Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

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Corella
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon Corella » Mi 3. Feb 2021, 06:38

X3Q hat geschrieben:(02 Feb 2021, 18:01)

Sequenzanalysen. Aus Schuppertieren wurden Genome von Coronaviren isoliert, die in ihrer Sequenz hohe Ähnlichkeiten zu den Fledermaus- und SARS-CoV2-Viren auszeigten. Beim genaueren Vergleich der RBD (Receptor Binding Domain) weisen die Coronaviren aus den Schuppentieren mit SARS-CoV2 fünf identische Aminosäuren im kritischen Sequenzbereich auf. Mit den Fledermaus-Viren gibt es in diesem Bereich hingegen nur 1 Übereinstimmung.
Und dann gibt es da noch ein paar weitere Sequenzähnlichkeiten, welche Schuppentiere als Zwischenstation zwischen Fledermaus und Mensch sehr wahrscheinlich erscheinen lassen.

--X

Danke! ...was aber eine eigenständig entwickelte Struktur sein kann, wofür wohl einiges sprach, nachdem die Sequenzierung vollständiger vorlag. So ein älterer Kommentar:
https://www.spektrum.de/news/neues-raet ... us/1709380
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 4. Feb 2021, 11:25

BlueMonday hat geschrieben:(02 Feb 2021, 19:43)

Es muss auch keine große Zahl von Menschen in Erstkontakt mit dem tierischen Träger gekommen sein. Die eigentliche Verbreitung findet dann von Mensch zu Mensch statt: Der "wurzellose" Superspreader, der durch die Welt jettet, mit unzähligen Menschen in kurzer Zeit Kontakt hat, die große Konzentration von Menschen in Millionenmetropolen, dort die vorherrschenden öffentlichen Verkehrsmittel statt Indvidualverkehr, der zunehmende Verschmähung des ländlichen Raumes, des vereinzelteren Lebenstils, Kinos, Stadien, Konzerte, Zwangsbeschulung, Präsenzpflichten in der Arbeitswelt, auf Ämtern...

Von vielen früheren Zoonosen hat man vermutlich gar nicht erst Notiz genommen, weil sie sich mangels Ausbreitungsmöglichkeiten schnell totliefen

Den irionischen Unterton höre ich durchaus heraus ... Aber übrelege dir mal: Madras, Jakarta, Kalkutta ... Städtemonster mit Bevölkerungsdichten über 20 000 pro qkm. Mit teils unsäglichen hygienischen Verhältnissen. Ein S-Bahnwagen in Berlin oder Berlin als Stadt (ca. 4000 Ew pro qkm) ist gar nix dagegen. Und immer und auch schon im vorigen Jahrhundert reisten die entsprechenden Kolonialverwalter hin und her von und nach Europa. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass an irgendeiner Stelle 2021 systemisch etwas anders sein muss.

Aber davon mal abgesehen. Klimakrise, nicht zuletzt hervorgerufen durch CO2-Eintrag infolge von Überhandnehmen von motorisiertem Individualverkehr und Pandemien ... das kann man nicht einfach trennen oder das eine mehr bewichten als das andere. Wenn nach Abebben der aktuellen Pandemie die Leute nur noch in ihren Autos sitzen und ihre Pizzas auf dem Parkplatz essen ... mir wird schlecht, wenn ich nur daran denke!
Ich habe nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv geliebt ... ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig (Hannah Arendt)
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Beitragvon schokoschendrezki » Do 4. Feb 2021, 12:46

In der Reihe "Hörsaal" von DLF Nova gab es übrigens vor gut einer Woche einen interessanten Vortrag des Historikers Malthe Thiessen zum Thema "Geschichte von Seuchen und Pandemien". (https://www.deutschlandfunknova.de/beit ... ndenboecke) Eine der Kernaussagen war, dass, ob man das nun will oder nicht oder gut findet oder nicht, Seuchen in der Geschichte realiter immer so etwas wie eine sozial-gesellschaftliche "Kalibrierungswirkung" hatten. Die eine Gruppen hatte einen Grund, sich von der anderen abzusetzen. Die Pest wurde von Juden eingeschleppt. Das Bild des "verlausten" Osteuropäers entstand. Aids war halt eine Schwulenseuche. Und für Donald Trump ist das Coronavirus eben das "chinesische" Virus.

