"Deutschland verdummt"

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Teeernte
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"Deutschland verdummt"

Beitragvon Teeernte » Fr 31. Mai 2019, 07:59

Jugendliche Schüler sind auf dem Niveau von Kleinkindern, Studienabsolventen brauchen Nachhilfe in Deutsch sowie in Mathe. Michael Winterhoff glaubt: "Deutschland verdummt" und schrieb ein Buch darüber.

Den Kindern fehle soziale Kompetenz, in Jobs sind das die sogenannten Soft Skills. Ein Gespür für Situation, das Setzen von Prioritäten, das Erkennen von Handlungsbedarf – Fehlanzeige. Auf 50 Prozent der Kinder trifft das heute zu, sagt der 64-Jährige. Und er führt diese Entwicklung nicht auf mangelnde Erziehung zurück, sondern auf die fehlende "erworbene Intelligenz".

Und das liege daran, dass Kindern ein Gegenüber fehle, eine menschliche Person, mit der sie sich auseinandersetzen. Das Bildungswesen habe sich in die falsche Richtung entwickelt: autonomes Lernen (Kinder erarbeiten sich alles alleine), individuelles Lernen (Kinder entscheiden, auf welchem Niveau sie lernen) und Lehrer und Erzieher, die ihrem eigentlichen Beruf gar nicht mehr nachgehen, sondern nur noch sogenannte Lernbegleiter sind.

Nehmen wir einen Kindergarten, zum Beispiel einen, der gerade mit dem Deutschen Kita-Preis prämiert wurde. Dort herrscht die Vorstellung vor, dass wir Angebote machen, Themenräume, Toberaum, Bastelraum, Café, vielleicht Theaterraum, Matschraum und die Kinder sich in diesen Räumen bewegen und sich das aussuchen, was sie interessiert. Es gibt Kindergärten, da müssen sich die Kinder einloggen, in welchen Raum sie gehen, umloggen, wenn sie in einen anderen gehen. Es ist gewollt, dass die Kinder auf sich gestellt sind. Ich bin Tiefenpsychologe, Analytiker, die Persönlichkeitsentwicklung ist ja eine Wissenschaft. Die emotionale, soziale Psyche ist ein Teil unseres Gehirns, da gibt es einen Hirnreifungsprozess. Und das Entscheidende dafür ist die Bindung, die Orientierung des Kindes am Gegenüber. Wenn die fehlt, kann sich diese Psyche nicht bilden.

Wenn ich früher einen Fünfjährigen gefragt habe: "Was machst du gern im Kindergarten?", hat er gestrahlt und erzählt, was er da spielt. Wenn ich gefragt habe mit wem, hatte er die Namen der Kinder präsent. Er hat es mir so erzählen können, dass ich mir etwas darunter vorstellen konnte und er war im Affekt. Das heißt, wenn ich nach Freunden gefragt habe, war das Gefühl, dass das Kind dabei hatte, im Raum. Wenn man heute einen Fünfjährigen fragt, was er gerne im Kindergarten macht, dann kommt häufig die Antwort: "Weiß ich nicht." Wenn ich dann nachfrage, was man dort machen kann, tun manche Kinder so, als müssten sie lange nachdenken oder sie müssen vielleicht auch lange nachdenken. Dann kommt irgendwas wie: mit Autos spielen. Die Antworten sind ohne Affekt. Wenn ich nach den anderen Kindern frage, wissen viele gar nicht die Namen von denen, mit denen sie spielen. Sie nehmen nur sich wahr. Sie stehen auf einer Entwicklungsstufe von 10 bis 16 Lebensmonaten, das ist ein Abschnitt, wo man nur sich sieht und gar nicht erkennt, dass es ein Gegenüber gibt


