Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

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Johny Bambino
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Johny Bambino » Mo 30. Jun 2014, 11:49

Helicobacter » Do 14. Feb 2013, 19:47 hat geschrieben:
palulu » Do 14. Feb 2013, 19:37 hat geschrieben:
Die von allen UN-Mitgliedern anerkannten Grenzen der Republik Türkei zu respektieren, sei eine Vorleistung? Ihren Türkei-Hass können sie ruhig ausleben, wenn es Sie befriedigt, umso besser. Dass Sie sich aber gerade lächerlich machen, muss Ihnen aber bewusst sein.

Und gerade als Deutscher, sollte man nicht den Moralapostel raushängen lassen.


Türkei sollte den Völkermord anerkennen, dann wird (fast) alles gut, denn so ein Schuldeingeständnis wirkt wie ein reinigendes Gewitter. Armenien ist ein kleines und friedliches Land, das die Zusammenarbeit mit der Türkei sucht. Der Haß, von dem Sie reden, liegt also ganz auf der türkischen Seite, die die Wahrheit einem nahezu kranken Nationalstolz opfert.



Genau so ist es und gerade als Deutscher darf man Moral einfordern, weil man an der Türkei und ihrem fortwährenden geradezu als schick geltenden Hass gegenüber Kurden, Armeniern, Griechen, Juden und Assyrern sieht, was in Deutschland passiert, wäre, hätte es nach dem 2.Weltkrieg keine Entnazifizierung gegeben. In Sachen Aufarbeitung und kritischer Umgang mit der eigenen Vergangenheit und Gegenwart sollte Deutschland Vorbild für die Türkei sein! Von nationalistischem Rassenwahn geblendete Geister verstehen das natürlich nicht.

Es gibt zum Glück immer mehr türkische Intellektuelle, die sich von der völkischen Nationaldoktrin ihres Landes lossagen. Die Mehrheitsgesellschaft übernimmt aber blind, was die Obrigkeit ihnen vorsetzt.

Den Hass, den die Völkermordleugner hier ihren Diskussionskontrahenten vorwerfen verbreiten sie eigentlich nur selbst. Man nennt diese unschöne aber leider nicht neue und weit verbreitete Diskussionstaktik "Umkehr des Sachverhalts".

Must-watch:
Zuletzt geändert von Johny Bambino am Mo 30. Jun 2014, 12:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Johny Bambino » Mi 23. Jul 2014, 16:53

So sieht das System Erdogan aus: Gute Reformen auf dem Papier beschließen und sie sie anschließend nicht umsetzen:

Die türkische “Justiz” weißt Klage auf Rückgabe eines armenischen Gebäudes zurück
http://kurmenistan.wordpress.com/2014/07/22/die-turkische-justiz-weist-klage-auf-ruckgabe-eines-armenischen-gebaudes-zuruck/
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Antonius » Di 12. Aug 2014, 11:51

Leider ist die soziale, politische und religiöse Situation der Christen in der Türkei miserabel.

Die Türkei benötigt vor allem das universale Menschenrecht der Religionsfreiheit.
Religionsfreiheit umfaßt die Freiheit von Kultus, Mission und Diakonie.
Besonders die christliche Missionsfreiheit wäre in der Türkei dringend notwendig.
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Marie-Luise » Di 12. Aug 2014, 13:37

BattalGazi » Fr 2. Mai 2014, 10:43 hat geschrieben:Diese Frage kann man mit einer Gegenfrage beantworten: Gibt es ein Gerichtsurteil, dass die Schuld der Türken an einem Genozid am armenischen Volk festgestellt hätte?

Ein Dutzend Länder die per Parlamentsbeschluss den Genozid anerkannt haben reichen da nicht aus. Und auch wenn Sie etliche Historiker zitieren, wird es nicht besser, da ich im Gegenzug andere Historiker zitieren kann.

Abhilfe schaffen kann eine Historikerkommission, bestehend aus türkischen, armenischen und internationalen Historikern, die sich mit der Thematik beschäftigt haben.
Eine Alternative wäre, dass Armenien die Türkei vor einem internationalem Gericht als Nachfolger des osmanischen Reiches bezüglich eines Genozides am armenischen Volk verklagen könnte. Das Ergebnis wäre bindend.

