Krise in der Ukraine I: Russische (Re)Aktionen

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
Darkfire
Beiträge: 3343
Registriert: Mi 4. Mär 2015, 10:41

Re: Krise in der Ukraine I: Russische (Re)Aktionen

Beitragvon Darkfire » Fr 23. Aug 2019, 16:59

imp hat geschrieben:(23 Aug 2019, 13:26)

Seit April


Wo hast du den Dinosaurier ausgegraben ?
War ganz überrascht das Grimm wieder hier ist.

Ist dir der hier nicht mehr gut genug....
viewtopic.php?f=10&t=42824
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13347
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Krise in der Ukraine I: Russische (Re)Aktionen

Beitragvon imp » Fr 23. Aug 2019, 20:52

Darkfire hat geschrieben:(23 Aug 2019, 16:59)

Wo hast du den Dinosaurier ausgegraben ?
War ganz überrascht das Grimm wieder hier ist.

Ist dir der hier nicht mehr gut genug....
viewtopic.php?f=10&t=42824

Das hat schon seine Ordnung. Man bemerke die Ueberschrift. So weit hinten war der eh nicht, das ehrliche Interesse an Belarus, Estland & co beschraenkt sich auf eine Hand voll User und wenn gerade in den Nachrichten nicht Russland dran ist, bleiben die Spruecheklopfer in feldgrau auch weg.

Mit der Schlagzahl heutiger Ereignisse und der Tatsache, dass leider im Gegensatz zu dir mancher gar nicht mehr mittun kann, halte ich es sowieso fuer angemessen, die Ueberschriften staerker zu differenzieren und den Sammelstrang-Modus bei Groszereignissen und neuen Aspekten auch einmal zu umgehen. Die Zukunft der Welt spielt sich im Pazifik ab, aber fuer die deutsche Zukunft bleiben die ollen Themen allemal noch wichtig.

Hat beim Thema Wahl 2019 leider nicht gefruchtet wegen der ueblichen Verdaechtigen. Den habe ich dann sperren lassen.

Es ist wichtig, dass jetzt so viel Entspannung wie moeglich einkehrt, dass eine neue Phase auf beiden Seiten der Linie einkehrt und alle einmal schauen, welche Angebote gemacht werden koennen und welche annehmbar sind und welche nicht. Russland hat, wie die Tuerkei in Syrien, eine Verantwortung fuer die, bei denen das Land im Wort ist. Die Ukraine hat manche Probleme beseitigt und andere entschaerft. Das muss gewuerdigt sein.

In Putins letzter Amtszeit muss es auch um Abschluesse und ein bestelltes Haus gehen. Die neue Generation soll in Russland und den Nachbarstaaten nicht zu viele alte Sorgen erben.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 14315
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 16:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Krise in der Ukraine I: Russische (Re)Aktionen

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 26. Aug 2019, 10:10

imp hat geschrieben:(23 Aug 2019, 20:52)

Das hat schon seine Ordnung. Man bemerke die Ueberschrift. So weit hinten war der eh nicht, das ehrliche Interesse an Belarus, Estland & co beschraenkt sich auf eine Hand voll User und wenn gerade in den Nachrichten nicht Russland dran ist, bleiben die Spruecheklopfer in feldgrau auch weg.


Lass mal. Dass im digitalen Weltmusterland Estland kürzlich eine extreme Rechtsaußenpartei mitregierend wurde und nun mehrere Minister (darunter den Innenminister) stellt ... glaube nicht, dass das an politisch Interessierten so ohne weiteres vorübergegangen ist.

Das bemerkenswerteste in jüngerer Zeit war allerdings ein Kommentar im Deutschlandradio, der so ungefähr folgendes ausdrückte: Staaten wie Russland oder die USA haben "Interessensregionen". Wir sollten die Einmischungen dieser Staaten in ihre jeweiligen Interessensregionen nicht gutheißen. Ob nun die CIA-gelenkten Militärputsche der USA in Mittelamerika oder die genzündelten Konflikte in der Ostukraine oder die Krim-Annexion. Wir können aber nicht das eine stillschweigend akzeptieren und das andere schlechtheißen. Und in der Konsequenz: Die Ukraine sollte sich keinerlei Hoffnungen auf irgendeine Art von "Westanschluss" machen. Und wäre besser beraten, sich eine ihrer Größe und weltpolitischen Bedeutung angemessene eigene politische Konzeption zurechtzulegen.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13347
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Krise in der Ukraine I: Russische (Re)Aktionen

Beitragvon imp » Mo 26. Aug 2019, 10:42

schokoschendrezki hat geschrieben:(26 Aug 2019, 10:10)

Lass mal. Dass im digitalen Weltmusterland Estland kürzlich eine extreme Rechtsaußenpartei mitregierend wurde und nun mehrere Minister (darunter den Innenminister) stellt ... glaube nicht, dass das an politisch Interessierten so ohne weiteres vorübergegangen ist.

