EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

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Julian
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Julian » Sa 21. Jul 2018, 14:00

zollagent hat geschrieben:(21 Jul 2018, 13:01)

Gar nicht, weil das reine Buchwerte sind. Guggsdu und wirst du schlauer.


Wie auch immer: Ohne Deutschland würde die EU nicht funktionieren, weil der Finanzier ausgefallen ist. Wir bezahlen den ganzen Laden - und werden noch mehr bezahlen nach dem Brexit. Einige andere Länder finden die EU dagegen nur deswegen toll, weil sie darüber Gelder erhalten.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Julian » Sa 21. Jul 2018, 14:03

Alter Stubentiger hat geschrieben:(21 Jul 2018, 14:33)

Ja. Target 2 beschreibt nur was zwischen den Staaten gerade an Zahlungsverkehr stattfindet und sorgt für einen reibungslosen Ablauf. In der Realität bekommen die Geschäftspartner gar nichts davon mit. Der Kunde zahlt seine Ware und der Verkäufer kriegt sein Geld. Die Zwischenschritte bleiben ihnen verborgen. Eigentlich ist Target 2 langweilig.


Nur komisch, dass diese Verrechnung nicht tagesaktuell wieder auf Null gesetzt wird, sondern dass das Ungleichgewicht immer größer wird. Und komisch, dass dies parallel zum Anleihenkaufprogramm der EZB passiert ist.

Im übrigen glaube ich, dass sich alle Experten einig sind, dass Deutschland sehr hohe Verluste durch die TARGET2-Salden hätte, wenn die Eurozone zerbräche. Damit hat TARGET2 ein optimales Erpressungspotential durch die Südschiene.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon frems » Sa 21. Jul 2018, 14:08

Oje, die miefige Provinz hängt noch immer am Märchen des ewigen Südeuropäers, der nichts außer "deutsches Geld" im Kopf hat, fest. Dass Länder wie Italien und Frankreich Geberländer sind, aber die verehrten Rechtsregierungen in Budapest und Warschau am meisten Knete bekommen, geht im Eifer des Gefechts auch gerne unter. Aber nun gut, wer geistig noch in den Befreiungskriegen festhängt, der wird ein schwaches, kleines UK auch noch als Empire betrachten.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon frems » Sa 21. Jul 2018, 14:16


An sich nicht überraschend... während sich die 27 EU-Mitgliedsstaaten schnell auf gemeinsame Positionen verständigten, wurschtelte die instabile Regierung in London nur wirr herum und brauchte zwei Jahre, um mal ein Papier abzugeben, nachdem man vorher gerne irgendwelche Thesen in den Raum stellte, die irgendein Minister am nächsten Tag wieder einsackte. Und nun poltern sie an der Tür und präsentieren eine Wünsch-Dir-was-Karte, weil sie dachten, sie müssten nur Vorschläge (mit Rosinen) auf den Tisch legen und alle anderen würden es sofort unterschreiben. Als hätten die sich bei Handelsgesprächen (ob in Japan, Indien, Kanada, Australien, ...) in den letzten 24 Monaten nicht schon genug blutige Nasen geholt, weil nicht alle nach ihrer Pfeife tanzen. Klingt alles sehr unprofessionell und unausgegoren:

“Are the proposals of the white paper workable? Or are they applicable without additional complexity or additional bureaucracy? These proposals would consist in applying two tariffs — Union and U.K. This stirs up practical questions: How can customs verify the final destination of goods? Isn’t there a risk of fraud? Brexit can’t be a justification for additional bureaucracy.”

https://www.politico.eu/article/michel- ... -analysis/
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Julian » Sa 21. Jul 2018, 14:20

frems hat geschrieben:(21 Jul 2018, 15:08)

Oje, die miefige Provinz hängt noch immer am Märchen des ewigen Südeuropäers, der nichts außer "deutsches Geld" im Kopf hat, fest. Dass Länder wie Italien und Frankreich Geberländer sind, aber die verehrten Rechtsregierungen in Budapest und Warschau am meisten Knete bekommen, geht im Eifer des Gefechts auch gerne unter. Aber nun gut, wer geistig noch in den Befreiungskriegen festhängt, der wird ein schwaches, kleines UK auch noch als Empire betrachten.


Da trieft der Hass auf das perfide Albion mal wieder aus allen Ritzen, genauso wie die Verachtung für den miefigen Provinzler, wobei Provinz offenbar alles außer Hamburg und Berlin ist.

Italien bekommt übrigens ziemlich viel Knete über TARGET2. Und wenn du sagst, dass sei nicht wichtig oder nicht real, darfst du die Frage beantworten, was mit den Salden passierte, wenn die Eurozone zerbräche. Und dann wirst du sehen, dass die 1.000 Milliarden - der Großteil davon für Italien - sehr real sind und damit schon jetzt ein Erpressungspotential ohnegleichen für Italien gegenüber Deutschland darstellen.

Komisch auch, dass Frankreich keine solche Imbalance wie Deutschland hat - woran könnte das nun wieder liegen? Dass Frankreich eben besser auf seine Interessen achtet und sich nie in eine solche prekäre Situation wie Deutschland begeben würde?

Und klar, Ungarn und Polen achten darauf, dass sie das Maximum für sich aus der EU herausholen ("Nizza oder der Tod!"), wie es eben fast jedes Land außer Deutschland tut.

Im Zweifelsfall legt Deutschland dann noch einmal ein paar Milliarden drauf, obwohl seine Bürger ärmer sind als die meisten anderen EU-Bürger. Aber Hauptsache, der Export brummt ("Exportweltmeister!" - was für ein dummer, irreführender Titel), damit hat man den deutschen Michel schon immer drangekriegt, dann fühlt er sich gebauchpinselt und schaut nicht mehr in seiner eigenen Geldbörse nach, was ihm das eigentlich konkret bringt.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Schnitter » Sa 21. Jul 2018, 14:28

Julian hat geschrieben:(21 Jul 2018, 09:54)

Das Vereinigte Königreich ist kein Kleinstaat. Es ist ein mittelgroßer Staat; wenn man nur Wirtschaft und Militär betrachtet, sogar ein großer Staat, ......


Hier mal das BIP als Vergleich:

USA: 18,7 Bio. $

EU (ohne GB): 13,8 Bio. $

China: 11,2 Bio. $

GB: 3,1 Bio. $

Ich denke die Diskussion hat sich damit erübrigt :D
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Orbiter1 » Sa 21. Jul 2018, 14:40

Julian hat geschrieben:(21 Jul 2018, 15:03)

Im übrigen glaube ich, dass sich alle Experten einig sind, dass Deutschland sehr hohe Verluste durch die TARGET2-Salden hätte, wenn die Eurozone zerbräche.
Ich glaube die Experten sind sich eher einig dass Deutschland hohe Verluste hätte wenn ein Meteorit mit 5 km Durchmesser auf das Ruhrgebiet aufschlagen würde.
Damit hat TARGET2 ein optimales Erpressungspotential durch die Südschiene.
Ach ja, dann erklär doch mal mit welchen Ländern die Südschiene Im- und Exportgeschäfte machen würde wenn die Eurozone nach der Erpressung zerbräche. Mit den Ländern die noch offene Target2-Salden mit der Südschiene haben (d. h. alle Euro-Länder außerhalb der Südschiene) jedenfalls nicht. Und die Hälfte der italienischen Exporte gehen in die Eurozone.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Julian » Sa 21. Jul 2018, 14:49

Schnitter hat geschrieben:(21 Jul 2018, 15:28)

Hier mal das BIP als Vergleich:

USA: 18,7 Bio. $

EU (ohne GB): 13,8 Bio. $

China: 11,2 Bio. $

GB: 3,1 Bio. $

Ich denke die Diskussion hat sich damit erübrigt :D


Das Vereinigte Königreich ist die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wenn das nicht mehr ausreicht, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Ich halte eine Welt, in der nur noch Großblöcke den Ton angeben, weder für erstrebenswert noch für notwendig.

Warum geht es eigentlich Ländern wie der Schweiz, Norwegen, Singapur, Südkorea, Japan, Australien, Neuseeland, Kanada etc. so gut? Der hier vorherrschenden Ideologie zufolge hätten sich diese Länder ja schon längst irgendwelchen Großreichen unterwerfen müssen, oder müssten bettelarm sein.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eiskalt » Sa 21. Jul 2018, 14:58

Julian hat geschrieben:(21 Jul 2018, 15:49)

Das Vereinigte Königreich ist die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wenn das nicht mehr ausreicht, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Ich halte eine Welt, in der nur noch Großblöcke den Ton angeben, weder für erstrebenswert noch für notwendig.

Warum geht es eigentlich Ländern wie der Schweiz, Norwegen, Singapur, Südkorea, Japan, Australien, Neuseeland, Kanada etc. so gut? Der hier vorherrschenden Ideologie zufolge hätten sich diese Länder ja schon längst irgendwelchen Großreichen unterwerfen müssen, oder müssten bettelarm sein.


Im Gegensatz zu den genannten ist GB ein Zwerg.
Durch seine Lage etc sind die EU und die USA die wichtigsten Partner die werden den Briten aber natürlich nichts schenken.

Zumal dein so großartiges Britannien nur der EU beitrat weil es schwere wirtschaftlich Probleme hatte.
Der Beweis das es GB in der EU schon besser ging wurde also schon erbracht.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon frems » Sa 21. Jul 2018, 15:01

Eiskalt hat geschrieben:(21 Jul 2018, 15:58)

Im Gegensatz zu den genannten ist GB ein Zwerg.
Durch seine Lage etc sind die EU und die USA die wichtigsten Partner die werden den Briten aber natürlich nichts schenken.

Zumal dein so großartiges Britannien nur der EU beitrat weil es schwere wirtschaftlich Probleme hatte.
Der Beweis das es GB in der EU schon besser ging wurde also schon erbracht.

Ist auch immer urkomisch, wenn die Ahnungslosen ausgerechnet Länder wie die Schweiz und Norwegen ins Feld führen, die nicht nur wirtschaftlich speziell sind (z.B. wenige Einwohner in Norwegen mit vielen Rohstoffen), sondern auch noch eng mit der EU verflochten, weshalb sie nicht nur viel Geld für den Marktzugang zahlen, sondern EU-Recht (ohne Mitspracherecht) übernehmen und Personenfreizügigkeit gewähren -- also genau das, was die Brexiteers auf keinen Fall wollen. Aber wen interessieren schon Fakten? Und die ganzen Aufschreie aus der Wirtschaft, die einen harten Brexit fürchtet, sind wohl auch nur durch "Hass" auf das "perfide Albion" zu erklären. Eine andere Erklärung kann es ja nicht geben, wenn der Horizont am Zaun hinter den Gartenzwergen endet. :|
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 21. Jul 2018, 15:21

Julian hat geschrieben:(21 Jul 2018, 15:03)

Nur komisch, dass diese Verrechnung nicht tagesaktuell wieder auf Null gesetzt wird, sondern dass das Ungleichgewicht immer größer wird. Und komisch, dass dies parallel zum Anleihenkaufprogramm der EZB passiert ist.

Im übrigen glaube ich, dass sich alle Experten einig sind, dass Deutschland sehr hohe Verluste durch die TARGET2-Salden hätte, wenn die Eurozone zerbräche. Damit hat TARGET2 ein optimales Erpressungspotential durch die Südschiene.

Deutschland hätte tatsächlich nur einen Verlust beim Zerbrechen der EU. Allerdings wäre der Verlust für die Südschiene größer. Die können sich dass noch viel weniger leisten. Es führt in die Irre wenn man die Eurozone auf interne Finanzierungen oder Anleihen reduziert. Vor allem fördert die Eurozone den Handel innerhalb der EU. Auch den Tourismus und überhaupt alles was grenzüberschreitend passiert. Der Euro bringt da riesige Vorteile. Darauf will und kann niemand verzichten.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Julian » Sa 21. Jul 2018, 15:22

frems hat geschrieben:(21 Jul 2018, 16:01)

Ist auch immer urkomisch, wenn die Ahnungslosen ausgerechnet Länder wie die Schweiz und Norwegen ins Feld führen, die nicht nur wirtschaftlich speziell sind (z.B. wenige Einwohner in Norwegen mit vielen Rohstoffen), sondern auch noch eng mit der EU verflochten, weshalb sie nicht nur viel Geld für den Marktzugang zahlen, sondern EU-Recht (ohne Mitspracherecht) übernehmen und Personenfreizügigkeit gewähren -- also genau das, was die Brexiteers auf keinen Fall wollen. Aber wen interessieren schon Fakten? Und die ganzen Aufschreie aus der Wirtschaft, die einen harten Brexit fürchtet, sind wohl auch nur durch "Hass" auf das "perfide Albion" zu erklären. Eine andere Erklärung kann es ja nicht geben, wenn der Horizont am Zaun hinter den Gartenzwergen endet. :|


Wusste gar nicht, dass Neuseeland auch eng mit der EU verflochten ist oder Japan besonders rohstoffreich ist. Ich bitte deswegen darum, meine Beiträge vollständig zu lesen, mir dann auch direkt zu antworten, und sich Beleidigungen zu verkneifen.