Beides wird von Armenien kategorisch abgelehnt. Armenien erwartet eine bedingungslose Anerkennung des Genozides, warum auch immer. Und bevor mir jemand unterstellt ich würde mit einer Ablehnung des Genozidvorwurfs das Andenken der armenischen Opfer mit Füßen treten, möchte ich anmerken, dass schon der Genozidvorwurf die muslimischen Opfer mit Füßen Tritt. Auch diese Massaker sind ausreichend dokumentiert, werden aber von den Verfechtern des Genozidvorwurfs einfach ignoriert oder relativiert.

Meine Position ist klar, es gab Massaker (auf beiden Seiten), es gab die Deportation und viel zu viele unschuldige Opfer, aber diese Tragödie als Genozid zu bezeichnen würde die armenischen Massaker an der muslimischen Zivilbevölkerung ignorieren oder gar im nachhinein legitimieren. Und dies ist nicht akzeptabel.

Und noch was, nur weil sich eine Hand voll Menschen findet, die Sie beschuldigt Pädophil zu sein, bedeutet das nicht, dass Sie einer sind. Das Rechtsverständnis das wir haben, verlangt Beweise und die Möglichkeit sich zu verteidigen. Warum sollte die Türkei nicht das selbe Recht in Anspruch nehmen dürfen?

Wer sich seiner Sache sicher ist, wird sich vor der Wahrheitsfindung nicht fürchten, es sei denn er ist ein Lügner...


Ja, das lernte man bisher in türkischen Schulen. Die Türkei hat sogar versucht, die Schulbücher in Deutschland ändern zu lassen. War sie nicht in einem Bundesland damit erfolgreich (oh Schande!)?

http://de.wikipedia.org/wiki/Cem_%C3%96zg%C3%B6n%C3%BCl
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Marie-Luise » Di 12. Aug 2014, 13:42

Helicobacter » Do 14. Feb 2013, 21:05 hat geschrieben:Es ist echt nicht lustig, jeder der die Türkei zur Anerkennung des Völkermordes auffordert, wird von den türkischen Nationalisten sofort des Hasses beschuldigt. Verstehe, wer will.


Von Beiden: Nationalisten und Islamisten.

Sie sind total indoktriniert und indoktrinieren Andere.

Der Mord an Drink ist m. W. immer noch nicht aufgeklärt, ebenso wenig wie der Mord an drei christlichen Missionaren.

Von Zeit zu Zeit muss immer wieder ein Priester dran glauben.

Bedenkt man, welchen Aufstand Türken in Deutschland und in der Türkei machen, wird an ihnen ein Verbrechen verübt und vergleicht dies mit dem, was in der Türkei geschieht, könnte man meinen, dass türkisch-muslimische Leben mehr wert seien als andere. Yuck;(
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon palulu » So 4. Jan 2015, 00:30

Türkei genehmigt Bau christlicher Kirche
Die islamisch-konservative Staatsführung um Präsident Erdoğan zeigt sich liberal: Zum ersten Mal seit über 90 Jahren darf eine Kirche in der Türkei errichtet werde

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitges ... chenneubau

Wie ironisch. Die Christen erhalten mehr Rechte, weil die Regierung das ottomanische Erbe der Türkei aufpolieren möchte. Tatsächlich genoss die Glaubensgemeinschaft der Christen im Osmanischen Reich große Autonomie - und war, entgegen südosteuropäischer Nationalmythen, lange Zeit äußerst loyal gegenüber dem Sultan. Man beachte auch, dass es sich hier um überwiegend orthodoxe Christen handelt, die einen anderen Umgang mit den Muslimen pflegen als Katholiken oder gar Protestanten. Die beiden letzten Gruppen treten häufig radikaler auf.
Zuletzt geändert von palulu am So 4. Jan 2015, 00:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon frems » So 4. Jan 2015, 00:36

palulu » So 4. Jan 2015, 00:30 hat geschrieben:Die beiden letzten Gruppen treten häufig radikaler auf.

