Eine neue Eiszeit?

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Re: Eine neue Eiszeit?

Beitragvon H2O » Mo 21. Mai 2018, 16:13

[MOD] Ich finde Ihre Darlegungen sehr interessant und lesenswert. Aber vielleicht wäre es doch besser, wieder zum Thema Eiszeit an sich zurück zu finden. Schon klar, daß in der Natur alles mit allem irgendwie verknüpft ist. Aber wir kommen zu weit ab vom eigentlichen Thema. H2O
van Kessel
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Re: Eine neue Eiszeit?

Beitragvon van Kessel » Do 24. Mai 2018, 00:17

In 'moderner' Zeit (so um die 19 - 27.000 Jahre) lag der Meeresspiegel des Mittelmeeres um über 37 Meter tiefer (Regression). D. h. es war eine Menge Wasser an den Polen und rundherum in Eisform gebunden. Nachweisbar an einer Höhle bei Marseille, welche inzwischen 37 Meter unter Wasser liegt und in welcher sehr viele Höhlenmalereien vorhanden sind. So sah wohl die letzte Eiszeit (Würm) am Mittelmeer aus. In Deutschland war vor ca. 16.000 Jahren die Vereisungsgrenze (welche ganz Skandinavien und Finnland bedeckte) bis nach Schleswig-Holstein vorgedrungen. Jütland selbst war 'halbiert' zwischen vereist (Ostseite) und eisfrei (Westseite). Daher wähnt man sich manchmal wie im Allgäu (Endmoräne in Nord-Süd-Richtung).

Die Würmeiszeit hat die letzten Flussterrassen der großen Flüsse in Europa gebildet. Der höchste Anstieg der Weltmeere in einer Warmzeit war 100 - 600 Meter. Wir leben gegenwärtig in eine Zwischeneiszeit. Auch mit der humanen Komponente des Klimas gibt es den Wechsel von Warm-Regenzeiten und Kalt-Trockenzeiten.

Für die deutsche Wirklichkeit würde dies bedeuten, dass wir keine Panzer benötigen, sondern höhere und stabilere Deiche. Oder man würde sich auf ein marines Leben einstellen, wie es die Niederländer schon mit ihren Flusshäusern machen (Wassergrundstücke). Grundstücke auf Sylt haben, imho, weniger Zukunftsaussichten.

Die Frage einer neuen Eiszeit stellt sich demnach nicht. Ausreißer wie z. B. die 'kleine Eiszeit' des 18/19. Jhdts. können von Vulkanausbrüchen oder stellaren 'Geschossen' abgeleitet werden, welche durch hohen Staub das Sonnenlicht absorbierten und eine Art Eiszeit bewirkten. Der Trend war aber von einem borealen, zu einem wärmeren Klima. Dies wird durch die Pollenanalyse bestätigt, dass von Erlen und Birken der Weg zu Buchen und Eichen ging. In Mittelschweden z. B. gibt es nur Buchen aus Gotland, nur diese (fast hybriden Pflanzen) vertragen die -30 °C und mehr über mehrere Monate.
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Re: Eine neue Eiszeit?

Beitragvon Corella » Fr 25. Mai 2018, 08:12

H2O hat geschrieben:(14 May 2018, 10:23)

@corella & Dark Angel:

Darf man aus Ihrem Gespräch ableiten, daß wir Menschen mit unserem verschwenderischem Umgang mit fossilen Brennstoffen und anderen Treibhausgasen eine kommende Eiszeit womöglich dämpfen oder aber eine bevorstehende Warmzeit verstärken könnten? So ganz mag ich an diese Überlagerung aber auch nicht glauben, weil das doch Vorgänge sind, die sich über Jahrtausende erstrecken.

Ziemlich ärgerlich, daß die vorhandenen Klimamodelle die Eiszeiten/ Warmzeiten der Vergangenheit nicht nachbilden können. Dann treffen die Vorhersagen wirklich nur zufällig ein. Oder ist an den Klimamodellen doch etwas dran?


