Lügenpresse oder Realitätspresse

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Bartleby
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Bartleby » Mi 29. Aug 2018, 16:54

Alter Stubentiger hat geschrieben:(29 Aug 2018, 16:36)

Bei der Berichterstattung über die Feinde der Demokratie darf die Presse gar nicht neutral sein. Sie soll wahrhaftig sein aber auch klar sagen was sie von Gewalttätern auf allen Seiten hält. Ich halte es auch für keine gute Idee alle Medien so darzustellen wie du es tust. Klar gibt es die Springer-Presse und andere reißerische Medien z.B. "Russia today". Es gibt aber auch jede Menge seriöse Berichterstattung. Das sollte man auch mal zur Kenntnis nehmen. Die Medien sind wichtig und nicht der Feind. Es ist sicher kein Zufall dass aber gerade rechte Populisten die freie Presse fürchten und verteufeln. Und sie machen es geschickter als die radikale Linke die beim Volk eigentlich kein Gehör findet.


Kurze Rückfrage: Wie stelle ich die Medien Ihrer Ansicht nach dar? Dass trockene Faktenberichterstattung in Konkurrenz untereinander und mit den Internet-gestützten Medien die notwendigen Auflagen nicht mehr garantiert, scheint doch Allgemeinwissen zu sein. Hat man darüber hinaus die Medien über ein halbes Jahrhundert aufmerksam verfolgt, inklusive ihrer schreibenden Zunft, dann lässt sich auch feststellen, wie stark sich Medien und Gesellschaft geändert haben.

Was Sie fordern, Wahrhaftigkeit: Woran orientiert sich das? An den Fakten oder an dem, was hinten, schon nach der Meinung herauskommen sollte? Zum Meinungsteil wäre zu sagen, dass der natürlich immer schon Bestandteil einer Zeitung oder einer Nachrichtensendung war, aber man konnte ihn klar unterscheiden. Heute steckt die Meinung schon immer in der Wortwahl der Berichterstattung oder in den Fragen der Journalisten. Insbesondere die schreibende Zunft wäre noch vor 15 oder 20 Jahren den Anforderungen des Berufs an einer Journalistenschule nicht gerecht geworden. Doch muss man auch umgekehrt die veränderte Erwartungshaltung der Leser anführen. Die wollen sich keine Meinung mehr bilden anhand trockener Fakten, sondern immer schon emotional mitgenommen werden. Das ist also eher eine psychologische, eine Gefühlssache. Sinnlos hier, in rechts und links zu unterscheiden. Was an Unterschieden zu beobachten ist, ist häufig nur eine Frage der Position, in der man sich befindet oder zu befinden glaubt.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Wähler » Mi 29. Aug 2018, 17:28

MäckIntaier hat geschrieben:(29 Aug 2018, 16:54)
Doch muss man auch umgekehrt die veränderte Erwartungshaltung der Leser anführen. Die wollen sich keine Meinung mehr bilden anhand trockener Fakten, sondern immer schon emotional mitgenommen werden. Das ist also eher eine psychologische, eine Gefühlssache. Sinnlos hier, in rechts und links zu unterscheiden.

Ich würde die heutigen Leser trotz Social Media nicht unterschätzen. An der Debatte und den Umfragen zum Thema Spurwechsel zum Beispiel wird man vielleicht erkennen, dass die Bürger schon genauer hinsehen werden, wie der Staat und seine Bediensteten als Verwalter mittel- und langfristig mit dem Thema Flüchtlinge und Einwanderung umgehen werden. Das betrifft nämlich den Alltag von jedem Bürger.
Zuletzt geändert von Wähler am Do 30. Aug 2018, 06:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 29. Aug 2018, 18:19

MäckIntaier hat geschrieben:(29 Aug 2018, 16:54)

Kurze Rückfrage: Wie stelle ich die Medien Ihrer Ansicht nach dar? Dass trockene Faktenberichterstattung in Konkurrenz untereinander und mit den Internet-gestützten Medien die notwendigen Auflagen nicht mehr garantiert, scheint doch Allgemeinwissen zu sein. Hat man darüber hinaus die Medien über ein halbes Jahrhundert aufmerksam verfolgt, inklusive ihrer schreibenden Zunft, dann lässt sich auch feststellen, wie stark sich Medien und Gesellschaft geändert haben.

Was Sie fordern, Wahrhaftigkeit: Woran orientiert sich das? An den Fakten oder an dem, was hinten, schon nach der Meinung herauskommen sollte? Zum Meinungsteil wäre zu sagen, dass der natürlich immer schon Bestandteil einer Zeitung oder einer Nachrichtensendung war, aber man konnte ihn klar unterscheiden. Heute steckt die Meinung schon immer in der Wortwahl der Berichterstattung oder in den Fragen der Journalisten. Insbesondere die schreibende Zunft wäre noch vor 15 oder 20 Jahren den Anforderungen des Berufs an einer Journalistenschule nicht gerecht geworden. Doch muss man auch umgekehrt die veränderte Erwartungshaltung der Leser anführen. Die wollen sich keine Meinung mehr bilden anhand trockener Fakten, sondern immer schon emotional mitgenommen werden. Das ist also eher eine psychologische, eine Gefühlssache. Sinnlos hier, in rechts und links zu unterscheiden. Was an Unterschieden zu beobachten ist, ist häufig nur eine Frage der Position, in der man sich befindet oder zu befinden glaubt.

Wenn du Emotion suchst wirst du bei den neuen Medien, Twitter und Facebook , sicher fündig. Da findet man aber keine Fakten bzw. sind die dann Nebensache. Zur Not wird einfach irgendwas emotional ansprechend als Fakt dargestellt. Davon ist der Journalismus bei SPON, der Süddeutschen oder bei den Öffentlich-Rechtlichen dann doch meilenweit entfernt. Da können wir froh sein dass dort noch Qualitätsjournalismus gemacht wird und so einiges ins Licht der Öffentlichkeit gestellt wird was zwielichtige Populisten so gar nicht gefällt.

Und wenn aktuell gemeldet wird wer den Haftbefehl aus Chemnitz ins Netz gestellt hat ist dass doch okay. Das ist der Job der Medien. Und die bohren auch nach wieso und wie das Dokument in die Hände von Bachmann und Höcke gelangt ist. Und überhaupt! Wie soll man neutral über Leute berichten die mehr oder weniger unverhüllt mit solchen Aktionen zur Lynchjustiz aufrufen? Müßen Journalisten da nicht Stellung beziehen?
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...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Polibu » Mi 29. Aug 2018, 18:22

Alter Stubentiger hat geschrieben:(29 Aug 2018, 18:19)

Wenn du Emotion suchst wirst du bei den neuen Medien, Twitter und Facebook , sicher fündig. Da findet man aber keine Fakten bzw. sind die dann Nebensache. Zur Not wird einfach irgendwas emotional ansprechend als Fakt dargestellt. Davon ist der Journalismus bei SPON, der Süddeutschen oder bei den Öffentlich-Rechtlichen dann doch meilenweit entfernt. Da können wir froh sein dass dort noch Qualitätsjournalismus gemacht wird und so einiges ins Licht der Öffentlichkeit gestellt wird was zwielichtige Populisten so gar nicht gefällt.

Und wenn aktuell gemeldet wird wer den Haftbefehl aus Chemnitz ins Netz gestellt hat ist dass doch okay. Das ist der Job der Medien. Und die bohren auch nach wieso und wie das Dokument in die Hände von Bachmann und Höcke gelangt ist. Und überhaupt! Wie soll man neutral über Leute berichten die mehr oder weniger unverhüllt mit solchen Aktionen zur Lynchjustiz aufrufen? Müßen Journalisten da nicht Stellung beziehen?


Höcke hat den Haftbefehl nicht verbreitet. Das war unter Anderem irgendein anderer AfDler. Das nur zur Richtigstellung. :)
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Neandertaler » Mi 29. Aug 2018, 18:31

Alter Stubentiger hat geschrieben:(29 Aug 2018, 18:19)

....Und überhaupt! Wie soll man neutral über Leute berichten die mehr oder weniger unverhüllt mit solchen Aktionen zur Lynchjustiz aufrufen? Müßen Journalisten da nicht Stellung beziehen?

Nein, auch in so einem Fall sprechen doch dann die Fakten neutral berichtet für sich. Es ist also Grade dann unötig und unsinnig wenn Journalisten Stellung beziehen.

Stellung beziehen kann man in einem Kommentar nur das ganze sollte sich nicht zu sehr mit der Berichterstattung überschneiden wie es leider viel zu oft geschieht.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Bartleby » Mi 29. Aug 2018, 18:50

Alter Stubentiger hat geschrieben:(29 Aug 2018, 18:19)

Wenn du Emotion suchst wirst du bei den neuen Medien, Twitter und Facebook , sicher fündig. Da findet man aber keine Fakten bzw. sind die dann Nebensache. Zur Not wird einfach irgendwas emotional ansprechend als Fakt dargestellt. Davon ist der Journalismus bei SPON, der Süddeutschen oder bei den Öffentlich-Rechtlichen dann doch meilenweit entfernt. Da können wir froh sein dass dort noch Qualitätsjournalismus gemacht wird und so einiges ins Licht der Öffentlichkeit gestellt wird was zwielichtige Populisten so gar nicht gefällt.


Unabhängig davon, wie man über den aktuellen "Qualitätsjournalismus" nun urteilt, kann man feststellen, dass er als Informationsquelle mehr und mehr marginal wird und dass er ein Getriebener ist. Nicht umsonst stellt die Taz ihre Printausgabe ein. Doch auch der gewöhnliche Qualitätsjournalismus hat die Wende hin zum Emotionsbericht längst vollzogen. Herr Clemenceau und seine Warnung "Wenn Sie ein Adjektiv verwenden wollen, so kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es nötig ist." sind längst vergessen, und die heutigen Texte strotzen darüber hinaus von eindeutigen Signalwörtern. Das ist einfach so, es entspricht dem Geist der Zeit und seinen Erwartungen, und am Ende werden alle der Taz früher oder später folgen. Und Online-Journalismus funktioniert nun einmal notwendigerweise anders.

Alter Stubentiger hat geschrieben:(29 Aug 2018, 18:19)
Und wenn aktuell gemeldet wird wer den Haftbefehl aus Chemnitz ins Netz gestellt hat ist dass doch okay. Das ist der Job der Medien. Und die bohren auch nach wieso und wie das Dokument in die Hände von Bachmann und Höcke gelangt ist. Und überhaupt! Wie soll man neutral über Leute berichten die mehr oder weniger unverhüllt mit solchen Aktionen zur Lynchjustiz aufrufen? Müßen Journalisten da nicht Stellung beziehen?



Das müssen Sie ganz für sich beantworten. Was ist Ihr Interesse an der Geschichte? Und wozu genau soll nun der Journalist Stellung beziehen? Ist Stellung beziehen nicht das, was Sie und ich nach Kenntnisnahme der Fakten erst tun sollten? Muss der Journalist die Feststellung treffen, es würde damit zur Lynchjustiz aufgerufen, oder ist das Aufgabe des Lesers, sich diesen Reim zu machen? Hier liegt meine Kritik an den modernen sog. Qualitätsmedien, dass sie alle inzwischen ihrer Leserschaft die Interpretation ihrer Fakten mitliefern. Und leider nicht abgetrennt von der Darstellung der Fakten, sondern schon in der Wortwahl. Darüber wurde gestern hier ja schon gesprochen, als ich die "Informationen" eines Users hier kurz aus journalistischer Sicht aufgedröselt hatte.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Mahmoud » Mi 29. Aug 2018, 22:14

Abgesehen davon, daß die Veröffentlichung eines Haftbefehls ungesetzlich ist: Was ist eigentlich das Problem ?
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon ThorsHamar » Mi 29. Aug 2018, 22:16

Mahmoud hat geschrieben:(29 Aug 2018, 22:14)

Abgesehen davon, daß die Veröffentlichung eines Haftbefehls ungesetzlich ist: Was ist eigentlich das Problem ?


...z.B. wird die in einem Rechtsstaat geltende Unschuldsvermutung massiv beeinträchtigt. Weiterhin können die Zeugen beeinflusst werden, bedroht oder belohnt, je nach dem ....
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Mahmoud » Mi 29. Aug 2018, 22:24

Oder es könnte etwas an die Öffentlichkeit gelangen, daß unseren Volksvertretern und Rechtsverdrehern, äh, pardon, Rechtsvertretern, sehr unangenehm sein könnte.

Originalauszug aus dem Haftbefehl: " Der ledige und erheblich vorbestrafte und unter Bewährung stehende Beschuldigte...."

Das soll die Öffentlichkeit natürlich nicht wissen. Könnte unserem Politikerpack schaden.

Ich kann hier nur sagen: Schön, daß hier ein Unbekannter Mut bewiesen hat....! Zivilcourage wird doch immer gefordert.... ;)
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Polibu » Mi 29. Aug 2018, 22:34

Mahmoud hat geschrieben:(29 Aug 2018, 22:24)

Oder es könnte etwas an die Öffentlichkeit gelangen, daß unseren Volksvertretern und Rechtsverdrehern, äh, pardon, Rechtsvertretern, sehr unangenehm sein könnte.

Originalauszug aus dem Haftbefehl: " Der ledige und erheblich vorbestrafte und unter Bewährung stehende Beschuldigte...."

Das soll die Öffentlichkeit natürlich nicht wissen. Könnte unserem Politikerpack schaden.

Ich kann hier nur sagen: Schön, daß hier ein Unbekannter Mut bewiesen hat....! Zivilcourage wird doch immer gefordert.... ;)


Das sehe ich anders.

Ein Haftbefehl bedeutet noch lange nicht, dass auch jemand schuldig ist. Man ist nur tatverdächtigt. Es gilt immer noch die Unschuldsvermutung. Das ist ein Grundrecht, welches nicht ausgehebelt werden darf. Ausserdem kann es die weiteren Ermittlungen behindern. Was ist, wenn sich weitere Zeugen nicht melden, weil sie befürchten müssen, dass ihre Daten veröffentlicht werden?

Deshalb ist es unverantwortlich einen Haftbefehl mit den persönlichen Daten des Beschuldigten und der persönlichen Daten von Zeugen zu veröffentlichen. Ich hoffe, dass die Person, die den Haftbefehl veröffentlicht hat, ermittelt werden kann und auch die Höchststrafe dafür bekommt. Die Leute, die geholfen haben den Haftbefehl zu verbreiten, ebenfalls.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon ThorsHamar » Mi 29. Aug 2018, 22:35

Polibu hat geschrieben:(29 Aug 2018, 22:34)

Das sehe ich anders.

Ein Haftbefehl bedeutet noch lange nicht, dass auch jemand schuldig ist. Man ist nur tatverdächtigt. Es gilt immer noch die Unschuldsvermutung. Das ist ein Grundrecht, welches nicht ausgehebelt werden darf.

Deshalb ist es unverantwortlich einen Haftbefehl mit den persönlichen Daten des Beschuldigten und der persönlichen Daten von Zeugen zu veröffentlichen. Ich hoffe, dass die Person, die den Haftbefehl veröffentlicht hat, ermittelt werden kann und auch die Höchststrafe dafür bekommt. Die Leute, die geholfen haben den Haftbefehl zu verbreiten, ebenfalls.


Genau so sehe ich das auch ....
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon ThorsHamar » Mi 29. Aug 2018, 22:38

Mahmoud hat geschrieben:(29 Aug 2018, 22:24)

Oder es könnte etwas an die Öffentlichkeit gelangen, daß unseren Volksvertretern und Rechtsverdrehern, äh, pardon, Rechtsvertretern, sehr unangenehm sein könnte.

Originalauszug aus dem Haftbefehl: " Der ledige und erheblich vorbestrafte und unter Bewährung stehende Beschuldigte...."

Das soll die Öffentlichkeit natürlich nicht wissen. Könnte unserem Politikerpack schaden.

Ich kann hier nur sagen: Schön, daß hier ein Unbekannter Mut bewiesen hat....! Zivilcourage wird doch immer gefordert.... ;)


Nee, das ist nicht in Ordnung!
Dass der Verdächtige vorbestraft ist, wäre auch so noch rausgekommen .... Und "Politikerpack" muss nicht sein, Mahmoud.
Mach es einfach besser oder meckere vernünftig, bitte!
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Mahmoud » Mi 29. Aug 2018, 22:41

MäckIntaier hat geschrieben:
Was Sie fordern, Wahrhaftigkeit: Woran orientiert sich das?


Wahrhaftigkeit! Was für ein großes Wort!

1. Ein Deutscher wird von einem Asylbewerber erstochen.
2. Ein Asylbewerber wird von einem Deutschen erstochen.

Wahrhaftigkeit wäre, daß über beide Fälle ähnlich berichtet wird.
Tatsächlich würde über Fall 1 wahrscheinlich garnicht oder in drei dürren Zeilen berichtet. Und Fall zwei wäre ein ganzseitiger Bericht im SPIEGEL....

Das ist nicht wahrhaftig!
Political correctness: Nein, Danke. Ich bevorzuge die Wahrheit!
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Polibu » Do 30. Aug 2018, 00:41

Der blanke Hohn. welt.de führt ein Interview mit dem Kumpel eines dringend Tatverdächtigen. Der beteuert immer wieder was für ein toller Typ der erheblich Vorbestrafte doch ist.

https://www.welt.de/politik/deutschland ... s-war.html

Die sollen was über das Opfer schreiben und dem dringend Tatverdächtigen keine Bühne bieten.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Vongole » Do 30. Aug 2018, 00:58

Polibu hat geschrieben:(30 Aug 2018, 00:41)

Der blanke Hohn. welt.de führt ein Interview mit dem Kumpel eines dringend Tatverdächtigen. Der beteuert immer wieder was für ein toller Typ der erheblich Vorbestrafte doch ist.

https://www.welt.de/politik/deutschland ... s-war.html

Die sollen was über das Opfer schreiben und dem dringend Tatverdächtigen keine Bühne bieten.


Nun, dem Opfer haben in den letzten Tagen u.a. deine Kumpels von der AfD eine Bühne geboten, nur hat den meisten Zuschauern diese Art der Aufführung gar nicht gefallen.
Also beklag dich nicht, wenn jetzt das Presse-Echo anders lautet als gewünscht.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Senexx » Do 30. Aug 2018, 06:05

Vongole hat geschrieben:(30 Aug 2018, 00:58)

Nun, dem Opfer haben in den letzten Tagen u.a. deine Kumpels von der AfD eine geboten

Eine Bühne geboten?

Was für eine niederträchtige Diktion.

Das Opfer ist tot.

Und es hat sich auf keine Bühne gedrängt.
Ich verwende niemals "copy+paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
Nieder mit dem Extremismus: Wider SED, AfD und Grüne!
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon ThorsHamar » Do 30. Aug 2018, 10:37

Eine traurige Nachricht über menschenfeindliches Verhalten von wahrscheinlich deutschen Arschlöchern in Wismar:
https://www.tagesschau.de/inland/wismar ... t-101.html

Neben der Information über die Tat ist mir ein interessantes Detail aufgefallen:

"Ein 20-jähriger Zuwanderer ist in einem Park in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern krankenhausreif geprügelt worden. ....
Der schwer verletzte junge Mann, der nach eigenen Angaben aus Syrien stammt, wurde zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht."

Zuwanderer aus Syrien habe ich in öffentlich-rechtlichen Medien noch nie gelesen?
Hoffentlich wird der Junge wieder gesund und die Täter gefasst, aber er wird auf jeden Fall einen Platz in der deutschen Medienlandschaft bekommen ....
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Kritikaster » Do 30. Aug 2018, 10:48

Siehe da, die Aufführung wird fortgesetzt! :rolleyes:

Nicht genug, dass manche Unterstützer rechten Mobs als "gute Deutsche" in althergebrachter Tradition die Ausübung der Pressearbeit für offenbar nicht wirklich wichtig erachten, sofern diese nicht uneingeschränkt im Sinne der eigenen Agenda erfolgt, und polizeilichen Willkürmaßnahmen gegen sie das Wort reden, nein, einige von denen würden anscheinend, so sie die Möglichkeit dazu hätten, als den Sinn des Wortes verhöhnende "Verteidiger der Pressefreiheit" dieser auch noch vorschreiben wollen, worüber sie wie zu berichten hat.

Was als dem eigenen Denkmuster nicht entsprechend empfunden wird, wird dann, unter dem Beifall von Extremisten, als "Lügenpresse" verunglimpft. Mir scheint, manchen ist nicht klar, welchen Schaden sie mit ihrer - bewussten oder unbewussten - Parteinahme für die Gegner der Pressefreiheit unserem Gemeinwesen langfristig zufügen.

Die Gegenüberstellung im Strangthema suggeriert das Vorhandensein einer für alle Lebensbereiche objektiv gleich wahrnehmbaren, und damit auch von jedem Individuum für jedes Individuum entsprechend berichtbaren, Realität. Dass dem in aller Regel nicht so ist, sollte jeden von uns das Leben zur Genüge gelehrt haben.
Einer hiernach postulierten, allgemein gültigen "Realität" allein die Möglichkeit vorsätzlicher Falschdarstellung entgegen zu stellen, was Grundvoraussetzung für eine Einordnung als "Lüge" wäre, ist also allein schon aus diesem Aspekt unredlich. Diese Unredlichkeit vertieft sich noch dadurch, dass die Unterstellung vorsätzlich lügenhaften Verhaltens allgemein auf die, in unserem Land ausgesprochen heterogene, Presselandschaft angewandt wird.
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Wo der Sinn aufhört, beginnt der Wahnsinn. (Erhard Horst Bellermann)
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon schokoschendrezki » Do 30. Aug 2018, 10:49

MäckIntaier hat geschrieben:(29 Aug 2018, 16:54)
Was Sie fordern, Wahrhaftigkeit: Woran orientiert sich das? An den Fakten oder an dem, was hinten, schon nach der Meinung herauskommen sollte? Zum Meinungsteil wäre zu sagen, dass der natürlich immer schon Bestandteil einer Zeitung oder einer Nachrichtensendung war, aber man konnte ihn klar unterscheiden. Heute steckt die Meinung schon immer in der Wortwahl der Berichterstattung oder in den Fragen der Journalisten. Insbesondere die schreibende Zunft wäre noch vor 15 oder 20 Jahren den Anforderungen des Berufs an einer Journalistenschule nicht gerecht geworden. Doch muss man auch umgekehrt die veränderte Erwartungshaltung der Leser anführen. Die wollen sich keine Meinung mehr bilden anhand trockener Fakten, sondern immer schon emotional mitgenommen werden. Das ist also eher eine psychologische, eine Gefühlssache. Sinnlos hier, in rechts und links zu unterscheiden. Was an Unterschieden zu beobachten ist, ist häufig nur eine Frage der Position, in der man sich befindet oder zu befinden glaubt.