Ist das so? Zumindest in einem anderen Strang erzählte jemand, daß es Muslime in mehrheitlich orthodoxen Ländern wie Griechenland (z.B. beim Thema Moschee-Bau) deutlich schwieriger haben als z.B. in Frankreich und Großbritannien.
Labskaus!

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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon palulu » So 4. Jan 2015, 01:36

frems » So 4. Jan 2015, 01:36 hat geschrieben:Ist das so? Zumindest in einem anderen Strang erzählte jemand, daß es Muslime in mehrheitlich orthodoxen Ländern wie Griechenland (z.B. beim Thema Moschee-Bau) deutlich schwieriger haben als z.B. in Frankreich und Großbritannien.

Es stimmt, dass in z.B. Athen faktisch keine Moschee existiert/existieren darf. Das ist politisch so gewollt. Darunter leiden aber weniger die seit über einem halben Jahrtausend ansässigen muslimischen Türken und Pomaken im Norden und Nordosten des Landes mit ihren angestammten Moscheen, als vielmehr die neuen Migranten aus Afrika und Asien. Es ist illegal, öffentlich und ohne Genehmigung religiöse Zeremonien abzuhalten, aber es bleibt ihnen nix anderes übrig. Oft betet man freitags in leeren Fabrikhallen und verlassenen Parkhäusern oder in privaten Wohnungen. Der griechische Staat mischt sich zudem extrem in die inneren Angelegenheiten der Muslime ein, z.B. die Wahl des Mufti und der Imame.

Orthodoxe Christen mögen große Massaker an Muslimen verübt haben. Über die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von zumeist türkischen Muslimen während des Zerfalls des Osmanischen Reiches wird in westlichen Medien gar nicht berichtet. Hunderttausende starben und Millionen flüchteten nach Anatolien - unter ihnen auch Atatürk. Der Völkermord und der Hass gegenüber den Christen stellt auch eine indirekte Reaktion auf diese Verfolgungen dar, wenngleich dies natürlich nicht zur Rechtfertigung von menschenverachtenden Taten herhalten kann und darf.

Aber die Orthodoxen weisen in kultureller Hinsicht große Schnittmengen mit den Muslimen auf. Europäer denken zumeist an Russen, wenn sie von der orthodoxen Konfession hören, hier geht es aber um orientalische Christen. Außerdem wird der Orthodoxie eine prominentere Rolle eingeräumt, sie gelten nicht als wesensfremd. Katholiken und vor allem radikale, fast immer evangelikale Protestanten respektieren die regionalen, historischen Gegebenheiten nicht.

Orthodoxe missionieren praktisch gar nicht und haben sich mit der Gesellschaft abgefunden. Gerade Protestanten hingegen versuchen, die vorgefundenen gesellschaftlichen Strukturen zu verändern, in der Tat zu christianisieren. Wenn ich von Protestanten rede, dann meine ich nicht die EKD/den preußisch geprägten deutschen Protestanten, dem Toleranz weder theologisch noch historisch (Friedrich der Große) fremd ist. Oftmals sind es Evangelikale aus dem angelsächsischen Raum, die das Klischee des feindseligen und die örtliche Kultur verachtenden Christen prägen und am Leben erhalten oder Deutsche mit Verbindungen in dieses Lager.

Praktisch alle orthodoxen Christen in der Türkei sprechen Türkisch, es gibt sie in allen Parteien - selbst bei den Grauen Wölfen. Historisch gesehen ist das Verhältnis in der Türkei zwischen Muslimen und Christen wesentlich besser als viele Europäer zunächst glauben mögen. Durch die konfessionellen Konflikte im arabischen Raum gibt es falsche Rückschlüsse auf die türkische Gesellschaft. Der Völkermord an den Armeniern, die Vertreibung der Griechen aus Istanbul - all das geschah nicht im Namen des Islams, sondern hauptsächlich unter der Prämisse einer (säkularen!) nationalistischen, später auch kemalistischen Staatsideologie, die eine homogene Nation propagiert.

Darum sagt der armenische Patriarch Mesrob II., dass Armenier die AKP der Opposition vorziehen würden. Man darf nicht vergessen, in wenigen Monaten sind außerdem Wahlen.