Und in diesem Zusammenhang verwies er darauf, dass so auch das Bild von der "Stadt" als Seuchenherd und Sündenpfuhl entstand. Dass aber dieses Bild nur eben durch Pandemien verstärkten Feindbildern und Sündenbockschemas entspringt.
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon Corella » Do 4. Feb 2021, 18:00

schokoschendrezki hat geschrieben:(04 Feb 2021, 11:25)
...dass an irgendeiner Stelle 2021 systemisch etwas anders sein muss...

Globalisierung? Wirtschaftswettbewerb hat sich internationalisiert, nationale Konflikte gelindert, schließlich sind sie teuer. Aber Vorsorge und Standards sind auch teuer. Wer gibt was für die WHO? Wer bricht wissenschaftliche Empfehlungen auf konkretes politisches Handeln runter? Da hat im Wettbewerb keiner für Zeit oder Geld. Feigenblätter für PR, oder Investitionen, die man etikettieren kann, aber echte Standards? Das sind Hemmnisse, bis es dann passiert.
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon Ebiker » So 21. Feb 2021, 19:50

Nach der Pandemie ist vor der Pandemie

https://www.bbc.com/news/world-europe-56140270
Folgen sie den Anweisungen
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon Papaloooo » Mo 22. Feb 2021, 07:03

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Jan 2021, 13:42)

Es ist einfach so: Das Phänomen "Insektenrückgang" ist völlig neu und das Phänomen "Wildtiere in der Stadt" ist es auch. Der Verzehr von Wildfleisch und der Betrieb von Wildtiermärkten in Südöstasien dagegen ist überhaupt nix neues. Der Instinkt sagt einem doch, dass es für eine Zoonose eher zu ersterem einen Zusammenhang geben könnte. Auch wenn man von Biologie kaum eine Ahnung hat.

Sehr häufig geschahen und geschehen Zoonosen aus den HxNx-Virentypen.
Die H1N1 (Schweinegrippe) gehört mit dazu.
Ein ein- bis niedriger zweistelliger Anteil unseres Genoms stammt aus Zoonosen,
meist von den Vögeln.
Vererbt wird das immer dann an die Folgegenerationen,
wenn es beim infizierten Menschen die Keimzellen infiziert.
In den meisten Fällen stirbt der Embryo dann ab.
Nun hat der Mensch keinen Vorteil von der Vogel-DNA.
Diese sitzt auch meist in den Telomeren (an den Chromosomen-Enden),
wo sie ohnehin nicht in eine RNA übersetzt wird,
das heißt also, nicht ausgelesen wird.

Die meisten zoonotische HxNx-Viren haben es auch nicht geschafft,
nach dem Sprung von Tier zu Mensch dann von Mensch zu Mensch weitergegeben zu werden.

Dies geschieht meist, wenn eine menschliche Zelle zugleich von einem zoonotischen und einem menschlichen Virus befallen ist.
Dann können sich beide Viren in ihrem Erbgut vermischen,
und das Hybrid-Virus ist dann ggf. auf den Menschen optimiert.

Man sollte dabei aber auch nicht vergessen,
dass es ohne die Zoonosen bis jetzt auf der Erde maximal niedere Lebensformen (wie im Kambrium) gäbe.
Gerade zoonotische Viren ermöglichen den Gentransfer zwischen den Spezies,
und so müssen genetische Errungenschaften durch Mutation und Selektion nicht auf jedem Ast der evolutiven Stammbaumes neu erfunden werden.

Die Viren versetzen die Evolution in die Lage,
dass es in dem Stammbaum zwischen den Zweigen Querverbindungen gibt.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon X3Q » Mo 22. Feb 2021, 14:48

Papaloooo hat geschrieben:(22 Feb 2021, 07:03)


Man sollte dabei aber auch nicht vergessen,
dass es ohne die Zoonosen bis jetzt auf der Erde maximal niedere Lebensformen (wie im Kambrium) gäbe.

Das halte ich für eine sehr gewagte These.

