Stillstand in der Entwicklung

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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 9. Sep 2019, 16:50

Was die "Fernsteuerbarkeit" anbelangt, habe ich mich falsch ausgedrückt. Natürlich können ab einer bestimmten Entfernung nur noch Vorgaben gemacht werden und müssen autonom arbeitende Systeme eben autonom arbeiten. Es ist dabei noch die Frage, ob Fehlerkorrekturen von selbstkorrigierenden Maschinen oder von Menschen besser und schneller beseitigt werden. Bei Mond und Mars geht es ja nicht um unbekannte Himmelskörper, bei denen man vor Ort überhaupt erst mal sichten und planen muss. Es sind, einschließlich der Montage von Instrumenten und Gebäuden allesamt automatisierbare Abläufe.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Adam Smith » Mo 9. Sep 2019, 17:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Sep 2019, 16:46)
. Wo sind sie? Meine - klar, subjektive hochspekulative These dazu - Weil irgendwann das Konzept "Körper" an sein Ende kommt.


Damit ist dann für dich eine Kontaktaufnahme unmöglich? Logisch ist nur, dass wir die einzigen Lebewesen in der Milchstraße sind die jetzt Radiowellen ins All senden. Bezogen auf das Universum dürfte es wiederum Millionen von Planeten geben in denen z.B. Raumfahrt betrieben wird.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Zacherli » Mo 9. Sep 2019, 17:23

Adam Smith hat geschrieben:(09 Sep 2019, 17:22)

Damit ist dann für dich eine Kontaktaufnahme unmöglich? Logisch ist nur, dass wir die einzigen Lebewesen in der Milchstraße sind die jetzt Radiowellen ins All senden.

Woher willst du wissen das wir die einzigen sind :?:
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Adam Smith » Mo 9. Sep 2019, 17:25

Zacherli hat geschrieben:(09 Sep 2019, 17:23)

Woher willst du wissen das wir die einzigen sind :?:


Ansonsten hätten wir ja schon welche empfangen. Wobei die Milchstrasse sehr gross ist. Die könnten ja sich auch weit entfernt befinden.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Zacherli » Mo 9. Sep 2019, 17:35

Adam Smith hat geschrieben:(09 Sep 2019, 17:25)

Ansonsten hätten wir ja schon welche empfangen. Wobei die Milchstrasse sehr gross ist. Die könnten ja sich auch weit entfernt befinden.

Die ersten Radiowellen sind erst ~ 80 Lichtjahre weit gekommen. Bei einem Dur hmesser der Milchstraße von 105.700 Lichtjahren der Milchstraße ist dies herzlich wenig. Zudem müssten die möglichen Empfänger schon eine riesen Schüssel zufällig auf unsere Erde gerichtet haben, die noch weit größer wäre als unser Größtes (300m) um diese Signale überhaupt noch deuten zu können.

Ein schwieriges Unterfangen.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Adam Smith » Mo 9. Sep 2019, 17:40

Zacherli hat geschrieben:(09 Sep 2019, 17:35)

Die ersten Radiowellen sind erst ~ 80 Lichtjahre weit gekommen. Bei einem Dur hmesser der Milchstraße von 105.700 Lichtjahren der Milchstraße ist dies herzlich wenig. Zudem müssten die möglichen Empfänger schon eine riesen Schüssel zufällig auf unsere Erde gerichtet haben, die noch weit größer wäre als unser Größtes (300m) um diese Signale überhaupt noch deuten zu können.

Ein schwieriges Unterfangen.


Ich meine damit nicht die Radiowellen die wir ins All schicken.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Dark Angel » Mo 9. Sep 2019, 18:17

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Sep 2019, 16:32)

@D.A. Zeitreisen sind weder mit noch sonstwem möglich. Da ist also nix zu "beweisen". Es handelt sich lediglich um eine Vermutung.

Es handelt sich um deine ganz private Sichtweise/Meinung. Mehr nicht.