Das bemerkenswerteste in jüngerer Zeit war allerdings ein Kommentar im Deutschlandradio, der so ungefähr folgendes ausdrückte: Staaten wie Russland oder die USA haben "Interessensregionen". Wir sollten die Einmischungen dieser Staaten in ihre jeweiligen Interessensregionen nicht gutheißen. Ob nun die CIA-gelenkten Militärputsche der USA in Mittelamerika oder die genzündelten Konflikte in der Ostukraine oder die Krim-Annexion. Wir können aber nicht das eine stillschweigend akzeptieren und das andere schlechtheißen. Und in der Konsequenz: Die Ukraine sollte sich keinerlei Hoffnungen auf irgendeine Art von "Westanschluss" machen. Und wäre besser beraten, sich eine ihrer Größe und weltpolitischen Bedeutung angemessene eigene politische Konzeption zurechtzulegen.

Die politischen Interessen solcher Staaten und deren Durchsetzung kann man sich nicht wegwuenschen. Auch die EU bemueht sich, als eine solche Interessenpartei aufzutreten, etwa in Nordafrika, aber auch gegenueber Osteuropa, Russland usw. Man sollte das offen benennen. Es ist Einmischung, mal gewaltfoermig, mal im Rahmen von "Vertraegen", die auf Kraefteverhaeltnissen beruhen. Jedoch bedienen sich solche Einmischungen meist der Probleme und Konflikte, die das Land schon hat. Eine begruendete Abneigung etwa der Kurden in Syrien gegen die Zentralregierung oder stiefmuetterlich behandelter Regionen in anderen Laendern - das muss man nicht erfinden, das ist schon da.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 14315
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 16:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Krise in der Ukraine I: Russische (Re)Aktionen

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 26. Aug 2019, 11:38

imp hat geschrieben:(26 Aug 2019, 10:42)

Die politischen Interessen solcher Staaten und deren Durchsetzung kann man sich nicht wegwuenschen. Auch die EU bemueht sich, als eine solche Interessenpartei aufzutreten, etwa in Nordafrika, aber auch gegenueber Osteuropa, Russland usw. Man sollte das offen benennen. Es ist Einmischung, mal gewaltfoermig, mal im Rahmen von "Vertraegen", die auf Kraefteverhaeltnissen beruhen. Jedoch bedienen sich solche Einmischungen meist der Probleme und Konflikte, die das Land schon hat. Eine begruendete Abneigung etwa der Kurden in Syrien gegen die Zentralregierung oder stiefmuetterlich behandelter Regionen in anderen Laendern - das muss man nicht erfinden, das ist schon da.

Der Punkt ist, dass das für kleinere Staaten wie etwa Georgien oder Moldawien schwierig ist. Für die Ukraine mit ihrer globalpolitischen Bedeutung wäre es das eigentlich nicht. Nehmen wir als Gegenbeispiel Kasachstan. Man mag zur Politik der Regierung in menschenrechtlicher und ideologischer Hinsicht stehen wie man will ... aber die haben die Bedeutung ihres Landes und seiner Größe wohl irgendwie begriffen. Kasachstan wird eine Schlüsselrolle in den ganzen chinesischen Seidenstraßenprojekten spielen.

Die Ukraine könnte in diesem Feld noch mal ganz anders auftreten. Mit einer diplomatisch klugen Wiederannäherung an Russland. Mit den territorial gegebenen Beziehungen zu Ost-EU-Europa. Wie auch zur Türkei. Aber man hat den Eindruck: Die Leute warten nicht auf eine eigenständige politische Vision sondern auf den nächsten vielversprechendsten Oligarchen.


Die Kasachen haben, statt sich an "Russland" abzuarbeiten, wenigstens den nördlichen Teil des ausgetrockneten Aralsees gerettet. Alle Achtung! So etwas würde ich der Ukraine auch wünschen.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13347
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Krise in der Ukraine I: Russische (Re)Aktionen

Beitragvon imp » Mo 26. Aug 2019, 12:02

schokoschendrezki hat geschrieben:(26 Aug 2019, 11:38)

Der Punkt ist, dass das für kleinere Staaten wie etwa Georgien oder Moldawien schwierig ist. Für die Ukraine mit ihrer globalpolitischen Bedeutung wäre es das eigentlich nicht. Nehmen wir als Gegenbeispiel Kasachstan. Man mag zur Politik der Regierung in menschenrechtlicher und ideologischer Hinsicht stehen wie man will ... aber die haben die Bedeutung ihres Landes und seiner Größe wohl irgendwie begriffen. Kasachstan wird eine Schlüsselrolle in den ganzen chinesischen Seidenstraßenprojekten spielen.