Wenn das nicht geht, wäre die Alternative, einfach zu schweigen, wenn man keine Argumente hat und nur rumpöbeln will ("die Ahnungslosen", "miefige Provinzler" etc.). Danke!
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 21. Jul 2018, 15:23

Julian hat geschrieben:(21 Jul 2018, 15:00)

Wie auch immer: Ohne Deutschland würde die EU nicht funktionieren, weil der Finanzier ausgefallen ist. Wir bezahlen den ganzen Laden - und werden noch mehr bezahlen nach dem Brexit. Einige andere Länder finden die EU dagegen nur deswegen toll, weil sie darüber Gelder erhalten.


Nö. Deutschland profitiert am meisten.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Senexx » Sa 21. Jul 2018, 15:26

Alter Stubentiger hat geschrieben:(21 Jul 2018, 16:23)

Nö. Deutschland profitiert am meisten.

Um den Preis von Niedriglöhnen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 21. Jul 2018, 15:31

Julian hat geschrieben:(21 Jul 2018, 15:49)

Das Vereinigte Königreich ist die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wenn das nicht mehr ausreicht, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Ich halte eine Welt, in der nur noch Großblöcke den Ton angeben, weder für erstrebenswert noch für notwendig.

Warum geht es eigentlich Ländern wie der Schweiz, Norwegen, Singapur, Südkorea, Japan, Australien, Neuseeland, Kanada etc. so gut? Der hier vorherrschenden Ideologie zufolge hätten sich diese Länder ja schon längst irgendwelchen Großreichen unterwerfen müssen, oder müssten bettelarm sein.

All diese Länder haben sich wirtschaftlich und politisch mit ihren Nachbarn verbunden. Um eben stärker zu sein.

Und GB lebt schon seit vielen Jahren immer mehr von Finanzdienstleistungen. Auch damit kann man ein tolles BIP erzielen. Viele Einwohner haben allerdings nichts davon. Und ohne eine Bindung an die EU fehlt der City auch der freie Zugang zur EU. Darum mieten die heute schon Büros in Frankfurt und Paris an. Da weiß man wie die Aussichten für Klein-Britannien sind.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Sa 21. Jul 2018, 15:33

Julian hat geschrieben:(21 Jul 2018, 15:49)

Das Vereinigte Königreich ist die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wenn das nicht mehr ausreicht, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Ich halte eine Welt, in der nur noch Großblöcke den Ton angeben, weder für erstrebenswert noch für notwendig.

Warum geht es eigentlich Ländern wie der Schweiz, Norwegen, Singapur, Südkorea, Japan, Australien, Neuseeland, Kanada etc. so gut? Der hier vorherrschenden Ideologie zufolge hätten sich diese Länder ja schon längst irgendwelchen Großreichen unterwerfen müssen, oder müssten bettelarm sein.


Sie werden sicher bemerkt haben, daß die genannten Staaten ihrerseits anfangen Bündnisse ein zu gehen, die über eine reine Freihandelszone hinaus gehen. Warum machen sie das aber? Meine Vermutung dabei: Sie wollen keine Verfügungsmasse der ganz Großen sein, sondern durch ihren Zusammenschluß ein wirtschafts- und miltärpolitisches Gegengewicht zu den Großen in ihrer Region bilden.

Die Schweiz und Norwegen haben sich bewußt sehr eng an die EU angelehnt aus unterschiedlichen Gründen. Von Zeit zu Zeit wird ja auch eine Vollmitgliedschaft diskutiert. Auf jeden Fall sind beide wirtschaftlich geschützt, weil zu 100% beteiligt, politisch ist Norwegen geschützt durch die NATO, der mit wenigen Ausnahmen alle EU-Mitglieder angehören. Dort beginnen jetzt aber aus bekannten Gründen neue Zeiten, in denen sich die EU selbst um ihre Sicherheit zu bemühen hat.

In Ostasien gibt es die Asean-Staaten als Überbleibsel des Kalten Krieges mit wirtschaftlichen Zielen. Diese Staaten sind sehr unterschiedlich verfaßt, so daß sich ein sehr enger Zusammenschluß nach dem Muster der EU nicht ernsthaft anbietet.

Im Grunde hat der kanadische Premier schon erste Klagelaute ausgestoßen, daß Kanada sich von den USA nicht herumschubsen lassen will. Tja, da haben 40 Mio Mitbürger ja eine gewaltige Wirtschaftsmacht oder gar Streitkräfte in die Waagschale zu werfen. Merken Sie etwas? Wenn die USA einmal eine unzivilisierte Zeit durchmachen sollten, dann hat Kanada seine politische Freiheit (insbesondere in der Innenpolitik) verspielt. Und noch etwas: Warum versucht der andere Machtpolitiker mit Ausdauer, die EU zu zerlegen und zu verunsichern... die tut ihm doch gar nichts. Ja, sie hindert ihn, die Welt in Interessenzonen auf zu teilen, wie das einmal zwischen zwei europäischen Großmächten versucht wurde.