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Sep 2019, 16:32)
Ich stütze mich dabei auf die Einschätzungen von Experten.

Welche Experten?

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Sep 2019, 16:32)Von denen es natürlich auch die gibt, die so sagen und die die etwas anderes sagen. Was ich einigermaßen beurteilen kann, ist die Dynamik der gegenwärtigen Entwicklung von IT, KI und Robotik. Und dies kann man versuchen, ein wenig in die Zukunft hinein zu prognostizieren. Wenn ein Bauer schon heute von seinem Computer am Schreibtisch eine Vorgabe macht und die Erntemaschine vollautomatisch loslegt, Steine umfährt, Unkrautsorten erkennt, dann scheint es mir sehr wahrscheinlich, dass man in zehn Jahren ein Erkundungssystem auf Mond oder Mars auch von der Bodenstation aus steuern kann und Menschen vor allem mitfliegen, damit Politiker sagen können, ein Amerikaner oder ein Chinese habe als erster Mensch den Mars betreten.

Egal wie dynamisch die Entwicklung von IT, KI und Robotik auch sein mag, es wird immer Situationen geben, bei denen der Mensch eigreifen muss und das ist von der Erde aus eben NICHT möglich, vor allem dann nicht, wenn es sich um die Steuerung/Regelung von Prozessen auf dem Mars oder im Asteroidengürtel handelt.
Da sind und bleiben ca 30 Minuten für die Nachrichten- bzw Signalübertragung zwischen Mars und Erde.
KEINE noch so rasante und dynamische Entwicklung ändert etwas an der Tatsache, dass sich elektromagnetische Wellen mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten und das dauert nunmal 15 Minuten bis ein Signal von der Erde den Mars erreicht. In dieser Zeit kann sich viel ereignen
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Ammianus » Mo 9. Sep 2019, 20:46

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Sep 2019, 16:16)

Der Mensch baut sich dafür aber die entsprechende Technologie und läuft nicht einfach zu Fuß irgendwohin los. Der menschliche Entdeckergeist ist mit Hilfe verschiedener Fernerkundungsinstrumente bereits viel viel weiter ins Universum vorgedrungen als es sich die meisten Leute vielleicht vorstellen. Außerdem hat die moderne Physik gezeigt, dass Makro- und MIkrokosmos auf eine ganz eigene Art miteinander verknüpft sind. Das Universum ist eben nicht einfach nur eine riesenhaft vergrößerte Erdoberfläche. Wir müssen nicht einfach nur "loslaufen" sondern ständig unsere Vorstellungen von Raum, Zeit, Masse, Energie, Information usw. revidieren. Da stehen uns womöglich noch ganz andere Umbrüche bevor als sie in irgendwie denkbarer Weise durch bemannte Raumfahrtmissionen ausgelöst werden könnten. Es gibt Phänomene wie Quantenverschränkung oder Quantenteleportation. Geht es um Welt-Erkenntnis oder einfach um einen (irgendwie angenommenen) "Besiedlungsdrang". Ich halte letzteres für ein aus der Zeit gefallenes Relikt aus dem 20. Jahrhundert. Irgendwas von "Volk ohne Raum" und der SciFi-Literatur der 50er bis 70er Jahre. Man ist gedanklich und erkenntnismäißg eigentlich schon mehrere Schritte weiter.


Der Unterschied ist, dass ich für Beides stehe - wie sicher viele andere Leute auch. Dazu kommt, dass du scheinbar unter starker emotionaler Ablehnung der bemannten Raumfahrt leidest. Der Drang in die Ferne und der nach Erkenntnis gehören für mich beide zu Homo sapiens. Bei einem mehr bei anderen weniger oder gar nicht. Und wenn man sich das aktuelle Mediengeschehen usw. ansieht, dann geht der Trend wohl doch mehr in die von mir bevorzugte Richtung.
Und wenn ich das auch an anderer Stelle schon geschrieben habe. Es ist eine Frage des Überlebens. Im Moment könnten wir einem Ereignis wie dem am Ende der Kreidezeit wahrscheinlich nicht ausweichen. "Five Years", dieses alte Lied des Meisters wäre dann die aktuelle Endzeithymne.
Und weil hier ja auch viel spekuliert wird. Auf einem anderen Planeten haben die Nazis gesiegt und streben jetzt ins All. Und plötzlich stehen sie vor unserer Tür. Dann sind wir die Inkas und Atzteken.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Papaloooo » Di 10. Sep 2019, 06:47

