 2019, 17:02

imp hat geschrieben:(11 Aug 2019, 07:54)

https://amp.tagesspiegel.de/berlin/poli ... 90832.html

So sad. Fluggast in Tegel möchte man auch nicht mehr sein.


Man? Dir und mir wird das wohl kaum passieren.

Auf den Punkt gebracht:

Der Antisemitismus zerstört den Charakter der Republik

Judentum in Deutschland, das heißt Religionsausübung im Belagerungszustand. Eine Schande - besonders für dieses Land, das sich als Antithese zum Nationalsozialismus konstituiert hat.
(..)
Klar gibt es heute wieder jüdisches Leben in diesem Land. Jedes Wochenende steigen irgendwo Bar-Mizwa-Partys, Hochzeiten, die Erstklässler an jüdischen Schulen werden mit riesigen Schultüten begrüßt. Aber was es nicht gibt in diesem Land, auch nicht nach 70 Jahren Demokratie und Grundgesetz: angstfreies jüdisches Leben. Vor der Bar-Mizwa-Party stehen Wachleute, so wie jene, die 2015 in Kopenhagen von einem Attentäter überwältigt wurden. Vor den jüdischen Schulen stehen Polizisten, so wie jene, die in Toulouse 2012 den Anschlag auf Schulkinder nicht verhindern konnten. Sie stehen dort, nicht weil jemand so etwas gerne sähe, sondern weil die Gefährdungsanalysen der deutschen Landeskriminalämter entsprechend sind.

https://www.sueddeutsche.de/politik/ant ... 9abzXBC3UI

Und das gilt nicht nur für Religionsausübung, es reicht schon, einfach Jude zu sein, einen Stern Davids zu tragen oder sonstwie zu erkennen zu geben, jüdisch zu sein.

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