Auch Presseerzeugnisse, die allgemein für Qualitätsprodukte gehalten werden (FAZ, ZEIT, SZ, Guardian, New York Times usw.) sind eben Teil einer marktwirtschaftlich organisierten Medienwelt. Auch die müssen sich bis zu einem gewissen Grad auf das Spiel von Angebot und Nachfrage einlassen. Sonst gehen sie unter. Eine wirklich interessante und auch nichttriviale Frage ist die, ob man durch Angebot auch Nachfrage nach Qualitätspresse (und nicht umgekehrt) erzeugen kann oder ob man rein passiv auf die Nachfrageentwicklung angewiesen ist.

Die öffentlich rechtlichen Medien könnten ein Gegengewicht bilden. Aber mindestens das TV hat sich leider auch auf eine nahezu vollständig marktwirtschaftliche Position begeben. Bleibt der "Rundfunk". (Schönes altmodisches Wort übrigens)
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Eulenwoelfchen » Do 30. Aug 2018, 11:28

Senexx hat geschrieben:(30 Aug 2018, 06:05)

Eine Bühne geboten?

Was für eine niederträchtige Diktion.

Das Opfer ist tot.

Und es hat sich auf keine Bühne gedrängt.


Die tatsächliche, niederträchtige Diktion ist:
Dass das Todesopfer auf die politische Bühne gedrängt wurde.
Damit der rechtslastige AfD-Mob und die ultrarechten Glatzen
ihren primitiven Ausländerhass und ihre dumpf-völkischen Parolen
an den Mann (und leider auch) die Frau bringen können.

[...]

Selbstverständlich lügen die Medien weltweit und die Reaktionen der internationalen Presse auf die Geschehnisse in Chemnitz und generell
die rechten und rechtsradikalen Ereignisse in Sachsen, Thüringen usw. sind alle nur erfunden und falsch dargestellt. Ganz besonders,
wie diese Bundesländer mit besonders niedrigen Ausländeranteilen von diesem rechtslastigen Geifer immer mehr und immer weiter vergiftet
werden und all die Leute dort, die mehrheitlich nichts mit dieser braunen Instrumentalisierung zu tun haben wollen, dafür zunehmend Opfer
einer äusserst kritischen internationalen Beobachtung werden. Genau! Jener des Auslands, die den Standort Sachsen oder Thüringen
immer mehr meiden oder sogar davor warnen, in diese Regionen Deutschlands zu reisen, oder gar Lehrstühle oder auch Studienplätze an dortigen Universitäten
anzutreten. Stattdessen lieber ihre Sachen packen und leider dann Deutschland komplett den Rücken kehren...

Die Presseberichterstattung national und international ist real und wahrheitsgemäß. Als Lübenpresse wird sie nur von jenem
rechten AfD-Symphatisantentum und den ewig gestrigen Naziproleten in einträchtiger Gemeinsamkeit hingestellt, um die
Verantwortung als wahre Totengräber des Wissenschaftsstandorts Deutschland - nach einem unheilvollen, dafür altbekannten Muster - mit einem billigen Feindbild
"Ausländer, Asylant oder Wirtschaftsflüchling=Messerstecher und Sozialschmarotzer" Anderen in die Schuhe zu schieben.

Das Besch...ne daran ist, dass die Mehrheit, die diesen Parolen nicht nachläuft, den politischen Dreck irgendwie wieder wegbekommen muss,
damit die zukunftsfähige Weiterentwicklung Deutschlands als attraktiver und erfolgreicher Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort
nicht langfristig, dafür schleichend, in einem wiederauferstandenen, braunen Loch endet.
Über das dann eben realitätsnah berichtet wird. National und international.

Egal, wie sehr das Fakenews-Gegröhle aus der AfD-, Pegida- und Neonaziecke über die angebliche Lügenpresse
das Land in einen braunen Schleier hüllt. Die Welt draussen, ohne Deutschland, das Ausland, werden sie nicht täuschen können.
Wie auch, sie, die Ausländer, sind schließlich das dumpfe Ziel dieser verzerrten und verdrehten Feindbildpropaganda.
Zuletzt geändert von Brainiac am Do 30. Aug 2018, 19:49, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: [MOD] ad hominem

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