Die Ukraine könnte in diesem Feld noch mal ganz anders auftreten. Mit einer diplomatisch klugen Wiederannäherung an Russland. Mit den territorial gegebenen Beziehungen zu Ost-EU-Europa. Wie auch zur Türkei. Aber man hat den Eindruck: Die Leute warten nicht auf eine eigenständige politische Vision sondern auf den nächsten vielversprechendsten Oligarchen.


Die Kasachen haben, statt sich an "Russland" abzuarbeiten, wenigstens den nördlichen Teil des ausgetrockneten Aralsees gerettet. Alle Achtung! So etwas würde ich der Ukraine auch wünschen.

Die Ukraine konnte lange Zeit von allen Seiten Vorteile einsammeln, ohne sich besonders bewegen oder festlegen zu muessen. Einige andere Laender dagegen mussten fruehzeitig nach dem Ende der Sowjetunion pragmatisch schauen, wo es vorwaerts geht statt in historischen Opferposen zu agieren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Ukraine sich mit Russland verstaendigt. Poroschenko ist weg, Putin in seiner letzten Amtszeit, Medwedew wahrscheinlich auch. In der Ostukraine wird man eine Staerkung des foederalen Aspekts anbieten muessen, um ein Ende der Spaltung zu erzielen. In der Krimfrage wird es eher darum gehen, den eingetretenen Zustand rechtlich sauber aufzustellen, Zahlungen und Leistungen zu vereinbaren - viel Potential zum Streiten, wenn man denn streiten mag.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 14315
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 16:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Krise in der Ukraine I: Russische (Re)Aktionen

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 26. Aug 2019, 13:35

imp hat geschrieben:(26 Aug 2019, 12:02)

Die Ukraine konnte lange Zeit von allen Seiten Vorteile einsammeln, ohne sich besonders bewegen oder festlegen zu muessen. Einige andere Laender dagegen mussten fruehzeitig nach dem Ende der Sowjetunion pragmatisch schauen, wo es vorwaerts geht statt in historischen Opferposen zu agieren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Ukraine sich mit Russland verstaendigt. Poroschenko ist weg, Putin in seiner letzten Amtszeit, Medwedew wahrscheinlich auch. In der Ostukraine wird man eine Staerkung des foederalen Aspekts anbieten muessen, um ein Ende der Spaltung zu erzielen. In der Krimfrage wird es eher darum gehen, den eingetretenen Zustand rechtlich sauber aufzustellen, Zahlungen und Leistungen zu vereinbaren - viel Potential zum Streiten, wenn man denn streiten mag.

Ja. Die Ukraine hat eben aber auch viel Potential zum Handeln. Sie kann sich in Richtung Russland, Türkei, EU bewegen. Und auch noch sonstwohin. Mit der Türkei wurde kurz nach Amtsübernahne von Selenski ein neues Freihandelsabkommen ausgehandelt. Wenn ich wirklich so komplett bekloppt wäre, Politiker zu werden ... Außenminister der Ukraine wäre jedenfalls aus meiner Sicht eine der interessantesten Jobs ... da wäre so viel zu bewegen. Da sind so viele Optionen offen.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13347
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Krise in der Ukraine I: Russische (Re)Aktionen

Beitragvon imp » Mo 26. Aug 2019, 13:49

schokoschendrezki hat geschrieben:(26 Aug 2019, 13:35)

Ja. Die Ukraine hat eben aber auch viel Potential zum Handeln. Sie kann sich in Richtung Russland, Türkei, EU bewegen. Und auch noch sonstwohin. Mit der Türkei wurde kurz nach Amtsübernahne von Selenski ein neues Freihandelsabkommen ausgehandelt. Wenn ich wirklich so komplett bekloppt wäre, Politiker zu werden ... Außenminister der Ukraine wäre jedenfalls aus meiner Sicht eine der interessantesten Jobs ... da wäre so viel zu bewegen. Da sind so viele Optionen offen.

Er hat auch einen Deal mit Israel geschlossen kuerzlich. Er ist sehr umtriebig. Jedoch ist die Blockgestalt der EU ziemlich auf "ja" oder "nein" ausgelegt, ein "sowohl als auch" ist da teilweise schwierig.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson

Zurück zu „33. Osteuropa - GUS - Kaukasus“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast