Was ist Zufall?

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van Kessel

Re: Was ist Zufall?

Beitragvon van Kessel » Do 1. Aug 2013, 17:57

hi odiug,
Nutzen ist mir zu "lieblich".
ist nur ein Wort.
Ausbeuten trifft es meiner Meinung nach besser, weil es um eine Unterwerfung der Natur unter menschliche Zwecke geht.
wie beutest du denn beispielsweise per Photo-Voltaik die Sonne aus, oder per Gezeitenkraftwerk die Gravitationskräfte? Ich bin der Ansicht, dass man die Natur (als Begriff allen Seins) nicht ausbeuten kann. Du beschreibst eigentlich nicht Natur, sondern Umwelt. Aber ist dies hier Thema?
Und das Werkzeug dazu sind die Naturwissenschaften, welche die Naturgesetze aufstellen.
da kann ich dir nicht mehr folgen. Wissenschaftler stellen keine Naturgesetze auf, sondern stellen Modelle der Wirklichkeit vor, welche nach Überprüfung und Reproduzierungsverfahren als für den Zeitpunkt als gültig erachtet werden. Dies sind keine Ewigkeitsgesetze, können es aber sein.

Nimm einmal die Theorie über den Urknall. Momentan (seit ungefähr 50 Jahren) ist dies eine Annahme über die Entstehung unseres Universum. Dies ist nach allen Prüfungen durch die Wissenschaft, das plausibelste Modell, sich den Ursprung und Verteilung der Materie vorzustellen - ich will nicht langweilen -. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Modell in der Zukunft das Schicksal der Newton' Physik erleidet; es muss modifiziert werden.

Was dir wohl vorschwebt ist Umwelt (Environment) welche durch die Formeln der Wissenschaft negativ verändert werden können. Dies ist aber nicht das, was wir unter Natur hier abkaspern.
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Sri Aurobindo
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Sri Aurobindo » Do 1. Aug 2013, 18:09

Matthias Pochmann » Do 25. Jul 2013, 12:22 hat geschrieben:Unsere Welt ist das Ergebnis der Hausaufgabe eines Schülers einer überlegenen Intelligenz

"Ihr liebe Schüler entwickelt bis nächste Woche eine Simulation eines Universums mit Lebewesen, Bewusstsein und Intelligenz
Bedingung: Die Lebensformen dürfen keinen Beweis finden, dass sie Teil einer Simulation sind"


Zufall ist es nur für uns
Für Gott ist es bewusster Wille
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Selaht
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Selaht » Fr 2. Aug 2013, 13:02

Max73 » Sa 20. Jul 2013, 16:36 hat geschrieben:Meine Hypothese vorweg: Wir bringen den Begriff "Zufall" vor allem dann ins Spiel, wenn wir etwas nicht erklären können. Oder besser gesagt: Noch nicht erklären können.

Im normalen Sprachgebrauch wird der Begriff "Zufall" in etwa so benutzt, dass er Dinge oder Ereignisse beschreibt, die quasi ungeordnet, ohne eigentliche, innere Gesetzmäßigkeit geschehen, ja oft eventuell sogar ohne einen Impulsgeber. Bitte legt mich jetzt nicht auf eine optimale Formulierung fest. Man kann es bestimmt noch treffender ausdrücken.

Was mir immer wieder auffällt, ist dass Kreationisten den Evolutionsprozess als "zufällig" bezeichnen. obwohl es über rein zufällige Abläufe keine Theorie geben kann. Läuft der Evolutionsprozess quasi ungeordnet ohne Impulsgeber ab?

Ich möchte dich nicht festlegen. Aber, wenn du schon die Frage stellst, was Zufall ist, dürfte meines Erachtens gerade eine konkrete Betrachtung der Evolution Sinn machen. Inwieweit ist Evolution zufällig, inwieweit geordnet? Inwieweit ist "survival of the fittest" Impulsgeber?
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Praia61 » Fr 2. Aug 2013, 13:48

Wenn es keine Umweltveränderungen gäbe, die Konkurenzsituation um die Nahrung sich nicht verändern würde, dann käme nur noch genetische Fehler bei der Reproduktion
in Frage als Grund für die Evolution.
van Kessel

Re: Was ist Zufall?