Adam Smith hat geschrieben:(09 Sep 2019, 17:25)

Ansonsten hätten wir ja schon welche empfangen. Wobei die Milchstrasse sehr gross ist. Die könnten ja sich auch weit entfernt befinden.

Schau mal, das Universum ist ca. 13,8 Mrd Jahre alt.
Bereits in den ersten Jahrmilliarden gab es viele Supernovae, so dass Planeten entstanden.
Leben könnte es schon seit 10.000.000.000 Jahren geben.
Nun gibt es aber einen Flaschenhals, durch den intelligentes Leben gehen muss, das sieht man ja an der Erde.
Wird das nicht geschafft, so kann bereits Jahrhunderte, nachdem eine Technologie entstanden ist Schluss sein. Wohlgemerkt, eine frisch entstandene Technologie kann mit unseren SETI Mitteln noch nicht nachgewiesen werden.
Erst ein gezielt gerichtetes Signal, wie das, was vor Jahren mit Höchstenergie in Richtung Plejaden gesandt wurde, könnte dort möglicherweise empfangen werden.
Aber sollten andere Zivilisationen denn auch so doof sein, ins All hinauszubrüllen: Wir sind hier?
Ich glaube nicht.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Adam Smith » Di 10. Sep 2019, 07:49

Papaloooo hat geschrieben:(10 Sep 2019, 06:47)

Schau mal, das Universum ist ca. 13,8 Mrd Jahre alt.
Bereits in den ersten Jahrmilliarden gab es viele Supernovae, so dass Planeten entstanden.
Leben könnte es schon seit 10.000.000.000 Jahren geben.
Nun gibt es aber einen Flaschenhals, durch den intelligentes Leben gehen muss, das sieht man ja an der Erde.
Wird das nicht geschafft, so kann bereits Jahrhunderte, nachdem eine Technologie entstanden ist Schluss sein. Wohlgemerkt, eine frisch entstandene Technologie kann mit unseren SETI Mitteln noch nicht nachgewiesen werden.
Erst ein gezielt gerichtetes Signal, wie das, was vor Jahren mit Höchstenergie in Richtung Plejaden gesandt wurde, könnte dort möglicherweise empfangen werden.
Aber sollten andere Zivilisationen denn auch so doof sein, ins All hinauszubrüllen: Wir sind hier?
Ich glaube nicht.


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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon schokoschendrezki » Di 10. Sep 2019, 08:39

Ammianus hat geschrieben:(09 Sep 2019, 20:46)

Der Unterschied ist, dass ich für Beides stehe - wie sicher viele andere Leute auch. Dazu kommt, dass du scheinbar unter starker emotionaler Ablehnung der bemannten Raumfahrt leidest.

Ich bin erstens ein durchaus lebensfroher Mensch und habe zweitens mehrfach hier geschrieben, dass sich die Kritik und Skepsis (nicht nur von mir) an die aktuell zur Debatte stehenden bemannten Mond- und Mars-Missionen und keineswegs gegen die bemannte Raumfahrt an sich wendet.

Die Vorstellung eines quasi ausgebreiteten Universums, ohne zeitlichen Anfang und Ende, in alle Richtungen unendlich und linear ("euklidisch") ist das Weltbild der Antike. Die "Besiedlungsphantasien" wiederum gehören in die Zeit der großen Entdeckungen und der Errichtung von Kolonialreichen im späten Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit.

Auch die Vorsorge für den Einschlag größerer Meteoriten beginnt mit Fernerkundung und nicht mit bemannten Marsmissionen. Das Problem bei Meteoriten wie dem am Ende der Kreidezeit besteht darin, dass die Zeit einer möglichen technologischen Bewältigung (z.B. durch "Aussiedlung der Menschheit") zu weit weg liegt. Bildet man den Gesamt-Weg der Hiominisierung auf eine kleinere Zeitleiste ab, so passiert irgendwie hundert Jahre lang so gut wie nix, dann sehr wenig, dann kommt in der letzten halben Stunde der aufrechte Gang und in den letzten fünf Minuten alle zivilisatorischen Errungenschaften, von denen wir heute umgeben sind. Die menschliche Zivilisation der Gegenwart ist in kosmischen Zeitmaßstäben noch immer der Augenblick eines kurzen Aufblitzens. Die Wahrscheinlichkeit großer Meteoriteneinschläge bemisst sich aber ebenfalls nach kosmischen Zeitmaßstäben. Du weißt aber schon so gut wie nix was - in der transformierten Zeitleiste - in den nächsten 5 Minuten sein wird. Und du weißt absolut nix, überhaupt nix, garnix, was in einer Stunde sein wird. Kosmische Umsiedlungsphantasien sind da so etwas wie die Idee, Weltraumflöße bauen.

Aus meiner Sicht zeichnet sich aber - gerade auch durch jüngere Erkenntnisse der Weltraum-Fernerkundung eine indirekte, wenn auch sehr vage Prognose-Möglichkeit ab. Gesetzt den Fall, es gibt in einem Raumabschnitt von soundsoviel Lichjahren Durchmesser eine soundsogroße Wahrscheinlichkeit der Existenz von Zivilisationen. Dann ist - einfach wegen der enormen Streuung des Alters der betroffenen Systeme - die Wahrscheinlichkeit so gut wie Null, dass diese Zivilsationen auf einem auch nur halbwegs vergleichbaren Entwicklungsstand wie wir sind. Eine der möglichen Erklärungen dafür, dass wir nix von diesen hyperentwickelten Zivilisationen sehen, könnte sein, dass das Konzept "biologischer Körper" gesetzmäßig und systemisch an ein Ende kommt. Und an seiner Stelle irgendetwas, was eben nebulös gesprochen eine "andere", auf irgendeine Art virtualisierte Existenzform ist. Die von Meteoriteneinschlägen ohnehin nicht gefährdet ist. Und die für unsere Vorstellungen von Kommunikation und einfach "Sein" nicht zugänglich sind.

Das grundsätzliche und abstrakte Problem ist die Diskrepanz zwischen der linear und in enormen Größenordnungen verlaufenden Zeitleiste kosmischer Objekte und der im Vergleich dazu extrem verkürzten und blitzartigen Entwicklung von Zivilisationen.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Tom Bombadil » Di 10. Sep 2019, 08:56

Die Menschheit hat seit der ersten Mondlandung 40 Jahre vergeudet. MMn. hätte man direkt nach der Mondlandung Projekte zur Besiedlung des Mondes anstoßen sollen, zuerst natüllich auf Basis von wissenschaftlicher Forschung, später dann aber auch wirtschaftlich. Dann hätte man den Mond auch gut als Sprungbrett zur weiteren Ausbreitung auf die näheren Planeten nutzen können.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon schokoschendrezki » Di 10. Sep 2019, 08:57

H2O hat geschrieben:(09 Sep 2019, 16:43)

In der Frage von Verteilungskämpfen pflichte ich aber Schokoschendretzki bei. Eigentlich geht uns das im schnöden Alltag doch schon so, daß wir unsere begrenzten Mittel so verteilen müssen, daß das bestmögliche Ergebnis in der Familie oder im Betrieb oder im Staat damit erzielt wird. Wenn dann Interessengruppen um ihren "gerechten Anteil" ringen, dann fällt es auch einem klugen Chef oft schwer, die Bewertungen der Antragsteller zurecht zu rücken und eine kluge Entscheidung zu fällen.

