Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Vongole » So 20. Jan 2019, 15:47

nietoperz hat geschrieben:(20 Jan 2019, 04:37)

Das mag eine generelle Forderung der Israelhasser sein, hat aber mit dem Hass auf Soros doch nichts zu tun. Wegen seiner Gegnerschaft zu Israel sollten die Rechten Soros eigentlich gern haben, aber es gibt Gründe die dies verhindern. Soros ist Philanthrop und unterstützt mit seinem Geld internationale Initiativen für Frieden und Völkerverständigung. Aus Sicht der Rechten outet sich Soros damit auch noch als Agent der "jüdischen Weltverschwörung". Jude, reich, antinationalistisch - für stramme Rechte gibt es nichts Schlimmeres.


Komisch, gestern klang das irgendwie anders bei dir, da hast du eher den Eindruck vermittelt, dass man AfD- und Putin-Fan sein muss, um Israel zu mögen, da lehnten die Rechtsextremen Soros ab, weil er ein Israelfeind ist.
Meiner Ansicht nach braucht Antisemitismus/Antizionismus keine Gründe, was gestern das Gerücht über die Juden war, ist heute zusätzlich das Gerücht über Israel.
Über Soros kann man streiten, sobald man aber seine Handlungen am Judentum festmacht, ist es einfach Judenhass, da gibt sich rechts und links gar nichts.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Tom Bombadil » So 20. Jan 2019, 15:54

Vongole hat geschrieben:(20 Jan 2019, 15:47)

Über Soros kann man streiten, sobald man aber seine Handlungen am Judentum festmacht, ist es einfach Judenhass, da gibt sich rechts und links gar nichts.

So sieht es aus :thumbup:
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon nietoperz » So 20. Jan 2019, 17:16

Vongole hat geschrieben:Über Soros kann man streiten, sobald man aber seine Handlungen am Judentum festmacht, ist es einfach Judenhass ...

Nicht nur am Judentum, auch wenn man behauptet, dass Juden "irgendwie anders" sind als andere Menschen, ist das im Kern schon Antisemitismus. Aussagen wie "Juden sind besonders klug und können gut mit Geld umgehen", mögen auf den ersten Eindruck zwar positiv sein, doch oft werden gerade diese Aussagen benutzt, um Juden zu verteufeln. Und letztlich ist es auch eine falsche Verallgemeinerung.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 21. Jan 2019, 02:52

Vongole hat geschrieben:(20 Jan 2019, 02:15)

Aber nein, gar nicht. Es scheint einfach nicht in manche Köpfe zu wollen, dass es auf der ganzen Welt auch Juden gibt, die dem Staat Israel feindlich gegenüber stehen, warum auch immer.
Zu diesen Personen gehört Soros, indem er Organisationen unterstützt, die dem Staat schaden, unter anderem BDS.
https://www.nationalreview.com/2017/07/ ... riticized/

Der Unterschied zwischen Orban und Netanjahu besteht darin, dass Orban Soros ablehnt, weil der Jude ist, Netanjahu lehnt Soros aus den genannten Gründen ab, obwohl der Jude ist.


Wirklich, glaubs mir. Da bist Du völlig auf dem Holzweg. Orbán inszenierte diese Anti-Soros-Staatskampagne keineswegs deshalb, weil Soros Jude ist. Nicht im allermindesten! Soros könnte genausogut auch Rumäne oder Slowake sein. Völlig egal. Ihm geht es um seine Macht. Orbán ist kein Antisemit sondern ein populistischer Identitätspolitiker. Und Netanjahu, das sagt er explizit, ging es bei dem Freundschaftsbestätigungsbesuch in BUdapest um Identitätspolitik. Identitätspolitik als gemeinsame Sache und Angelegenheit. Deshalb steht er den Visegrád-Staaten näher als Westmitteleuropa oder dem vergangenen Obama-Amerika.

Ich hatte öfter schon den Eindruck, dass Kritik an Staat und Regierung aus irgendwelchen Gründen, den Bürgern Israels und den Juden in der Welt nicht zugebilligt wird. Israel ist ein demokratisches Land, es herrscht Pressefreiheit und politisch gibts wie überall auf der Welt Differenzen, Proteste, Krach und Polemiken. Volles Rohr. Zum Glück!
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 21. Jan 2019, 03:00

Tom Bombadil hat geschrieben:(20 Jan 2019, 15:54)

So sieht es aus :thumbup:

Und deshalb geht ein Freundschaftsbesuch eines israelischen Premiers in Budapest (im Gegensatz zu einerm Arbeitstreffen) einfach nicht, Es geht einfach nicht! Und dabei gehts auch nicht nur um Soros sondern auch um das Thema "Jobbik" und geduldeten offenen und gewaltbereiten Antisemitismus. Man fängt an, zu überlegen. Man kommt auf ganz grundsätzliche Überlegungen zur Art und Weise, wie internationale Politik eigentlich betrieben wird. Unabhängig vom Thema "Israel".

Ein großer Teil dessen, was man als jüdisch geprägtes intellektuelles, kosmopolitisches und literarisches Leben in Budapest kennt, ist durch die Politik Orbáns vertrieben worden. Die berühmten Cafés und Literatenclubs. Das jüdisch-intellektuell geprägte Kulturleben Osteuropas, Aus meinem Verständnis eine der faszinierendsten Weltkulturtraditionen überhaupt. Und nun kommt ein israelischer Premier nach Budapest und schüttelt der Regierung die Hand. 2018. Ich glaub es einfach nicht!
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 21. Jan 2019, 08:03

Das Konzept "Open Society" als "israelfeindlich" auszulegen ... mann, das muss man erstmal hingedacht bekommen.
Der Topos vom wurzellosen Kosmopoliten ist in der Geschichte des Antisemitismus fest verankert und wird im Fall Soros noch von einer antisemitisch grundierten Kapitalismusvorstellung ergänzt. Da stellt sich schon die Frage, warum es nicht mehr Empörung gibt, wenn ein solches Programm im EU-Land Ungarn von der Regierung in Gesetze gegossen wird. Warum schweigt dazu auch die israelische Regierung? Bei einem Besuch Orbans in Israel wurde der ungarische Premier von seinem Kollegen Netanyahu als Freund empfangen. Und warum gelingt es Rechten überall in Europa, Orban zu kopieren? Sie gerieren sich als die besten Freunde Israels und bekämpfen umso vehementer gegen Soros und die angeblich von ihm beeinflussten Institutionen.
https://www.heise.de/tp/features/Soros-und-der-israelbezogene-Antisemitismus-4182720.html?seite=all Klare Worte!

Schon mal nachgedacht: Viktor Orbán war mal selbst Stipendiat der Soros-Stiftungen. Fetullah Gülen war mal Weggefährte Erdogans. Heute sind Soros und Gülen jeweils Staatsfeinde Nummer Eins. Kazzynski und Walesa waren mal die wichtigsten oppositionelle Verbündeten in Polen. Heute prozessieren sie gegeneinander. Trump, Netanjahu, Orbán, Kaczynski, Erdogan ... Wie schäbig und verachtenswert ist es, vollmundig große politische Parolen und Phrasen zu dreschen ... in Wirklichkeit und realiter aber einfach die Lakaien und Laufburschen alternder eitler Männer mit dem Intellekt von 13jährigen zu sein, die aber eben über Macht verfügen und Alphatiere sind. Die nur ihren Status als Alphatiere unter keinen Umständen verlieren wollen ...
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 21. Jan 2019, 09:03

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Jan 2019, 03:00)

Und deshalb geht ein Freundschaftsbesuch eines israelischen Premiers in Budapest (im Gegensatz zu einerm Arbeitstreffen) einfach nicht, Es geht einfach nicht!

Netanjahu ist mMn. ja auch kein guter Premierminister.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 22. Jan 2019, 13:06

Tom Bombadil hat geschrieben:(21 Jan 2019, 09:03)

Netanjahu ist mMn. ja auch kein guter Premierminister.

In einer der aktuellen Ausgabe des Haaretz kann man ziemlich heftige Sachen zu Netanjahu (Bezeq- und Deutsche-U-Boot Affäre). Da gehts ans Eingemachte.

Überhaupt: Wenn davon die Rede ist, (sinngemäß) "einige Juden in und außerhalb von Israel würden sich zu Kritikern der Regierungspolitik Israels hinreißen lassen" ... dann liest sich das aus meiner Sicht eher als die Unterstellung, Israel wäre kein demokratischer Staat mit Meinungs- und Pressefreiheit sondern ein Staat mit einer unausgesprochenen Konsenseinforderung. Es reicht aus, ab und zu die unterschiedliche Meinung in den internationalen Ausgaben einmal im eher liberalen Haaretz und einmal in der eher konservativen Jerusalem Post zu verschiedenen Themen zu lesen und gegeneinander zu halten, um einzusehen, dass dem []nicht[/i] so ist. Im Gegenteil, es ist der einzige Staat mit Meinungsvielfalt in der Region.

Orbán übrigens gehört zu den ersten Regierungschefs, die dem offen faschistischen neuen Präsidenten Brasiliens spontan einen Freundschaftsbesuch abstatteten. Seine Freunde in der EVP und in der israelischen Regierungspartei werden es mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 22. Jan 2019, 13:17

Man darf aber auch die Lage Israels nicht vergessen, man lebt dort seit Staatsgründung mit Krieg und in einem kriegsähnlichen Zustand. Dass es dort trotzdem noch eine Demokratie und einen Rechtsstaat gibt, ist bemerkenswert.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Wolverine » Di 22. Jan 2019, 15:28

Tom Bombadil hat geschrieben:(22 Jan 2019, 13:17)

Man darf aber auch die Lage Israels nicht vergessen, man lebt dort seit Staatsgründung mit Krieg und in einem kriegsähnlichen Zustand. Dass es dort trotzdem noch eine Demokratie und einen Rechtsstaat gibt, ist bemerkenswert.


Darüber gibt es nicht den geringsten Zweifel.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Haegar » Mi 23. Jan 2019, 14:41

Tom Bombadil hat geschrieben:(22 Jan 2019, 13:17)

Man darf aber auch die Lage Israels nicht vergessen, man lebt dort seit Staatsgründung mit Krieg und in einem kriegsähnlichen Zustand. Dass es dort trotzdem noch eine Demokratie und einen Rechtsstaat gibt, ist bemerkenswert.


Oder auch anders gesagt: Wenn Israel keine Demokratie und kein Rechtsstaat wäre, gäbe es diesen Staat nicht mehr.
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Vongole » Di 5. Feb 2019, 15:10

Man muss Antisemitismus nicht von Israelkritik unterscheiden, man kann beides zusammen ganz wunderbar ausleben:

UNO-Holocaustgedenktag: Israelischer Wein unerwünscht

During a U.N. Holocaust memorial event sponsored by Austria and Norway earlier this week, an Israeli-made wine was served. However, "Golan Heights Winery," where the wine was produced, appears to have been blacked out on the label so it can no longer be viewed, according to pictures.
https://freebeacon.com/issues/u-n-censo ... ust-event/

Die österreichische UN-Missionsvertretung entschuldigte sich, aber weder die Vertretung Norwegens noch das Holocaust- and United Nations Outreach Programme reagierten auf Interviewanfragen.
Anne Bayefsky – Direktorin des Touro Institute for Human Rights and Holocaust und Präsidentin von Human Rights Voices, fand klare wahre Worte zu diesem Vorgang:
"The incident reveals the duplicity of U.N. Holocaust events that use and abuse the memory of Jewish dead decades ago to erase the reality of Jews under attack today,"
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Re: Wie unterscheidet man Antisemitismus/Antizionismus von Israelkritik?

Beitragvon Wolverine » Di 5. Feb 2019, 15:34

Vongole hat geschrieben:(05 Feb 2019, 15:10)

Man muss Antisemitismus nicht von Israelkritik unterscheiden, man kann beides zusammen ganz wunderbar ausleben:

UNO-Holocaustgedenktag: Israelischer Wein unerwünscht

During a U.N. Holocaust memorial event sponsored by Austria and Norway earlier this week, an Israeli-made wine was served. However, "Golan Heights Winery," where the wine was produced, appears to have been blacked out on the label so it can no longer be viewed, according to pictures.
https://freebeacon.com/issues/u-n-censo ... ust-event/

Die österreichische UN-Missionsvertretung entschuldigte sich, aber weder die Vertretung Norwegens noch das Holocaust- and United Nations Outreach Programme reagierten auf Interviewanfragen.
Anne Bayefsky – Direktorin des Touro Institute for Human Rights and Holocaust und Präsidentin von Human Rights Voices, fand klare wahre Worte zu diesem Vorgang:
"The incident reveals the duplicity of U.N. Holocaust events that use and abuse the memory of Jewish dead decades ago to erase the reality of Jews under attack today,"


Da kommt mir glatt das Mittagessen hoch.
If Israel were to put down its arms there would be no more Israel.
If the Arabs were to put down their arms there would be no more war.

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