Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

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Loki
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Loki » Fr 10. Nov 2017, 17:41

Adam Smith hat geschrieben:(10 Nov 2017, 17:34)

Ansonsten würden sie es ja nicht zurückerhalten.

Gab ein edit bei meinem Beitrag.
Sie hat dieses Geld, sofern sie keine Notenbank ist, mittels Verkauf von Aktiva (wie Gold, bestimmte Wertpapiere etc.) an die Notenbank erhalten.
Ob sie oder eine andere Bank der Bankengemeinschaft es tat, ist hierbei unerheblich.
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franktoast
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon franktoast » Mo 13. Nov 2017, 08:41

Loki hat geschrieben:(10 Nov 2017, 17:30)

Natürlich könntest Du Dir als Bank einen x-beliebigen Zinsertrag reinschreiben; genau so wird es doch gemacht!
Daß dafür bzw. dabei die Höhe eines Zinssatzes im Voraus festgelegt wurde, ist hierbei unerheblich.

Die Großkonzern-Bank fordert 105 zurück, 5 sind als x-beliebige Zahl in der GuV unter dem Punkt Zinsertrag, als Wunsch.

Ok, das meinst du. Das geht offenbar nicht unabhängig von anderen. Denn es muss ja jemanden geben, der diesen Kredit zu eben diesen Zinsen vertraglich eingeht. Und auf diesen Buchgewinn fallen natürlich auch Steuern an.

Ein Wunschgewinn; gemacht hättest Du den Gewinn erst, wenn ich 1 Trillion illegal drucke; oder Du mir eine Trillion schenkst... welche ich dann hernehme, um Geldzinsen Dir bezahlen zu können.
Vielleicht habe ich auch einen unkonzentrierten Tag und nehme nochmals einen Kredit auf; in Höhe von eienr Trillionen, nur um Deinen Wunschzinsertrag zahlen zu können.
Gewiss wird die zweite Kreditaufnahme auch zinsbehaftet sein ?
Schließlich ist Dein Konzern ein gewinnorientiertes Unternehmen.

Das wäre kein Wunschgewinn, denn auf diesen Gewinn müsste ich erstmal etwa 300 Billiarden an Steuern abführen. Buchgewinne sind also tatsächlich mit Vorsicht zu genießen. Dewegen gucken Investoren auch nicht nur auf den Gewinn, sondern ebenso auf den Cashflow und Verschuldungsgrad.

Du bist ein Groß-Konzern und ich kaufe mit dem bei Deiner Konzernbank aufgenommen Kredit Produkte anderer Art (Autos?) im Wert von 3 Trillionen; da bleibt das Geld vorerst bei Deiner Konzernbank, sofern Du Dein Konto bei Deiner eigenen Bank hast...

Ja richtig. Du hast bei mir 3 Trillionen Guthaben. Wenn dieses Guthaben jemand als Zahlungsmittel akzeptiert, dann würde das funktionieren. Allerdings geht so das Risiko auf den über, der dieses Guthaben hält. Warum sollte der also dieses Guthaben annehmen?


Die Konzernbank gibt dem anderen Teil des Konzerns (dem Autobauerteil des Konzerns) einen Kredit, falls derartiges in irgendeiner Form möglich ist. Der Großkonzern ist doch nahezu ein und dieses juristische Person, mit dem gleichen Namen xyz.

Unabhängig von anderen Personen stimmt ja so nicht, wenn sie jemanden einen Kredit gewähren und von diesem Jemanden früher oder später gerne einen bestimmten Zinsertrag erhalten möchten.

Man wird in der Realität kaum von sich selbst mehr (zurück)fordern, mehr als man sich selbst gab.
Würde mich natürlich freuen, wenn ich mir einen Cent in die Hosentasche stecke
und nach Ablauf einer gewissen Zeit aus meiner eigenen Hosentasche 2 Cent herausbekomme. Anstelle Taschenbillard war das dann mal vorgelebte Wertschöpfung.

Sicher selber einen Kredit zu geben (Tochterfirma) ändert nix an der Konzernbilanz. Was bei einem der Buchgewinn wäre, wäre beim anderen ein Buchverlust. Klappt also wieder nicht.

Der Sinn von zusätzlich Banken bei sonstigen Konzernen ist somit: Erhöhung der Gewinne beim Kerngeschäft (z. B. dem Verkauf von Autos) und zusätzlich dem Einfahren von Zinserträgen aus dem konzerneigenen Bankengeschäftsteil.