Hallo H2O,
aus Gesprächen mit Leuten, die sich wirklich auskennen, konnte ich aufschnappen, dass es in der erst jüngst vergangenen Kleinen Eiszeit knapp war, wir wären fast in ein Glazial gefallen. Diese Gefahr ist durch die Treibhausgasanreicherung für viele Jahrzehntausende gebannt. Das war gut. Nun ist es aber zuviel.
Deine Folgefrage zeigen, dass Du mit überhaupt nicht verstanden hast und ich bin etwas ratlos, wie erklären. Der Inhalt war, dass es gute Hinweise gibt, dass die Klimamodelle eben nicht unbekannte Größen erfassen, die noch für positive Überraschungen sorgen könnten. Alles weitere - insbesondere Erwartungshaltungen an Modelle (und Projektionen) überhaupt, schon das wäre ein wichtiges, eigenens Thema! Es gibt dazu genügend seriöse Quellen.

Gruß

Corella
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Re: Eine neue Eiszeit?

Beitragvon Corella » Fr 25. Mai 2018, 08:17

Dark Angel hat geschrieben:(14 May 2018, 10:47)

Ob man Klimawandel in der Vergangenheit nicht mittels Modellen nachstellen kann, weiß ich nicht, ob es schon versucht wurde...
So werden sie geeicht (validiert)!
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Re: Eine neue Eiszeit?

Beitragvon Corella » Fr 25. Mai 2018, 08:32

Dark Angel hat geschrieben:(21 May 2018, 11:33)

Die Roten Listen umfassen bekannte Arten, die durch menschliche Aktivitäten vom Aussterben bedroht sind und die sind m.M.n. schon lang genug. Selbst wenn jedes Jahr nur eine einzige Art durch menschliche Aktivitäten ausstirbt, ist das eine zu viel, ist das ein Alarmsignal und sollte zum Nach- bzw Umdenken führen. Da muss nicht künstlich hoch gerechnet werden, müssen keine hypothetischen Arten einbezogen werden, die (noch) gar nicht bekannt sind.
Leider wird auch von so genannten Naturschützern Schaden angerichtet (eigene Erfahrung). Ich streite mich z.B. seit nahezu 20 Jahren mit Vertretern des NABU. Hintergrund: wir haben einen naturnahen Teich angelegt, an und in dem sich verschiedene Arten angesiedelt haben, darunter zwei, die auf der Roten Liste der Bundesrepublik Deutschland stehen bzw besonders geschützt sind.
Ich habe den "Fehler" gemacht und den NABU davon in Kenntnis gesetzt, dass die Tiere bei uns heimisch geworden sind. Seit dem versuchen die Leute vom NABU "Druck" auszuüben, um die Tiere umzusiedeln. Begründen können sie dieses Vorhaben allerings nicht.


Es hat Gründe, warum Gestaltungen mit dem Ziel Artenschutz Studienfach sind!
Wenn wirklich interessiert, schaff dir zum Einstieg mal 2 Konzepte drauf: Vielfalt zielt auf Lebensraumvielfalt. Schleppt man Arten von A nach B und weiß nicht, was man tut, erniedrigt man Vielfalt, weil man Standorte einander ähnlicher macht. Das wird in der Tat auch von NABU-Mitgliedern nicht immer tiefschürfend verstanden. Hilfreicher Fachbegriff: Beta-Diversität. Oder die einfache Botschaft: Artenschutz ist in aller Regel Lebensraumschutz. Wenn man sich daran hielte, mit ein bisschen Standortkunde, würden viele Fehler gelindert.
Das zweite, passend zum Topic: Versetze dich imaginiert an die Höhengrenze alpiner Wiesen und nun lassen wir die kommenden Jahrzehnte Klimawandel vorbeirattern. Kälteangepasste Pflanzen wandern nach oben, die Arten der unteren Höhenzonen kommen. Erstere zerschellen über uns uns sterben lokal aus. Was passiert an Ort und Stelle, misst man es mit einem naiven Biodiversitätsbegriff? Es wird ständig artenreicher, der Gesamtaspekt aber ärmer! Unsere Pole sind übrigens mit solch Bergspitze vergleichbar, die Landkarten täuschen. Vergleich mal die Größe von Grönland mit Mitteleuropa auf Landkarte und dann auf Google-Earth.
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Re: Eine neue Eiszeit?