Beitragvon van Kessel » Fr 2. Aug 2013, 14:35

hi Selaht,
Was mir immer wieder auffällt, ist dass Kreationisten den Evolutionsprozess als "zufällig" bezeichnen. obwohl es über rein zufällige Abläufe keine Theorie geben kann. Läuft der Evolutionsprozess quasi ungeordnet ohne Impulsgeber ab?
Frage: lehnen Kreationisten nicht eine Evolution per se ab? Denn würden sie eine Evolution anerkennen, würden sie einen Kreator nicht benötigen. Und was ist ein Kreationist, welcher einen Schöpfer voraussetzt, dann aber die Evolution wirken lässt?
Ich möchte dich nicht festlegen. Aber, wenn du schon die Frage stellst, was Zufall ist, dürfte meines Erachtens gerade eine konkrete Betrachtung der Evolution Sinn machen.
Evolution ist nicht nur von Zufällen 'abhängig', sondern gleichzeitig auch ein 'Werkzeug'. Ein Zufall mag durchaus das Aussterben der Saurier sein, welches den Säugetieren neue 'Nischen' ermöglichte.
Inwieweit ist Evolution zufällig, inwieweit geordnet? Inwieweit ist "survival of the fittest" Impulsgeber?
ich denke da an Haie, welche seit Jahrmillionen keiner Evolution mehr 'unterworfen' sind. Sie haben wohl die optimale 'Verfassung' erhalten und kein Ereignis kann dies mehr optimieren. Sie können lediglich aussterben, weil bei dieser 'Tätigkeit' der Mensch fleissig mithilft.

Die Evolution ist -imho - nicht eine Funktion, welche stets verbessert, sondern welche Aufwand und Ertrag gegeneinander abwägt. So belässt sie alte Funktionen - welche nicht mehr benötigt werden oder unzweckmässig sind - weil die Änderung oder Entfernung dieser Funktionen, einen unverhältnissmässig hohen Aufwand zeitigen würde.

Evolution ist wohl kein Zufall, sondern eine Tendenz. Ist ein Weg einmal beschritten (wie die Entwicklung zu einem komplexen Gehirn) findet diese Entwicklung ihr Ende durch die Tatsache, dass ein Geburtskanal z.B. sich nicht 'unbeschadet' erweitern lässt. Eine 'Entwicklung' lässt sich dann nur noch 'in der Tiefe' ermöglichen; d.h. in der Qualität. Dies dürfte aber auch nicht ohne Verluste (wie z.B. als Autismus) geschehen, ehe sich Aufwand und Nutzen 'eingependelt' haben.

Dass ein vorläufiges End'produkt' momentan an der Spitze gesehen wird, verkleistert die Tatsache, dass der Mensch ein Zufallsprodukt der Geschichte dieses Planeten ist. Zufall deshalb, weil bei den bekannten Massenausterben, die Vorläufer des 'Menschen', diesem Massenaussterben - warum auch immer - entkamen; ansonsten es uns nicht gäbe.

Ich würde die Evolution nur bedingt mit Zufall in Verbindung bringen. Die Darwin' Feststellung vom Überleben des Angepasstesten ( to fit), kann nicht den Zufall ausklammern, denn was nutzt die beste Anpassung, wenn eine Kette von Vulkanausbrüchen eine kleine Population von Lebewesen mitsamt Environment vernichtet?

Vielleicht existiert der Zufall nur in den Weiten der Physik, wo virtuelle Teilchen einen irren Tanz aufführen und uns nur an Zufall denken lassen, ehe wir eine Gesetzmässigkeit erkennen.
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gallerie
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon gallerie » Fr 2. Aug 2013, 14:44

van Kessel » Fr 2. Aug 2013, 19:35 hat geschrieben:
Vielleicht existiert der Zufall nur in den Weiten der Physik, wo virtuelle Teilchen einen irren Tanz aufführen und uns nur an Zufall denken lassen, ehe wir eine Gesetzmässigkeit erkennen.

…eben, sobald wir aber eine Gesetzmäßigkeit erkennen ist es kein Zufall mehr. Ein Zufall ergibt sich aus einer momentanen Situation heraus, beleuchtet man diesen angeblichen Zufall erkennt man früher oder später eine logische Konsequenz.
Zuletzt geändert von gallerie am Fr 2. Aug 2013, 14:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon odiug » Fr 2. Aug 2013, 17:17

van Kessel » Do 1. Aug 2013, 16:57 hat geschrieben:hi odiug,
ist nur ein Wort.

wie beutest du denn beispielsweise per Photo-Voltaik die Sonne aus, oder per Gezeitenkraftwerk die Gravitationskräfte? Ich bin der Ansicht, dass man die Natur (als Begriff allen Seins) nicht ausbeuten kann. Du beschreibst eigentlich nicht Natur, sondern Umwelt. Aber ist dies hier Thema?da kann ich dir nicht mehr folgen. Wissenschaftler stellen keine Naturgesetze auf, sondern stellen Modelle der Wirklichkeit vor, welche nach Überprüfung und Reproduzierungsverfahren als für den Zeitpunkt als gültig erachtet werden. Dies sind keine Ewigkeitsgesetze, können es aber sein.

Nimm einmal die Theorie über den Urknall. Momentan (seit ungefähr 50 Jahren) ist dies eine Annahme über die Entstehung unseres Universum. Dies ist nach allen Prüfungen durch die Wissenschaft, das plausibelste Modell, sich den Ursprung und Verteilung der Materie vorzustellen - ich will nicht langweilen -. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Modell in der Zukunft das Schicksal der Newton' Physik erleidet; es muss modifiziert werden.

Was dir wohl vorschwebt ist Umwelt (Environment) welche durch die Formeln der Wissenschaft negativ verändert werden können. Dies ist aber nicht das, was wir unter Natur hier abkaspern.


Es ist schon die Natur, also das Sein an sich jenseits des menschlichen Seins.
Ich bezweifle das "interessenlose Wohlgefallen".
Der Mensch betrachtet alles Andere immer unter dem Aspekt des eigenen Zwecks.
Auch die Aesthetik, also die Kunst, welche ja das einzige waere, wo der Zweck sich im Idealfall verfluechtigt.
Er schleicht sich aber durch die Hintertuer des Genusses wieder in unser tun.
Und Ausbeuten der Natur heisst fuer mich, die Unterwerfung der Natur unter den menschlichen Zweck.
Dazu zaehlt dann auch de Photovoltaik oder das Gezeitenkraftwerk, da natuerliche Phaenomene unter den Nutzen fuer den Menschen gezwaengt werden.
Die Natur, also das Sein ist fuer sich.
Wir als Menschen nehmen es aber nur wahr fuer uns.
Wir koennen nicht denken und erleben wir ein Adler n schwindelnden Hoehen oder wie ein Fisch im Wasser.
Zuletzt geändert von odiug am Fr 2. Aug 2013, 17:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Shoogar » Fr 2. Aug 2013, 21:30

Dem kleinen Ausflug in die Evolutionstheorie habe ich einen eigenen Thread verpasst.
Bitte führt Eure Gedanken zu diesem Thema hier nicht mehr weiter aus.

Grüße
Shoogar
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Max73 » Sa 3. Aug 2013, 21:36

Shoogar » Fr 2. Aug 2013, 21:30 hat geschrieben:Dem kleinen Ausflug in die Evolutionstheorie habe ich einen eigenen Thread verpasst.
Bitte führt Eure Gedanken zu diesem Thema hier nicht mehr weiter aus.

Grüße
Shoogar

Danke.
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Shlabotnik » Mo 5. Aug 2013, 21:00

Also wenn ich das mit der Bell'schen Ungleichung richtig verstanden habe, gibt es also Ereignisse, die nicht "realistisch" sind in dem Sinne, dass die Eigenschaft unabhängig von der Messung ist. Der radioaktive Zerfall eines einzelnen Atoms wäre dann (wenn er das obige Kriterium eben nicht erfüllt) eben "echt" zufällig, und nicht nur "von noch nicht bekannten Faktoren abhängig".

Zudem gibt es auch Ereignisse, die nicht "lokal" sind, wie bei den verschränkten (trotz räumlicher Entfernung) Photonen beobachtet wurde.

J.S.
Виден сокол по полёту.
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Herr Bert » Sa 21. Dez 2013, 14:26

Der Neandertaler » Sonntag 21. Juli 2013, 20:10 hat geschrieben:
    Rauchen, Saufen ... Risiko?
KLar!
    ... teils teils.

Es ist bewiesen, daß diese Dinge ein Risiko sind, daß wir durch den 'Nicht-Konsum' davon, daß wir dann gesunder bleiben ... länger gesund bleiben.

Nein. Das ist es nicht.
Es ist noch nicht einmal bewiesen, dass es ein Risiko ist.

