Niemand will mehr Olympische Spiele austragen

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Adam Smith
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Re: Niemand will mehr Olympische Spiele austragen

Beitragvon Adam Smith » Mo 12. Aug 2019, 11:39

Dann sollte man als alleinigen Austragungsort China nehmen. Die haben keine Probleme mit den Olympischem Winterspielen.
Alpha Centauri
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Re: Niemand will mehr Olympische Spiele austragen

Beitragvon Alpha Centauri » Di 13. Aug 2019, 11:00

Das wunder mich auch nicht bei den astronomischen Kosten die eine Austragung mit sich bringt.
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Fuerst_48
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Re: Niemand will mehr Olympische Spiele austragen

Beitragvon Fuerst_48 » Di 13. Aug 2019, 11:03

Alpha Centauri hat geschrieben:(13 Aug 2019, 11:00)

Das wunder mich auch nicht bei den astronomischen Kosten die eine Austragung mit sich bringt.

Wobei Winterspiele günstiger sind, wenn die Infrastruktur zum Großteil vorhanden ist.
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imp
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Re: Niemand will mehr Olympische Spiele austragen

Beitragvon imp » Di 13. Aug 2019, 11:15

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Aug 2019, 11:13)

Es regt sich der Widerstand. Aber gleichzeitig scheint das Interesse an "Großveranstaltungen" jeder Art ungebrochen. Man nehme nur einmal das Wacken-Festival (auch wenn das jetzt kein "Sport" im engeren Sinne ist).

Vor einigen Tagen habe ich mich überreden lassen, Tickets für die Island-Pferde-WM in Berlin (für eine Unsumme von Geld) zu kaufen und diese auch mit Angehörigen samt kleinen Enkelkindern zu besuchen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie verstörend diese Veranstaltung auf mich wirkte. Dröhnende 80er-Jahre-DIskomusik, Dutzende von irgendwelchen Buden in der prallen Sonne ohne Schatten, tausende von Leuten und irgendwo in der Ferne ein paar Pferde und Reiter. Ich hab' erst mal 'ne Weile gebraucht, um überhaupt mitzubekommen, dass diese Diskomusik als Begleitung zu den Pferdedarbietungen gehörte. Eine für mich völlig fremde Welt. Ein anderer Planet. Aber tausende von Leuten, die dahin strömen und kaufen und kaufen und schauen und vor allem irgendwas erleben möchten.

Und dann haufenweise Blondinen und irgendwelche Wikingerwerbungen. Es hatte auch irgendwas Faschistisches. Mal so ganz reflexhaft und aus der spontanen Antipathie heraus gesprochen.

Bei jeder Art von Monument und Masse den Faschismus anzuführen, ist bei aller Vorliebe für das Kleinteilige, Individuelle doch etwas unsachgemäß. Massenveranstaltungen haben immer ein Moment von Vereintsein im gemeinsamen Dasein und im Interesse am Daseinsgrund. Weil so viel Kompromiss und massenkompatibler kleinster gemeinsamer Nenner teilweise schwer erträglich ist, gibt es da immer viel Fress & Sauf und den organisierten Ausbruch: Themengassen, kleinteiligere diverse Afterparties, Nebenbuehnen/Programme, meistens irgendwas zum hinsetzen, verweilen und begaffen und irgendwas, wo die Heranwachsenden kontrolliert die Sau raus lassen.

Hier den Faschismus zu suchen ist kommod und dumm. Genauso kann man ihn suchen im elitären, im kleinteilig-selektiven, wo die Masse entweder gar nicht rein will oder rein darf.
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Re: Niemand will mehr Olympische Spiele austragen

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Aug 2019, 12:37

imp hat geschrieben:(13 Aug 2019, 11:15)

Bei jeder Art von Monument und Masse den Faschismus anzuführen, ist bei aller Vorliebe für das Kleinteilige, Individuelle doch etwas unsachgemäß. Massenveranstaltungen haben immer ein Moment von Vereintsein im gemeinsamen Dasein und im Interesse am Daseinsgrund. Weil so viel Kompromiss und massenkompatibler kleinster gemeinsamer Nenner teilweise schwer erträglich ist, gibt es da immer viel Fress & Sauf und den organisierten Ausbruch: Themengassen, kleinteiligere diverse Afterparties, Nebenbuehnen/Programme, meistens irgendwas zum hinsetzen, verweilen und begaffen und irgendwas, wo die Heranwachsenden kontrolliert die Sau raus lassen.

Hier den Faschismus zu suchen ist kommod und dumm. Genauso kann man ihn suchen im elitären, im kleinteilig-selektiven, wo die Masse entweder gar nicht rein will oder rein darf.

Ich glaube, ich habe klar und eindeutig darauf hingewiesen, dass diese Faschismus-Assoziation von meiner Seite aus reflexhaft und unreflektiert war. Ich bin und war schon auf zahlreichen auch großen Massenveranstaltungen, wo mir diese Assoziation in keinster Weise gekommen ist. Zum Beispiel auf Rockfestivals, die irgendwie weiter südlich stattfinden. Zum "Vereintsein" kam bei dieser Island-Pferde-WM eben noch das "Nordische", die vielen Wikingersymbole. Es hat auch zum Thema selbst nicht viel zu bedeuten.

Wie in so vielen anderen Bereichen auch erleben wir, glaube ich, eine wachsende Polarisierung der Gesellschaft. Was die einen immer mehr und immer vehementer ablehnen, ist für die anderen das ganz große Ding. Folgerichtig werden wir wohl auch immer mehr und wahrscheinlicher in Situationen kommen, in denen wir eine uns völlig fremde Lebenswelt betreten. Mit jeweils ganz anderen Wertesystemen.
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Re: Niemand will mehr Olympische Spiele austragen

Beitragvon imp » Di 13. Aug 2019, 17:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Aug 2019, 12:37)

Ich glaube, ich habe klar und eindeutig darauf hingewiesen, dass diese Faschismus-Assoziation von meiner Seite aus reflexhaft und unreflektiert war. Ich bin und war schon auf zahlreichen auch großen Massenveranstaltungen, wo mir diese Assoziation in keinster Weise gekommen ist. Zum Beispiel auf Rockfestivals, die irgendwie weiter südlich stattfinden. Zum "Vereintsein" kam bei dieser Island-Pferde-WM eben noch das "Nordische", die vielen Wikingersymbole. Es hat auch zum Thema selbst nicht viel zu bedeuten.

Was bedeuten olympische Werte angesichts der Professionalisierung und Kommerzialisierung der Sportler wie der Austragung selbst?

Was bedeutet es, wenn die Lobby kleinteiliger Tanzveranstaltungen Clubcommission predigt, die Diskothek sei bloßer Kommerz und Sehen & Gesehenwerden, im Club dagegen teilten die Gäste Werte? Soll man das ernst nehmen?

Die Olympiade ist, wie praktisch jeder wiederkehrende Großauflauf, ein Geschäft. Das war sie in der Antike auch schon.
Wie in so vielen anderen Bereichen auch erleben wir, glaube ich, eine wachsende Polarisierung der Gesellschaft. Was die einen immer mehr und immer vehementer ablehnen, ist für die anderen das ganz große Ding. Folgerichtig werden wir wohl auch immer mehr und wahrscheinlicher in Situationen kommen, in denen wir eine uns völlig fremde Lebenswelt betreten. Mit jeweils ganz anderen Wertesystemen.

Vieles davon ist bloßes Marketing. Behauptete Polarisierung ist der Versuch von Distinktion und mithin künstlich geschaffene (oder nur angemaßte) Relevanz. Stimmt deine These von der Entfremdung der Lebenswelten, die mir plausibel erscheint, dürfte in sehr vielen Fragen zwischen den Polen ein weites Feld von Indifferenz, Toleranz oder Desinteresse sich auftun. Das ist für ein allgemeines Marketing Gift, das tötet das Lagerfeuer am Fernsehabend, der frühere Dreiklang aus Tatort, Wetten Dass und Hitparade ist genauso zukunftslos als kulturelle Klammer wie Volkslied, Faust und Sportstudio. Ich finde das nicht nur schlecht. Für die Aussicht, in mittleren Städten mittelreicher Länder Olympia, Fußball-WM oder Formel 1 auszutragen, ist das eher ein Problem. Darauf einen Du Jardin.
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Re: Niemand will mehr Olympische Spiele austragen

Beitragvon Ein Terraner » Di 13. Aug 2019, 20:02

imp hat geschrieben:(13 Aug 2019, 17:51)

Die Olympiade ist, wie praktisch jeder wiederkehrende Großauflauf, ein Geschäft. Das war sie in der Antike auch schon.


Ich wäre mal für eine Olympiade ohne Nationalitäten.
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Re: Niemand will mehr Olympische Spiele austragen

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 14. Aug 2019, 09:01

imp hat geschrieben:(13 Aug 2019, 17:51)

Was bedeuten olympische Werte angesichts der Professionalisierung und Kommerzialisierung der Sportler wie der Austragung selbst?

Was bedeutet es, wenn die Lobby kleinteiliger Tanzveranstaltungen Clubcommission predigt, die Diskothek sei bloßer Kommerz und Sehen & Gesehenwerden, im Club dagegen teilten die Gäste Werte? Soll man das ernst nehmen?

Die Olympiade ist, wie praktisch jeder wiederkehrende Großauflauf, ein Geschäft. Das war sie in der Antike auch schon.

Vieles davon ist bloßes Marketing. Behauptete Polarisierung ist der Versuch von Distinktion und mithin künstlich geschaffene (oder nur angemaßte) Relevanz. Stimmt deine These von der Entfremdung der Lebenswelten, die mir plausibel erscheint, dürfte in sehr vielen Fragen zwischen den Polen ein weites Feld von Indifferenz, Toleranz oder Desinteresse sich auftun. Das ist für ein allgemeines Marketing Gift, das tötet das Lagerfeuer am Fernsehabend, der frühere Dreiklang aus Tatort, Wetten Dass und Hitparade ist genauso zukunftslos als kulturelle Klammer wie Volkslied, Faust und Sportstudio. Ich finde das nicht nur schlecht. Für die Aussicht, in mittleren Städten mittelreicher Länder Olympia, Fußball-WM oder Formel 1 auszutragen, ist das eher ein Problem. Darauf einen Du Jardin.


Zu 2020 Tokio kann ich wenig sagen. Für 2024 stiegen Rom und Hamburg aus. Los Angeles und Paris blieben und Budapest stieg ein. Und dann verschob L.A. seine Bewerbung auf 2028. Hinter dem Ausstieg Budapests 2017 steht ganz wesentlich die oppositionelle politische Bewegung "Momentum". Budapest ist eigentlich genau so eine "mittlere Stadt mittelreicher Länder". Innerhalb von Ungarn steht Budapest allerdings für die eine große Metropole in einem kleinen Land mit mehr oder minder wenig bedeutsamen Provinzstädten. Es sind nicht nur Kostengründe, die die Anhänger von Momentum und die Gegenreferendumsteilnehmer motivierten. Es sind die Einstellungen urbaner, gebildeter, kosmopolitisch gesinnter Bevölkerungsteile, die die absehbare Funktionalisierung der Olympiade als Represäntation König Viktors und seines kleinen Köngreichs verhindern wollten. Das im Vergleich dazu richtig große Putin-Königreich nutzt ja auch Sport-Großveranstaltungen zur politischen Prestige-Aufwertung. Ein Teil der Budapester Olympia-Gegner steht gleichzeitig für den Erhalt eines der größten europäischen Rockfestivals, des einwöchigen "Sziget" ein, das bei den Fidesz-Leuten als irgendwie linksverseucht eingeschätzt wird.
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Re: Niemand will mehr Olympische Spiele austragen

Beitragvon firlefanz11 » Mi 14. Aug 2019, 09:59

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Aug 2019, 09:01)
Ein Teil der Budapester Olympia-Gegner steht gleichzeitig für den Erhalt eines der größten europäischen Rockfestivals, des einwöchigen "Sziget" ein, das bei den Fidesz-Leuten als irgendwie linksverseucht eingeschätzt wird.

Warum auch nicht?! Dieses Festival lebt Nachhaltigkeit eindrucksvoll vor...

https://www.n-tv.de/leute/Wie-ein-Festi ... 00417.html
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."

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