Bei Jugendlichen gibt es ähnliche Veränderungen?
Ein Beispiel: Ein 15-Jähriger aus Berlin, top erzogen, ausgezeichneter Schüler am Gymnasium, beschimpft seine Mutter mit den übelsten Schimpfworten, wenn er seinen Willen nicht kriegt. An einem Sonntagmorgen bricht er in einem Baumarkt ein, um eine Kettensäge zu klauen, und nimmt noch seinen elfjährigen Bruder mit. Warum? Weil der Motor seines Carts kaputt war und der einer Kettensäge sich als Ersatz eignet. Er schneidet also den Drahtzaun auf und wundert sich, dass fünf Minuten später die Polizei dasteht. Wobei alles voller Kameras und Alarmanlagen ist. Dass man am helllichten Tag gesehen werden könnte und jemand die Polizei ruft, begreift er nicht. Dass der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht und dass er seinen kleinen Bruder da mit hineingezogen hat, auch nicht. Er kann einfachste Zusammenhänge nicht erkennen. Und als er vor mir saß, wusste er nicht, was er hier sollte. Und das erklärt sich nur über den Reifegrad in der emotionalen sozialen Intelligenz eines Kleinkindes. Und das ist das, was die Betriebe heute zu Recht sagen, wenn sie Praktikanten anstellen oder Auszubildende: Sie haben keine Arbeitshaltung, die sehen auch die Arbeit nicht, die haben keinen Sinn für Pünktlichkeit, erkennen Strukturen und Abläufe in der Firma nicht, sie können nicht priorisieren, nicht feststellen, welcher Reiz wichtig ist. Das Handy ist ihnen wichtiger als der Kunde, der vor ihnen steht.
https://www.stern.de/familie/kinder/mic ... 28324.html

Wie seht Ihr die Entwicklung - wie sollte es weitergehen ? Wie sieht so die ZUKUNFT aus ?

Die falsche Lehrpolitik lässt die Bevölkerung degenerieren ?
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Ein Terraner
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Ein Terraner » Fr 31. Mai 2019, 08:49

Teeernte hat geschrieben:(31 May 2019, 07:59)

Wie sieht so die ZUKUNFT aus ?


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Agesilaos Megas
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Agesilaos Megas » Fr 31. Mai 2019, 11:02

Ach, wer laut schreit, hat noch lange nicht die Wahrheit gebrüllt.

Und der Untergangsautor Winterhoff hat in seinem Leben einige fragwürdige Thesen aufgestellt - stupid sells -, jetzt verlässt er sogar sein Fachgebiet und will das Bildungswesen kennen. Ein deutscher Sam Harris sozusagen. Interessant ist auch immer wieder, dass Winterhoff in seinen "Werken" Probleme marginalisiert, die in Deutschland im internationalen Vgl. erheblich sind. So werden in Deutschland sozial schwache Schüler massiv benachteiligt (unterhalb OECD-Durchschnitt). Überhaupt ist die soziale Krise im Bildungswesen kaum ein Thema, obgleich dadurch erst Problemschulen entstehen. Da helfen auch keine Lehrer als Bezugspersonen.

Seine These, dass die Schüler mehr Anleitung statt offener Unterrichtsformen brauche, verkennt die Realität; in Deutschland wird überwiegend frontal unterrichtet und erklärt. Auch für Persönlichkeitsentwicklung möchte er die Lösung gefunden haben, indem er die wahnwitzige Annahme für das Verhältnis Lehrer-Schüler entwirft, dass Lehrer per se keine Bezugspersonen seien. Abgesehen davon, dass der Bezug auch auf der Freiwilligkeit der Schüler basiert, gibt es allg. Ausbildungsrichtlinien für Lehrer, ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lehrer u. Schüler herzustellen; auch institutionell sind solche vorgesehen - gerade hier versagt er, zu begründen, was in diesem Punkt denn falsch gelaufen sei. Natürlich glaubt er, perfekten Unterricht finden zu können, den noch nie jemand gefunden hat. Selbst beim Theoriegebäude "offene Unterrichtsformen" lässt Winterhoff elementare Grundkenntnisse über Intention, Funktion und Methode vermissen.

