Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

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Papaloooo
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Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Papaloooo » So 27. Dez 2020, 07:36

Die Büchse der Pandora, sie wurde längst geöffnet:

- die Gentherapie, welche ja nicht in die Keimzellen dringt (dringen sollte)

- das "gezielte" Bio-Hacking: Der Mensch "hackt" seinen eigenes Genom, um sich selbst zu optimieren

- das Klonen (bislang offiziell beim Menschen noch nicht geschehen)

- das Verschmelzen zweier Eizellen (bislang offiziell beim Menschen noch nicht durchgeführt, bei der Maus funktioniert es aber)

- das Aussieben von befruchtet Eizellen mit krankmachenden Genen (wurde bereits angewendet um ein Brustkrebs-Gen in der Erblinie loszuwerden)

- das gezielte Abändern von Genen (Crispr-Zwillinge in China)

Neben allen ethischen Bedenken,
und dem Tappen um Dunkel vieler privater Bio-Hacker, die gar in Kauf nehmen, dass sie ihre Keimzellen hacken,
und die Ergebnisse einfach abwarten müssen.
Was machbar ist, und was manchen einen Vorteil bringt, das wird früher oder später geschehen.
Erlauben es unsere Gesetze nicht, dann geht man wo hin, wo die Gesetze es erlauben,
oder man geht in heimliche Laboratorien.

Die Frage bleibt: Wo wird uns das hinführen?
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon H2O » So 27. Dez 2020, 08:26

Ich würde an solche Techniken ohne Ängste herantreten. Mein Konzept wäre, alles zu erlauben, was bösartige Erbkrankheiten ausschaltet ohne weitere Nebenwirkungen hervor zu rufen. Unvermeidlich ist doch auch das Aussortieren von befruchteten Eizellen in der Fortpflanzungsmedizin. Da sehe ich nichts Böses darin, die nach Vorkenntnis beste Eizelle ein zu pflanzen und die anderen zu Vernichten, sobald sich im Mutterleib ein neuer Mensch entwickelt.

In Polen gehen die Wogen hoch, weil die national-klerikale Regierung den Schwangerschaftsabbruch unter schwere Strafe stellt, wenn der Abbruch durch eine vor der Geburt des neuen Menschen festgestellte schwere Mißbildung begründet ist. Mir ist auch nicht wohl bei Schwangerschaftsabbrüchen, nur weil die Schwangerschaft ungelegen herbeigeführt wurde. Aber mit der Begründung, daß die Leibesfrucht einen schweren Schaden aufweist, sehe ich fast schon eine Pflicht, die Geburt dieses werdenden Menschen zu verhindern.

Deshalb meine ich, daß sich der Bundestag mit diesen aufgeworfenen Fragen auseinandersetzen muß, wenn sie tatsächlich auf der Tagesordnung stehen. So, wie er sich ja auch in Sachen Schwangerschaftsabbruch zu einem Kompromiß durchgerungen hatte.

Mir fehlen derzeit die Kenntnisse, auf was wir uns als Gesellschaft einlassen, wenn wir bei Eingriffen in unser Erbgut von vornherein Ja oder Nein sagen. Welchen Fortschritt ermöglicht man damit, welche schrecklichen Folgen könnten eintreten? Das sind Entscheidungsgrundlagen, zu denen wir Laien noch gar keinen rechten Zugang haben.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon JJazzGold » So 27. Dez 2020, 11:19

H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 08:26)

Ich würde an solche Techniken ohne Ängste herantreten. Mein Konzept wäre, alles zu erlauben, was bösartige Erbkrankheiten ausschaltet ohne weitere Nebenwirkungen hervor zu rufen. Unvermeidlich ist doch auch das Aussortieren von befruchteten Eizellen in der Fortpflanzungsmedizin. Da sehe ich nichts Böses darin, die nach Vorkenntnis beste Eizelle ein zu pflanzen und die anderen zu Vernichten, sobald sich im Mutterleib ein neuer Mensch entwickelt.