Was macht uns Europäer so sicher, daß ein solches Spiel nicht erneut transatlantisch inszeniert wird? Wollen wir als Gemeinschaft unseren Weg gehen, oder in Appetithäppchen zerlegt gesagt bekommen, was uns frommt? Von Demokratie ist das keine Spur mehr; nur platte militärische und/oder wirtschaftliche Macht.

Vor etlichen Jahren habe ich mit koreanischen Berufskollegen gesprochen: Die fühlen sich von Feinden umringt. Mein Vorschlag: Tut Euch auf demokratischer Grundlage mit den ehemaligen Feinden in Japan und Taiwan zusammen... immerhin auch freiheitlich-demokratische Gesellschaften und helft Euch gegenseitig. Die gegenseitige Ablehnung ist leider immer noch viel zu groß. Und dagegen haben wir in der EU geradezu paradiesische Verhältnisse.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 21. Jul 2018, 15:36

Senexx hat geschrieben:(21 Jul 2018, 16:26)

Um den Preis von Niedriglöhnen.


Erstmal gib es seit geraumer Zeit Mindestlöhne und zweitens werden die Schlupflöcher für Niedriglöhne immer kleiner.

Und außerdem haben Löhne überhaupt nichts mit Deutschlands Rolle in der Eurozone zu tun. Eher schon mit gefragten Produkten die sich ohne Zoll oder Währungsprobleme in der Eurozone gut absetzen lassen. Gilt aber auch für den Einkauf z.B. von spanischen Erdbeeren.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Julian » Sa 21. Jul 2018, 15:36

Alter Stubentiger hat geschrieben:(21 Jul 2018, 16:23)

Nö. Deutschland profitiert am meisten.


Inwiefern, abgesehen davon, dass Politik & Medien dir dies einreden wollen? Wieso soll Deutschland mehr profitieren als Polen oder Frankreich? Woran macht man das fest?

Ohne den Euro wäre ich beispielsweise im weltweiten Maßstab sehr viel reicher, weil die D-Mark sehr viel mehr Wert wäre. Ohne den Euro wäre auch die Außenhandelsbilanz Deutschlands ausgeglichener.

Es ist ein Märchen, dass möglichst hohe Exportüberschüsse einen Wert an sich darstellten. Im wesentlichen ist Deutschland ein Exportland, weil es ein Billiglohnland ist.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eiskalt » Sa 21. Jul 2018, 15:38

Dobrindt schlug stattdessen eine besonders enge Partnerschaft vor. Die Beziehung zu Großbritannien nach dem Brexit müsse "so eng wie bisher keine andere" sein.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/bei-brexit-verhandlungen-dobrindt-gegen-strafe-fuer-london-100.html

Der Dummkopf aus Bayern sabbelt mal wieder, unterminiert die EU und will Britannien einfach so mehr geben als Norwegen und die Schweiz.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 21. Jul 2018, 15:48

Julian hat geschrieben:(21 Jul 2018, 16:36)

Inwiefern, abgesehen davon, dass Politik & Medien dir dies einreden wollen? Wieso soll Deutschland mehr profitieren als Polen oder Frankreich? Woran macht man das fest?

Ohne den Euro wäre ich beispielsweise im weltweiten Maßstab sehr viel reicher, weil die D-Mark sehr viel mehr Wert wäre. Ohne den Euro wäre auch die Außenhandelsbilanz Deutschlands ausgeglichener.

Es ist ein Märchen, dass möglichst hohe Exportüberschüsse einen Wert an sich darstellten. Im wesentlichen ist Deutschland ein Exportland, weil es ein Billiglohnland ist.


Die D-Mark war in einer anderen Welt mit anderen Regeln ein Vorteil. In der Nachkriegswelt mit festen Wechselkursen und billigem Öl.

Und Deutschland ist gerade bei Waren für den Export ein Hochlohnland. Fast alles läßt sich im Ausland billiger produzieren. Allerdings gibt es da so einige Pferdefüße. Mal stimmt die Qualität nicht oder die Produkte sind technisch nicht so ausgefeilt oder es gibt Probleme mit einer unqualifizierten Arbeitnehmerschaft. Deutschland ist ein Exportland weil es eben bessere Produkte anbietet.
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