—X
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon BlueMonday » Mo 22. Feb 2021, 15:19

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Jan 2021, 13:42)

Es ist einfach so: Das Phänomen "Insektenrückgang" ist völlig neu und das Phänomen "Wildtiere in der Stadt" ist es auch. Der Verzehr von Wildfleisch und der Betrieb von Wildtiermärkten in Südöstasien dagegen ist überhaupt nix neues. Der Instinkt sagt einem doch, dass es für eine Zoonose eher zu ersterem einen Zusammenhang geben könnte. Auch wenn man von Biologie kaum eine Ahnung hat.


Tja, oder dass Proben von infizierten Tieren zu Forschungszwecken über größere Strecken transportiert werden, dass Viren modifiziert werden, um ansteckender zu sein (gain of function), dass es auch Vorfälle in solchen Hochsicherheitslaboren geben kann...

Ein sehr detaillierter Einblick: https://yurideigin.medium.com/lab-made- ... 6dd7413748
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon H2O » Mo 22. Feb 2021, 16:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Jan 2021, 13:42)

Es ist einfach so: Das Phänomen "Insektenrückgang" ist völlig neu und das Phänomen "Wildtiere in der Stadt" ist es auch. Der Verzehr von Wildfleisch und der Betrieb von Wildtiermärkten in Südöstasien dagegen ist überhaupt nix neues. Der Instinkt sagt einem doch, dass es für eine Zoonose eher zu ersterem einen Zusammenhang geben könnte. Auch wenn man von Biologie kaum eine Ahnung hat.


Kann ja tatsächlich genau so sein. Danach sind aber wirklich sehr viele Fragen zu stellen, die von anderen Ursachen für den Insektenschwund ausgehen, bis endgültig gar nichts anderes mehr übrig bleibt als Ihre Theorie.
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon Papaloooo » Mo 22. Feb 2021, 17:42

X3Q hat geschrieben:(22 Feb 2021, 14:48)

Das halte ich für eine sehr gewagte These.

—X

Schau mal hier:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Horizon ... entransfer
Aber dennoch richtig, über das Ausmaß diesbezüglich, also der Rolle in der Evolution, lässt sich streiten.
Das ist Kapitalismus:
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon Corella » Mo 22. Feb 2021, 18:34

H2O hat geschrieben:(22 Feb 2021, 16:22)

Kann ja tatsächlich genau so sein. Danach sind aber wirklich sehr viele Fragen zu stellen, die von anderen Ursachen für den Insektenschwund ausgehen, bis endgültig gar nichts anderes mehr übrig bleibt als Ihre Theorie.

Also "völlig neu" @Schoko ist völlig übertrieben! Was stimmt, mit Verweis auf schon verlinktes Nature paper der TU München, ist, dass Profis auf sehr niedriger Erwartung nochmal negativ überrascht sind, für die letzten 10 Jahre.
Am grundsätzlichen, wonach Lebensraumverlust maßgebliche Ursache ist, hat sich ebenfalls nichts geändert und das kann man artspezifisch auch konkretisieren. Es ist nicht alles immer so unbekannt! Aber einiges schon. So steht m.W. ein zusätzlicher Effekt der Neonics als Verdacht im Raum.
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon H2O » Mo 22. Feb 2021, 18:59

Corella hat geschrieben:(22 Feb 2021, 18:34)

Also "völlig neu" @Schoko ist völlig übertrieben! Was stimmt, mit Verweis auf schon verlinktes Nature paper der TU München, ist, dass Profis auf sehr niedriger Erwartung nochmal negativ überrascht sind, für die letzten 10 Jahre.
Am grundsätzlichen, wonach Lebensraumverlust maßgebliche Ursache ist, hat sich ebenfalls nichts geändert und das kann man artspezifisch auch konkretisieren. Es ist nicht alles immer so unbekannt! Aber einiges schon. So steht m.W. ein zusätzlicher Effekt der Neonics als Verdacht im Raum.


Dazu mußte ich wirklich nachschlagen... heutzutage nach-googeln. Sollte also tatsächlich LED-Licht & Co. für den Insektenschwund mitverantwortlich sein? Oder nicht doch unser ausdauerndes Streben danach, die Natur nach unseren Vorstellungen zu gestalten und alles zu vernichten, was unseren Zielen im Wege steht?