Der Sinn ist der Gleiche wie wenn der Autokonzern einen Zulieferer kauft. Man hofft, diese Gewinne einzustecken die ansonsten die Bank bzw. der Zulieferer einstecken würde. Man hofft eben auf Synergien, so dass man dit Tätigkeit effizienter abwickeln kann als ein anderes Unternehmen. In- und Outsourcing hat seine Vor- wie auch Nachteile.
https://www.insourcing-outsourcing.net/ ... nsourcing/


Was aber hier bei der ganzen Diskussion fragwürdig ist: Deine Gedanken sind ja jetzt nicht wirklich kompliziert oder komplex. Man muss kein Experte auf dem Gebiet sein, um das nachzuvollziehen oder selber drauf zu kommen. Wir wissen, dass Unternehmen gewinnorientiert sind und somit möglichst viel Gewinn erzielen wollen. Wenn es also stimmen würde, dass das Insourcing einer Bank - unabhängig vom Geschäftsfeld des Unternehmens - extreme Vorteile brächte, warum macht das dann nicht jedes größere Unternehmen?
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon BlueMonday » Mo 13. Nov 2017, 13:46

franktoast hat geschrieben:(13 Nov 2017, 08:41)

Ja richtig. Du hast bei mir 3 Trillionen Guthaben. Wenn dieses Guthaben jemand als Zahlungsmittel akzeptiert, dann würde das funktionieren. Allerdings geht so das Risiko auf den über, der dieses Guthaben hält. Warum sollte der also dieses Guthaben annehmen?


Ja, vor allem hat das geschaffene "Giralgeld" außerhalb der Bank keinerlei Bedeutung bzw. Zahlungskraft, es hat nur Bedeutung zwischen der Bank und ihrem Erstkunden Loki.
Er hat 3 Trillionen gut ... die hat er nur gut, weil er einen Kreditvertrag unterschrieben hat ... der am besten auch entsprechend besichert ist .. mit Lokis Eigentum, das natürlich locker 3 Trillionen Euro hergibt... Da hat die Franktoastbank schon mal ein kräftiges Marktpreisrisiko neben dem Ausfallrisiko.

Loki muss also die 3 Trillionen zurückzahlen. Wovon? Mit dem Guthaben hat er Autos gekauft ... von den Frank-Toast-Werken. Das ist also weg. 0. Das ist so schnell wegbucht, wie es hingebucht wurde. Also es hat auch nicht die Bank. Natürlich nicht. Die Bank hat stattdessen nur keine Verbindlichkeit mehr ggü ihrem Erstkunden Loki. Sein Sichtguthaben ist ja jetzt 0. Und tatsächlich also real hat sie die Verbindlichkeit mit ihren Autos/Waren gezahlt.

Und jetzt ist Loki dran mir seinem Schuldenberg, mit seiner Gegenleistung. Das Geld dafür muss nun von außerhalb kommen. Und auch nur in Form von Zentralbankgeld. Oder er fältl aus. Dann ist sein Eigentum fällig und letztlich ist es ein Tausch Eigentum vs Eigentum. Daran ist auch nichts Verwerfliches oder Skandalöses. Nur mancher lässt sich von dem Begriff "Giralgeld" verwirren.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Letzter_Hippie » Do 11. Okt 2018, 02:34

Alter Stubentiger hat geschrieben:(10 Oct 2018, 14:48)
Die Banken haben zuviel Kredite an Privatleute verliehen. Für diese Kredite brauchen die Banken aber keine Spareinlagen. Sie brauchen keinen Staat der ihnen Geld gibt damit es weiterverliehen werden kann. Das läuft ganz nders. Sie schöpfen dass Geld. Aus dem Nichts.


Das ist eine These, die man immer wieder mal hört. Meistens in Zusammenhang mit der zionistischen Weltverschwörung. :mad:

Wie bei jeder Verschwörungstheorie ist dabei ein bischen Wahrheit und viel Unsinn. Selbstverständlich braucht eine Bank Spareinlagen, und selbstverständlich kann eine Bank nur das Geld verleihen, das sie hat. Sie kann ja kein Geld drucken.