Die finanziellen Mittel sind das eine.

Das zweite ist, dass die verschiedenen Space Agencies in der Welt keine Dekanate oder Fachbereichsleitungen sondern staatliche Behörden sind. "Freiheit für Forschung und Lehre" mag für Polonistik, Ichthyologie oder Zahnheilkunde gelten. Raumfahrt ist überall und immer zuallererst "Chefsache". Und damit ein Politikum und muss auch unter politischen Aspekten diskutiert werden.

Und das dritte ist das grundsätzliche Problem von Großprojekten. Unser Zeithorizont reicht aktuell vielleicht zehn (?) Jahre, dahinter ist Nebel. Und dieser Zeithorizont rückt stetig näher in Richtung Gegenwart. Ohne dass sich aber die Planungszeiten für Großprojekte gleichermaßen verkürzen. Mit der Folge, dass große Projekte tendenziell immer mehr für eine Zeit geplant werden, von der man gar nicht genau weiß, ob diese Projekte dann noch relevant, durchführbar sind und ob sie nicht eventuell dann von anderen technologischen Entwicklungen längst überholt sind.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Papaloooo » Di 10. Sep 2019, 09:02

Adam Smith hat geschrieben:(10 Sep 2019, 07:49)

Radiowellen von ausserhalb der Milchstraße können wir eh nicht empfangen. Und Radiowellen werden automatisch ins All gesendet.

Ja aber zu einer solch geringen Stärke, dass sie bereits nach wenigen Lichtjahren im kosmischen Rauschen untergegangen, esseidenn sie sind bewusst gezielt in eine Richtung gebündelt.
Nebenbei leben Zivilisationen neben den gigantischen räumlichen Entfernungen auch zeitmäßig gut um den Faktor 1000 aneinander vorbei.
Ein Signal von der anderen Seite unserer Galaxie bräuchte ca 10.000.000 Jahre.
Würde aber in der Bulge der Galaxie verschluckt.

Erfolgreicher wird sein, nach Lebenssignaturen in fremden Planeten Atmosphären zu suchen, wird bald in geringem Umfang möglich sein.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon schokoschendrezki » Di 10. Sep 2019, 09:44

Tom Bombadil hat geschrieben:(10 Sep 2019, 08:56)

Die Menschheit hat seit der ersten Mondlandung 40 Jahre vergeudet.

Wenn Du wissen willst, warum dies keine "Vergeudung" sondern vernünftig war, kann ich dir nur diese Vorlesung des Physikers Volker Ossenkopf-Ossada in der Reihe "Hörsaal" von DLF Nova von Mai 2019 empfehlen:
Mondreisen im Jahr 2019 – zu riskant, zu teuer
Aber Vorsicht. Es handelt sich um eine längere naturwissenschaftliche Vorlesung und nicht um eine Polemik.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon H2O » Di 10. Sep 2019, 09:58

Papaloooo hat geschrieben:(10 Sep 2019, 09:02)

Ja aber zu einer solch geringen Stärke, dass sie bereits nach wenigen Lichtjahren im kosmischen Rauschen untergegangen, esseidenn sie sind bewusst gezielt in eine Richtung gebündelt.
Nebenbei leben Zivilisationen neben den gigantischen räumlichen Entfernungen auch zeitmäßig gut um den Faktor 1000 aneinander vorbei.
Ein Signal von der anderen Seite unserer Galaxie bräuchte ca 10.000.000 Jahre.
Würde aber in der Bulge der Galaxie verschluckt.

Erfolgreicher wird sein, nach Lebenssignaturen in fremden Planeten Atmosphären zu suchen, wird bald in geringem Umfang möglich sein.


Völlig richtig; ich werde nicht müde, immer wieder darauf hin zu weisen, daß die Leistungsdichte der elektromagnetischen Signale mit Radius R um die Quelle (den Sender) mit 1/R² "verdünnt" wird. Die Kugeloberfläche wächst eben mit R², und durch die muß das Funksignal hindurch, ob nun stark gebündelt oder rundum abgestrahlt.
Im Bereich von Lichtjahren (1 Jahr mit 300.000 km/sec) als Entfernungsmaßstab kann man sich vorstellen, wie sehr obige Leistungsdichte verdünnt wurde.

Und dann muß man sich vorstellen, daß am Ort des Signalempfangs nahe Störquellen dieses so abgeschwächte Nutzsignal überdecken. Auch da versucht man mit Richtantennen diese Störquellen zu unterdrücken. Die dazu notwendige Antennenfläche ist begrenzt auf die Abmessungen unserer Erde oder des Mondes, so daß man berechnen kann, von welcher Entfernung an die Suche nach Nutzsignalen aus dem Weltall aussichtslos wird.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon schokoschendrezki » Di 10. Sep 2019, 10:33

Papaloooo hat geschrieben:(10 Sep 2019, 09:02)

Ja aber zu einer solch geringen Stärke, dass sie bereits nach wenigen Lichtjahren im kosmischen Rauschen untergegangen, esseidenn sie sind bewusst gezielt in eine Richtung gebündelt.
Nebenbei leben Zivilisationen neben den gigantischen räumlichen Entfernungen auch zeitmäßig gut um den Faktor 1000 aneinander vorbei.

Dieser Zeitfaktor, der sich aus der endlichen Übertragungsgeschwindigkeit elektromagnetischer Wellen ergibt, ist noch gar nix, überhaupt nix gegen die Zeitdifferenz, die sich einfach aus den durchschnittlichen Altersdifferenzen der Sternsysteme ergibt. Auch in - nach kosmischen Maßstäben - kleinen Raumbereichen. Vielleicht habe ich ja ein grundsätzliches Verständnisproblem. Aber bei den ganzen SETI-Geschichten kann ich mich immer nur darüber wundern, warum man in den Ansätzen eine solche Vergleichbarkeit voraussetzt. Wie kann man glauben, dass eine Zivilisation wie die unsere, wenn sie denn in 500, 1000, 10000 Jahren (was nix ist in kosmischen Maßstäben) noch existiert, der uneren jetzigen noch immer so ähnlich ist, dass sie Funksignale, Radiosignale, meinetwegen auch hochenergetische Neutrinoströme (die so gut wie ungehindert alles durchdringen) aussendet, um sich "untereinander zu verständigen". Dass es überhaupt so etwas wie einen Verständigungwillen (in unserem heutigen Sinn) gibt. Bei einer weiterhin mindestens exponentiell verlaufenden Enwticklungskurve bleibt nach 1000 Jahren einfach nix mehr wie es ist. Oder es ist eben überhaupt nix mehr da.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Tom Bombadil » Di 10. Sep 2019, 12:17

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Sep 2019, 09:44)

Es handelt sich um eine längere naturwissenschaftliche Vorlesung und nicht um eine Polemik.

Es handelt sich um eine Einzelmeinung, der du zustimmst. "Die Raumfahrt ist lebensgefährlich", mit dem Argument wäre Amerika wohl nie entdeckt worden oder, um es noch weiter auf die Spitze zu treiben: mit der Einstellung wäre der Mensch nie aus dem Wald gekrochen. Die Besiedelung des Weltraums wird früher oder später sowieso erfolgen, allen Unkenrufen von Bedenkenträgern zum Trotz. Und das ist auch gut so.
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Re: Stillstand in der Entwicklung

Beitragvon Dark Angel » Di 10. Sep 2019, 12:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Sep 2019, 16:46)

Für die sehr ferne Zeit, in der interstellare bemannte Missionen selbst im unmittelbaren Umkreis der Sonne technologisch denkbar sind, ist es überhaupt nicht gesagt, dass das Konzept "biologischer Körper" noch irgendeine Relevanz hat.