Beitragvon H2O » Fr 25. Mai 2018, 08:49

Corella hat geschrieben:(25 May 2018, 09:32)
...
Vergleich mal die Größe von Grönland mit Mitteleuropa auf Landkarte und dann auf Google-Earth.


Heben Sie hier ab auf geographische Projektionen der Erdkugel und Versuche, die wahren Flächengrößen irgendwie dar zu stellen? Da müßte Google Earth doch näher an der wahren Flächengröße liegen, weil andernfalls die Satellitenaufnahmen nicht zur durch Projektion verzerrten Landkarte passen würden.
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Re: Eine neue Eiszeit?

Beitragvon Corella » Fr 25. Mai 2018, 09:25

H2O hat geschrieben:(25 May 2018, 09:49)

Heben Sie hier ab auf geographische Projektionen der Erdkugel und Versuche, die wahren Flächengrößen irgendwie dar zu stellen? Da müßte Google Earth doch näher an der wahren Flächengröße liegen, weil andernfalls die Satellitenaufnahmen nicht zur durch Projektion verzerrten Landkarte passen würden.


Ja. Wenn Analogie zur Bergspitze und Begriff Vielfalt besser verstanden, macht es einen Teilaspekt der Dramatik klarer, dass wir uns in einem Aussterbeprozess eines Ausmaßes geologischer Zeiten befinden.
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Re: Eine neue Eiszeit?

Beitragvon H2O » Fr 25. Mai 2018, 09:34

Corella hat geschrieben:(25 May 2018, 10:25)

Ja. Wenn Analogie zur Bergspitze und Begriff Vielfalt besser verstanden, macht es einen Teilaspekt der Dramatik klarer, dass wir uns in einem Aussterbeprozess eines Ausmaßes geologischer Zeiten befinden.


Die Geschichte mit der Anhebung von Eisgrenzen auf Bergen hatte ich schon verstanden: Verminderung der globalen Vielfalt bei Zunahme immer gleicher Arten. Könnte man vergleichen mit einer intensiv genutzten Weidewirtschaft: Ganz viele Nutztiere, aber kaum noch Wildtiere, außer solchen, die von den Nutztieren Vorteile haben... Zecken und andere Quälgeister :eek:
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Re: Eine neue Eiszeit?

Beitragvon Corella » Fr 25. Mai 2018, 09:55

H2O hat geschrieben:(25 May 2018, 10:34)

Die Geschichte mit der Anhebung von Eisgrenzen auf Bergen hatte ich schon verstanden: Verminderung der globalen Vielfalt bei Zunahme immer gleicher Arten. Könnte man vergleichen mit einer intensiv genutzten Weidewirtschaft: Ganz viele Nutztiere, aber kaum noch Wildtiere, außer solchen, die von den Nutztieren Vorteile haben... Zecken und andere Quälgeister :eek:


Einfluss Beweidung ist viel, viel komplizierter und sehr von Klimazone, Mesoklimat und Bodenfruchtbarkeit eines diskutierten Standortes abhängig. Locker für 3 intensive Semester Unterthemen bloß fürs Grobe.
Aber trotzdem eine lange Geschichte auf einen kurzen, maßgeblichen Punkt fokussiert: Das verheerende an der Intensivnutzung ist die Nährstoffanreicherung, direkt oder indirekt aus Düngung.
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