Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuche

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schokoschendrezki
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon schokoschendrezki » So 26. Apr 2015, 13:33

JFK » So 26. Apr 2015, 13:16 hat geschrieben:
Die Serie hat kein Historischen Wert, das ist voll die Soap.


Natürlich ist es eine Soap-Serie. Umso bezeichnender ist es, wenn ein Regierungschef oder Präsident meint, selbst hier kraft seines Amtes für das "richtige", das gewollte und offizielle Geschichtsbild sorgen zu müssen.

Es bleibt die ureigenste Aufgabe der Intelligenzia, diese gewünschten Bilder von Türkentum, Russentum, Deutschtum usw. durch unablässige Hinweise auf die reale Geschichte systematisch zu diskreditieren.
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Córdoba
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon Córdoba » So 26. Apr 2015, 13:41

schokoschendrezki » So 26. Apr 2015, 12:10 hat geschrieben: Als die Serie begann, historisch korrekt zu zeigen, wie aus den Jahren im Sattel zunehmend Jahre im Harem wurden, drohte Erdogan mit der Justiz und die Serie wurde vorzeitig abgebrochen


Das ist dann ein spezifisches Problem in der Türkei.

In Russland hat man kein Problem damit, daß Katharina II. eine ausschweifende Männerwirtschaft betrieb.
Und hierzulande wird die Mätressenwirtschaft des Adels eher mit wohlwollendem Interesse als mit keuscher Abwehr betrachtet.
In China stört sich keiner daran, daß in der verbotenen Stadt in Peking der einzig zeugungsfähige Mann der Kaiser war, und sein Geschlechtsleben mit seinem Harem minutiös protokolliert wurde.

Heutzutage lebt man ja in der Illusion, daß die sexuelle Befreiung erst in den 60ern kam, und davor die Welt streng keusch war.
Das ist historisch falsch.............
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon Kardux » So 26. Apr 2015, 18:29

JFK hat geschrieben:Ein Volk wie die Türken, die dann auch noch den säkularen Islam verkörpern, schmeckt den Moslemhetzern gar nicht, zudem alle wissen das die Vorfahren der Türken Tausende Jahre neben anderen Ethien und Religionen zusammenleben konnten, die Steuer oder wie einige Hater gepflegt behaupten "Schutzgeld" für andersgläubige war notwendig, den auch Moslems mit gutem Einkommen mussten diese auch Bezahlen, den sogenannten "Zekât".


Es gibt einen Unterschied zwischen der Kopfsteuer (Jiziya) und der Vermoegenssteuer (Zekat). Sie brauchen das auch nicht relativieren. Die Kopfsteuer musste jeder Nicht- Muslim zahlen, egal ob reich oder nicht. Abgesehen davon wird der sogenannte Zekat von den Muslimen ueberhaupt nicht korrekt ausgelegt...die sogenannte Kopfsteuer war nicht so flexibel gehandhabt wie die Vermoegenssteuer. Schon die Tatsache das Menschen wegen ihrer Ueberzeugung mehr Geld an den Staat zahlen muessen ist Rassismus. So ist eben das Wesen des Islams...das Christentum ist in der Hinsicht aber nicht viel besser...
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon schokoschendrezki » So 26. Apr 2015, 22:06

Córdoba » So 26. Apr 2015, 13:41 hat geschrieben:
Das ist dann ein spezifisches Problem in der Türkei.

In Russland hat man kein Problem damit, daß Katharina II. eine ausschweifende Männerwirtschaft betrieb.


Richtig. Es geht aber auch überhaupt nicht um die konkreten Formen willentlich positiv geformter Geschichtsbilder unabhängig von der tatsächlichen Historie. Der Film "Die Schlacht von Algier" von 1966 durfte selbst im Mutterland der Demokratie Frankreich vor allem infolge der Drohungen von Veteranenverbänden erst etwa 40 Jahre nach Erstellung gezeigt werden, einfach weil er nicht dem Geschichts-Bild eines nationalstolzen Frankreichs entsprach. Hier, wo es immer eine starke und unabhängige Intelligenzia gab und gibt müsste man nochmal verschärfter nach einer unabhängigen Intellgenziaminderheit in der eigenen Gruppe rufen, die sich selbst gegen eine kluge, aber eben gegenüber der eigenen Nationalgeschichte zu nachgiebigen Mehrheit wendet und das Banner der unnachgiebigen Kritik hochhält.
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon JFK » Mo 27. Apr 2015, 10:35

Kardux » So 26. Apr 2015, 18:29 hat geschrieben:
Es gibt einen Unterschied zwischen der Kopfsteuer (Jiziya) und der Vermoegenssteuer (Zekat). Sie brauchen das auch nicht relativieren. Die Kopfsteuer musste jeder Nicht- Muslim zahlen, egal ob reich oder nicht. Abgesehen davon wird der sogenannte Zekat von den Muslimen ueberhaupt nicht korrekt ausgelegt...die sogenannte Kopfsteuer war nicht so flexibel gehandhabt wie die Vermoegenssteuer. Schon die Tatsache das Menschen wegen ihrer Ueberzeugung mehr Geld an den Staat zahlen muessen ist Rassismus. So ist eben das Wesen des Islams...das Christentum ist in der Hinsicht aber nicht viel besser...