Durch die mittels Fernerkundung entdeckten Exoplaneten häufen sich in jüngerer Zeit die Hinweise, dass außerirdisches Leben doch ein ganzes Stück wahrscheinlicher ist als früher mal angenommen. Ja, dass Leben gewissermaßen kaum zu verhindern ist und überall vorhanden ist. Warum bekommen wir davon nix mit? Durch das sehr sehr unterschiedliche Alter der uns umgebenden Sterne müssten diese Zivilisationen im Schnitt gleicheinmal zigtausende Jahre weiter sein. Wo sind sie? Meine - klar, subjektive hochspekulative These dazu - Weil irgendwann das Konzept "Körper" an sein Ende kommt.

1. sind unter den entdeckten Exoplaneten keine erdähnlichen Planeten.

2. ist die Lichtgeschwindigkeit immer noch endlich und bewegen sich elektromagnetische Wellen immer noch mit Lichtgeschwindigkeit.

3. blicken wir in die Vergangenheit, die Bilder von Exoplaneten, die wir heute via Teleskop empfangen sind Jahrhunderte alt.

4. wäre eine Nachricht, einer möglichen Zivilisation, die wir heute empfangen, bereits Jahrhunderte unterwegs bzw würden wir eine heute abgeschickte Nachricht erst in Jahrhunderten empfangen können.

5. müsste eine Nachricht/ein Signal direkt zur Erde versendet werden.

6. ist eine zufällig aufgefangene Nachricht/Signal einer femden Zivilisation, die NICHT per Richtstrahl zur Erde gesendet wird, vom Hintergrundrauschen des Universums nicht unterscheidbar.

Das ist das Dilemma, was mit deiner These vom "Weil irgendwann das Konzept "Körper" an sein Ende kommt" nichts, aber auch gar nichts zu tun hat!
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Beitragvon Papaloooo » Di 10. Sep 2019, 13:12

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Sep 2019, 10:33)

Dieser Zeitfaktor, der sich aus der endlichen Übertragungsgeschwindigkeit elektromagnetischer Wellen ergibt, ist noch gar nix, überhaupt nix gegen die Zeitdifferenz, die sich einfach aus den durchschnittlichen Altersdifferenzen der Sternsysteme ergibt. Auch in - nach kosmischen Maßstäben - kleinen Raumbereichen. Vielleicht habe ich ja ein grundsätzliches Verständnisproblem. Aber bei den ganzen SETI-Geschichten kann ich mich immer nur darüber wundern, warum man in den Ansätzen eine solche Vergleichbarkeit voraussetzt. Wie kann man glauben, dass eine Zivilisation wie die unsere, wenn sie denn in 500, 1000, 10000 Jahren (was nix ist in kosmischen Maßstäben) noch existiert, der uneren jetzigen noch immer so ähnlich ist, dass sie Funksignale, Radiosignale, meinetwegen auch hochenergetische Neutrinoströme (die so gut wie ungehindert alles durchdringen) aussendet, um sich "untereinander zu verständigen". Dass es überhaupt so etwas wie einen Verständigungwillen (in unserem heutigen Sinn) gibt. Bei einer weiterhin mindestens exponentiell verlaufenden Enwticklungskurve bleibt nach 1000 Jahren einfach nix mehr wie es ist. Oder es ist eben überhaupt nix mehr da.

Natürlich ist das so, völlig richtig!
SETI ist gewissermaßen der Versuch, das eigene Gewissen zu beruhigen, dass man (im bescheidenen Maßstab der eigenen Möglichkeiten) alles tut, um extraterestisches Leben zu detektieren.
Es ist aber auf diese Weise leider zum Scheitern verurteilt.
Zum Glück ist der menschliche Geist erfindungsreich.
Uns werden noch viele neue Methoden einfallen!
Ich würde mich über einen Erfolg sehr freuen.
Aber Jahrzehnte Geduld sind gefragt.
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