Darüber hinaus ist das eine Art, auf die griechische Regierung Druck auszuüben. Das Wohlergehen der Christen in der Türkei hängt vom Wohlergehen der Muslime in Griechenland ab. Beide Seiten verstehen sich als die Schutzmacht der jeweiligen Minderheit, darum fordert Erdogan auch Gegenleistungen für Freiheiten, die er türkischen Christen einräumt: http://www.kath.net/news/47402

Das ist so ein Griechen-Türken-Ding, was für Europäer befremdlich wirken mag - hat aber historische Gründe: http://de.wikipedia.org/wiki/Bevölkerungsaustausch_zwischen_Griechenland_und_der_Türkei
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Kardux » So 4. Jan 2015, 09:41

Die orientalischen Christen sollten langsam aufhören die Türkei zu kritisieren. Was will man mehr ? Nach 90 Jahren dürfen sie wieder eine Kirche bauen. Die Türkei verhält sich vorbildhaft im Umgang mit den Christen.
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Kardux » So 4. Jan 2015, 11:53

A. von Dahlenberg hat geschrieben:Darf ein Christ in der neuen Kirche über den Völkermord sprechen, ohne anschliessend um sein Leben fürchten zu müssen? Wir wissen, was Hrant Dink passiert ist.


Es wurde nach fast hundert Jahren wieder eine Kirche gebaut in der "Türkei". Reicht das nicht aus um Völkermorde, Landraub, usw. vergessen zu machen ?

Die Situation der Christen in der Türkei ist fantastisch...es geht bergauf...
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Marie-Luise » So 4. Jan 2015, 14:07

Kardux » So 4. Jan 2015, 09:41

Die orientalischen Christen sollten langsam aufhören die Türkei zu kritisieren. Was will man mehr ? Nach 90 Jahren dürfen sie wieder eine Kirche bauen. Die Türkei verhält sich vorbildhaft im Umgang mit den Christen.


Immer diese Meckerei der Christen.

Oh Großer Meister Erdogan: Shukran!
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Ferit » So 4. Jan 2015, 14:59

Marie-Luise » So 4. Jan 2015, 14:07 hat geschrieben:
Immer diese Meckerei der Christen.

Endlich einmal etwas richtiges geschrieben. :)
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Antonius » Fr 16. Jan 2015, 10:28

A. von Dahlenberg » So 4. Jan 2015, 11:07 hat geschrieben:Darf ein Christ in der neuen Kirche über den Völkermord sprechen, ohne anschliessend um sein Leben fürchten zu müssen? Wir wissen, was Hrant Dink passiert ist.

In der Türkei ist eine intensive christliche Missionsarbeit notwendig.
Vor allem jetzt, 100 Jahre nach dem Beginn des Völkermordes an den Armeniern.
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Bleibtreu » Fr 16. Jan 2015, 10:42

Antonius » Fr 16. Jan 2015, 10:28 hat geschrieben:In der Türkei ist eine intensive christliche Missionsarbeit notwendig.
Vor allem jetzt, 100 Jahre nach dem Beginn des Völkermordes an den Armeniern.

Bei solchen Kommentaren graust es mich. :|
•Wer fuer alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.
https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Postnix » Fr 16. Jan 2015, 10:52

Antonius » Fr 16. Jan 2015, 10:28 hat geschrieben:In der Türkei ist eine intensive christliche Missionsarbeit notwendig.
Vor allem jetzt, 100 Jahre nach dem Beginn des Völkermordes an den Armeniern.
Wann ziehen Sie los?
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Antonius » Fr 16. Jan 2015, 11:04

Bleibtreu » Fr 16. Jan 2015, 10:42 hat geschrieben:Bei solchen Kommentaren graust es mich. :|
Warum?
Missionsfreiheit ist ein Teilaspekt der Religionsfreiheit.
Hast Du etwas gegen das universale Menschenrecht der Religionsfreiheit? :?:
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Johny Bambino » Fr 16. Jan 2015, 19:56

palulu » So 4. Jan 2015, 00:30 hat geschrieben:Türkei genehmigt Bau christlicher Kirche
Die islamisch-konservative Staatsführung um Präsident Erdoğan zeigt sich liberal: Zum ersten Mal seit über 90 Jahren darf eine Kirche in der Türkei errichtet werde

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitges ... chenneubau

Wie ironisch. Die Christen erhalten mehr Rechte, weil die Regierung das ottomanische Erbe der Türkei aufpolieren möchte. Tatsächlich genoss die Glaubensgemeinschaft der Christen im Osmanischen Reich große Autonomie - und war, entgegen südosteuropäischer Nationalmythen, lange Zeit äußerst loyal gegenüber dem Sultan. Man beachte auch, dass es sich hier um überwiegend orthodoxe Christen handelt, die einen anderen Umgang mit den Muslimen pflegen als Katholiken oder gar Protestanten. Die beiden letzten Gruppen treten häufig radikaler auf.


Istanbul: Kirchen-Neubau erweist sich als Mogelpackung: Noch das geringste Problem an dieser Nachricht ist es, dass sie nicht neu ist. Der von der syrisch-orthodoxen Gemeinde geplante Neubau einer Kirche im Istanbuler Stadtteil Yesilköy war bereits vor drei Jahren genehmigt worden; auch das Grundstück hatte die Stadt schon damals zugewiesen. Nur konnte bis heute nicht einmal der Grundstein gelegt werden, weil die türkischen Behörden reihenweise Einsprüche erhoben - zuletzt die Naturschutzbehörde, weil dabei Bäume gefällt würden. http://religion.orf.at/stories/2687865/

[i]Erster Neubau einer Kirche in der Türkei seit 100 Jahren ist ein PR-Gag auf Kosten der Minderheiten: Die alevitische Autorin und Frauenrechtlerin Serap Cileli schreibt :

“Das muss man Erdogan lassen. In diplomatischen Angelegenheiten bewegt er sich zwar oft wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen, doch was politische Inszenierungen und Dramaturgie angeht, verdient er den Oscar. Erneut beweist er, wie man schon allein mit der Ankündigung(!) EINES kirchlichen Neubaus, nach fast 100-jährigem Bestehen der türkischen Republik, international Applaus ernten kann. Der Neo-Osmane Erdogan führt das Millet-System wieder ein und alle erliegen dem Traum einer religiösen Gleichberechtigung. Bravo! Was keinem dabei auffällt ist, dass dieses Vorhaben nicht der größten christlichen Minderheiten, den Armeniern versprochen wurde, sondern den aramäischen Christen. Was auch als politisches Signal an die Armenier und die Anerkennung der Aghet zu deuten ist.” (https://www.facebook.com/Serap.Cileli/p ... =1&theater)



Die Rechtsanwältin und stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Armenier in Deutschland e.V. (ZAD) äußert sich wie folgt:

“Da ist der Türkei ein richtiger PR-Coup gelungen! Allein die Ankündingung eines Kirchenbaus reicht aus, um ein solches wohlwollendes Echo in der westlichen Medienwelt auszulösen. Das Selbstverständlichste auf der Welt (Kirchenbau) wird hier zu einem Großereignis an Fortschritt und Toleranz stilisiert. Wie erbärmlich ist das eigentlich?!”



Das beeindruckendste Statement kommt vom Aramäer und humanitären Helfer für durch den IS vertriebene Flüchtlinge “Mike Malke”. Er trifft den Nagel gleich mehrfach auf den Kopf, wenn er schreibt:

“Die Türkei erlaubt, dass eine Kirche gebaut wird?

Jetzt wo sich der Völkermord an den Assyrern/Aramäern, Armeniern, Pontosgriechen und Eziden zum 100. Mal jährt, erlaubst du liebe Türkei, dass eine Kirche gebaut wird? Perfektes Timing…

Liebe Türkei, gib uns stattdessen die tausende von Kirchen zurück die du uns weggenommen hast und lass die Finger von unseren Klöstern!

Liebe Türkei, erlaube es uns endlich wieder Priester ausbilden zu lassen!

Liebe Türkei, du willst den Christen helfen?

Wie wäre es wenn du die Hilfsgüter nach Syrien und Irak durchlässt und die ISIS aufhältst?

Bisher handelst du umgekehrt!

Liebe Türkei, du willst den Opfern helfen?

Wie wäre es wenn du Krankenhäuser für die Opfer bereitstellst und die Täter aufhältst?

Bisher handelst du umgekehrt!

Liebe Türkei, du erlaubst, dass eine Kirche gebaut wird?

Ich will dieses “Geschenk” nicht haben!”



Es bleibt festzuhalten, dass diese Ankündigung vor allem einen Nutznießer hat. Das ist einzig und allein die türkische Regierung inklusive ihrer Lobbyverbände im Ausland.

Wir haben es weder, wie es z.Zt. verbreitet wird, mit einem Zeichen der Toleranz zu tun noch bringt die Ankündigung, egal ob sie in die Tat umgesetzt wird oder nicht, die aramäischen Christen der Türkei auch nur einen Steinwurf näher zu Rechtssicherheit oder gar Gleichberechtigung gegenüber der Mehrheitsbevölkerung. Der Wolf hat in der Tat Kreide gefressen. Ein Wolf bleibt er aber dennoch.
: https://kurmenistan.wordpress.com/2015/01/05/erster-neubau-einer-kirche-in-der-turkei-seit-100-jahren-ist-ein-pr-gag-auf-kosten-der-minderheiten/
Zuletzt geändert von Johny Bambino am Fr 16. Jan 2015, 19:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon palulu » Sa 17. Jan 2015, 15:37

Antonius » Fr 16. Jan 2015, 12:04 hat geschrieben:Warum?
Missionsfreiheit ist ein Teilaspekt der Religionsfreiheit.
Hast Du etwas gegen das universale Menschenrecht der Religionsfreiheit? :?:


Ich schon, ja. Aber danke, dass Du meinen Beitrag über aggressive Christenmissionare in der Türkei indirekt bestätigst.
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon palulu » Sa 17. Jan 2015, 15:41

Johny Bambino » Fr 16. Jan 2015, 20:56 hat geschrieben:
Istanbul: Kirchen-Neubau erweist sich als Mogelpackung: Noch das geringste Problem an dieser Nachricht ist es, dass sie nicht neu ist. Der von der syrisch-orthodoxen Gemeinde geplante Neubau einer Kirche im Istanbuler Stadtteil Yesilköy war bereits vor drei Jahren genehmigt worden; auch das Grundstück hatte die Stadt schon damals zugewiesen. Nur konnte bis heute nicht einmal der Grundstein gelegt werden, weil die türkischen Behörden reihenweise Einsprüche erhoben - zuletzt die Naturschutzbehörde, weil dabei Bäume gefällt würden. http://religion.orf.at/stories/2687865/

[i]Erster Neubau einer Kirche in der Türkei seit 100 Jahren ist ein PR-Gag auf Kosten der Minderheiten: Die alevitische Autorin und Frauenrechtlerin Serap Cileli schreibt :

“Das muss man Erdogan lassen. In diplomatischen Angelegenheiten bewegt er sich zwar oft wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen, doch was politische Inszenierungen und Dramaturgie angeht, verdient er den Oscar. Erneut beweist er, wie man schon allein mit der Ankündigung(!) EINES kirchlichen Neubaus, nach fast 100-jährigem Bestehen der türkischen Republik, international Applaus ernten kann. Der Neo-Osmane Erdogan führt das Millet-System wieder ein und alle erliegen dem Traum einer religiösen Gleichberechtigung. Bravo! Was keinem dabei auffällt ist, dass dieses Vorhaben nicht der größten christlichen Minderheiten, den Armeniern versprochen wurde, sondern den aramäischen Christen. Was auch als politisches Signal an die Armenier und die Anerkennung der Aghet zu deuten ist.” (https://www.facebook.com/Serap.Cileli/p ... =1&theater)



Die Rechtsanwältin und stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Armenier in Deutschland e.V. (ZAD) äußert sich wie folgt:

“Da ist der Türkei ein richtiger PR-Coup gelungen! Allein die Ankündingung eines Kirchenbaus reicht aus, um ein solches wohlwollendes Echo in der westlichen Medienwelt auszulösen. Das Selbstverständlichste auf der Welt (Kirchenbau) wird hier zu einem Großereignis an Fortschritt und Toleranz stilisiert. Wie erbärmlich ist das eigentlich?!”



Das beeindruckendste Statement kommt vom Aramäer und humanitären Helfer für durch den IS vertriebene Flüchtlinge “Mike Malke”. Er trifft den Nagel gleich mehrfach auf den Kopf, wenn er schreibt:

“Die Türkei erlaubt, dass eine Kirche gebaut wird?

Jetzt wo sich der Völkermord an den Assyrern/Aramäern, Armeniern, Pontosgriechen und Eziden zum 100. Mal jährt, erlaubst du liebe Türkei, dass eine Kirche gebaut wird? Perfektes Timing…

Liebe Türkei, gib uns stattdessen die tausende von Kirchen zurück die du uns weggenommen hast und lass die Finger von unseren Klöstern!

Liebe Türkei, erlaube es uns endlich wieder Priester ausbilden zu lassen!

Liebe Türkei, du willst den Christen helfen?

Wie wäre es wenn du die Hilfsgüter nach Syrien und Irak durchlässt und die ISIS aufhältst?

Bisher handelst du umgekehrt!

Liebe Türkei, du willst den Opfern helfen?

Wie wäre es wenn du Krankenhäuser für die Opfer bereitstellst und die Täter aufhältst?

Bisher handelst du umgekehrt!

Liebe Türkei, du erlaubst, dass eine Kirche gebaut wird?

Ich will dieses “Geschenk” nicht haben!”



Es bleibt festzuhalten, dass diese Ankündigung vor allem einen Nutznießer hat. Das ist einzig und allein die türkische Regierung inklusive ihrer Lobbyverbände im Ausland.

Wir haben es weder, wie es z.Zt. verbreitet wird, mit einem Zeichen der Toleranz zu tun noch bringt die Ankündigung, egal ob sie in die Tat umgesetzt wird oder nicht, die aramäischen Christen der Türkei auch nur einen Steinwurf näher zu Rechtssicherheit oder gar Gleichberechtigung gegenüber der Mehrheitsbevölkerung. Der Wolf hat in der Tat Kreide gefressen. Ein Wolf bleibt er aber dennoch.
: https://kurmenistan.wordpress.com/2015/01/05/erster-neubau-einer-kirche-in-der-turkei-seit-100-jahren-ist-ein-pr-gag-auf-kosten-der-minderheiten/


Deine Christenbrüder wurden im Übrigen von deinen heißgeliebten Kurdenbrüdern vertrieben, falls es dich interessiert. Darüber hinaus ist dieser Bau selbstverständlich nicht neu, er geriet ins Stocken und soll jetzt definitiv umgesetzt werden. Einfach mal die zeitliche Reihenfolge beachten. Und dass Einsprüche wegen Bäumen erhoben werden, kannst Du den Gezi-Demonstranten zuschreiben, die Du sicherlich unterstützt hast.
Zuletzt geändert von palulu am Sa 17. Jan 2015, 15:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Situation der Christen in der Türkei - Sammelthread

Beitragvon Kardux » Sa 17. Jan 2015, 18:24

palulu hat geschrieben:Deine Christenbrüder wurden im Übrigen von deinen heißgeliebten Kurdenbrüdern vertrieben, falls es dich interessiert.


Achso, dann waren Enver Pascha und Talaat Pascha also Kurden. Die armenischen Siedlungsgebiete wurden nach dem Genozid mehrheitlich von Balkan- Türken, Tscherkessen, Bosniaken, Albanern, usw. besiedelt.

Und jetzt, 100 Jahre nach dem Genozid werden wieder orientalische Christen abgeschlachtet. Die Türken haben jedoch 100 Jahre danach dazu gelernt. Heute machen sich die Türken ihre Hände nicht mehr selber schmutzig. Sie haben jetzt willige Handlanger, die Jihadisten...
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