Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Dark Angel » Sa 17. Apr 2021, 12:36

PeterK hat geschrieben:(16 Apr 2021, 18:33)

Ja, die AfD-Heinis nerven mit ihrem Mimimi. Da gebe ich Dir recht. Aber auch das sollte man nicht überbewerten.

Das Mimimi der Salonlinken nervt genauso.
Da nehmen sich beide "Fraktionen" nichts.
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Uffhausen » Sa 17. Apr 2021, 13:13

Dark Angel hat geschrieben:(16 Apr 2021, 18:07)
Nun, viel Lärm um nichts, würde ich so nicht sagen, aber dass Minderheiten sehr viel Lärm um ihre Befindlichkeiten machen schon und dass sich Generation Schneeflocke durch alles und jedes eingeschränkt und diskriminiert fühlt auch.

Leben die Minderheiten nunmehr vielleicht die gleiche Art von vorurteilsbehaftem Misstrauen anderen gegenüber aus, wie sie sie selbst erfahren und lernen mussten - wenn ein Schwarzer kriminell ist, sind alle Schwarzen Kriminelle = wenn ein Weißer rassistisch ist, sind alle Weißen Rassiten? Ist es vielleicht eine ungewollte Ernte, die wir unbewusst gesät haben? Und jene, die du als "Generation Schneeflocke" betitelst, versuchen nur mittels fanatischer Schuldsuche und -zuweisung die ungewollte Ernte sinnvoll und langfristig zu verwerten (anstatt sie der Einfachheit halber zu vernichten)?

Ich meine damit, gibt es vielleicht noch eine andere Erklärungsmöglichkeit = fern von identitärem Tugendterror oder linkem Lifestyle?

Ansonsten fiele mir nur noch ein, dass Angehörige von Minderheiten nicht weniger Mensch sind, als Angehörige von Mehrheiten - und somit niemand weniger zum menschlichen Arschloch mutieren könne ganz unabhängig bestimmter Voraussetzungen = zu Realschulzeiten hatte ich einen schwulen Freund in der Clique, der aufgrund seiner Homosexualität das größte Mobbing-Opfer der Schule darstellte. Als jedoch eine neue Schülerin in unsere Klasse kam, die stark abstehende und noch dazu sehr große Ohren hatte, entpuppte er sich als ein ebensolches menschliches Arschloch, wie jene, die ihn aufgrund seines Schwulseins anfeindeten. Für mich ist seither klar, dass "Anderssein" nicht automatisch bedeutet, man ist auch ein "besserer" Mensch.

Man sollte die Menschen als das betrachten, was sie tatsächlich sind und immer sein werden: als MENSCHEN. Alles, was sie zu Minderheiten macht (= Sexualität, Hautfarbe, Nationalität, Glauben usw.), sind im Grunde nur unbedeutende "Accessoires".
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Dark Angel » Sa 17. Apr 2021, 17:26

Uffhausen hat geschrieben:(17 Apr 2021, 13:13)

Leben die Minderheiten nunmehr vielleicht die gleiche Art von vorurteilsbehaftem Misstrauen anderen gegenüber aus, wie sie sie selbst erfahren und lernen mussten - wenn ein Schwarzer kriminell ist, sind alle Schwarzen Kriminelle = wenn ein Weißer rassistisch ist, sind alle Weißen Rassiten? Ist es vielleicht eine ungewollte Ernte, die wir unbewusst gesät haben? Und jene, die du als "Generation Schneeflocke" betitelst, versuchen nur mittels fanatischer Schuldsuche und -zuweisung die ungewollte Ernte sinnvoll und langfristig zu verwerten (anstatt sie der Einfachheit halber zu vernichten)?

Ich meine damit, gibt es vielleicht noch eine andere Erklärungsmöglichkeit = fern von identitärem Tugendterror oder linkem Lifestyle?


Ich denke schon, dass es da durchus andere Erklärungsansätze gibt, die nicht zwingend mit Tugendterror und linkem Lifestyle in Verbindung stehen, einer davon wäre, dass es sich um so genannte 1.Weltprobleme handelt um reine Wohlstandsprobleme.
Es sind Probleme einer Generation, die selbst keine existenziellen Krisen, Bedrohungen erlebt hat, die dergleichen nur aus den Medien und/oder sozialen Netzwerken kennt, Probleme einer Minderheit, die behütet bzw überbehütet aufgewachsen ist bzw aufwächst, von der alle Schwierigkeiten fern gehalten und die von allen schwierigen Entscheidungen entbunden worden ist, eine Generation bzw eine Minderheit in einer Generation, die gelernt (der suggeriert worden ist), dass sich alles nur um sie und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse und Erfüllung ihrer Wünsche geht - vorwiegend junge und sehr junge Menschen, die mit den Anforderungen des Lebens überfordert sind.

