Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

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BenJohn
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon BenJohn » Mi 12. Feb 2020, 00:46

Der ÖRR ist so etwas wie betreutes Denken. Damit bloss niemand auf dummes Gedanken kommt wird die "richtige" Meinung immer unterschwellig oder auch ganz offensichtlich mit transportiert.
Mich nervt das.

Auch handwerklich passt es oft nicht.
Ich fand z.B. das Höcke-Interview absolut miserabel. Stümperhaft und handwerklich einfach nur schlecht. Man hatte das Gefühl, dass da jemand kein Bock hatte sich vorzubereiten und Höcke einfach nur provozieren und beleidigen wollte, um sich dann danach als kritischen Journalisten feiern zu lassen. Das war einfach billig.

Da hätte man mehr draus machen müssen. Das Problem für die Medienleute ist halt, dass Höcke intelligent ist. Da können die vom ÖRR vielleicht nicht mithalten. Die haben doch Angst vor ihm.

Man stelle sich mal ein Höckeinterview vor, in dem er sich gut verkauft. Das wäre doch der Horror für jeden Journalisten. Das ist aber kein Grund so eine billige Tour abzuziehen.

Höcke bietet eigentlich genug Angriffsfläche. Da muss man ihn packen. Er muss sich selbst entlarven. Natürlich ist das nicht leicht. Ich selbst traue mir nicht zu, dass hinzubekommen. Aber es mus meiner Meinung nach entweder so laufen oder halt gar nicht.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Sören74 » Mi 12. Feb 2020, 02:49

BenJohn hat geschrieben:(12 Feb 2020, 00:46)

Ich fand z.B. das Höcke-Interview absolut miserabel.


Welches von denen?

BenJohn hat geschrieben:Man stelle sich mal ein Höckeinterview vor, in dem er sich gut verkauft. Das wäre doch der Horror für jeden Journalisten.


Du findest also, Höcke hat sich in seinen Interviews bisher nicht gut verkauft? Falls dem so ist, dann dürfte es doch an seiner eigenen Unfähigkeit liegen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Arcturus » Mi 12. Feb 2020, 07:18

Alexyessin hat geschrieben:(11 Feb 2020, 20:12)

Hast du mal die Zahlen von 2013 - 2017 ? Nur so Interessehalber.


2013:
9 Einladungen - Trittin (Grüne), Wagenknecht (Die Linke), Oppermann (SPD), Bosbach (CDU), Altmaier (CDU)
8 Einladungen - Göring-Eckardt (Grüne), Kubicki (FDP)
7 Einladungen - von der Leyen (CDU)
6 Einladungen - Lucke (AFD)
4 Einladungen - Domscheit-Berg (Piraten)

https://meedia.de/2013/12/20/die-meiste ... aste-2013/

2014:
8 Einladungen - Bosbach (CDU)
ansonsten keine Zahlen gefunden

2015:
11 Einladungen - Bosbach (CDU)
9 Einladungen - Wagenknecht (Die Linke), Altmaier (CDU)
8 Einladungen - Göring-Eckardt (Grüne)
7 Einladungen - Stegner (SPD), Laschet (CDU)
6 Einladungen - Klöckner (CDU), Röttgen (CDU), Söder (CSU), Kipping (Die Linke)

https://meedia.de/2015/12/17/die-meiste ... nen-titel/

2016:
9 Einladungen - Wagenknecht (Die Linke)
8 Einladungen - Söder (CSU), Kipping (Die Linke), Oppermann (SPD)

CDU - 106 Einladungen
SPD - 59 Einladungen
Grüne - 36 Einladungen
Die Linke - 33 Einladungen
AFD- 26 Einladungen
FDP - 13 Einladungen

https://www.mopo.de/news/promi-show/aus ... e-25317836

2017:
10 Einladungen - Wagenknecht (Die Linke), von der Leyen (CDU)
9 Einladungen - Lindner (FDP), Söder (CSU), Özdemir (Grüne), Oppermann (SPD), Kubicki (FDP), Altmaier (CDU)

https://www.focus.de/kultur/kino_tv/von ... 57370.html
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Alexyessin » Mi 12. Feb 2020, 08:21

Arcturus hat geschrieben:(12 Feb 2020, 07:18)