Was passiert, ist im Prinzip folgendes:
1. Sparer A legt 10'000 aufs Sparkonto.
2. Die Bank verleiht die 10'000 an Käufer B, der kauft davon ein Auto.
3. Autohändler C trägt die 10'000 auf die Bank.
4. Jetzt hat die Bank wieder Geld und verleiht die 10'000 an Kunde D (der davon wieder was schönes kaufen kann. Undsoweiter)

Auf den Konten stehen jetzt 20'000, als Guthaben und Schulden, obwohl nur 10'000 gedruckt wurden. Dafür kann aber die Bank nichts, die tut nur das was sie gemäß ihrer Geschäftstätigkeit eben tut.
Die Bank weiss auch überhaupt nichts davon, dass sie angeblich "Geld schöpft" - in den betriebswirtschaftlichen Büchern stehen sich Einnahmen und Ausgaben korrekt gegenüber. Volkswirtschaftlich jedoch, in den Summenformeln, existiert eine sog. "Geldmenge", die nicht dem gedruckten Geld entspricht.

Wenn jetzt eine Krise kommt, dann hat natürlich die Bank ein Problem, weil sie das Geld, das angeblich auf den Konten ist, nicht hat. Also müsste die Bank pleite gehen. Nur liegt der Fehler nicht (oder nicht zwingend) bei der Bank, sondern ist prinzipbedingt.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » Do 11. Okt 2018, 05:05

Letzter_Hippie hat geschrieben:(11 Oct 2018, 03:34)

Das ist eine These, die man immer wieder mal hört. Meistens in Zusammenhang mit der zionistischen Weltverschwörung. :mad:

Wie bei jeder Verschwörungstheorie ist dabei ein bischen Wahrheit und viel Unsinn. Selbstverständlich braucht eine Bank Spareinlagen, und selbstverständlich kann eine Bank nur das Geld verleihen, das sie hat. Sie kann ja kein Geld drucken.


... das würde ja heißen, bei der Bundesbank wär ein Haufen Verschwörungstheoretiker am Werk ;)

"Neues Buchgeld schaffen die Banken, wenn sie Kredite vergeben.
[...]
Die Bank hat neues Buchgeld geschaffen. Zuvor eingeworbene Spareinlagen benötigte sie hierfür nicht."

https://www.bundesbank.de/de/service/sc ... eld-613628
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon Maikel » Do 11. Okt 2018, 07:59

unity in diversity hat geschrieben:(11 Oct 2018, 00:57)
Wird das aus dem Nichts geschaffenen Geld im Rahmen der Kreditrückzahlung wieder ausgebucht?

Ja, ein ganz entscheidender, aber oft übersehener oder ignorierter Punkt:
Das von den Banken "geschaffene" Geld wird mit der Rückzahlung des Kredites wieder "vernichtet".

siehe dazu z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Geldschöpfung; daraus
"Durch Rückzahlung von Krediten durch Nichtbanken an Banken [...] wird Geld wieder vernichtet (die Bankbilanz verkürzt) – die Geldmenge reduziert."
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon franktoast » Do 11. Okt 2018, 08:10

unity in diversity hat geschrieben:(11 Oct 2018, 00:57)

Wird das aus dem Nichts geschaffenen Geld im Rahmen der Kreditrückzahlung wieder ausgebucht?
Wenn es durch dieses "Geld" tatsächlich zur Wertschöpfung kommt, könnte die Bank die Rückzahlungen natürlich auch als Einnahmen verbuchen.
Anderenfalls es ein Beitrag zur Blasenbildung wäre.

Naja, die Forderung nach Geld verschwindet. So wie wenn du dir einen Fernseher von Amazon bestellst. Dadurch entsteht eine Forderung nach einem Fernseher - "aus dem nichts".Kommt der Fernseher bei dir an, wird die Forderung nach dem Fernseher vernichtet...

Unterzeichnest du einen Kreditvertrag über 1000€ bei deiner Bank, entsteht eine Forderung der Bank von 1000€ gegen dich. Gleichzeitig hast du eine Forderung von 1000€ gegen die Bank. Hebst du die 1000€ in bar ab oder überweist das Geld zu einer anderen Bank, wird deine Forderung gegen deine Bank "vernichtet". Liegt das Geld auf einer anderen Bank, ist durch die Überweisung eine Forderung von 1000€ gegen diese andere Bank entstanden.... *künstlerpause* aus dem nichts
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Realist2014 » Do 11. Okt 2018, 08:56

Letzter_Hippie hat geschrieben:(11 Oct 2018, 03:34)
n, und selbstverständlich kann eine Bank nur das Geld verleihen, das sie hat. .



nein, das ist falsch.

