Antisemitismus

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Alter Stubentiger
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Alter Stubentiger » So 19. Mai 2019, 18:09

Dark Angel hat geschrieben:(18 May 2019, 11:22)

Entlarvend ist auch, der Aufschrei der gleichen, die immer wieder betonen, (ihre) "Kritik an der Regierungspolitik Israels" habe doch gar nichts mit Antisemitismus zu tun, sich dazu eines Alibijuden bedienen, wenn es um Kritik am Islam oder der Integrationswilligkeit von Muslimen geht.
Da wird gleich geplärrt "Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie, Kulturalismus, rääächts" (und was weiß ich noch alles). Mehr Doppelstandard geht gar nicht mehr.


Entlarvend ist allenfalls Regierungskritik als Antisemitismus darzustellen. Da spielst du in der selben Liga wie z.B. Erdogan der Kritik gerne zur "Beleidigung des Türkentums" erklärt.
Jede Regierung auf der Welt hat sich der kritischen Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit zu stellen. Wer Kritik mit fadenscheinigen Begründungen nicht zulassen will muß sich selbst fragen wie er zur demokratischen und freiheitlichen Grundordnung steht.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Liberty » So 19. Mai 2019, 18:15

Die AfD fordert im Bundestag als einizige Fraktion ein Verbot der antisemitischen BDS-Bewegung.

Die übrigen Fraktionen wollten der BDS-Bewegung nur die finanzielle Förderung entziehen und auch das nur widerwillig. Mehrere hochrangige Vertreter der Parteien wie Jürgen Trittin, Norbert Röttgen und Nils Annen waren dagegen und haben Bedenken.

Der deutsch-jüdische Historiker Michael Wolfsohn wirft Union und SPD vor allgemein nicht aus Überzeugung, sondern nur aus taktischen Gründen für eine Resolution gegen die BDS gestimmt zu haben, weil man nicht als Antisemit da stehen will.

https://www.zeit.de/politik/deutschland ... ung-entzug
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » So 19. Mai 2019, 18:20

Liberty hat geschrieben:(19 May 2019, 18:15)

Die AfD fordert im Bundestag als einizige Fraktion ein Verbot der antisemitischen BDS-Bewegung.

Die übrigen Fraktionen wollten der BDS-Bewegung nur die finanzielle Förderung entziehen und auch das nur widerwillig. Mehrere hochrangige Vertreter der Parteien wie Jürgen Trittin, Norbert Röttgen und Nils Annen waren dagegen und haben Bedenken.

Der deutsch-jüdische Historiker Michael Wolfsohn wirft Union und SPD vor allgemein nicht aus Überzeugung, sondern nur aus taktischen Gründen für eine Resolution gegen die BDS gestimmt zu haben, weil man nicht als Antisemit da stehen will.

https://www.zeit.de/politik/deutschland ... ung-entzug


Genau, und deshalb enthielt sich die AfD-Fraktion mehrheitlich bei der Abstimmung. :rolleyes:
Gute Güte, was für ein verlogener Verein diese Partei ist, hat auch der isr. Botschafter längst erkannt.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon imp » So 19. Mai 2019, 18:31

Vongole hat geschrieben:(19 May 2019, 18:20)

Genau, und deshalb enthielt sich die AfD-Fraktion mehrheitlich bei der Abstimmung. :rolleyes:
Gute Güte, was für ein verlogener Verein diese Partei ist, hat auch der isr. Botschafter längst erkannt.

Die Gegenstimmen bei Linke und Grünen waren sehr zahlreich. Das finde ich sehr schade.

AfD-Aussteiger Mieruch (heute "Die Blaunen") stimmte für den Antrag der FDP.

Die Linke brachte immerhin auch einen Antrag ein mit einer Überschrift a la BDS ist abzulehnen. Ich habe ihn mir nicht angeguckt, sicher sind etliche Aufreger drin. Sie hätten - wenn schon nicht eingeladen - einfach dem FDP-Antrag zustimmen sollen. Das wäre gut gewesen.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » So 19. Mai 2019, 18:39

imp hat geschrieben:(19 May 2019, 18:31)

Die Gegenstimmen bei Linke und Grünen waren sehr zahlreich. Das finde ich sehr schade.

AfD-Aussteiger Mieruch (heute "Die Blaunen") stimmte für den Antrag der FDP.

Die Linke brachte immerhin auch einen Antrag ein mit einer Überschrift a la BDS ist abzulehnen. Ich habe ihn mir nicht angeguckt, sicher sind etliche Aufreger drin. Sie hätten - wenn schon nicht eingeladen - einfach dem FDP-Antrag zustimmen sollen. Das wäre gut gewesen.


Die Gegenstimmen waren zu erwarten, aber Hauptsache, der Beschluss ist durch.
Die Mehrheit des Bundestags hat wohl erkannt, dass es völlig irrational ist, einen Antisemitismus-Beauftragten zu ernennen, aber andererseits eine zutiefst antisemitische Bewegung zu fördern, indem man
sie auch noch finanziell unterstützt.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Umetarek » So 19. Mai 2019, 18:44

Zutiefst antisemitisch? Soweit ich das verstehe, geht es gegen die Regierung. Und das die da unten (beidseitig der Grenze) alle nen Hau haben, läßt sich schlecht bestreiten.

Oder hab ich irgendwas Essentielles übersehen?
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Re: Antisemitismus

Beitragvon imp » So 19. Mai 2019, 18:45

Vongole hat geschrieben:(19 May 2019, 18:39)

Die Gegenstimmen waren zu erwarten, aber Hauptsache, der Beschluss ist durch.
Die Mehrheit des Bundestags hat wohl erkannt, dass es völlig irrational ist, einen Antisemitismus-Beauftragten zu ernennen, aber andererseits eine zutiefst antisemitische Bewegung zu fördern, indem man
sie auch noch finanziell unterstützt.

Der Antrag ist gut und richtig. Jetzt die Motive der Unterstützer allzu peinlich hinterfragen möchte ich nicht.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon imp » So 19. Mai 2019, 18:48

Umetarek hat geschrieben:(19 May 2019, 18:44)

Zutiefst antisemitisch? Soweit ich das verstehe, geht es gegen die Regierung. Und das die da unten (beidseitig der Grenze) alle nen Hau haben, läßt sich schlecht bestreiten.

Oder hab ich irgendwas Essentielles übersehen?

Die Bewertungen im Detail variieren aber mit dem Wortlaut des BDS-Aufrufs und der jahrelangen Praxis seiner Aktivisten ist kaum jemand unkritisch zufrieden. Deshalb will auch niemand dastehen als die Partei, die für BDS die Fahne hochhielt.

Der Aufruf träfe, würde man ihn umsetzen, nicht nur die Regierung sondern ganz Israel.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Umetarek » So 19. Mai 2019, 18:50

imp hat geschrieben:(19 May 2019, 18:48)

Die Bewertungen im Detail variieren aber mit dem Wortlaut des BDS-Aufrufs und der jahrelangen Praxis seiner Aktivisten ist kaum jemand unkritisch zufrieden. Deshalb will auch niemand dastehen als die Partei, die für BDS die Fahne hochhielt.

Der Aufruf träfe, würde man ihn umsetzen, nicht nur die Regierung sondern ganz Israel.

Gut, aber das ist bei jedem Boykott so, oder?
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Zunder » So 19. Mai 2019, 18:56

Umetarek hat geschrieben:(19 May 2019, 18:44)

Zutiefst antisemitisch? Soweit ich das verstehe, geht es gegen die Regierung. Und das die da unten (beidseitig der Grenze) alle nen Hau haben, läßt sich schlecht bestreiten.

Oder hab ich irgendwas Essentielles übersehen?

Das hast du falsch verstanden.

"Das sprechen einige BDS-Vertreter offen aus: „Kein Staat hat das Recht, als rassistischer Staat zu existieren“; „Es ist unmöglich, Israel als jüdischen Staat auf unserem Land zu akzeptieren“ (Omar Barghuti); „Das wirkliche Ziel von BDS ist, den Staat Israel niederzuringen. […] Gerechtigkeit und Freiheit für die Palästinenser sind unvereinbar mit der Existenz des Staates Israel“ (As'ad AbuKhalil); „Israels Existenzrecht als jüdischer Staat ist eins ohne anständige legale oder moralische Abhilfe, dessen Durchsetzung andauerndes schreckliches Unrecht erzwingt, also überhaupt kein Recht“ (Ali Abunimah); „Die Besetzung zu beenden bedeutet gar nichts, wenn es nicht die Beendigung des jüdischen Staates selbst bedeutet“ (Ahmed Moor). Die jüdisch-amerikanische Philosophin Judith Butler verlangt von den Israelis, ihren Einsatz für den jüdischen Staat und ein eigenes Heimatland aufzugeben."
https://de.wikipedia.org/wiki/Boycott,_ ... _Sanctions