In Polen gehen die Wogen hoch, weil die national-klerikale Regierung den Schwangerschaftsabbruch unter schwere Strafe stellt, wenn der Abbruch durch eine vor der Geburt des neuen Menschen festgestellte schwere Mißbildung begründet ist. Mir ist auch nicht wohl bei Schwangerschaftsabbrüchen, nur weil die Schwangerschaft ungelegen herbeigeführt wurde. Aber mit der Begründung, daß die Leibesfrucht einen schweren Schaden aufweist, sehe ich fast schon eine Pflicht, die Geburt dieses werdenden Menschen zu verhindern.

Deshalb meine ich, daß sich der Bundestag mit diesen aufgeworfenen Fragen auseinandersetzen muß, wenn sie tatsächlich auf der Tagesordnung stehen. So, wie er sich ja auch in Sachen Schwangerschaftsabbruch zu einem Kompromiß durchgerungen hatte.

Mir fehlen derzeit die Kenntnisse, auf was wir uns als Gesellschaft einlassen, wenn wir bei Eingriffen in unser Erbgut von vornherein Ja oder Nein sagen. Welchen Fortschritt ermöglicht man damit, welche schrecklichen Folgen könnten eintreten? Das sind Entscheidungsgrundlagen, zu denen wir Laien noch gar keinen rechten Zugang haben.


Da Sie oben über Schwangerschaftsabbruch bei schwerer Behinderung schreiben, lassen wir uns darauf ein, diese im Vorfeld per Gentechnik korrigieren zu können und den Eltern zu ermöglichen, ein gesundes Kind zubekommen, völlig ohne die schwere Entscheidung, Abbruch oder kein Abbruch. Das betrachte ich als sinnvollen Fortschritt und als Angebot an Eltern. Denn meiner Erfahrung nach liegt den Eltern die Gesundheit ihres Kindes am Herzen und nicht ein “Herrenrasse modelliertes“Kind. Aber das können eventuell nur Eltern nachvollziehen.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Skeptiker » So 27. Dez 2020, 11:35

Papaloooo hat geschrieben:(27 Dec 2020, 07:36)
...
Die Frage bleibt: Wo wird uns das hinführen?

Ich denke es wird eine Art technologischem Wettlauf geben. Dabei werden diejenigen einen Vorteil besitzen, die möglichst niedrige ethische Standards haben. Damit wäre wohl China ganz vorne dabei.

Das wiederum bringt Vor- und Nachteile mit sich. Auf der einen Seite werden Experimente gemacht werden, die wir als unethisch betrachten würden. Auf der anderen Seite wird dadurch ein Gordischer Knoten durchschlagen, der uns hilft Probleme zu lösen, die unter Einhaltung dieser Regeln ggf. nicht möglich wären.

Persönlich denke ich, dass man zu der Einsicht kommen wird, das Erbkrankheiten kein schützenswertes Gut darstellen. Mir wird da persönlich allzu oft eine (absichtliche?) Verwechselung zwischen Akzeptanz der Person mit der Krankheit, und der Krankheit selber, gemacht. Ich persönlich hätte kein Problem damit Erbkrankheiten so weit es geht auszurotten. Mir bereitet es keine Sorgen zukünftig ohne ausreichend Krankheiten dazustehen - es kommen laufend neue hinzu.

Im größeren Maßstab gedacht wird die ganze Gentechnik uns helfen viele Probleme zu lösen - insbesondere in der Medizin und in der Ernährung. Das wiederum wirkt eher als Problemverstärker des größten Menschheitsproblems: Der mangelnden Selbstbeschränkung und dem dadurch ausgelösten wilden Wachstum der eigenen Population. Mit einer Lösung der Menschheitsprobleme müsste also eigentlich auch das Problem gelöst werden, welches der Mensch für seinen eigenen Lebensraum darstellt.

Wäre das nicht das Fall, dann würde die Gentechnik das eigentliche Problem nur auf ein höheres Niveau heben. Eines, welches ein Leben ohne diese Gentechnik nicht mehr möglich macht, aber andererseits alte Probleme auf das neue Niveau angehoben hat.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Teeernte » So 27. Dez 2020, 11:42

Skeptiker hat geschrieben:(27 Dec 2020, 11:35)

Ich denke es wird eine Art technologischem Wettlauf geben. Dabei werden diejenigen einen Vorteil besitzen, die möglichst niedrige ethische Standards haben. Damit wäre wohl China ganz vorne dabei.