Eine kleine Theorie neulich war doch, daß milde Winter Parasiten begünstigen, die Insektenlarven vernichten. Inzwischen hatten wir ja einige Winter ohne Schnee und Frost. Allerdings kann ich nicht behaupten, daß hier in Pommern am Haff inmitten von Natura 2000 ein Mangel an Stechfliegen, Pferdebremsen, Mücken, Wespen, Hornissen zu beklagen wäre. Natürlich gibt es hier keine chemische Kriegsführung gegen diese Lästlinge. Unsere Wohnung haben wir wohlweißlich mit Insektennetzen abgedichtet und Spinnen halten wir hier als liebe Gäste.
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon Papaloooo » Mo 22. Feb 2021, 19:14

H2O hat geschrieben:(22 Feb 2021, 18:59)

Dazu mußte ich wirklich nachschlagen... heutzutage nach-googeln. Sollte also tatsächlich LED-Licht & Co. für den Insektenschwund mitverantwortlich sein? Oder nicht doch unser ausdauerndes Streben danach, die Natur nach unseren Vorstellungen zu gestalten und alles zu vernichten, was unseren Zielen im Wege steht?

Eine kleine Theorie neulich war doch, daß milde Winter Parasiten begünstigen, die Insektenlarven vernichten. Inzwischen hatten wir ja einige Winter ohne Schnee und Frost. Allerdings kann ich nicht behaupten, daß hier in Pommern am Haff inmitten von Natura 2000 ein Mangel an Stechfliegen, Pferdebremsen, Mücken, Wespen, Hornissen zu beklagen wäre. Natürlich gibt es hier keine chemische Kriegsführung gegen diese Lästlinge. Unsere Wohnung haben wir wohlweißlich mit Insektennetzen abgedichtet und Spinnen halten wir hier als liebe Gäste.

Ja auch den Bienen setzt ein milder Winter zu.
Wobei in Wildbienenvölkern gibt es die Symbiose zum Pseudoskorpion.
Dieser verspeist mit Vorliebe Bienenmilben.
Den Pseudoskorpion findet man manchmal, wenn man im Garten Steinplatten hochhebt.
In Bienenstöcken die aus Holz und Stroh sind, fühlen sich auch Pseudoskorpione zu Hause.

Ansonsten kann man sagen,
dass in tropischen Ländern die Insektenlarven kein Problem mit milden Temperaturen haben.
Diese werden sich einfach nach und nach in wärmer werdende Gegenden ausbreiten.
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon Corella » Mo 22. Feb 2021, 21:47

H2O hat geschrieben:(22 Feb 2021, 18:59)

Dazu mußte ich wirklich nachschlagen... heutzutage nach-googeln. Sollte also tatsächlich LED-Licht & Co. für den Insektenschwund mitverantwortlich sein? Oder nicht doch unser ausdauerndes Streben danach, die Natur nach unseren Vorstellungen zu gestalten und alles zu vernichten, was unseren Zielen im Wege steht?

Eine kleine Theorie neulich war doch, daß milde Winter Parasiten begünstigen, die Insektenlarven vernichten. Inzwischen hatten wir ja einige Winter ohne Schnee und Frost. Allerdings kann ich nicht behaupten, daß hier in Pommern am Haff inmitten von Natura 2000 ein Mangel an Stechfliegen, Pferdebremsen, Mücken, Wespen, Hornissen zu beklagen wäre. Natürlich gibt es hier keine chemische Kriegsführung gegen diese Lästlinge. Unsere Wohnung haben wir wohlweißlich mit Insektennetzen abgedichtet und Spinnen halten wir hier als liebe Gäste.


Je prekärer die Situation von Restbeständen, desto bedeutsamer werden Umstände und Zufälle, weil anfällig. Die Kiebitzkolonie, die sich gemeinsam verteidigen kann. Die letzten beiden Paare holen Fuchs und Krähe und bekannte Lobbyisten deuten die dann als Ursache aus. Oder die letzten Rebhühner, deren zu schmaler Streifen Deckungsfläche nicht mehr hinreichend schützt. Ein falscher Mahdzeitpunkt, das war s.
Und so werden Fallen, die vor 20 Jahren wenig bedeutsam waren nun doch wichtig und so steht Lichtverschmutzung mit Berechtigung nun im Fokus. Aber wohl auch deshalb, weil es mit neuer LED-Technik auch einfacher ist, als an die eigentlichen Ursachen zu gehen, ein Stück Feigenblatt überlagert das ganze m.Mn.n. auch.

Zur Witterung: wer in Mitteleuropa wild überleben will, muss sowohl Frost als auch dunkle, milde Winter überleben. Die Kombination ist eine hoch spezielle Anpassung, selten auf dem Globus und mit Erklärung für die vergleichsweise natürliche Artenarmut Mitteleuropas. Daran ändert der Klimawandel bis jetzt nicht so viel, es sei denn Umstände sind wegen anderweitig verursachter Faktoren bedeutsam, s.o.
Hier sind es eher zonale Verschiebungen in Kombi mit Barrieren sowie, dass die Witterung extremer wird, dadurch ökologische Amplituden sprengt und, dass die Zufluchten flächenmäßig abnehmen. Denke an Ausweichbewegung Richtung Bergspitze. Richtung Pol ist es auch so, wie ein runder Berg.
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 23. Feb 2021, 10:43

H2O hat geschrieben:(22 Feb 2021, 18:59)

Dazu mußte ich wirklich nachschlagen... heutzutage nach-googeln. Sollte also tatsächlich LED-Licht & Co. für den Insektenschwund mitverantwortlich sein? Oder nicht doch unser ausdauerndes Streben danach, die Natur nach unseren Vorstellungen zu gestalten und alles zu vernichten, was unseren Zielen im Wege steht?


Also wir hatten hier (Randberlin) auf unserem Grundstück in den letzten Jahren schon zweimal ein Hornissennest. (Hornissen bauen jedes Jahr ihr Nest neu). Ich kann definitiv und aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Insekten mit künstlichem Licht, vor allem mit LED-Licht, wirklich absolut nicht klarkommen. Ich hatte mich dazu mal umgehört und dann versuchsweise über ebay eine alte Dunkelkammerlampe gekauft und die bedarfsweise angehenden LED-Außenleuchten damit ersetzt. Nützt alles nix. Zumindest Hornissen schalten auch bei kleinstem Lichtschein jede Spur von Vernunft und Einsicht aus.

Eine ganz andere Geschichte ist, dass ich die Sichtbarkeit des Sternenhimmel, das bewusste Wahrnehmen des Sternenhimmels für eine außerordentlich wichtige Sache für das sozusagen philosophische Bewusstsein der Menschen und insbesondere auch der Kinder halte. Und deshalb vehement für Lichtreduktion bin.

Aber davon abgesehen: Von den eigentlichen biologischen Vorgängen, auch was irgendwelche Zoonosen anbelangt, hab' ich offen gestanden so gut wie Null Ahnung.
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon Papaloooo » Di 23. Feb 2021, 10:58

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Feb 2021, 10:43)Zumindest Hornissen schalten auch bei kleinstem Lichtschein jede Spur von Vernunft und Einsicht aus.

Ich schätze, dass bei Insekten das Programm abläuft,
dass sie die im Dunkeln und zum Hellen glauben, fliegen zu müssen,
sie seien irgendwo drin eingesperrt,
und dorthin, wo es heller ist, ist wieder der Weg nach draußen.

Hier kann man nur auf die Evolution hoffen,
dass dieses Programm durch Mutation und Selektion relativiert wird,
wenn es sich um künstliches Licht bei Nacht handelt.

Die Menschen werden das so schnell nicht ändern.
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon H2O » Di 23. Feb 2021, 13:44

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Feb 2021, 10:43)

Also wir hatten hier (Randberlin) auf unserem Grundstück in den letzten Jahren schon zweimal ein Hornissennest. (Hornissen bauen jedes Jahr ihr Nest neu). Ich kann definitiv und aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Insekten mit künstlichem Licht, vor allem mit LED-Licht, wirklich absolut nicht klarkommen. Ich hatte mich dazu mal umgehört und dann versuchsweise über ebay eine alte Dunkelkammerlampe gekauft und die bedarfsweise angehenden LED-Außenleuchten damit ersetzt. Nützt alles nix. Zumindest Hornissen schalten auch bei kleinstem Lichtschein jede Spur von Vernunft und Einsicht aus.

Eine ganz andere Geschichte ist, dass ich die Sichtbarkeit des Sternenhimmel, das bewusste Wahrnehmen des Sternenhimmels für eine außerordentlich wichtige Sache für das sozusagen philosophische Bewusstsein der Menschen und insbesondere auch der Kinder halte. Und deshalb vehement für Lichtreduktion bin.

Aber davon abgesehen: Von den eigentlichen biologischen Vorgängen, auch was irgendwelche Zoonosen anbelangt, hab' ich offen gestanden so gut wie Null Ahnung.


Bei der Übernahme meines polnischen Grundstücks hatte ich eine schon etwas baufällige Hütte geerbt, die noch so richtig verrammelt werden konnte, damit niemand ohne Mühe die Hütte leerräumen konnte. Die Fensterläden mit Quereisen 100 X 10 und Schloßschrauben durch die Stützbalken im Innenhaus festgeschraubt. Na ja, wenn man sich drinnen aufhält, dann sind diese Durchgangslöcher 10 mm Durchmesser natürlich offen, weil alles entriegelt wurde. Das Innenlicht in der Hütte lockte Hornissen nachts durch diese Durchgangslöcher in die Hütte, und plötzlich kreisten einige um diese Lampe und uns um die Köpfe. Also diese kleine Lichtquelle hat die Hornissen angelockt! Später fand ich, daß sie in einem alten Vogel-Brutkasten auf meinem Grundstück lebten. Mit den Hornissen habe ich seit etlichen Jahren meinen Frieden geschlossen.
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon BlueMonday » Di 23. Feb 2021, 16:56

schokoschendrezki hat geschrieben:(04 Feb 2021, 11:25)

Den irionischen Unterton höre ich durchaus heraus ... Aber übrelege dir mal: Madras, Jakarta, Kalkutta ... Städtemonster mit Bevölkerungsdichten über 20 000 pro qkm. Mit teils unsäglichen hygienischen Verhältnissen. Ein S-Bahnwagen in Berlin oder Berlin als Stadt (ca. 4000 Ew pro qkm) ist gar nix dagegen. Und immer und auch schon im vorigen Jahrhundert reisten die entsprechenden Kolonialverwalter hin und her von und nach Europa. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass an irgendeiner Stelle 2021 systemisch etwas anders sein muss.

Aber davon mal abgesehen. Klimakrise, nicht zuletzt hervorgerufen durch CO2-Eintrag infolge von Überhandnehmen von motorisiertem Individualverkehr und Pandemien ... das kann man nicht einfach trennen oder das eine mehr bewichten als das andere. Wenn nach Abebben der aktuellen Pandemie die Leute nur noch in ihren Autos sitzen und ihre Pizzas auf dem Parkplatz essen ... mir wird schlecht, wenn ich nur daran denke!



Eine gewisse Konzentration von Menschen und damit Nähe von Mensch zu Mensch ist eine Bedingung für Epidemien, aber nicht Erklärung, wie ein Erreger von Tier zu Mensch überspringt. Und danach fragst du ja. Da reichen - wie gesagt - wenige Kontakte. Und ein Kontakt kommt auch zustande, wenn einzelne Menschen sich auf das in weitestgehend in Isolation lebende Wildtier zubewegen (etwa in irgendeine Fledermaushöhle) und sei es aus forschender Neugier. Oder wenn man Virenmaterial kombiniert, der Natur gewissermaßen auf die Sprünge hilft, einen besseren Weg zu finden...

Und für die Pestepidemien (14. Jahrhundert und früher) haben schließlich weitaus geringere Bevölkerungszahlen genügt. Reisende schleppten schon damals die Krankheit von Ort zu Ort. Und damals schon die gleiche Problematik, dass es initial zum Mensch-Tier-Kontakt kommt. Das ist ja eine universale Tatsache: Tiere nehmen Raum ein und Menschen nehmen Raum ein, und auch oft denselben Raum, da der verfügbare Raum begrenzt ist.