Vielleicht wäre Helmut Schmidt längst tot, hätte er nie geraucht.
Beweise das Gegenteil!
Merkst Du was?
:D
Alexander Zwo

Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Alexander Zwo » Sa 21. Dez 2013, 15:54

Es existiert nur eine einzige echte Wahrscheinlichkeit (ein einziger echter Zufall) und zwar der, dass es sowas wie Wahrscheinlichkeiten statt Determinismus gibt! :cool:
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Herr Bert » So 22. Dez 2013, 10:30

Alexander Zwo » Samstag 21. Dezember 2013, 15:54 hat geschrieben:Es existiert nur eine einzige echte Wahrscheinlichkeit (ein einziger echter Zufall) und zwar der, dass es sowas wie Wahrscheinlichkeiten statt Determinismus gibt! :cool:

Was die praktische Voraussagbarkeit betrifft, mag das stimmen.
Aber nur da.
;)
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Cat with a whip
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Cat with a whip » Mo 23. Dez 2013, 11:44

EDIT.
Zuletzt geändert von Cat with a whip am Mo 23. Dez 2013, 12:20, insgesamt 1-mal geändert.
"Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen." Joseph Weizenbaum
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Der Neandertaler
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Der Neandertaler » Mo 6. Jan 2014, 15:25

Hallo Herr Bert.
Herr Bert hat geschrieben:Nein. Das ist es nicht.
Es ist noch nicht einmal bewiesen, dass es ein Risiko ist.

Vielleicht wäre Helmut Schmidt längst tot, hätte er nie geraucht.
Beweise das Gegenteil!
Merkst Du was?
:D

Ich gebe Dir Recht. Daß, was wir als 'Grenze' ... als 'Risiko-Bewertung' ansehen, sind lediglich weitgehend Vermutungen, die sich daraus ergeben, daß etwas passiert oder noch-nicht-passiert.
Aber ich beurteile es so, daß wir bestimmte Zusammenhänge noch nicht verstehen. Daher können wir auch bestimmte Vorhersagen (was wäre wenn ...) nicht genau treffen.
Dies mag durchaus als 'Zufall' aussehen, aber ich bezeichne dies nicht derartig. Es gibt mit Sicherheit eine Erklärung für derartige Vorgänge.
Aber nur deswegen, weil ich nun das Gegenteil eines Vorgangs nicht erklären oder beweisen kann, muß es doch nicht gleich Zufall sein.

Das, was wir weitläufig als Zufall bezeichnen, deuten wir also weitgehend aus einer Verkürzung heraus. Einer Verkürzung, die sich aus Zeitmangel oder Bequemlichkeit ergibt. Wobei eine Verkürzung, die sich etwa in stereotypischen Beurteilungen zeigt, hilft uns weitgehend unsere Umwelt ... unser Umfeld zu verstehen. Von daher ist eine Beurteilung nach 'Zufall' oder nicht-Zufall weitgehend 'normal'.
Aber grundsätzlich glaube ich nicht an Zufälle!
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Herr Bert » Mo 6. Jan 2014, 16:01

Der Neandertaler » Montag 6. Januar 2014, 15:25 hat geschrieben:Hallo Herr Bert.
Ich gebe Dir Recht. Daß, was wir als 'Grenze' ... als 'Risiko-Bewertung' ansehen, sind lediglich weitgehend Vermutungen, die sich daraus ergeben, daß etwas passiert oder noch-nicht-passiert.

Hallo Neandertaler,
bereits der Begriff Risiko ist in diesen Fällen schon wissenchaftlich ungenau.
Statistisch festgestellte Begleiterscheinungen sind kein inhaltlicher Beweis,
solange der kausale Zusammenhang nicht bewiesen ist.
Das ist nicht der Fall.
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 6. Jan 2014, 16:48

Der Neandertaler » Mo 6. Jan 2014, 16:25 hat geschrieben:Hallo Herr Bert.

Aber ich beurteile es so, daß wir bestimmte Zusammenhänge noch nicht verstehen. Daher können wir auch bestimmte Vorhersagen (was wäre wenn ...) nicht genau treffen.
Dies mag durchaus als 'Zufall' aussehen, aber ich bezeichne dies nicht derartig. Es gibt mit Sicherheit eine Erklärung für derartige Vorgänge.
Aber nur deswegen, weil ich nun das Gegenteil eines Vorgangs nicht erklären oder beweisen kann, muß es doch nicht gleich Zufall sein.