Die "technologische" Latte hängt so niedrig - dass es nur vom Wissen des Durchführenden//Anleitenden abhängt - ob so ein Experiment gelingt.

Etwas Geld und ein guter Medizinstudent - und man ist "gut" gerüstet für die ersten Experimente.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon jorikke » So 27. Dez 2020, 12:00

JJazzGold hat geschrieben:(27 Dec 2020, 11:19)

Da Sie oben über Schwangerschaftsabbruch bei schwerer Behinderung schreiben, lassen wir uns darauf ein, diese im Vorfeld per Gentechnik korrigieren zu können und den Eltern zu ermöglichen, ein gesundes Kind zubekommen, völlig ohne die schwere Entscheidung, Abbruch oder kein Abbruch. Das betrachte ich als sinnvollen Fortschritt und als Angebot an Eltern. Denn meiner Erfahrung nach liegt den Eltern die Gesundheit ihres Kindes am Herzen und nicht ein “Herrenrasse modelliertes“Kind. Aber das können eventuell nur Eltern nachvollziehen.


Deine Einlassung halte ich für sehr vernünftig.
...zum jetzigen Zeitpunkt.
Wir sind med. schon sehr weit. In wenigen Jahren wird die Medizin aber noch viel mehr können. Dann wird sowohl die Früherkennung der Risiken des Embrios, wie auch dessen Beseitigung med. eine Kleinigkeit sein. Dann werden die Eltern wohl nicht mehr nur bei schweren vorhersehbaren Erkrankungen und Fehlbildungen für Abbruch entscheiden sondern die Hemmschwelle wird sinken.
Das Kind wird schielen? O.k., Pille und wir versuchen es nochmal.
Irgendwann wird das, was wir heute unter Hemmschwelle verstehen, zur Normalität werden.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Skeptiker » So 27. Dez 2020, 12:09

jorikke hat geschrieben:(27 Dec 2020, 12:00)
Deine Einlassung halte ich für sehr vernünftig.
...zum jetzigen Zeitpunkt.
Wir sind med. schon sehr weit. In wenigen Jahren wird die Medizin aber noch viel mehr können. Dann wird sowohl die Früherkennung der Risiken des Embrios, wie auch dessen Beseitigung med. eine Kleinigkeit sein. Dann werden die Eltern wohl nicht mehr nur bei schweren vorhersehbaren Erkrankungen und Fehlbildungen für Abbruch entscheiden sondern die Hemmschwelle wird sinken.
Das Kind wird schielen? O.k., Pille und wir versuchen es nochmal.
Irgendwann wird das, was wir heute unter Hemmschwelle verstehen, zur Normalität werden.

Ja, das mag sein.

Ich frage mal provokant: Wäre das schlecht?

Offensichtlich wäre das eine Veränderung der Moral. Was macht unsere Moral wertvoller als die Moral zukünftiger Generationen?
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon H2O » So 27. Dez 2020, 12:15

JJazzGold hat geschrieben:(27 Dec 2020, 11:19)

Da Sie oben über Schwangerschaftsabbruch bei schwerer Behinderung schreiben, lassen wir uns darauf ein, diese im Vorfeld per Gentechnik korrigieren zu können und den Eltern zu ermöglichen, ein gesundes Kind zubekommen, völlig ohne die schwere Entscheidung, Abbruch oder kein Abbruch. Das betrachte ich als sinnvollen Fortschritt und als Angebot an Eltern. Denn meiner Erfahrung nach liegt den Eltern die Gesundheit ihres Kindes am Herzen und nicht ein “Herrenrasse modelliertes“Kind. Aber das können eventuell nur Eltern nachvollziehen.


Wenn die schweren Behinderungen des werdenden Menschen schon nach den ersten Zellteilungen erkannt werden können... ich vermute, daß es dazu etliche Auslöser geben kann... dann wäre das eine gute Sache. Allerdings stelle ich mir eine "Reparatur" auf der Entwicklungsstufe und dann auch noch im Mutterleib lieber nicht vor. Letztendlich müßte man wohl befruchtete Eizellen außerhalb des Mutterleibs auf Schädigungen untersuchen und aussortieren. Dann wäre eine erste Grundlage gelegt für ein gesundes Kind. Als nächstes müßte man aber auch Einflüsse im fortgeschritteten Entwicklungsstand des werdenden Menschen erkennen und ausschließen, um bis zur Geburt des fertigen Menschen auf gesunden Nachwuchs hoffen zu dürfen. Es wäre natürlich wunderbar, wenn man werdenden Eltern diese Entscheidungsnot zum Abbruch der Schwangerschaft nehmen könnte, die ihnen der polnische Staat derzeit auferlegen will.

Ich muß sagen, daß ich mich dazu entschließen würde, die unglückliche Schwangerschaft schleunigst zu beenden. Gut, wenn Eltern das damit verbundene Leid über viele Jahre, vermutlich ihr gesamtes aktives Leben lang, erspart werden kann.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Ebiker » So 27. Dez 2020, 12:18

Skeptiker hat geschrieben:(27 Dec 2020, 12:09)

Ja, das mag sein.

Ich frage mal provokant: Wäre das schlecht?

Offensichtlich wäre das eine Veränderung der Moral. Was macht unsere Moral wertvoller als die Moral zukünftiger Generationen?


Ich stelle mir gerade einen Eingeborenenstamm irgendwo in einem dichten Urwald vor. Fragt da jemand nach Moral ? Entweder das Kind ist lebensfähig oder nicht.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon H2O » So 27. Dez 2020, 12:25

Skeptiker hat geschrieben:(27 Dec 2020, 12:09)

Ja, das mag sein.

Ich frage mal provokant: Wäre das schlecht?

Offensichtlich wäre das eine Veränderung der Moral. Was macht unsere Moral wertvoller als die Moral zukünftiger Generationen?


Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Ich halte es für eine Straftat, einen schon im Mutterleib schwer behinderten werdenden Menschen viele Monate lang aus zu tragen und zur Welt zu bringen... oder noch schlimmer, die werdenden Eltern damit von Gesetz wegen zu belasten. Was ist das denn für eine Moral?

Vor diesem Hintergrund weiß unsereiner seine gesunden und tüchtigen Kinder als Geschenk zu schätzen!
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Tom Bombadil » So 27. Dez 2020, 12:37

Ich persönlich hätte kein Problem, das Erbgut zu verändern, wenn dadurch die Disposition für Krankheiten, insbesondere Krebs, beseitigt werden könnte. Dabei muss man natürlich sehr vorsichtig sein, nicht dass man dadurch mehr Probleme schafft als löst.
Dem Thema "Designerbaby" stehe ich aber sehr skeptisch gegenüber, dies sollte weltweit gesetzlich untersagt werden. Was aber wohl nur ein Wunschtraum bleiben wird, denn damit werden in Zukunft Unsummen Geld zu verdienen sein.
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jorikke
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon jorikke » So 27. Dez 2020, 12:40

Skeptiker hat geschrieben:(27 Dec 2020, 12:09)

Ja, das mag sein.

Ich frage mal provokant: Wäre das schlecht?

Offensichtlich wäre das eine Veränderung der Moral. Was macht unsere Moral wertvoller als die Moral zukünftiger Generationen?


Das ist nicht provokant, das ist eine sich zwingend ergebene Fragestellung.
Die moralische Einordnung stellt sich zur Zeit noch nicht. Moralische Festlegungen, so sie nicht auf spekulativer Basis beruhen, können erst nach gemachten Erfahrungen entstehen. So lange sind es nur Überlegungen, Spekulationen, Befürchtungen wie auch Hoffnungen.
Der weiße, blonde Riese, dieses befürchtete Herrenmenschen Monstrum ist ein grundloses Schreckensszenario.
Welcher Chinese wollte solche Typen, welcher Afrikaner, und genügend bekloppte Europäer die das hier wollen gibt es auch nicht.
Da liegt doch die Hoffnung auf gesunde Chinesen, Afrikaner und Europäer erst einmal viel näher.
Grund genug solche Fragen ergebnisoffen zu diskutieren.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Stoner » So 27. Dez 2020, 12:50

Tom Bombadil hat geschrieben:(27 Dec 2020, 12:37)

Ich persönlich hätte kein Problem, das Erbgut zu verändern, wenn dadurch die Disposition für Krankheiten, insbesondere Krebs, beseitigt werden könnte. Dabei muss man natürlich sehr vorsichtig sein, nicht dass man dadurch mehr Probleme schafft als löst.
Dem Thema "Designerbaby" stehe ich aber sehr skeptisch gegenüber, dies sollte weltweit gesetzlich untersagt werden. Was aber wohl nur ein Wunschtraum bleiben wird, denn damit werden in Zukunft Unsummen Geld zu verdienen sein.

Wer sollte denn auf welcher Grundlage bestimmen, was im Rahmen der PID erlaubt sein soll? Soll man sich wie bei Abtreibung und Sterbehilfe wieder am christlichen Menschenbild mit seinen weltanschaulichen Prämissen orientieren und auf die Möglichkeiten verzichten?
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Eulenwoelfchen » So 27. Dez 2020, 13:33

Das wird sicher eine interessante Zukunft werden. Zwei verschiedene Arten von Heterosex.

Der eine, wissenschaftlich/medizinische, vorher behandelte. Der bei Mann und Frau erst mal genetische Erbgutnegativa mit der "Schere" ausmerzt und/oder durch untadelig positive ersetzt, damit das anschließende Rammelergebnis dann auch 100% krankheitsfrei sein wird.

Auf der anderen Seite der bescheidene Sex, dem das wurst ist. Der, der nur wüsten und ungehemmten Lustgewinn als völlig ausreichend für sich präferiert. Gar keine Kinder will und wohl auch darauf hoffen kann, dass es wenigstens bis dahin auch 100% zuverlässige Verhüterli für beide Geschlechter gibt, die ungewollte Kindszeugungen auch zuverlässig ausschließen.

Damit wäre dann auch das Recht auf Abtreibung endlich gelöst.

Ich sehe dieser neuen Normalität mit freudiger Erregung entgegen. Auch wenn für mich diese paradiesischen Segnungen der Gen- und Biotechnik für Sex und seine durchaus divergierenden Ziele zu spät kommen.

Aber ich beschwere mich auch nicht unbedingt als Zuspätgekommener. Irgendwas ist nicht nur immer, sondern war wohl auch schon immer. :D
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon H2O » So 27. Dez 2020, 13:41

Mit PiD ist doch Diagnostik gemeint; @ Tom Bombadil hat aber auch das Thema "Designerbaby" angesprochen. Designerverfahren bedeuten aber mehr als die Beurteilung eines Embrios... bedeuten Eingriffe in das ansonsten nach Zufallsbegegnungen entstandene Embrio... oder noch früher in die Eizelle und die Spermien.

Ich halte schon das heute unvermeidliche Ausleseverfahren nach labormäßiger Befruchtung mehrerer Eizellen für vertretbar. Daß man dabei nun das am besten für eine nachfolgende Schwangerschaft einsetzbare Ei einpflanzt, stellt zwar einen Eingriff in die Zufälligkeit dar. Aber doch sehr begrenzt... sie unterliegt ja auch wieder einem Zufall.

Bei Designer-Schöpfungen ist fast gar nichts mehr zufällig; der entstehende Mensch hat nur noch wenig gemein mit seinen Eltern. Ich habe Mühe mir vorzustellen, ein solches Geschöpf als mein Kind 25 Jahre lang zu umsorgen. Nein, will ich nicht!

Denkt man aber an Eingriffe in das Erbgut, um schlimme Erbkrankheiten zu verhindern, dann läßt selbstverständlich meine widerständige Haltung nach... na ja, ja!
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Tom Bombadil » So 27. Dez 2020, 14:08

Stoner hat geschrieben:(27 Dec 2020, 12:50)

Wer sollte denn auf welcher Grundlage bestimmen, was im Rahmen der PID erlaubt sein soll? Soll man sich wie bei Abtreibung und Sterbehilfe wieder am christlichen Menschenbild mit seinen weltanschaulichen Prämissen orientieren und auf die Möglichkeiten verzichten?

Merkwürdige Fragen in Bezug auf meinen Beitrag, ich kann da irgendwie keinen Zusammenhang erkennen, Genmanipulation muss imho nicht durch in-vitro-Fertilisation stattfinden.
Und was mein Beitrag mit Abtreibung, Sterbehilfe und dem christlichen Menschenbild zu tun hat, erschließt sich mir auch nicht :?: Mit Designerbaby meine ich dann solche Sachen, wie Geschlecht, Körperbau, Intelligenz, Augenfarbe etc. die man sich aussuchen könnte. So etwas lehne ich ab.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Stoner » So 27. Dez 2020, 14:17

Tom Bombadil hat geschrieben:(27 Dec 2020, 14:08)

Merkwürdige Fragen in Bezug auf meinen Beitrag, ich kann da irgendwie keinen Zusammenhang erkennen, Genmanipulation muss imho nicht durch in-vitro-Fertilisation stattfinden.
Und was mein Beitrag mit Abtreibung, Sterbehilfe und dem christlichen Menschenbild zu tun hat, erschließt sich mir auch nicht :?: Mit Designerbaby meine ich dann solche Sachen, wie Geschlecht, Körperbau, Intelligenz, Augenfarbe etc. die man sich aussuchen könnte. So etwas lehne ich ab.


Die Frage ist ja: Warum lehnen Sie es ab? Welche Ethik liegt dem zu Grunde?

(Sterbehilfe und Abtreibung waren nur ein Beispiel für Bereiche, in denen christliche Weltbilder den Diskurs bestimmten.)
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon conscience » So 27. Dez 2020, 14:26

Stoner hat geschrieben:(27 Dec 2020, 14:17)

Die Frage ist ja: Warum lehnen Sie es ab? Welche Ethik liegt dem zu Grunde?

(Sterbehilfe und Abtreibung waren nur ein Beispiel für Bereiche, in denen christliche Weltbilder den Diskurs bestimmten.)


So was ähnliches wurde bereits vor ca. 40 Jahren diskutiert, man denke an den Philosophen Peter Singer.

Und nichts hat sich bislang geändert.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Tom Bombadil » So 27. Dez 2020, 14:35

Stoner hat geschrieben:(27 Dec 2020, 14:17)

Die Frage ist ja: Warum lehnen Sie es ab?

Weil ich befürchte, dass eine weltweite Gesellschaft aus großen, starken, gut aussehenden und superintelligenten Männern furchtbar öde sein wird. Frauen dürfte es dann nur noch wenige geben, weil sich mW. gerade in bevölkerungsreichen Ländern die meisten Leute einen Sohn wünschen.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Stoner » So 27. Dez 2020, 14:40

H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 13:41)

Mit PiD ist doch Diagnostik gemeint; @ Tom Bombadil hat aber auch das Thema "Designerbaby" angesprochen. Designerverfahren bedeuten aber mehr als die Beurteilung eines Embrios... bedeuten Eingriffe in das ansonsten nach Zufallsbegegnungen entstandene Embrio... oder noch früher in die Eizelle und die Spermien.



Allein die steigende Zahl gleichgeschlechtlicher Ehen sowie die immer häufigeren Kinderwünsche älterer Herrschaften werden dafür sorgen, dass immer häufiger der "natürliche" Weg der Zeugung durch künstliche ersetzt werden wird. Und genau dann fragt man sich, welche Wünsche nach bestimmten Merkmalen denn mit welcher Berechtigung ausgeschlossen werden sollten. Die negativen (Krankheiten) sind wahrscheinlich relativ unstrittig, anders dagegen die positiven. Aber warum sollte ich mir nicht Augenfarbe oder Hauttönung oder Haarfarbe oder gar das Geschlecht wünschen dürfen? In dem Augenblick, in dem die Götter ausgedient haben, gibt es keinen moralischen Grund mehr, Eltern vorzuschreiben, wie ihr Baby nicht aussehen darf.
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