Ganz schräg wird es, als er suggeriert, junge Leute könnten nicht mehr pünktlich sein oder arbeiten - das gehe aus einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung hervor ("Ausbildungsreife und Studierfähigkeit" - Belege für die irren Behauptungen, junge Leute fehlten öfter in Auditorien etc., fehlen gänzlich; die von den Autoren zitierten Hochschulen haben einfach nur eine Umfrage gemacht, Daten über Entwicklungen fehlen gänzlich; auch die Tatsache, dass die Jugendarbeitslosigkeit sinkt, offenbart dieses Meinungswerk als solches; ebenso widersprechen die allg. positiven Entwicklungen z.B. durch das DIHK; ). Das erinnert doch stark an: "Die Jugend von heute macht alles falsch" - diese Weise höre ich jetzt schon einige Jahre. Aber es sind mehr und mehr die alten Herren, die sich Kompetenzen anmaßen, die jenseits ihrer Fähigkeiten sind. Hier ist ein erneuter Beweis.

Dann führt Winterhoff ein Schattengefecht. Schuld seien auch digitale Medien, sie kommen zu früh und intensiv. Die Ausstattung mit digitalen Medien ist alles andere als intensiv. Sie kommt allmählich und ist im experimentellen Stadium. Dass es zu früh sei, begründet Winterhoff damit, dass es narzisstische Züge wecke - damit offenbart er einen überholten Narzissmus-Begriff, wie schon seine Kollegen ihn dafür kritisiert haben. Überhaupt fehlt es Winterhoff an praktischen Lösungen und Alternativen, zumal es tatsächlich einige gute Gründe gibt, Schüler nicht zu früh mit digitalen Medien zu konfrontieren.
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon TheManFromDownUnder » Fr 31. Mai 2019, 11:31

Teeernte hat geschrieben:(31 May 2019, 07:59)

https://www.stern.de/familie/kinder/mic ... 28324.html

Wie seht Ihr die Entwicklung - wie sollte es weitergehen ? Wie sieht so die ZUKUNFT aus ?

Die falsche Lehrpolitik lässt die Bevölkerung degenerieren ?


Nicht nur in Deutschland.

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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Teeernte » Fr 31. Mai 2019, 12:05

Agesilaos Megas hat geschrieben:(31 May 2019, 11:02)

Ach, wer laut schreit, hat noch lange nicht die Wahrheit gebrüllt.




Wieviel Schüler hast Du//Deine Familie schon selbst unterrichtet ? ...Hast/hattest Du Pädagogik //Psychologie als Studienfach ?

Ich schon - und meine Frau ist TÄGLICH mit der Basis konfrontiert...als Lehrer .

Die "ich will was ANDERES" Haltung der kleinen NArzisten ist ja nicht neu - Du hast schon MITBEKOMMEN....das die ROTGRÜN Schule ohne Autorität auskommen soll...der Unterricht mit spielen und Lehrer als Lernhilfe ablaufen soll ?

Das Ergebnis - die Bonsai Gehirne können sich nicht auf den Gegenüber konzentrieren - ausser er ist das Handy.

Die meisten Lehrer haben gute Ergebnisse mit der alten Lehrmethode.

Pisa wird es DIr ja ende des Jahres mieder zeigen.
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Agesilaos Megas » Fr 31. Mai 2019, 12:57

Teeernte hat geschrieben:(31 May 2019, 12:05)

Wieviel Schüler hast Du//Deine Familie schon selbst unterrichtet ? ...Hast/hattest Du Pädagogik //Psychologie als Studienfach ?

Ich schon - und meine Frau ist TÄGLICH mit der Basis konfrontiert...als Lehrer .

Die "ich will was ANDERES" Haltung der kleinen NArzisten ist ja nicht neu - Du hast schon MITBEKOMMEN....das die ROTGRÜN Schule ohne Autorität auskommen soll...der Unterricht mit spielen und Lehrer als Lernhilfe ablaufen soll ?

Das Ergebnis - die Bonsai Gehirne können sich nicht auf den Gegenüber konzentrieren - ausser er ist das Handy.

Die meisten Lehrer haben gute Ergebnisse mit der alten Lehrmethode.

Pisa wird es DIr ja ende des Jahres mieder zeigen.



Die alten Methoden werden doch größtenteils angewandt. Wo ist das Problem?

Und was haben offene Formen mit "Spielen" zu tun?
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Selina » Fr 31. Mai 2019, 13:15

Teeernte hat geschrieben:(31 May 2019, 07:59)

https://www.stern.de/familie/kinder/mic ... 28324.html

Wie seht Ihr die Entwicklung - wie sollte es weitergehen ? Wie sieht so die ZUKUNFT aus ?

Die falsche Lehrpolitik lässt die Bevölkerung degenerieren ?


Als Tiefenpsychologe und Psychoanalytiker hat dieser Winterhoff Kinder in seinen Sitzungen (er deutet ja an, dass er solche Gespräche führt), die ganz bestimmt die beschriebenen Defizite aufweisen. Traurig genug. Allerdings trifft das mit Sicherheit nicht auf sämtliche Kinder und Jugendlichen und auch nicht auf sämtliche Kindergärten und Schulen zu. In die Therapie gehen Leute, bei denen es einen Therapiebedarf gibt. Die Wirklichkeit außerhalb zu therapierender psychischer Probleme dürfte trotzdem noch ein wenig anders aussehen. Ich plädiere für beides: Selbstständiges Denken lernen, autonom lernen und arbeiten können, aber auch Anleitung dabei erfahren. Das ist doch klar, dass Bezugspersonen gerade in bestimmten Kinder- und Jugendjahren eine außerordentlich große Rolle spielen. Das ist Grundlagenwissen. Das haben die meisten Erzieher und Pädagogen längst selbst erkannt und zuvor in ihrer Ausbildung gelernt. Wichtig ist etwas anderes: Nämlich, dass die Kinder zu Hause wirklich zu Hause sind, dass die Eltern mit ihnen reden, singen, dass sie vorlesen, dass sie mit den Kindern spielen. Viel zu oft bleiben die Kinder sich selbst überlassen, weil die Eltern völlig überfordert sind. Wir haben neulich eine junge Familie im Park gesehen, die wirkte aus der Ferne wie eine Bilderbuchfamilie, Vater, Mutter, kleines Kind (drei oder vier Jahre alt). Wir saßen auf einer Bank, nicht so nahe dran, dass sich die Familie auf der anderen Bank vielleicht hätte gestört fühlen müssen, aber nahe genug, dass man schon noch etwas von ihrer "Kommunikation" mitkriegen konnte. Und was war zu erleben? Nichts. Eine halbe Stunde lang (danach zogen wir weiter) sprachen sie kein Wort mit dem Kind, sie spielten nicht mit ihm, beschäftigten sich nicht mit ihm, überhaupt nichts passierte da. Und nicht einmal die Erwachsenen redeten miteinander. Jeder schaute auf sein Handy, das Kind spielte irgendein Spiel mit Plastik-Teilen still vor sich hin. Das ist für mich der größere Knackpunkt oder einfach ein Trauerspiel: Diese Sprachlosigkeit in den Familien. Da sollte man einmal genauer hinschauen, woher das kommt.
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space
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon space » Fr 31. Mai 2019, 13:19

Also erst einmal ist dieses Forum ja der Beweis, dass es durchaus aus auch Erwachsene gibt, die z.B größte Schwierigkeiten haben, sich einigermaßen verständlich in Schriftform auszudrücken.

Dann ist das Beschweren über die Jugend als ungebildet,faul usw bereits seit tausenden von Jahren zu beobachten - als eine der wenigen tatsächlichen Konstanten der Geschichte.
Und wenn man z.B über Egoismus in der Gesellschaft sprechen will, dann muss man das über die gesamte Gesellschaft machen und dann kommt man nicht über das ökonomische System drumherum, das dort vermutlich einen wesentlich größeren Einfluss hat, als die pädagogischen und didaktischen Konzepte, die sich meines Erachtens nach in den letzten Jahrzehnten enorm verbessert haben.
Man muss sich in dem Zusammenhang aber auch fragen, was Bildung sein soll? Manche meinen Bildung sei das Auswendigkeitkönnen der erste Seite des 'Faust', andere meinen Bildung sei das, was aus den individuellen Interessen der Kinder ableitbar ist und sich eher auf Zusammenhänge und eben Kommunikation fokussiert.
Ersteres, also jede Form von Wissen, die als 'Allgemeinbildung' kodiert ist, ist in Deutschland immer noch deswegen mit Bildung verbunden, weil es ein historisches Merkmal der Klassenunterschiede ist, die in Deutschland so ungern angsprochen und noch weniger gern ausgeglichen werden. Das einzige wirklich inneressante Ergebniss der Pisa-Studien ist nämlich, dass in Deutschland immer noch ein sehr großer Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und Geldbeutel der Eltern und den Bildungschancen der Kinder besteht. Der Widerstand der Privilegierten und ihrer Lobbys gegen die Gesamtschule und Inklusionskonzepte spricht in dieser Hinsicht Bände.

Dieses Buch von diesem Winterhoff erscheint mir als Vulgärpsychoanalyse. Dafür ist Lacan nicht gestorben.
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon space » Fr 31. Mai 2019, 13:31

Ein Terraner hat geschrieben:(31 May 2019, 08:49)

Kennst du den Film Idiocracy?


Ein schrecklicher Film. Nur elitaristische Eugenikanhänger sollten den gucken.
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Selina » Fr 31. Mai 2019, 13:52

space hat geschrieben:(31 May 2019, 13:19)

Also erst einmal ist dieses Forum ja der Beweis, dass es durchaus aus auch Erwachsene gibt, die z.B größte Schwierigkeiten haben, sich einigermaßen verständlich in Schriftform auszudrücken.

Dann ist das Beschweren über die Jugend als ungebildet,faul usw bereits seit tausenden von Jahren zu beobachten - als eine der wenigen tatsächlichen Konstanten der Geschichte.
Und wenn man z.B über Egoismus in der Gesellschaft sprechen will, dann muss man das über die gesamte Gesellschaft machen und dann kommt man nicht über das ökonomische System drumherum, das dort vermutlich einen wesentlich größeren Einfluss hat, als die pädagogischen und didaktischen Konzepte, die sich meines Erachtens nach in den letzten Jahrzehnten enorm verbessert haben.
Man muss sich in dem Zusammenhang aber auch fragen, was Bildung sein soll? Manche meinen Bildung sei das Auswendigkeitkönnen der erste Seite des 'Faust', andere meinen Bildung sei das, was aus den individuellen Interessen der Kinder ableitbar ist und sich eher auf Zusammenhänge und eben Kommunikation fokussiert.
Ersteres, also jede Form von Wissen, die als 'Allgemeinbildung' kodiert ist, ist in Deutschland immer noch deswegen mit Bildung verbunden, weil es ein historisches Merkmal der Klassenunterschiede ist, die in Deutschland so ungern angsprochen und noch weniger gern ausgeglichen werden. Das einzige wirklich inneressante Ergebniss der Pisa-Studien ist nämlich, dass in Deutschland immer noch ein sehr großer Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und Geldbeutel der Eltern und den Bildungschancen der Kinder besteht. Der Widerstand der Privilegierten und ihrer Lobbys gegen die Gesamtschule und Inklusionskonzepte spricht in dieser Hinsicht Bände.

Dieses Buch von diesem Winterhoff erscheint mir als Vulgärpsychoanalyse. Dafür ist Lacan nicht gestorben.


Meine vollste Zustimmung. Kommunikation lernt man durch Kommunikation. Das heißt: Mit Kindern muss geredet werden, eigentlich vom ersten Atemzug des Nachwuchses an oder am besten auch schon im Mutterleib. Bezugspersonen sind das ganze lange Leben lang wichtig. Ebenso Vorbilder. Aber auch das ständige Anstubsen zum Selbstständigwerden. Das gehört alles ganz eng zusammen. Und diese Bemerkungen von dir sind das Wichtigste, wofür sich Politik stark machen müsste, um hier was zum Besseren zu verändern. Denn ohne Chancengleichheit sind alle Psychoanalysen im Stern oder sonstwo sinnlos. Ich zitiere: "Das einzige wirklich inneressante Ergebniss der Pisa-Studien ist nämlich, dass in Deutschland immer noch ein sehr großer Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und Geldbeutel der Eltern und den Bildungschancen der Kinder besteht. Der Widerstand der Privilegierten und ihrer Lobbys gegen die Gesamtschule und Inklusionskonzepte spricht in dieser Hinsicht Bände."
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Vongole » Fr 31. Mai 2019, 14:11

Winterhoff, der Psychater der schwarzen Pädagogik, hat's also mal wieder in die Schlagzeilen geschafft.
Ich hab mir vor Jahren sein Buch "Warum unserer Kinder Tyrannen werden" angetan, und hätte es mich nicht so gegruselt, hätte ich gelacht.
Für mehr als eine Tour durch deutsche Talkshows wird es hoffentlich auch diesmal wieder nicht reichen.
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Kael » Fr 31. Mai 2019, 14:22

Aufgrund meines Arbeitsumfeldes kann ich die Erfahrungen des Herrn Winterhoff so unterschreiben. Meine Firma wirft gefühlt 90% der Leute innerhalb der 6 Monate wieder raus und die wenigsten können sich halten.
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon PeterK » Fr 31. Mai 2019, 14:25

Selina hat geschrieben:(31 May 2019, 13:52)
Und diese Bemerkungen von dir sind das Wichtigste, wofür sich Politik stark machen müsste, um hier was zum Besseren zu verändern.

Nicht nur die "Politik". Auch wir Bürger sind gefragt und müssen uns an die Nase fassen.
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Ebiker » Fr 31. Mai 2019, 14:40

Es geht wohl weniger um Aufstiegschancen wenn Gymnasiasten mangelnde Studienfähigkeit bescheinigt wird. Eine Stufe drunter sieht es nicht besser aus, Real- oder gar Hauptschüler sind immer weniger ausbildungsfähig.
Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern.
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Selina » Fr 31. Mai 2019, 14:49

PeterK hat geschrieben:(31 May 2019, 14:25)

Nicht nur die "Politik". Auch wir Bürger sind gefragt und müssen uns an die Nase fassen.


Ja, klar müssen wir das :thumbup:
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Fuerst_48 » Fr 31. Mai 2019, 18:42

Selina hat geschrieben:(31 May 2019, 14:49)

Ja, klar müssen wir das :thumbup:

Gehst du mit gutem Beispiel voran?
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon unity in diversity » Fr 31. Mai 2019, 18:45

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(31 May 2019, 11:31)

Nicht nur in Deutschland.

Aber Friday's For Future wird es schon richten!!!! Akademische Nullen und ideologische Asse!

Mathe und Physik sind unwichtig, wenn sich Europa deindustriealisiert. Dann zählt der Glaube an Greta, sonst nichts.
Ach so, die Südostasiaten wollen euch etwas von eurem Atommüll zurückschicken, nur damit ihr Bescheid wißt.
Zuletzt geändert von unity in diversity am Fr 31. Mai 2019, 18:47, insgesamt 1-mal geändert.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Ein Terraner » Fr 31. Mai 2019, 18:47

unity in diversity hat geschrieben:(31 May 2019, 18:45)

wenn sich Europa deindustriealisiert.


Welche Industrie? Ist doch eh schon so gut wie alles nach Asien verlagert worden.
Licht und Dunkel

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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon unity in diversity » Fr 31. Mai 2019, 18:50

Ein Terraner hat geschrieben:(31 May 2019, 18:47)

Welche Industrie? Ist doch eh schon so gut wie alles nach Asien verlagert worden.

Und warum dann eure Panik in den Augen?
Worum geht es nun wirklich?
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
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Re: "Deutschland verdummt"

Beitragvon Ein Terraner » Fr 31. Mai 2019, 19:14

unity in diversity hat geschrieben:(31 May 2019, 18:50)

Und warum dann eure Panik in den Augen?
Worum geht es nun wirklich?

Ich hab keine Panik, ich habe Kopfschmerzen.
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