Das, was wir weitläufig als Zufall bezeichnen, deuten wir also weitgehend aus einer Verkürzung heraus. Einer Verkürzung, die sich aus Zeitmangel oder Bequemlichkeit ergibt. Wobei eine Verkürzung, die sich etwa in stereotypischen Beurteilungen zeigt, hilft uns weitgehend unsere Umwelt ... unser Umfeld zu verstehen. Von daher ist eine Beurteilung nach 'Zufall' oder nicht-Zufall weitgehend 'normal'.
Aber grundsätzlich glaube ich nicht an Zufälle!


Das gilt für die Quantentheorie jedenfalls ganz sicher nicht. Denn in demselben Maße wie sie mit der Behauptung der Existenz echter Zufälle die Welt (im Kleinen) als indeterministisch ansieht, beschreibt und quantifiziert sie diese Zufälligkeiten mit umso höherer Genauigkeit. Der Aufenthaltsort eines einzelnen Quantenteilchens zu gegebener Zeit ist vollkommen zufällig, aber die Verteilung der Aufenthaltswahrscheinlichkeiten wird durch eine mathematisch exakte Formel beschrieben. Und die Entwicklung dieser Theorie war alles andere als "bequemlich".

Philosophisch betrachtet ist eine (vollkommen, im Großen wie im Kleinen gleichermaßen) deterministische Welt etwas sehr unwahrscheinliches, ja etwas geradezu Kurioses. Denn wenn jeder Zustand aus vorhergehenden Zuständen - prinzipiell jedenfalls - ableitbar wäre, wenn die Welt ein zwar sehr sehr kompliziertes aber eben doch mechanisch ablaufendes großes Uhrwerk wäre ... dann könnte so etwas wie Leben nicht entstehen. Für die Entstehung und Entwicklung von Leben bedarf es eines grundsätzlichen Variationsmechanismus, bei dem tatsächlich Neues aus dem Nichts und nicht Neues aus Altem entsteht. Intuitiv jedenfalls ist das für mich eine Selbstverständlichkeit, über die gar kein Zweifel besteht.
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Perdedor
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Perdedor » Mo 6. Jan 2014, 18:11

schokoschendrezki hat geschrieben:Philosophisch betrachtet ist eine (vollkommen, im Großen wie im Kleinen gleichermaßen) deterministische Welt etwas sehr unwahrscheinliches, ja etwas geradezu Kurioses.


Kurios, in der Tat.
Aber warum unwahrscheinlich? Weil viel mehr nicht-deterministische Welten vorstellbar sind? Wäre dann nicht alles, was passiert immer unwahrscheinlich?

schokoschendrezki hat geschrieben:Für die Entstehung und Entwicklung von Leben bedarf es eines grundsätzlichen Variationsmechanismus, bei dem tatsächlich Neues aus dem Nichts und nicht Neues aus Altem entsteht.


Warum das denn? Was bedeutet "neu"?
Wieso sollte sich "Leben" nicht deterministisch aus den Anfangsbedingungen auf der Erde ergeben?
Im Zusammenhang mit der Mutation wird natürlich oft von Zufall geredet, aber das muss kein echter (quantenmechanischer) Zufall sein. Selbst wenn die Sonne vollkommen deterministisch ihre Gamma-Strahlen aussendet und diese vollkommen deterministisch auf die DNS eines Organismus treffen und sie verändern, funktioniert Evolution.
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon Der Neandertaler » Di 7. Jan 2014, 13:01

Hallo schokoschendrezki.
schokoschendrezki hat geschrieben:Das gilt für die Quantentheorie jedenfalls ganz sicher nicht. Denn in demselben Maße wie sie mit der Behauptung der Existenz echter Zufälle die Welt (im Kleinen) als indeterministisch ansieht, beschreibt und quantifiziert sie diese Zufälligkeiten mit umso höherer Genauigkeit. Der Aufenthaltsort eines einzelnen Quantenteilchens zu gegebener Zeit ist vollkommen zufällig, aber die Verteilung der Aufenthaltswahrscheinlichkeiten wird durch eine mathematisch exakte Formel beschrieben. Und die Entwicklung dieser Theorie war alles andere als "bequemlich".

Philosophisch betrachtet ist eine (vollkommen, im Großen wie im Kleinen gleichermaßen) deterministische Welt etwas sehr unwahrscheinliches, ja etwas geradezu Kurioses. Denn wenn jeder Zustand aus vorhergehenden Zuständen - prinzipiell jedenfalls - ableitbar wäre, wenn die Welt ein zwar sehr sehr kompliziertes aber eben doch mechanisch ablaufendes großes Uhrwerk wäre ... dann könnte so etwas wie Leben nicht entstehen. Für die Entstehung und Entwicklung von Leben bedarf es eines grundsätzlichen Variationsmechanismus, bei dem tatsächlich Neues aus dem Nichts und nicht Neues aus Altem entsteht. Intuitiv jedenfalls ist das für mich eine Selbstverständlichkeit, über die gar kein Zweifel besteht.