Bei der Kreditvergabe an DRITTE wird "Geld geschöpft", was bei der Rückzahlung desselben wieder "vernichtet" wird.

Fällt der Kredit komplett aus, wird allerdings der gleiche Betrag als Eigenkapital der Bank "vernichtet".
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Letzter_Hippie » Do 11. Okt 2018, 11:10

Ihr könnt hundertmal wiederholen dass die Bank "Geld schöpft", aber das zeigt nur, dass Ihr Euch an Begriffen festbeisst, über die Ihr womöglich nichtmal nachgedacht habt. Was soll das für ein Vorgang sein, Geld zu "schöpfen"? Schöpfen kann man Flüssigkeiten aus zB einem Kübel, oder man schöpft kreative Werke aus dem eigenen Bewusstsein. Aber was bedeutet "Geld schöpfen"? Es gibt in der kaufmännischen Buchführung keinen Buchungsvorgang "Schöpfen".

Wie das Phänomen -meiner Meinung nach- zustande kommt, hab ich oben beschrieben.

Ich wünsche mir mehr gründliches, hinterfragendes Denken. Nur Begriffe nachzusagen und mit irgendwelchen Zitaten zu bekräftigen, um sich dann darüber zu streiten, das ist mir viel zu wenig, und davon wird auch niemand schlauer.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Realist2014 » Do 11. Okt 2018, 11:19

Letzter_Hippie hat geschrieben:(11 Oct 2018, 12:10)

Ihr könnt hundertmal wiederholen dass die Bank "Geld schöpft", aber das zeigt nur, dass Ihr Euch an Begriffen festbeisst, über die Ihr womöglich nichtmal nachgedacht habt. Was soll das für ein Vorgang sein, Geld zu "schöpfen"? Schöpfen kann man Flüssigkeiten aus zB einem Kübel, oder man schöpft kreative Werke aus dem eigenen Bewusstsein. Aber was bedeutet "Geld schöpfen"? Es gibt in der kaufmännischen Buchführung keinen Buchungsvorgang "Schöpfen".




es wird halt so genannt.

Wenn dich die zugehörigen Buchungsvorgänge bei einer Bank interessieren- Herr Google hilft da weiter bzw. Erläuterungen wie bei der Deutschen Bundesbank
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Letzter_Hippie » Do 11. Okt 2018, 11:24

Realist2014 hat geschrieben:(11 Oct 2018, 12:19)

es wird halt so genannt.


Eben. Und, weisst Du was genau dahintersteckt? Wenn nein, wie kann man dann drüber diskutieren?

Wenn dich die zugehörigen Buchungsvorgänge bei einer Bank interessieren- Herr Google hilft da weiter bzw. Erläuterungen wie bei der Deutschen Bundesbank


Na, ich kann Buchführung und hab auch schon Banken beraten.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Realist2014 » Do 11. Okt 2018, 11:46

Letzter_Hippie hat geschrieben:(11 Oct 2018, 12:24)

Eben. Und, weisst Du was genau dahintersteckt? Wenn nein, wie kann man dann drüber diskutieren?



ja. Es wird durch die Kreditvergabe Geld "geschaffen", "geschöpft", was vorher nicht da war. Es erhöht die Geldmenge...

Na, ich kann Buchführung und hab auch schon Banken beraten.



na, wenn du "Buchführung" , warum fragst du dann nach den Buchungsvorgängen bei der Kreditvergabe? :?:

Und wenn du Banken "beraten" hast- wieso verstehst du dann die Geldschöpfung nicht?
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Letzter_Hippie » Do 11. Okt 2018, 11:55

Realist2014 hat geschrieben:(11 Oct 2018, 12:46)

ja. Es wird durch die Kreditvergabe Geld "geschaffen", "geschöpft", was vorher nicht da war. Es erhöht die Geldmenge...

na, wenn du "Buchführung" , warum fragst du dann nach den Buchungsvorgängen bei der Kreditvergabe? :?:


Weil das hier scheinbar niemandem so recht klar ist, wenn man die Diskussionen liest. "Es erhöht die Geldmenge" sagt auch nicht wirklich was, denn es gibt diese Geldmenge nicht wirklich, sondern es geht um eine virtuelle Geldmenge, die allein aus ihrem Berechnungsverfahren herrührt.

Und wenn du Banken "beraten" hast- wieso verstehst du dann die Geldschöpfung nicht?


Ich hab oben beschrieben, was ich verstehe. Ich sehe nicht, dass sonst jemand hier konkret geworden ist - stattdessen wird der Begriff "Geldschöpfung" repetiert.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon BlueMonday » Do 11. Okt 2018, 13:22

Naja, das wurde hier schon x-mal thematisiert. Ich schreibe praktisch auch jedesmal, dass "Giralgeld" oder "Buchgeld" dabei ein irreführender Begriff ist. Es geht um eine Sichteinlage. Das ist eine Forderung des Publikums (Kontoinhaber) lautend auf Geld. Eine Forderung ist nun mal nicht dasselbe wie das Ding, das gefordert/geschuldet wird.

„Will man definieren, was denn eigentlich juristisch ein Bankguthaben ist, so ist zunächst festzustellen, daß es sich um eine Forderung und zwar um eine Geldforderung handelt. Im praktischen Leben ist uns das Gefühl dafür bis zu einem gewissen Grade verloren gegangen; man spricht z.B. von „Geld auf der Bank“ und stellt das Bankkonto oft sogar in einen gewissen Gegensatz zu den sonstigen Forderungen.

...

Was die Bankguthaben von allen anderen Geldforderungen in erster Linie unterscheidet, ist auch kein rechtliches, sondern zunächst ein ökonomisches Merkmal: es ist da ihre hohe Liquidität, die sie dem baren Gelde nahe verwandt erscheinen läßt. Diese Eigenschaft beruht nicht so sehr darauf, daß die Bankguthaben, in der Regel ganz kurzfristige Verbindlichkeiten darstellen, denn es gehören unzweifelhaft dazu auch die sogenannten festen Gelder, die der Bank mit einer längeren Kündigungsfrist fest gegeben worden sind. Auf der anderen Seite gibt es ja auch sonst im Leben vielfach sofort fällige Verbindlichkeiten, ohne daß sie jedoch den Bankguthaben gleich geachtet werden. Die Liquidität der Bankguthabenforderung beruht vielmehr auf folgenden Umständen: Einmal ist es im Bankverkehr allgemein üblich, Bankguthabenforderungen ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt der Fälligkeit jederzeit zurückzuzahlen, wenn der Kunde sich mit dem Abzug der Sollzinsen einverstanden erklärt; zum anderen, und das ist der entscheidende Gesichtspunkt, hat der Kontoinhaber auch tatsächlich die Gewissheit, das Bankguthaben jederzeit in bares Geld umwandeln zu können, da jede Bank schon aus Gründen der Selbsterhaltung stets darauf sehen muß, daß sie den von dieser Seite an sie gestellten Zahlungsansprüchen jederzeit sofort nachkommen kann. Eine Bank, bei der das nicht der Fall ist, würde mit einem Schlage alle Einlagen und damit die Grundlage ihres gesamten Geschäftsbetriebes verlieren.

Diese eben erörterte Sonderart des Bankkontos gegenüber anderen Geldforderungen ergibt sich aber letzten Endes daraus, daß die Bank als Schuldnerin von Bankguthaben Verwahrerin und Verwalterin f r e m d e n Geldes ist, das sie stets zur Verfügung ihrer Kunden halten muß. Rein rechtlich betrachtet wird die Bank allerdings stets freie Eigentümerin aller bei ihr eingehenden Gelder und darf auch darüber zu ihrem Nutzen verfügen; der Kontoinhaber hat nur eine gewöhnliche Forderung.“

„Das geltende Recht kennt insbesondere noch nicht den Satz, daß die Überweisung auf das Bankkonto des Gläubigers allgemein ein taugliches Mittel zur Erfüllung von Geldschulden ist, sondern nach der noch heute weitaus überwiegenden Meinung in Literatur und Rechtsprechung ist diese lediglich ein Surrogat der Zahlung, die nur bei Zustimmung des Gläubigers schuldtilgend wirkt.“

Georg Littmann „Das Bankguthaben“
Verlag von J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1931


Kurz, es wird kein "Giralgeld geschöpft", sondern die Bank erzeugt eine Forderung gegen sich, wenn sie im Rahmen eines Kredits ein Guthaben einräumt.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon franktoast » Do 11. Okt 2018, 13:42

Letzter_Hippie hat geschrieben:(11 Oct 2018, 12:10)

Ihr könnt hundertmal wiederholen dass die Bank "Geld schöpft", aber das zeigt nur, dass Ihr Euch an Begriffen festbeisst, über die Ihr womöglich nichtmal nachgedacht habt. Was soll das für ein Vorgang sein, Geld zu "schöpfen"? Schöpfen kann man Flüssigkeiten aus zB einem Kübel, oder man schöpft kreative Werke aus dem eigenen Bewusstsein. Aber was bedeutet "Geld schöpfen"? Es gibt in der kaufmännischen Buchführung keinen Buchungsvorgang "Schöpfen".

Wie das Phänomen -meiner Meinung nach- zustande kommt, hab ich oben beschrieben.

Ich wünsche mir mehr gründliches, hinterfragendes Denken. Nur Begriffe nachzusagen und mit irgendwelchen Zitaten zu bekräftigen, um sich dann darüber zu streiten, das ist mir viel zu wenig, und davon wird auch niemand schlauer.


Ich bin deiner Meinung. Begriffsdefinitionen. Die Frage ist ja, was Geld ist. Und was "Quasigeld" ist. Ist ein 50€-Schein das Gleiche wie ein Zettel, auf dem Person X garantiert, einen 50€ Schein jederzeit gegen den Zettel einzutauschen? Hm, kommt wohl drauf an, wer Person X ist. Ist es dein unzuverlässiger Bruder oder eine riesige Bank, deren Geschäftsmodell davon abhängt, dir das Bargeld zu geben?

So könnte man sagen, dass eine Forderung gegen Geld oft genauso gut wie Geld ist. Ist es damit auch "Geld"?
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon Alter Stubentiger » Do 11. Okt 2018, 14:22

unity in diversity hat geschrieben:(11 Oct 2018, 00:57)

Wird das aus dem Nichts geschaffenen Geld im Rahmen der Kreditrückzahlung wieder ausgebucht?
Wenn es durch dieses "Geld" tatsächlich zur Wertschöpfung kommt, könnte die Bank die Rückzahlungen natürlich auch als Einnahmen verbuchen.
Anderenfalls es ein Beitrag zur Blasenbildung wäre.


Natürlich wird stehen dem Kredit entsprechende Verpflichtungen des Kreditnehmers gegenüber. Ist der Kredit zurückgezahlt ist das "geschaffene Geld" wieder raus aus dem Markt. Als Saldo bleibt nur der Zins für die Banken. Die muß der Kreditnehmer erwirtschaften. Das Ganze ist solange kein Problem wie die Kreditnehmer solvent sind. Und solange der Markt nicht ohne Sicherheiten mit immer neuen Krediten geflutet wird. Von daher hätte die türkische Zentralbank schon lange die Zinsen noch höher setzen müssen um den Leuten den Spaß an immer neuen Konsumentenkrediten zu verderben. Und generell war die Kreditvergabe z.B. für Immobilien viel zu lax. Ich gehe davon aus daß Erdogan das mit Absicht so gehandhabt hat um die Wirtschaft so lange am laufen zu halten bis er die absolute Macht hat. Aber jetzt weiß er nicht weiter.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Alter Stubentiger » Do 11. Okt 2018, 14:42

Letzter_Hippie hat geschrieben:(11 Oct 2018, 03:34)

Das ist eine These, die man immer wieder mal hört. Meistens in Zusammenhang mit der zionistischen Weltverschwörung. :mad:

Wie bei jeder Verschwörungstheorie ist dabei ein bischen Wahrheit und viel Unsinn. Selbstverständlich braucht eine Bank Spareinlagen, und selbstverständlich kann eine Bank nur das Geld verleihen, das sie hat. Sie kann ja kein Geld drucken.