"Es geht nur noch um Gefühle. Erinnern Sie sich noch an den Song der 1970er Jahre: „Feelings, nothing more than feelings“? Wir sind in einer Gesellschaft angekommen, in der Gefühle mehr gelten, als Fakten. Meine Gefühle sind verletzt und anstatt mich zusammen zu reißen, tröste ich mich damit, diejenigen, die mir so etwas angetan haben, als Untermenschen anzusehen, die meine Zeit nicht wert sind. Das Problem ist nur, dass mit dem Fokus auf Gefühle die Logik am Ende verdunstet und der Scheinheiligkeit Tür und Tor geöffnet werden. Eine frustrierende Entwicklung.
Die sozialen Medien haben da sicher keinen geringen Anteil. Facebook kam in die Welt, als der Gründer Mark Zuckerberg ein Programm zur Bewertung der Attraktivität seiner Kommilitonen an der Harvard University schrieb. Für viele ist Facebook das Werkzeug, mit Familienmitgliedern in der ganzen Welt, alten Freunden und Kollegen über ein Netzwerk Kontakt aufzunehmen und zu halten. Die hässliche Kehrseite von Facebook und Twitter ist allerdings, dass die große Mehrheit ihrer Nutzer sich als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit geriert, die jedermann zusetzen und mobben, der mit ihrem Weltbild nicht übereinstimmt."
Quelle


Hier passt auch die Theorie von den Mikroaggressionen sehr gut hinein.

"Vorurteile und Rassismus können auch in scheinbar harmlosen, oft gar nicht böse gemeinten Äußerungen stecken. Dafür hat sich der Begriff der Mikroaggression etabliert. Ein Psychologe plädiert nun dafür, den schwammigen Begriff abzuschaffen.
Sue beschreibt damit Mikrobeleidigungen oder -entwertungen, die die Identität des Gegenübers nicht ausreichend wertschätzen und denen es an Feinfühligkeit mangelt. Meist stecke nicht einmal eine böse Absicht dahinter bzw. sei die Äußerung eigentlich sogar nett gemeint.
Die aktuelle Kritik Lilienfelds zielt jedoch in eine andere Richtung. Ihm geht es nicht um die gesellschaftlichen Folgen, sondern um den Begriff bzw. das wissenschaftliche Konzept dahinter. Vor allem dessen Grundlagen stehen auf recht schwachen Beinen, meint er nach der Überprüfung der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur zum Thema.
Generell sei der Begriff sehr vage, im Extremfall sogar völlig subjektiv, schreibt Lilienfeld. So liegt laut Sue et al. Mikroaggression im Auge des Betrachters. „Wie aber kann etwas als aggressiv gelten, wenn es nicht ein gewisses Maß an Konsens darüber gibt, und zwar unter unabhängigen Beobachtern?“ fragt nun Lilienfeld."
Quelle


Womit wir dann allerdings doch wieder beim Tugendteror wären - tja.
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Antonius » Sa 17. Apr 2021, 18:08

Dark Angel hat geschrieben:(17 Apr 2021, 17:26)

Ich denke schon, dass es da durchus andere Erklärungsansätze gibt, die nicht zwingend mit Tugendterror und linkem Lifestyle in Verbindung stehen, einer davon wäre, dass es sich um so genannte 1.Weltprobleme handelt um reine Wohlstandsprobleme.
Es sind Probleme einer Generation, die selbst keine existenziellen Krisen, Bedrohungen erlebt hat, die dergleichen nur aus den Medien und/oder sozialen Netzwerken kennt, Probleme einer Minderheit, die behütet bzw überbehütet aufgewachsen ist bzw aufwächst, von der alle Schwierigkeiten fern gehalten und die von allen schwierigen Entscheidungen entbunden worden ist, eine Generation bzw eine Minderheit in einer Generation, die gelernt (der suggeriert worden ist), dass sich alles nur um sie und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse und Erfüllung ihrer Wünsche geht - vorwiegend junge und sehr junge Menschen, die mit den Anforderungen des Lebens überfordert sind.

"Es geht nur noch um Gefühle. Erinnern Sie sich noch an den Song der 1970er Jahre: „Feelings, nothing more than feelings“? Wir sind in einer Gesellschaft angekommen, in der Gefühle mehr gelten, als Fakten. Meine Gefühle sind verletzt und anstatt mich zusammen zu reißen, tröste ich mich damit, diejenigen, die mir so etwas angetan haben, als Untermenschen anzusehen, die meine Zeit nicht wert sind. Das Problem ist nur, dass mit dem Fokus auf Gefühle die Logik am Ende verdunstet und der Scheinheiligkeit Tür und Tor geöffnet werden. Eine frustrierende Entwicklung.
Die sozialen Medien haben da sicher keinen geringen Anteil. Facebook kam in die Welt, als der Gründer Mark Zuckerberg ein Programm zur Bewertung der Attraktivität seiner Kommilitonen an der Harvard University schrieb. Für viele ist Facebook das Werkzeug, mit Familienmitgliedern in der ganzen Welt, alten Freunden und Kollegen über ein Netzwerk Kontakt aufzunehmen und zu halten. Die hässliche Kehrseite von Facebook und Twitter ist allerdings, dass die große Mehrheit ihrer Nutzer sich als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit geriert, die jedermann zusetzen und mobben, der mit ihrem Weltbild nicht übereinstimmt."
Quelle


Hier passt auch die Theorie von den Mikroaggressionen sehr gut hinein.

"Vorurteile und Rassismus können auch in scheinbar harmlosen, oft gar nicht böse gemeinten Äußerungen stecken. Dafür hat sich der Begriff der Mikroaggression etabliert. Ein Psychologe plädiert nun dafür, den schwammigen Begriff abzuschaffen.
Sue beschreibt damit Mikrobeleidigungen oder -entwertungen, die die Identität des Gegenübers nicht ausreichend wertschätzen und denen es an Feinfühligkeit mangelt. Meist stecke nicht einmal eine böse Absicht dahinter bzw. sei die Äußerung eigentlich sogar nett gemeint.
Die aktuelle Kritik Lilienfelds zielt jedoch in eine andere Richtung. Ihm geht es nicht um die gesellschaftlichen Folgen, sondern um den Begriff bzw. das wissenschaftliche Konzept dahinter. Vor allem dessen Grundlagen stehen auf recht schwachen Beinen, meint er nach der Überprüfung der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur zum Thema.
Generell sei der Begriff sehr vage, im Extremfall sogar völlig subjektiv, schreibt Lilienfeld. So liegt laut Sue et al. Mikroaggression im Auge des Betrachters. „Wie aber kann etwas als aggressiv gelten, wenn es nicht ein gewisses Maß an Konsens darüber gibt, und zwar unter unabhängigen Beobachtern?“ fragt nun Lilienfeld."
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Womit wir dann allerdings doch wieder beim Tugendteror wären - tja.
Danke für diese ausführliche Information.
Ich muß zugeben, daß ich diese Sichtweise (in dieser Form) bisher noch nicht kannte.
Umso wichtiger ist sie für mich.
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Uffhausen » So 18. Apr 2021, 14:56

Dark Angel hat geschrieben:(17 Apr 2021, 17:26)
Ich denke schon, dass es da durchus andere Erklärungsansätze gibt, die nicht zwingend mit Tugendterror und linkem Lifestyle in Verbindung stehen, einer davon wäre, dass es sich um so genannte 1.Weltprobleme handelt um reine Wohlstandsprobleme.

Tugendterror und Lifestyle-Linke sind doch das Produkt von Wohlstandproblematik. Damit kann man so vieles erklären: Nenne die Rechtspopulisten dieser Zeit einfach in Lifestyle-Rechte um und schwubbs ist die Existenz und Stärke der AfD eines reines Wohlstandsproblem. Ebenso Fridays For Future, Querdenker, Metoo, Black Lives Matter usw. Wohlstandsproblematik findet man doch überall dort vor, wo einem unverzüglich nur folgende Frage zu einfällt: Haben wir denn sonst keine Probleme?

Wobei auffällig ist, dass der Kern aller Wohlstandsprobleme eigentlich nicht von der Hand zu weisen ist: Wirtschaftsflucht, Sexismus, Rassismus, Menschenrechtsverletzung, Umweltzerstörung usw. Dass diese Kerne nicht von jedermensch ernstgenommen werden (können!) dürfte wiederum darin begründet liegen, dass sie vernehmlich von jungen Menschen wie "Trends" (bspw. Vorsetzen von Hashtags) behandelt und inszeniert werden. Diese Trends werden dann wieder entweder vollkommen dramatisiert oder vollkommen verharmlost, woraus sich neue Konflikte entwickeln und neue (wohlstands-)Probleme entstehen: Zensur, Demokratiegefährdung, Verschwörungsdenken usw.

Es sind Probleme einer Generation, die selbst keine existenziellen Krisen, Bedrohungen erlebt hat, die dergleichen nur aus den Medien und/oder sozialen Netzwerken kennt,...

Seit einem Jahr durchleben wir ja eine weltweite Krise/Bedrohung, die nicht nur existenz- sondern auch lebensgefährlich ist. Aber es ist nicht dasselbe wie Krieg, Hunger oder Erdbeben & Co.

Schade, dass Corona kein Internetvirus ist. Stell' dir mal vor, was dann los wäre! :D Obwohl das wiederum auch ein reines Wohlstandsproblem wäre, würde es defintiv die Welt verändern und nachhaltigen Eindruck auf die jüngeren Generationen machen. Und bestimmt nicht im negativen Sinne.

...junge und sehr junge Menschen, die mit den Anforderungen des Lebens überfordert sind.

Ich weiß nicht - überfordert? Von was? Vom zunehmenden Nichtüberfordertseinmüssen? :s

Was meinst du damit - in den heutigen Zeiten? Es gibt doch für alles und jeden zig Handy-Apps, diverse Youtube-Videos und wenn's gar nicht mehr anders geht, kann man sich alternativ in der unzähligen Filterblasen der sozialen Medien zurückziehen...