Ich will und kann nicht auf die Quantentheorie eingehen. Erstens ist dies nicht mein Wissensfach - davon verstehe ich recht wenig ... zu wenig.
Zweitens:
    Wie ich es beurteile (und das steckt ja auch in diesem Wort), ist dies (vorläufig) eine Theorie. Eine Theorie, die zweifellos heutzutage weitgehend anerkannt und/oder bewiesen ist.
Auch die Einstein'sche Relativitätstheorie ist ja derart anerkannt. Und trotzdem geben Einstein'sche Theorien noch heutzutage Anlaß und Stoff zu weitreichenden (und - von außen betrachtet -zu teilweise abstrusen) Diskussionen.
Es ist also alles irgendwie zu erklären - es kommt lediglich auf den Wissensstand und deren Erkenntnis an.
    (zur Erweiterung dieses Wissensstandes können und werden diese Diskurse wohl beitragen. Weil dadurch (berechtigte) Fragen aufkommen, welche wiederum Grundlage zu weitergehenden Forschungen und Untersuchungen sind.)

Deine These, daß "so etwas wie Leben nicht entstehen" könne, "wenn jeder Zustand aus vorhergehenden Zuständen - prinzipiell jedenfalls - ableitbar wäre", diese dürfte sich wohl widerlegt haben.
    (meiner Meinung nach, ist sie schon widerlegt.)
Alleine schon durch die Evolutionsgeschichte. Daß also 'die Natur' weitgehend experimentiert (daß sie also bei 'Menschwerdung' das, was sich als vorteilhafte Lösung herausgestellt hat), und die besten Lösungen weiterverwendet hat (von Australopithen über Homo Erectus und Neandertaler bishin zum Homo sapiens), bezeugt doch, daß immer auf den vorherigen 'Erfolgen' aufgebaut wurde ... bzw., nur erfolgversprechendes, was zu bevorstehenden Lösung beitragen könnte, daß lediglich dies berücksichtigt wurde.

Experimentieren, also "Variationsmechanismus" und auf-dem-Vorherigen-aufbauen schließen sich ja nicht prinzipiell aus. Ich kann ja das Vorherige berücksichtigen, dies verarbeiten, aber verbessern.
    (was ja wiederum ein Experiment wäre.)
So entsteht "Neues aus Altem".
    Aber auch das Experimentieren sollte man nicht dem Zufall zuschreiben!
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Re: Was ist Zufall?

Beitragvon ThorsHamar » Di 7. Jan 2014, 13:13

Der Neandertaler » Di 7. Jan 2014, 07:01 hat geschrieben:
....Daß also 'die Natur' weitgehend experimentiert (daß sie also bei 'Menschwerdung' das, was sich als vorteilhafte Lösung herausgestellt hat), und die besten Lösungen weiterverwendet hat (von Australopithen über Homo Erectus und Neandertaler bishin zum Homo sapiens), bezeugt doch, daß immer auf den vorherigen 'Erfolgen' aufgebaut wurde ... bzw., nur erfolgversprechendes, was zu bevorstehenden Lösung beitragen könnte, daß lediglich dies berücksichtigt wurde. ....



...sorry, dass ich mich hier einmische, aber vielleicht mal als Denkanstoss:

Es sieht nur scheinbar so aus, als würde "die beste Lösung weiterverwendet".
Das hat damit zu tun, dass sich die Bedingungen des Systems nur extrem langsam und sukzessive verändern, in welchen z.B. Lebewesen sich bewegen.
Wenn ab sofort die Umweltbedingungen der Urerde herrschten, könnte sich lediglich die Lebewesen wieder an der Gestaltung der Natur beteiligen, welche in der Lage sind, diese Bedingungen zu ertragen und darauf mit Weiterleben zu reagieren ... :cool:
Die "beste Lösung" für Sauerstoffarmer hat in Schwefeldämpfen keine Chance.
Wir selbst bemerken ja kaum die stete Entwicklung um uns herum und auch in und mit uns. Dazu sind 80 Jahre zu kurz ....
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
Eric Arthur Blair

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