Dem wil ich auch gar nicht wiedersprechen, es waren aber Moslems, der man das Reichtum verhindert hat, außer den Paschas und den Schah, konnte sich so gut wie keine andere Familie sozial aufwerten, das hatte der Sultan schon zu verhindern gewusst, eher eine Vetternwirtschaft, aber mit einigermaßen Faieren Herrscher.
Die Armänier, die diese Steuern immer aufbringen konnte , irgendwann andere Ambitionen pflegte, die dem moslem nicht so schmeckten, weil er gelernt hat das Mehrarbeit nicht lohnt, alles nicht so einfach.
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon Antonius » Mo 27. Apr 2015, 10:43

JFK » So 26. Apr 2015, 13:19 hat geschrieben:Es geht um deine unglaubwürdige Empathie für Christen, das die Armänier für dich nicht mehr sind als ein Hetz- Instrument.
Bist Du Dir dessen bewußt, daß das eine böswillige Unterstellung ist? :?:

Es geht um den Wertekanon der universalen Menschenrechte: Freiheit, Gleichheit, Solidarität....

Welchen Wertekanon hatten denn die Osmanen während ihrer etwa 500 jährigen Machtperiode?
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon Antonius » Mo 27. Apr 2015, 10:55

JFK » Mo 27. Apr 2015, 10:35 hat geschrieben:
Dem wil ich auch gar nicht wiedersprechen, es waren aber Moslems, der man das Reichtum verhindert hat, außer den Paschas und den Schah, konnte sich so gut wie keine andere Familie sozial aufwerten, das hatte der Sultan schon zu verhindern gewusst, eher eine Vetternwirtschaft, aber mit einigermaßen Faieren Herrscher.
Die Armänier, die diese Steuern immer aufbringen konnte , irgendwann andere Ambitionen pflegte, die dem moslem nicht so schmeckten, weil er gelernt hat das Mehrarbeit nicht lohnt, alles nicht so einfach.
Dieser Einschätzung will ich sogar zustimmen.
Es ist die Crux des mohammedanischen Wirtschaftens, daß diese Art nicht innovativ ist.

Um so seltsamer mutet es an, daß jetzt "die Türkei ins Osmanenfieber" verfällt. ;)
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon JFK » Mo 27. Apr 2015, 10:59

Antonius » Mo 27. Apr 2015, 10:43 hat geschrieben:Bist Du Dir dessen bewußt, daß das eine böswillige Unterstellung ist? :?:


Ist es nicht,
wenn "uns" dann ermordete Christen sauer aufstoßen, wo man mit dem Finger auf den Moslem zeigen kann, aber es "uns" nicht sauer aufstößt, Flüchtlinge im Mittelmeer aufzusammeln und die zürück schicken, das ist heuchlerie.
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon JFK » Mo 27. Apr 2015, 11:03

Antonius » Mo 27. Apr 2015, 10:55 hat geschrieben:Dieser Einschätzung will ich sogar zustimmen.
Es ist die Crux des mohammedanischen Wirtschaftens, daß diese Art nicht innovativ ist.

Um so seltsamer mutet es an, daß jetzt "die Türkei ins Osmanenfieber" verfällt. ;)


Es ist schon klar, das der Finanz- Islam den Kapitalismus weit unterlegen ist.
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 29. Apr 2015, 11:37

Marie-Luise » Mo 9. Mär 2015, 15:15 hat geschrieben:Erdogan möchte doch so gern Sultan werden. Daher forciert er alles, was mit dem alten osmanischen Reich zusammenhängt.


Auch in diesem Punkt gibt es bemerkenswerte Überschneidungen mit Entwicklungen anderswo in der Welt. Mit der am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen neuen ungarischen Verfassung heißt die ehemalige "Republik Ungarn" nunmehr nur noch "Ungarn". Und eine "Republik" ist als Begriff historisch gesehen vor allem eins: Das Gegenmodell zur "Monarchie". An sich hätte sich Viktor Orbán an diesem Tag zum "König von Ungarn" krönen lassen müssen.

Das vielleicht absurdeste an der Aufhübschung der Osmanenhistorie ist die von Erdogan erst jüngst wieder aufgegriffene Legende, Osmanen hätten Jahrhunderte vor Kolumbus Amerika entdeckt und in Havanna eine Moschee errichtet. Er will dies sogar in Schulbücher hineinschreiben lassen.
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon Marie-Luise » Mi 29. Apr 2015, 12:27

schokoschendrezki » Mi 29. Apr 2015, 11:37

Das vielleicht absurdeste an der Aufhübschung der Osmanenhistorie ist die von Erdogan erst jüngst wieder aufgegriffene Legende, Osmanen hätten Jahrhunderte vor Kolumbus Amerika entdeckt und in Havanna eine Moschee errichtet. Er will dies sogar in Schulbücher hineinschreiben lassen.


Wie dumm kann man eigentlich sein?

Zudem kitzelte es meinen Lachnerv, als Erdogan seine "Osmanische Garde" vorzeigte.
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Re: Die Türkei im Osmanenfieber, die Welt auf Identitätssuch

Beitragvon Córdoba » Do 30. Apr 2015, 14:22

JFK » Mo 27. Apr 2015, 09:35 hat geschrieben:
Dem wil ich auch gar nicht wiedersprechen, es waren aber Moslems, der man das Reichtum verhindert hat, außer den Paschas und den Schah, konnte sich so gut wie keine andere Familie sozial aufwerten, das hatte der Sultan schon zu verhindern gewusst, eher eine Vetternwirtschaft, aber mit einigermaßen Faieren Herrscher.
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Vielleicht ist hier eine Oberschicht über die Jahrhunderte verweichlicht..............

Der europäische Adel ist ja auch durch Verweichlichung, Auszuckerung und Inzucht irgendwann vom Bürgertum abgelöst worden........

......sowas in der Art jedenfalls, ist doch möglich? Nur so eine Idee............

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