Was passiert, ist im Prinzip folgendes:
1. Sparer A legt 10'000 aufs Sparkonto.
2. Die Bank verleiht die 10'000 an Käufer B, der kauft davon ein Auto.
3. Autohändler C trägt die 10'000 auf die Bank.
4. Jetzt hat die Bank wieder Geld und verleiht die 10'000 an Kunde D (der davon wieder was schönes kaufen kann. Undsoweiter)

Auf den Konten stehen jetzt 20'000, als Guthaben und Schulden, obwohl nur 10'000 gedruckt wurden. Dafür kann aber die Bank nichts, die tut nur das was sie gemäß ihrer Geschäftstätigkeit eben tut.
Die Bank weiss auch überhaupt nichts davon, dass sie angeblich "Geld schöpft" - in den betriebswirtschaftlichen Büchern stehen sich Einnahmen und Ausgaben korrekt gegenüber. Volkswirtschaftlich jedoch, in den Summenformeln, existiert eine sog. "Geldmenge", die nicht dem gedruckten Geld entspricht.

Wenn jetzt eine Krise kommt, dann hat natürlich die Bank ein Problem, weil sie das Geld, das angeblich auf den Konten ist, nicht hat. Also müsste die Bank pleite gehen. Nur liegt der Fehler nicht (oder nicht zwingend) bei der Bank, sondern ist prinzipbedingt.


Das ist eine Vorstellung die Viele haben. Ändert aber nichts daran daß was du schreibst zu 100% falsch ist.

Die Bundesbank äußert sich in ihrem Monatsbericht 4/2017 ausführlich zum Thema „Geldschöpfung der Banken“. Dies begrüßen wir, denn so kann weiter mit dem tiefsitzenden Mythos aufgeräumt werden, Banken seine reine Intermediäre, also Vermittler von Geld zwischen Sparern und Kreditnehmern. Die Bundesbank schafft so Klarheit darüber, wie unser Geldsystem tatsächlich funktioniert: Es sind die Geschäftsbanken selbst, die das Geld schöpfen/emittieren, das wir alle benutzen. Ein großer Fortschritt, denn es ist noch nicht lange her, dass sich Experten, die auf die Geldschöpfung der Banken hinwiesen, heftiger Angriffe erwehren mussten.

Hier der Link damit du deinen Horizont dramatisch erweitern kannst:
https://www.bundesbank.de/resource/blob/614448/c0acb63e33120467bbb3615c63dc7e1a/mL/2017-04-geldschoepfungsprozess-data.pdf
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon BlueMonday » Do 11. Okt 2018, 16:14

franktoast hat geschrieben:(11 Oct 2018, 14:42)

So könnte man sagen, dass eine Forderung gegen Geld oft genauso gut wie Geld ist. Ist es damit auch "Geld"?


Spätestens wenn eine Forderung ausfällt, wird man den Unterschied mehr oder weniger schmerzlich verstehen.
Forderungsausfall bei einem Bankguthaben heißt dann: kein Bargeld am Automaten und keine Überweisung nach "außerhalb".
Wäre hingegen das Bankguthaben selbst das Geld, dann wäre das ein unmögliches Szenario.

Ok, man kann sicherlich Schulden verrechnen. Angenommen bei einer Bank existieren zwei Konten und es werden 1000 Euro von Konto A nach Konto B überwiesen.
Das ist praktisch eine Forderungsübertragung(Zession). Erst hatte der Inhaber von Konto A eine Forderung von 1000 Euro ggü der Bank und nun hat sie der Inhaber des Konto B.
Die Schuld wird gewissermaßen zum Zahlungsmittel. Aber die Schuld bleibt in der Welt bis sie eben beglichen ist, bei Barabhebung, Abfluss nach "draußen". Sie kann nur mit "richtigem" Geld (Zentralbankgeld in unserem heutigen System) bezahlt werden.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » Do 11. Okt 2018, 18:37

Für Onlineeinkäufe ist Buchgeld sogar ein geeigneteres Zahlungsmittel als Bargeld.
Wenn Geschäftbanken, aus welchen Gründen auch immer, einen Bankenrun auf die Zentralbank starten (also Bargeld von ihren ZB-Guthaben geliefert bekommen wollen) könnte das die ZB auch ins Schwitzen bringen.
In der Hinsicht sollte Bargeld nicht überbewertet werden. ;)
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon BlueMonday » Fr 12. Okt 2018, 10:45

Zentralbankgeld ist zum großen Teil nicht physisch. Und auch sowas wie paypal schöpft nicht selbst Geld, schon gar nicht aus dem Nichts.
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