2013:
9 Einladungen - Trittin (Grüne), Wagenknecht (Die Linke), Oppermann (SPD), Bosbach (CDU), Altmaier (CDU)
8 Einladungen - Göring-Eckardt (Grüne), Kubicki (FDP)
7 Einladungen - von der Leyen (CDU)
6 Einladungen - Lucke (AFD)
4 Einladungen - Domscheit-Berg (Piraten)

https://meedia.de/2013/12/20/die-meiste ... aste-2013/

2014:
8 Einladungen - Bosbach (CDU)
ansonsten keine Zahlen gefunden

2015:
11 Einladungen - Bosbach (CDU)
9 Einladungen - Wagenknecht (Die Linke), Altmaier (CDU)
8 Einladungen - Göring-Eckardt (Grüne)
7 Einladungen - Stegner (SPD), Laschet (CDU)
6 Einladungen - Klöckner (CDU), Röttgen (CDU), Söder (CSU), Kipping (Die Linke)

https://meedia.de/2015/12/17/die-meiste ... nen-titel/

2016:
9 Einladungen - Wagenknecht (Die Linke)
8 Einladungen - Söder (CSU), Kipping (Die Linke), Oppermann (SPD)

CDU - 106 Einladungen
SPD - 59 Einladungen
Grüne - 36 Einladungen
Die Linke - 33 Einladungen
AFD- 26 Einladungen
FDP - 13 Einladungen

https://www.mopo.de/news/promi-show/aus ... e-25317836

2017:
10 Einladungen - Wagenknecht (Die Linke), von der Leyen (CDU)
9 Einladungen - Lindner (FDP), Söder (CSU), Özdemir (Grüne), Oppermann (SPD), Kubicki (FDP), Altmaier (CDU)

https://www.focus.de/kultur/kino_tv/von ... 57370.html


Okay. Besten Dank dafür.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 12. Feb 2020, 09:04

BenJohn hat geschrieben:(12 Feb 2020, 00:46)

Der ÖRR ist so etwas wie betreutes Denken. Damit bloss niemand auf dummes Gedanken kommt wird die "richtige" Meinung immer unterschwellig oder auch ganz offensichtlich mit transportiert.
Mich nervt das.

Auch handwerklich passt es oft nicht.
Ich fand z.B. das Höcke-Interview absolut miserabel. Stümperhaft und handwerklich einfach nur schlecht. Man hatte das Gefühl, dass da jemand kein Bock hatte sich vorzubereiten und Höcke einfach nur provozieren und beleidigen wollte, um sich dann danach als kritischen Journalisten feiern zu lassen. Das war einfach billig.

Da hätte man mehr draus machen müssen. Das Problem für die Medienleute ist halt, dass Höcke intelligent ist. Da können die vom ÖRR vielleicht nicht mithalten. Die haben doch Angst vor ihm.

Man stelle sich mal ein Höckeinterview vor, in dem er sich gut verkauft. Das wäre doch der Horror für jeden Journalisten. Das ist aber kein Grund so eine billige Tour abzuziehen.

Höcke bietet eigentlich genug Angriffsfläche. Da muss man ihn packen. Er muss sich selbst entlarven. Natürlich ist das nicht leicht. Ich selbst traue mir nicht zu, dass hinzubekommen. Aber es mus meiner Meinung nach entweder so laufen oder halt gar nicht.

Mit dem ZDF bricht Höcke im September 19 ein Interview ab.

Eine Passage aus einem seiner letzten Sätze kurz vor dem Abbruch:

Es geht doch darum, und das spüren Sie doch auch, dass wir mittlerweile in einem Stadium angekommen sind, wo Politiker und Journalisten nicht mehr offen miteinander reden können, weil man das Gefühl hat, als Politiker – ich rede jetzt mal als AfD-Politiker – dass der Journalist nicht mehr neutral ist, sondern, dass er irgendwie einen politischen Auftrag exekutiert.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/das-interview-mit-bjoern-hoecke-verschriftet-100.html

Es gibt im ÖRR explizit den Grundsatz der Ausgewogenheit. Man kann zig Stellungnahmen von Medienwissenschaftlern, Politikwissenschaftlern, Rechtswissenschaftlern usw. zitieren, dass dieser allgemeine Grundsatz keineswegs gleichbedeutend ist mit der Forderung nach "Neutralität" jedes einzelnen konkreten Beitrags, jedes einzelnen Journalisten oder Interviewers. Im Gegenteil: Man stelle sich mal ein Programm aus stets "neutralen" Beiträgen von stets "neutralen" Journalisten vor! Es wäre nix als Hofberichterstattung, die Politikern die Gelegenheit geben würde, all ihre kruden Vorstellungen unwidersprochen präsentieren zu können. Er sagt "seid neutral!". Mein aber: "Widersprecht nicht!". Dieses Unverständnis, was den Unterschied zwischen allgemeiner, summarischer Ausgewogenheit und der Forderung nach allgegenwärtiger Neutralität im Konkreten anbetrifft, ist nichteinmal typisch für irgendeine politische Richtung. Es ist schlicht Dummheit und Unwissen. Höcke ein "intellgenter Mensch"?

Wenn Höcke aus diesem totalen Unverständnis von Pressefreiheit den Schluss nahelegt, die Nichtneutralität eines Journalisten beruhe darauf, dass er (statt einer eigenen Meinung) "einen politischen Auftrag exekutiert", so begibt er sich damit auf das Terrain von Verschwörungstheorien und strukturellem Antisemitismus. Seine "Intelligenz" besteht darin, dass er genau weiß, dass dem eigentlich nicht so ist. Er versteht es nur, dem Zuhörer bzw. Zuseher diese Sichtweise zu vermitteln. Dass es irgendwo die wirklich mächtigen gibt, die alles auf der Welt aus dem Hintergrund heraus steuern und regeln. Im Übrigen: Diese mediale Berechnetheit und Kalkuliertheit, wenn es aktuell zum Beispiel angeblich darum geht, sich endlich zwischen echtem Rechtskonservativismus und als konservativ ausgegebener linkgrüner "Ideologie" zu entscheiden, trieft sämtlichen AfD-Politiker wie Geifer nur so aus den Mundwinkeln.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Mi 12. Feb 2020, 09:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Arcturus » Mi 12. Feb 2020, 09:09

Alexyessin hat geschrieben:(12 Feb 2020, 08:21)

Okay. Besten Dank dafür.

Gern, gern.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon BenJohn » Mi 12. Feb 2020, 11:16

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Feb 2020, 09:04)

Mit dem ZDF bricht Höcke im September 19 ein Interview ab.

Eine Passage aus einem seiner letzten Sätze kurz vor dem Abbruch:

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/das-interview-mit-bjoern-hoecke-verschriftet-100.html

Es gibt im ÖRR explizit den Grundsatz der Ausgewogenheit. Man kann zig Stellungnahmen von Medienwissenschaftlern, Politikwissenschaftlern, Rechtswissenschaftlern usw. zitieren, dass dieser allgemeine Grundsatz keineswegs gleichbedeutend ist mit der Forderung nach "Neutralität" jedes einzelnen konkreten Beitrags, jedes einzelnen Journalisten oder Interviewers. Im Gegenteil: Man stelle sich mal ein Programm aus stets "neutralen" Beiträgen von stets "neutralen" Journalisten vor! Es wäre nix als Hofberichterstattung, die Politikern die Gelegenheit geben würde, all ihre kruden Vorstellungen unwidersprochen präsentieren zu können. Er sagt "seid neutral!". Mein aber: "Widersprecht nicht!". Dieses Unverständnis, was den Unterschied zwischen allgemeiner, summarischer Ausgewogenheit und der Forderung nach allgegenwärtiger Neutralität im Konkreten anbetrifft, ist nichteinmal typisch für irgendeine politische Richtung. Es ist schlicht Dummheit und Unwissen. Höcke ein "intellgenter Mensch"?

Wenn Höcke aus diesem totalen Unverständnis von Pressefreiheit den Schluss nahelegt, die Nichtneutralität eines Journalisten beruhe darauf, dass er (statt einer eigenen Meinung) "einen politischen Auftrag exekutiert", so begibt er sich damit auf das Terrain von Verschwörungstheorien und strukturellem Antisemitismus. Seine "Intelligenz" besteht darin, dass er genau weiß, dass dem eigentlich nicht so ist. Er versteht es nur, dem Zuhörer bzw. Zuseher diese Sichtweise zu vermitteln. Dass es irgendwo die wirklich mächtigen gibt, die alles auf der Welt aus dem Hintergrund heraus steuern und regeln. Im Übrigen: Diese mediale Berechnetheit und Kalkuliertheit, wenn es aktuell zum Beispiel angeblich darum geht, sich endlich zwischen echtem Rechtskonservativismus und als konservativ ausgegebener linkgrüner "Ideologie" zu entscheiden, trieft sämtlichen AfD-Politiker wie Geifer nur so aus den Mundwinkeln.


Nirgendwo habe ich geschrieben, dass ich mir Höckes Sichtweise über den ÖRR zu eigen mache. Deshalb verstehe ich deine Argumentation gerade nicht. Was hat die mit meinem Post zu tun? ;)
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon tarkomed » Mi 12. Feb 2020, 11:33

Ach komm, eine gute Portion Bewunderung für Höcke war in deinem Beitrag nicht zu übersehen. ;)
Gib dich nicht so, dass alle andern dich für etwas halten, was du nicht sein willst.
Wenn sie es trotzdem tun, dann bist du es...
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon BenJohn » Mi 12. Feb 2020, 11:36

Sören74 hat geschrieben:(12 Feb 2020, 02:49)

Welches von denen?


Das, welches er sauer abgebrochen hat.


Sören74 hat geschrieben:(12 Feb 2020, 02:49)

Du findest also, Höcke hat sich in seinen Interviews bisher nicht gut verkauft? Falls dem so ist, dann dürfte es doch an seiner eigenen Unfähigkeit liegen.


Mir geht es um die journalistische Leistung und nicht um Höcke.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon BenJohn » Mi 12. Feb 2020, 11:42

tarkomed hat geschrieben:(12 Feb 2020, 11:33)

Ach komm, eine gute Portion Bewunderung für Höcke war in deinem Beitrag nicht zu übersehen. ;)


Es hat nichts mit Bewunderung zu tun, wenn man das Können anderer Leute anerkennt. Es hat eher etwas mit Dummheit zu tun, wenn man es nicht anerkennt.

Was Höcke draus macht, habe ich nirgendwo gutgeheissen. Ganz im Gegenteil.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Sören74 » Mi 12. Feb 2020, 11:55

BenJohn hat geschrieben:(12 Feb 2020, 11:36)

Das, welches er sauer abgebrochen hat.


Okay, dann werde ich es mir mal angucken (werde erst heute Abend dazu kommen).
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Sören74 » Mi 12. Feb 2020, 22:47

BenJohn hat geschrieben:(12 Feb 2020, 00:46)
Ich fand z.B. das Höcke-Interview absolut miserabel. Stümperhaft und handwerklich einfach nur schlecht. Man hatte das Gefühl, dass da jemand kein Bock hatte sich vorzubereiten und Höcke einfach nur provozieren und beleidigen wollte, um sich dann danach als kritischen Journalisten feiern zu lassen. Das war einfach billig.


So, ich habe jetzt auf Youtube das komplette Interview bis zum Abbruch angesehen. Ich sage gleich vorweg, Deine Einschätzung, dass es miserabel und handwerklich schlecht gemacht wurde, teile ich überhaupt nicht. Zur Einordnung, der Interviewer stellte Fragen zur Sprache und Sprachbilder von Höcke. Er spricht ihn darauf an, dass nicht nur politische Gegner sondern auch Parteikollegen über die Sprachähnlichkeit und Wortgleichheit mit Ausdrücken aus dem 3.Reich irritiert sind. Höcke begründet seine Art zu schreiben sinngemäß damit, dass er gerne poetisch schreibt und nicht einsehe, warum er bestimmte Ausdrücke nicht verwenden soll, wenn sie auch im 3.Reich verwendet wurden. Das sei für ihn politische Korrektheit, die es zu überwinden gilt. Man kann nun Höckes Ansicht teilen oder nicht, das ist gar nicht der Punkt. Zur Untermauerung seiner These hat der Interviewer einen Einspieler gebracht, wo AfD-Abgeordnete zwei Zitate aus Höckes Buch vorgelesen wurden. Anschließend wurden sie gefragt, ob die Abgeordneten denken, ob das von Höcke oder von Hitler ist. Einige Abgeordnete mussten lachen, aber fast alle wollten sich nicht die Blöße geben und in kein Fettnäpfchen treten und sagten, sie können das nicht einschätzen, weil sie Höckes Buch und Hitlers Kampf nicht gelesen haben.

Noch allgemeines, der Interviewer redete in einem ruhigen Ton. Natürlich waren das keine seichten Fragen, sondern setzte sich hart aber im Rahmen mit der Sprache von Höcke in seinem Buch und in Reden auseinander. Klar, Höcke konnte das nicht gefallen, aber ich glaube er war vermutlich noch mehr enttäuscht darüber, dass seine AfD-Bundestagsabgeordneten sein Buch nicht gelesen haben, und so rumdrucksten und sich nicht positiv über ihn äußerten.

Dann kam eine Stelle, die mich sehr überrascht hat und persönlich unglaublich spannend fand. Denn es war nicht Höcke, sondern sein Medienberater Lachmann(?), der im Hintergrund saß und sich abrupt einschaltete. Er meinte (O-Ton): "Darf ich mal kurz unterbrechen... ich würde sagen, dass sollten wir nochmal wiederholen, das geht so nicht, sie haben ihn mit Fragen konfrontiert, die ihn stark emotionalisiert haben......das sollte man nicht im fernsehen zeigen....das sollten wir nochmal von vorne machen....". Dann folgte eine längere Diskussion zwischen Herrn Lachmann und dem Interviewer. Höcke wirkte plötzlich wie ein Schulkind, bei dem die Erwachsenen über ihn in der 3.Person sprechen, obwohl er im selben Raum ist. Es schien so, als wüsste er in dem Moment nicht, ob er seinem Medienberater Lachmann zustimmen sollte, oder ob er sagt, ach wir können das Interview weitermachen. Alles andere als souverän. Erst nach dem sich Lachmann und der Interviewer länger unterhalten hatten, stieg Höcke auf das ein, was sein Medienberater sagte. Dann kamen so Sätze wie "das kann man so nicht machen".

Zwei Dinge sind für mich interessant. Einmal das nicht Höcke das Heft in der Hand hatte, sondern sein Berater. Er wirkte sprichwörtlich unmündig, was natürlich nach außen kein gutes Bild abgab. Zum anderen zeigt es die Vorstellung, wie sich Höcke oder die AfD allgemein ein Interview vorstellen. Er versteht gar nicht, dass es überhaupt nicht üblich ist, dass ein Interview wiederholt wird, wenn der Politiker meint, er komme gerade nicht gut rüber. Zum anderen ist ein Journalist kein Stichwortgeber, sondern sucht die Kontroverse in der Sache und er bestimmt, welche Fragen gestellt werden und nicht der Politiker.

Man könnte darüber noch mehr schreiben, aber im Grundsatz sage ich, ein politisches Interview ist nun mal kein Wunschkonzert.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon BenJohn » Mi 12. Feb 2020, 22:54

Sören74 hat geschrieben:(12 Feb 2020, 22:47)

So, ich habe jetzt auf Youtube das komplette Interview bis zum Abbruch angesehen. Ich sage gleich vorweg, Deine Einschätzung, dass es miserabel und handwerklich schlecht gemacht wurde, teile ich überhaupt nicht.


Okay
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Do 13. Feb 2020, 09:18

BenJohn hat geschrieben:(12 Feb 2020, 11:16)

Nirgendwo habe ich geschrieben, dass ich mir Höckes Sichtweise über den ÖRR zu eigen mache. Deshalb verstehe ich deine Argumentation gerade nicht. Was hat die mit meinem Post zu tun? ;)

Nur oder zumindest soviel, dass ich Höcke auch in einem rein formal bildungsbürgerlichen Sinne und unabhängig von politischen Einstellungen eben nicht für intelligent oder klug halte. Zwischen summarischer Ausgewogenheit und allgegenwärtiger Neutralität unterscheiden zu können, hat einfach nur mit Begriffsunstutzigkeit zu tun.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Do 13. Feb 2020, 09:28

Sören74 hat geschrieben:(12 Feb 2020, 22:47)
... Zum anderen ist ein Journalist kein Stichwortgeber, sondern sucht die Kontroverse in der Sache und er bestimmt, welche Fragen gestellt werden und nicht der Politiker.

Absolut richtig. Das kann man gar nicht fett genug hervorheben. Ein großer Teil der Diskussionen über den ÖRR ist von dem Missverständnis geprägt, dass "öffentlich" bedeutet, man könne sich dort frei bedienen ohne Widerspruch zu befürchten.

Das Schlimme ist, dass - zumindest in Bezug auf das öffentliche TV - die großen SPortverbände genau dies seit langem in die Tat umgesetzt haben. Für einen DFB-Finaltag darf auch mal ein ganzes Abedprogramm komplett und im Sinne einer Hofberichterstattung gekapert werden.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon tarkomed » Do 13. Feb 2020, 09:34

BenJohn hat geschrieben:(12 Feb 2020, 11:42)

Es hat nichts mit Bewunderung zu tun, wenn man das Können anderer Leute anerkennt. Es hat eher etwas mit Dummheit zu tun, wenn man es nicht anerkennt.

Ja gut, Dummheit kann nicht mal sich selbst erkennen, wenn sie sich begegnet, aber wenn man sie dort zu erkennen meint, wo andere Höckes Können nicht anerkennen, dann kennt sie sich selbst nicht mehr aus… :D
BenJohn hat geschrieben:(12 Feb 2020, 11:42)
Was Höcke draus macht, habe ich nirgendwo gutgeheissen. Ganz im Gegenteil.

Womit begründest du dann deine Anerkennung seines Könnens?
Gib dich nicht so, dass alle andern dich für etwas halten, was du nicht sein willst.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon H2O » Do 13. Feb 2020, 09:58

Möglicherweise ist "Anerkennung des Könnens" so gemeint, daß der Mann die Gefühle vieler Menschen mit seinen Worten anspricht; daß sie froh sind, endlich eine Stimme zu haben, die nicht gleich weggeputzt werden kann. Oder eben nur im Nachklapp; dann hat der Schuß aber schon gesessen, und seine Anhänger sind nur noch trotzig gegenüber den Eliten, die diesen Unfug aufdecken.

Das Trotzverhalten scheint mir ein Abwehrmittel der Dummen zu sein, die vielleicht dumpf etwas ahnen, aber nicht zu besserer Erkenntnis kommen. Und dann gibt s natürlich jene, die sich berechnend gemein machen und damit Macht ausüben, die ihnen ansonsten durch Wettbewerber versagt bleibt.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon BenJohn » Do 13. Feb 2020, 11:27

tarkomed hat geschrieben:(13 Feb 2020, 09:34)

Ja gut, Dummheit kann nicht mal sich selbst erkennen, wenn sie sich begegnet, aber wenn man sie dort zu erkennen meint, wo andere Höckes Können nicht anerkennen, dann kennt sie sich selbst nicht mehr aus… :D

Womit begründest du dann deine Anerkennung seines Könnens?


Ich habe nicht von seinem Können gesprochen, sondern von seiner Intelligenz. Und wer abstreitet das Höcke intelligent ist, der wäre vermutlich auch auf Hitler reingefallen. Aus reiner Überheblichkeit. :x

Man sollte seine Feinde nicht unterschätzen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon tarkomed » Do 13. Feb 2020, 11:32

H2O hat geschrieben:(13 Feb 2020, 09:58)

Möglicherweise ist "Anerkennung des Könnens" so gemeint, daß der Mann die Gefühle vieler Menschen mit seinen Worten anspricht; daß sie froh sind, endlich eine Stimme zu haben, die nicht gleich weggeputzt werden kann. Oder eben nur im Nachklapp; dann hat der Schuß aber schon gesessen, und seine Anhänger sind nur noch trotzig gegenüber den Eliten, die diesen Unfug aufdecken.

Das Trotzverhalten scheint mir ein Abwehrmittel der Dummen zu sein, die vielleicht dumpf etwas ahnen, aber nicht zu besserer Erkenntnis kommen. Und dann gibt s natürlich jene, die sich berechnend gemein machen und damit Macht ausüben, die ihnen ansonsten durch Wettbewerber versagt bleibt.

Die Manipulation der Menschen erfolgt für gewöhnlich am besten, wenn man ihre Gefühle und Emotionen anspricht und weniger ihren Intellekt, denn dort ist unter anderem auch das kritische Vermögen verborgen. Das ist die Kunst des Populismus und man kann von denen, die ihn praktizieren halten, was man will.
Wenn das jedoch genügt, um alle anderen, die das nicht als Können bewerten, sondern für verwerflich halten, ihnen allen Dummheit zu bescheinigen, dann ist es wie ich schrieb: dann kennt sich die Dummheit nicht mehr aus und weiß nicht, wohin sie adressiert wurde.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon tarkomed » Do 13. Feb 2020, 11:47

BenJohn hat geschrieben:(13 Feb 2020, 11:27)

Ich habe nicht von seinem Können gesprochen, sondern von seiner Intelligenz. Und wer abstreitet das Höcke intelligent ist, der wäre vermutlich auch auf Hitler reingefallen. Aus reiner Überheblichkeit. :x

Soll ich dir deinen Beitrag vorlesen? ;)
BenJohn hat geschrieben:(13 Feb 2020, 11:27)
Man sollte seine Feinde nicht unterschätzen.

Ich habe keine Feinde. Schlimmstenfalls Gegner.
Gib dich nicht so, dass alle andern dich für etwas halten, was du nicht sein willst.
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