Man kann sich räumlich hermetisch abriegeln, jeden einzelnen Menschen unter eine abgeschlossene Haube setzen - oder man lebt damit, lässt eine gewisse natürliche Auslese zu. Die Angepassteren überleben. Wenn, dann ist genau dies "systemisch" anders geworden, dass man systematisch versucht, alles zu erhalten bis zum Gehtnichtmehr. Und die Aufwände dafür werden immer weiter steigen. Die Gebrechlichkeiten, Anfälligkeiten usw. werden zunehmen.
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Re: Zoonose... Wie können Wildtiere Krankheiten auf Menschen übertragen?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 23. Feb 2021, 17:45

BlueMonday hat geschrieben:(23 Feb 2021, 16:56)

Eine gewisse Konzentration von Menschen und damit Nähe von Mensch zu Mensch ist eine Bedingung für Epidemien, aber nicht Erklärung, wie ein Erreger von Tier zu Mensch überspringt. Und danach fragst du ja. Da reichen - wie gesagt - wenige Kontakte. Und ein Kontakt kommt auch zustande, wenn einzelne Menschen sich auf das in weitestgehend in Isolation lebende Wildtier zubewegen (etwa in irgendeine Fledermaushöhle) und sei es aus forschender Neugier. Oder wenn man Virenmaterial kombiniert, der Natur gewissermaßen auf die Sprünge hilft, einen besseren Weg zu finden...

Und für die Pestepidemien (14. Jahrhundert und früher) haben schließlich weitaus geringere Bevölkerungszahlen genügt. Reisende schleppten schon damals die Krankheit von Ort zu Ort. Und damals schon die gleiche Problematik, dass es initial zum Mensch-Tier-Kontakt kommt. Das ist ja eine universale Tatsache: Tiere nehmen Raum ein und Menschen nehmen Raum ein, und auch oft denselben Raum, da der verfügbare Raum begrenzt ist.

Man kann sich räumlich hermetisch abriegeln, jeden einzelnen Menschen unter eine abgeschlossene Haube setzen - oder man lebt damit, lässt eine gewisse natürliche Auslese zu. Die Angepassteren überleben. Wenn, dann ist genau dies "systemisch" anders geworden, dass man systematisch versucht, alles zu erhalten bis zum Gehtnichtmehr. Und die Aufwände dafür werden immer weiter steigen. Die Gebrechlichkeiten, Anfälligkeiten usw. werden zunehmen.

Ja. Das ist schon richtig. Das ist tatsächlich anders geworden.

In einer Gesprächsrunde vor einigen Wochen war die Chefradakteurin einer philosophischen Zeitschrift dabei. Sie meinte, man müsse die Ansätze einer "skandinavischen", speziell schwedischen Philosophie ernster nehmen. Ja, vielleicht geht dieses "lasst es einfach werden" und dieses skandinavische "Jeder Mensch ist eine Insel" ja so etwas in diese Richtung. Einer der vielleicht bekanntesten ist der Nobelpreisträger Gunnar Myrdal. Einerseits steht er für die sozialdemokratisch motivierte Einführung von Sozialhilfen. Andererseits:

Mit seiner Frau Alva schrieb Gunnar Myrdal das Buch Die Krise in der Bevölkerungsfrage (schwedisch: Kris i befolkningsfrågan, 1934), durch das der damalige schwedische Minister für Soziale Aufgaben, Gustav Möller, angeregt wurde, die Sozialhilfe für Familien einzuführen. In dem Buch forderten sie auch ein Sterilisationsprogramm, damit sich „hochgradig lebensuntaugliche“ Individuen nicht fortpflanzen und die Sozialhilfe nicht unbezahlbar werde.


Mit mir ist das nicht zu machen. Dann lieber Ansteckung und Zoonosen. Diese Philosophie riecht nach Auschwitz.

[MOD] Interessanter Hinweis auf schwedische Überlegungen zur Eugenik. Aber bitte nicht diesen Strang über Zoonose in einen über soziale Eugenik verwandeln! H2O
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