Drogengeschäfte offizieller türkischer Staatsvertreter

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Kardux
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Drogengeschäfte offizieller türkischer Staatsvertreter

Beitragvon Kardux » So 13. Sep 2015, 19:49

Oftmals wird seitens kurdophober Türken eine totale Assoziierung zwischen der PKK und dem Drogenhandel hergestellt, ohne sich wirklich Gedanken über die Verstrickungen türkischer Staatsvertreter im Drogenhandel zu machen. Das die PKK auch im Drogenhandel mitmischt kann nicht abgewiesen werden, aber gewiss nicht im selben Ausmass wie der türkische Geheimdienst. Immerhin hat ja die Türkei samt seinem Militär die Kontrolle über alle Grenzen und Städte in der Türkei. Ohne den türkischen Geheimdienst kann es gar keinen Drogenschmuggel geben, wie auch ? Der Startpunkt in der Türkei ist oftmals die Stadt Yüksekova, eine Hochburg der PKK aber mit einem enormen Aufgebot an türkischem Militär und Geheimdienst und natürlich kurdischer Dorfschützer die dem türkischen Staat dienen. Das ist eine sehr kleine Ortschaft die leicht zu überwachen ist. Das Endziel innerhalb der Türkei bezüglich der Drogenroute ist natürlich Istanbul. Von dort aus wird ganz Europa "versorgt".

Ich möchte nun einen kleinen Einblick in die Verstrickungen offizieller türkischer Staatsvertreter in Drogengeschäften geben. Die folgenden Informationen sind aus dem Buch "Die Todesmaschinerie Türkische Konterguerilla" von Selahattin Celik entnommen:

- Kudret Bayhan, MHP- Funktionär und Senator der Stadt Nigde, wurde 1972 an der italienisch- französischen Grenze mit 146 kg Morphinbasefestgenommen. Bayhan gab beim Verhör bei der französischen Polizei die Namen von zwei Komplizen an. Einer davon Sami Binicioglu, ehemaliger Abgeordneter der CKMP (Republikanische Nationale Bauernpartei) für Manisa. Die türkischen Behörden versprachen den Fall zu untersuchen, doch geschehen ist nie etwas !
Quelle: Ugur Mumcu, Silah Kacakciligi ve Terör (Waffenschmuggel und Terror), Ankara 1986 (8.Auflage), S. 97-98

- Halit Kahraman, damals Abgeordneter der MSP (Nationale Heilspartei) für Diyarbakir, wurde 1978 bei dem Versuch Heroin nach Deutschland zu schmuggeln an der Grenze festgenommen. Kahraman sagte aus, er habe das Heroin mit Wissen Erbakans, des Vorsitzenden der islamisch- fundamentalistischen Partei nach Deutschland bringen sollen.
Quelle: Ugur Mumcu, Silah Kacakciligi ve Terör (Waffenschmuggel und Terror), Ankara 1986 (8.Auflage), S. 167-177

- Am 18. September 1970 fand die schwedische Polizei bei der Durchsuchung des Fahrzeugs des ehemaligen AP- Abgeordneten, Zekkeriye Kürsat, 4,5 kg Drogen. Kürsat und seine Begleiter flohen während der Durchsuchung. Es war freilich sinnlos Aufklärung durch die türkischen Behörden zu erwarten denn wer weiß wer hinter dem geplatzten Geschäft wirklich steckte. Hayri Gökdemir, dessen Name im Zusammenhang mit diesem Vorfall auftauchte war Angestellter im Hause Süleyman Demirel.

- Zahit Avcioglu, damals Direktor der Polizeidirektion Istanbul- Saraylar und stellvertretenderChef der Sicherheitsbehörde wurde am 15. Dezember 1979 in Ankara im Stadtteil Yenimahalle mit einem Fahrzeug voller Heroin festgenommen. Avcioglu transferierte Drogen nach Europa.

- Harun Gürel, der vor 1980 Zollbeauftragter in Ipsala war, wurde wegen Mittäterschaft beim Waffen- und Drogenschmuggel von Abuzer Ugurlu und anderen festgenommen. Er hat auch die MHP über Türker Inanoglu massiv finanziell unterstützt. Gürel war zusammen mit dem damals aus dem Dienst entfernten Zoll und Monopolminister Tuncay Mataraci jahrelang im Gefängnis.

- Am 21. Dezember 1990 erklärte die Salzburger Polizei, daß ein türkischer Parlamentarier aus Ankara in die Heroinmafia involviert sei. Der Name des Abgeordneten wurde jedoch nicht preisgegeben. Von türkischer seite wurde in dieser Sache und gegen den betroffenen Abgeordneten nicht ermittelt.

- In der Zeitschrift "2000'e Dogru" vom 15. Juni 1992 wurde eine interessante Reportage veröffentlicht die sich auf Aussagen eines Unteroffiziers stützte der seinen Namen nicht genannt wissen wollte. "Der JITEM war am Waffen- und Drogenschmuggel beteiligt. Der Drogenschmuggel wurde mit zivilen Fahrzegendes JITEM durchgeführt da diese an den Kontrollstellen nicht angehalten wurden. Das Rauschgift wurde dann entweder nach Van oder nach Diyarbakir transportiert.

- In dem Buch "Die Verbrecher-Holding. Das vereinte Europa im Griff der Mafia" von Jürgen Roth und Marc Frey wird dargestellt daß die Führer der in Frankfurt ansäßen "Türkischen Idealistenföderation" neben Schutzgelderpressung auch Heroinhandel betreiben. Das Buch stützt sich hauptsächlich auf Erkentnisse aus deutschen Polizeiquellen. Roth und Frey liefern in diesem Buch aussagekräftige Beweise dafür das die Türkei beim Transfer von Heroin aus Pakistan und Afghanistan eine Brückenfunktion spielt. Von der Türkei aus werden die Drogen dann von türkischen Banden in Lastwagen nach Italien, Deutschland und Belgien geliefert. In diesem Zusammenhang nennen die Autoren die Namen Musa Serdar Celebi und Altayli, beide ehemalige MHP- Führer in Europa. Sie wickelten ihre Geschäfte über eine in München ansäßige türkische Transportfirma ab. Der Direktor der Abteilung Organisierte Kriminalität in Antwerpen, Willi van Mechelen erzählt den Autoren das im Heroinhandel viele Mitglieder der "Grauen Wölfe" verstrickt sind und diese Leute aus Hamburg aus agieren. Weiters bestätigt er das vor allem hochrangige türkische Militärs aus Istanbul im Heroinhandel stecken.

- Eine gewichtige Rolle bei all diesen Geschäften spielt die Gelfwäsche und die Mithilfe betrügerischer Banken. Die türkischen Banken in Europa stehen dabei unter ernstem Verdacht. DIe "TAZ" berichtete am 29.3.1993, daß die Drogengelder der türkischen Heroinmafia von einer türkischen Bank in Hamburg gewaschen wurden. Dies war keine haltlose Behauptung, denn auch der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg, Rüdiger Bagger, erklärtee daß seine Behörde bei den Ermittlungen auf diese Fakten gestossen sei. Den Namen der türkischen Bank gab er jedoch nicht preis.

- Im Mai 1994 wurde die Verstrickung türkischer Banken in die Drogengeldwäsche in Holland nachgewiesen. Die dem Justizministerium unterstellte niederländische Finanzpolizei FIOD durchsuchte eine Reihe türkischer Banken. Der Durchsuchungsbefehl kam vom niederländischen Justizministerium und wurde vom zuständigen Amsterdamer Gericht bestätigt. Durchsucht wurden u.a. die Halk Bankasi und Emlak Bankasi in Amsterdam, die Is Bankasi in Den Haag, die Ziraat Bankasi und die Akbank in Rotterdam. Gefunden wurden Beweise, daß die Vertreter der genannten Banken mit der Drogenmafia zusammenarbeiteten, die Gelder aus dem Drogengeschäft gewaschen und Steuern hinterzogen haben. Es gab hierzu keinerlei Protest der türkischen Banken, was die Vermutung nahelegt dass sie auf frischer Tat ertappt wurden.

- Was den Anteil der Türkei am weltweiten Drogenhandel anbelangt, so geben die zuständigen internationalen Institutionen an, daß insgesamt 800 Milliarden bis eine Trillion Dollar aus illegalen Geschäften im Umlauf sind, von denen die Häfte aus dem Drogenhandel stammt. Über den Anteil der Türkei an diesen Geschäften gibt es unterschiedliche Angaben, es handelt sich aber um hohe Summen. Nach Untersuchungen des Dozenten Izettin Önder an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Istanbul macht der Anteil der Einnahmen der Türkei aus illegalen Geschäften 1/3 bis 1/4 aus.
Quelle: Nokta, 20.-26. April 1997.

- Laut Prof. Osman Altug, Dekan des Zweiges Buchführung und Finanzierung der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Marmara Universität stammen 55 % des Bruttosozialprodukts der Türkei aus den Bereichen der grauen und schwarzen Wirtschaft, wovon 15 % Schwarzgeld ist. Nach einer Erklärung von Mehmet Eymürs, dem Chef der Antiterrorabteilung des MIT, verdienen diejenigen, die den Drogenhandel über die Türkei abwickeln jedes Jahr 25 Milliarden Dollar daran.
Quelle: Aktüel, 9/97, Nummer 295
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Re: Drogengeschäfte offizieller türkischer Staatsvertreter

Beitragvon HugoBettauer » Do 1. Okt 2015, 01:49

Durch Legalisierung von Drogen kann man den PKK narcoterroristen den Hahn zudrehen.
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Re: Drogengeschäfte offizieller türkischer Staatsvertreter

Beitragvon H2O » Do 1. Okt 2015, 10:47

HugoBettauer » 2015-10-01, 01:49 hat geschrieben:Durch Legalisierung von Drogen kann man den PKK narcoterroristen den Hahn zudrehen.


Dann würde man das eine Übel durch ein anderes ersetzen.
Eine Frage der Einschätzung, welches Übel das größere ist:
Das Treiben der Drogenhändler oder eine sich ausweitende
Zahl Drogenabhängiger, weil an das Zeug leichter heran zu
kommen sein wird. Diese Vermutung liegt doch nahe!
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Re: Drogengeschäfte offizieller türkischer Staatsvertreter

Beitragvon Kardux » Do 1. Okt 2015, 17:40

HugoBettauer » Do 1. Okt 2015, 01:49 hat geschrieben:Durch Legalisierung von Drogen kann man den PKK narcoterroristen den Hahn zudrehen.


Sehr informativer Einzeiler...

Ist das alles was Sie zu sagen haben ? Ich möchte noch mehr geistreiche Zeilen lesen.
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Re: Drogengeschäfte offizieller türkischer Staatsvertreter

Beitragvon HugoBettauer » Fr 2. Okt 2015, 20:35

H2O » Do 1. Okt 2015, 09:47 hat geschrieben:
Dann würde man das eine Übel durch ein anderes ersetzen.
Eine Frage der Einschätzung, welches Übel das größere ist:
Das Treiben der Drogenhändler oder eine sich ausweitende
Zahl Drogenabhängiger, weil an das Zeug leichter heran zu
kommen sein wird. Diese Vermutung liegt doch nahe!

Weltweit macht man die Erfahrung, dass der Zugang zu vielen leichten Drogen weniger Probleme macht als die Kriminalisierung. Was legal zu haben ist, ist dem grauen Markt entzogen. Es ist nur fraglich, ob das die Regierungsvertreter in Turkey irgendwann lernen.
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Re: Drogengeschäfte offizieller türkischer Staatsvertreter

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 2. Okt 2015, 20:37

Gibt es denn auch aktuelle Fälle? Sind diese Personen noch in der Politik? Wurden sie juristisch verfolgt?
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Re: Drogengeschäfte offizieller türkischer Staatsvertreter

Beitragvon Kardux » Fr 2. Okt 2015, 21:25

Tom Bombadil hat geschrieben:Sind diese Personen noch in der Politik? Wurden sie juristisch verfolgt?


Ob die besagten Personen noch politisch aktiv sind ist mir nicht bekannt, aber das sie juristisch nicht verfolgt wurden in der Türkei wird in der von mir angegebenen Quelle erwähnt.

Tom Bombadil hat geschrieben:Gibt es denn auch aktuelle Fälle?


Es ist zwar nichts konkretes durchgesickert, aber die Drogengeschäfte laufen weiter über die Grenzstadt Yüksekova, die sowohl eine starke PKK- Präsenz aufweist als auch türkischen Militärs (Geheimdienste natürlich auch). Man darf annehmen das sowohl die PKK als auch der türkische Geheimdienst weiterhin an diesem lukrativen Handel beteiligt sind.

Man muss der AKP aber zugute halten das die mafiösen Strukturen innerhalb der türkischen Politik in diesem Ausmass wie in den 90er Jahren nicht mehr existieren.
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Re: Drogengeschäfte offizieller türkischer Staatsvertreter

Beitragvon Mirrorside » Di 6. Okt 2015, 21:05

Leider ist das Drogengeschäft unwiderstählich.
Pro Jahr gibt der Deutsche etwa 4 bis 5 milliarden Euro für illegale Drogen aus. Mit ein paar millionen Euro sind auch sicherlich Türkische BEhörden mit im Geschäft. Aber die PKK ist Produzent und Haupthandelsakteur in der Szene. Das ist unanfechtbar.

MFG Mirrorside.
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Re: Drogengeschäfte offizieller türkischer Staatsvertreter

Beitragvon Kardux » So 10. Mär 2019, 08:07

Turkish daily publishes photograph of AKP officials with Iranian drug lord

Turkish newspaper Cumhuriyet daily has published a photograph of former ruling Justice and Development Party (AKP) deputy Burhan Kuzu with a prominent Iranian heroin smuggler who Kuzu denied knowing after being accused of helping release from prison.
Kuzu, who currently serves on AKP’s Central Decision and Management Board, previously denied having met Iranian Naji Sharifi Zindashti, after Habertürk news site in October of last year said the former AKP deputy had pressured a judge to have Zindashti released from prison pending trial, Cumhuriyet recalled.

The notorious heroin smuggler, along with nine of his gang members, were detained by İstanbul narcotics police in a raid in April of last year, then released pending trial along with three gang members on Oct. 19. Zindashti went missing shortly thereafter and police believe he has fled the country.

Following Cumhuriyet’s publication of the photograph, Kuzu said that he met with Zindashti once, and the drug lord asked him for help with this Turkish citizenship application.

‘’I called the director-general and asked for their help. The director called me back a month later and told me ‘this man has got some troubles.’ So then I told him to leave it.’’ Cumhuriyet quoted Kuzu as saying.

A member of the ruling AKP’s women’s branch, also pictured in the same photograph published by Cumhuriyet, offered to ‘’sell’’ Zindashti Turkish citizenship, Yeni Çağ columnist Murat Ağırel wrote on Friday.

Aliye Uzun told Zindashti that she could get him Turkish citizenship, which prompted him to promise her a Range Rover in exchange for the favour, Ağırel said, citing Zindashti’s statement to the police following his arrest last year.

Turkish media has reported on Zindashti’s long history of co-operation with Turkish authorities, the Gülen movement and the U.S. government, including tipping off the U.S. Drug Enforcement Agency (DEA) and assisting in the capture of members of a rival drug cartel.

Zindashti is also suspected of having had another Iranian-origin gangster involved in a drug deal assassination in Dubai in 2016.

https://ahvalnews.com/turkey-mafia/turkish-daily-publishes-photograph-akp-officials-iranian-drug-lord
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