Klar, das Leben ist nicht nur vom Internet abhängig, aber selbiges wird dennoch eine immer stärker wachsende Voraussetzung dafür. Das habe ich persönlich schon tw. schmerzhaft erfahren müssen - ich bin kein Freund von sozialen Medien und werde es niemals werden. Aber genau deshalb habe ich schon einige liebe Freunde verloren, weil schlicht kein realer (also unabhängig vom Internet) Kontakt mehr möglich ist.

"Es geht nur noch um Gefühle. [...]
Die sozialen Medien haben da sicher keinen geringen Anteil. [...]

Das grundlegende Problem mit den sozialen Medien ist doch, dass sie nicht mehr das sind, wofür sie eigentlich mal gedacht waren. Es geht nicht mehr um zeit- und ortsunabhängige Kommunikation, sondern um geld- und machtfördernde Wirtschaftlichkeit.

Wenn bspw. ein Politiker die persönlichen Daten seiner Wähler an die Werbeindustrie verscherbeln würde und dadurch sein privates Konto aufbessert, wäre das für die Gesellschaft ein Skandal sondersgleichen; das ganze politische System würde in Frage gestellt werden.
Wenn ein Mark Zuckerberg die persönlichen Daten seiner Facebook-Nutzer an die Werbeindustrie verscherbelt und dadurch in die Riege der Multimilliardäre (2021: 111,6 Milliarden USD) aufsteigt, interessiert das nicht mal die Politik so wirklich.

Die kürzliche "Maskenaffäre" bei CDU/CSU ist einfach nur ein Witz im Vergleich zu dem, was Mark Zuckerberg und andere abziehen. Aber das sind halt alles keine Politiker. Darum "dürfen" die "das". Und jene Menschen, die es ihnen im Prinzip gleichtun (= Influencer), sind die neuen gesellschaftlichen Vorbilder. Interessant ist hier die Person Donald Trump = ein Star aus den sozialen Medien im weißen Haus. Dass er tatsächlich Mitglied einer menschenverachtenden und realitätsfernen Geld- und Wirtschaftselite ist, wurde irrelevant, eben weil seine rege Nutzung von sozialen Medien ihn umso "volksnäher" wirken ließ.

Hier passt auch die Theorie von den Mikroaggressionen sehr gut hinein.

[...]

Womit wir dann allerdings doch wieder beim Tugendteror wären - tja.

Mein Gott, mit was sich die Wissenschaft alles beschäftigt... :? Ich bin sehr dafür, dass mensch sich Gedanken macht - aber ich bin dagegen, dass mensch immer wieder meint, Gedanken auch bestimmen zu müssen... :dead:

Wir haben eine indonesische Kollegin, die aufgrund ihres Teints "Mogli" genannt wird. Ich selbst nenne sie aufgrund ihrer asiatischen Herkunft auch oft "Ob-ala-" (Obstsalat); bedient habe ich mich eines Sketches von der Comedienne Daphne de Luxe. Diese Kollegin würde jedermensch was husten, der ihr gegenüber behaupten würde, sie ließe sich diesbezüglich rassistisch beleidigen. Entsprechend ihrer Herkunft verfügt sie nämlich auch über ein ungeheures, fast schon beneidenswertes Temperament... :thumbup:

Mit Mikrobeleidigungen düfte es so ein, wie mit der Nadel im Heuhaufen - man muss sie erstmal finden. Tugendterror wäre geboten, wenn nachträglich eine Nadel in einen Heuhaufen versteckt werden würde - damit es überhaupt was zu suchen und zu finden gibt.
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Stoner » So 18. Apr 2021, 15:18

Uffhausen hat geschrieben:(18 Apr 2021, 14:56)


Mit Mikrobeleidigungen düfte es so ein, wie mit der Nadel im Heuhaufen - man muss sie erstmal finden.


Eins der Gebote der Identitätspolitik lautet: Du sollst beleidigt sein!
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Skeptiker » So 18. Apr 2021, 15:22

Hier ein paar recht passende Lesetipps:
Was war der Holocaust? Wenn bei Linken im Umgang mit der Geschichte alle Hemmungen fallen

https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 98851.html

Grüner Widerstand gegen „identitären Fundamentalismus“ im eigenen Lager
Nach der „Indianerhäuptling“-Kontroverse bei den Berliner Grünen rechnet eine neue Partei-Initiative mit der „Pervertierung“ richtiger Grundansätze ab: Identitätspolitik schlage um in „Selbstgerechtigkeit, Selbsterhöhung und neue Denkverbote“.

https://www.welt.de/politik/deutschland ... ismus.html

Das zeigt nochmal, wie stark verwoben auch die "Woke"-Denke schon in Deutschland ist. Es ist daher auch kein Zufall, dass das Thema "Kolonialismus" hier breit andiskutiert wurde. Es gehört zur DNA des Woke-Aktivismus.
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Ebiker » So 18. Apr 2021, 15:24

Stoner hat geschrieben:(18 Apr 2021, 15:18)

Eins der Gebote der Identitätspolitik lautet: Du sollst beleidigt sein!


Wie grad in Frankreich, da hat sich doch ein Wasserabfüller erlaubt ausgerechnet am Beginn des Ramadan damit zu werben Waser zu trinken. Die üblichen Berufsempörten meldeten sich und die Entschuldigung folgte. Was die anderen Empörten herbeirief.
Folgen sie den Anweisungen
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon odiug » So 18. Apr 2021, 15:38

Skeptiker hat geschrieben:(18 Apr 2021, 15:22)

Hier ein paar recht passende Lesetipps:

https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 98851.html


https://www.welt.de/politik/deutschland ... ismus.html

Das zeigt nochmal, wie stark verwoben auch die "Woke"-Denke schon in Deutschland ist. Es ist daher auch kein Zufall, dass das Thema "Kolonialismus" hier breit andiskutiert wurde. Es gehört zur DNA des Woke-Aktivismus.

Und zur DNA von ahistorischen Dummschwätzern gehört es zu sagen: "es war nicht alles schlecht".
Das ist "Autobahn" :rolleyes:
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Stoner » So 18. Apr 2021, 15:59

Ebiker hat geschrieben:(18 Apr 2021, 15:24)

Wie grad in Frankreich, da hat sich doch ein Wasserabfüller erlaubt ausgerechnet am Beginn des Ramadan damit zu werben Waser zu trinken. Die üblichen Berufsempörten meldeten sich und die Entschuldigung folgte. Was die anderen Empörten herbeirief.


Da war Danone halt nicht woke.
Wobei mir auffällt: Woke reimt sich ja auf Joke. Ob das was bedeutet?
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Dark Angel » So 18. Apr 2021, 16:54

Uffhausen hat geschrieben:(18 Apr 2021, 14:56)

Tugendterror und Lifestyle-Linke sind doch das Produkt von Wohlstandproblematik. Damit kann man so vieles erklären: Nenne die Rechtspopulisten dieser Zeit einfach in Lifestyle-Rechte um und schwubbs ist die Existenz und Stärke der AfD eines reines Wohlstandsproblem. Ebenso Fridays For Future, Querdenker, Metoo, Black Lives Matter usw. Wohlstandsproblematik findet man doch überall dort vor, wo einem unverzüglich nur folgende Frage zu einfällt: Haben wir denn sonst keine Probleme?

Sicher sind Tugendterror und Lifestyle-Linke ein Produkt der Wohlstandsgesellschaft - nicht der Wohlstandsproblematik - weil wir sonst keine Probleme haben und ja FFF ist genauso ein Produkt der Wohlstandsgesellschaft, eben weil die sonst keine Sorgen haben. Die protestieren gegen die technischen Errungenschaften, die ihnen diesen Wohlstand erst ermöglichen. Gleiches gilt für Meetoo und in gewisser Weise auch für Black Lives Matter - es geht darum sich in den Vordergrund zu drängen, Aufmerksamkeit zu erlangen - nicht indem man etwas Besonderes geleistet hat - nein, indem man sich auf's hohe moralische Ross setzt und anderen vorschreibt/vorschreiben will, was die zu tun, zu sagen und zu denken haben.

Uffhausen hat geschrieben:(18 Apr 2021, 14:56)Wobei auffällig ist, dass der Kern aller Wohlstandsprobleme eigentlich nicht von der Hand zu weisen ist: Wirtschaftsflucht, Sexismus, Rassismus, Menschenrechtsverletzung, Umweltzerstörung usw. Dass diese Kerne nicht von jedermensch ernstgenommen werden (können!) dürfte wiederum darin begründet liegen, dass sie vernehmlich von jungen Menschen wie "Trends" (bspw. Vorsetzen von Hashtags) behandelt und inszeniert werden. Diese Trends werden dann wieder entweder vollkommen dramatisiert oder vollkommen verharmlost, woraus sich neue Konflikte entwickeln und neue (wohlstands-)Probleme entstehen: Zensur, Demokratiegefährdung, Verschwörungsdenken usw.

Zunächst mal: der Begriff lautet jedermann und wem der aus irgendwelchen verschwurbelten Gründen nicht passt, möge das "mann" weglassen und schlicht von "jeder" sprechen - einen Begriff jedermensch als Indefinitpronomen gibt es nicht!
Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung, Sexismus etc sind eher nicht Wohlstandsprobleme, sondern Probleme von Schwellen- und Enticklungsländern.
Und wieder ist es das Problem der Wohlstandgesellschaft - allen voran die jungen gesinnungsethischen Weltverbesserer, die die dringenden Probleme nicht sehen, gar nicht sehen wollen, denn dann müssten sie ja Verantwortungs- und Handlungsethik entwickeln und dazu müssten sie von dem moralischen Sockel, den sie sich selbst errichtet haben, herunter steigen.

Uffhausen hat geschrieben:(18 Apr 2021, 14:56)Seit einem Jahr durchleben wir ja eine weltweite Krise/Bedrohung, die nicht nur existenz- sondern auch lebensgefährlich ist. Aber es ist nicht dasselbe wie Krieg, Hunger oder Erdbeben & Co.

Schade, dass Corona kein Internetvirus ist. Stell' dir mal vor, was dann los wäre! :D Obwohl das wiederum auch ein reines Wohlstandsproblem wäre, würde es defintiv die Welt verändern und nachhaltigen Eindruck auf die jüngeren Generationen machen. Und bestimmt nicht im negativen Sinne.

Sorry, aber Covid19 ist weder eine Krise, noch eine Bedrohung, sondern eine Krankheit, gegen die wir noch keine Grundimmunität entwickelt haben und sie ist bei weitem nicht so tödlich, wie die so genannte spanische Grippe 1918/1919.
Das eigentliche Problem sind die Angst und Panik, die geschürt werden.
Wenn Covid19 ein Internetvirus wäre, würden wir 1-2-fix in der Steinzeit landen, weil dann weder Stromversorgung, Notfalleitstellen, noch Krankenhäuser oder Personenfern- und Nahverkehr funktionieren würden.
Es gibt da einen Roman der nennt sich "Rattentanz", in dem wird ein genau solches Szenario (Internetvirus) und seine Folgen beschrieben und ich kann diesen mit Sicherheit gar nichts Positives abgewinnen!

Uffhausen hat geschrieben:(18 Apr 2021, 14:56)
Ich weiß nicht - überfordert? Von was? Vom zunehmenden Nichtüberfordertseinmüssen? :s

Sorry, wenn du nicht weißt wie und wovon die jungen Generationen üerfordert sind, wenn du nicht weißt was mit !Anforderungen des Lebens gemeint ist, offensichtlich noch nichts von Helicoptereltern gehört hast, können wir die Diskussion an dieser Stelle abbrechen ...
...weil du dann auch nicht verstehst, was in un mit den verlinkten Artikeln ausgedrückt wird und werden soll
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon tarkomed » So 18. Apr 2021, 18:24

Dark Angel hat geschrieben:(18 Apr 2021, 16:54)

Sicher sind Tugendterror und Lifestyle-Linke ein Produkt der Wohlstandsgesellschaft - nicht der Wohlstandsproblematik - weil wir sonst keine Probleme haben und ja FFF ist genauso ein Produkt der Wohlstandsgesellschaft, eben weil die sonst keine Sorgen haben. Die protestieren gegen die technischen Errungenschaften, die ihnen diesen Wohlstand erst ermöglichen. Gleiches gilt für Meetoo und in gewisser Weise auch für Black Lives Matter - es geht darum sich in den Vordergrund zu drängen, Aufmerksamkeit zu erlangen - nicht indem man etwas Besonderes geleistet hat - nein, indem man sich auf's hohe moralische Ross setzt und anderen vorschreibt/vorschreiben will, was die zu tun, zu sagen und zu denken haben.

Puh, das ist jetzt aber harter Tobak. Das dürfen meine Kinder nicht lesen, da würden meine Kommentare deiner Texte wie Streicheleinheiten wirken…
Gib dich nicht so, dass alle andern dich für etwas halten, was du nicht sein willst.
Wenn sie es trotzdem tun, dann bist du es...
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Billie Holiday » So 18. Apr 2021, 21:13

tarkomed hat geschrieben:(18 Apr 2021, 18:24)

Puh, das ist jetzt aber harter Tobak. Das dürfen meine Kinder nicht lesen, da würden meine Kommentare deiner Texte wie Streicheleinheiten wirken…


Hatten die denn schon mal schwerwiegende Probleme außerhalb Familiärem oder Schule?
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Uffhausen » So 18. Apr 2021, 22:44

Dark Angel hat geschrieben:(18 Apr 2021, 16:54)
Sicher sind Tugendterror und Lifestyle-Linke ein Produkt der Wohlstandsgesellschaft - nicht der Wohlstandsproblematik...

Ein Produkt der Wohlstandsgesellschaft wäre für mich etwas, was man gar nicht braucht - was man aber erschafft, damit einen die Langweile nicht überkommt = z. B. selbsteinkaufende Haushaltsgeräte. Im Grunde zählt für mich da alles dazu, wo menschliches Handeln durch technischen Fortschritt ersetzt wird. Das ist falscher Luxus: Nicht mehr arbeiten müssen, nicht mehr denken müssen, nichts mehr sagen müssen... Aber das kann man so oder so sehen. Die menschliche Bequemlichkeit kennt keine Grenzen.

Ein Produkt der Wohlstandsprobleme ist für mich eben eine jener schon erwähnten Gruppierungen - die sich und anderen Probleme einreden, welche sie aber tatsächlich gar nicht haben, weil es sie nicht persönlich betrifft = z. B. wie Schuld am Nationalsozialismus aufgrund des Umstands, dass man Deutsche/r ist oder Schuld am Kolonialismus aufgrund des Umstands, dass man weißer Hautfarbe ist. In meinen Augen wird hier fatalerweise Schuld mit Verantwortung verwechselt. Ob hier immer Absicht unterstellt werden kann, sei mal dahingestellt.

Zunächst mal: der Begriff lautet jedermann und wem der aus irgendwelchen verschwurbelten Gründen nicht passt, möge das "mann" weglassen und schlicht von "jeder" sprechen - einen Begriff jedermensch als Indefinitpronomen gibt es nicht!

:eek: Heeeeee - Sonntags ist keine Schule!!! :mad2:

Es gibt da einen Roman der nennt sich "Rattentanz", in dem wird ein genau solches Szenario (Internetvirus) und seine Folgen beschrieben und ich kann diesen mit Sicherheit gar nichts Positives abgewinnen!

Ich kenne den Roman nicht. Meinem Verständnis nach basiert unser jetziger Wohlstand auf eben jenen internetlosen ("Stein"-)Zeiten. Hätte es jene nicht gegeben, wären heute nicht da, wo wir jetzt sind. Viele, besonders junge Leute, tun so, als wäre ein Leben ohne Internet nicht möglich - nur, weil sie es nicht anders kennen. Diese Lebenseinstellung macht uns angreif- und verwundbar. Wer sagt denn, dass der nächste Krieg "steinzeitlich", via Gewehren, Panzer & Bomben stattfindet? Es geht heutzutage doch viel einfacher/billiger = bspw. durch eines Internetvirus. Wären wir darauf vorbereitet?

Sorry, wenn du nicht weißt wie und wovon die jungen Generationen üerfordert sind, wenn du nicht weißt was mit !Anforderungen des Lebens gemeint ist, offensichtlich noch nichts von Helicoptereltern gehört hast, können wir die Diskussion an dieser Stelle abbrechen ...

Nein, woher soll ich denn auch wissen, wie und wovon die heutigen jungen Generationen überfordert sind? Ich kenne einige junge Menschen und kann vielleicht auch ganz gut beurteilen, an was den denen mangelt usw. = aber: Wie soll ich deswegen ein allgemeines Urteil für die Gesamtheit der jungen Generation daraus bilden können?

Ich weiß, was die Anforderungen MEINES Lebens bislang waren und momentan sind = aber kann ich das einfach so bedenkenlos auf andere, nachfolgende Generationen übertragen? Sind die Anforderungen deines Leben den auch die meinen? Würdest du konkreter werden, könnten wir uns ja mal vergleichen.

Ja, von "Helikoptereltern" habe ich schon gehört, mich damit aber noch nicht tiefgründig auseinandergesetzt. Ich könnte dir jetzt viel aus meiner Kindheit mit alleinerziehendem Vater und Anfeindungen seitens Mütter aus der Nachbarschaft, persönlichen Beobachtungen und Gesprächen erzählen - alles, was eben in diese Richtung zielt. ich weiß aber nicht, was das bringen soll. Für mich kommt da ein höchst komplexes Bild zustande, welches ich nur in eigenen Worten interpretieren kann. Ob du dann was damit anfangen kannst, ob du verstehen kannst und willst, das wäre ausschlaggebend.

...weil du dann auch nicht verstehst, was in un mit den verlinkten Artikeln ausgedrückt wird und werden soll

:rolleyes: Ich verstehe es durchaus, meine Liebe.

Von entscheidender Bedeutung ist aber, dass jene, über die in deinen Links geschrieben wird, sich diesbezüglich überhaupt erstmal angesprochen fühlen. Über junge Menschen zu urteilen ist das einfachste der Welt. Sich bei ihnen Gehör zu verschaffen ist dagegen eine Mammutaufgabe.
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 19. Apr 2021, 09:43

Keoma hat geschrieben:(12 Apr 2021, 15:58)

Nun, ich finde, Englisch ist eine schwere Sprache.
Die musste ich erst lernen, Deutsch konnte ich schon als Kind.


Ja, ich gebe dir ja auch dieser implizit vermittelten Botschaft recht: Wenn es irgendetwas basal zu einer Gemeinschaft Verbindendes im Menschentum gibt, dann ist es die Muttersprache. Wir denken in der Muttersprache. Nationen sind wortwörtlich "Geburtsgemeinschaften". Sie sind dann im 19. Jahrhundert eigentlich erst im modernen Sinne das geworden, was man heute darunter versteht. Nie und nimmer hätten sich noch kurz davor Herrscherdynastien in ein und derselben "Geburtsgemeinschaft" gesehen mit den abhängigen Bauern oder steuerpflichtigen Bürgern, auch wenn sie aus derselben ethnischen Gemeinschaft kommen.

Aber Sprachgemeinschaften ... die gibt es tatsächlich. Die Sprache zeichnet dabei einfach historische und sozialgemeinschaftliche Prozesse nach. Dass im Ö-Deutsch Mais Kukuruz und Aprikosen Marillen heißen ... hat einfach damit zu tun, dass im Donau-Raum Agrarprodukte eher von der ansässigeren slawischsprachigen Bevölkerung kultiviert wurden. Daher der armenische Apfel und das Korn der Kuruzzen.
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Keoma » Mo 19. Apr 2021, 09:50

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Apr 2021, 09:43)

Ja, ich gebe dir ja auch dieser implizit vermittelten Botschaft recht: Wenn es irgendetwas basal zu einer Gemeinschaft Verbindendes im Menschentum gibt, dann ist es die Muttersprache. Wir denken in der Muttersprache. Nationen sind wortwörtlich "Geburtsgemeinschaften". Sie sind dann im 19. Jahrhundert eigentlich erst im modernen Sinne das geworden, was man heute darunter versteht. Nie und nimmer hätten sich noch kurz davor Herrscherdynastien in ein und derselben "Geburtsgemeinschaft" gesehen mit den abhängigen Bauern oder steuerpflichtigen Bürgern, auch wenn sie aus derselben ethnischen Gemeinschaft kommen.

Aber Sprachgemeinschaften ... die gibt es tatsächlich. Die Sprache zeichnet dabei einfach historische und sozialgemeinschaftliche Prozesse nach. Dass im Ö-Deutsch Mais Kukuruz und Aprikosen Marillen heißen ... hat einfach damit zu tun, dass im Donau-Raum Agrarprodukte eher von der ansässigeren slawischsprachigen Bevölkerung kultiviert wurden. Daher der armenische Apfel und das Korn der Kuruzzen.


Kennst du das, "Kruzitürken"?
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 19. Apr 2021, 09:51

Keoma hat geschrieben:(19 Apr 2021, 09:50)

Kennst du das, "Kruzitürken"?

Das ist bestimmt voll rassisitisch, da müsste man mal einen Erweckten fragen :?:
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Keoma » Mo 19. Apr 2021, 10:13

Tom Bombadil hat geschrieben:(19 Apr 2021, 09:51)

Das ist bestimmt voll rassisitisch, da müsste man mal einen Erweckten fragen :?:

Natürlich ist es rassistisch, aber nach wie vor ein beliebter Fluch.
Eine Alternative, wenn man keine heiligen Worte beim Fluchen in den Mund nehmen will.
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 19. Apr 2021, 10:42

Keoma hat geschrieben:(19 Apr 2021, 09:50)

Kennst du das, "Kruzitürken"?


Natürlich ...

Es gibt für die Reaktion auf Rassismus und für die Aufarbeitung etwa auch einer kolonalistischen Vergangenheit zwei unterschiedliche Antworten: "Identität" und "Diversität". Die neu erwachte Identität lehne ich persönlich kategorisch ab. Auch wenn es sich um eine Identität Unterdrückter oder früher Unterdrückter handelt.

"Diversität" bzw. "Diversitätspolitik" ist für mich anders, positiv konnotiert.

In einem sehr berühmten und renommierten Opern-Haus ... der Pariser Oper nämlich .. läuft derzeit ein Programm der diversitätspolitischen Neuaufstellung. Klassische Opern wie etwa Aida, Otello oder Turandot sind geprägt von einer bestimmten Weltsicht der damals, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägenden globalen Weltmächte. Frankreich, Italien, UK, Deutschland. Der seit 2020 amtierende deutsche Intendant Alexander Neef will die einfach historisierende Aufführungspraxis aufbrechen. Und er hat Recht damit! Der Opernbesucher 2021 ist nicht einfach ein Zeitreisender ins 19. Jahrhundert. Sondern ein Zeitgenosse von heute. Und auch die Musiker und Darsteller sind nicht irgendwie lebendig gemachte Mumien sondern Zeitgenossen von heute.

In einer Neufführung von "Aida" an der Pariser Oper wird diese äthiopische Prinzessin als Puppe dargestellt, die von entsprechenden Schauspielern bewegt wird. Die ziemlich konservative NZZ spricht von "skurrilen Blüten". Ich finde diesen Ansatz ziemlich genial. Der historische Kontext gehört in zeitgenössischen Aufführungen aufgebrochen, neu durchdacht, neu interpretiert.
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Re: Woke: Befreiung von Rassismus, oder identitärer Tugendterror?

Beitragvon Uffhausen » Mo 19. Apr 2021, 11:43

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Apr 2021, 10:42)
Der Opernbesucher 2021 ist nicht einfach ein Zeitreisender ins 19. Jahrhundert. Sondern ein Zeitgenosse von heute.

Hm. Das wäre dann doch schon nicht mehr "divers", sondern "identitär". Ich meine, es wird über Menschen ein ganz bestimmtes Urteil gefällt, welches einer ganz bestimmten Betrachtungsweise zugrunde liegt.
"Man kann auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen." Erich Kästner

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