BDS ist offen antisemitisch, indem diese Bewegung den Juden das Selbstbestimmungsrecht grundsätzlich abspricht.
Die Heuchelei, es handele sich um Kritik an der Regierung, erweist sich im Endeffekt als klammheimliches Einverständnis.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » So 19. Mai 2019, 18:56

Umetarek hat geschrieben:(19 May 2019, 18:44)

Zutiefst antisemitisch? Soweit ich das verstehe, geht es gegen die Regierung. Und das die da unten (beidseitig der Grenze) alle nen Hau haben, läßt sich schlecht bestreiten.

Oder hab ich irgendwas Essentielles übersehen?


Anscheinend. Die Ziele dieser Organisation werden hier sehr gut zusammengefasst:

Sie bildet die Speerspitze der sogenannten „Israel-Kritik“. Ihre Anhänger geben vor, für die Rechte der Palästinenser einzutreten, gemeint ist aber, dass der Staat Israel, den der BDS als „Apartheidsregime“ bezeichnet, verschwinden soll. Bis es soweit ist, soll Israel politisch, wirtschaftlich und kulturell isoliert werden. Der Gleichklang zum von den Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 in Deutschland ausgerufenen Judenboykott („Kauft nicht bei Juden!“) ist unverkennbar.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ ... 92732.html
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Umetarek » So 19. Mai 2019, 19:01

Vongole hat geschrieben:(19 May 2019, 18:56)

Anscheinend. Die Ziele dieser Organisation werden hier sehr gut zusammengefasst:

Sie bildet die Speerspitze der sogenannten „Israel-Kritik“. Ihre Anhänger geben vor, für die Rechte der Palästinenser einzutreten, gemeint ist aber, dass der Staat Israel, den der BDS als „Apartheidsregime“ bezeichnet, verschwinden soll. Bis es soweit ist, soll Israel politisch, wirtschaftlich und kulturell isoliert werden. Der Gleichklang zum von den Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 in Deutschland ausgerufenen Judenboykott („Kauft nicht bei Juden!“) ist unverkennbar.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ ... 92732.html

Ok, das ist aussagekräftiger, also nicht was du zitiert hast, behaupten läßt sich viel, aber das hier (in deinem Link):

Dass es dem BDS nicht nur, wie immer wieder gebetsmühlenartig behauptet wird, um Kritik an Israel und insbesondere an dessen Regierung geht, zeigen die Aufrufe, gesellschaftliche, wissenschaftliche oder kulturelle Veranstaltungen von oder mit Israelis oder Juden zu boykottieren. Da wird Druck auf Einzelne ausgeübt, bei Festivals abzusagen, zu denen Künstler aus Israel geladen sind, oder Ausstellungen und Konzerte in Israel nicht zu geben. Im Fall von Paul McCartney ging es bis zu Morddrohungen.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Umetarek » So 19. Mai 2019, 19:06

Zunder hat geschrieben:(19 May 2019, 18:56)

Das hast du falsch verstanden.

"Das sprechen einige BDS-Vertreter offen aus: „Kein Staat hat das Recht, als rassistischer Staat zu existieren“; „Es ist unmöglich, Israel als jüdischen Staat auf unserem Land zu akzeptieren“ (Omar Barghuti); „Das wirkliche Ziel von BDS ist, den Staat Israel niederzuringen. […] Gerechtigkeit und Freiheit für die Palästinenser sind unvereinbar mit der Existenz des Staates Israel“ (As'ad AbuKhalil); „Israels Existenzrecht als jüdischer Staat ist eins ohne anständige legale oder moralische Abhilfe, dessen Durchsetzung andauerndes schreckliches Unrecht erzwingt, also überhaupt kein Recht“ (Ali Abunimah); „Die Besetzung zu beenden bedeutet gar nichts, wenn es nicht die Beendigung des jüdischen Staates selbst bedeutet“ (Ahmed Moor). Die jüdisch-amerikanische Philosophin Judith Butler verlangt von den Israelis, ihren Einsatz für den jüdischen Staat und ein eigenes Heimatland aufzugeben."
https://de.wikipedia.org/wiki/Boycott,_ ... _Sanctions

BDS ist offen antisemitisch, indem diese Bewegung den Juden das Selbstbestimmungsrecht grundsätzlich abspricht.
Die Heuchelei, es handele sich um Kritik an der Regierung, erweist sich im Endeffekt als klammheimliches Einverständnis.

Ich bin nur dem Zeit-Link gefolgt und da stand nichts dergleichen, was mich bei den Kommentaren hier etwas verwundert hat. Aber unter diesen Gesichtspunkten, kann ich sie verstehen.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon imp » So 19. Mai 2019, 19:11

Umetarek hat geschrieben:(19 May 2019, 18:50)

Gut, aber das ist bei jedem Boykott so, oder?

Ich bin kein Fan von politisch gemeintem Boykott. Ich kenne mich da auch nicht so aus. Wie schwer es ist, so einen Boykott nicht falsch zu machen, kannst du an der Geschichte des Pax-Christi-Projekts "Besatzung schmeckt bitter" ablesen. Die sagen selbst, dass es keinen Boykott Israels geben dürfe, entschieden sich dann aber, israelische Waren aus den umstrittenen Gebieten kennzeichnen zu wollen. Ich will das nicht auswalzen, das ist ein Thema für 3x. Ich will hier nur sagen: Es lief nicht gut. Verwechslungen und Überschneidungen mit BDS (vielleicht auch manchmal böswillig), einige mehr als ambivalente Statements, einige Bürgermeister, die in Fettnäpfchen traten, jede Menge Unmut in jüdischen Gemeinden in Deutschland, Verbänden, Lokalmedien. Auch die üblichen Zitierzusammenhänge hauten munter drauf. Geht man von lauteren Absichten aus, war es ein einziges Fiasko und hat dem Anliegen, Menschen auf diese Problematik aufmerksam zu machen, eher geschadet. Es hat auch viele entzweit und verunsichert, die vorher über ihre Differenzen, Irrtümer, Vorhalte und Anliegen und gemeinsame Standards wenigstens kultiviert geredet hatten.

Man sollte das so nicht wiederholen. Es war keine gute Idee. Aber bei BDS gibt es weit weniger Ambivalenz. Das war von Anfang an so gemeint, Israel nachhaltig zu delegitimieren.

Ich kann mir vorstellen, dass mein Beitrag einige Kritik hervorruft.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Umetarek » So 19. Mai 2019, 19:34

imp hat geschrieben:(19 May 2019, 19:11)

Ich bin kein Fan von politisch gemeintem Boykott. Ich kenne mich da auch nicht so aus. Wie schwer es ist, so einen Boykott nicht falsch zu machen, kannst du an der Geschichte des Pax-Christi-Projekts "Besatzung schmeckt bitter" ablesen. Die sagen selbst, dass es keinen Boykott Israels geben dürfe, entschieden sich dann aber, israelische Waren aus den umstrittenen Gebieten kennzeichnen zu wollen. Ich will das nicht auswalzen, das ist ein Thema für 3x. Ich will hier nur sagen: Es lief nicht gut. Verwechslungen und Überschneidungen mit BDS (vielleicht auch manchmal böswillig), einige mehr als ambivalente Statements, einige Bürgermeister, die in Fettnäpfchen traten, jede Menge Unmut in jüdischen Gemeinden in Deutschland, Verbänden, Lokalmedien. Auch die üblichen Zitierzusammenhänge hauten munter drauf. Geht man von lauteren Absichten aus, war es ein einziges Fiasko und hat dem Anliegen, Menschen auf diese Problematik aufmerksam zu machen, eher geschadet. Es hat auch viele entzweit und verunsichert, die vorher über ihre Differenzen, Irrtümer, Vorhalte und Anliegen und gemeinsame Standards wenigstens kultiviert geredet hatten.

Man sollte das so nicht wiederholen. Es war keine gute Idee. Aber bei BDS gibt es weit weniger Ambivalenz. Das war von Anfang an so gemeint, Israel nachhaltig zu delegitimieren.

Ich kann mir vorstellen, dass mein Beitrag einige Kritik hervorruft.

Ich sähe in einem Boykott keinen Antisemitismus, über Sinn und Unsinn so einer Aktion läßt sich natürlich diskutieren. Letztendlich haben keinerlei Aktionen irgendeinen Sinn solange auf beiden Seiten die Hardliner das Sagen haben. Aber tatsächlich schaden sie hauptsächlich sich selbst und das steht jedem frei.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » So 19. Mai 2019, 19:41

Umetarek hat geschrieben:(19 May 2019, 19:34)

Ich sähe in einem Boykott keinen Antisemitismus, über Sinn und Unsinn so einer Aktion läßt sich natürlich diskutieren. Letztendlich haben keinerlei Aktionen irgendeinen Sinn solange auf beiden Seiten die Hardliner das Sagen haben. Aber letztendlich schaden sie hauptsächlich sich selbst und das steht jedem frei.


Überleg Dir einfach mal, warum sich diese Boykotte immer gegen den jüdischen Staat richten, aber weder gegen die Türkei, Russland oder China z.B.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Umetarek » So 19. Mai 2019, 19:44

Vongole hat geschrieben:(19 May 2019, 19:41)

Überleg Dir einfach mal, warum sich diese Boykotte immer gegen den jüdischen Staat richten, aber weder gegen die Türkei, Russland oder China z.B.

Es gibt Boykotte gegen den Iran und gegen Rußland und China gab es mit Sicherheit auch schon welche. Von Südafrika oder Nordkorea, wollen wir jetzt nicht reden. Und die Türkei hängt an der langen Leine Europas, was vielleicht nicht ganz falsch war.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon imp » So 19. Mai 2019, 19:45

Umetarek hat geschrieben:(19 May 2019, 19:34)

Ich sähe in einem Boykott keinen Antisemitismus, über Sinn und Unsinn so einer Aktion läßt sich natürlich diskutieren. Letztendlich haben keinerlei Aktionen irgendeinen Sinn solange auf beiden Seiten die Hardliner das Sagen haben. Aber letztendlich schaden sie hauptsächlich sich selbst und das steht jedem frei.

Die Schwierigkeit ist immer, mit irgendwelchen Aktionen tatsächlich mehr zu helfen als Schaden anzurichten. Deshalb setze ich gedanklich lieber bei den Individuen an.

Unter 8. muss es auch mehr darum gehen, wie Menschen und Institutionen in Deutschland sich zum Antisemitismus in Wort und Tat verhalten. Das deutsche Parlament hat sich jetzt zu diesem konkreten Boykott mit dieser ganz klaren Stoßrichtung verhalten. Ich begrüße das. Dass nicht alles shiny ist, konnte man an der Debatte und Abstimmung leider auch ablesen.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » So 19. Mai 2019, 19:48

Umetarek hat geschrieben:(19 May 2019, 19:44)

Es gibt Boykotte gegen den Iran und gegen Rußland und China gab es mit Sicherheit auch schon welche. Von Südafrika oder Nordkorea, wollen wir jetzt nicht reden. Und die Türkei hängt an der langen Leine Europas, was vielleicht nicht ganz falsch war.


Es gibt staatliche Sanktionen, keine Boykotte, mit Ausnahme Südafrikas, als das noch ein Apartheidstaat war.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Umetarek » So 19. Mai 2019, 19:54

Vongole hat geschrieben:(19 May 2019, 19:48)

Es gibt staatliche Sanktionen, keine Boykotte, mit Ausnahme Südafrikas, als das noch ein Apartheidstaat war.

politische, wirtschaftliche oder soziale Ächtung; Ausschluss von den politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen
die werden auch Boykott genannt. Aber du meinst Boykotte, die von nichtstaatliche Gruppen gefordert werden. Nehm ich an. Dass Deutschland (zurecht) als Staat nicht in der Position ist, einen solchen Boykott in Betracht zu fassen, ist vielleicht dafür mitverantwortlich.

Aber es ging um BDS und die sind wohl zurecht von Fördergeldern ausgeschlossen worden.
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